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Full text of "Deutsche Bauzeitung"

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PEUTSCHE 

BAUZEITUNG 




ORGAN DES 

VERBANDES DEUTSCHER ARCHI- 
TEKTEN U. INGENIEUR -VEREINE 

REDAKTEURE: ALBERT HOFMANN UND FRITZ EISELEN. 



Deutsche Bauzeitung 



Deutsche Gesellschaft für Bauwesen e.V., Verband 
Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine 



b. H. 



y i uu 
296q 

V38 




jfibranj of 




JJrmrrton ünibc rsitji. 
(ElixnbeÜj JFointhatüm. 




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Inhalts-Verzeichnis, Orts- und Sachregister 
zum XXXVÜI. Jahrgang 1904 der „Deutschen Bauzeitung". 



(Den mit * bezeichnete» Aufsätzen sind Abbildungen beigefügt.) 



Seite 

Aachen. Das neue Rathaua 

349', 357*, '61* 
Abwässer - Reinigung und 
Votflut im Emschergebiel 

tu', 113*. las* 

- -Reinigung« - Anlage und 
Kanalisation der Stadl 
Düsseldorf 585', S93*. tot*. 

617* 

Aegypten, Bewasseruugs- 
Anlageri 5B 

Alrlka, SOdwcal-, Eisenbahn 
nach Windhuk .... 358 

Ahornholz-FuUoodcn . . . 391 

Amerika. Leistungen der 
Architekten u. Honorar . 319 

— Eisenbahn durch den Gr. 
Salzsee 506* 

— Reiseber, über Ingenieur- 
bauten S3S 

Anatomische Eisenbahn . 390*. 

419*. 4**' 

AnHeger - Beitrage zu den 
Strattenbau-Kostcn . . . 573 

Anstrich mit Kautscholcum 
gegen Schlagregen . . . 431 

Anstrichmaschinen mittels 
Prellluft ra3, 615 

ArbeiterhellStltten d. Lan- 
des Versicherungsanstalt 
Berlin bei Beelitz . 16* 69«, 
79', 85'. '53*. loa*, 175*, 16V 

Arbeiter - Wohnungen in 
Rheinland . 187*, 198', au* 
»43* ■ 243* 

Architekten. Auszeichuun- 
Ken 83, 147 

- und Baubeamte . . . .147 
als Direktoren von kunst- 
gewerblichen Arbeits- 
musren 19t' 

- Amtliche Fachprtllungen 310 
Das Streben der engl A. 
nach aratl. FacliprOfungcri 38a 

- Leistungen und Honorar 

in Nordamerika .... 319 
Archltekton. Unterricht un 

Universitäten 371 

Architektur der Neuzeit, 

Das Moderne in der . «,8, 62 

— l'eber künstlerische Auf- 
hüben in der A 389 

- Neucrc badrschc A. . 477*, 
4«S*. 501*, S»i*, 531'. 04S*, 

053* 

Archivbauten, moderne . 103 
Asien, Eisenbahnen Kuli- 
lands in .... . 68* 95 

— Anatolischc Eisenbahn 399', 

419'. 436" 
AsrihaUfwirkett auf Sand- 

unterläge 61Ö 

Athen. Archäologen - Kon* 
crclS ........ 6r_5 

Aufzuge. Eleklr. Turmkran 
zur AusfQlirung v Hoch- 

bauten 81* 

Ausachlagen der Esserr- 
wandc b. Dampllicizungcn 330, 
334, 356 
Ausstellung. Berlin. Die 
Architektur auf (! Kunst-A 136, 
38ä'. 1»9*, 489« 

— — Arehilekton. NachlaU 

von Aug. Orth und 
Sk. Neckclmann . . aao 
Darmstadt Ausstellung 
<lei Künstler -Kolonie . . 320 
Düsseldorf. Garten- 
bnu-A 573* 

— Nürnberg. Wettbewerb 
um die Bauten der 

Landes A ,. 330* 

und das Stautsbauwescn 015 

Austrocknung eincsKassen- 

gcwolhrs .... 393, 336 
.- teucht. Kellcrmauern 387*, 396 
Auszeichnungen v Arrhit. 83 
-- der Zemenlwareufabiik 
Djckerhoff & Widmann 93 

Badeanstalten, Schwimm- 
halle als Smdtbad . . . 303 

— Hallcn-Schwimmbadci . jio 



Seite 

Baden. Neuere badisclre 
Architektur 477'. 48«,*, 501*, 

PS*, 537*. 64*.*. 653* 
Bahnhof. Ausführung des 
Hauptbahn!), in Hamburg 69 

— — desgl. Sternschaiiie u. 

Dammtor iaa 

— Umwandlung der Eiscn- 
bahnanlagen in und bei 
Leipzig . . . 22*^ <9_V 76* 

Bamberg. Prinircgent Luit- 
poldschule 197* 

Bankgeb. MainzcrVolksb. 615* 

Bauakademie in Berlin, zom 
80. Semester 543 

Baubeamte, Stadtbrt. für 
Dresden 364 

- •.ladt , für Halle a. S. . - 350 

— desgl. für Naumburg a. S 359 
Baubeamter u. Privataichi- 

tckt 147 

Bauentwürfe, deren Be- 
nutzung 96 

Bauernhaus mit Mostpreste 

in Gaisberg .... 371* 
Bauflucht für Villenbauten 48 
Baugewerkschulen. Um- 
gestaltung des archltekton 
Unterrichts . 48a, 518, j6a 
Baugewerksmelster. Be- 
rechtigung zur Führung 
des Titels eines ... 91 
Baukonstruktionen, to.cn- 
betonbohlen .-»y»(cni Tilk 
<t Schwarz zu Decken 
uod WAnden 171 

— Dachgarten-Anlage . . 413 

— Dreitägige* Pappdach mit 
lutegewcbe-Einlage 495, 558 

— Wiederherstellung alter, 
verrosteter Wellblech- 
dileher 536 

— Herstellung der kreis- 
runden Rauchiöhren . . J48 

— Rohm's zerlegbare Ofen- 
triHiitcl aus E.u2elw.1uden 334* 

— Künstliche Teiche . . . 435 

- Brcitflanschigc Grcy - 
Tiiger, System Differ- 
dingen ....... 313 

Baukunst, neue.inDancmark l* 

— allbürgcrhrhe 154 

Baumaterial. Hygiena-Ma- 

teiial, Fulibodcribelag . j8 

— FuUbodcn 111 Färbereien . 364 

— Granrtzcnrcntbclag . . . 304 
llaitgiasbaustciric . . . aao 
Bezeichnung und Unter- 
scheidung des Bauglases 555 

— Wachwitzmetall . . . lao 
Baumwuchs, Eingehen an 

Straften, infolge Gaslcit 556 
Bauordnung dir Dresden . 503 

— Slaffel B für München 538* .570 
Baustein .Vrrgo*, neuer 

roter Granit 558 

Bauten auf dem Sonnenstein 

bei Pirna 334 

Bauwesen im deutschen 

Rcichshaushalt .... 63a 

— im prent!. Staatshaushalt 4 s, 6a 
in Württemberg . . . 558 

Bayern. Das Staatsminitter. 
Itlr Vcrkchrsangelcgen- 
heiten q_ 

— a. lechn. Hochschule . 360 
Beachy - Head - Leuchtturm 

her Eastbourre . . . 433* 
Bebauungsplan. Bestre- 
bungen zur gesetzlichen 
Regelung der Umlcgvng 
Stadl. Grundstücke . . 399 

— l.rolistadt -Erweiterungen 647" 
Bremische Stadl- und 
Denkmalfiagcn 36a*, 373* 

— Urngtsraltung von Alt- 
Mrrwsel 333* 

— Umgestaltung des I hcaler- 
platzcs in Dresden . 1 4*, 80, 

91*, l6 t *, 169*7446 

— Verbesserung der Won- 
iiungsvcrhalinissc in Ham- 
burg 379* 

Stmlterweilei ung v. Metz 315* 



Stile 

Bebauungsplan. Stadt-Er- 
weiterung von Posen . . Li 

— Stralicndurchbrflche in 
Paris 597* 

— Umgestaltung des Karls- 
platzes in Wren 3e,S*,443*,578* 

— Die Kunst der Slfidtc (H. 

W Brewcrf) - 607*, 614* 

— Abstand verscbiedenerGe- 
bnude 31a 

— Die Stellungnahme der 
,D. Bztg " in der Frage 
der Aufstellung von Ent- 
würfen f. B 571 

Bedürfnisanstalten, unter- 
irdische . 4t6, 438, 440, 460 

Beelitz. Die Arbeilerheil- 
siatten der Landen- Ver- 
sicherungsanstalt Berlin 
61^ 69*. 79*, 85*. 153*. loa*. 

"75*. '85* 

Begrabnisstlrte in Göp- 
pingen 331* 

Beleuchtungskörper der 
Sachs. Bronzewarenfabr. 
in Würzen ..... ao 

Berlin. Die Architektur auf 
der Kunstausstellung 136,383*, 
439*, 4«9* 

— Das Roon-Denkmsl 570, 644 

- Neubauten DasHerrcn- 
haus des preuti Landtages 40*, 

Sa*, "37* 

— -- Das Gebäude der See- 

handlung .... 489* 

— — Minist, der gciltl. usw. 

Angelegenheiten 489* 

— Erhallung des Opern- 
hauses . . 157*, 191, 411* 

-- Umbau des Kgl. Schau- 
spielhauses. . . 365', 376* 

— Grundwasserversorgung 

der Stadt iE 

Bern. Das neue schweizer. 

Bundeshaus 100*, 130*. 133* 
Beton. Dichten eines Warm- 

Wasserbeckens .96, 104, 168 

— Berechnung der Spannun- 
gen auf Biegung bean- 
spruchter Betonplalten . 406 

— Eisonb -Brücke in Stampf- 
beton über die liier bei 
l-rrutmcli . . . 44 1*, 4J3* 

Betonelsen-Konstiuktionen, 
Vorschriften 348 

— bei Fundamentplatten . 608 
Bewasserungs-Anlagcu im 

alten und neuen Aegypten 58 
Bewegen und Heben ganzer 

Baulichkeiten ... 93, 136 
Bibliothek des Krhrn, voo 

König-Fachsenfeld . . 38 1* 
Bismarck -Denkmal -Turme 

von W. Krers . . . 561' 
Bockmann W, t Ehrentafel 

z Gedtchtnia.L Motivhause 60 
Brand des [ro<|uois-Theaters 

in Chicago . . ar*. sr*. aoj* 

- des Pariser- Warenhauses 

in Budapest jt 

Brandschaden, Versiche- 

ruugs-PIlichl gegen 00, 103 
Bremen. Aufstellung eines 

Bismarck- Denkroa s 57* 83 

— Arch. E. Hogg als Dir, des 
Gewerbe-Museums . . I9r* 
Stadt- u Dcnkmalfragcn 36a*. 

373* 

— Wettbewerb fflr den Neu- 
bau des Stadthauses 93*, los*. 

H8*. t33* 
Brewer, IL W. f, ein engl 

Stiidtekünsller . 607*, 614* 
Brief von unterwegs . . . 466 
Bruchsal. Verwaltungsge- 
bäude der Ma»chinci)tat>r. 
Sconabel Ä Henning . 531* 
Brückenbau. Die neue 
F.ibcnbaJiri Verbind, üoer 
den Rhein bei Mainz . 313*, 
330*, 333* 

— Wetlbeweib um d Rluiiv 
brDcke bei Ruhioit 28o*,c,;.y\ 

616" 



Seite 

Brückenbau. Die neueren 
StraUcnbr Ober die Donau 
in Budapest 97*, 145*, 149*. 

173*. i8i« 

— Eisenbahn- und Siraüen- 
brflcken Ober den Obcr- 
hafeo in Hamburg . . . 386 

— Eiscnb-Br. in Stampf- 
beton Aber die Hier bei 
Lautrach . . . 44'*, 453* 

— - Senkung der Maximilians- 

Brücke in MOnchen 339, 433 

— Br. über den Eastriver 

in NewYork . . . . a± 

— Jochbrücke der Eisenbahn 
durch den gr. Salzsee in 
Nordamerika .... 506* 

- Bogenbr Ober die Donau 

in Passau . 3ai*, 383,, 414* 

— Die Syratal-Br. in Plauen 

im Vogtl. . 354*. 36'*. 4'4* 

— Neubau der steinernen 
Br. Ober die Donau bei 
Regensburg 67* 

— Ober den Hafen von 
Sydney 513* 

Brüssel, Vmgestalt- v. Alt-B. 333* 
Brunnen, Neptun-, und der 
Schone Br. in Nürnberg 998* 
3*o 

Budapest. Die neueren 
St raUcn -BrQckcn Ober die 
Donna 9;*, 145*. 149*, 173*. 

181* 

Bacherschau. 

— Abendroth. Die Auf- 
stellung u. Durchführung 

v. amtl. Bebauungsplänen 96 

— Arehilekton. E n 1- 
wflrfcv Sind derTechn. 
Hochschule in Aachen 
unter Leitung von PruL 
Schupmann 415 

— Baukunde des Archi- 
tekten Bd. ^ Terla, 558, 584 

— Billing. IL Pro'-, d« 
Musikrautn in der Wclt- 
Aiisslellg. St. Louis . . 376 

— Birk, Alfr., Prof. Der 
Wegebau . . . .638 
Blockhaus' Konver- 
sationa-LcKikou .... 84 

— Deuts« her Haukalen- 
•ler 499* 

— Dolezal. Theoretische 
und prakt. Anleitung zum 
Nivellieren voo Stampfer 371 

- Handbuch der niederen 
Geodäsie von Hartner 
u. Wastler . . . . 37 1 

— Düsseldorf u. seine 
Bauten 437*. 45»*, 4«i*, 5«*, 

536 

— Ebhardt, Bodo. Die 
Burgen und Burgenreste 
Italiens 57a 

— Entwürfe einfacher 
Bauern- und Bürger- 
häuser im Rheinland, 
Wettbewerb 415 

■ - Fischer, P.,Reg-u Brt. 
Ansicdelungsbautcn in 
Posen und Weslprcuüen 134 

— - Gotische , Gg , Die 

Kklteni.tschinen .... 344 
Gurlitl, Corn l ; ebcr 
Baukunst, Bd XXVI von 
Muther: Die Kunst . 448* 

— Hagn, IL Schulz von 
Eisenkonstr. gegen Feuer 338 

— Handbuch der Ge- 
sclrgebung in PreuUen 
und dem Deutsch Reiche. 
9 Ted- M U n c h g c s a 11 g : 
Däi Bauwesen .... 173 

- Handbuch der I n - 
uenie ur Wissen- 
schaft cil II! Teil Der 
Wasserbau v. Frühling 313 

— - Handbuch der Deut- 

schen Kunst - Denk- 
mäler . 573 

— Horcher. 1. , Reg -Bmstr. 
GroU>1adt Ei w eiter urg . 647* 

IM 



»lyuizct 



•odgle 



Seile 

Bacherschau. Hochbau- 
Lexikon v Dr.Schöner- 
mark u. StOber .... -415 
- v. Holfmano, A. Histo- 
rischer Rciscbcg leiter (Or 
Deutschland 376 

- Kreller. Emil, Dr. Die 
Entwicklung der deut- 
schen elektrotechnischen 
Industrie und ihre Aus* 
sichten auf dem Welt- 
markt ..... 598, 6aa 

- Kahler, W., Prof Der 
DrehstroDirooloralsEisen- 
babnmotor 091 

- Kaster, A, Die Er- 
schließung v Baugelände 
D. die Bildung geeigneter 
Baustellen durch Um- 
legung der Grundstöcke 309 

- Lambert H Stahl. Ar- 
chitektur von 1750-1850 436 

- Das moderne Land- 
haus und seine innere 
Ausstattung . . 58 1*, 591* 

- Meyer • Grolles Koo- 
versations-Lexikon . 260. 616 

- Kotibach, Arwcd, und 
seine Bauten 350 

- Schubert, Menzel, der 
Bau der Eiskeller, Eis- 
hauser, l-agerkcllcr und 
Schrlnke 344 

- Schutte, Alb, Malerische 
Landhäuser 304* 

— Schweiler Kunstkalen- 
der von Dr. Baer . . . 618 

— Steffen, H., Baudenk- 
mäler deutscher Vergan- 
genheit 351 

— S t ein lein, G.,AllbOrgcr- 
lichc Baukunst .... 155 

— Stiehl, O., Kunst oder 
Kunstgeschichte 'Wieder- 
herstellung oder Zerfall d. 
Heidelberger Schlosse* '! 499 

• Technolexikon . 84 
Der stldt. Tiefbau, 
Rd. V. Die Versorgung 
der Slldte mit Elektrizität 
von V. Miller 354 

— Das städtische Tief- 
bauweaen in Krank- 
furt a M 7 

— de Weldigc-Crcmer 
und Fahrenhorst. Die 
Grundstocks- Urnlcgung in 
Dortmund 300 

-- Wi I d c n b r u c h, Aus 
Liselottes Heimat Ein 
Wort zur 1 leidclbcrgcr 
SchloÜfragc . . . 431, 603 

Bücher -Verzeichnete. 84, 96, 
is4, 17», »55, 960, 39t, 344, 
35«, 37'. 316, 388, 415, 436, 
448, 500. 57s, 59a, 616. 

Burg Stccklcnburg b. Tliale 614 

Charlottenburg. Das Kat- 
haut 313*, 325« 

Chicago. Brand dcslroquois- 
Thratcrs . . 31*, 51*, 305* 

China. Architektur der 
neueren Zeit in Shanghai 450* 

— Nanking, eine wandernde 
Grottstadt 449" 

— Eröffnung der Shsntung- 
Eisenbahn ...... 135 

- Wasser- und Schienen- 
wege in 19t 

Chronik. 13, 36. 44 , 68, 7 1 , 1 04, 
136, 148, 168, 196, als, 348, 
360, 980, 384, 396, 331, 33s, 
359, 37»i 408, 4 '6, 44°. 464, 
508. J34, 53a, 544, 55», 568. 
580, joa, 608, 694, 636. 

Dach. Dreilagiges Pappd. m. 
Jutegcwebe-Einlage 495. 558 

— Wiederherstellung aller, 
verrosteter Wellblcchd. . 536 

Dachgärten 413 

Dänemark. Neue Baukunst 1* 
Dampfturbinen. . . 319 
Danzig. Eröffnung derTeclin. 

Hochschule .... 497 
Darmstadt. Aufstellung der 

Künstler-Kolonie . . . 3-0 

— techn. Hochschule, Ehren- 
doktoren . . . . 9a, 31 1 

Decken-Konstruktionen 

- I'.e E^crl Decke 4<>\ 59 



Seite 

Decken. Gillerbalken-D. von 
Visintioi 47* 

— Schulthriu'scbe Draht-D 95 

— Stcinkohlcnschlackc als 
FQllmaterial (Ar ... . 136 

Denkmalfragen, Bremische 
Stadl- u- D. . . 363*. 373*. 

Denkmäler. Bismarck D - 
Aufstellung in Bremen 57*, 83 

— Bismarck D. -Eni warf c von 
W. Kreis in Dresden . 561* 

- Das Roon-D. i. Berlin 570. 644 

— D -Entwurf f. G. Freytag 

in Breslau 567 

— von Vertr. der Technik 
an der Techn. Hochschule 

in Wien 11 

Denkmalpflege in Hessen . 414 

— und Dichtung 603 

Denkmaltag in Mainz . . 606 
Dessau. Wettbewerb um 

d. Entwurf eines Waisen- 
hauses 9t, 131 

Deutschland. Das Bauwe- 
sen im Reichshaushalt . 633 

Dichten, ein. Warmwasser- 
becket» in Beton 96, 104, 168 

Dom in Magdeburg . . . 343 

— in Meißen .... 39*, 10a* 

— iu Worms 146 

Donauwasserstratte von 

Hassan bis Ulm .... aoa 
Dresden. Stadlbrt. 1 Hochb. 364 

— Neue Bauordnung für . . 503 

— Haus Peter Spreckel« . 39' 

— Das neue Rathaus . . .348 

— I.anrfwiitschattl. Verwal- 
tungsgebäude . . 353*, 377" 

- Friede. Siemens-Stiftung 

an der Techn Hochschule 555 

— Umgestaltung d. Theater- 
platzct 14*, 80, 94*, 164*, 

169«, 446 

— Umbauten am Opci nhausc 435 
Druckereien, Aufstellung d. 

Maschinen zur Geräusch- 
verhinderung . . . 39a, 353 
Düsseldorf. Gartenbau-Aus- 
stellung 573* 

- Handelskammer ... 161* 

— Ergänzung» baut. d. Kana- 
lisation u. Reinigungs-An- 
lage für die Abwasser 585«, 

593*. 6oi* ( 617« 

— Verband dtsch. Aich- 
u.Ing.-Ver. 33 Abgeordn - 

- ^.W.ndcrvcr. 3 ^^ 

SO"» 

Die Vortrage 466«, 475*. 

479. 49t*. 503*. 609*, 618*. 

635» 

— — Bericht Ober die Ent- 

wicklung d. Verb 485, 497 

— u. s. Bauten, Buchcrbc- 
sprechung . 437', 458*. 461', 

5°8, 536 

Duisburg. Ev. Kirche . 654» 
Ehrendoktoren d. deutsch. 

Techn. Hochs« hui so, 93, 311 
-- der Universität Marburg 580 
Ehrentafel zum Gedicht ins 
W. Höckmanns im Motiv- 
hause iu Charlottcuburg 60 
Eltenbahn-Vorlage i preuU. 
Abgeordnetenhause . . 303 

— Entwicklung d. Berliner E. 

im letzten Jahrzehnt 143, 495 
Elsenbahnen. Umwandlung 
der E -Anlagen in und bei 
Leipzig . . 37', 49". 7** 

— im Ruhr-lndustrie-Gebiet 554 

— Nördlichste E der Well, 
Norwegen 342* 

— Die neuen Alpciibahnen 

in Oesterreich .... 36 

— - E- Rußlands in Asien 88*, 95 
• Dir anatol. E. soo«, 419* 436* 

durch den Gr. Salzsee in 
Nordamerika .... 506* 
in Sftdwcstafrika , . . 358 
Eiöffnung der Schantung- 
bahn in China .... 135 

— Stadt- und Vorortbahnen 

in Hamburg 138 

Kntwicklui'g des »lädt. 
Schnellverkehr» Wesens 
seil Einführung der Elek- 
trizität 4 66\ 475*. 49t*, 503* 

- Per Schnellbetrieb auf 
11 318 



Seite 

Eisenbahnen. Versuchs- 
fahrten der Studieogescll- 
schaft für elektr. Schnell- 
bahnen .... 454*- 461 

-■ -O be r bau,Bcobachtung., 
Messungen und Vertucbe 348 

— Bloekeinrichtungen . . 95 

— VerdObelung von hölzern. 
Eisenb -Schwellen . , .910 

— Neuerungen auf dem Ge- 
biete der Telcgraphie und 
Telephonic f. Eisenb. . 31 1 

Eisenbeton-Bohlen, System 
Tilk St Schwarz . . . 171 

— -nfahl - Gründung beim 
itauptbab nhol in Hamburg 70 

Elektrischer Turmkran zur 
Ausf Abrang von Hoch- 
bauten 81* 

Elektrlzltatswrk.d. Schweiz 65t 

EletrotechnUohe Industrie, 
die Entwicklung der deut- 
schen, und ihre Aussichten 
auf dem Weltmarkt 598, 633 

Emscher-Rcgulicrung 1 11*, 113*, 

133* 

England. Das Streben der 
Architekten nach amtl. 
FachprOfungcn . . 283, 310 

— Ein engl. Stldtckünstler, 

H W Brewerf. 607*, 614« 
Ersatzpfilcht bei Verzug der 

Erteilung der Bauerlaubn. 313 
Etat. Das Bauwesen im 

preuü. Staatshaushalt 45,6a 

Reichsliauslialt . ... 633 

Fabrikgeb. Kunslwerkstatt 
der deutsch. Glasinosaik- 
Ges. Pohl & Wagner in 
Rixdorf 433* 

Fahrbahn auf LLEiscn atf 
Chausseen 30 

Farbentonkarte von Bau- 
mann 379 

Fassaden, Empire-, in Ma- 
rienwerder .... 533* 

— -Schmuck, farbiger 350, 416 
Feldbahn-System .Bierau" 167 

Fensterrecht 168 

Festrede: Das Moderne in 

der Architektur der Neu- 
zeit von Johannes Olren 58, 6a 

Fluchtliniengesetz. An- 
lieger-Beiträge .... 573 

Flullbau-Laboratorieti und 
die Ausführung von Ver- 
suchsbaulcn in geschiebc- 
führenden Flüssen 314, 333 

Fluß-Regulierung des Em- 
schergebiets tu*, 113*, iaj* 

Frankfurt a. M. Das stadt. 

Tiefbauwesen .... 7 

— Die slildt. Wasserwerke 103 
Freiburgi.ßrg. Kollcgicogcb. 

I. d. Universität . . . 619* 
Friedhof-Anlage in Göp- 
pingen 331* 

Füllmaterlal, steinkohlen- 

schlackc 136 

Fußboden aus Ahornholz . 391 

— in Fabrikgeb ... 460, 488 

— in Färbereien . . . 364, 508 
-- in Schlachthallen . 464, 488 

— ParkeliplallenausBuchen- 
hulz in Asphalt auf Sand- 

beltung 57a 

-Schädlinge, Holzwürmer, 
ihre Verlreibung ... 293 

Galsburg. Haus und Most- 
presse 371* 

Gartenbau - Ausstellung in 
Dasseldorf 573* 

Gast- und Wohnhaus der 
Brauerei Gebr. Beckh in 
Pforzheim 535* 

Gaswerk in Rixdorf . . .211 

Gebühren für schiedsrichter- 
liche Tätigkeit .... 73 
- -Ordnung der Architekten 
u Ingenieure. Auslegung 
derselben .... 06, 4B8 

Genesungshelm s. Heilstätten. 

Gerüsthaken v. W. Stieper 354 

Geschäftshaus des laod- 
wirtachaftl. Kicditvercins 
in Dresden .... 353* 

— der landwirtsch. Feuer- 
versteberungs - Genossen- 
schaft in Dresden . . 377' 



Sei«. 

Geschäftshaus der Handels- 
kammer in Dasseldorf . iär* 

— der Mainzer Volksbank 645* 
Gesetz betr. d. Urheberrecht 

an Werken derbild. Künste 233 

— zur Vcrbcsierung der 
Wohnungsverhältnisse in 
Preutten 433 

Glas. Ibrtglasbausttinc . 320 

— Bezeichnung und Unter- 
scheidung des Bauglases 555 

Glasmosaik für Fassaden- 
schmuck 350* 

— -Fabrik v. Puhl & Wagner 

in Rixdorf . . . 433*. 57° 
Glasplatten zur Bekleidung 45a 
Glclsbahncn auf Land- 
straßen 31a, 360 

Göppingen. Fricdhofaolage an* 
Gotha. 100 jähr. Bestehen 

der Baugewerkschule . 57 t 
Granit, ein neuer roter, 

-Virgo* . 558 

Grenzmauer, Kosten der 

Herstellung 360 

Gründung des Hauptbahn- 
liofes in Hamburg ... 69 

— Betonsohle mit Eisenein- 
lagen 608 

Grundstuckslaxcn zu er- 
mitteln 356 

Hafen - Erweiterung von 
Ruhrort ....... 359 

— von Valparaiso . 336*. 338 
Haiense« b. Berlin. Terra» 

senbau .... 63a*, 657* 
Hailea. S. Neue Stadtbaurätc 350 
Hamburg. Auslahrung des 

Hauplbahnhofcs ... 69 

— desgl. Steroschanzc und 
Dammtor 133 

— Brocke Ob. den Oberhaan 3B6 

— Pläne für Stadt- und Vor- 
ortbahnen 138 

— Musikballe ...... 311 

— Stratlcnreinigung • - - 31 

— Mündung der Stammsiclc 358 
• Tunnel unter der Elbe 374' 

- Verbesserung der Woh- 
nungsverlialtnisse . . 379' 

Handelskammer in Dassel- 
dorf 161* 

Hanau, Kreishaus .... 147 
Hausnummern, Fcstlcg. 416,360 
Hausschwamm - Bildung u. 
Vertilgung .... 134, 13a 

— Verantwortlichkeit . . . 1C8 
Hebung ganzer Gebäude — 

Firmen 93, 136 

Heldelberg, Erhaltung des 
Schlosses 367, 269, 389, 403, 
4 '7, 42.1*. 4*9. 453. 534, 548, 
603 

Heilstätten der Landes- Ver- 
sicherung« Anstalt Berlin 
bei Beelitz. 6i*. 69*, 79', 85". 
■53". i6a\ 175«, i8s* 

— Magdeburger Lungenheil- 
stätte Vogelsang bei 
Gommern 393* 

— Genesungsheim Fricdricha- 
höhe zu Pyimont . . 569* 

Heimatschutz . . . 170, 179 
Heizung. Fernheizwerk der 
Arbeiterheilstättcn bei 
Beelitz .... loa', 175* 

- Etagen - Dauerbrand - Zen- 
tralofen von Grimme, Na- 
tatis A Co 143 

- von Klosett» 13 

Hessen. Denkmalpllrge . 4M 
Hochschulen, Techn. »elb- 

slflnd T.-H. od. Anglicdc- 
rung an d. Universitäten 487 

- Studium und d. Prüfungen 304 

— 3 T -H. in Bayern . . . 160 

— Berlin Brt. Gracl, Privat- 
dozenl 143 

- Ausstellung des archi- 
tckton. Nachlasses von 
Aug.Orthu Sk.Ncckcl- 

mann 320 

Bauinsp Stiehl. Doz. . 548 

— Das neue K gl. Material- 
Prüfungsamt in Gr. 
Lichtcrlelde 563*, 574*, 631 

— in Danzig Zar Eröffnung 497 

— in Dresden. Friedrich 
Siemens Stiftung . . . 555 

■ in Karlsruhe Das che- 
mische Laboratorium 297* jo6* 



IV 



Stil» 

Hochschulen, Techn. Be- 
such in Oesterreich . . 184 

Hofhelm i T. Wasserver- 
sorgung u. FntwAsserung 3*6 

Holland, Architekton. Rei- 
secindrocke au 

Holzwürmer, ihre Vertreib. »9a 

Homburg v. d. H. Villa 
Wcrtheimber 13* 

Honorar und Leistungen il. 
Architekt, i. Nordamerika 219 

Isolierung, Asphall-Blei-1. z. 
Anlage von Dachgarten . 413 

— desgl. von kanstl. Tetchen 435 

- Isolier- Deckmasse von 
Bitter ich 508 

Italien. Reit cmitteiluogeo v. 

— Apuliscbc Wasserleitung 371 
Jena. Wettbewerb om Ent- 

würfe für die neue Uni- 
versität 73*, 107* 

JublUum z. 70. Geburtstage 
v. Gustav Ehe .... 555 
100 jültriic- Bestehen der 
Baugewerkich. in Gotha 571 
■ des aj jahrig;. Bestehens 
d. Masch.- Fabr. v. C Flohr 
in Berlin ...... 350 

Kanada, Schiffshebewerk i. 

Trent Kanal . . . . 511» 
Kanalbau, Panama- Kanal 
Oberleitung d. Aib. . . 879 

- drei wichtige in Deutschi, 
anzulegende Kanüle . . 347 

— vom Rhein zur Weser, v. 
der Kommission d. preuü. 
Abgeordn.- Hauses ange- 
nommen S79 

Kanalisation u Rcinigungs- 
Anlage für die Abwasser 
i. Düsseldorf 585«, 593*. 601*, 
617* 

— Tabellen der Wasser- 
mengen in K -Röhren 380, 33a 

Karlsruhe. Techo. Hoch- 
schule: Ehrendoktoren 90,9a 

— Das chem. Laboratorium 
der T.-H. . . . 897«, 306« 

— Das Krematorium . . »73* 

— Kersm.-Weikst. der Gr. 
Majolika-Manuf. . . . 653' 

— Wobnhausgruppc Baisch- 
»traüe. . 477», 485*, 501' 

— Wohnh. NuUbergcr, Kohl- 
becker nnd Mees . . 357* 
Wohnh. eines Hofjägers 056* 

- Schwestern Abenheim 646* 
Kussel. Theater neubau . . 359 
Kautscholeum geg. Schlag- 
regen 434 

Kegelbahn. Verhinderung d. 

GeiauschesimWohnhsuse a68 
Kircheobau, Gedanke des 

evangel 14a 

Klrchenbuaten. Brorsons K. 

in Kopenhagen .... 8* 

— K. fflr Duisburg . . . 654« 
Wiederherst. d. Nicolai- K. 

i:i Spandau . . 337*, 345* 

— Zur Einweihung der P10- 
tcstaiions-K. in Speyer 448, 

487. 495. 5» 
Klosett-Hcuuog . . . . is 
Köln n. Rh. Kosten des 

neuen Stadttheaters . . 350 
Kongreß der Architekten in 

Madlid 33, 143 

— Archsologen-K. in Athen 615 

in St Louis 195 

— Kuntlhistor. K. in Strsli- 
burg i E 333 

— Schiffahrts-K. in Mailand 435, 

493 

-- (Ar die Materialprüfungen 
der Technik 19a 

Kopenhagen. Neue Baukunst 1* 

Kopiervci fahren, direkt von 
Zeichnungen ..... 193 

Kran. Elektr Turmkran xur 
Ausführung von Hoch- 
bauten 81* 

KreLsbaus in Hanau . . .147 

Krematorium auf demFricd- 
hofe in Karlsruhe . . »73* 

Kunst und Künstler, Freiheit 
derselben 388 

— -Betrachtungen: Ein Brief 
... 466 



Kunstwerkstatt der deut- 

Puhl & Wagner in Rixdoi f 433* 
570 

- Keram.WerksLdcrGroUh. 
Majolika - Manufaktur in 
Karlsruhe 653* 

Kupferdeckung, Patina-Er- 
zeugung 35a 

Laboratorium, cbem , der 
Techn. Hochschule in 
Karlsruhe . . . 397", 306* 

Landwirtschaft!. Vcrwal- 
tnngsgeb. in Dresden 353*377* 

Langenberg. Villa Grüneck 41 1* 

Laut räch. F.isenb. - Brücke 
in Stampfbeton aber die 
Hier 411*. 453* 

Leipzig. Umwandlung der 
Eisenbahnanlagen 37*, 49*, 76* 

Leuchtturm. Beachy-Head 
bei Eastbouine . . . 43a* 

Lichterfelde. Das neue Kgl. 
Material-Prüfuogsamt 56a*, 
574*. 631 

Lichtpaoa - Apparat von 
Renket 350* 

— -Verfahren u. Heliosdruck 70 
London. Alt L. von H, W. 

Brewer f . . . 605*. 614* 
Luftschiffahrt-Fortschritte . 48 
Lungenheilstätten »iche 

Heil.täl 



Madrid. Architekten -Kon- 

Kreo 3». «43 

Magdeburg. Wasserbau- 
liche Mitteilungen Ober 
die Elbe 43 

— LungenbeilsMItcVogcIsang 
bei Gommern . . . 393* 

— Wiederherstellung des 
Domes 343 

Maltand. Schiffahrts-K ongr. 435, 
495 

Mainz. Die neue F.iscnbahn- 
Veibindung Ober den 
Rhein . .313', »30*, 333* 

— Gcschkftsgeb. der Volks- 
bank ...... ". 645* 

Malereien, Erneuerung der, 
am Ulmer Rathaus . . axa 

Mannesmann - Rohre zu 
Wasserleitungen . . .35a 

Mannheim. Beobachtungen 
bei einem Gewitterregen 2aa 

Marlenwerder. Empire- 
Fassaden 533» 

Massentrantport'Geratc u. 
Vorrichtungen . 5*3*. 537*. 

5«S*. 55'* 

-'3 Micthauscr von Bilhng 537* 
Mauern. Austrocknung feuch- 
ter Keller Mauern 387*. 396 

— desgleichen eines Kasseo- 

g< wölbe* .... 30a, 336 
Melden. Vom Dom 99*, loa* 
Memeldelta, Melioration d 346 
Metz. Das christl. Soldatcn- 

heim .Kai» Wilh. Haus" 305» 

— Stadler Weiterung . . 315* 
Minden. Das Regier -Geb. 493' 
Ministerium für Verkehrs- 

Angelegenh. in Bayern . 9 
Mostprease und Haus in 

Gaisburg 37 1 * 

München. Senkung der 

MaximiliansbrQcke . 339, 433 

— Staffel - Bauordnung vom 

so. April 1904 . 538*, 570 

— Miethaus Bechthold . 550* 

— Wohnhaus l-illmann .Der 
l.iodenhof* in Bogen- 
hausen b. München 395*, 401* 

-- Museum von Meisterwer- 
ken der Naturwissenschaft 
und Technik . . 36, 330, 530 

— Bebauung der Kohlenintel 147 

— Ideen - Wettbewerb um 
Entwürfe für das Ver- 
kebreroinist. 235«, »37*. 357 

Museum von Meisterwerken 
der Technik in München 

36, 330, 520 

— Erweiterung des Germa- 
nischen Mus. in Nürnberg 36 

— Grundsatze f. d. Entw. v. 650 
Muslkhalle fflr Hamburg . 31 • 

Naumburg a S. Städtische 



Ncbelblldung in einer Far- 
berei, deren Verhinderung 180 

New-York. Brücken über 
den Eastrivcr .... 34 

Nürnberg. Erweiterung des 
Germanischen Museums . 36 

— Monumentales . . 398*, 330 

— Wettbewerb um die Bau- 
ten d. Jub-l.andcsau «stell. 330* 
und das Staatshauwesen 615 

Numerierung von Bauten an 
neuen Strallen . . 360. 416 

Oberammergau - Passion»- 
spiele 625* 

Oesterreich. Die neuen Al- 
penbahiien 36 

— Besuch der techn. Hoch- 
schulen 184 

Ofen. Etagen - Dauerbrand- 
Zentralofen von Grimme, 
Natalis A Co 1)3 

— -Mantel, zerlegbar, ausEin- 
zelwAnden von Rflhm 334* 

Opernhaus in Berlin, Erhal- 
tung .157«, 191, 4"*, 6o S 

— in Dresden, Umbauten am 435 

Panamakanal, Oberleitung 

der Arb 370 

Paris. Straliendurchbrüchc 595' 

— Le .Tcmplc' um 1800 601* 
Parlamentsgeb. Das Hei- 
renhaus des preuli. Land- 
tages in Berlin 40«, 5a*, 137* 

— Das neue schweizerische 
Bundesbaus in Bern ioo*, 

'3o\ 133' 

Pilssau. Eine drohende Ver- 
unstaltung der Sla<lt 331*. 

385*. 414» 

Patina -Erzeugung bei Kup- 
ferdeckungen 353 

Pforzheim. Ausschank und 
Wohnhaus der Brauerei 
Gebr. Beckii .... 535* 

Photographie. Belichtungs- 
labelle 171 

— Dasphotogr. Teleobjektiv 470* 
Pirna i. S. Bauten auf dem 

Sonnenstein bei .... 334 
Plauen i V\ Die Syratal- 

bröckc. . . 354*, 36"*, 4M 
Poesie und lechnik, Vortr. 

von v. F.yth . . .319, 358 
Polen. Die Sitadterwciterung 11 
Posthaus zu Sch"nebcrg- 

Bcrliu 5iB k 

Potsdam. Regier. tirb. . 493* 
Preisbewerbungen. 

— Eilangung einer Vorrich- 
tung /um Messen de« 

W 1 n d d r u c k c s . . . .334 

— Rezept, wir man bequem 
11. billig zu Rathausplanen 
kommt .... 473, 483 
Aachen. Plakat . 193, 134 
Adorf i. V. Kirche . . 436 

-- Am me r.ich wei er (Kls | 
kath. Kirche 304, 334 530, 533 

- Anklam. Krcishaiis 396. Cc8 

- Barcelona. Entwürfe 
für die Vereinigung mit 
den Vororten 30 

— Hasel. Börseogeb. . . 530 

- Bautzen. CharaktcrisL 
Hausfasiadcu 396, 3U4, 509, 

634, 653 

— Berchtesgaden. Kon- 
versationshaus .... 600 

- Berlin. Ausstclluiigsgcb. 
der Scrcssicn . . . .438 
— Geschäftshaus d, Allg. 

F.lektriz -Ges. . 534,584 
-- Bebanung eines Grund- 
stücks des Bcamtcn- 
Wohn -Ver 1 1 , 344 , 37a, a8o 

— -- Bebauung eines Grund. 

Stacks inderFiobenst. 

d Terr. u Rau-A G. ia, 93 

— — Bemalung der Östlich. 

Wand im Sitzungssaal 
des Kcichshauses . 33 

— - Anlage d. Nordparkes 35 r 
Der grolle Slaatsprei* 

der kgl. pieutl Akad. 
der Künste . . . .143 

— — Hundelshochsch. 148, 311 

— — für die Mitgliedei der 

Vereinigung Bcrl. 
Arch, Aufteilung von 
Baoblocks in Westend 44 



Set» 

Preisbewegungen. 

— Berlin. Ausgestaltg. d. 
Räume f d Arcb.-AbL in 
der Kunstausstellung 48, 104 

— — für die Mitgl. des 

Arcb-V. Schiokel- 
preisaufgaben . ao, 134 

- Aussehe des Ver. d. 
Eiscnbahn-Verwaltgn. 35a 
Stipendium der Louis 
Roissonnet-Stiflg, 181, 359 

— - Wissenschaftliche Ar- 

beilen Ober die chem, 
Vorgänge h Erharten 
d. hydraul. Bindemittel 333 

— Bern. Weltpostvereins- 
Denkmal .... 33, 415 

— Hettenhausen Volks- 
schule 3a 

— Betzdorf. Schule,eblude 

334. ao8, 448, 45a 

— Bielefeld. Kais. Willi. 
Denkmal 9a 

- — Bebauung des Petri- 

Kirchplatzcs .... 408 

- Bonn. Anleititr.g zur 
Herstellung Uiidl Bauten 
d. litndwirtschnftl. Vereins 

lür KheiiipreuUcn . . . 180 
B Oshagen • Rummelshg. 
Rcalprogymnatiuni . 63b, 651 

— Bremen. Stadthaus 93*, 96. 
105', 11B«, 133*, 133, 143, 156 

— — Architektonische Aus- 

schmückung des Kais. 
Wilh. Platzes . 96, 3St 

— Bflckeburg Ralhaui 473, 483 

- Cha r I otten bu rg. Jubi- 
IHumsbrunncn .... 536 

— Schillerthcatcr334, 440, 453 

- — Eis. Brutkcnkonstr . 496 

— Chemnitz I.uthcrkirche 334, 

35". 6'0 

- Dan zig. Fassaden des 
Geschäftshauses d. Prov.- 
Landschalts-Direktion it, 160 

— Dar 111 stad t.Rankgeb 484,406 

Bismareksiule . 384, 560 

Hallcnschwimnib. 616, 6a8 

— Aibeiter-Wohn.d hess. 
/ciuralvcrcins . 634, 65a 

- Dessau. Synagoge . . 331 

— Waisenhaus 00,84,91, '3t 
Detmold. Ev. Kirche . 581 

- Dolitz-Döscn, Volks- 
schule . . 348 

Dortmund. Denkmal auf 
dem Steinplatz .... 364 
Dresden. GrJtberanlage 
und Beamtenwohnh. 453. 644 
E ic h statt. WilK-Ubaehcr 
Hiunrcn ao 

- England. Gartenstadt . 148 

— F. seh wei I e r - Pumpe, 
Arbeittrknlonicn . 301, 396 
Frankfurt a. M. Bebau- 
ung stAdt. Grundstücke . 560 

Maler, und plast Aus- 
schmückung des neuen 
Raihauses ..... 1 1 

- Synagoge --04, 334, 530, 591 
Gablonz a. N btidt- 
thealer 14B, 160 

- Galatz (Humanuni Ks- 
thcdral Kirche .... 334 

- G 1 eben. Saal- u. Theater- 
bau . 34 

Gothen bürg in Schwe- 
den, ilafcnplan 33, 148, 591 

-- Haag. Flicdenspalast . 548 

- Hamburg. Oberlandes- 
Gericht 56 

GcschaltshausWcutzel 

St Hirsekorn .... 408 

— Geschäftshaus des Ge- 
werksrhaftskartelU6oo,6i6 

— - f, d Mitgl. des Arch.- 

11. Ing -Ver. kl Villen 

in Hufriedc .... 413 

Geschäftshaus ... 566 
Hannover. Uennigscn- 
Denkmal ...... 335 

Honnef a. Rh. Herr- 
s.liafll. Wohnhaus ijO, 160, 
47a. «öl. 5B0 
Hutburg i El»., ev. 
Doifkiichc ..... 644 

Husum, Sv hulgeblude 

130, 136. 373 
1 11 £ol stadt, -Sliirlipfarrk. 6>3 
J.ijerridnrf, Spai kas>e 47z, 
6^6 

V 



i^iyiuz.c 



d b/Google 



Preisbewerbungen. 

- St. Johann. Passage u. 
Gestalt ung de* Gerbe rpl. 33 
Jena. Uiuvcr*.3j 1 6o 1 73' , 1 107* 
Karlsruhr L B. Bebau- 
ung r). ncurii Stadtteil 92, 368 

— Fassaden z. Aufnahm*- 
Geb d Zentral-Bhl 580, 599 

Kaufbeurcn. Decken- 
gemälde der prot. Kirche sa 
Kiel Rathaus ... 93 
Klausenburg (Ungarn) 

Zinshaus 336 

K Ol n a. Kh, Kunstaus- 
stellung 488, ,13» 

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nigsforst 636 

Handelshochschule . _|_i 

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werck . 95, 196, 351, 4 »4 
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Königsberg LPr. Kon- 
tert- u. Gesellschaftsbaus 555 
Kots o tau i. B. Bcziiks- 

Krankenhaus 536 

Kristiansborg L Däne- 
mark. Wiederaufbau des 

Schlosses 373 

Lahr i. Ii. Friedhofsanlagc ta 
Landau, Pfalz. Festlialle 14H, 
160, 356 

■ Leipzig. Rczit ksaualall 

in Thekla .... 584, 599 
Conienins-Bibhothck . 80 
• Sc ho co e f cid. Rat- 
haus 330 

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ev. Kirche 65a 

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330 

— Mailand. Vcrdi-Dcnkm 379 
Mannheim. (hrlstus- 

kirchc 334 

Minden i. \V. Fru-dhols- 
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mentspalast 46H 

Mülhausen LE. Monu- 
mentalbi utnien aia, 230, 311 

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196, asj, 337*. J 57. 373 
Museum von Meister- 
werken der Natur- 
wissenschaft Ii Techn 533 
Mnnchener Arch.- 
u. I ng. - V e r. Schul- 
haus 111 Schwabach 13, 31 
Volksichulhatis in 
Ansbach 4 1 

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berg a. L. ... 396 
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Landsberg . . . 524 

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wcilcr .... 644 

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de* b a y e r. Techniker- 
Vcrb. Gasthof in Svhro- 

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Nürnberg. GcbJiudcder' 
l.andesaus Stellung 19b. 30 4, 

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thealer . . . .351, 5*0 

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lanchthoiiplatz 11, 60, 320 

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am Spittlcr Totgiabcu tob 

— — Konstletliaus . . 6co, 65t 
M -Ostrau. Handels- u 
Gewerbebank . . 121 

— evangelischcKirchc 343,556 

— I'asewalk Höhere Mäd- 
chenschule . . . 156, 160 

■»- Patra* (Grie. hcnlaiid), 

Kathedrale 331 

Pilsen. Hanijelskaninicr 156, 
a'30 

Plauen l_2— V er« iiishans ia 

— - Posen. Synagoge 1 "jj, 248 

— Potsdam. Stadtplan 359, 

3 a 4. a*. 4^8. s'o, 

— Prag. Rathau* bauten 291 

— Prerau. Schilfs- Hebe- 
werk im Donau - Odci- 
Kanal 193, 5«H, 559, 560, ;qo, 

— Klieine. Gymnasium ho, 3^0, 

33t, 

VI 



Preisbewerbungen. 

R ot he ab u rite r Verband 
akadem. Architekt -Ver-, 
.Denkmal eines grofien 
Mannes* La 

— Rottweil. Schulhaus . 548 
Ruhrort. Sttaticnbrückc 368. 

386', 639*, 646» 

— Schlciz Kuransiall 351 , 400, 

— Schrarohcrg Realschule 93 

— So oder s hn nse 11 Kirche 71 
Strasburg L E. Aufbau 
auf das Bühnenhaus des 
Sladttheatcis . - . 19a, 364 
Stuttgart Hoftheater. 373 

-- - Vereiiishaii* d. » Akad. 

LiedeikranzSchwaben" 600 
-- Tiinowili Kreitspar- 
kasse sii 

— Tegel. Fallt karten- Ver- 
kauishallc , BedOifoisan- 
stah u«w . . . . 68. 204 
Tepliti- Schönau Kai-,. 
Joirf II- Denkmal . . 1,56 

- Kur&alon .... 396 
i'riest. Synagoge . . 35a 
Hin;. Gestaltung des 
Milnsletplatzes .... 560 
Varna 1 Bulgarien 1. Was* 
serversorg u. Kanalisation 440 

- Vegesack. Volkischul- 
haus 376, 428 

— Waldenburg L Sehl. 
Knappschaft-. - Lazarett 192, 

204, 400, 414 
-- — Schule . . . aj^ j8, tao 

— Wien Handels- u. Gc- 
werbekammer .... 548 

- — Logicrhauscr f. Mftnner 143, 

aoi, 3" 

evaug. Friedhof . . 173 
Wiesbaden. Bebauung 
des Dem sehen Gel . 351 
Wilmersdorf. Rathaus 573, 
«,84. 615, 637, 628, 644 
Witten. Reaf.Gvmnas. 607, 
6a 4 

— Kl. Zabrze. Hob. Töch- 
terschule 160, 184.424,534,533 

— Zarich Kuii9thaus 356, 291 
Prerau. Wettbeweib um das 

Schiffshebewerk im Do- 
nau-Udcr-Kanal 519, 590. 591 
PreQluft-Anstrichmaschtncn 133 
Preuflen. Das Bauwesen im 
Staatshaushall . . . 4^ 62 
Die neue wasserwirt- 
schaftliche Vorlage 19.1 . a^i. 

363', H j. 579 
Die Staatseisenbahn« und 
Kleinbahn Vorlage . . 203 
Gesetz zur Verbcsser ung 
der Wohnungs-Veiballn. 422 
Provisions-Auuahme . . . 364 
Prüfungen, -las Stieben di r 
engl. Au blickten nach 
amtl Fachpr aPa 

— Amtliche raebpr. . . 310 
Prüfungsamt, d neue Kgl. 

Material-Pr, L Gr. Lieht" r- 

feldc . 563*, 574', 031 

Prüfungs-Anstalt v. Schills- 

Widerslanden L'ehigau a. 

d F.lbr 284 

Puttdekoraliver Fa-sailen P. 376, 

''° 

-Verunreinig, tluieli Heiz- 
malei ial-Ausv. heidung . 220, 
224, 25b 
Pyrmont, Geiic»tiig«hcin> 
Fiiedrichshohe . . 569* 



,3fj7* 



Rastatt, Wasserturm 
Rathau* Aachen 219*. 

— in Chailnttenhurg 313*. 335* 

ll'ir Diesdcii 348 

in Kopenhagen 
Wcltlicwcib t'ür ein R. in 
Bremen 93', 105% llß", 123 1 

Rauchrohren, Herstellung 

der kiei^ruiuteii . . 34H 
Regen-Niedcüchlagzu Mann- 

heim 213* 

Regensburg, alte steinerne 

Itrl'.cke tiber die Doiuu . o;* 
Reinigen von Weikstetn- 

Faskailen .... 507. 543 
Reiaeelndrücke v, ilollund 211 
Reisemitteilungen .iu-, L'nter- 

italit 11 7c.o 

— «Iis < 1:111 1 ... .| I', 



S^Ui* 

Reisemittellungen aber In- 
gemeiirbaulrn in Amerika 535 
F.in Brief von unterwegs 466 
- Ober Södfrankicich . . 566 
Rhein. Die Wiitschaftsgc- 

schichte des .... 479 
Rheinischer Kleinwoh- 
nungsbau . 187*, 198*, 314*, 
»43'i *4S* 

RIxdorf. Das neue Gaswerk 211 

— Kunstwerkst, d D. Glas- 
mosaik Gescllscb. Puhl & 
Wagner 433*, 57° 

Rohrleitung, Inkrustation in 
GiiUrohrt 440 

RobrpO»t-F.inrichtungcn 37*5, 416 

Rüstung der SyralalbfUckc 
in Planen. . . . 361*, 414 

Ruhrort. Erweiterung des 
Hafens 359 

— Wettbewerb um d Rhein- 
brücke . . a86'", 639*, 646* 

Sa a Iburg- Wicderhei Stellung 23a 
Sachsen, Staatsbauten auf d. 

Sonnenstein bei Pirna . 334 
St. Louis. Internat. Ingen. * 

KongreU 195 

Schafer, Üb.-Brt. Prof. in 

Karlsruhe, Angrifle auf 336 
Schiffahrt. Donauwassrr- 

slralJc v. Passau bis L'lm 303 

— Drei wichtige in Deutsehl, 
anzulegende Kanäle . . 

— Kanal v Rhein z. Weser 
vom preull. Ahgcoidu -H. 
angenommen 579 

— Die Regulierung d. Obcr- 

rheins 363 

Groli-chiffahrtswcg Mann- 
heim Hcilbronn .... 534 

Schiffshebewerk im Trent- 
Kanal (Kanada) ... 511 

— für d Donau-Odcr-Ksnaf 
bei Prerau . . 549, 590, 594 

Schinkel- ijahrr»-) Fest des 
Arch. -Vereins in Berlin . 142 

— Preisaulgaben . . 30^ 124 
Schlofl Dargun 191 

— Zur Erhaltung des Heidel- 
berger Sehl. 267, 269, 389, 
403, 417, 425«, 429, 452, J3i, 

5(8, £03 

Schoneberg. Posthaus 51U' 
Schornstein von Dampf- 
ht iiiing, Durchschlagen 
von Feuchtigkeit 220,234,356 
Schulbank. Srhwellenlos 
von Weidner 154 

— Kcttig « Sch 428 

— Beziehungen zw. SchuU 
bau und Schulbank . . 5(17 

Schulbau. Prinzregent Luit- 

pollschulc in Bamberg 197* 
- Gymnasium mit Direkt. - 

Wolinh i /fhlfndorlftjo'. 637* 
Schutz gegen Nachbildung 
und gegen photogr. Auf- 
nahmen 193 

gegen Schfagregen durch 
Anstru'b v. Kautscholeum 434 
Schweinfurt, Walzenwehr 25^ 
Schweiz. Elektriz -Weike in 65T 
Simplontuiincl, Aibeiteu am 520 
Soldatenheim in Metz 305* 
Spalato. Erhaltung des dio- 

kletiaiiischcn Palastes . coo 
Spandau Nicolai* ii che 337*. 315* 
Speyer. Zur Einweihung 
der GcdAchloiskirctc der 
i'rotestation 448, 487, |95, 5so 

— Dicnstgebilude der Vcr- 
wherungsanMalt . . 557' 

Stadtbild. Eine drohende 
Veruiiitaltnrg v l'jssau 321* 

3Hi'. 4-4. 
Stidte, Die Kunst der, 

(ii. W. Brewer f, 607«, 6:4* 
Stahlbleche mit l'.asiehef- 

ver/it'rnngrn . . ^36, 3O1 
Statik. I.iteialui .... 25(1 

s. TlieoicL. Ciitersuchungen. 
Statistisches aus der Fach- 

gcnOsBeiücljaft .... 543 
Stecklcnburg bei Ihale 014 
Stclnkohlenschlacke als 

Follinatei ia1 . . . 136 
Stiftung. Friedrich Sicmen:- 
St der 'l'echn Hoclischnle 
iii Dit-s*ic:i 5.s.=> 

Stipendium ilcr Leins ll.es. 

■»..Ilinct-Stilluile . . 1H4. 3,<y 



.'SflCr 

StraOburgLE. Kunsthistor- 
KongTell 333 

StraOen. Bauverbot an un- 
regulierten . . . 560, 65a 
■Befestigung mit Klinkern 292 

— -Einlage von U-Eisen auf 
Chausseen . . . 31a, 360 

— -Bahn- und -Pflasterbau 383* 
— ■ -Reinigung in Hamburg . 31 
Studiengesellschaft f. elek- 
trische Schnellbahnen, 
Versuchsfahl ten . 455*, 461 

Stuttgart, Hoftheater - Neu- 
bau 581 

Submissions-Arbeit , deren 
Vergütung ...... 156 

Sydney. Biucke Uber den 
Hafen mV 

Tabellen d. Wassermengen 
L Kanalisationsrohren 280, 33a 

Technik und Poesie, Vor- 
trag von v. Eyth . 319, 358 

Techniker. Gehaltszahlung ~" 
während einer militärisch, 
l'cbung . 104 

Teiche, künstliche .... 435 

Telegraphie und Telephonie 
<nr Eisenbahnen . . .an 

Terrassenbau am Halensee 
bei Beilin . , 633*, 657* 

Theater. Entwicklung des 
modernen oo«j*, 6lH", 625', 
635*. 658« 

-- Erhaltung d. Opernhauses 
in Beiliu 157*. 191, 411*, 6cs 

— - Umbau des kgl. Schau- 

spielhauses in Berl. 265*, 276* 

— für' Kassel 359 

— lloflh Neubau inSluttgail 581 

— Kosten des neuen Stadtth. 

in Köln 350 

— teilbarer Zuschauerraum 160 

— Der Brand des Iroi|Uois- 
Th. in Chicago u. Reform 
der mod. Ruhne ai*, c.l'*. 205* 

Theoretische Untersuchun- 
gen. Einrechnen der 
Schnittpunkte proj Eid- 
werke in Querprofilc 323' 

— Berechnung der Scheitcl- 
staikc stein, Dreigelenk- 

Binrken °5.i' 

Berechnung der Spannun- 
gen auf Biegung bean- 
spruchter ßetonplatten . 406 

Tlefbauweseni Frankfurt a M. 1 
Titel. Führung des Meistcr-T. 2^, 
4b, 360, 390 
Berechtigung zur Führung 
des T. eines ßaugewerks- 

111 eiste rs 91 

Totenschau und Nachrufe. 

- Appcli us, O. Wirkl 
Geh. Ob Brt. in Berlin 500 
Bnsing, F. W . P10I in 
Friedenau . 104, 115*, 121 

— Frey, Theophil, Brt- in 

Liebenzell 408 

Grixebach, Hans, Arrh. 

in Berlin .... 348, 354 
v. Heiner • Alteneck, 
Fricdr., lug. in Berlin . jb 

- Ho 1 zm a 11 n . Philipp. Bit. 

in Frank fuit a. M 356, 358 
H01 n, Jul. Dir. d, Gas- 
wcike Augsburg . , ■ 396 
I. cnl z . B. iL. Wasserbau- 
11 -p. in Hamburg . , . 123 
-- v Maybach, Albert, 
Staatsroinister in Berlin . 16 
Meyer. Alfr , Goilh , 
i*iul. in Berlin .... 651 

■ Ronieis, Leonh , Prof. 

in München ..... 583 
Sc hell, Willi , Piof Dr , 
(>eli Hofrat 111 Karlsruhe 95 

■ Siemen^, Fiicdr, Dr.- 
Ing. 111 DiCidcn ... 371 

-■ Sitte, Caniill.i. Keg -Kat 
in Wien 

— - V 11 ge w i t te r, Gg , Arrh. 409* 
-- Walle, Peter, in Berlin 464 

Wey Her, K , Architekt- 
Maler in Heidelberg . . 171 
Wiche, Iii t.eh. Ob.- 
Ilrt , /um iooj Gi huilstg 574 

Trager. Herstellung d bieit- 
fJan^chi^en Giey- 1 r.,^y^t. 
t.i.:!trdin;rrii ..... 343 

Transport v Mm- 1 ngnteni 5:3* 
3-7 . 515, iüZ 



uiyuiz 



Trcppenbelag 364 

Trockenlegung)' in. Kassen- 
gewolbes .... 293, 336 

— feucht. Kelterraauern 387*, 396 
Tunnel unter ilcr Elim in 

Hambuig 274* 

- Arbeiten a Siniplon-T . 530 
Turm. Der Wiedcrautba-j 

des G'üiiipanilc von San 

Mario . . , i, i6 f . 3-' 
Tutchen, II<i— ^ige-, v. Gunther 

Wagner ....... 104 

Ulm. Erneuerung d Fresken 

am Rathaus 333 

Ungewitter, Gg. Gottlub, 

Lebensbild .... 409* 
Unfall - Vcrsitherungspfiichl 

der Inhaber von Baubur. 83 
Universität. Archileklon. 

l'nteniihl au l". ... 3^1 

— KollegicngebAude in Frei- 
burg i. B 619* 

Wettbewerb um Entwerfe 
(urclic neue II. LJena 73*, 107" 

Unterricht. Zur Frage de* 
an hitcktun. I 1 . im d. Bau- 
gewerksehulcn 48a, 518, 56a 

Urheberrecht au Werken 
der bild. Künste . »33, 333 

Valparaiso, Halen 336*, 338 
Venedig. I>rr Wiederaufbau 
des t'ampanile von San 
Mario . . . . ^ 16*, 23 
Verantwortlichkeit bei 
l'eberscbicilung des An- 
4t hlagspreiscs .... 7a 

— für vorgefallene Versehen 

di r Bauausführung 313, 556 
Vereins-Mitteilungen. 

— Ver band deutsch, Arch. - 

u. Ing.-Ver. 3_3j 134, 196, »30. 
3 37. 33 a . 3°7. 408, 44°, 6co 
- 33. Abgeordneten-Ver- 
sammlung ^Düsseldorf 463, 

47". 473 

— - Lfi Wauderversamiul. 

in Düsseldorf . 465, 478 

— -- DieVoitr i 1i;e466 , ,47ä*,479, 

49'*, 5°3*. 6c9*.6i8*,6a5* 
Beruht Ober die Ent- 
wicklung de» Verb. 485,497 



-- Berichtigungen u. Aus- 
flöge 5°9 

Arbeitsplan fQnqo4 05 53! 
•Berlin. Arch - Vir, ig, x6. 

310, 534, 52s, $1". <>S« 
— — Scliinkelfest . . Iii 



- Vereinigung H. An h. 554, 
5«.H, 59', 614, 650 



^■ile 

Vcrcins-Mittellungen. 

— Berlin Verein für Eisen- 

bahnkunde y?. 48, 9s, 14a, 
an, 3587 3487495, 554 

- — Verein d- Pott! -Zern - 

Fabnkantcn . ... 3a 

- Breslau Vereinigung 
»chic». Arch, ... 438 
llaniiv. Vcisd D Land- 
wirtscliatts-Gi.scllsiliaft . 52 
Dresden. Sächs, lug- 

u Aich.-V. ü. 378, 383 

1)0 aseldorf Areh.- u. 
In«. Verein ... 83, 531 

- — Ver <l Gartenkünstler 343 

- Frankfurt a M. Aich. 

11 l»g -Ver. . . . 103, joü 
Verein deutsch. Inge- 
nieure . .08, 392, 318 
-- Hamburg. Aich- und 
Ing.Ver. 3±! 70, laa, 183, 
(Ausflüge u. Feste) 203, alt, 
aiy, »32, 353, »90. 34». 35 B - 
386, 4 "3. Sä*. 5 60 . 2a> 
Karlsruhe. Bad Arch- 
u. Ing.-Ver 554 

- Kassel D. Gesellschaft 

fflr Volksbidcr . . . .179 
Köln a. Rh. Anh.- und 
Ing.-Ver. für Niedenhcin 
und Westfalen .... 243 

- L ands h ul i_B- Der bayer. 
K&uaJvct ein . , . 311,311 

— Magdeburg. Arch- u. 
lug -Ver ü95, "*>< 3 '°. 343. 

614 

— MccKlenh. Arch- und 
Ing.-Ver 10, 191 

— Mittelrhein. Arch - u 

Ing.-Ver 146, 159 

M ü nche iL Arcb.- u l::g.-V. 570 
— Vereinigung M Aich. 428 
Pf AI* Kicisgescllichaft 

d bayer. Arch - u Ing -V. 233 
Wrii Herab. Verein ifir 
Bau künde .... 558, 650 

Verkehrs - Angelegenheiten, 
bayer Staatsimnisterium f. 2 

Versicherungspntcht eines 
Rohbaues gegen Brand- 
schaden 60, 103 

- bei der Bau-Bcrufsge- 

nnssetist hafi 73 

il. Inhaber v. Baubur. 83, 37b 

Vervielfältigung. Licht- 
pausvei fahlen u Hcliosdr. 70 

— Rciikcl's l.iihtpau-e- 
Apparul .... 350* 

Vcrwaltungs-Geb. u_ Unt- 
wüifcu im Min. der offei-ll. 
Arbeiten . . . _ . 489* 



^i-ite 

Verwaltungs-Geb. dci Ma- 
schinen Fabrik S. Inuibel 
Henning in Bruchsal 531* 

— Versicherungsanstalt in 
Spe\ei .... 557* 

Villa-Bai.fluil.l i»? 

— siehe Wohnhaus 
Vortrag. l>us Moderne in 

der Architektur der Neu- 
reit von J.ihs Olren . 5H, 6a 
Die Ausführung von 
Versiich*bauteu in ge- 
sclucbcführenilcn r lüsscn 
und tlie Errichtung von 
Flubbau Laben atoii 11 von 
Fahcr 314, 32a 

— Poesie und Technik von 

M. von Eylh . . . 319, 358 
Vortrage im Kunstgewerbe- 
Museum in Berlin . 22, 405 

Wachwitzmetall . . . .130 

Walzwerk Differdingen, 
Herstellung der brcitfl.m 
schigen Grey- I rSgci . . 243 

Warenhaus, ' Brand m 
Budapest ai 

Wasserbau. Rcguliciung d 
Elbe hei Magdeburg . . ±3, 
Verbesserung dir Voillut 
und d. Reinigung d. Ab- 
wasser im Emsthergeb, m*. 

t>3*. '35* 



-- Melioration des Meinel- 
deltas 346 

— Das Walienwehf im Main 

zu Schweinfurt .... 35' 
Bewässerungsanlagen in 
Aegypten ^8 

Wasserbecken in Beton, 

Dichtmachen . .96, 104, 168 
Wassermessung-Foimclu . ±± 
Wasserrecht. Entziehung 

des Wassers 180 

Wasserturm in Rastalt . ji^. 
Wasserversorgung. Grurd- 

W der Sudt Berlin . . iü 

— fflr alleinstehende Villen, 

Hotels usw 156 

und Fntwaascrung der 
Stadt Hofheim i T. . .368 
Apulische Wassel leitueg 371 

Wasserwerke der Stadt 

Frankfurt a. M . . . . 103 
Wasserwirtschaftliche Vor- 



lage, neue, in PieuHen 193*, 
5ÄL 343 



Wehraiilnfr ini H.rm ?u 
S. hwe nluit 3^' 

Werkstatte, Ktiam, in 
KaiUiuhc 653" 



Seile 

Werkstein'a'sj.leii, Reini- 

K » 5°7. 543 

Wettervoriiersagc .... aoo 

Wiederherstellung d. \ res- 
ken am Ulmcr Rathaus . 333 

- - der Ni> olaikirche in Span- 

dau 337*. 345* 

des Dome» in Magdeburg 34J 
de* diokletiani» chen Pa- 
lastes in Spalato . . . 060 

Wien. Denkmäler von Ver- 
tretern der Technik an der 
Ti'clm. Hochschule . . Ii 
Ucrgcslaltung des Katls- 
platzcs . . 365', 443«, S7B* 

Wirtschaftsgeschichte des 
Rheins 479 

Wohlfahrtspflege. Arbeil - 
Heilstätten der l.andes- 
Versichrrungsanst Berlin 
bei Beelitz 61 *, 69*. 79*. 85*. 

153', 163-, ijs', 185- 

- Schwestern- Altciiheini in 
Karlsruhe 646' 

-- Rheinischer Klein Woh- 
nungsbau 187", 198', 314*. 

343". 345" 
- Magdeburger Lungenheil- 
stätte Vogclsaog b. Gom- 
mern 393 

- Christi. Soldatenheim. Kais. 
Wilhelm Haus* in Metz 305* 

Wohnhaus-Gruppe in der 
ßaischstr. in Karlsruhe 477*. 

485*, SOi ' 
NuUtiergcr, Kohlbecker u. 

Mee» das 537* 

herrschaftl. Si.mmersitr u. 
Jagerhau-t ..... 656* 

- Peter Spreckels 10 Dresd. 30/ 
-- Wcrtheiinber in Homburg 

v. d H iy 

.(irrineck' in Langenberg 4>t T 

— I.ittmann .Der Liiidenhof" 

in Mundicn-Bogcnh. 395, 401' 
Miethaus Rechtbold in 
München 55c* 

— Gebr. Beckh in Pforzheim 535* 
Wohnungsbau. Klcin-W. 

im Rheinland 187*, 198*, 314*. 

343*. "45* 
Wohnungs-Verhalln PreuB. 
Gesetz zur Verbesserung 

der . 433 

Worms. Wiederherstellung 

des Domes 146 

Württemberg. DasBauwesen 558 

Zehl: dorf. Gvmuasiura mit 

Dti'.-Wc.linhaus 620*, 637' 



Besondere Bildbeilagen. 



1 Ptt neue Rathaus in Kopcnliagcn S 

c-s>— Villa Wertheimber in Homburg v. d. Ii , 

j. W alscoweiir im Main bei Sehweiofutt 

4*T-Haua Peter Spreckels in Dresden , , , 

"g. Umwandlung der Liscnbatinaulagen in und bei Leipzig 
-*r Arbeiterhcilsttttcii der Landes - Vcrsicherungsanstult 

Berlin bei Beelitz , 

-9. desgl 

-Asdesgl , . 

Das neue schweizerische Biindrshaus in Bern 

-es» t 'ebersichtsplan vom Watsersamnielgcbiel der F.mscher 
"Ti. Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern ..... 
tu. D.is neue Herrenhaus des preuü. Landtages ..... 
Die Elisabeth- (Schwurplatz- 1 Brücke in Budapest . . „ 

ftie Handelskamuier in Düsseldorf 

Die Elisabethbi ticke in Budapest .... 

-rer Rergnest. Phantasie-Entwurf von Hogg „ 

17, Die Prinzregent-I.uitpoldschule in Bamberg 

tfl Die neue Eisenbahubrftcke Ober den Rhein bei Mainz . .. 
-«"•r Der Ideen- Wettbewerb um EntwCIrfe für das Vcikehrs- 

Ministenum in München ... 

Die neue F.isenbahnhriickc über den Rhein bei Mainz . . 

Das neue Rathaus in Aachen 

desgl 

^sr*c Das Kreinatui ium auf dcni Friedhofe in Karlsruhe . . . 
-SU» Entwurf zu einer Natiunalhalle von Spacth . . . . . 
■a*— Der Neptunbruuiien auf dem Maiklplat^ in NCInibeig . . 
-asv Das neue Rathaus in ('harloltenbuig 



1 

Li 
Z2 



Das neue Kathaus in l harluttenhurg 

Die Nicolai-Kirche in Spandau 

Das i icb. des Landwirts, hafll. Kreil. tvereuis L Dresden 

rmgestaltung des Karlsrihitzes »n Wien 

Das Geh. der l.andw. Fenervers . h. -Genossenschall in 

Dresden 

tu Q|> Wohnhaus I.ittmann .Der I. indenhol- i. M.-Bogcnhausen 

79 ätt*»ileagl. 

85 -3^, Die anatoüsctie Eisenbahn , . . 

100 3^ Entwurf zu einer rniversitfit von Frz. Bianliky . . - 
in ■ ) «« , Ki-.enb -Brücke in Stampfbeton Ober die Hier 1> l.jutiach 

i%\ .an. A us Düsseldorf und seine Bauten 

137 ^eJr^Stldt. Schnellbahnen in groben Stödten 

H9. i) t)i Hausergruppe in d*r Baisi hstr. in Karlsruhe ... 

töi ^" !>■'« (Jebaude der Seehandlung in Berlin 

173 ^ 1 w fl.tusergruppe in der Baischstr. in KaiUruhe ... 

19t ^a_Bihcke Uber den Hafen von Sydney ■ 

197 4-^- 1 1 ii-s der Brauerei tiebr. Beckh in Pfor/lieim . . . 

^iiiit rl liauurdnung für München 

rr M11 iTTäus Brehthold in München 

335 .rtfr I)enkmal-Enlw. Bisrnarek-Tuim von Kreis .... 

333 -sz*f--Garleubau-AuKstcl)ung in Düsseldorf 

349 44SV Das moderne Landhaus und seine imieie Ausstattung - 
i6l ,19 f'"' Kunst der Städte, Aich. 1J. W Biewer i' . - . 
a 73 SO_£riecliischrs Theater der l'nivei sitJ'. Berkeley in 4'ah- 

285 foinien 

298 iXr (iv innasiuru mit Direktor Wohnhaus in Zehlendurf . . 
313 j > > i Schwestei n-Allcnheini in Karlsruhe 



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VII 



Mitteilungen 
über Zement, Beton- und Eisenbetonbau. 

I. JAHRGANG 1904. 



Inhalts-Verzeichnis, Orts- und Sachregister. 

(Den mit • bezei< hnelen Aufsitzen sind Abbildungen beigefügt) 



nung zw. 
Beton und Eisen ... 36 
Amerika. Form der Eiscn- 
ciolagcn in den Eiseu- 
betonUsutcn, insbesondere 
du Tha.her-F.isrn ... 18* 
Gewolbeforro. Talsperre 
in Stampfbeton mit Eisen- 
eiolagco iraSix-mileCreek 57* 

— Musikhalle in Hcnnehi<|ue- 
Koustr. in Ciniinnati . . Ii 

— l'ebcrfallwchr in F.iscn- 
beton bei Theresa ... 90* 

Bahnsteige. Erhöhung der 
B dci Stadt- und Kingbahn 
in Bcilin .... 54*, 58 

Bekanntmachungen an die 

Mitgl. des Du. Im Hctoii 
Verein* 32, Co 

Berlin. Konzeit-iaal mit frei- 
tragend. Eisenbeton -Dach 53* 

Bestimmungen des pieuß, 
Min. d otf. Arb. für die 
Ausführungen von Kon- 
struktionen aus Eisenbctun 
bei Hochbauten . . 31, 

Beton. Einheitliche Vor- 
s« hrittcnfilrd Ausführung 
Und Prüfung von Stampf- 
beton-Bauten 59 

Bestimmungen für die 
Prüfung und Verarbeitung 
de» B. (Versuche) . . «, 57 

— Abwässer - Klirbc ken - 
Anlage in Stampfbeton in 

M. Gladbach 40* 

— Neue Gründung» weise mit 
B-Pfeilern beim Uuhnh. 
Plochingen 4 t 

— Stntzniauer in Sumpft**, 
a» der Villa Heus, bei in 
Kassel . .. ai*, 23*, 32 

— - Neue Form für B. Stulln. 

P/ugrcssi> Patent . . . 3*1* 
Ausführt;, d Kraflwaitser- 
^tollens an der l'iftul- 
»perre mit Stampfbeton- 
Auskleidung 9* 

-- -Viadukte der Bahnlinie 
Altcnburg-Lain;r<ileuba . 37* 

Böschung« - Bekleidung mit 
Eisenbeton P»t. Meloc< o 
in Budapest 44 

Bücher. Apparate und 
(•er Ate zur Prüfung 
von Portland-Zcmcnt, zu- 
sammengestellt vomL'hcni, 
I. aboral für Toniinlustnc 20 

— Mitteilungen de» Knnigl. 
Materialprüfungsamte* in 

l.ichterfcldc 48 

Entwicklung der Zement 
Forschung nebst neuen 
Versuchen auf diesem Ge- 
biete von Di. -lug. Inger s6 

Brücken. Drciatmige Eisen- 
beton-Br. in /anesvdlc 1-, iS* 
Eisenbahn -Br. (Iber den 
Stevens (Jrcek, bei San 
Francisco (System McUiiii ly* 
Brut hpiobc ciaer llcnni 
bique-ßr 33« 



Brücken. Straßenbrücke in 
Eisenbeton Ober die War 
bei Grünwatd . 41», 45*. 49* 



, \ «rl; 
und 



Clnclnnatl. Mu»ikhalle in 

Hennebique-Konstruktiüii 11 

Damm. IVberfnll-D-, ge- 
wOlbeformige Talsperre 
in Stampfbeton mit Eisen- 
einlagen 57* 

Elr.führungsworte ... 1 
Eisenbahn. Dir Betonvia- 
dukte <l. Link Alienburg- 

Langenleuba 37* 

-Srhsvellcnaus Eitcubeton 60* 
Eisenbetonbauten. Kegeln 
für die Anordnung der 
Ei-i ncinlagen in 6, 12, 36 

— Voischrifien f d Planung, 
Ausführung und Beauf- 
sichtigung von ... 7, 1a 

— Vorltulige I eitsVze dir d. 
Vorbereitung, Ausfuhiune, 

Prüfung von 13. ao, 38 

— Bestimmungen des pieuli. 
Mimst, der rjffentl All) 
für die Ausf. von E. bei 
Hochbauten . . . . 31, 36 

— Berechnung von E. :<5*. 41 
Vorschriften für F. der 
Stadt Ntw-York ... II 

Eisenbeton. Fabrikbau in 
E. für die Da.mlcr- Motor- 
Gcs- in UnteilOrkheim a*, J* 
GcwolbcfnrmigcTalsperre 
in Stampfbeton mit Eiseu- 
einlugcn 57* 

— KomlruktiLiii des neuen 
Mümhenci Volksrichter , 29* 

— Konzertsaal mficitiugcnd. 
E-Dach 53* 

— Straßenbrücke in K. ober 
die Isar bei Grimwald 

•('*, -15*. 49* 

— Hoschuugsheklridung mit 

E-, Pat. MeltM to ... 44 

— Auf llol/plaliie aufge- 
pfropfte E-Pfahle . . .32* 

— Erhöhung der Bahnsteige 
der Stadt- und Ringbahn 

in Berlin .... 5«*, 58 

— -Eisenbahn-Schwellen . 60* 

— -SAuleu (patent l System 
Becher . 27 

— Ucbcrfallwchr in F.. in 
Theresa, Nordamerika . 20* 

Elseneinlagen, Form der, 
in den Eisenbetonbauten 
Nordamerikas, insbesond. 
da» Thacher-Eisen ... 18* 
Haftfestigkeit des Fi» im 
Beton . . ao, 36, 46*, 49" 
- Kegeln IlSr die Anordng. 
der F. in F.isenhetonhaut. 

6, 12. 36 

Fabrikbau in Eisenbeton f. 
die Daiuitei Mutoitu lies, 
in l jitcrtntkhcim . . a«, 5* 



Seile 

Form, neue, für Betonslqfen, 

Prcit-TeiMj Patent Hb* 

Gründungswelse mit Belon- 
pfeilern 44 

Haftfestigkeit zw. Beton u. 
Eisen ao, 36 

— des Eisens im Beton (von 
Kicinlogel) . . . 46», 49» 

Heoneblque - Konstruktion. 
Musikhalle in Cincinnati . 11 

- Bruchprobecin.H -Brücke 33« 

Jubiläum. 40jlhr. Bestehen 
der Porti -Zement- Fabr.k 
Dyckcihoff A Sohne in 
Amöneburg 40 



New-York. Vorschriften f. 

deu Eisenbetonbau ... 1 1 
No rmalsand-Fragc ... 33 
Normen. Nene Begriffser- 
klarung für Porti -Zement 
in Abänderung der bisher 
in den N. stehenden . . 34 

Pfahlrost. Auf Holzpfählc 
aufgepfropfte Eiseobetoo- 
pfälile . 32* 

Prüfung. Bestimmungen für 
die Pr. un1 Verarbeitung 
des Betons (Versuche, aa, 27 

— Brueh probe einer Heune- 
Brucke 33« 

Prüfungsamt, Material-, in 
I uhteifelile — Mitteilun- 
gen des 48 



die 

betonbaulco 



Sefte 



6, ,2 



Kassel. Stützmauer in 
Stampfbeton an der Villa 
Hensrhel . . ai*, aj,*, 3a 

Klärbecken - Anlage 10 
Stampfbeton in N. -Glad- 
bach 40* 

Konzertsaal mit freitragend. 
Eisenbeton-Dach . . . 53' 

Leitsätze, f. d Vorbereitung, 
Ausführung und Prüfung 
von Bauteil aus Stampf- 
beton 59 

— Vorlaufige, für die Vor- 
bereitung, Ausführung u. 
Prüfung von Eisenbeton- 
bauteu . . . I», 13, ao, 38 

Mittellungen des Kgl. Ma 
terialpiufungsamtcs in 

Liehterfeldc 48 

Mörtel. F.influtJ nicht liy- 
drauliseh wirkender Zu- 
sehUge /um Zcnicut-M. 
auf dessen Festigkeit . . 28 
München. Eisenbeton-Kon- 
struktion des neuen Volks- 

theaters 39' 

M. -Gladbach. AbwRsser- 

Kllrbeckcn-Anlage . . .40* 
Musikhalle in Hennebique- 

1 i. Cinrinnatti 11 



Schlackcn-Mischfiage . . 24 
Stollen Ausführung des 
Kraftwasser - St. an der 
l'rfttaltpcrre mit Stampf- 
beton. Auskleidung ... 9* 
Stützmauer in Stampfbeton 
an der Villa Hciischel in 
Kassel ... at°, 85*, 3a 

Talsperre. GcwOlbeförmigc 
T. in Stampfbeton mit 

Eisencinlagen 57 * 

Theater. Eisenbeton - Kon- 
struktion de» neuen Mun- 

rhener Volksth 29' 

Treppenstufen. Neue Form 
für Belonstufen. Pro- 



gresso-Palcnt 



36< 



Urfttalsperre. Ausführung 
des Kraftwasserstollens 
in Stampfbetoii-Ausklcid. 9* 

Vereine. XXVU. General- 
versammlung des Vereins 
dtsehr. Portland Zenienl- 
Fabrikantcn 8, 12, 17, 23 

— VII. Hauptversammlung d. 
deutsehen Beton -Vereins 

■a, 18*, ai, 28 

— XI. Generalversammlung 
des dtsclin. Ver. für Ton , 
Zement- u. Kalk-Industrie 12 

Vereinswoche in Berlin im 
Februar 1905 60 

Verauche zu Bestimmungen 
für die Prüfung und Ver- 
arbeitung des Betons 22, 27 

— über den Einflub nicht 
hydraulisch wirkender Zu- 
schläge z. Zementmörtel 
auf dessen Festigkeit . . 28 

Vorschriften für d. Planung, 
Ausführung, und Beauf- 
sichtigung voo Eisenbeton- 
bauten . . 7, 12, 13, ao, 38 

— Einheitliche V. für die 



Ausfnhi 



id Prüfun 



von Stampfbeton-Bauten 59 

— für den Eisenbetonbau der 
Stadt New-York ... 11 

Viadukte. Die Beton-V. der 
Bahnlinie Allenberg-Lan- 
genleuba 37' 

Wehr. Uebcrfaliwchr in 
Eisenbeton bei Theresa 
in Nordamerika .... ao" 

Zement. Methode z. Prüfung 
von Z. auf Zugfestigkeit, 
von Johnson 4 

— Volum- Beständigkeit und 

Blndczeil - \ 

l'ebcr die Konstitution 

d Porti -Z , v. Kichardson 5a 



VIII 




§ 



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AS NEUE RATHAUS IN KOPEN- 
HAGEN * ARCHITEKT MARTIN 
NYROP IN KOPENHAGEN * * * 
ANSICHT DER VORDERSEITE * 
=. DEUTSCHE BAUZEITUNG = 
XXXVIII. JAHRGANG tHi', * N» 1-2 



Digitized 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2: 1-2. BERLIN, DEN 5. JAN. 1904 



Neue Baukunst in Dänemark. 

Von Peter Jctuten. 

Ii . . w rille HiMlM-iUcr, «mir dir Abbildungen auf >i Hc 4, 8 uml i 




er mit offenen Augen für die 
lebende Baukunst heute Kopen- 
hagen besucht, wird sich reich 
belohnt finden Seit der Auf- 
hebung der alten Festungsw&He, 
~eit der Anlage des mächtigen 
reihafens und seit der sehr 
.•nergischen Entwicklung lies 
( iemeinwesens sind dort grobe Aufgaben verschied< Il- 
ster Art gestellt worden. Eine Keine frischer Persön- 
lichkeiten arbeitet mit größtem Ernst dahin, die dani- 
sche Architektur in > inheitlichem Sinne zu fördern, 
st in Deutschland noch zu wenig bekannt. 
Wohl wissen wir, datl im Kunstgewerbe die 
Danen heute ihre eigenen siegreichen Wege gehen. 
Die beiden Porzellan-Manufakturen haben unter ihrer 
sicheren künstlerischen Leitung sich seit fünfzehn 
Jahren Weltruf und den Weltmarkt erobert. Wer sich 
in der lehrreichen dänischen Abteilung der PariserWc lt- 
ausstellung oder in unseren Kunstsalons und Zeit- 
schriften umgesehen hat, der kennt auch die kräftigen 
dekorativen Plastiken und Malereien, die kernigen 
Silberarbeiten, die Versuche in Zinn, manche vor- 
zügliche Möbel und namentlich dir musterhaft organi- 
sierte Ruchkunst. Darin schlagen die Künstler zum teil 
eine starke, männliche Note an, die uns als entschieden 
nordisch anmutet. 

Schon 1900 in Paris konnte man sich in der be- 
scheidenen, versteckt gelegenen Gruppe dilMSchet 
Architektur uberzeugen, dass neben diesem Kunstge- 
werbe, oft mit ihm 1 land in Hand, eine gleich frische 
Architektur erblühte. Die kleine Ausstellung halte 
Martin Nyrop, der Schöpfer des neuen Rathauses von 
Kopenhagen, zusammengestellt. Es war schon damals 
klar: diese neue Baukunst ist modern in dein Sinne, 
dafi sie sich auf die alte Kunst der eigenen Heimat 
stützt, nicht auf die Einzelheiten, auf das Heiwerk der 
Ornamente, auch nicht auf die sogenannte Monumen- 
talkunst der Fürstenpaläste, sondern auf das, was sich 
auf dänischem Boden an dänischen Aufgaben zu 
nationaler Eigenart niedergeschlagen hat Auf 
diese heimischen Grundlagen der heutigen Architektur 
müssen wir zuvörderst einen schnellen Blick werfen. 
Aus der Epoche, die wir im besonderen als nordisch 



anzusehen pflegen, dem frühesten Mittelalter, gibt es 
in Dänemark keine Bauten mehr. Dafür weiß jeder 
Besucher Kopenhagens, daß die Handwerkskunst der 
ältesten Zeiten, wie sie im Nationalmuseum, im Primen- 
Palais, vereinigt ist, der stärkste Eindruck ist, den 
mau in der nordischen Hauptstadt gewinnt. Diese 
Funde aus den Gräbern und Mooren von jutland und 
den dänischen Inseln haben in der Welt der sogen. 
Prähistorie nicht ihres deichen an handwerklicher 
Sorgfalt und an Kraft und Größe des Stils: die 
spiegelblanken Steinwaffen von uralter Technik, 
in ihren Formen schon durch eine jüngere, reifere 
Kunst veredelt, die Schilde und Schwerter und mäch- 
tigen, seltsamen Blashörner der Bronzezeit, eine Fülle 
eigentümlicher Stücke aus den Epochen, da schon das 
Fiseii bekannt geworden war, darunter die Hol/gerate 
und Schiffe, die das feuchte Moor durch die langen 
lahrhundertc hin konserviert hat lauter Reste von 
Kulturen voll gediegener Kraft und schlichter Größe, 
die der heutige Nordländer mit Stolz seinen Ahnen 
zuzählt. Es weht ein Hauch dieser rassigen Kultur 
auch durch die späteren Epochen der dänischen Kunst 
Namentlich hat die Baukunst im früheren christ- 
lichen Mittelaller noch unter diesem (leiste gestanden 
In Kopenhagen selbst ist davon nichts erhallen: denn 
dieses ist eine ziemlich junge Stadt und überdies durch 
viele Brände verheert worden. Aber ganz Jutland 
und die- Inseln sind dicht besäet mit kleinen, ein- 
lachen Landkirchen aus romanischer und gotischer 
Zeit. Viele aus Granit, rohen oder hehauenen Find- 
lingssteinen, eine grobe Gruppe aus rheinischem Tuff, 
den man aus dem Brohltale einführte, andere aus 
heimischem, weichem Kreidestein, spätere aus Ziegeln. 
Die Formen abgeleitet von den nicht besondere 
zahlreichen Domen der größeren Städte und Bischofs- 
sitze (Ribe, Viborg, Aarhus, Roeskilde u. a.i, ins Atter- 
einfachste übersetzt: ein kurzes Schiff, ein schmaler 
Chor mit Nische, e in Glockenturm von verschiedener 
Gestalt, oft an der Seite i ine Eingangshalle; das alles 
mit dem bescheidensten Ornament, oft ohne alle Zier- 
raten nur als Gruppe, als Masse, als Körper wirksam, 
aber in dieser Einfachheit höchst wechselreich und 
für heutige einfache Aufgaben ungemein anregend. 
Darunter auch ganz abweichende Typen, wie nameut- 



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lieh jene seltsamen Rundkirchen auf Bornhohn, die bei 
uns durch Fr. Laske's Untersuchungen bekannt ge- 
worden sind.*» An den stattlichen Publikationen über 
alle jene Kirchen haben sich führende Kräfte auch der 
jüngeren dänischen Baukunst beteiligt. Das Mittel- 
alter steht den heutigen Künstlern in dieser kernigen 
heimischen Art vor Augen 

Auch die Renaissance hat im dänischen Lande 
eigentümliche Gestalt gewonnen. Als gegen Ende 
des 16. Jahrhunderts König Friedrich 11. und König 
Christian IV. ihre imposanten, herrlichen Schlösser 
schufen (Kronborg, Frederiksborg, Rosenborg, bekannt 
durch das Werk von Neckelmann und Meldahl)**), 
nuisst.cn sie die Architekten und Kunstformen meist aus 
den Niederlanden holen. Nach ihrem Beispiel aber sind 
durch das Land hin viele einfachere Königssitze und 
Adclsschlösscr gebaut worden, nach mittelalterlicher 
Tradition schlicht und wehrhaft, gewaltige Baumassen 
unter hohen Dächern, mit breiten Giebeln und kräfti- 
gen Türmen, die grollen Backsteinflachen nur spär- 
lich durch Hausteine unterbrochen, der plastische 
Schmuck meist auf ein Portal oder einen Giebel kon- 
zentriert, Muster groüzügigcr, sachlicher Bauart Diese 
Adelshöfe (I krregaardl werden besonders in jüngster 
Zeit von den heute tätigen Architektin eifrig studiert; 
man sah eine Auswahl derselben auf der Pariser Welt- 
ausstellung mitten unter den neuesten Bauten; sie gelten 
als vorzügliche Schule für den heutigen Profanbau. 

Die danischen Landbaumeister haben diese ge- 
sunde handwerkliehe Gesinnung aus der Zeit der 
Renaissance auch in das Barock gerettet. Die schönen 
Schlösser und Paläste in Kopenhagen (Christiansborg, 
heute in Ruinen, Amalienborg, verschiedene Adelspalais 
u. a m.) mit ihrem feinen Sandsteinschmuck dienten 
nur als ferne Anregung. Statt der wehrhaften Burg 
will man jetzt auch auf dem Lande die offene fran- 
zösische Anlage mit Flügeln, Mittelrisalit, Freitreppe 
und Kuppel; der alte Rohbau weicht dem Putz. Aber 
es bleibt der Zug zum Schlichten und Klaren; nicht die 
hinzelheitcn, die Säulen oder Ornamente beherrschen 
den Eindruck, sondern die Verteilung der Massen, die 
wohltuenden Verhältnisse, die Raumkunst. Gegen das 
Ende des 18. Jahrhunderts, unter der Herrschaft des 
Zopfstiles und des reineren Klassizismus, haben auch die 
Kunst des Innenraumes und dasMöbel eigentümliche, an- 
sprechende Formen gewonnen; an die saubere Furnier- 
und Kinlegearbeit und die verständige Zwecksicherheit 
dieser Handwerkskunst knüpft man heute mit gutem 
Gewinn wieder an. Selbst für die Grösse der lange 
unterschätzten Bauten des spateren Klassizismus, wie 
sie in Kopenhagen die Werke von Harsdorff, C. F. 
Hansen (Frauenkirche und altes Rathaus), des älteren 
BindcsbölllThorwaldsen-Museu nitzeigen, öffnen sich die 
Augen des heutigen Geschlechtes. Die zwei trefflichen 
Zeitschriften, die neuerdings über alle diese Fragen unter- 
richten, „ Kunst" und .Architekten" (Mitteilungen des 
Akademischen Architekten -Vereins'!***), pflegen alle 
diese ältere Kunst ebenso pietätvoll, wie sie die Arbeit 
der Lebenden würdigen, veranschaulichen und fördern. 

So leiten die alten Vorbilder die heutigen Meister 
in mancherlei Richtung L'nd doch geht aus allen 
diesen Anregungen verschiedener Zeiten eine im- 
grunde einheitliche, durchaus neuzeitige Art hervor. 
Denn vor aller Form, vor allen sogenannten Stilfragen 
herrscht bei den besten Kräften von heute das Prak- 
tische, dasSachliche. das Zwc< kbewusstsein im Sinne der 
hcutigenEngläuder. Wir wünschten dies an den einzelnen 
Werken der führenden Künstler anschaulich zu machen. 
Die „Deutsche Bauzeitung" beabsichtigt, später die her- 
vorragenderen Bauten dieser Bewegung in eingehender 
Beschreibung vorzuführen. Heute seien zur Einführung 
nur einige Beispiele herausgehoben, um die Ziele und 
die Wege der ganzen Bewegung zu kennzeichnen. 

'1 Fr. Laskc, Die vier Kuudkm lu » auf Rnrnholm uml ihr 
mittelalterlicher HiWIer-.. hmu' k. Iti-rlin, Wilhelm Krriüt \ Sülm, iooa. 

*') OenknifOrr «Irr K«*iinm*»n< *' in iKiuf-niark BrHiti, r ii'M 
Wusmuth, 1Ö88 

* 1 '! Itciii« in der lltbliullit-k tk-^ KkI. Kunitz u eil» ■ Mutoui* 
m UeiliM, k)ic an. h eine Saininlu.ij: v..„i Hi,.u.p..|>l.ir,i ..It. . tm.l 
«euer ilnnmrlur Raulen beim. 



Die dänischen Architekten werden es für recht 
und billig halten, wenn wir unter den Werken und 
unter den Meistern von heute das neue Rathaus von 
Kopenhagen und seinen Schöpfer Martin Nyrop 
voranstellen. Er ist schon frühe als eine starke 
Persönlichkeit bekannt geworden, als er im Jahre 188Ö 
der nordischen Ausstellung in Kopenhagen ihr eigen- 
tümliches, frisches Gepräge gab und die heimischen 
Motive des nordischen Holzbaues mit starker künst- 
lerischer Laune zu einer wirklichen Gelegenheits- Archi- 
tektur verarbeitete; eine der frühesten 'Taten echter Aus- 
stellungskunst, wie sie noch 1900 auf der Pariser 
Weltausstellung eigentlich nur die skandinavischen 
Nationen gewagt haben. Er hat dann für den Staat 
das Provinzialarchiv in Kopenhagen gebaut; das ge- 
waltige, ganz schmucklose Magazin getrennt von der 
gefälligen Baugruppe, welche die Studien- und die Ver- 
waltungsräume enthält, nur durch einen Gang mit ihr 
verbunden; ein Charakterbau echten Schlages. Als 
Sieger eines Wettbewerbes hat er seither die gewaltige 
Aufgabe durchgeführt, einer grollen, mode rnen Stadt cm 
Rathaus zu schaffen, das zugleich Nutzbau und Festban 
sein soll. 1894 ist der Grundstein gelegt worden; im 
Januar 1903 ist es endgiltig bezogen worden; jetzt 
wird noch an dein Ausbau des grossen Hauptfest- 
saales gearbeitet. 

Im Westen der Stadt, nicht weit vom Bahnhof, 
bei den breiten Boulevards, die durch die Auflassung 
der alten Festungswälle entstanden sind, reckt sich 
die Front des mächtigen Hauses trotzig und doch 
feierlich empor. Der weile freie Platz davor ist leicht 
vertieft und bildet mit der 'Terrasse dicht am Gebäude 
eine wirksame Basis für den gewaltigen Körper. Wie 
unsere Bildbeilage zeigt, sind das Erdgeschoss und das 
erste Obcrgcschoss von massigen Höhen, für die Nutz- 
räume bestimmt; das zweite Obergcschoss ist das hohe 
Festgeschoss, das vorne an der Front den grossen Fest- 
saal und hinten im Querflügel den Sitzungssaal du 
Bürgervertreter enthalt Das Material ist vorwiegend 
Backstein, groß, handgestricheu, von prachtvoller roter 
Farbe. Der Sockel Granit ; dicTflrgewändc und Fenster- 
rahmen Sandstein; zu oberst, unter dem mächtigen 
Dach, ein niedriges Halbgeschoss, als Fries von hellem 
Kalkstein durchgebildet. Das dunkle Dach überragt 
der wuchtige Zinnenkranz, der das Haus der Kopen- 
hagener Bürgerschaft wie eine Wehr krönt und schirmt. 

Wer nur flüchtig hinsieht, mag diesen Zinnenkranz 
für ein Dekorationsstück halten. Sieht man näher zu, 
so wird es klar, dass dieses Hauptmotiv ganz sach- 
lich aus dem Gerüst des ganzen Organismus heraus- 
wächst. Hinter der Vorderfront dehnt das Gebäude 
sich als tiefes Rechteck zwischen ansehnlichen Strassen 
aus; an der Mitte der Seitenfassaden jederscits ein 
Turm, links der hohe, beherrschende Campanile. der 
im Stadtbild von Kopenhagen lebhaft mitspricht, rechts 
eine gedrungene 'Turmgruppe. Innen zwei grolle Höfe; 
dir vordere ein prachtvoller Lichthof, der hintere 
offen; zwischen ihnen ein Querflügel, der im oberen 
I lauptgeschoss in seiner ganzen Breite den Sitzungs- 
saal der Bürgerve rtreter enthält. Gegen die Strassen 
gehen rings um das ganze Haus die Zimmer und Säle; 
gegen die beiden Höfe die langen Korridore. Zwischen 
den Korridoren und den Zimmerfluchten liegt nun 
ringsum eine besonders dicke Mauer, in der die Hciz- 
kannle und ein sehr sorgfältiges Ventilations- System 
angebracht sind. DicseMauer mit ihren vielen Lüftungs- 
schachten ist es, die aus den Dächern emporragt und 
in den Lssenkranz ausläuft. 

So kühn wie dieses' Hauptmotiv, so großzügig 
und klar scheint mir dic - Anordnung und Gestaltung 
aller einzelnen Teile und Räume des riesigen Hauses, 
von den schlichten Bür« au-, Verwaltungs- und Ver- 
kehrslinien bis zu dem großen Sitzungssaal, dem 
Kern der ganzen Anlagt-. Was da wirkt, sind das 
Räumliche, die klaren Verhältnisse und vor allem das 
Material. Man darf sagen, ilass'die Achtung vor den 
Bauscofleii uml die Kunst, ihre Schönheiten auszu- 
nutzen, den alten Meistern ganz nahe kommt Vom 
Finfachsieu bis zum Prächtigsten: in den Nutzräumen 

No. 12. 



schlicht« -U -n Hol/werk, glatte Wände, weiüe Stuck- 
decken; in Hein N> bcn Treppenhaus d< s hinteren Quer- 
Hügels ]>ninkl«'->e F.isrnkonstniktinn; dagegen in «lein 
großen, festlichen Li«hthr»(r vm ein heller. v«<ller, 
überwältigender Einklang der edelsten Stolle, unter 
denen kostbarer Marmor in grollen Flächen und kleine- 
ren Einlagen vorwiegt, mit Motiven, die oll an die 
Kunst der Cosmatcn erinnern; daneben in gemesse- 
nem Wechsel < inzelnc plastische Ak/ente, Wappen, 
Inschriften u. a Auch neueste Ockorationstechniken 
werden nicht verschmäht: die Laibungen der groben 
Bogen, die vom l.ichthof unter dem Qucrflügcl zu den 
Haupttreppen fuhren, sind mit einem reizvollen Möveu- 
fries aus glasierten Tonstürken auf PuUgrund verziert, 
in der Technik, die der Keramiker Kahler aus Nesived 
vor einigen Jahren auf der Berliner Kunstausstellung 
gezeigt hat Ks ist überhaupt lehrreich zu sdu n, 
wie der Architekt seine dekorativen Mitarbeiter leitet. 

Er gibt sich nicht in die Hände von Dckorations- 
Geschältcn, Wer an solchen» Werke mitarbeitet, soll 
ein Kflnstler sein. I >en jungen Maler, dem er die Sopra- 
I Hirten anvertraut, schickt er zunächst auf Reisen, um 
ihn in den mittelalterlichen Kirchen die Technik und die 
Art der alten Kalkmalcreien studieren zu lassen Dann 
darf der Künstler nach seinen eigenen, höchst per- 
sönlichen Ideen arbeiten, aber stets in allen Haupt- 
dispositionen vom Architekten geleitet Denn aller 
.Schmuck ist in grobem, breitem Maßstäbe geordnet, mit 
vollendetem Raumgefühl und in der vornehmen Be- 
schränkung, die zu Oben uns heute noch so schwer 
fällt. Dafür aber darf und soll jedes Einzclstflck in 
sieh ein vollendetes Kunstwerk sein, durch Stoff, Ge- 
halt und Form: die Virtuosen des Kunstgewerbes sind 
durch Künstler ersetzt. Wir werden gut tun, uns 
Martin Nvrops Werk später auch darauf hin genauer 
anzusehen. Hier ist ein Architekt wirklich der Führer 
der neuen Handwerkskunst. 

Wir haben den Geist, der im Rathausbau in Kopen- 
hagen waltet, zu skizzieren gesucht: er ist wie es 
scheint, von Jahr zu Jahr Irischer auch hei den 
(ihrigen dänischen Meistern lebendig. Das Bild, das 
man in Kopenhagen selber gewinnt, erweitert sich 
durch die Darstellungen aus den kleineren Städten, 
wie sie die genannten Zeilschriften und eine Reihe 
trefflicher Photographien bieten, die man in Kopen- 
hagen zu Kauf findet L eber den Zusammenhang der 
Künstler orientiert vor allem ein Aulsatz von Fugen 
Jörgensen in der dänischen Zeitschrift p Kunst", 
Jahrgang 1900 

Man findet Belege dafür, dass der Sinn für ge- 
sunde Schlichtheit im Anschluss an alte, heimische Bau- 
weisen nicht einmal aus allci jüngster Zeit stammt. So 
steht unter den vielen Stiftungsgebäuden, die eine 
Eigentümlichkeit Kopenhagens bilden, aus den Jahren 
1885 bis 1887 das Abel Cathrinc's Stift von 
H. Storck; ganz in den schmucklosen Backsteinformen 
der dänischen Barockkunst aufgeführt, mit einem kleinen 
Hof, der mit seiner schlichten Kapellenfiont, von Grün 
uberwuchert, mitten in der Grobstadt wie ein Hort 
tiefsten Friedens anmutet. Ein /weites Stiftshaus von 
demselben Künstler liegt frei hinter einem der groben 
Zierteiche der äuUercn Stadt, das S o I d e n f e 1 d t s - S t i f t 
am Sortedams-Sec: eine grobe eckige Fassade von ruhi- 
ger, monumentaler Würde; die leuchtende, rote Zicgel- 
lläche unter dem glatten, einfarbigen Dache spiegelt 
sich in wundervollem Farbenklang auf der blanken 
Wasserfläche wieder. DerMeister wird auch besonderen 
Aufgaben sieghaft gerecht: bei dem Erweiterungs- 
bau der Landtnandsbank , is. S. 4) galt es, neben 
dem Ziegelstein besonders reichlich norwegischen Mar- 
mor zu verwenden; man sieht, wie fremdes Material und 
italienische Motive mit dem heimischen Backstein und 
dem nordischen Raumgefühl in eins gestimmt werden 

Als die vielseitigste Persönlichkeit neben Martin 
Nvrop darf Hack Kampmann gelten. Als der Staat 
i J 1888 das Archivin Kopenhagen an Martin Nvrop über- 
trug, erhielt der jugendliche Kampmann gleichzeitig das 
Archiv in Viborgljütlandi in Auftrag. Seine weiteren 
Werkestehen in A arhus, der grötiten Stadt Jütlands, die 

.S Januar 1001. 



im Lauf« des 19 Jahrhunderts von 4000 auf 50000 Ein- 
wohner gewachsen ist. Hier hat er als Königlicher Bau- 
inspcktordasZollgebäudeunddie Staatsbibliothek 
gebaut, ferner für die Stadt das The ater und für einen 
Prinzen lals Geschenk der Nation 1 ein l.andschloss; 
auch für die Stadtcrweilerung hat man ihn mit Plänen 
beauftragt. So verschiedene Aulgaben hat er in wech- 
selnden Formen, aber in einem Geiste kraftvollen 
Ernstes gelöst. Das Zollgebäude (Zollkammer) ist 
eiu Eckbau ; an der Ecke ein hoher eckiger Turmbau 
zwischen zwei kernigen Rundtürmcn, das Motiv des 
Stadtwappens von Aarhus; daneben die schlichten 
Flügel unter hohen Dächern; das Material Backstein 
in anmutiger Musterung, versetzt mit sparsamem Hau- 
stein. Sachlich und vornehm zugleich erscheint das 
Gebäude der S t a a t s b i b 1 i 0 1 h e k |S 5) Es liegt ganz frei 
und enthält aussen ringsum die Büehcrräumc. Die Fenster 
sind zu groben Gruppen zusammengefaßt, nament- 
lich an der Rückfront.die unsere Abbildung zeigt; an den 
Mauerflächen dazwischen steht in grobem, sicherem 
Rhvthmus ein Paar krältiger Wap|>cn; Ober den Ziegel- 
stcm-Fassaden steigt das schräge Dach bis dahin, wo 
die inneren Mauern heraustreten und das grobe Ober- 
licht für den Lesesaal tragen, der in der Mitte des 
Gebäudes liegt Da das Gelände ansteigt, so liegt 
die Vorderfront mit dem Hingang höher, an einer 
Terrasse Eine Brücke führt zu dem Portal mit seiner 
eigenartigen Flächen- Verzierung aus 'Tauwerkmotiven. 
Ganz auf festliche, farbige Wirkung ist die Fiont des 
Theaters gestimmt. Die Fassade, aus Ziegeln und 
französischem Kalkstein, wird bekrönt durch einen 
Fries und ein Giebelfeld aus farbigem Tonmosaik in 
der Art, die wir am Rathause kennen leinten. Wieder 
ganz verschieden das l.andschloss Marsclisborg bei 
Aarhus, das man als Hochzeitsgeschenk für den Prinzen 
Christian hat bauen lassen. Eine LcbcrseUnng der 
Vorbilder des 18 Jahrhunderts ins Moderne: die 
Fassade gegen den Garten breit gelagert, beherrscht 
durch das prachtvolle Giebelfeld mit den drei dänischen 
Löwen, einem vollen Kunstwerk in Maßstab, Zeichnung 
und Modellierung; die Eingangsfront nach der Art 
der Flügelpalais mit zwei kurzen seitlichen Vorsprüngen 
und runden Treppenhäusern; auch im Inneren in den 
Formen des Zopfstiles ein durchaus moderner Geist. 

(iilit hier ein starker Künstler einer Stadt ihr Ge- 
präge, so spürt man aul einem wichtigen Gebiete des 
öffentlichen Bauwesens eine besonders glücklic he, ein- 
heitliche Hand Der Architekt 1 1.Wenck hat eine Reihe 
sehr charakteristischer Bahnhöfe geschaffen, in Kopen- 
hagen den Güterbahnhof, dessen Lagerhaus |S. 5) für 
sich selber spricht; eine seltene Vereinigung von Wucht 
und Anmut; alle Einzelheilen auch hier handwerklich 
gesund und männlich: alle Reste des Stuekatcur-Ge- 
schmaekessindoberwunden, Verwandt ist, nach den Ab- 
bildungen zu urteilen, der Bahnhof in der rasch auf- 
blühenden jütischen KüstcnstadtEsbjerg, dem wichtigen 
Ausfuhrhafen an der Nordsee In demselben Geiste 
kerniger Einfachheit bei sicherstem Raumgefühl eine 
ganze Reihe kleinerer Stationsgebäude an der Küstcn- 
bahn, die von Kopenhagen gen Norden führt 

Der neuere Kirchenbau verdient später ein eigenes 
Kapitel In Kopenhagen sind in den letzten Jahren 
eine Reihe kleinerer, höchst eigenartiger Kirchen ent- 
standen Das Schema der RciUhrcltgotik scheint völlig 
überwunden. Reizvolle Gruppen von verschiedenster 
Gestalt, mehr von den romanischen Landkirchen als 
von Monumental -Vorbildern abgeleitet; als Material 
vorwiegend Ziegel mit mabvollem Werksteinschinuck ; 
die Ornamente kräftig, aber bescheiden und auf die 
Hauptpunkte beschränkt. Wir geben als Beispiel die 
Brorsonskirrhe von Thorvald Jörgensen, am 
Nordvestvej gelegen (S.8u 9): der Kirchenraum ist lür 
800 PläUc berechnet; im Soekelgcschoss liegen Sakristei 
undVcrsammlungssälc; der Glockenturm links daneben 
Der Blick in das Innere zeigt lebendig, wie auch in der 
kirchlichen Kunst des Inncnrautm s nicht eine fromme 
Dekorationswut herrscht, sondern tler Mut zu echter, 
kerniger Einfachheit und Einfalt; « in Stück Gianitkunst, 
die einem wirklich starken protestantischen Glauben s«i 

3 



gut austt'ht. In diesem Sinne sehe der RcsuchcT Kopen- 
hagens sieh besonders die I m m a n u e I k i r ehe an, die sich 
die freieCiemeindc in Kopenhagen gebaut hat; in diesem 
stimmungsvollen Bau von A. Clcmmenson kann man 
auch die tiefgründige, dekorative Malkunst der BrOdcr 
Skovgaard bewundern, die mit ihrem Freunde, dem 



Charaktcrkopl Th.Rindcshöll, heute die starkstcnPcr- 
soiilichkcitcn in der dänischen Pckorationskuiist sind. 

Vom Pi ivatbau hoffen wir spater zu berichten. 
Auch hier hat die neue Kunst manche frohen Anfange 
/u verzeichnen. Und auch hier scheint die Losung 
zu gelten: i ine Aufgabe, ein Mann! 



Der Wiederaufbau des Campanile von San Marco.* I 

Von H. Blankenstein, Ceti. Baurai in Berlin. 



jer Wiederaufbau de» Glockenturmes von San Marco, 
des weithin ragenden Mittelpunktes von Venedig, ohne 
den man »ich die den MarKiisplatz und die Piazzetta 
unwchUeimcnde Gruppe von Monumentalbauten nun ein- 
mal nicht den- 
ken kann, schien 
endlieh imFrüh- 
jahr 1903 ge- 
sichert durch 
die Meldung, 
daß die Ober- 
leitung des Wie- 
der - Aufbaues 
dem bekannten 
Archit., Prol 
LueaBeltreml 

in Mailand über- 
tragen und daü 
am 2v April in 
feierheher Wei- 
se der Grund- 
stein gelegt sei. 
Nunmehrkonn- 
te Niemand da- 
ran zweifeln, 
datl der Cam- 
|>anile in ab- 
sehbarer Zeit 
in alter Herr- 
lichkeit wieder 
erstehen werde. 
Hiese Zuver- 
sieht wurde 
plötzlich durch 
eine dem röm- 
ischcn.Avanti" 
entnommene 
Mitteilung ge- 
trübt, wonach 
Kellram i den 
Wiederaufbau 
für unausführ- 
bar erklart ha- 
be, „weil l>ereils 
«lie ersten Ver- 
suche die Un- 
moglichkeit be- 
wiesen hatten, 
auf dem allen, 
morschen Un- 
terbau da» kr> 
lns-aleKauwcrk 
wieder auf/u- 
ruhten Durch 
'lic Fundatuen- 
tierung wurden 
• he umliegen- 
den Cebiude 
der grflflten Cr- 
fnhr ausgesetzt 
werden". Diese Nachricht kannte gegenüber den bis. 
herigen Meldungen über den Zustand des Fundamentes 
und in der Erwägung, daü die neuere Technik W 
mannigfache Mittel bietet, auch der größten Schwierig- 
keiten Herr zu werden, durchaus nicht glaubhaft er- 
scheinen. Sie (and aber eine gewisse Bes'atigung durch 
eine Anfangs September 1903 von den Zeitungen gebrachte 
Nachricht, das, Beltrami wirklich die Bauleitung nieder- 
gelegt und zugleich diesen Schritt in einer von ihm Ver- 
öffentlichten Denkschrift unter dem Titel „Zwei und Siebzig 
Tage Arbeit an dem Campanile von San Marco" gerecht- 
fertigt habe. In dieser klar und elegant geschriebenen 
Broaehftre gibt der Verfasser eine ausfuhrliehe Darstellung 
seiner Tätigkeit, einen dem Magistrat von Venedig ei 
statteten Bericht über den technischen Teil der Kraue 

•I Vnjl. So s& Jahns»«! im «I. Hl. 




Erweilc-runguluiu d« l.andmandabank in Kopenhagen. Architekt: Prot. II. Stomk 
Neue Baukunst In Danemark. 



und einen Anhang über die (iründung der Kialto-Krückc. 

Dem ersten Teile der Schrift ist Folgendes zu ent- 
nehmen: Nach Abschluss der Untersuchung über den Ein- 
stur/ wurden in Rom Verhandlungen zwischen dem Mini- 
sterium des öf- 
fentlichen Un- 
terrichtes und 
der Gcmcin- 
de -Verwaltung 
von Venedig 
geführt zu dem 
Zwecke der ge- 
meinsamen 
Ausführungde» 
Aufbaues, wobei 
der Staat zu den 
auf etwa 3 Mill. 
Lire geschätz- 
ten Baukosten 
rd. 500 000 Lire 
beitragen und 
dicOberlcitung 
des Baues den» 
Professor Belt- 
rami, als dem 
hierzu beru- 
fensten Archi- 
tekten , über- 
tragen werden 
sollte, Glcich- 
zeitig sollte der 
als Professor 
am Polytechni- 
kum zuMailand 

beschäftigte 
Architekt Gae- 
tano Morel ti, 

ein naher 
Freund und ehe- 
maliger Schü- 
ler Beltranii's, 
mit dcrLcitung 
und Neuord- 
nung des Pro- 
vinzialamtcsfür 
die Erhaltuni: 
der Denkmaler 
in Vcnezien be- 
auftragt wer- 
den. Beltrami 
weigerte sieh 
lange, den Auf- 
trag anzuneh- 
men u. zwaraus 

Wi fl tra u en gegen 

den damaligen 
Unterrichts-Mi- 
nister Nasi und 
weil er von der 
Mitwirkung der 
Regierung Reibungen und Hindernisse befürchtete. E> ge- 
lang indessen dem Bttrgei iiiei-ierGrafenGrimani, auch diese 
Schwierigkeit zu beseitigen, so daü der Staat sich auf die 
Gewährung des Zuftchtuaes beschränkte, die Ausführung 
aber der Gemeinde allein überließ, die Beltrami mit den weit- 
Heilendsten Vollmachten inbeztlg auf den Bau selbst, die 
Wahl seiner Mitarbeiter usw. ausstattete. So kamen die 
Verhandlungen endlich am 1. Marz zum Abschluss und 
Beltrami traf bereits am 5. März in Venedig ein, um sieh 
der ehrenvollen Aufgabe mit Liebe und Begeisterung zu 
widmen, wobei er vonseiten der Gemeinde- Verwaltung 
da« bereitwilligste Entgegenkommen fand. Seine Stellung 
war aber von Anfang an schwierig, da die Techniker 
Venedigs die Berufung eine» Auswärtigen sehr ungern 
sahen und sogar Protest dagegen erhoben hatten. Wenn- 
gleich Beltrami anführt, daü sie ihm später durchaus 
Uebenswflrdig entgegen getreten seien. M mochte ihm doch 

No. 1/2. 



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«Irr, wie er sagt „hartnäckig wiederholte l<n(: „Vcnczia 
fara da »fc- beständig rorachwebeo. Ab Hilfskraft für den 
administrativen Teil der Arbeit, jedoch nur im Nebenamte, 
wurde ihm ein jüngerer städtischer Baubeatnter beigegeben 
und zum Vertreter wahrend seiner Abwesenheit von Venedig 
der beim Provinzialamt für die Denkmäler beschäftig-, 
ihm befreundete Professor I ><- 1 Piccolo bestellt Au — ei- 
tlem fand er in dem inzwischen in sein Amt eingetretenen 
Professor Moretti einen gleichgcsinnten Berater. Aber 
keiner von diesen war Autorität genug, um die Verant- 
wortung für die schwierigste Kraue de» Haue-, die der 
Gründung, mit ihm zu teilen. Rr sprach deshalb bei 
Ueberrcichung seines ersten, am 19. März abgeschlossenen 
Berichtes, in dem er den Wiederaufbau de- Turmes auf 
dem alten Platze für ausführbar erklärt, dem Bürgermeister 



den I lauplpunkt in Zwiespalt mit ihm, worauf dieser -ich 
zurückhielt und -eine Tätigkeit auf Erfüllung der ihm er- 
teilten Aufträge beschrankte. Sonach blieb Beltrami auf 
-eine beiden freunde angewie-en, mit denen er, wie er 
sagt, Selbstgespräche führte, während ihm das technisch- 
konstruktive „ambientr" (milieu) Venedig» fehlte, so dal! 
er sich isoliert fühlte. AN schließlich am II. Juni der 
Minister Nasi den Professur Moretti seines Hauptamtes in 
Mailand enthob und dieser darauf sofort auch sein Amt 
als Konservator in Venedig niederlegte, nahm Beltrami 
dies zum Anlas-, auch seiner-eit- am 12. Juni seine Ent- 
IWHWMtg einzureichen, die jedoch erst am 6. Aug. durch 
ein Schreiben des Bürgermeisters angenommen wurde, 
in dessen Ulflallender Kürze und trockenem Ton man eine 
nachträgliche Rechtfertigung des Rücktrittes erlilicken kann. 




StaaUbibliotl ck in Auiliu». RticWitc. Architekt: Hark Kampmann in Aail uv 




Neue Baukunst in Dänemark. Lagtrtarai de« Calci bahnliofi» in Kopenhagen. Architekt: H. Wcn.k in Kopenhagen. 



di>. Wunsch aus, dass eine Anzahl erfahrener Techniker 
berufen werden möge, um einen Ideenaustausch über die 
Art der Verbreiterung de» Fundamentes herbeizuführen. 
Dies lehnte der Bürgermeister ab aus Abneigung gegen 
eine vielköpfige Kommission, in die möglicherweise auch 
ungeeignete Personen berufen werden konnten. Hätte 
Beltrami bestimmt erklärt, dass er die Verantwortung für 
die Art der Gründung nicht allein tragen könne, so wäre 
die Antwort wahrscheinlich anders ausgefallen. Er setzte 
nunmehr seine I loffnung auf dieGcwinnung eines tüchtigen, 
mit den BaugrundA'erhälinissen Venedigs vertrauten Unter- 
nehmers und als solcher wurde der ihm auch von befreunde- 
ter Seite bestens empfohlene Maurermeister Marco Torres, 
ein älterer erfahrener Praktiker, angestellt. Jedoch geriet 
Beltrami sehr bald wegen Meinungsverschiedenheit über 

5 Januar 1004 



Indessen lie-t man doch aus der ganzen Schrift Beltrami'» 
heraus, dass ihm auch Zweifel an der Möglichkeit ge- 
kommen sind, den Turm wenig-tens in der von ihm ge- 
planten Weise wiederaufzubauen, und daü er hauptsäch- 
lich aus diesem Grunde vorgezogen hat, sich zurückzuziehen. 

Her Rücktritt Beltrami's und das Erscheinen seiner 
Broschüre hat eine wahre Flut von Zeitungsartikeln und 
Gegenschriften auch in deutschen Zeitungen hervorge- 
rufen, die auch heute noch nicht abgeschlo— cn zu -ein 
scheint. Zunächst wie- Torres in einer kleinen, »ehr 
ruhig und sachlich gehaltenen Bro-chüre die gegen ihn 
erhobenen Anschuldigungen entschieden zurück, und 
neuerdings hat der Magistrat von Venedig eine an den 
Gemeinderat gerichtete Gegenschrift veröffentlicht, in der 
er unter Beibringung des umfang reichen Schrittwechsels 



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sein Verfahren rechtfertigt Hieran- gellt unzweifelhaft 
hervor, dali der Magistrat sich nicht nur <!«»• grollte Mühe 
gegeben h.'il. Bcltrami dir den Bau /u gewinnen linil ihm 
-lets mit dem grollten Vertrauen «-iKnen^n gekommen 
sondern daH <t auch nach Empfang des Enllassotlgs 
Schrcibciis ■ i i ■ > rt iiikI i:i»t ;«n Monate hindurch icdcs 
Mittel vcr-iieht hat, ihn zur Wicihraulnalimc der Arbeit 
zu bewegen. K- stellte sich dabei heraus, dass die Ent- 
lassung Morcth's auf einem Mißverständnis beruhte, die 
dann auch schleunigst zurückgenommen wurde, worauf 
dieser bereits im Juli sein Amt in Venedig wieder auf- 
nahm. Iteltrami aber lelinle den Wiedereintritt immer 
entschiedener ab, worauf dem Macistrat nur (ihrig blich, 
die Entlassung anzunehmen, wobei er wohl im l'nmut 
wegen der verlorenen Milbe eine etwas schroffe Torrn 
gewählt hat Hiernach ist nicht mehr zu hoffen, dass 
Beltrami seinen KiU-chlu-- ändert, was man im Interesse 
des Kalles, wie in dem des Künstlers nur aufrichtig be- 
dauern kann. Naher aul diese persönlichen Kragen, oder 
gar auf die bei dieser Gelegenheit von Keltrami gegen 'he 
General-Direktion der schonen Künste und den Minister 
Nasi erhobenen Vorwurfe ein/Hielten, i-t hier nicht der 
Ort, da die Leser dieser Zeitung doch vorwiegend nur 
die technische Seite der Angelegenheit interessieren dürfte, 
zu der ich mininehr Übersehe. 

Nach dem am 14. Juli iqoa erfolgten Einstürze ging 
man an (Iii- Aufraiiinung der Trümmer und an den Abbruch 
des stehen gebliebenen Stumpfes des Turmes, und /war 
unter Leitung des durch seine Forschungen auf dein 
Komm Komaiiiim bekannt gewordenen Architekten I'rof 
llotti, der von Juli bis Knde l>c/ember 1Q02 mit der 
Leiamg des Mezirksumte- für die Erhaltung der Denk- 
mäler in Vene/ien beauftragt war Kineu eigentlichen 
Auftrag, hei diesen Arbeiten zugleich nach den l'i'sachen 
<|es Einsturzes /u forschen, seheint B0111 nicht gehabt /u 
haben, wenigstens liegt ein Merichl darüber nicht vor. 
hoch wurde festgestellt, dati der Turin in sich zusammen- 
gestürzt und dali die t'rsache dafür nicht im Nachgeben 
des Fundamentes, sondern in Mängeln am Mauei-werke 
des oberen Teiles zu suchen sei, an dem seit Jahren 
wiederholt Klickarbeiten notwendig wurden, so dati man 
am 13. Juli besebloll, den Turm abzusperren und weitere 
Aiisbesseriingsarbeilen vorzunehmen. Zum Glück wurde 
die Absperrung ausgeführt, der Auslicsscrung aber kam 
der Turm durch seinen K.instiirz zuvor, wodurch schweres 
l nglück verhütet wurde Schon wahrend der Aufräumungs- 
Arbeitcn, die etwa ein halbes Jahr in Anspruch nahmen, 
setzte die Regierung eine Kommission, bestehend aus den 
Hrn. Nicola Coletta, t-'esare (.cradini und Guglichno 
t'alderini ein mit dem Auftrage, die l'rsachcn des Hin- 
stur/es festzustellen und zu ermitteln, ob Jemand, und 
wer dafür verantwortlich zu machen sei. I>cr dritte dieser 
Herren, zugleich Verfasser lies am 25. Nov. 1902 abge- 
sehlossenen Berichtes, ist. wie aus einem kürzlich erschie- 
nenen Aufsalze Beltraniis hervorgeht, der Architekt des 
neuen Justi/pala-les und Ilirigent des 1 'rovin/ialamtcs fflr 
die Denkmäler zu Koni Wer die beiden anderen sind, 
habe ich nicht erfahren können, doch I.Vs( der l instand, 
d.v-s der Bericht aus Rom datiert ist, vermuten, dass auch 
sie m Koni aiis;iss lL; sind. Wollte man vielleicht die Zu- 
ziehung venezianischer Techniker, als möglicherweise nicht 
unbefangen genug, vermeiden'.' Jedenfalls muH es auf- 
fallen, «lali man auch Boni nicht zuzog, der doch gewiü 
Gelegenheit gehabt hat, bei den Abbruchs, und Allfrau- 
HHingsarbeiti-n wichtige Beobachtungen zu machen So 
hat er in einem, im „Zcntralhl. «I Bauverw." mitgeteilten 
Sehreiben bekundet, dass auch in die Mauern des Marcus- 
Turmes Balken und zwar au» Kastanienholz eingelegt 
waren: „die äußersten hnden dieser Balken waren vom 
Holzwurm zerfressen und dieienigen Teile, die mit Blei- 
platten bedeckt gewesen sind', waren von der Trocken- 
t.iiilc zersetzt. Ich hübe Proben davon im Pala/zo Duealc 
bei Seite legen lassen". Wie viele solcher Balken und 
wo dieselben etwa eingemauert waren, ist nicht gesagt, 
w ar auch wohl nicht mehr festzustellen. Hie Tatsache aber 
war den Mitgliedern der Kommission doch gewili bekannt 
und hUtte Erwähnung verdient, da sje geeignet erscheint, 
die verantwortlichen Techniker zu enlla-ten. 

Her Bericht der Kommission '■ 1 gibt zun.'ichst eine eut- 
.ehende (ieschiehte der Erbauung des Turmes und seiner 
Schicksale Hie etwas sagenhaft klingende Nachricht von 
-einer Gründung im Jahre 01 i bezieht sich wohl kaum 
auf den uns bekannt gewordenen t. anipaiiile, denn Scamoz/i 
berichtet, dass ,-[■ [ 1 48 begonnen und 1156 vollendet Wor- 
ten sei Kr s i)>; t. dass das Fundament breit und tief, aufs 
beste abgepfählt und ganz massiv sei Im Jahre 1339 soll 
der 'Turin dur ch den Architekten MoutaiMiana erneuert sein 

1 \|.i-.-i.-il( in. l'...l.u t -..i.il. M ,., < 

litil.r.;^ 1 iqoj \„ ^ 

6 



Hiese Nachricht bezieht sich vielleicht auf eine Ausbesse- 
rung und Verstärkung der Mauern, oder auf eine Erhöhung 
der ( ilorketislube und Aufsetzen der Spitze Der Oberbau 
bestand jedenfalls größtenteils aus Holz, wodurch allein 
die zahlreichen Brande erklärt werden. In den Jahren 
1383 und 1489 wurde der Turm durch Blitzschlag und da- 
zwischen noch zweimal, 1(03 und 1405 in Brand gesetzt, 
worauf der Teil oberhalb der (Hocken erneuert und er- 
höht und mit vergoldetem Kupfer eingedeckt wurde. Be- 
sonders schwer scheint der Sehlag von 148t) gewesen 
zu sein, denn Saiisovino schreibt, dati dabei die alle 
l.oggietta zerstört, daU sieben Glocken geschmolzen seien, 
und dall man Uberlegt habe, .den Obelisken von Stein 
zu machen". Her Turm blieb indessen lange mit einem 
Notdache stehen, wie ihn eine Zeichnung von Albr. Dürer 
vom Jahre 1500 zeigt. Am 26. Mitrz 1511 erschütterte 
ein Eidlichen den Turm, wodurch die alten Schäden nur 
noch vergrößert wurden Nach der hierüber gegebenen 
ausführlichen, aber nicht sehr klaren Beschreibung, ist in 
der Mauer bei den Glocken ein Hiß entstanden, der auf 
zehn Schritte gegen die Erde hinabreichte. Man erneuerte 
die am meisten zerstörten Maucrteilc auf eine Länge von 
10 bis 12 Schritte und an einer Stelle aul der Nordseite 
bis hinab zu dem zweiten kleinen Fenster. Dabei war es 
zur Erlangung eines gleichmäßigen Aussehens notwendig, 
auch die Oberflache der anderen Seiten zu erneuern. Zu- 
gleich erhöhte man die Mauer um einen Sehritt „sehr 
schön und aufwendig" in Werkstein und beschloß, die 
alle (,'ella (Glockenstubcl. die Attika und die Spitze in 
Stein aufzuführen. Dies geschah durch den maslro Buono 
nach dem Blaue des Architekten Spavcnlo in den Jahren 
1 j> 1 7 und im Jahre 1540 erbaute Jacopo Sansovino 
an Stelle der zerstörten die neue Loggictta, wodurch der 
Tunn seine endgillige Gestalt erhielt. Bei dieser Gelegen- 
heit erklärte man den Turm für so gut gegründet und so 
stark, dass er eine noch viel grossere I-ast tragen könne. 
Nach dieser Zeit, und zwar von 1,^48 bis 1762, wurde der 
Tunn noch achtmal vom Blitz, getroffen, worauf man sich 
entschloss, ihn mit einem Blitzableiter zu versehen. 

Den schwersten Schaden scheint der Blitzschlag vom 
23 April 1745 angerichtet zu haben. Es werden 37 Bruch- 
stellen (fralture) gezahlt, wobei am stärksten die nord- 
östliche Ecke angegriffen worden ist. Canaletto hat eine 
Zeichnung des Turmes 4 ! l mit dein zur Wiederherstellung 
angebrachten llängegertlst gefertigt, wonach auf der 
Osiseiie die Eck-Lisene und die Blende daneben bis gegen 
die zweite Liscne hin zerstört worden sind. Man darf 
annehmen, dall der Zeichner sich eine gewisse künst- 
lerische l'cbcrtreibung erlaubt hat, sonst wäre es nicht 
zu verstehen, wie der Turm in diesem Zustande mit fast 
zerstörtem Eckpfeiler hat stehen bleiben können. I>er 
Wiederherstellung dieser Schäden entstammen vielleicht 
die vielen weißen Werksteine, die an den Ecken eingesetzt 
w aren „zur Sicherung gegen die Pressungen, speziell auf 
den Ecken" Nichtsdestoweniger blieb der Bestand des 
Turmes durch die vielen mangelhaft ausgeführten Aus- 
besserungen. Au-futteruiigen und Verstärkungen stark 
gefährdet. Namentlich hebt ilie Kommission hervor, dalt 
die neueren Maucrteilc, besonders die Verstärkungen an 
den Innenseiten in besserem Material ausgeführt waren, 
als das alte Mauerwerk, sodail dieses als eine Last an 
dem neuen hing, wie denn auch der untere Teil de» 
Turmes in schlechtem, leicht zerreibbarem Mörtel aus- 
geführt worden sei. Es ist nicht zu bezweifeln, dall auch 
nach dieser Zeit noch weitere Ausbesserungen, nament- 
lich an den Aiillenflächen. ausgeführt worden sind. 

I eher das, was ,n den letzten Jahren geschehen 
ist, konnte die Kommission aus den Akten des Provinzial- 
amtes für die Denkmäler und des technischen Bdrcaus 
von San Marco, sowie durch Ausfragen der bei den 
Aiisbesseriingsarbeilen beschäftigt gewesenen Baubeamten 
und Arbeiter nur feststellen, dall die Seite de» Campanile 
über der l.oggietta < Ostseite k im Jahre 189g und im darauf 
folgenden auch die Südseite auf •/•■ der Hohe im oberen 
Teile erneuert sei und dall fortgesetzt im Aeuüeren kleine 
Arbeiten ausgeführt seien, mehr der Verschönerung wegen 
als zur Sicherung Die eigentliche l'rsachc, d h. den 
Ausgangspunkt des Einsturzes, hat die Kommission nicht 
festgestellt. Sie erblickt allerdings einen schweren Kehler 
in «lein Ausstemmen einer Nut zur Erneuerung des 
Traufglieik's (Iber dem Dache der l.oggietta; doch ist kaum 
zu glauben. daÜ man unvorsichtig genug gewesen wäre, 
diese Arhrit im ganzen vorzunehmen. Bei stockweiser 
und vorsichtiger Ausführung, unter gleichzeitiger Er- 
neuerung der Ziecelschichten darüber, kminle man hier- 
mit zugleich eine Verstärkung erreichen. Eine gewisse 
Kntschuldigiing der Beamten erblickt die Kommission in 

. l'.tlll S.llll 1 !!!!;- i l,t< 1 ,|, ,|, ( .HHJ.jntll \Otl Sil, 1|;|11M 

No. 1/2. 



by Googl 



der allgemein verbreiteten Uebcrzciiginig. daß der Turm 
niclil nur tadellos fundamentiert. Mindern ülnjrhaupt stand- 
fähig »ei. wofür einige interessante Beispiele angeführt 
werden. So hatte man im Jahre 1898 die Anbringung 
eines Fahrstuhles im Inneren als etwas ganz Unbedenkliches 
erwogen, und noch am 19. Nov, 1901 erklärten neun an- 
gesehene Männer, nämlich fünf Architekten, darunter der 
Direktor des Pmvinzialamtes für die Denkmäler, der 
Leiter der Arbeiten für die Marcus-Kirche, sowie der als 
Kunstschriftsteller bekannte Camillo Boito, ferner drei 
Maler und ein Sekretär den Zustand des Tunties für 
sicher. Die beiden Baubeamten erhoben allerdings Be- 
denken, stimmten aber schließlich, wie natürlich auch die 
l'ebrigen, Hoito zu, der erklärte, die früher hervorgetretenen 
Schäden rührten von anderen Ursachen her. wogegen 
Abhilfe geschaffen worden sei. Hoito schlägt -.gar v..r, 
die eisernen Handel und Ilaken zu beseitigen, „wo sie 
nicht notwendig sind." Indessen hätten doch diejenigen, 



die zur Fürsorge berufen waren, erkennen müssen, daü 
der Turm sich nicht in nnnuulcin Zustande heland und 
auf Mittel zur Krhaltung de» Denkmals sinnen müssen, 
welche die neuere Technik durchaus bietet. I>cr einzige 
Weg zur .Sicherung des Turmes wäre die Anbringung 
fester Verbindungen in Eisen gewesen und man wundert 
sich, daß die Beamten daran nicht gedacht haben Nach 
dem aber, was die Kommission selbst über die zahllosen 
Schäden und den geringen Zusammenhang des Mauer- 
werkes gesagt hat, muß man bezweifeln, daß diese Mittel 
.letzt noch geholfen hauen 

Soweit man, ohne die Dinge au Ort und Stelle unter- 
sucht zu haben, urteilen kann, muß man annehmen, dilti 
der Turm schon seit langer Zeit der Zcrsiörting entgegen 
ging. Ob er durch richtig und vorsichtig ausgeführte 
Ausbesserungen vor 50 Jahren noch /u ri llen war. mag 
dahin gestellt bleiben, daß es aber seit 10 oder 20 Jahren 
nicht mehr möglich war, dar! man wohl behaupten. 

.S,|,|„<» f,.!;, I 



Jnter dieser Uebcrschrift istgelegentlich der vorkurzem 
zu Knde gegangenen Dresdener Städte-Ausstellung 
ein Buch erschienen, dessen Inhaltsreichtutn es zu 
einem höchst wertvollen Besitz nicht nur jedes städtischen 
Tiefbautechnikers, sondern auch aller derer macht, die, 
wie z. B. Vcrwaltungsbeamte. Hvgieniker usw. in etwas 
nähere Berührung mit dem Tiefbauwesen der Städte 
kommen. I>enn es handelt sich in dem Buche, dessen 
Inhalt seinem ganzen Umfange nach auf amtlichen «„Miellen 
beruht, nicht etwa um ermüdende Beschreibungen der 
hauptsächlichsten Tiefbatianlagen der Hauptstadt Mittel- 
deutschlands, sondern um eine in alle Einzelheiten ein- 
gehende fließende Darstellung der Art und Weise, wie 
der gegenwärtige technische und Verwaltungszustand des 
Frankfurter Tiefbauwesens „geworden" ist Manches von 
dem, was das Buch an Beschreibungen technischer Werke 
bringt, ist zwar durch die Fachpresse längst au die Oeffent- 
lichkeit gelangt; dennoch wird es in dem neuen Gc- 
wande, in welchem es hier erscheint, abermals auf leb- 
haftes Interesse stoßen, weil dein Leser ein genauer 
Hinblick in die Geschichte des Vorgeführten und in den 
Zusammenhang derselben mit Dingen, die meist in den 
Aktenbündeln der städtischen Archive verschlossen ge- 
halten werden, eröffnet wird. 

Früher als in vielen anderen Städten beginnt in Frank- 
furt a. M., dank »einer Wohlhabenheit, seiner politischen 
und kommunalen Selbständigkeit und seiner Stellung in 
der Geschichte die Pflege von Hinrichtungen, für welche 
anderwärts erst viel s|>äier das Bedürfnis sich geltend 
machte. Bei der Straßenpflasterung, Straßenreinigung. 
zentralen Wasserversorgung und Kanalisation reichen die 
ersten Anfänge teilweise in sehr ferne Zeiten zurück; die 
■Entwicklung geht demzufolge vielfach nur langsam und 
ohne Richtung auf ein festes Ziel vor sich. Wir gewahren 
öfter ein vorsichtiges Tasten und ein Vorschreiten in 
Richtungen, die später wieder geändert oder aufgegeben 
werden mußten. Gerade dadurch aber, daß das vor- 
liegende Buch die ganze Länge der Pfade, auf welchem 
das Frankfurter Tiefbauwesen sich zu seiner heutigen 
Hohe entwickelt hat, hell beleuchtet, gewinnt dasselbe 
einen Wert, der es aus der Masse der blos beschreihenden 
technischen Werke weit heraushebt. 

Herausgeber des Buches ist das städtische Tirfbauanit. 
in Frankfurt a. M . namens dessen das Vorwort von dem 
Siadthaurat Kol Ic unterzeichnet ist Der Inhalt des Buches 
ist in 12 Abschnitte gegliedert, 111 deren Bearbeitung sich 
8 Verfasser geteilt haben. Wir setzen insbesondere aus 
einein am Schlüsse mitgeteilten Grunde die l'elicr- 
schriften der 12 Abschnitte samt dem Umfang derselben 
und den Namen der Verfasser hierher 
Abschnitt 1: Organisation und Geschäftspraxi- des Tief- 
bauamtes. Umfang •/', Druckbogen ; Verfasser 
Stadthaurat Kölle 

Die bauliche Entwicklung von Frankfurt a. M. 
und -eineStadterweiterung; Umfang ' j I huck- 
bogen; Verfasser Frühwirth 
Das städtische Straßenbauwesen; Umfang 
i' j Druckbogen; Verfasser Dehnhardt. 
Das städtische Straßcnrcinigungs. und Ah- 
fuhrwesen; Umfang i'.'j Druckbogen; Ver- 
fasser Roehm. 

Die Kanalisation; Umfang 2 Druckbogen; 
Verfasser Uhlfelder 

Die Reinigung der städtischen Abwasser; Um- 
fang 2' , Druckbogen; V erfasser Uhlfelder. 
DieWasserversorgung; Umfang 4 Druckbogen; 
Verfasser Scheel Ii äse. 



Das stadtische Tiefbauwesen in Frankfurt a. M. 

Abschnitt 8 



2: 



U 

I, 

7 



IM 



I I . 



12: 



DieStadlbelcuchutng; Umfang 1 (Druckbogen; 
Verfasser Scheel ha se 

Die Wasser- und I lafcnbaulcn ; Umfang 
3 Druckflogen; Verfasser Uhlfelder. 
Die Brückcubaiiten ; Umfang 1 , Druckbogen; 
Verfasser Uhlfelder 

Das städtische Wrnif-iin^MfM'ii; Umfang 
' , Druckbogen; Verfasser Luhe. 
Die städtische Matenahcm crwaluing; Um- 
fang ' ä Druckbogen; Verfasser Lorey. 

Den 12 Abschnitten sind 8 größtenteils farbige 
Tafeln und 185 Figuren im Text, alle von tadelloser Alls, 
führuug. beigegeben. 

Wer es unternehmen wollte, aus dem Inhalte des 
Buches Einzelnes in mehr als andeutungsweiscr Form 
herauszuheben, wurde bald in Verlegenheit geraten, wo 
anzulangen und wo aufzuhören sei. Verfasser ist daher 
genötigt, »ich auf einige kurze Hinweise mit wenigen 
Randbemerkungen, zu beschränken 

In dem Abschnitt 2 interessiert am meisten die 
Art und Weise, wie in der Altstadt den Ansprüchen des 
neueren grossen Verkehrs genügt wird. Um nicht von 
dem malerischen Charakter der alten Straßen und von 
architektonisch bedeutsamen Gebäuden allzuviel zu opfern, 
hat man Straßen -Verbreiterungen nur in ziemlich 
beschränkter Zahl ausgeführt, dagegen den Grundsatz 
befolgt, in der Nähe von verbreiterungsbedürftigen Straßen 
die Baublöckc in gleicher Richtung mit neuen breiten 
Straßen zu durchbrechen, ein Verfahren, das in ge- 
eigneten Fällen zur Nachahmung dringend empfohlen 
werden kann. 

Im Abschnitt 3 sind es vornehmlich die Breiten- 
einteilungen der StVaUcn sowohl an der Oberfläche 
wie im Grunde, und 'die mit den verschiedensten 
Pflasterniaterialien erzielten Ergebnisse, welche 
Beachtung herausfordern. Handelt es sich bei der Brcücn- 
einteilung darum, in welcher Weise den heutigen so ver- 
schiedenen Ansprüchen des Verkehrs und der Ausiiutziin ; 
des Grundes mit Versorgungsnetzen aller Art am besten 
genügt wird, so sind es bei den Pflastermaterialen hvgie- 
nischc und wirtschaftliche Gesichtspunkte, die heute den 
Säckel der Städte in früher nicht gekannter Weise in 
Anspruch nehmen. Frankfurt bietet in diesen Dingen 
ebenso vieljährige und so reiche Erfahrungen, wie sie 
anderwärts nicht leicht abermals angetroffen weiden Den 
Heschluss <Ies Abschnittes bilden wertvolle tabellarische 
Zusammenstellungen Uber die Höbe der Anhcgcrbcitnv"' 
zu den Kosten der eisten Anlage und der 5jährigen Unter- 
haltung der Sn aßen Ersten- wechseln - je nach der 
Straßenbreite und Siraßcnhctesiigungsan zwischen 44 
und 2.48 M für 1 "' Frontlänge der Grundstücke, sind 
daher im allgemeinen so hoch, ilass sn« nur in Städten 
mit sehr hohen Bildenpreisen als möglich erscheinen 

Aus Abschnitt 4 ersieht man, dass Frankfurt mit 
dem nachgerade für Großstädte etwas vorsündflutlich 
gewordenen Zustande der Beseitigung des llauskehrichts 
durch die Grundstücks-Higcntümer laugst aufgeräumt und 
diese Leistung in städtische Pflege übernommen hat : in 
<ler Tat die einzige Lösung, zu welcher nach und nach 
alle Städte werden kommen müssen, wenn sie nicht 
hinter unerläßlichen Anforderungen der Zeit zurückbleiben 
Wollen. Die Einrichtungen der Straßenreinigung sowie 
der Abfuhr von Straßen und 1 laiiskelu nlit, die Mengen 
und Kosten, um welche es sieh handelt; die Schnee- 
beseitigung und die Str.ilicid»e»prrugtnig w erden in Wort 
und Bild vorgeführt und es wird .1111 Schluß de- Abschnittes 
die ausführliche Beschreibung de- -'gen Frankfurter 



5 Januar 1904. 



tj^Google 



Uni vcrsal- AI »fuhr wagen s miigeieili, der in der Tai den 
-ii vielfachen Ansprüchen, welchen ein derartiger Wagen 
genügen inutS. um auf das Prädikat „zweckmässig" An- 
spruch erheben zu können, voll gerecht zu werden scheint. 
Kr löst die Aufgabe in einer uns anderweitig noch nicht 
vor Augen gekommene Art und Weise. 

In dem Inhalt de- Abschnittes 5, der die Kanalisation 
der .Stadt betrifft, findet man zu manchem, was bekannt 
iM, auch viele Ergänzungen. Dies gilt 1. H von den Ein- 
richtungen zum Spulen, zum Reinigen und zur Lüftung 
der Kanäle, von den Anlage-, Betriebs- und Unterhaltungs- 
kosten derselben. Die Anlagekosten, welche sich im 
Durchschnitt zu 65,6 M. für 1 "> Kanallänge berechnen, 
erscheinen bei den grollen Profilen und der Tiefenlagc 
der Kanäle als fast auffallend gering und Aehnliches" gilt 
von den jährlichen Betriebs- und Unterhaltungskosten, die 
nur 0,17 M. für 1 m Kanallänge betragen. 



als 5 bietet der 



Abschnitt 6, der 



Gröberes Interesse 
einen wichtigen 
Beitrag zu der 
immer noch 
so viele Zwei- 
fel enthalten- 
den Krage nach 
dem zweck- 
mäßigsten Kei- 
nigungsverfah- 
ren von Ab- 
wassern liefert. 
I »er ausgezeich- 
net bearbeiletr 
Abschnitt ent- 
hält eine genaue 
Darlegung der 
Erfolge usw. 
der bisher be- 
triebenen che* 
m iseh- median i- 
sehen Reini- 
gung der Ab- 
wasser, derVer- 
suche, die an- 
gestellt sind, um 
die Grundlage 
für anderweite 
Einrichtungen 
zu gewinnen, 
undderschlieU- 
liehenEntschci- 
dung zu wel- 
cher man ge- 
langt ist, und die 
dahin geht: an 
die Stelle des 
bisherigen Ver- 
fahrens das rei- 
ne Sedimentir- 
verfahren zu 
setzen, Zur 
Durchführung 
desaelben wird 

die bisherige 
Anlage eine 
der ers.en in 
Deutschland 
einem Anbau 
nebst einer Er- 
weiterung un- 
terzogen, Die 
Art dieser Ar- 
beiten sowie 
die zur Anwen- 
dung kommen- 
den niasehinel- 

len Einrichtungen, unter welchen insbesondere ein eigen- 
artiger Rechen Beachtung beansprucht, werden unter 
Beigabe zahlreicher Abbildungen genau beschrieben. Es 
wird dadurch sowie durch umfassende Mitteilungen über 
Versuche, der Schlunmiplage Herr zu werden, der Ab- 
schnitt 6 zu einer Fundgrube von vielem Neuen gemacht. 

Umfassend wie dieser Abschnitt ist auch der Ab- 
schnitt 7, der die MV'aaaerv eisorgung der Sladt behandelt, 
die bekanntlich teils Quellwasser-, teils Grundwasser-, 
teils FluUwasser- Versorgung ist und dadurch mehr Seiten 
bietet, als in der Regel bei einer städtischen Wasser- 
Versorgung angetroffen werden. Ks werden zunächst ilie 
wesentlichen Einrichtungen usw. der alten ynellwa--« i • 

leituug, alsdann die (iraarfwaxttcrwerke im Stadt Waide, 
die dazu gehörenden Druckleitungen und Hochbehälter, 

ö 




Hionornkin In- am NordvcMvcj in Kopenhagen, Architekt 
Neue Baukunst In Dänemark. 



weiter das Grundwasser- Werk Ihm Wertheim, das KlutS- 
was-er-Werk, sowie ein paar kleinere Werke, die bei den 
Stadierweiterungen in den städtischen Besitz gelangt sind, 
beschrieben und am Schluü Mitteilungen über noch 
schwebende Erweiterungen der Wasserversorgung der 
Stadt gemacht. Zahlreiche Abbildungen, Pläne und Ta- 
bellen über Wasserbeschaffenheit, Verbrauch und über 
die wirtschaftliche Seite der Wasserversorgung beleben 
und vermehren das Interesse des Fachmannes sowohl als 
das des Verwaltungsbeamten und des Hygienikers an 
diesem inhaltreichcn Abschnitt des Buches. 

Der nun (olgende kurze Abschnitt 8 beschränkt -ich 
auf geschichtliche Angaben über die Entwicklung der 
öffentlichen Beleuchtung in Frankfurt und auf einige Kürze 
Angaben über Preise usw. 

Verhältnismäßig umfassend sind dagegen wieder die 
von einem und demselben Bearbeiter herrührenden Ab- 
schnitte 9 und 10, von welchen ersterer zunächst die 

hydrographi- 

-i'lien/.llstJinlr 

des Mains, als- 
dann - kurz 
dieMain-Kanal- 
isierttng, weiter 
mit Eingehen 
anfalle wesent- 
lichen Einzel- 
heiten, die Kai- 
uud Hafenbau- 
teil mit ihren 
Lösch- und La- 
de ■ Einrichtun- 
gen, die Spei- 
cher - Bauten 
usw. betrifft 
Insbesondere 
über die Lösch- 
und Lade-Ein- 
richtungen und 
die damit ge- 
machten Erfah- 
rungen findet 
-ich in diesem 
Abschnitt so 
viel auf engem 
Raum zusam- 
men gedrängt, 
dass derselbe 
als eine reiche 
(Quelle der 
Belehrung be- 
zeichnet wer- 
den kann. 
Der Abschnitt 
10, tler von 
den Brücken- 
bauten han- 
delt, schließt 
sich inderForm 
dem geschicht- 
lichen Werde- 
gängen, indem 
er nach einan- 
der Beschrei- 
bung und An- 
sichten der äl- 
testen Main- 
l "eberhrückun- 
gen gibt und 
alsdann Anga- 
ben über An- 
sichten von den 
späteren eiser- 
nen und stei- 
nernen Leberbruckungeu des Flusses folgen läüt. Dieser 
Abschnittt ist knappet gehalten, als manchem Fachgenossen 
vielleicht erwünscht sein würde 

Der Abschnitt 11 behandelt einen Zweig des städti- 
schen Tiefbau Wesens , dem vielfach auch heute noch 
diejenige Bedeutung nicht beigelegt wird, welche er ver- 
dient. In dem Matie. ak der Grundbesitz im Werte 
gestiegen ist, und als der Grund und Boden für städti- 
sche Anlagen auch unter der Erde in Anspruch ge- 
nommen wird, hat der Wert einer richtigen Vermess- 
ung de* Stadtgebiet es und genaue Stadtpläne, die 
«her alle Einzelheiten zuverlässige Auskunft gewähren, 
sich vermehrt. Wie 111 Franklin' die städtische Ver- 
messiinijr lawerUrh behandelt, in welche Beziehungen zu 
den städtischen und staatlichen Behörden -ie gesetzt 

No. 1.2 



Tlioivuld Jttrgcuaea. 



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ist und was sie leistet, ist aus dein trefflichen Buche 
genau zu entnehmen. 

Abschnitt ta betrifft die Einrichtung der städtischen 
Materialien -Verwaltung, einer Verwaltungsstelle, die dem 
Tiefbauamic untergeordnet ist. Bei einer grösseren Verwal- 
tung sind ordnungsmässige Beschaffung und Verbrauch der 
Materialicn ein Gegenstand von wirtschaftlich grosser 
Bedeutung, aber auch von technischer Bedeutung, sofern 
es sich um Materialien für Bauzwecke handelt. In Frank- 
furt wurde vor einigen Jahren eine Stelle für Materialien- 
Verwaltung eingesetzt, der etwa folgende Geschäfte zu- 
gewiesen sind: Ermittelung und Ausschreibung der not- 
wendigen Materialien, Abhaltung der Verdingungstermine, 
Prüfung der eingehenden Angebote, Zuschlagserteilung 
nach Genehmigung des Tiefbauamtes , Abnahme und 
Verabfolgung von Materialien an die einzelnen Dienst- 
stellen, Verwaltung der Lagerbestände usw. Später sind 
dem Amte noch zugewiesen die Beschaffung und Veraus- 
gabung von Dienst- und Arbeitskleidern, der Schreib- und 
Zeiclienmatcrialien KOWte. der Drucksachen. Die Bedeutung, 



welche das Amt der Materialien-Verwaltung in Frankfurta.M. 
hat, mag man aus der Tatsache erkennen, dass dessen 
Ausgaben-Summe im Laufe der letzten i Jahre 8206000 M 
brtrug. Bei der Organisation des Amtes, wie sie in 
dem Buche beschrieben ist, handelt es -.ich daher um 
viel mehr als um die bloße Feststellung einer Form. 

W ir sind nach den vorstehenden kurzen Inhaltsangaben 
a m Schluß unserer Besprechung de» „Städtischen Tiefbau- 
wesens von Frankfurt a. M.", die dem Laien ein kurzes 
Bild von dem reichen Inhalt des zu 12 M. käuflichen 
Buches gegeben haben wird. Dasselbe istvomStädtischon 
Tiefbauamt zu beziehen. Um dem Inhalt des Buches 
eine möglichst weite Verbreitung zu sichern, wird das- 
selbe nicht nur imganzen, sondern auch in die einzelnen 
Abschnitte zerlegt verabfolgt. Der Preis der einzelnen 
Abschnitte ist wie folgt festgesetzt: für die Abschnitte i, 
6, 8 und 11 je 50 PL für die Abschnitte 2 und den Anhang 
Alischnitt 4, sowie für 10 und 12 je 1 M., für die Ab-clmilte 
& 4. 5 j e 'i.SoM., endlich den Abschnitt 9 zu 2,50X1, den 
Abschnitt 7 zu 2.,v> M. B. — 




Neue Baukunst In Dänemark. Hroreonikinhc am Nordvcstvej in Kopenlmgen. Architekt: Thorvuld Jorccnsen. 



Das bayerische Staatsministerium für Verkehrs-Angelegenheiten. 



jit «lern 1 Jan. 1004 ist das bayerische Vctkehrsmini- 
stcrium offiziell in seine Wirksamkeit eingetreten, 
nachdem die Vorarbeiten zur Bildung de» Ministe- 
riums, über die auch wir mehrfach berichteten, schon 
längere Zeit »gedauert hatten Im baverischen .Gcs- 
11. Verordn.-Bl." vom 17. Dez. 1903 wird' die Errichtung 
eines „Staatsministeriunis für Verkch 1 vangclcgen- 
heiten* bekannt gemacht und als den Wirkungskreis dem- 
selben die oberste Aufsicht (Iber das Eisenbahn-, Poet- und 
Telcgraphcnwcscn und über den Damp|schiffahrts-Bctnel>, 
sowie insbesondere die Leitung der Stautsanstallcn für den 
Verkehr bezeichnet. Im einzelnen hat es zu Ubernehmen 
die Verwaltung der Staatseisenbahnen , der Poeten und 
Telegraphen, der staatlichen Dampfschiffahrt auf dem 
IJodensee, der Kcttcnschlcppschiffahrt auf dem Main, dem 
I udwigs- und dem Frankcnthalcr Kanal: die oberste Leitung 
des Baues neuer staatlicher Eisenbahnlinien und aller im 
Bereich der staatlichen Verkchrsanstaltcn auszuführender 
Bauten; die oberste Aufsicht über den Bau und Betrieb 



von Privateiscnbalinen eiiwhl der .Straßenbahnen, und 
die oberste Aufsicht über den privaten Betrieb der Dampf- 
schiffahrt auf den bayerischen Binnenseen, Flossen und 
Kanälen. Die oberste Leitung -teUi ,|, m Verkehrsmini- 
sterium auch für die Postbauten zu, mit deren AusfuJuÜng 
die Landbauämter betraut werden Die Kniwürfe von 
Gebäuden, die einen reinen Bauaufwand von 100000 M. 
und mehr erfordern, oder welchen wegen der Umgebung, 
in welcher sie errichtet weiden sollen, ■■ine besondere' 
künstlerische Bedeutung zukommt, sind der obersten Man- 
bchördc zur Prüfung vorzulegen Dem neuen Staat»- 
ministcrium sind unmittelbar untergeordnet die General- 
Direktionen der Staat geisenbahnen, die Gcneraldircktion 
der Posten und Telegraphen und die Kreisregierungen 
hinsichtlich der Angelegenheiten, welche in die Wirksam- 
keit des Verkchrsmiiiisteriiinis fallen. Durch die Errichtung 
dieses Ministeriums wird der Gcschäftskrci* des Ministe- 
riums des kgl. Hauses und des AeuUoren. sow ie de« Staats- 
ministeriums der Finanzen verringert und es dürfte im 



5, Januar 



1904. 



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Verlauf der nächsten Jahre auch ein Teil der Tätigkeit 
des Oberlasteten Ministeriums des Inneren dem neuen 
Ministerium zugewiesen werden. 

Das Vcrketirsministerium kann als Nachfolger de» 
1871 aufgelösten bayer. Staatsministcriums des Handels 
und der öffentlichen Arbeiten angesehen werden, welches 
von 1848 — 1871 bestand und welchem die Verkehrsanstalten, 
das Bauwesen, die Ministcrial- Handels-, Gewerbe- und 
Industrie- Abteilung, sowie alle technischen Lehranstalten 
zugewiesen waren. Seine Auflösung erfolgte seinerzeit 
nicht ohne lebhaften Widerspruch der weitblickenderen 
Kreis* der bayerischen Volksvertretung. 

Iiis zur Fertigstellung des eigenen Gebäudes auf dem 
Maffei-Angcr an der Arnulphstraße (s. S. 656, Jahrg. 1903) Ist 
das Ministerium im Gebäude der Generaldirektion der Staats- 
cisenbahnen untergebracht. Als Bedarf ist für das neue 
Ministerium einstweilen ein Betrag von 233000 M. in den 
Staatsvoranschlag eingestellt. Das neue Dienstgebäude 
erfordert einen ungefähren Aufwand von 9,0 Mill. M. 

I>ie Personenfrage für das neue Ministerium bot keine 
Ueberraschungen, da seit längerer Zeit schon bekannt 
war, daß der seil dem Rücktritte des Staatsministcrs Grafen 
Crailsheim die Vorarbeiten für die Bildung des Ministeriums 
leitende bisherige Chef der Verkehrsabteilung im Mini- 
sterium des AcuUercn, Ministerialrat v. Frauendorfer, 
zum Verkehrsminister ernannt werden würde, was dann 
auch vor Weihnachten eintrat. Neben ihm wird, wohl als 
die wichtigste Persönlichkeit des Ministeriums nach dem 
Minister selbst, der zum Staatsrat i- », P. ernannte General- 
direktor der Staatsbahnen, Gust. Kitter v. Ebermayer, 
der bereits im Sommer des vergangenen lahres durch 
die bis dahin für die Vorstände der Gcncralciircktion nicht 
üblich gewesene Verleihung des Prädikates „Exzellenz" 
ausgezeichnet worden war, dem Ministerium mit seinen 
reichen Erfahrungen erhalten bleiben. Ihm zurseitc steht 
als Leiter der Posten und Telegraphen der Generaldirektor 
I-orcnz v. Kinger, welchem der Kang eines Ministeriul- 
Pircktors verliehen wurde. Eine Keine anderer Ernen- 
nungen und Beförderungen, auf die wir nicht näher ein- 
gehen können, läßt erkennen, daß man den Willen hat, 
die kommenden Arbeiten mit frischem Geiste aufzunehmen. 

Uns interessieren in erster Linie Minister v. Frauen- 
dorfer und Staatsrat v. Ebermaver. Pein ersteren wird 
von allen Seiten Vertrauen entgegengebracht mit dem 
Wunsche, daß es ihm gelingen möge, dieses Vertrauen 
auch zu rechtfertigen. Er wird als tüchtig, erfahren und 
gewissenhaft gerühmt; es wird jedoch aber auch mit Recht 
betont, daß in einem Vcrwaltungszweigc, der im gesamm- 
len staatlichen Wirtschaftsleben eine so einschneidende 
Rolle spiele, wie das Verkehrsministerium, diese Eigen- 
schaften allein nicht genügten, daß vielmehr ein Verkenrs- 
minister unserer Tage ein moderner Mensch sein müsse, 
ausgerüstet mit Energie, Wagemut und Weitblick. 
Frauendorfer wurde am 27. Sept. 1855 in Höll in der Über- 
pfalz als Sohn eines Volkschullehrcrs geboren, steht also 
in der Vollkraft der Jahre. Fr besuchte das humanistische 
'Gymnasium in Landshut und die Universität München. 
Bereit« 1882 trat er in den Dienst der Staalseiscnbahn- 
Verwaltung und wurde 1886 in die Verkehrsabteilung des 
Staatsministcriums des kgl. Hauses und des Aeußeren be- 
rufen. Im Jahre 1899 übernahm er die Leitung der Ver- 
kehrsabteilung dieses Ministeriums. Die Laufbahn ist so- 
mit eine sehr schnelle und ehrenvolle. 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Mecklenb. Arch.- u. Ing.-Verein. Seit der letzten Milt. 
in No. 29 Jahrg. 1903 d. Ztg. hat der Verein seine Sommer - 
Versammlung am 12. und 13. Juli 1003 in Neubranden- 
burg gehalten. Für diejenigen, welche die in der Ebene mit 
niedrigen nüchternen Häusern an rechtwinklig sich kreu- 
zenden breiten schnurgeraden Strassen erbaute Stadt von 
etwa 10000 Seelen noch nicht kannten, bot die Besichtigung 
der alten Kirchen- und Kloster-Gebäude, insbesondere aber 
der die Stadt kreisförmig umgebenden Mauern und davor- 
liegenden doppelten Wälle und dreifachen Stadtgräben in 
ihrer Brpflanzung mit prächtigen alten Fichen und der zum- 
teil gärtnerischen Umwandlung, sowie endlich der vier 
nach den Himmelsrichtungen hinauszeigenden Tore mit 
ihren doppelten, hochaufragenden alten Torburgen unter 
der ortskundigen Führung des Hrn. Bürgermstr. Pries 
und anderer Einwohner künstlerisch und geschichtlich er- 
freuenden Gcnuss, an dem auch die schon früher hier 
Gewesenen gerne nochmals teilnahmen. Auch die am 
ersten Versammlungstage, einem Sonntag, vorgenommenen 
Ausflüge im Verein mit zahlreichen Damen in die bergige, 
bewaldete schöne Umgebung der Stadt an prächtigem See 
ließ die Ungeduld der vorangegangenen lanuen Ei-enbahn- 

10 



Nicht minder glänzend ist, namentlich wenn man seine 
Eigenschaft als Techniker berücksichtigt, die I .aufbahn 
Ebermayers. I>crselbc wurde in Nenzenheim in Mittel- 
franken geboren, er steht nahe der Mitte der sechziger 
Jahre. Seine Studien machte er auf dem Gymnasium in 
Ansbach, an der Technischen Hochschule und an der Uni- 
versität in München. Bereits 1862 trat er in den Eisen- 
bahndienst und war im deutseh - französischen Kriege 9 
Monate Fcldciscnbahn-Ingenieur in Frankreich. Zahlreiche 
Reisen haben seine reichen dienstlichen Erfahrungen er- 
gänzt und ihm jenen Weitblick verliehen, der an ihm ge- 
rühmt wird. Namentlich der Besuch Amerikas aus Anlaß 
der Weltausstellung in Chicago hatte für ihn ein reiches 
Ergebnis an praktischen Erfahrungen im amerikanischen 
EUenbahndicnstc- 1872 trat Ebermayer in die Bauabteilung 
der Generaldirektion der bayerischen Staatsciscnbahncn 
ein und wurde 1890 Vorstand* derselben. Am 1. Jan. 1893 
erfolgte seine Ernennung zum Regicrungsdirektor und 1895 
die zum Generaldirektor derStaatseisenbahncn. Als Staats- 
rat des Verkehrsministeriums und als Vertreter des Mini- 
sters v. Frauendorfer bleiben seine reichen Erfahrungen 
diesem Ministerium erhalten und er bleibt so lange an 
der Spitze der Generaldireküon, bis diese nach der in den 
nächsten Jahren durchzuführenden Neuorganisation des 
Verkehrswesens überhaupt aufgehoben wird. 

Groß und bedeutend sind die Aufgaben, die dem neuen 
Ministerium bevorstehen. In Bayern wird nicht ohne Stolz 
darauf hingewiesen, daß dieser zweitgrößte Bundesstaat 
einst an der Spitze des deutschen Verkehrs wesens gestanden 
habe. Und man rechnet nicht mit der Unmöglichkeit, daß 
dieses einst wieder werden könne. Ohne in eine Erörterung 
über diese Frage eintreten zu wollen, meinen wir aber 
doch, daß der schärfste Wettbewerb keinem Zweige der 
modernen staatlichen Verwaltungstätigkeit so sehr zu gut 
kommen kann, wie dem Verkehrswesen. Und Bayern 
namentlich steht vor großen und wichtigen Entscheidungen. 
Wir meinen nicht die selbstverständlichen Verbesserungen 
technischer und volkswirtschaftlicher Natur im Verkehrs- 
wesen. Wir meinen aber einmal die Frage, ob es dem süd- 
deutschen Partikularistnus in der Tat dauernd gelingt, die 
schon von Bismarck erstrebte Vcrkehrseinheillichkeit in 
Deutschland zu vereiteln, und wir meinen die weitere Frage, 
ob es dem neuen Minister möglich sein wird, die neuen 
Verkehrslinien durchzusetzen, die geeignet sind, den entspr. 
lebhaften Bestrebungen der nichtdeuUchen Staaten nament- 
lich der Alpengebicte wirksame Gegenbestrebungen ent- 
gegenzusetzen und den Zug nach dem Süden den deutschen, 
bezw. bayerischen Bahnen zu erhalten. Gewiß wird man 
gerecht s'ein müssen und von dem Verkehrsminister , ob- 
wohl sein Vcrwaltungsgebiet für das Volkswohl, die Volks- 
wirtschaft und die Staalswirlschaft von so eminenter Be- 
deutung ist, nicht Allmacht verlangen können. Auch 
seine besten Absichten können an den Erwägungen der 
herrschenden |Hilitischen Partei scheitern. Doch das wird 
die Zukunft, vielleicht schon die allernächste, lehren. Penn 
drängende Verkehrsfragen pochen mit Macht an die Tür 
des neuen Ministeriums. Möge ihre Lösung das Vertrauen 
rechtfertigen, welches so von allen Seiten selten einem 
neuen Minister entgegengebracht wurde. Möge der Herr 
Minister v. Frauendorf er sich als ein moderner 
Mensch zeigen; das wünschen auch wir und seine bis- 
herigen Maßnahmen berechtigen zu der Annahme, daß diese 
Erwartung auch eintreten dürfte - — H, — 



fahrten bald vergessen. Die geschäftlichen Verhandlungen 
beschränkten sich in der Hauptsache auf die durch die 
Satzungen vorgeschriebenen \\ ahlen, aus denen hier her- 
vorgehoben werden mag, dass anstelle des eine Wieder- 
wahl ablehnenden Hm. Bits. Loycka Hr. Baudir. Hamann- 
Schwerin zum Vorsitzenden des Vereins und als Ort der 
nächstjährigen Sommer- Versammlung Hamburg erwählt 
ward, welches, obschon außerhalb des Vereinsbezirkes 
belegen, jetzt viel des bautechnisch Sehenswerten bietet. 
Als Mitglieder wurden aufgenommen die Hrn. Keg.-Bmstr. 
Kietz in Neustrelitz, Lübstorf in Ncukloster, Schondorf in 
Güstrow (jetzt Dargun) und Bauschuldir. Arch. Bennewitz 
in Strelilz. Wegen angemessenerer Festsetzung der Haft- 
pflicht-Versicherungsprämie ward eine Kommission aus 
den Hrn. Hübbe, Preycr und Dehn ernannt Nach 
dem Festmahl wurde noch eine Ausstellung von Baumate- 
rialien besichtigt, welche die Firma Wilhelm Jäger in 
Neubrandenburg für den Verein veranstaltet hatte. - 

Die Ve rsam rn I u ng am 10. Okt. v J in Schwerin 
nahm Hrn. Stadtbrt Senator Ehrich in Schwerin als Mitglied 
auf, und erledigte unter anderen Gcschäfts-Angclcgenheiten 
den Jahresbericht des Schriftführers nebst Kassenrechnuni- 
des verflossenen Jahres; er soll in gewohnter Weise in 
beschränkter Anzahl von Exemplaren nur für die Vereins- 



No. 12. 

by Googl 



mitglieder gedruckt werden; und da er kein allgemeineres 
Intcres-e hat und vonseiten de* Schriftführers der Deutsch. 
Hauzeitung in kleineren Zeiträumen ausführlichere Mit- 
teilungen über die Vereins- Versammlungen insbesondere 
auch in Berücksichtigung der im Kunde verstreuten Ver- 
einsmitglieder zugehen, soll von einer nicht erbetenen 
Versendung derselben an andere Verbandsvereine nach 
dem Anheimgeben des Verbandsvorslandes abgesehen 
werden. In Güstrow hat der Magistrat auf Anregung des 
Vereins Meldungen von Architekten und Ingenieuren zu 
einer erledigten Ratsstelle eingefordert, der dortige Bürger- 
ausschuß verlangt aber einen Kaufmann. 

Die Versammlung am 14. Nov. in. Schwerin nahm 
Kenntnis von den vonseiten des Verbandsvorstandes über- 
sandtenNonnalzeichnungen nebst Erläuterungen fürdeutsche 
Tonröhren (glasierte Steinzeugröhren), und von dem ihm 
vonseiten des Vorstandes des Hamburger Arch.- u. Ing.- 
Vcrcins geschenkten gedruckten Berichte seines Aus- 
schusses über die Arbeiterwohnungsfrage, welcher auch 
im Buchhandel erschienen ist Kin eingesandtes Fcnstcr- 
modell gab Anlass zur Erwägung der Einrichtung eines 
städtischen (Jewerbemuseums zur Aufbewahrung von 
Materialproben , Modellen , illustrierten Katalogen usw. 
Den übrigen Teil der Sitzung füllte der Vortrag des 1 Irn. 
I.andbmstr. Drcyer Ober die von ihm al- Abgeordneter 
besuchte Verbands -Versammlung in Dresden und die 
Schilderung von Meissen mit seiner Domkirche und 
Albrechtsburg in seiner malerischen l-age an der Elbe. 
Im Anschluss an diesen Bericht übernahm es Hr. Drcyer, 
in einer der nächsten Versammlungen über die Verbands- 
fragen wegen der Gebührenordnung und der Wettbewerbe 
zur Weitergabc geeignete Vorlagen zu machen. ( ( 

Vermischtes. 

Die Stadterweiterung von Posen. Bi- vor kurzem war 
l\»cn, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, eine 
Festung ersten Hange-, zu welcher die Stadt in den Jahren 
1837 1853 umgeschaffen und seit dem Jahre 1876 durch 
einen Hing von Auöcnforts verstärkt wurde. I*cm steten 
Wachstum der Stadt stand dieser Charakter als Festung 
abge-ehen von der Ungunst der Verhaltnisse des öst- 
lichen Grenzverkehrcs — so sehr im Wege, dafl die 1 Iccres- 
verwaltung beschloß, das Festungsgcländc aufznlas-en 
und dasselbe zumteil au- dem Besitze des Reiches in den 
des preußischen Staates übergehen zu lassen. Das preußi- 
-che Finanzministerium hat die Erschließung und Ver- 
wertung des in den Besitz des Staates übergegangenen 
Teiles der bisherigen Stadtumwallung übernommen und 
al- Staat-kommissar zur Oberleitung der einschlagigen 
Arbeiten den Geheimen Baurat Jos. Stübben in Köln a. Rh. 
berufen, der demnächst seinen Wohnsitz in Berlin nimmt 
In Bosen wird, wie wir hören, für die Erschließung und 
Verwertung des F"estung-geländes wahrscheinlich eine be- 
sondere staatliche Kommis-ion gebildet werden, an deren 
Spitze Stübben treten dürfte, obschon sein ständigcrWohnsitz 
Berlin bleibt Die Wahl Stübbcns ist eine außerordentlich 
glückliche; Stübben ist unstreitigauf dem Gebiete des moder- 
nen Städtebaues der Meister, der über die reichste Erfahrung 
verfügt und der es trefflich versteht, neben der nüchtern- 
sten Berücksichtigung aller Forderungen der Finanzwirt- 
schaft. Hygiene und des Verkehrs auch die rein psychi- 
schen Forderungen zur Geltung kommen zu lassen, welche 
die Gegenwart in so reichem Maße an den Städtebau stellt. 
Wir hätten gewünscht, daß die Berufung Stabbens nach 
Berlin -chon 10 oder 15 Jahre früher erfolgt wäre; seiner 
temperamentvollen Auffassung wäre es dann vielleicht 
geglückt, in manchen Winkel der Heichshauptstadt und 
ihrer Vororte hineinzuleuchten, in welchen der Städtebau 
eine Entwicklung erfahren hat, die leider recht wenig zum 
Beifall reizt, und hier fruchtbarere Anregungen zu geben. 
Indessen: vieles steht noch bevor; anderes, das bereits in 
Angriff genommen wurde, schließt die bessernde Hand 
nicht aus und so geben wir denn dem Wunsche Ausdruck, 
daß die Stellung, zu welcher Stübben in Berlin berufen 
ist, nicht eine so aus-chließliehe sei, daß ihm nicht auch 
die Möglichkeit bliebe, auch nichtstaatlichen r'ragen des 
Städtebaues seine hervorragende Kraft zu widmen. — j 

Denkmäler hervorragender Vertreter der Technik an 
der Technischen Hochschule in Wien. Am j. Nov. 1003 
wurden vor der Technischen Hoch-chule in Wien Blfer- 
mendenkmäler von hervorragenden Vertretern der Technik 
enthüllt. Die Ilcrmcnbüsten stellen dar: Joh. Jos Ritter 
v. Prechtl (t 185.4). einen bedeutenden Technologen, war 
34 Jahre lang Direktor des Wiener polytechnischen Institutes. 

Sim. v. Stampfer (t 1864), tat sich als Mathematiker 
und Geodät hervor, wirkte in Salzburg und Wien und 
hinterließ Logarithmen und barometrische Höhenmeßtafeln, 
-owic eine Nivellierkunde Adam Freih v. Burg (t 1882». 

5 Januar 1904 



Mathematiker und Technologe, hervorragend auf dem Ge- 
biete des Maschinenbaues. Er war 1840 Direktor des poly- 
technischen Institutes. — Prof. Ant Scfirötter Ritter von 
Kristelli (t 1875t, Chemiker und Direktor des HauptmOnz- 
amtes. Er entdeckte den roten Phosphor. — Prof.Gg.K e bh an n 
Kitter v. Aspcrnbrück, war Lehrer der Baumechanik 
und des Brückenbaues und hat die Aspcrnbrücke in Wien 
erbaut — Arch. Prof. Heinr. Frcihr. v, Ferstel (t 1883), 
Erbauer der Votivkirchc, des Oesterreichischen Museum* 
und der Universität in Wien. — Prof. Ferd. Ritter v. Hoch- 




Lehrer des Maschinenbaues an der Technik. 




Eine neue Ein- 
banddecke d. „Deut- 
schen Bauzeitung" 

haben wir für un- 
sere Abnehmer an- 
fertigen lassen. Die 
Decke zeigt die ne- 
benstch. Zeichnung 
in reichstem Gold- 
druck auf feinge- 
stimmtem braun- 
rothem oder ge- 
brochen blauem 
Leinen. Die Wir- 
kung der Decke ist 
bei allem Reichtum 
eine sehr vornehme 
und gewählte Der 
Prei- ist gegen die 
alte einfache I>ecke 
— die wir gleich- 
falls noch liefern — 
nur -dir wenig er- 
höht; er beträgt 2.30 
M ein-chlics-|. Ver- 
packung und Porto. 
Bestellungen gelan- 



gen in der Reihenfolge ihres Einlaufes IUT Au-fnhrung ; ein 
( 'mtau-ch geliefertcrDecken kann leider nicht stattfinden - 



Preisbewerbungen. 
Ein Wettbewerb des Beamten -Wohnung* -Vereins iu 
Berlin betrifft Skizzen für die Bebauung eines Grund- 
stückes in Charlottenburg und ist auf die Architekten 
Berlins und seiner Vororte beschränkt. Die Entwürfe 
sind bis zum 15. März 1904 einzuliefern Es gelangen 
3 Preise von 2500, 1500 und 1000 M. zur Verteilung; eine 
Verteilung der Gesamtsumme der Preise in anderen Ab- 
stufungen kann auf einstimmigen Beschluss des Preisge- 
richtes erfolgen. Letzterem gehören u. a. an die Hrn. 
Gem.-Brt Herrnring, Min.-Dir. Hinckeldeyn, Brt 
March, Geh. Ob, -Brt. Dr. Thür, Brt. Wegner und Reg,- 
und Brt. Wolff. Unterlagen durch den genannten Verein, 
Linkstrasse 40. — J 

1JT Ein Wettbewerb betr. Entwürfe für einen Kunstbrunnen 
auf^dem Melanchthonplatz in Nürnberg wird für bayerische 
Künstler bei Verleihung von 3 Preisen von 700, 500 und 
300 M erlassen. Zu dem Brunnen stiftete rrau Mathilde 
Ott in Hamburg 30000 M. — 1 

»»» Ein Preisausschreiben zur ErlanRung von Entwürfen für 
dle^Fassaden des neuen Geschäftshauses der westpreuss. 
Provinzial-Landschafts-Direktion und der Landschaftlichen 
Darlehnskasse In Danzig wird für im Deutschen Reiche 
ansässige Architekten zum 15. März 1904 erlassen. Es 
gelangen 4 Preise von 2000, 1000 und zweimal 500 M. zur 
Verteilung; ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für 
je 300 M. ist vorbehalten. Dem 7 gliedrigen Preisgericht 
gehören an die Hrn. Geh. Brt. Steinbrecht in Marien- 
burg, Stadtbrt, Ludw. Hoffmann in Berlin; l.andcshrt. 
Ürews in Stettin und Landesbrt. Tiburtius in Danzig. 
Unterlagen, „soweit der Vorrat reicht", kostenlos durch 
die kgl westpreuß Provinzial - I.andschafts - Direktion in 
Danzig. — 

Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für 
die malerische und plastische Ausschmückung von Wand- 
und GewOlbeflächen des neuen Rathauses In Frankfurt a. M. 

erläßt der Magistrat zum 24. Febr. d. J. für Frankfurter 
Künstler. Unterlagen gegen 15 M . die nach Erreichung 
bedingungsgeinäßer Entwürfe zurücker-tattet wei den, durch 
das Baubtireau des Haihaus- Neubaues. Das Preisrichtcr- 
anit Oben unter Vorsitz de- Ob -Bürgernisir Dr. Adirke- 
aus die Hrn. Prof A. Kampf in Berlin, Prof II, Sehaper 



1 1 



L/iyiiiz.c 



dj&y-Google 



in Hannover, Prof. \V. Kolmspcrgrr in Manchen, sowie 
Stadtbrt Schaum ann und die kgl. Brie. J. v, Hoven und 
1.. Naher in Frankfurt a. M. — 

Ein PrelMUsschr«lb«n des Rothenburger Verbandes 
akademischer Architekten-Vereine deutscher Sprache (Vor- 
ort Karlsruhe) hatte das .Denkmal eines grollen Mannes" 
zum (Jegenstand Es liefen 4 Arbeiten ein, unter welchen 
die des Hrn. |. Claus (vom Verein .Akanthus" in Dresden) 
siegte Preisrichter waren die Hrn. Geh. Rat Dr ing, 
.1. Durin, Ob.-Brt. O Warth und Ob-Brt. Weinbrenner 
in Karlsruhe. -- 

Ein Wettbewerb der ..Berliner Terrain- und Bau-Aktien- 
gesellschaft" betrifft (Jrundrißskizzcn für die Bebauung des 
in der Krobcnstraßc, zwischen Kurfürsten- und BülowstraBe 
gelegenen Geländes, Es gelangen 3 Preise von 700, 600 und 

M. zur Verteilung. Frist: ao. Jan. d. J. Unterlagen durch 
ilie genannte Gesellschaft in Berlin W. 57, Bltlowstr. 93. — 

Der Wettbewerb betr. das Vereinshaus „Neue Erholungs- 
gesellschaft" In Plauen I. V. Die Entscheidung, die bereits 
am 26 Nov. 1903 getroffen wurde, gelangt, wie der Vor- 
sitzende des Preisgerichtes ausführt, durch ein bedauer- 
liches Mißverständnis erst jetzt zur Kenntnis der Teil- 
nehmer, Es haben erhalten den I. Preis die Hrn Altgelt 
Ar Schweitzer in Berlin; den II. Preis Hr. O. Haupt*- 
ntann in Italien i. V Zum Ankauf wurden empfohlen 
die Entwürfe der Hrn Pupperitz in Hauen, Hirsekorn 
in Chemnitz und Herfurt in Dresden in Gemeinschaft 
mit Sachs in Plauen. 

Wettbewerb Friedhofanlagt Lahr 1. B. Der Stadtrat 
hat beschlossen, den beim Wettbewerb für eine Friedhof- 
Anlage in Lahr mit dem I Preis ausgezeichneten Ent- 
wurf der Hrn. Oskar und Johannes G rot he in Berlin der 
Ausführung zugrunde zu legen und mit den Verfassern 
behufs l'eberoalime der künstlerischen Leitung in Ver- 
bindung zu treten. — 

In dem Wettbewerb des Münchener Arch.- u. Ing.-Ver- 
elns betr. Entwürfe für ein Schulhaus In Schwabach liefen 
46 Arbeiten ein. Den 1. Preis errang ein Entwurf der 
Ilm Senf und Schneider in Lindau; den II. und III 
Preis die Ilm Schnartz und Veil in München. Eine 
lobende Anerkennung wurde den Entwürfen der I Im. 
Müller, Schulz und Bern dl iiiMünchen ausgesprochen. 



Chronik. 

Ein Kaiserin Elisabeth-Denkmal In Pol« gelangt nach dem 
Entwurf des Architekten Rud. Klotz und de» Bildhauers Alfons 
Canciani, beide in Wien, zur Ausführung Der Auftrag zur Aus- 
führung ist das Etgebnis eines Wettbewerbe», in welchem der 
Entwurf der beiden Künstler den I. Preis erhielt. — 

Der neue Bahnhofsentwurf für Dortmund, nach welchem 
eine Höherlcgung de* ganien Bahnhole« unter Beibehaltung des 
Dammesdcr Linie Dortmund— Emschede geplant ist, hat aros-Dez. 1003 
die Zustimmung der Stadtverordneten^ rrsamroluog gefunden. Die 
Stadt zahlt o v s Mill. Zu*chuss und hat die neuen Zufahrtsstraßen 
zum Bahnhof herzustellen Die Stadt hat noch den Wunsch aus- 
gesprochen, da*« »tatt der EiscnbahndAmmc in der Stadt Viadukte 
angelegt weiden möchten. — 

Kanalisation von Fulda. Mit einem Kostcnaufwande von 
rund orsooo M hat die Stadl Fulda eine Kanalisation mit Klär- 
anlage eingeführt. — 

Eine Erweiterung des Oesterreichischen Museums für 
Kunst und Industrie In Wien soll nach den Entworfen des Ob.- 
Brt. L. Baumann in Wien demnächst durch das itaatllche Bau- 
departement des Ministeriums des Inneren in Angriff genommen 
werden. Der 187 t durch Ferste! vollendete beutige Bau erhftlt 
einen Zubau für wechselnde Ausstellungen sowie für einzelne 
Gruppen der historischen Sammlungen des Museums. — 

Die Bestrebungen zur Anlage einer Münchener Ring- 
bahn sind durch die Zustimmung der infrage kommenden Ge- 
meinden soweit gefordert, dass die Vorlage in den dem versammel- 
ten bayerischen Landtag vorzulegenden Lokalbahn -Gesetzentwurf 
einbezogen werden kann. - 

Ein Monumental -Brunnen zur Erinnerung an die Ein- 
gemeindung der Vororte Witten und Pradl zu Innsbruck 
wird auf dem Bahnhofplalz in Innsbruck errichtet werden. Die 
Kosten mit 150000 Kr. sind von dem Ehrenbürger der Stadl Inns- 
bruck, Hans v Sicherer, gestiftet worden. Der Brunnen soll im 
Sommer 190s Aufstellung gelangen — 

Ein Denkmal Louis Berger» ist auf dem Hohenstein bei 
Witten zur Aufstellung gelangt. Da* Denkmal hat die Form einem 
von Terrassen umgebenen Turmes nach dem Entwurf des Hrn. 
Arch. Paul Baumgarten in Berlin; der Turm tragt an seiner 
Aussenseite ein von dem Bildh. Arnold KQnne in Berlin in Kupfer 
getriebenes Bildnis Bergers. — 

Die neue East - River -Brücke In New York wird am 39 
d. M. dem Verkehr Obergeben werden. Es ist eine versteifte Kabel- 
brucke, deren 41 m Ober höchster Flut liegende Fahrbahn die 
Herstellung sehr bedeutender Zufahrtsviadukte erforderlich machte. 
Der Kostenaufwand stellt sich auf rd. 80 Mill. M. Die Brücke ist 
nach den Entwürfen des Ing. L. L. Back ausgeführt. Sie hat 
4B0 m mittl. Spw., daran anschliessend beiderseits eine Oeffnung 
von 175 m. Die Türme erheben »ich bis ioj m Ober H.H.W. Die 
Ausführung ist lediglich als Nutzbau erfolgt. 

IL' 



Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Gara.-Bauinsp. K lein in Frankfurt a. M. 
ist als techn, Hilfsarb. zur Int. des IX. Armeekorps versetzt. - Die 
Mar.-Bfhr. Sampc und Schulz sind zu Mar.-Schiffbmstrn. ernannt. 

Baden. Dem Glasmaler Prof. Geiges in Freiburg ist das 
Kitterkreuz I Kl mit Eichenlaub des Ordens vom zahringer Löwen 
verlieben. — Der Reg.-Bmstr. Baer in Lörrach ist zur Kulturinsp. 
Karlsruhe versetzt. 

Der Reg-Bostr. Schwehr in Waldshut ist x. Wasser- u. 
Stratsen-Rauinsp nach Ueberüngen versetzt. 

Bayern. Der Reg. u. Kr.-Brt. Ruttmann ist z. Ob-Brt. bei 
der Obersten Baubehörde und der Dir.- Ass. Dr Heubach 7- 
Dir.-Ral bei der Gen. Dir der SüuUseiaenb., unt. Belassung in seiner 
dermaliren Verwendung in der VerkehrsabL des Kgl. Stu;it-minist. 
des Kgl. Hauses und des Aeusseren. befördert. 

Preussen. Dem Reg - a. Brt Fischer in Breslau, dem Kr.- 
Bauinsp. Lang in Goldap und dem Eiseob.-Ba.u- 11. Betr-lus-p. 
Schnock in Essen ist der Rote Adler-Orden IV. Kl., — den Rcg.- 
u. Brtn. Volkmann in Potsdam und Peltz in Stade, den Kr - 
Bauinsp., Brtn. Scheele in Fulda und Varuhagcn in Halberstadt 
der Chax. als Geb Brt, — den Kr. Bauinsp. Junghann in Görlitz, 
Kirchner in Wohlau, Förster in Krankfurt a. O,, Bath in 
Kolberg, dem Waaser-Bauinsp. I k e o in Nakel und dem Landbauinsp. 
Borde in Berlin ist der Char. als Brt. mit dem persftnl. Range 
der Kate IV. KJ. verheben. 

Verliehco ist: den Eisenb. Bau- u. Bctr.-lnsp. Galmert ilie 
Stelle eines Mitgl. der Kgl. Eiseob-Dir. in Altona und l.npke die 
Stelle des Vorst der Eisenb. -Betr.-Insp. 3 in Duisburg, dem Eisenb - 
Bauinsp Beeck die Stelle des Vorst, einer Werkst -lmp. bei der 
Eisenb.-Haoplwerkst. in Oppum. 

Die Reg-Bfhr. Heinr. Gödecke ans Uelzen und Otto 
Hammann aus Biebesheim (Eisenbich.), -- Ernst Ackermann 
aux Tietzow, Otto Stallwitz aus Dortmund, Wilh. Nolle aus 
Herzberg und Kleni. Pachter aus Wiesbaden (Masch.-Bfch ) sind 
zu Reg.-BmsU-n. ernannL 

Zur Beschäftigung überwiesen sind die Ret: - Umstr. . 
v. Poellnitz der Kgl. Reg. in Hannover und Zeroch der Kgl. 
Reg. in Koblenz, Liebetrau der Kgl. Eisenb.-Dir. in Berlin und 
Rohrs der Kgl. Eisenb -Dir. in Elberfeld. 

Der Eisenb.-Dir. Schmidt in Magdeburg ist gestorben. 

Württemberg. Eine Abt.-Ing.-Stelle ist Obertrogen den Reg\- 
Bmstrn. Zaiscr bei dem üautechn. Bflr. der Gen -Dir. der Staats- 
eisenb., und Nagele bei der Eisenb.-Bausekt. Feucrbacli. 



Brief- und Fraßekasten. 

Hm. P. H. In Dartrutadt. Da es «ich um Beseitigung von 
Mangeln in einem Bauwerke handelt, dessen Ucbcrgabe und Be- 
ziehen am 35 Juli 1000 erfolgt ist, würde der Ansprach auf Be- 
seitigung der vorhandenen Mangel erst am 35 Juli 1905 verjähren. 
Es kann derselbe also gegenwartig noch erhoben werden, denn es. 
liegt ein Fall des B. G.-ß. $ 638 vor, nach welchem der Anspruch 
des Bestellers auf Beseitigung eines Mangels des Bau welkes erst 
fünf Jahre nach Abnahme des Bauwerkes verjährt. K. Il-c. 
Fragebeantw Ortungen aus dem Leserkreise 

Zu der Antrage 1 in No. 04, 1003, betr. Heizung von Klosetts 
erhalten wir den Hinweis auf den Ventilationsapparat »l.ichtcnstein* 
( D. K. P.). der von Ing. Wetzcr in I lersbrOrk (Bayern) bi den Handel ge- 
bracht wird und sich mittels Einschaltung einer kleinen Vorrichtung 
zur Heizung von Klosetts, bei welchen das Listige Einfrieren zu 
befürchten ist, verwenden Iftast . — 

In den hiesigen Babnhofabtritten besteht keine vollst AndigcHcizung 
des Raumes, Um aber die 10 Klosetts gegen Einfrieren des 
in den Syphons stehenden Wassers zu schützen, ist ein donncs galvani- 
siertes Rohr durch die Bogen derSyphons geführt. Bei strengem Frost 
zirkuliert in diesem Rohr Wasser, das in der nebengelegencn Besen- 
kammer mittels einer Gasflamme gelinde angewärmt wird, und, wenn 
abgekühlt, nach seinem Ausgangsort zurückkehrt. Nach mehrjähriger 
Erfahrung genügt diese bescheidene Warmwasserheizung auch, um 
den Inhalt der SpQlreservoirs und die Pissoirplatten und Rinnen 
gegen Einfrieren zu schauen. FOr Interessenten«! der Ventilation 
fuge ich bei: Zur Ventilation der Pissoirs und »amtlicher Klosets 
ist deren gemeinschaftliche Decke pyramidenförmig gestaltet. Von 
der Spitze der Pyramide aus fährt ein weites Dunstrohr bis 3 m 
hoch aber Dach. In der Mitte dieses an der Decke beginnenden 
Dunstrohres lohn ein engeres Rohr von der Grube aus gleichfalls 
bis zum Hut 3 m ober Dach und im ringförmigen Raum nvis ;ben 
beiden Kohren brennen in der Höhe der Pyramtdeuspitze vier 
kleine „Lockflammen" von Gas. Diese Ventilation wirkt selbstver- 
ständlich im Winter sehr krAltig, genügt aber auch im heissesten 
Sommer und bei stärkster Benutzung der Anlage, die Luft in den 
KloscU und den Oelpissoirs rein zu halten. — v. Teuffei. 

Bei ungeheiztem Kaum lisst sich meistens durch Anbringen 
eines Klosettdeckels und Isolierung des Abllussvphons mit einem 
schlechten Wärmeleiter wie Schlackenwolle, Asbest- oder Seidcn- 
schnur genügende Sicherheit gegen <) a s Ei 11 1 r 1 e re n de» Wasscr- 
verschlussrs erzielen. Vielfach hilft man sich, talls die» angängig, 
damit, dass der Syphun nicht unmittelbar um Klosettrichter. sondern 
tiefer, an (rostfreier Stelle angeor.lnet wird. Ist da> Becken frei- 
stellend mit eingebautem (estrn Verschluss , 10 empfiehlt sich die 
Anbringung eines Kaatensit/es und Abfütterung des Hohlraumes. 

H. Schneider , Ingenieur in Kassel. 

Inhalt! N-i.c H.i'.ii.m.t i-i Itancniait, |tv, Wh ■!< 1 .vjff.au drsCant- 

M.iNjlr Vi.ii -.iii Mji.-i IIa* w.fli»li.. h. I n HuiUM .C|l Iii l'l .Vlkillrt A. M 

l>as '..m Ii- >>uatMniri-1«iiun Im VriV.-lii-.Wrt.- K riilii-ii.-ii Mi". 1- 

lllll .1 Ii -M» V. I.HI.I- - \ .1 11,1-, Ii, S I'- »l^l.r.1 I l'.Ml.l.. Ii 1 IltM'l'k. 

l'l -.'.r..V.-N.V In |. 11, |-t,i.1- im <l Ki ,i;i'....lr'l 

I lifi-y.it eine Uil.lhcilagr : Da- ru-uc Rathaus 111 Kopciilui-cn. 

Verla,; 1I1 . 1>i m~ li< r. Baiueituuj. '- m V II. «Vilm. Kfli <lic- It. .I.1V11..11 

»« ."Wh 1, .\ Im . II .. I ... Ii-, , H. , I:.. Hi.l-k Willi- I. . .H . l!i - Im. 

No. 1 2 



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1LLA WERTH El MBER IN HOMBURG V. D. HOHR * 
ARCHITEKT: FRANZ VON HOVEN IN FRANK- 
FURT AM MAIN * * DIE HALLE MIT KAMIN 
UND DIE HALLE MIT BLICK IN DAS BILLARD- 
ZIMMER ************* 
= DEUTSCHE BAUZTG. XXXVIII. JAHRG. N|3a 

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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 3. BERLIN, DEN 9. JAN. 1904 



Villa Wertheimber in Homburg vor der Höhe. 

Architekt: Königl. Baurat Franz von Hoven in Frankfurt a. M. mirmi ci»* BildbriUge.i 

IIa Wertheimber ist in der Nähe ist vorwiegend für den Aufenthalt im Sommer einge- 

von Homburg vor der Höhe in richtet, es entbehrt aber in Gestaltung, Einrichtung und 

einem Parke erbaut, der vor etwa Ausstattung gleichwohl nicht der Vorkehrungen, welche 

100 Jahren angelegt wurde und es zum Bewohnen auch im Winter geeignet machen, 

dessen Baumbestände heute zu Den Grundriß beherrscht die geräumige Halle, welcher 

si honer und voller Entwicklung gegen die Vorderfassade eine Loggia vorgelagert ist, 

herangewachsen sind. Das in den von welcher der Zutritt auf eine vor der f assade sich 

Jahren 1899 bis 1900 erbaute Haus hinziehende Erdterrasse und weiterhin in den Garten 




4 



»3 

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erfolgen kann. Zur Linken der Halle liegt, gegen 
diese geöffnet, das Billardzimmer (s. Beilage), mit 
welchem das die Ecke des Grundrisses bildende Herren- 
zimmer in Verbindung steht. Der eigentliche Haupt- 
eingang zum Hause liegt hinter dem Billardzimmer; 
ein neben ihm befindliches Dienerzimmer bildet den 
Aufenthalt für den den Eingang bewachenden Diener. 
Zur Rechten der Halle dehnen sich das geräumige 
Wohnzimmer mit Erker und das noch geräumigere 
Speisezimmer mitAn- 
richte usw. aus. Die 
Wirtsrhaft-s - Räume 
sind in einen hin- 
teren FlOgel mit be- 
sonderem Eingang 
und mit Nebontreppc 
usw. verwiesen. 

Die Halle ist 1,3 m 
höher als die übrigen 
Räume; dieses grös- 
sere Höhenmaü ver- 
ursachte jedoch im 
Obcrgescholi keinen 
Raum Verlust und gab 
Veranlassung zu reiz- 
vollen Treppenlösun- 
gcn. Mit Ausnahme 
des auf einen Balkon 
sich öffnenden Früh- 
stücks- und eines über 
dein Herrenzimmer 
gelegenen Wohnzim- 
mers bestehen sämt- 
liche Räume des 
Obergeschosses aus 
Schlaf-, Fremden-, Anklcidczimmcrn und Zubehör. 
Das Dachgeschoß" enthält die Dienstbotenräume. Die 
Anlage des Erdgeschosses weist einen groben, auf 
gesellschaftlichen Verkehr gerichteten Zug auf. 

Die ungemein fein empfundene und den Charakter 
des reicheren Landhauses im italienischen Sinne glück- 



lich treffende Architektur trägt einfachen Empire- 
charakter. Das Material ist vorwiegend Putz mit 
Ornamenten aus angetragenem Stuck; die Stcinhaucr- 
arbeit ist auf ein Mindestmaß beschränkt. Von den hellen 
Putzflächen heben sich die Klappläden, mit welchen die 
Fenster gesichert werden können, in farbiger Belebung 
der Fassade ab. Das I lauptgesims wird durch eim- 
weit ausladend« geputzte Hohlkehle gebildet, wie si«.- 
an städtischen Wohngebäuden »1er Schweiz häufig 

vorkommt - Das In- 
nere, von dessen 
Ausbildung unsere 
Beilage ein anschau- 
liches Bild gibt, ist 
in einem frischen 
Farbengegensatz ge- 
halten, welcher in dir 

photographischen 
Aufnahme etwas här- 
ter erscheint, als er 
in Wirklichkeit ist. 
Das Täfelwerk der 
Halle besteht aus 
grün lasiertem Tan- 
nenholz, die Täfelung 
des Speisezimmers 
aus Rüsternholz. Re- 
lief-Friese ziehen als 
obere Zone die Halle 




entlang und bilden 
tlen Uebergang zu 
den fein gegliederten weilicn Decken. Die Halle hat 
als Hauptschmuck einen alten Kamin italienischen 
Ursprunges erhalten. Der gesamte innere Ausbau ist 
einfach, aber dauerhaft in Material, Gestaltung und 
Ausführung. Das Erdgcschoü wird durch Luftheizung 
erwärmt, die oberen Geschosse besitzen Kachelöfen. 
Elektrisches Licht von der Homburger Zentrale ver- 
breitet nach Sonnenuntergang die gewünschte Helle. 
Die Baukosten des frincmpfuiidencn Hauses betrugen 
rd. 275000 M. — 



Zur Frage der Umgestaltung c 

L 

negative Ergebnis des ersten Wettbewerbes zur 
Erlangung von Entwürfen für die Umgestaltung des 
• — — • Thcatcrplatzcs in Dresden dürfte seine Ursache 
weniger in der (Qualität der Kntwürfe als in den Schwächen 
des Programme* haben, welches zwar der Phantasie der 
Bewerber einen gewissen -Spielraum ließ, gleichzeitig ihnen 
aber und /war schon durch den Lagcntan |s. Abb. 1) 
den Hinweis gab, den Platz gegrn das Klbufrr durch 
Hochbauten abzuschließen. Die an da-. Programm ge- 
bundene Jurv konnte bei Abgabe ihres Urteil- dic-en 
architektonischen Abschluß füglich nicht wohl übersehen, 
aber der im Gutachten ausgesprochene Wunsch, ihn mög- 
lichst be-cheiden. niedrig und durchsichtig zu gestalten, 
läßt vermuten, daß auch im Preisgericht eine Vorliebe für 
freien Durchblick vom Platz auf Brücke und Neustadt, sowie 
unigekehrt, bestunden hat. 

Schon Hr. Albert Hofmann hat kürzlich in einem 
vortrefflichen Artikel (vcrgl. Deutsche Bauzcitung No. oq 
und iooi auf das Bedenkliche solchen Abschlusses hin- 
gewiesen und die Fachgenossen zu einer den freien Ein- 
und Ausblick gewährleistenden Lösung 'angeregt. Dieser 
Anregung folgend, hat der Unterzeichnete die Wcihnachts- 
feiertage zur Bearbeitung eines Vorschlages benutzt, der 
unter Vermeidung jeden Abschlusses zugleich die Weit- 
läufigkeit und Unformlichkeit des Platzes in seiner heutigen 
Erscheinung zu beseitigen bemüht ist 

Ware Heibig 's Etablissement nicht vorhanden, so würde 
heute wohl Niemand aul den (irdanken kommen, dasselbe 
auf der im Programm angenommenen Stelle zu errichten, 
vorausgesetzt, daß zur Befriedigung des unbestreitbaren 
Bedürfnisses einer solchen Erholungsstätte sieh noch andere, 
nicht minder günstig belegene Plätze finden lassen. l>cs- 
gleichen dürfte kein innerer Grund vorliegen, die Schinkel- 
sehe Wache hierhin zu verlegen, wo sie ebenso schief 
zur Platzachse läge, wie an ihrer bisherigen Stelle und 
w<> ihre schlichte Rückseite eine viel zu sichtige und an- 
spruchsvolle Lage erhalten würde. Wenn auch der Ge- 
danke einer solchen Verlegung auf Gnitfried Semper zurück- 

1 I 



es Theaterplatzes in Dresden. 

zuführen i»l, so darf doch nicht vergessen werden, daß 
Semper's bekannter Gesamtentwurf den Charakter einer 
gassenartigen Verlängerung des damals nach Norden noch 
offenen Zwingerhofes trug, in welche der Rundbau des 
früheren Hoftheaters weit hineintrat und dadurch den Aus- 
blick aufs Wasser schon sowieso stark beengte Seitdem 
aber das Museum vor dem Zwingerhof erbaut und das 
zweile Hoftheater — glücklicherweise -- bedeutend mehr 
gegen (.Ntcn gerückt wurde, ist das Platzverhältnis ein 
ganz anderes, ungleich breiteres, nach der Elbe sich 
öffnendes geworden. Schwerlich würde Semper heule der 
Wache den früher von ihm geplanten Platz zuweisen. 

Die heutige Zeit, welche in den Formen eines dori- 
schen Tcmpeltiailcs nicht mehr den Ausdruck für ein 
Wachtgcbäudc erblickt, würde, nach Ansicht des l'nter- 
zeiehneten, dem hohen Kunstwert des Schinkel'schen 
Bauwerkes vollauf Rechnung tragen und nicht pietätlos 
verfahren, wenn sie zugleich mit seiner Lage auch seinen 
Zweck veränderte und es beispielsweise in den Zwinger- 
garten neben dein lloflheater verlegte und mit Hilfe eines 
stilvollen hinleren Anbaues tm<l inneren Umbaues es zu 
einem Ausstelliingsgebäuile oder einem kleinen Museum 
oder einem Konzertsaal für Kammermusik umgestaltete, 
während sich fnr die Bedürfnisse de» Waclitdicnstc* viel- 
leicht Räume im Erdgeschoß des Königl. Schlosses oder 
im Sockelgeschoß des Zwingers finden ließen. 

Jeder auf der Stelle A des Ltgeplanes (Ahbildg i l er- 
richtete Bau. möge er nun in einem Wachlnebiiude oder 
in einem Erfrischungslokal bestehen, hat neben dem 
Fehler, daß er den Alisblick versperrt und beim Einblick 
von der Brücke aus die unteren Teile der Fa-sadeu dreier 
herrlicher Gebäude vollständig verdeckt - den weiteren 
schwerwiegenden Nachteil, daß durch ihn die allzu^roüen 
Abmessungen des heuligen Theaterplatzes nur wenig ein- 
geschränkt werden, und daß außerdem infolge seiner 
schiefwinkligen I.age zur Platzachse jede rylhmischc 
Teilung oder Ausschmückung des Platzes durch Trottoirc, 
Balustraden, Rasenplätze, Springbrunnen, Statuen usw. 
sehr erschwert wird Dieser Nachteil würde auch dann 

No. i. 

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noch bestehen bleiben, wenn man hier auf jeden Hochbau 
verzichten und sich — wie dies der Konkurrenzentwurf 
„Semper— Schinkel" tut — auf die Anlage einer mit dem 
l'fer parallelen Terrasse beschränken wollte. 

Solche Betrachtungen führten zu dem in den Ab- 
bildungen a und 3 veranschaulichten Vorschlag, zu dessen 
Erläuterungen nachfolgende Bemerkungen genügen wer- 
den: I>er Theaterplatz ist in seiner Richtung vom Museum 
zum Strom auf das Mall der Frontbreite des Hofthealers 
eingeschränkt, sodafl nunmehr seine Ausdehnung in an- 
gemessenem Verhältnis zu dem ihn beherrschenden Denk- 
mal des Königs Johann steht. An der nach dem Strom 
zugekehrten Seite dieses verkleinerten Platzes führt eine 
monumentale Freitreppe zu einem breiten Taleinschnitt, 
welcher, mit regelmäßigen Garten- und Wasserbecken-An- 
lagen ausgestattet, sich bis zur Uferstraße hinab erstreckt, 
sodaß letztere und mit ihr da* Elbfahrwasser in ganzer Breite 
sowie die Augustusbrücke in ganzer Laune vom Theater- 
platze aus sichtbar sind. Dieser Taleinschnitt wird beider- 
seits durch symmetrische Futtermauern mit Balustraden und 
Kandelabern begrenzt, von welchen die rechtsseitige, mit 
der Längsfront der Hofkirchc parallel laufende, sich bis zum 
Landpfeilcr der Augustusbrücke fortsetzt und hier den ge- 
wünschten Treppenniedergang erhält, während die links- 
seitige den mit Baumreihen bepflaiizten^Tcrrassengartcn 




Abbild^, i. LagrpUn des Wettbewerbes. 



eines Etablissements umschließt, welches, im Anschluß an 
das Hotel Bellevue errichtet, du- Cale Heibig ersetzen soll. 
Neben jeder Futtcrmaucr führt eine Fahrstraße zur Ufer- 
straße hinab. Die eine stellt die Verbindung mit dem Anlege- 
platz der Dampfschiffe her, die andere führt die Straßcn- 
bahngleise vom Elbkai auf die Höhe des Theaterplatzes, 
wo sie sich in der Nähe des Schlosses an die zum Post- 
platz führenden Gleise anschließen. Die Uferstraße ist beim 
Anlegeplatz der Dampfschiffe um ein Geringes in den 
Strom hinausgerückt, um sie nachmals in genügender 
Breite unterhalb des Hotel Bellevue fortsetzen zu können. 
Die Hauplwache bleibt entweder an ihrer bisherigen 
Stelle oder wird, wenn ästhetische oder Vcrkrhrsrnck- 
siehten dies bedingen stillten, in die Gartenanlagen neben 
dem Hoftheater verlegt. Um der großen r'reitreppe und 
dem davor liegenden Becken einen künstlerischen Schmuck 
zu verleihen, ist hier an die Aufstellung des berühmten 
Neptunbrunnens aus dem Garten des ehemaligen Palais 
Marcolini gedacht, dessen Schönheit an seiner heutigen 
Stelle wenig zur Geltung gelangt. 

Vorstehend erläuterter Vorschlag — in Eile und ohne 
ausreichende Kenntnis derVerkehrs- und sonstigen örtlichen 
Verhältnisse Dresdens entstanden, ja vielleicht sogar nicht 
einmal neu — wird ohne Zweifel manchen gewichtigen 
Fjnwürfen begegnen, unter denen die Notwendigkeit einer 

O Januar 1904. 



Verlegung der Fernheizleitung vielleicht noch nicht ein- 
mal der erheblichste ist Der Unterzeichnete erhebt denn 
auch keineswegs den Anspruch, eine gründliche Lösung der 
Aufgabe gebracht zu haben, sondern bezweckt vornehm- 
lich, die Stadtbchftrdcn Dresdens wie die F" achgenossen vor 
dem bisher eingeschlagenen Wege zu warnen und sie auf 
die Möglichkeit anders gearteter Lösungen hinzuweisen 

Hamburg, 31. Dez. 1903. Martin Maller, Architekt. 
II. 

In den Schlußsätzen Ihres Artikels über die Um- 
gestaltung des Theaterplatzes in Dresden in 
Nr. 100, lahrg. 1903, wurde bezüglich des endlichen Aus- 
ganges dieser Sache, wie man ihn vom künstlerischen 
Standpunkte aus zu wünschen habe, Anschauungen Aus- 
druck gegeben, denen ich nicht allein freudig, fast möchte 
ich sagen: begeistert zustimme, sondern die ich sogar 
von Anfang an selbst für die altein richtigen gehalten 
habe. Ich war an dem Wettbewerb mit beteiligt und 
habe ungefähr denselben Gedanken in meinem Erläutcrungs- 
Bericht Ausdruck verliehen und die außerordentliche 
Aehnlichkeit der Situation mit Venedig ebenfalls nach- 
drücklich hervorgehoben. Aber ich bin noch einen Schritt 
weiter gegangen als „San Marco" und habe wenigstens 
versucht, bei meinem Entwürfe im Hinblick auf jenes 
Vorbild die Folgerungen zu ziehen, 
welche Sie an dem Diestelschen 
Plane vermissen. 

Mir liegt daran, falls einmal 
in Zukunft die Angelegenheit des 
Dresdener Theaterplatzes die er- 
hoffte glücklirhe Wendung nehmen 
sollte, auf Ihr Zeugnis rechnen 
zu dürfen, daß ich, wie ich 
glaube, bei meinem Fintwurf die 
in Ihren Schlußworten vorgeschla- 
genen Hauptpunkte bereits be- 
I rücksichtigt habe.*) 

Ich kann mir ja freilich vor- 
stellen, daß gewisse andere Vor- 
schläge meiner Arbeit weniger 
Beifall gefunden, ja für manchen 
Beurteiler vielleicht genügt haben, 
dieselbe von vornherein als minder- 
wertig auszuscheiden. So die dem 
Museum angefügten F'lügelbauten, 
welche übrigcnsTlrDiesicl in seiner 
Variante auch hat; so die Lage der 
Hauptwache — für welche ich 
heule wahrscheinlich einen ande- 
ren Vorsehlag machen würde; so 
vielleicht die etwas knapp einge- 
zeichneten Verkehrs - Durchlässe 
und ganz besonders die „Schiff- 
fahrts-Halle",gedacht als monumen- 
tales Zugangstor zu den Landungs- 
plätzen, welche ich von einem 
jüngeren Beurteiler als „Einfahrt 
zur Toteninsel" bezeichnen hörte. 
Aber alle diese Dinge treffen doch 
wohl nicht die I lauptsache, sie sind 
auch in meinem Erläutcrungs-Be- 
richt deutlich genug als nur vor- 
läufige Annahmen bezeichnet 



worden. Als Hauptsache schlug ich dreierlei vor: 
1 forumartige Geschlossenheit des ganzen Platzes 
nach den 3 Landseiten (ähnlich wie bei dem Entwurf 
„San Marco"); 

2. entschiedene Oeffnung nach der Wasserseitc, der 
fehlende Schluß durch grosse Säulen markiert 
(ähnlich wie bei „Semper-Schinkel"); 

3. Unterordnung dieses ganzen Forunis unter eine 
höhere künstlerische Einheit 

Ich verglich das Ganze dem Zuschauerraum und der 
Bühne eines Theaters, dessen Vorhang aufgezogen werden 
müsse : die Szene würde das Strombild sein — mit dem 
vorbeirauschenden Weltverkehr; oder in entgegengesetzter 
Richtung das Forum mit seinen Bauten und Denkmälern. 
Doch sollte dieses Bild knapp am Proszenium noch einmal 
energisch eingerahmt werden, und dazu hiell ich eine der 
Kirche gegenüberliegende zweite Platzwand von gleicher 
Monumentalität für geeignet. Heren Hauptgesimshohe sollte 
derjenigen am Theater-Unterteil bezw. am Seitenschiff der 
Kirche entsprechen (ebenso auch an den neuen Flögeln 
des Museums) und um das ganze Gebäude, also auch an 



•I Annntune dci Krdaktlon. Hei Fntwuif war wn* ^"• tr < 
■ 1 i L . 1 , we&halt» wir gerne den Wun^'hc de» Veila»*ci* ent»|" eihi n. 
■»eine wertvollen Gedanken luei Aini Aufdruck gebracht /u sehen- — 



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Abbildg. a d. 3. Vorschlag zur Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden von'Haxtin Haller in Hamburg. 



der „Schiffahrts-Halle", ungebrochen her- 
umgeführt werden. Dadurch besonders 
würde der von Semper angeschlagene 
Ton einer höheren künstlerischen 
Einheit 2U einem Akkorde anschwellen, 
welchem das ganze Forum sich ein- 
ordnet Da überdies die Langsfassadc 
dieses neuen Gebäudes, dessen Zweck- 
bestimmung ich im übrigen dahingestellt 
sein ließ, eine ähnlich monumentale 
Architektur mit breiten Achsen, fenestra 
terrena usw. wie die gegenüberliegende 
dcrKirchc aufwies, so würde diese letztere 
an der langen, ungebrochenen Wand — 
dieses ganze Gebäude würde durchaus 
als ein einheitlicher Palazzo erschienen 

und der dazwischen 8 liegende Teif des 
Thcaterplatzcs einen fast saalähnlichen 
Charakter erhalten haben. Zugleich würde 
durch dieses neue Gebäude das Hotel 
Bcllcvuc verdeckt worden sein — denn 
an die völlige Beseitigung desselben wagte 
ich mich allerdings noch nicht heran. Die 
Kolonnaden endlich sollten die Höhe des 
Theater-Erdgeschosses erhalten, an dem 
östlichen Halbrund durch höher geführte 
Torbogen unterbrochen. 

Od ich nun wirklich das Recht habe 
zu der Annahme, daß meine Arbeit im 
Kern eigentlich schon das wesentliche 
von dem erfüllt, was die „Deutsche 
Bauzeitung" von der endgültigen Aus- 
gestaltung verlangt — darüber steht mir 
natürlich keine einseitige Entscheidung 
zu; jedenfalls hatte ich mit meinem Ent- 
wurf, der das Kennwort „Ein Rettungs- 
versuch" trug, die Absicht, darauf hinzu- 
weisen, daß der Semper' sehe Forum- 
gedanke noch zu retten sei. — 

Görlitz, Dez. 1903. Hans Freude. 




Der Wiederaufbau des Campanile von San Marco. 

Von H. Blankenstein, Geb. Baurat in Berlin. 

1s Beltrami die Leitung des Wiederaufbaues des Pfahleschlagens." Auch die ersten Untersuchungen des 

Turmes übernahm, konnte er an der Verwendbar- Fundamentes mußten bei Beltrami Zweifel erwecken; nach- 

keit des alten Fundamentes kaum zweifeln; doch dem er aber dem Bürgermeister gegenüber erklärt hatte, 

traten ihm sogleich nach seiner Ankunft zwei ganz ver- daß dem Wiederaufbau des Turmes nichts im Wege stehe, 

schiedene Ansichten entgegen. Der Baubeamte des Königl. und da bereits am 1. März die Grundsteinlegung auf den 

Hauses und zugleich der Bibliothek, Lavczzari, riet: 35. April, den Tag des heiligen Marcus, festgesetzt war. 

Aufgraben rings um das Fundament, ohne bis auf den so mochte er nicht wagen, der ungeduldig drängenden 



Kost zu kommen. Verdichten des Untergrundes mittels 
einiger Pfähle, Verbinden der gegenwärtigen Basis mit 
dem Verstärkungsteil in armiertem Beton", wogegen der 
bei Herrichtung des Bauplatzes beschäftigte Maurer- 
meister Torres den Vorschlag machte: „den Funda- 
mcntklotz abbrechen und ihn in größerer Breite mit 
Puzzolan-Mörtel wiederherstellen; keine 

16 



öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Somit ging die 
Feier am genannten Tage vor sich, und zwar wurde der 
Grundstein in der Mitte des Turmes auf das alte Funda- 
ment gelegt, obwohl es noch zweifelhaft war , ob es bei- 
behalten werden könne. 

Beltrami halte sich mit vollem Recht zur Aufgabe 
at, den Turmjiicht nur in seiner äußeren Gestalt, 

No. 3. 



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Campanil» . 

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||-Q-n] 




Abbildung 3. 
Kulwurl vun BcHr»rai. 



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Abbilde 3. Gründung de* Turme». 

Mindern auch nach »einer inneren Anordnung und Kon- 
struktion (ganz im Sinne der alten Erbauer wiederherzu- 
stellen. Wenn er daher den von den verschiedensten 
Seilen gemachten Vorschlag, den Turm mittels eines Ge- 
rüstes von Eisen mit Verkleidung in Ziegeln bezw. in Kcton- 
Eisenkonstruktion herzustellen, entschieden zurückwies, su 
kann man dies aus ästhetischen und konservatorischen Gran- 
den nur billigen. Ebenso wird man ihm zustimmen, wenn 
er an der eigentümlichen und dabei zweckmäßigen Anlage 
des Kampen-Aufganges zwischen einer äußeren und einer 
inneren Köhrc von Ziegclmauerwerk und an der hier- 
durch bedingten Anordnung der kleinen Fenster an drr 
linken Ecke jeder Front festhielt, obwohl er sich durch 
Opferung dieses Systems seine Aufgabe wesentlich er- 
leichtert nättc. Inbezug auf den Oberbau war er bestrebt, 
ihn unter möglichster \ ermeidung von Eisen leichter her- 
zustellen, als der alte war. Auch bei der Fundierung 
wollte er die alte Kauweise beibehalten , doch hatte hier 
wohl kein Grund vorgelegen, auch die allerniodcrnsten 
Gründungsarten auszuschließen, wenn sie schneller und 
sicherer zum Ziele führten. Der Turm, der an der Bwb 
ia,8 m im Geviert maß, verjüngte sich auf 54 «■ Höhe um etwa 
1 m , und war nach Norden so weit übergewichen, daß die 
Nordfront nahezu lotrecht stand. Dies war allgemein be- 
kannt, doch ist man in Venedig und ganz Italien so sehr 
an schief stehende Türme gewöhnt, daß niemand Anstoß 
daran nahm; indessen war damit doch bewiesen, daß der 
Boden schon Ober die zulässige (irenze hinaus belastet 
war. Dazu kam, daß die Erschütterung beim Einsturz 
der kolossalen Mauermasse doch nicht ohne Einwirkung 
auf das Fundament und die es tragende Erdschicht ge- 
blieben sein konnte. Ein sehr genau ausgeführtes Nivelle- 
ment ergab, daß die Oberfläche des Fundamentes auf der 
Nordseitc Ostlich um 9,5, westlich um 9 cm und daß die 
Südostecke um 0,5 cn > niedriger lag, als die Südwcstecke, 
eine Senkung, die ungefähr der Neigung des Turmes ent- 
sprach. Zugleich zeigte das Nivellement die Erhebung 
eines in der Türschwelle des Campanile (auf der Nord- 
seitc) belegenen Fixpunktes um 3 C ". So leicht eine Ver- 
schiebung dieser Schwelle bei dem Einsturz eintreten 
konnte, so wenig wahrscheinlich ist doch gerade eine 
Erhebung. Es scheint daher nicht ausgeschlossen, daß 
das Erdreich unter dem Fundament noch so viel Elastizität 
besessen hat, um nach Abnahme der Jahrhunderte dauern- 
den Betastung sich wieder ausdehnen zu können. 
• 1 l>ic Konstruktion des alten Turmes zeigt Abbildg. 1 in 
Durchschnitt, unterem und oberem Grundriß nachCicognara; 
doch scheint diese Darstellung nach den Angaben von 
Kcltrami wenigstens inbezug auf die Konstruktion der Spitze 
nicht richtig zu sein. Die Pyramide und namentlich die sogen. 
Attika, d. h. der zwischen der Glockcnstubc (Cclla) und der 
Spitze belegene Teil erscheinen etwas schwach, und ebenso 
ist die innere Mauerröhre, die eigentlich nur aus acht etwa 
1 'l m starken Pfeilern bestand, die noch dazu durch die 
Widerlager der die Kampen tragenden Kögen geschwächt 
waren, höchst bedenklich. Abbildg. a gibt den Durchschnitt 
ilcs Turmes mit der Eoggictta nach dem Entwürfe Keltrantis 
und der Gründung, bei welcher der neu hinzuzufügende 
Teil durch die Schraffierung kenntlich gemacht ist In dem 
Grundriß darunter ist die Spundwand eingezeichnet, die 
den neuen Teil des Fundamentes einschließen sollte. 
Abbildg. 3 zeigt die gegenwärtige Gründung des Turmes 

izur Hälfte] im Zusammenhang mit der dründung der 
Sibliothck und läßt zugleich zwischen dieser und dem 
Turme ein verlassenes Fundament erkennen, das jeden- 
falls von einem älteren, weiter in den Platz vortretenden 




1 



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9. Januar 1904. 



Abb. 1. Nm Ii L icogrmi». 

'7 



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Bau herrührt Danach besieht da* Fundament des Turmes 
aus einem massiven Mauerklotz von 4,71 m Höhe, dessen 
oberen Teil ein regelrechter Stufenbau in Werkstein bildet, 
und dessen unterer Teil in Bruchstein hergestellt ist und 
auf einem 15» i. Qu. großen, ebenen Kost von zw ei Schichten 
kreuzweise dicht nebeneinander gelegterPlanken von Eichen- 
holz ruht, die 25 ß2 rm breit und etwa 10™ dick gezeichnet 
sind, wahrend die Höhe beiderSchichten zusammen zu 30"" 
eingeschrieben ist Dieser Kost wird von einem Pfahl- 
werk (Spickcrpfahlen) getragen, bestehend aus dicht neben- 
einander geschlagenen Pfählen von 1,5» Lange und etwa 
35 em Dicke, in der Hauptsache aus Elsenholz, deren untere 
Hälfte zu einer schlanken Spitze ausgearbeitet ist Einen 
ähnlichen, nur schwächeren Kost hat der alte Mauerrest, 
während das Fundament 
der Bibliothek lediglich auf 
einem doppelten Planken- 
rost ohne Pfähle ruht. Bei 
einer starken Verbreite- 
rung des Fundamentes 
(auf etwa 3™) hat dies für 
ein Gebäude von rd. 16 m 
Höhe augenscheinlich ge- 
nügt In gleicher Weise 
soll auch der Dogenpalast 
gegründet sein, während 
dieMarkuskireheeinPfahl- 
werk besitzt. Das Pfahl- 
werk desCampanilc steckt 
innerhalb der von den 
Linien MN und KS be- 
grenzten Tonschicht, die 
aber in sich Verschieden- 
heiten zeigt, wie aus der 
aii der Nordscitc des 
Turmes vorgenommenen 
Bohrung hervorgeht, deren Ergebnisse rechts von dem 
Turmdurchschnittc angegeben sind. Welche Tragfähigkeit 
und welches. Maß vonLndurchlässigkcit diese verschiedenen 
Schichten haben, Ist nicht angegeben, auch scheinen direkte 
Belastungsproben nicht vorgenommen zu sein. Die bloße 

I E 

I erscheint 

und von der Schicht O anzunehmen ist, daß sie Wasser führt 
Beltrami gibt an, daß man bei allen bekannt gewordenen 
älteren Pfahlgründungen mehr Gewicht auf die Menge 
der Pfähle als auf ihre Länge gelegt habe. Dies geschah 
wohl deshalb, weil man fürchtete, mit längeren Pfählen 
in wasserführende Schichten zu kommen und dadurch 
die darüber liegende Tonschicht aufzuweichen. Bei den 
zum Zweck der Untersuchungen vorgenommenen Aus- 
grabungen hat sich ein stärkerer Wasserandrang nicht 

gezeigt 

Man darf nun freilich nicht glauben, daß dir ganze Grün- 
dung so regelrecht ausgeführt war, wie sie nach Abbildg. 3 
erseneint. In Abbildg 4 ist eine Skizze Beltratnis von der 





NDrdwest-Eckc des Fundamentes wiedergegeben, wonach 
die Ausführung recht erhebliche Unregelmäßigkeiten zeigt. 
Wenn die Pfähle zumteil schief eingeschlagen waren, so 
schadet das wenig, da hierdurch sogar die Grundfläche- 
etwas vergrößert wurde; aber sie stehen vielfach mehr 
neben, als unter dem Koste, so daß es nicht schwierig 
war. einzelne davon herauszuziehen. Der Zustand des 
Holze* war imganzen befriedigend, namentlich waren die 
Pfahle von Elsenholz gut erhalten. Am Kost fand sich 
eine etwas weiter hervorragende, dem Angriff mehr aus- 
gesetzte Planke geschwärzt und im Zustande vorgeschritte- 
ner Verwesung, jedoch erschienen die Planken im Inneren, 
soweit ersichtlich, vollkommen gesund. Bei einer an der 
Nordost-Ecke des Fundamentes bereits im |ahre 1885 von 
Boni vorgenommenen Untersuchung hatte dieser gefunden, 
daß zwischen zwei, nicht dicht aneinander schließenden 
Planken ein Strahl von Salzwasser sich Bahn brach, der 
das Auspumpen der Grube erschwerte, so daß er sich ge- 
nötigt sah, die Fuge mit Holzspäncn zu verstopfen. Beltrami 
fand bei seiner Untersuchung diese Stelle wieder und 
bemerkte beim Herausnehmen der Späne ein schwaches 
Durchsickern. Dies deutet jedenfalls auf Hohlräume unter 
oder Ober dem Kost. Das Mauerwerk erscheint nach der 
Skizze Abbildg. 4 sehr ungleichmäßig, jedoch gibt Beltrami an. 
daß es. wenn auch aus Steinen sehr verschiedener Größe 
bestehend, doch als ein ziemlich regelrechtes Bruchstein- 
mauerwerk zu bezeichnen sei Aber es ist, wie alle Ge- 
bäude Venedigs vor dem 15. Jahrhundert, in nicht hydrau- 
lischem Mörtel ausgeführt, der dem Salzwasser" nicht 
widerstanden hat und daher ausgewaschen ist, so daß das 
in diesem Frühjahr sehr reichlich darauf gefallene Kegen- 
wasser in den Mauerklotz eingedrungen und an den Seiten 
herausgequollen ist. Es wurde auch der Versuch mit ge- 
färbtem Wasser gemacht, der ebenfalls die Durchlässigkeit 
des Fundamentes bestätigte. Verschiebungen oder Ver- 
letzungen im Mauerwerk fanden sich nicht, mit Ausnahme 
eines senkrechten Kisses unter der Türschwelle auf der 
Nordseite, der bis ins Inncrc gedrungen ist, aber nach 
unten hin verschwand. Ob der Riß alt war, und ob sich 
etwa eine Fortsetzung oberhalb der Tür fand, oder nicht, 
wird nicht gesagt. Es ist aber gar nicht unwahrscheinlich, 
daß er erst durch die Erschütterung beim Einsturz des 
Turmes entstanden ist Jedenfalls kann man nach all diesen 
Wahrnehmungen das Fundament nicht für einwandfrei 
erklären Auch seine geringe Verbreiterung nach unten 
müssen wir als ungenügend bezeichnen. \\ enn man aber 
weiß, mit welcher Sorglosigkeit man im Mittelalter häufig 
fundierte und erwägt, daß der Turm ursprünglich niedriger 
und weniger schwer war, so kann man dieses Fundament 
schon als wohlüberlegt ansehen. Auch erscheint nach 
dieser Probe und noch mehr nach der im Jahre 1588 ge- 
bauten Kialto- Brücke mit einem Bogen von 39" Spann- 
weite, die allerdings 8 bis 10 m tief unter Wasser mit be- 
sonderer Sorgfalt gegründet ist, der Untergrund Venedigs 
nicht so schlecht, wie er für gewöhnlich gilt und die Sorge, 
daß die ganze Stadt dem Untergange geweiht »ein könne, 
Übertrieben. — isvMuO folgt» 



Die Grundwasser -Versorgung der Stadt Berlin. 

(Nach einem Vortlage des atJUlt. Wassel werW»dircktois Hrn. Knnigl. Brt. Heer in Berlin, gehalten im Berliner Architekten-Verein.) 



|]eiiin wurde bis vor wenigen Jahren ausschließlich 
und wird auch jetzt noch zum ".lößtcn Peile mit 
filtriertem Flußwasser versorgt 
Von 1856 — 76 diente hierzu allein das von einer 
englischen Gesellschaft erbaute Wasserwerk am Stralauer 
Tor, das 1873 durch Kauf an die Stadt überging Seine 
Höchstleistung von 70 000 llm auf den Tag genügte schon 
vorher nur knapp, und die Stadt mußte sofort an eine 
Erweiterung gehen. Sie legte das erste Wasserwerk um 
Tegeler See an, das 1876 fertig wurde und 40000 ^»n 
täglich leistete, Die \\ assergewinnung erfolgte durch 
Flachbrunnen, also aus dem Grundwasser. Das Wasser 
war anfangs schön und klar, nach 6 Monaten Betrieb aber 
trübte es sich immer mehr; es bildete sich ein brauner 
Schlamm und die Verschmutzung dehnte sich bis in das 
Kührennetz der Stadt aus Man führte diese Erscheinung, 
durch welche das Wasser ekelhaft und ungenießbar wurde, 
auf eine Alge, Crenoihrix pohspora, zurück. Bei den 
Untersuchungen, welche man anstellte, fand Hr Prof. 
Finkner zufällig, daß das Wasser sehr wenig sauerstoff- 
haltig sei, und das »ab den Technikern Veranlassung, zu 
versuchen, ob sich nicht durch Zuführung von Sauerstoff 
eine Klärung herbeiführen ließe. Man fand auch, daß die 
Crenothrix zwar nur im sauerstoffarmen Wasser lebt, daß 
sie aber nur eine Begleiterscheinung der Trübung des 
Wassers ist, nicht die Ursache derselben, daß diese viel- 
mehr in dem im Wasser gelösten Eisenoxydul zu suchen 

18 



sei. Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich nach längeren 
Versuchen das jetzt allgemein angewendete Verfahren der 
Enteisenung, d. h. der L'eberführung des löslichen Eisen- 
oxydules in unlösliches Eisenoxyd durch Zuführung von 
Sauerstoff (und zwar in einfacher Weise durch Rieselung), 
das dann bei weiterer Klärung des Wassers in den Filtern 
zurückgehalten wird. Letztere werden vielfach als Kokes- 
filter ausgeführt l Charlottenburg hat statt dessen Filter 
aus Ziegelbruch). 

Damals gelangte man aber noch nicht zu einer be- 
friedigenden Lösung der Enteisenung und sah sich daher 
gezwungen, die ganze Brunnenversorgung aufzugeben 
und das Werk in Tegel 1883 zur unmittelbaren Entnahme 
des Wassers aus dem See umzubauen. 1884 86 wurde 
eine Erweiterung um etwa 40000^«« ausgeführt, sodaß 
das Werk nun 1 «»«» 'Sek. liefern konnte. 

Schon 1884 wurden aber gleichzeitigVoruntersuchungen 
am Fuße der Müggelbergc und am Ufer der Dahme an- 
gestellt, zunächst mit Brunnenanlagen und zwar wieder 
mit Flachbrunncn. Weder die Güte des sn gewonnenen 
Wassers noch die Menge desselben befriedigten aber, sodaß 
man die Versorgung aus Brunnen ganz aufgab. Die 
höchstens 12» tiefen Brunnen (man wagte mit Kucksicht 
auf die Enteisenung nicht, noch tiefer zu gehen, da ja der 
Sauei sioffgehalt mit der Tiefe noch mehr abnimmt) ließen 
nur einen Betrag von i3ooo cbm erwarten, das lohnte sich 
aber für eine Versorgung von Berlin ganiicht erst, 

No. 3. 



L/iyi 



äd by Google 



i8go 93 wurde bei Friedrichshagen am Müggelsee 
d»s erste Werk mit einer Leistung von 1 tbn >, Sek. gebaut, 
dl« »ein Wasser mit Saugrohren unmittelbar aus dem 
See entnimmt. 1894- 96 wurde es erweitert, sodaß die 
Leistungsfähigkeit um 0,5 *•>»»,' Sek. stieg. Da* ergibt eine 
Tagesleistung von 130000 » b|B , dazu die Höchstleistung in 
Tegel mit rd. 90000 <■•"", zusammen also eine Gesamt- 
l*kning von 220 000 1'«". Diese Wassermenge würde 
aber schon jetzt nicht immer ausreichen, wenn sich nicht 
durch schnelleren Durchlauf durch die Filter in Zeiten 
blonderen Bedarfes eine höhere l-cistung bis 240000 «^n» 
ii«lich erreichen ließe. 

Dieser Mehrbedarf ergibt sich einerseits aus dem 
Anschluß von Weißensee, Stralau, Niederschöneweide, 
vrihrend anderseits auch das Bedürfnis nach Wasser- 
verbrauch gestiegen ist, sodaß jetzt statt 100 1 auf den 
Kopf 130 1 und selbst 140 1 gerechnet werden müssen. 

Welche ungeheuren Wassermassen dem Untergründe 
in der Umgegend von Berlin spater einmal entzogen wer- 
den müssen, lehrt folgende Betrachtung Auf den innerhalb 
des neuen Bebauungsplanes von Berlin 2ur Bebauung /,. Zt. 
vorgesehenen Flachen können 2,5 Mill. Personen wohnen, 
flas ergibt dann einen Wasserbedarf von 350000 cbm 
\Va«ser täglich. Bei voller Kaumausnutzung kann man 
später bis auf 400000 «*■ rechnen, also im Jahre 
146 Mill. ehm - Nun entnehmen schon jetzt private Wasser- 
versorgungen lagen in Berlin 36 Mill. «*» Wasser jährlich 
aus dem Untergrund, außerdem haben eine Reihe von 
Vororten ihre eigenen Wasserwerke, sodaß in der Um- 
gegend von Berlin auf eine spatere Wasserentnahme von 
300 Mill. «b« gerechnet werden darf, d. h. von 500000 < bm 
for 1 Tag oder 6 «*>«/i Sek Die Spree führt jetzt bei 
N.-W. 23 r*>m, aber manchmal auch nur 10 die Havel 
g_ I0 rbm bis herab zu 4 cfc« Die 6 fb « Grundwasser- 
F.ntnahmc würden also einen stattlichen Strom darstellen. 

Da« ist allerdings eine Zukunftsleistung, auf die Berlin 
noch nicht hinauswill. Es hat sich zunächst nur entschlossen, 
die Werke in Tegel und am Müggelsee in Grundwasser- 
werke umzubauen. Ersteres ist schon geschehen, letzteres 
wird, wie man annehmen darf, demnächst endgültig be- 
schlossen werden. Der Grund zu diesem Umbau ist die 
zunehmende Verunreinigung der öffentlichen Wasserlaufe, 
die in Tegel zuerst zur Notwendigkeit der Aufgabe der 
unmittelbaren Entnahme aus dem See führte und am 
Müggelsee in absehbarer Zeit dazu führen müßte. Die 
Möglichkeit zu einem derartigen vollständigen Ucbergang 
zur Grundwasserversorgung bietet der jetzige Stand der 
Technik, der eine einwandfreie Beschaffenheit des Wassers 
durch wirksame Kntcisenung sicher stellt. 

Die Verunreinigung des Tegeler Sees wird veranlaßt 
durch die Einleitung der Abwasser der Vororte. Die Regie- 
rung hat trotz des Protestes der Stadt Berlin den Gemein- 
den Tegel und Reinickendorf die Einleitung ihrer Ab- 
wässer gestattet, nachdem diese dem Rothe - Degncr- 
sehen Klärverfahren unterworfen worden sind, das nach 
längeren Versuchen und Beobachtungen in einer Anlage 
ähnlicher Art in Potsdam als ausreichend wirksam erachtet 
wurde. Es werden bei diesem Verfahren dem Abwasser 
zunächst Chemikalien zugesetzt und dann wird dasselbe 
durch Kohlcbrrifilter geleitet- Es hat sich aber inzwischen 
herausgestellt, dass die Reinigung keineswegs eine aus- 
reichende ist, so dass die Gemeinde Reinickendorf jetzt 
Rieselfelder anzulegen gezwungen ist. 

Als Tegel zuerst die Erlaubnis zur Einleitung der Ab- 
wässer in denTcgeler See erhielt, gelang es der Stadt Berlin, 
die ihren Interessen drohende Gefahr zunächst noch durch 
eine Einigung mit der Gemeinde abzuwenden, indem sie 
auf eigene Kosten einen Ableitungskanal baute, der die Ab- 
wässer zunächst in einen vorhandenen Graben und weiter- 
hin unterhalb des Spandauer Schiffahrtskanalcs in die Unter- 
spree abführt. Es siellte sich bald heraus, daß in dem 
Kanal und Graben eine starke Verschlammung eintrat. 
AI.« dann Reinickendorf gleichfalls die Genehmigung zur 
Kinleitung der Abwasser in den Tegeler See erhielt, 
trat die Frage zum zweiten Mal an die Stadt heran, 
einen Ableitungskanal zu hauen, der sich aber in diesem 
Knlle so kostspielig gestellt hätte, daß ein Umbau des 
Tegeler Werkes unter vollständiger Vcrzichtleistung auf 
Hie Wasserentnahme aus dem See vorzuziehen war. Da- 
zu kam die wachsende Abneigung der Hygieniker gegen 
filtriertes Flusswasser, trotzdem die Erfahrungen des 
Cholerajahrcs 1 Jedoch nachdrücklich fürdie ausgezeichnete 
Wirkung der Filtrierung sprechen ; denn während in Ham- 
burg, das unfiltriertes Elbwasscr verwendete, die Cholera 
wütete, blieb das unmittelbar daneben gelegene Altona, das 
s>ein Wasser aus der Elbe unterhalb Hamburg, also nach 
weiterer Verschmutzung durch die Abwässer dieser Stadt 
entnahm, aber vor der Benutzung filtrierte, abgesehen von 
einigen nachweislich eingeschleppten Fällen, vollständig 

€). Januar 1904. 



verschont. Die Anforderung vieler Hygieniker, dass die 
Filter ein vollständig keimfreies Wasser liefern sollen, 
können diese allerdings nicht erfüllen. Trotzdem gehen 
die Erfolge der Filtrierung weit über das hinaus, was das 
Reichsgcsundheitsamt fordert. Fünfjährige sorgfältige Unter- 
suchungen des Verbandes der deutschen Filterwerke haben 
den einwandfreien Beweis hierfür geliefert. Irgendwelche 
gesundheitlichen Nachteile sind also aus der bisherigen 
Wasserversorgung nicht entstanden, aber es hat diese 
Abneigung jedenfalls mitgewirkt, um die Stadt Berlin zur 
reinen Grundwasserversorgung zu drängen. Dazu kommt, 
daß die Wasserentnahme aus dem Müggelsee der Stadt 
auch nur widerruflich erteilt ist und daß die Bedürfnisse 
der Schiffahrt es einmal verbieten könnten, noch weiter- 
hin dem Flußlaufc Wasser zu entziehen. 

Die Schwierigkeit der Aufgabe lag nun darin, daß 
es galt, die in den vorhandenen Werken angelegten großen 
Werte nicht ganz zu verlieren, vielmehr die Werke so 
umzubauen, dass sie nach Möglichkeit auch der Wasser- 
Entnahme aus dem Untergrund anzupassen wären. Man 
war also in der Ausgestaltung der Anlagen z. T. gebun- 
den. Es galt ferner festzustellen, welche Wassermassen 
mit Sicherheit auf die Dauer dem Untergrund ent- 
nommen werden könnten. Einen gewissen Anhalt hierfür 
gaben die früheren Brunnenuntersuchungen in Tegel, die 
Erfahrungen des Charlottenburger Wasserwerkes und die 
Einzclanlagen für gewerbliche Betriebe in Bertin. Einen 
weiteren Anhalt gaben die Untersuchungen und Beob- 
achtungen über die zur Versickenmg gelangenden Wasser- 
nüssen, wie sie Veitmeyer bereits 1871 in eingehender 
Weise angestellt hatte. Den l>csten Aufschluß gibt aber die 
geologische Formation , die für Berlin außerordentlich 
günstig für eine Grundwasserversorgung ist, da mächtige 
von weither gespeiste Grundwasserströme in dem sandi- 
gen Untergrund über einer undurchlässigen Tonschicht 
an mehreren Stellen vorhanden sind, wie bei Tegel 
und am Müggelsee, die durch Tiefbrunnen erschlossen 
werden können. In Tegel wurde die Tonschicht bei etwa 
40 m Tiefe angetroffen. Sie fällt nach dem See bis auf 
67 m Tiefe. Am Müggelsee liegt sie ziemlich gleichmäßig 
auf 38" 1 Tiefe. Darüber lagert ziemlieh reiner, nach unten 
gröberer Sand, der nur stellenweise durch Tonla^er und 
auch feinere Sandablagerungen durchsetzt ist. Die Ton- 
schicht i>t auch an einigen Stellen durchbohrt worden. 
Sie ergab sich zu 80 90 ™ Dicke. Das darunter liegende 
Grundwasser zeigte sich chlorhaltig, sodaß es sich also 
zur Wasserversorgung nicht eignet. 

In Tegel wurden zunächst 3Vcrsuchsbrunnen hergestellt, 
denen ao I.it Sek. entnommen wurden, d h. etwa das 
vierfache der späteren dauernden Leistung. Es ergab 
sich nur eine Alisenkung von 60 cm des Grundwasser- 
spiegels in allernächster Nahe der Brunnen. Die Anlage 
in Tegel umfaßt eine 1.3 - m lange Brunnenfassung unter 
Ausnutzung der alten {außer Betrieb gewesenen! Kessel- 
brunnen von 16 ao m Tiefe, in welchen je 2 Saugrohre 
bis zum Ton abgesenkt wurden. Zur Ausnutzung der 
Maschinenanlage des neueren Wasserwerkes wurden zwei 
Brunnenfassungcn von 2 km bezw. 0,8 " m I-ängc angelegt. 
Von ersterer kann jedoch nur ein Teil von 1,5 km I-Angc 
ausgenutzt werden, da 500 m in den Bereich des älteren 
Wasserwerkes fallen. Trotzdem hat sich hier keine erheb- 
liche Absenkung des Grundwasserspiegels gezeigt, die etwa 
dem Baumbestand des anschließenden Forstes (wie anfangs 
befürchtet) schädlich werden könnte. Die Anlage steht seit 
1 Jahr in Betrieb. 

Am Müggelsee war man durch die Lage des Werkes 
dicht bei dem Orte Friedrichshagen ebenfalls nach einer 
Seite festgelegt. Angestellte Untersuchungen ergaben nun 
aber, dass Brunnenanlagen, in verschiedenen Abständen 
vom Ufer hintereinander geschaltet, in dem vorderen und 
dem hinteren Brunnen bei 20 Lit/Sek. Entnahme fast 
ganz gleiche Wassermeugen lieferten, daß also die Wasser- 
/ufnhrung des einen durch die anderen nicht beeinflußt 
wurde. Das ergab die Möglichkeit zur Anlage von zwei 
parallelen Saugelritungen, sodaß der Weg bis zu den 
Maschinen nicht zu groß wird, Ks sind «Ion drei Sauge- 
lritungen vorgesehen: eine (,)iicrlritung am Ort Friedrichs- 
hagen vorbei, eine kürzere Leitung unten parallel zum 
Ufer und eine längere obere Leitung desgl. Die Leitungen 
werden zus. fast 9 »m f.änge erhalten und gegen 35oBrunnen 
an die Maschinen anschließen. Die I lauptrohrc von 1200 mm 
Durclim. führen zu einem Sammclbrunnen, aus welchem 
die alten Saugmaschincn das Wasser heben können. 

Die Brunnen werden in sehr einfacher Form hergestellt. 
Ks sind Rohrbrtinneu mit einem äußeren, etwas weiteren 
Rohr, in welchem ein zweites, mit Gummi gegen das 
ersterc abgedichtetes, unten unmittelbar in den i M. 12 '" 
langen Filterkorb auslaufendes, Rohr hinabgetrieben wird 
Die Filter können bei Bedarf herausgezogen werden. Diese 

"9 

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einfache Lösung schien die bessere, da auch die kompli- 
zierten Formen eine vollständige Sicherheit gegen Ver- 
schlammung nicht gewahren. Letztere ist außerdem in 
dem nicht sehr feinen Sandboden nicht so groß. Sie wird 
ferner durch niedrig gehaltene Geschwindigkeit des an- 
gesau^cn Wassers — nicht Ober » » in i St. - noch 
mehr verringert. (In Tegel beträgt beim alteren Werk die 
Geschwindigkeit bei it LitySek. Förderung nicht mehr als 
io m . bei dem neuen Werk 14 «>, am Müggelsee hei 7 Lit. Sck 
13 "> in t St.) Dementsprechend ist die Anzahl der Brunnen 
bemessen, die in Gruppen zu 8—10 ihr Wasser mit be- 
sonderem Kohr dem Ilaupirohr zuführen. 

Die Ricscler, wie sie bisher in Tegel ausgeführt sind, 
zeigen eine sehr einfache Anordnung und sind stets leicht 



Vermischtes. 

Beleuchtungskörper der ..Sächsischen Bronzewarenfabrik" 

A.-G. In Wunen suchen in ihrer Formgebung mit Erfolg 
Anpassung an den künstlerischen Charakter der Räume, 
in welchen sie zur Aufhängung kommen, wobei die Wahl 
eigenartiger, aber doch nicht kapriziöser Formen mit ein 
I lauptgesichtspunkl (ür die Gestaltung ist. Ein Kronleuchter 
für ein Palais in Baku nähert sich der Form, die Heinrich 
Seeling seinem Kronleuchter für das Stadttheater in 
Halle gab: ein Kronleuchter für das Kurhaus in Aachen 
zeigt die Formen des Empire, ein Kronleuchter für das 
Hotel Schirmer in Kassel die des modernen Stiles. In 
der Gestaltung mit ihm verwandt ist ein Kronleuchter für 
das Grand Hotel Axcnstcin in Rrunncn in der Schweiz. 
Kronleuchter für das Theater in Aachen und für ein 
Kasino in Schlesien verwenden bei ähnlicher Form das 
pflanzen-ornamcntalc Element. Bei allen Arbeiten ist das 
Bestreben erkennbar, in der Formgebung ausgetretene 
Wege zu verlassen und neue aufzusuchen. — 

Unentgeltliche Vortrage des Kgl. Kunstgewerbe-Museums 
In Berlin für die zweite Hälfte des Winters betreffen: 
„DieTracht der Kulturvölker Europas vom Alter- 
tum bis zur Gegenwart" (Dr. Heinr. Doegc, Beginn 
11. Jan. 8'/, Uhr); .Malerische Dekoration vom 
Mittelalter bis zur Neuzeit" (Dr. Osk. Fischel, Beginn 
ra. Jan. 8'',Uhr); »Geschichte der Sitz- und Lager- 
Möbel" (Prof Dr. Alfr. Gotth. Meyer, Beginn 14. Jan. 
8'/, Uhr). - 

Ehrendoktoren. Zu Ehrendoktoren der Technischen 
Hoch-schule in Karlsruhe wurden ernannt die Hrn. Geh. 
Reg. -Rat Prof. G. Herrmann in Aachen, Geh. Reg- Rat 
Prof. Dr. F. Reulcaux in Berlin, Geh. Rcg.-Rat Prof. Dr. 
A. Paalzow in Berlin und Maschinenfabrikant H. Sulzer- 
Steiner in Winterthur. — 

Der Verein deutscher Portland - Cement - Fabrikanten 
wird am 24. und 23. Februar d. J. seine 27 Generalver- 
sammlung in Berlin abhalten. 

Preisbewerbungen. 

Die Schinkelprels-Bewerbungen des Architekten-Vereins 
zu Berlin für 1905 stellen ungemein anregende Aufgaben. 
Für das Gebiet des Eisenbahnbaues ist der , Entwurf 
für die Herstellung eines dritten Gleispaares im 
Zuge der Berliner Stadtbahn" bestimmt Dieses 
dritte Gleispaar soll zur Entlastung der beiden vorhande- 
nen Gleispaarc dienen und im Osten, bei Stralau-Rum- 
mclsburg, an die Pcrsonengleise des Südringes, im Westen, 
bei Charlottenburc, an die Pcrsonengleise des Sudringes 
und an die von Charlottenburg nach Spandau abzweigen- 
den Pcrsoncngleise ohne Kreuzung in Sehiencnhohc ange- 
schlossen werden. Auf allen 6 Gleisen, auf denen, abge- 
sehen von wenigen Markthallenzügen, nur Personenzüge 
verkehren, soll demnächst elektrischer Betrieb eingeführt 
werden. Die neuen Anlagen sind daher für diese Be- 
triebsweise einzurichten, 

Auf dem Gebiete des Wasserbaues ist der „Entwurf 
zu einem Brürkenkanal über die Weser für den 
Rhein-Elbc-Kanal in Verbindung mit dem Abstieg 
zur Weser" als Bewerbunusaufgabc gewählt. Mit Rück- 
sicht auf die Nähe der Stach Minden und auf die Bedeu- 
tung der Kanalanlage ist auf eine möglichst gefällige Ge- 
^amterscheimmc des Bauwerkes Wert zu legen. 

Für das Gebiet der Architektur ist die Aufgabe: .Ent- 
wurf zu einem Museum für Architektur und Archi- 
tekt u rpl a st i k in Berlin" gestellt. Es ist eine auf dein 
Restgelönde der ehemaligen kgl. Tiergarten -Baumschule 
zwischen Kurfflrstrn-Allee und Hardeitberg-Strasse in Char- 
lottenburg zu errichtende Bauanlagc gedacht, die zur Unter- 
bringung einer Sammlung von Nachbildungen dient, in 
welchen die Entwicklung der europäischen Architektur 
und der mit dieser verbundenen Plastik veranschaulicht 
wird. In dieser Form -oll das Museuni zur Vervollständi- 



zu reinigen. Sie sind ganz aus Holz hergestellt und bestehen 
aus Rinnen, von denen das Wasser über schmale Holzlatten- 
hürden herabrieselt. Sie beseitigen etwa 60 °/ 0 des Eisens. 
ao% gehen in der Vorreinigung weg, während schließlich 
etwa ao% für die Filter selbst bleiben, trotzdem das Wasser 
nach der Entnahme aus dem Untergrund 1,2c, 1,80 m f 
Eisen in 1 Lit enthält. Die alten Sandfilter werden natür- 
lich weiter benutzt, wenn diese auch nicht mehr in dieser 
Art erforderlich sind. Eine Filterung mit grobem Kies 
wäre jedenfalls ausreichend. 

Die Müggelsee- Werke, die jetzt 130000*°" geben, sollen 
auf I7oooocbm erweitert werden. Dafürsind etwa 8 oMill.M 
(einschl. Rohrleitungen) erforderlich, während die Stadt in 
den Wasserwerken bereits etwa 60 Mill. M. angelegt hat. 

eung der Berliner Kunstsammlungen und zur bequemen 
Vorführung wichtigen Anschauungsstoffes für die Studie- 
renden der Technischen Hochschule und der Hochschule 
für die bildenden Künste dienen. 

Wie man sieht, sind die gestellten Aufgaben Vorwürfe 
von aktuellstem Interesse. Es ist ein unbestreitbares Ver- 
dienst der schönen Einrichtung der Schinkelprcis-Bewer- 
bungen des Architekten-Vereins zu Berlin, das> sie jeweilig 
ihre Aufgaben aus der Zahl der interessantesten künstleri- 
schen und technischen Zcitfrageu zu wählen wusste Die 
Programme haben die sorgfältigste Durcharbeitung erfahren. 

Auf das „Museum für Architektur und Architektur- 
plastik in Berlin" werden wir wohl gelegentlich noch ein- 
mal ausführlicher zurückkommen. — 

Ein Internationaler Wettbewerb zur Erlangung von Ent- 
würfen für die Vereinigung Barcelonas mit seinen Vororten 
wird von der Stadtgemeinde mit Frist zum 3. Dez. 1904 
erlassen. Es gelangen 3 Preise von 35000, 10000 und 
5000 Pesetas zur Verteilung. Unterlagen sind gegen 10 
Pesetas von der Stadt Barcelona zu beziehen 

In einem Preisausschreiben zur Erlangung von Ent- 
warfen für Deckengemälde der protestantischen Pfarrkirche 
in Kaufbeuren liefen 8 Arbeilen ein. Den I. Preis ( Aus- 
führung) erhielt Hr. Maler Kunz Meyer in München; 
den U. Preis (600 M.) Hr. Maler Franz Rinner in München: 
den III. Preis (400 M.) Hr. Maler Prof. W. Kolmsperger 
in München. Preisrichter waren die Hrn. Akademie-Prof. 
R. v. Seitz, H. v. Habcrmann, M. Feuerstein, Bildh 
Prof. J. v. Kramer und Arch. Prof. Alb. Schmidt, sämt- 
lich in München. — 

Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Wittels- 
i-Denkmal in Eichstätt liefen 30 Arbeiten 
ein. Den I. Preis (Ausführung des Brunnen-Dcnk- 
males) errangen Karl Sattler für die Architektur und 
Irene Hildeb rand für die Plastik. Der II. Preis j roon M.l 
fiel dem Bildhauer Ulfert Janssen in Gemeinschaft mit 
dem Architekten Paul Thicrsch zu; der III Preis 1700 M l 
dem Bildhauer L. Kindler, der IV. Preis lioo M.) dem 
Bildhauer Prof. Ernst Pfeiffer, Preisrichter waren die 
Hrn. Prof. W. v. Rümann, Prof H. Wadere. Prof. H 
v. Schmidt, städt. Brt. II. Grassel. Prof. H v. Seit* 
Sämtliche Künstler wohnen in München. 



Brief- und Fragekasten. 

B. 13 In Koblenz. Ihre Au(fa**tine, das« der Bauherr die 
Matcriaticnbestellung durch den baulcitcnden Architekten «tets gut- 
heissen und gegen sich gelten lassen müsse, trifft nicht zu. Nur 
wenn der Bauherr den Bauleiter zur Bestellung der Materialien 
atuulracklich beauftragt hat. ist er zur Abnahme der tx-stcllten 
Ware verpflichtet. Anderenfalls steht es in seinem freien F.rnie»-.cn, 
das Liefergut abzulehnen oder anzunehmen. Ist es indes zur Ver- 
wendung ohne Auftrag bestellter Gegenstände (Trager) gekommen, 
so nauss der Bauherr solche bezahlen, weil in dem Dulden der 
Verwendung eine nachtragliche Genehmigung der Bestellung zu 
erblicken ist. — Die Rocksendung von Gründl issen, welche die 
verlangten und vorgenommenen Abänderungen nicht enthalten 
haben, wird mutmafilich das Gericht als eine grobe Fahrlässigkeit 
beurteilen, in welchem Falle es den KOckthtt de« Bauherrn vom 
Verdingungsvertragc for begründet erklären wird F.« i*t dies 
eine Frage tatsächlicher Natur, die die Richter nach freier Würdigung 
aller einschlagenden Tatumxtandc zu beantworten haben. Sie 
pflegen nun vorsatzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlungen sogen 
berechtigte Wunsche der Bauherrn fdr Verstoße gegen Treu und 
Glauben im Geschäftsverkehr zu erklären. K H-e. 

Hm. Arch. H. E. In Passau. Wir hüben schon mein fach 
erklärt, das« die Bezeichnung .Architekt' einstweilen irr Deutsch- 
land noch kein Schutztitel, sondern lccl:nlr, Ii eine St.mdcsbe- 
zeichnung ist. 

Inhalt: Villa Wrrrheimhci h 11..»,!,,.,- v d. Il-.i,. . Zar fixer der 
t'meesullun; Ort Tbc«len.|aur.| in Dn-deri. - tirr Wir. Ii rn.ifb.i'i de» 
Campamle von Ssn Marr«> ilort«* t/Ainr i. — \>>r tiiundn -t t \ . c*ni; der 
Stadt Bi-rliit. — Vriaiisclile-i. — l'iei-'icivirbun^iu. — llncl- u. 1 :;i_:ck;i-t'-H 

Hierzu eine Bildbeilage: Villa Werihcimber in Hornburg 

Vctlai; der Deutschen Baflzertunj;, G. m. b. lt.. Itcrlio. Kar die Redaktion 
verintworti. Albert Hotmann, Beil.». 0. ... k. y,_„. Willi, (irrvr, Brill,.. 



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B DEUTSCHE BAUZEITUNG 




XXXVIII. JAHRG. N2. . 4 . BERLIN, DEN 13. JAN. 19048 

Tim tu mxi&irimmmtih tix 

Der Brand des Iroquois- Theaters in Chicago und die notwendige Reform der modernen Bühne.*) 




Von Baurat Heinrich 

Iis rli-r Klüt der Telegramme ist immer noch kein 
völlig klares Bild der furchtbaren Katastrophe zu 
gewinnen, welche um die Jahreswende Chicago 
heimgesucht hat. Aber neben dem zuerst aufsteigenden 
Gefühl des Menschen zum Mensrhen ertonte sofort und 
ist auch hier wieder merkwürdig der Ruf: „Kreuziget Ilm!* 
Ist in Chicago aber nun wirklich ein Einzelner der Schuldige, 
oder hat hier der findige „ingeniöse" Amcrikanismus einen 
• Schlag erhalten, der der Gesamtheit sagt: es ist etwas 
faul? Es ist dort genau so, wie vor der'Ringthratcr-Kata- 
strophe inWien. Nach der Ka- 
tastrophe hat Jeder gut reden ! 

Schuld an den Katastrophen 
in Wien und Chicago tragen 
einfach die höchste Vernach- 
lässigung der Vorsichtsmaß- 
regeln des Betriebes und die 
Sorglosigkeit der Aufsicht» 
Behörden. Das war, ist und 
wird immer bei derartigen Ka- 
tastrophen so bleiben, «1 ic über- 
haupt bei allein, was in der Well 
schief geht. Die Katastrophen 
von Jena und Sedan, die Fi- 
nanz • Krachs, die wir erlebt, 
alles läßt sich auf die gleiche 
l rs.iche: auf Sorglosigkeit, ( ie- 
\vis~rnlosigkeitundVcrknochc- 
rung zurückführen. Daß je- 
der .Schutz" entsprechend ge- 
braucht werden niutJ, wenn er 
nützen soll, ist aber eine alle 
Lehre der Weltgeschichte. 

Stahl und Stein, Marmor und 
Mosaik haben die Bauherren 
und die Architekten des Iro- 
ciuois- Theaters nicht gespart. 
Es sollte der neueste, vornehm- 
ste und feuersicherste Theater- 
bau, wenn nicht der Welt, so 
doch Amerikas werden und über die 
ganze, erst am 33. Nov. 1903 der staunen- 
den Welt gezeigte I lerrlichkeit brauste 
dann das Entsetzen vom ablaufenden 
Dezember. 

Warum? Nach der Aussage des am 
Unglücksabcndc da.« Momtechebtlichl 
erzeugenden Beleuchters William Mo 
Müller bewirkte das t'ngltirk der ab- 
springende Funke einer Bühneneffekt- 
Bogenlampe, nicht der immer zunächst 
gesuchte Kurzschlull, dank der allen 
Lehren der Ringtheatcr-Katastrophc und 
der der Opera cotnique in Paris zum 
Trotz vorhanden gewesenen Nachlässig- 
keit und Kopflosigkeit. Hydranten und 
ein kaltblütiger Feuerwehrmann waren 
augenscheinlich nicht vorhanden, wohl 
»Der mit Chemikalien gefüllte Patcnt- 
I^schapparate.die versagten.wahrsrhein- 
lich, weil sje seit der Eröffnung des Thea- 
ters und vielleicht auch lange vorher ein 
beschauliches Leben geführt hatten. Nie- 
mand war auf der Bühne, dessen Auto- Rln tnMter ln Wien . Al(h . : ,, , öl . lcr 
rttai sofort entsprechend eingriff. Der 

leitende S chauspieler der Vorstellung kam halb angekleidet auch in Deutsehland Niemand 

") An raff kunc der Redaktion. Trolt IHAu i;. -. liMUicher 
Inan»|>'urhn>hnie hat Mi Itaural Hrnmrh Sreling »ich uo. h in anerkenn«»», 
werter Weiae beim erklärt, unterer Kille um Betiirechune der furcMbaten 
Kauauonhe von Chicago au» »einer reichen Erfahrung beraua ru raup 
eben. Wir «afen ihm auch an duner Stelle tar die«e Bereitwilligen 
unseren [iank. — 




See lin g in Berlin. 

aus seiner Garderobe gesprungen, lief, bereits blutend von 
herabfallenden Glasern der Soffitcn-Gluhlampen , vor die 
Rampe, um das Publikum zu beruhigen, dann erst kom- 
mandierte er den Vorhang herunter und der blieb in halber 
1 lohe stecken Ja, ist denn nach allem dem eine gröllere 
Mißwirtschaft zu denken? 

Weiter! Eine gewaltige Stichflamme brauste dann im 
Nu pfeifend durch den Zuschauerraum, Ober die Köpfe 
der Parkettbesucher zu den Besuchern der vorderen Reihen 
des ersten Randes und der Galerien, und versengle diese, 

wahrend die hinteren Reihen 
derGalerien auf abschüssigen 
Boden stürzten, ehe sie die 
vier vorderen Reihen erreich- 
ten. Also die Besucher der 
hinteren Bänke der Galeric 
mußten gegen die 4 vorderen 
Reihen, also gegen das Feuer 
gehen, um zu den Ausgangen 
ZU gelangen' Aus den sich 
widersprechenden Berichten 
kann man sieh noch kein Bild 
Ober die Art der Ausgänge 
desZuschauerhauses machen. 
Nur von den „Notausgängen* 
ist die Rede, von denen einer 
30 F'uß Über dem Pllaster 
endete. Es war keine Leiter 
vorhanden, die an der Oeft- 
nung zu Roden geführt hätte. 
I »er (iang davor war voll von 
Frauen, die von der Menge 
nach vorne gedrückt und 
über das Geländer auf das 
Pflaster geschleudert wurden. 
Bewohner eines benachbar- 
ten Hauses überbrückten 
schließlich die Lücke 
zwischen diesem Notaus- 
gang und ihrem Hause 
durch Laufbretter! Andere sollen, 
solche Außenlcitern benutzend, von den 
Nachfolgenden zertreten worden sein. 

Das Kennzeichnet die bauliche An- 
lage 1 Hort denn ...1 nicht alles auf - 
Derartige, aber dann gesichertere An- 
lagen schreibt unsere Baupolizei wohl 
bei den alten noch vorhandenen Rake- 
tenkisten vor, die den Namen „Theater" 
f Ohren; aber wer wagte es bei uns, 
eine derartige Neuanlage am Zu- 
schauerhaus vorzuschlagen oder gar 
zu gestatten' 

Das mir vorliegende, von den Er- 
bauern des Iro<)Ui us -Theaters ein paar 
Jahre früher errichtete Jllinois-Thcalcr 
in Chicago zeigt, eingequetscht zwi- 
schen Nachbarhäusern, neben seiner 
vornehmen Vorderfront an schmaler 
(lasse die Seitenfront des Zuschauer- 
haiiscs mit eisernen Rettungstreppen, 
wie wir sie als Notbehelfe an den 
alten Kasten in Deutschland nicht ohne 
Gruseln sehen. Das sind wohl noch 
Kettlingswege, aber hoffentlich hat 
lötig, eine rasende Menge 
hinter sich, sich auf solchem Wege zu retten. 

Es muß gesagt werden: alle ernste F'ürsorge, welche 
die österreichischen und deutschen, besonders die Wiener 
und die Berliner Ministerial- Vorschriften enthalten, in denen 
ja auch Einzelnes steht, was im Uebercifer und aufgrund 

31 




-■■■r 1=0=0=1 «"ITT«««. 



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eines längst veralteten Theaterbctrichc* vorgeschrieben ist, 
all' unsere deutsche, oft verspottete und oft gepriesene 
Gründlichkeit, die sich darin offenhart, ist an den Ameri- 
kanern, an den Englandern und zumteil auch an den 
Kriinzo-.cn spurlos vorübergegangen. 

Ja, feuersicher bauen auch sie, oft his zum Ueber- 
maß feuersicher! Aber die Sorglosigkeit der Anlage in- 
bezug auf Verteilung der Ausgange und der Treppen des 
Zuschauerhauses und für den Bühnenbctricb für den Kall 
einer Panik läßt nichts zu wünschen übrig. Was ist in 
Chicago an bezw. in dem'Theaterbau zu Grunde gegangen ? 
Die zum geringsten Teile angesengten, nieist er- 
stickten, mehr aber noch zertretenen oder herab- 
gestürzten Menschen! Sonst ist wenig zerstört und 
zumteil nur die innere Hinrichtung ausgebrannt. Die mit 
poliertem Granit, Marmor und reichen glasierten Terra- 
kotten hergestellte Kassade, die, wie gesagt, von Marmor und 
Goldmosaik strotzende Vestibül-Anlage usw. sind erhalten, 
nur die Bühne 
und der Zu- 
sehauer-Kaum 
sind teilsau 
brannt.teilsnur 
angesengt. l>er 
Hau soll 210000 
Pfund, also et- 
wa .1300000 M. 
gekostet haben 
und der bauli- 
che Schaden 
-oll mit einer 
Viertel-Million 
M durchaus zu 
erledigen sein! 
Also selbst die 
Eeuerver-iehr- 
nings - Gesell- 
schallen kön- 
nen. wenn uber- 
haupt,uichtsc!ir 
scharf in Mit- 
leidenschaft gc- 
zogen werden. 
Nur die armen Krauen 
ben ihr Ixben und 1 




Das Deutliche VolkMheater in Wien 

1 



und Kinder ha- 
hrc Kamillen in 
trostlosem Unglück lassen müssen, weil 
Leichtsinn und Geldmacherei zusammen 
im Hunde starker waren, als Pllichtge- 
fühl, Besonnenheit und faehmännMOW 
Kiiisicht. 

Ich bin der Letzte, der in phari- 
säischem Hochmut diesen Dingen gegen- 
über steht. Schließlich greift doch die ge- 
waltige Kaust des Schicksals dahin, wo 
man es am wenigsten für möglich ge- 
halten hat. Aber welcher deutsche oder 
österreichische Kollege von Ruf würde 
es wagen, einen Theater-Neubau so mit 
Außerachtlassung aller Erfahrung über 
die Notwendigkeit klar-ter Treppenan- 
lagen und Ausgänge mit „Nottreppen" 
und „Notausgängen" zu disponieren, 
auch wenn unsere baupolizeilichen Be- 
stimmungen nicht umfassend und vor- 
greifend getroffen wären. In welcher 
deutschen oder österreichischen Stadt 
wäre ein so großes Theater wie das in- 
fragc stehende mit einem Zuschauerhaus 
für 2000 Personen und einer dement- 
spreehenden Bühne mit so vorsflndflut- 
liehem .Sicherheitsbetrieb auf der Bühne 
möglich? Wo dürfte die Möglichkeit 
vorhanden sein, daß auf der Bühne .Gasbehälter" sich 
befinden, daß solche explodieren können, -o daß das I »ach 
abgehoben wird und daß die ausströmenden giftigen Gase 
das Publikum noch betäuben und mit vernichten hellen. 
Ich glaube versichern zu können: das gibt es bei uns 
nicht! Oder doch? 

Jedenfalls wird die fürchterliche Katastrophe einer 
Reihe von Bühneuvorständen und Aufsichtsbehörden ein 
Memento sein, den BühnenlK'tneh der ihnen unterstellten 
Theater und den dafür gebotenen Sieherheitsmaßregeln 
vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vor allem ist 
das gesamte Bühnenpersonal Arbeiter, Künstler, Feuer- 
wehr und sonstige Aufsichtsbeamte — in regelmäßigen 
Alarmübungen auf plötzlich eintretende Gefahr vorzubc- 
bereiten und so soll Jeder, bei drakonischen Strafen gegen- 
über Pllii •htvernaehiässigung. üben, was er zu tun oder 
zu lassen hat und wie er sich schließlich rettet. 




In einem auf Ersuchen der Redaktion zur Beruhigung 
des großen Publikums in No. ;t des „ Tag" veröffentlichten 
Artikel, dessen Folgerungen kaum durch das inzwischen 
weiter eingegangene Depeschenmalcrial berührt werden, 
betonte ich als I lauptgefahr das plötzliche Eindringen von 
frischer Luft zum kleinsten Brandherd durch unzeitiges 
oder unverstandenes Aufreißen von Ausgangstüren oder 
Toren der Bühne; hier liegen Alpha und Omega der 
Katastrophe sowohl in Wien, beim Kingtheaterhrand, wie 
jetzt in Chicago. l>ie später aus Chicago eingetroffenen 
Nachrichten, welche umgekehrt die Zugluft von den Türen 
des Zuschaucrhaiises zur Bühne annehmen, widersprechen 
der Tatsache, daß die Klammen plötzlich zischend und 
brausend wie ein Blitz unter dem halbgeöffneten Asbest- 
Vorhang hervor bis zur gegenüberliegenden Brüstung des 
I. und II. Ranges gepeitscht wurden. Das konnte nur der 
Druck von hinten, also entweder dort geöffnete Türen 
oder der gewaltige Druck der Gasexplosion hervorbringen. 

In Wien ver- 
schuldete das 
ganze l'nheil 
die Oeffnung 
dcsiniRücken 
derBühne an- 
gelegten Tores 
für große Vcr- 
satzstückeusw. 
An eine solche 
Stelle gehört 
im A ilgenblick 
derGefahrein 
an Gefahr ge- 
wöhnter, kalt- 
blütiger Feu- 
erwehrmann, 
der einfach 
unbesonnene, 
zur wilden u. 
unfolgsamen 
Bestie gewor- 
dene Mensch- 
en rücksichts- 
los über den 
schwere Vernnt- 
Seele neh- 



Anlulektcii: Kellner ,V llclmcr in Wien, 



Haufen schießt Die 
w.irtuug kann Jeder auf seint 
men, der weiß, daßerdadurch I hinderten 
das Leben retten kann Es wird aber 
gar nicht so weit kommen, wenn min- 
destens einmal im Monat Alarm geübt 
wird und im übrigen alle Oeffnungen 
und Ausgänge so angelegt sind, daß 
Jeder weiß: sobald Du eine der in 
Buhnenhöhe befindlichen Türen hinler 
Dir hast - ich rechne 6 Türen für das 
Personal, außer den Türen zum Trans- 

rort der Dekorationen kann hinter 
)ir die Hölle los sein, Qualm und Feuer 
können I >ir nichts niehr anhaben — wenn 
Du einen der Dir und allen miteinander 
gewohnten Wege gellst. 

In Berlin und in anderen großen 
Städten Deutschlands mochte ich keinem 
der Feuerwehrleute raten (sie tuns gar 
nicht! so durchdrungen sind sie von 
ihrer Verantwortlichkeit I den Posten am 
Vorhang, auf der Galerie, an einem der 
Hydranten usw. zu verlassen, ohne die 
ihnen zugeteilte Funktion erfüllt zu haben. 
Ob es auch in den kleineren Städten 
bisher immer so scharf genommen wurde 
oder ob Zeit zu einem Glase Bier war: 
ich denke, der jetzige fürchterliche An- 
die es angeht, zum Bewußtsein bringen, 

mit wie 

wenig Organisation un<l Entschlossenheit bei un- 
beugsamer Disziplin auch einer großen Gefahr 
begegnet werden kann. 

Alle Buhnen-Vorstande wissen, wie selbst in den alten 
ausgedörrten, voll Hanf und Lattenwerk steckenden Rar 
ketenkasten durch raschcscncrgischcsZufasscn, aberohne 
Luftzug, in wiederholten Fallen ein Brand verhindert 
wurde. Die Frage bei den alten Theatern müßte eigentlich 
lauten: Wie kommt es, daß sich nicht jeden Abend bei 
diesem Wust von /usammengehäuftem Staub, Hanf, Latten- 

werk und hunderten von offenenCanflammen etwas ereignet? 

und nicht: Wie kommt es, daß es soviclTheaterbrände gibt! 
Sie sind unfehlbar verschwindend gering gegen- 
über der Aufhäufung täglicher Gefahr, und so 
wird der Mensch der Gefahr gegenüber sorglos. 

No. 4 

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laß wird allen 

1 was auf dem Spiele steht und andererseits 3 



Nun haben wir es ja so herrlich weit gcbrarht mit unse- 
ren über und Ober .feuersicheren* Konstruktionen. Viele 
Klauben das Wort .Holz- gar nicht mehr aufrechen zu 
dürfen, wenn es sich um Konstruktion handelt und dann 
kommt der dümmste Zufall, und wirft da- ganze patentierte 
Amerikanertum und alle modernen Errungenschaften über 
den Haufen, weil kopflose und leichtsinnige Menschen 
ihre Pflicht nicht kannten, nicht ausübten und ihre Organe 
nicht schulten. — 

Es «ei mir nun gestattet, die Nutzanwendung der vor- 
stehenden Erörterungen an einigen Beispielen zu zeigen. 
Ich benutze dazu die in meinem Kapitel Uber das moderne 
Theater in der „Baukundc des Architekten", Hand II, Teil 3 
veröffentlichten Abbildungen moderner deutscher, franzö- 
sischer, englischer und amerikanischer Theater. 

Das Ringtheater in Wien (S. ai) zeigt im Grundriß 
das l'nglücksior im Klicken der Bühne, die eingeklemmten, 
ohne Tageslicht angelegten Umgänge und die vcrschlwiaen 

gewe.enen, 
ehrnfallsvon 
den Fronten 

abgeschlos- 
scnenNcbcn- 
treppen. Das 
De u t s c h e 
Volksthea- 
ter i n Wien 
von T el I iic iw 
Urinier zeigt 
dagegen das 
modemeEm- 
pfinden: die 

seitlichen 
Ausgitngedes 
Parkett mi 

unmittelbar! 
auf die Stras- 
se fuhrendrn 
seitlichen Ve- 
stibülen, und 
die Umgänge 
und Treppen 
mit Tages- 
licht (S. 32t. 

Welch ein Unterschied für 
sehende Augen, wenn man die 
neiden Grundrisse vergleicht! 

I)er Längsschnitt und der 
Grundriß des von mir erbauten, 
im vorigen Jahre eröffneten 
Städtischen Schauspiel- 
hauses zu Frankfurt a. M. 
als Beispiel eines neueren deut- 
schen Theaters zeigen ebenfalls 
Treppen und l'mgängc frei an 
der Straße; das große Foyer 
mit seinen hohen renstern und 
dem vorgelegten Altan gewahrt 
an sich schon angstlichen (ie- 
miitern Zuflucht. Im Ungsschnitt 
sieht man ferner über der .über- 
wölbten" Bühne den feuersicher 
ummantelten Kauchschlot, der 
durch die feststehenden Jalousie- 
Ocffnungen der I^trrnc der 
Buhne unmittelbar ins Freie mün- 
det E-i-t also dort gegenüberder 
Hohe des Zuschauerraumes s ■ • 1 ■ 
etwa 15 " ein etwa )o'" hoher 
Ausbrennsehlot von rd. 20'l m 
Querschnitt gebildet, der nach 
Fallen der Kauehklap[K' aU ue- 
waltigcrSaugcrallesan sieh reißt, 
bis die sich entwickelnden Span- 
nungen die Glasscheiben der un- 
ter dem Schnürboden liegenden 
Tageslichl 
ieGase a 

Zuschauerraum wird in Preussen noch ein besonderer Rj 



abzug verlangt, l'cber den zweischneidigen Wert dieses 
Saugers sind die Meinungen geteilt. I lier abziehende Rauch- 
gase sollen durch die festen Jalousien des Dachaufsalzes 
zwischen den mittleren 4 Dachbindern über dem Zuschauer- 
hause entweichen. Nur bei diesem Theater habe ich auf 
zwingenden Wunsch de- Bauherrn seitliche Parkettlogen 



Das Stadttheater In 
Frankfurt a. M. 

Architekt: Brt. Heinr. 
Secling in Berlin. 





der BohneTageslicht gebenden Fenster zum Zerplatzen brir 
gen und die Gase auch seitlich entweichen. Auch für den 



angeordnet, sonst führe ich stets möglichst in Zonen von 
4 bis 5 Reihen nach dem Prinzip von Bayreuth das Parkctl- 
puhlikum seitlich auf die Umgänge. — " (SchUO Mjt.i 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Verein für Eisenbahnkunde. In der November-Sitzung 
1903 unter Vors de« Min -Dir. Schroetter hielt Hr. Keg.- 
Bmstr. Pforr einen Vortrag über die belgischen Klein- 
hahnen. Diese seien fast ausschließlich von einer ein- 
zigen Gesellschaft, der „Societc nationale des chemins de 
fer vicinaux", gebaut worden und zeichneten sich durch 

13 Januar 1904 



eine besonders gute Entwicklung aus. Nicht nur, daß ihre 
Lange verhältnismäßig großer sei als hei uns, sie lieferten 
auch bessere Ertragnisse. Wahrend unsere Kleinbahnen 
im Durchschnitt ihr Anlagekapital mit 1,7% verzinsten, 
betrüge die Verzinsung bei den belgischen Kleinbahnen 
3.25 0 o- Das Geld zu ihrem Bau werde von den Gemein- 
den und den l'rovinzial- und Staatsbehörden aufgebracht, 
Privatunternehmer seien dabei nicht beteiligt. Bei uns 

23 



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dagegen hätten bis jetzt die Privatunternehmer etwa die 
Jl.llfte des Geldes beschaffen müssen. Man verlange in 
Belgien aber nicht, daü die Gemeinden ihren Anteil baar 
bezahlen, sondern gestatte. daU sie ihn innerhalb einer 
Frist von 93 Jahren allmählich tilgten. Da* Batigeld werde 
durch -Schuldverschreibungen beschafft und durchweg mit 
3"/,, verzinst Man hoffe, daü die Hahnen einen neuen 
Aufschwung durch die Kiuführung des elektrischen Be- 
triebe* mit Wechselstrom 'Motoren nehmen werden. — 

Hierauf sprach Hr. Geh. Rey.-Rat Prof. Dr. Keuleaux 
unter Vorführung zahlreicher Karten und Zeichnungen 
über die grolien „Brücken Uber den F.a*lriver* vor 
New- York zurVerbindutig der Manhattan-Insel mit Brooklyn. 
Zunächst gedachte der Kedncr drr bekannten, in den sieb- 
ziger Jahren von dem Deutschen Rohling erbauten Brook- 
Ivner Hängebrücke, die mit eitler Spannweite von 518 m 
den Mccrcsamt übersetzt. Vor zwei Jahren habe man 
dann mit dem Bau einer zweiten, der „\Villiaiii>burg-ßrücke" 
begonnen. Ihr Tragwerk bestehe wesentlich aus 4 Draht- 
seilen, deren jedes nahe an 7700 StahldrAhtc von .,,8 """ 
Durchmesser enthalte. Das hölzerne Baugerüst dieser 
Brücke sei vor etwa Jahresfrist durch Feuer zerstört 
worden, wobei auch Teile der Kabel ausgeglüht und da- 
durch unbrauchbar geworden seien. Jetzt schreite der 
Bau nach Ausbesserung der Schäden rüstig vorwärts. 
Sodann sei die Ausführung zweier weiterer Brücken in 
Angriff genommen, Ober die der Vortragende dein New- 
Yorkcr Oberkoinmissar für Brücken, Hrn. I.iudenthal, 
nähere Mitteilungen verdankt Ks sind dies die „Manhattan- 
Brücke", eine Kettenbrücke von .( |8, | "' Spannweite der 
Hauptöffnung, riesigen stählernen Kcitenlürinen und ge- 
mauerten Ankerpfeilrni, und die „Blackwellinsel-Brücke", 
die diese Insel zur ('cbcrschrciumg des Kastriver benutzt 
und ein Tragwerk von sogenannten Frei- oder Ausleger- 
trägern erhalten soll. Jede der genannten vier Brucken trägt 
neben einer Fahrbahn dir Fuhrwerke und breiten FuÜ- 
wegen noch 4 8 Bahngleisc, die meist in zwei Stock- 
werken übereinander ungeordnet sind. Auf ihnen wird 
nach Vollendung der Bauwerke, die 1906 erwartet wird, 
ein ungeheurer Verkehr ermöglicht werden. Hervorge- 
hoben wurde, dal] der Baustoff der Brücken, cinsehlicUlich 
desjenigen für die Drähte der Willianisburg-Brucke, Nickel- 
stabl von hohen FeMigkeils Kigenschaften sein werde. - 



Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Knaben- und Madchenschule in Waldenburg. 

Aufgrund unserer Bemerkung in No. 98, Jahrg. 1903, er- 
halten wir von dein Preisrichter Hrn. Geh. Brt. Stübben in 
Köln die Mitteilung, dali der Magistrat der Stadt vier der 
nicht fachmännisch gebildeten Beisitzer des Preisgerichtes 
zurückzuziehen beabsichtigt, sodaü in diesem dann die 
Fachleute in der Mehrheit sein werden, wie das den 
„Verbands-GrundsAtzcn" entspricht. Zweifelhaft ist jedoch 
im Programm noch die Stelle, nach welcher die Preise 
nur zur Verteilung kommen, falls „entsprechende" 
Kntwürfe eingehen. Wir setzen voraus, dali dieser Aus- 
druck gleichbedeutend sein soll mit „programmgemäße " 
Kntwürfe. Kine haldige Krkläning des Magistrates auch 
hierüber dürfte sich im Interesse der Beteiligung an dem 
Wettbewerbe empfehlen. — 

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen 
Saal- und Theaterbau in Glessen wird durch die Stadt er- 
laben werden. Für den Bau ist das Gelände von .Schülers 
Garten" in Aussicht genommen und eine HaiiMiinmc von 
etwa 750000 M. angenommen -- 

Wettbewerb Volkwchulgebäude Schwabach. Der mit 
dem II. Preist- gekrönte Knlwurf de- Ihn Otto Schnartz 
in München wurde zur Ausführung gewählt Die Kim 
summe beträgt 252000 M 

In dem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe ftlr die 
Universltatsbauten in Jena erhielt den I. Preis Hr Prof 
Theod. Fischer in Stuttgart; den II. Preis Hr. Prof Karl 
Hochcder in München und den III. Preis die Uro Arch. 
G. Weidenbach und Tschammer in Leipzig. 



Personal-Nachrichten. 

Preussen. Drni La:'ilc>bauinsp. Hit H17SC in Siegburg ist 
der Role Adler Onlm IV. Kl verliehe». 

Die Erlaubnis zur Aiiiuihme und Anlegung der Minen verlieh. 
nichtpreuU. Oidcn ist erteilt um) zw - dem Geh llrt. Richard 
in Magdeburg des Ritterkreuzes I. Kl. des Kgl. s*chs, Albrcchts- 
ordens mit der Krnnr; dein Eisenb-Bau- und lictr-lnsp. Brosche 
in Erfurt des Kutcrkieuzcs I Kl. desselben Ordens; dem Geh Brt. 
Alken in Hannuvci des Lhrcnkrcuzcs II Kl. des Fllrstl. lippischcu 
Huusoidrns, dem Kin-nb -Hau- u, Ucti. Iiis|i. Fulda in I.ngc de* 
Ehre iikrcuzc* IV. Kl dc»s< Iben Or tcus; dem Reg.. 11. Brt Tornow 
in Met/ des Ehienkrtiizrs <ie> lies». Verdienstorden« Philipps des 
Gl oile.iiltigcn , dem Ren ■ u Brt. H a u e r in Saalfeld de« Fflrstl, schwarz - 
burg F.lircnkreuze« III. Kl.; dem Ob -Brt Schneider in Mainz des 

24 



russ. St. Stanislaus-Ordens II. Kl. ; dem Eiscnb-Bau- u. Betr.-Insp. 
Denicke in Hannover des Uroüherrl. lürk. Ojiuanic.. Orden* III. Kl. 

Ernannt sind: Der Landbauinsp Brt Scbultze in Berlin und 
der Kr -Rauinsp Brt. v. Busse in Bromberg z. Reg.- u. Brtn. — 
Der Brt R Cramer und der Geh Ob -Postrat Hake in Berlin ra 
«rdentl. Mitgl und der Geh Admir.-Rat Franzius io Kiel, der 
Ob Raudir. Rehder in Lübeck, der Dir. der Bauabt. der Gen Dir. 
der württemb Staatseiscnb. v. Fuchs in Stuttgart, der Reg -Bmstr. 
Prüf. Solf in Berlin zu aulierord Mitgl. der Akademie de» Bau- 
wesen». Der Geh Brt S e Ii o 1 k m a n n in Berlin z. Mitgl. de« 
Kgl. Teehn OberprQfuugsamtes. 

Der Reg -Unisir G<. Braun ist der Kgl. Verwaltg, der mark. 
Wasscrstrassen in Potsdam zur Beschäftigung überwiesen. 

Die Reg -Bfhr. Kel Krüger aus Desiau und Wilh Biel aus 
Gandersheim (Hochbfch ), — Otto Grassdorf u. Fr. F.ifflaender 
aus Hannover (Eiscnbfch ), — Karl Cramer aus Hameln, Ollo 
von der Mahlen aus Dusseldorf und Ad. Schulte aus Neuss 
(Masch -ßfeh ) sind zn Reg -Untslrn. ernannt. 

Der Fa« -Halt- u. Betr.-Insp Anthes in Kreumaeh ist gestorben. 

Sachsen. F.mannt sind: Die Masch -lnsp. Schmidt in Dresden 
zum Vorst, der Werkst-Insp Ixipzig 1, Hultsch zum Vorst, der 
Wagenabt. bei der Werk»! -lnsp, Dresden und der Reg.-Bmstr. 
Götze in Döbeln II z. Rauinsp. 

Versetzt sind : Die Brie. H e r k e 1 in Chemnitz nach Dresden- 
Fr. und C u n r a d 1 in Zwickau nach Chemnitz II ; die Bauinsp. 
S Unnenberg in Groitzsch zur Retr.-Dir. Leipzig 1, F ritische 
in Bürgst lld' zum Bi Qckcnbaubflr. und Schindler in Mügeln zum 
Baubur. Buchholz ; dcrTelcgr.-lnsp. Besse r zur Telegr -ln«p Leipzig, 
die Reg -Bmstr H errma n ti in Leipzig zum Werkst -Rur, Ri et *ch icr 
in Dobeln zum Baubur Zwickau II, Wägler in Leipzig zum F.lektro- 
tcclin Bflr unil Scbcllenbcrg in Zwickau zur Hauinsp I das. 

Die Reg -Bfhr Ehrlich beim Baubür Bühlati, Knofel bei der 
linuiosp Dresden A , Lehmann beim Baubür. Radibor, GQnschcl 
bei «tcr Hauinsp Ellersbach, Rudolph beim BaubQr. F'rohberg, 
Gei>isler bei Baubür Leipzig, Farber undWcntzcl beim Elcktro- 
tectin Bür. und Ncchutnys beim Wcrkst.-Bor. sind zu auÜcretatiD 
Reg -Bmstrn. ernannt. 

Die Reg. -Hfl». Grube und Arnold bei der Baulcitg de» 
Minister -Geb iu Druden N und Mittelbarh beim Neubau der 
Kunstgtw -Schule iu Dresden sind zu Reg-Bmstrn. bei der staatl. 
Huclibzu-Vciwaltg. ernannt. 

Die Wahl des Geh Hof'ats, Prof Dr. Gurlitt zum Rektor 
der Terlin Hochschule in Dresden ist bestätigt wurden. 

Der Reg.-Bmstr. Fickcrt ist in den Ruhestand getreten. — 



Brief- und Fragekasten. 

Hrn. M. S. in Frankfurt a. M. Zu Zwischendecken für 
Krankenhäuser haben sie» die mosten Systeme massiver Decken 
durchaus bewahrt; wir möchten kein bestimmtes System heraus- 
greifen. Die Literatur gibt darüber erschöpfenden Auf'scliluf) Lieber 
die Verminderung der Hcllliorigkeit massiver Decken bei Verwen- 
dung von Linoleum wird Ihm n die Firma, von welcher Sie das 
Linoleum beziehen, gute KatsehUge geben. Eine einigermaßen 
zuvei la%»ige Isolierung gegen Schallfortpflanzung erreichen Sie 
jedoch nur, wenn Sie bereits die eisernen Trager bei ihrem Auf- 
lager in der Mauer durch entsprechende Unterlagen isolieren. Zur 
Anwei dung einer Lchmschicht mit darüber aufgebrachter Beton- 
schicht taten wie nichL — 

Hrn. Arch. H. M. in Münster I. Weslf. Ihr Fall und dic- 
daraus hervoi gegangene gc&i liafthch: Schädigung sind ja bedauer- 
lich, aber Sie werden dagegen kaum etwa« tun kflniien Sic bc 
ucLteii selbst, duss ihnen die betr. Stelle die von Ihnen eingelieferte 
Eutwuif «skizze honoriert habe. Damit erwaib sie Anteil un dem 
gcis1igcn Eigentum derselben und du» Recht, den in dem Entwurf 
enthaltenen Gedanken einem anderen Architekten zur Beachtung 
zu empfehlen In der Tat zeigt der auigelnhrte Bau die GrundzOge 
Ihre* Entwurfes, aber doch auch nur diese, wahrend die Einzel- 
heiten der Ausführung wesentlich von Ihicm Entwurf abweichen. 
Gleichwohl liegt die haehe su, dass es wohl eine Pflicht der betr. 
Stelle gewesen wäre, bei den Einweihung«- Feierlichkeiten zu er- 
wähnen, daü der Giuiidgcdankcder Ausfuhrungvon ihnen her 1 Ohrt — 

Hrn. J. E. In Karlsruhe. Es ist eine alte Ei fahrung, daB 
der Rcgcrischlag bei Gcblludcn in hoher und freier Lage selbst die 
dicksten Xljuotu durchdringt und die Innenflachen der Kaum« naüU 
Line durchgreifende Abhilfe ist hier nur von auflen zu schallen 
und zwar am diuu rlulicstcn duicfi eine Vi-rschuidclung, die ja im 
S. I1w.11 rw.vilc nicht all/u teuer werih-n itilrfle. Alle Maßregeln, 
die im Inneren voigeiiomiiien weiden, Asphaltierung oder Anwendung 
eines sngen. Vei biiHluiigskiltes, versprechen keine Dauer, wed duicti 
die eindringende Nilsse immer wieder eine Lockerung de« Verputzes 
stattfindet. Wollen Sic deniuaeh eine gründliche Abhilfe, so müssen 
Sie dieselbe am Aculleren treffen Ist die Fliehe verputzt, ao ver- 
spinnt schon ein vieiruahgei zilier Ocifarbenanstrich einige Dauer. — 

Hrn. H. H. in Renninghausen. Wir haben wiedeiholcntlich 
darauf aufmerksam gemacht, dass der Meistertitel in Verbindung 
mit einem besummten Bauhamiwerk nur durch ein Examen vor 
der Innung erworben werden kann, und dass auch nur dieses 
Examen zur Annahme und Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. 
Sie dürfen sich zwar Unternehmer oder auch Baugewerksmeister, 
nicht aber Maurermeister nennen. — 

Hrn. Landbmstr. C. R. In G. Wenn Linoleum auf massiven 
l>ccken so soigfahig verlegt ist, wie es die Fabriken vorschreiben, 
»o ist unter allen Umstunden auch bei Schulen mit einet vicljahngen 
Dauer des Belages mit aller Zuversicht zu rechnen Es bedarf 
daher wohl kaum der Nennung einzelner einschlägiger Schulbao len — 

Inhalt: IVe UuuU de«. lro<jiio,>-Tlu .hi-ih in t-lmazo und dir not- 
wr-vli/r K»'(o-m <ler iimm!, nu n llfllirie. — Mittriluiicen aus Vereinen. — 
Prrjhl.rw'eituiriei 11. — I'erv>ii*l-Niu hu. Uten. - Knet- und KiagekuMrn. 

Verlag •!it Unlw Vn ISauzellun;, <".. m. h It., Herlin. FOr die Redaktion 
verantwonJ. Albert Hu Im Jim, Hertin Oiui-k von Willi Greve, Berlin. 

No. 4. 

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ALZENWF.HR VON HO". WEITE IM HAUPTARME DES MAINS HEI 
SCHWEINFURT * ENTWURF UND AUSFÜHRUNG * VEREINIGTE 
MASCHINENFABRIK AUGSBURG U. MASCH IN EN BAU -GES. NÜRN- 
BERG A.G. (ZWEIGAN STA LT GUSTAVSBURG BEI MAINZ) * WALZE 
IN HÖCHSTER STELLUNG * AUFLAGER MIT UND OHNE ANTRIEB 
| = DEUTSC H E BAUZEITUNG XXXVIII. JAHRGANG 1001 * N° 0 = 



DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 5. BERLIN, DEN 16. JAN. 1904 



Das Walzenwehr im Hauptarm des Mains zu Schweinfurt. 

Von Reg.-Bn»tr. Carslanjen, stcflvertr. Direktor der Brückenbau-Anstalt Gustavsburg bei Mainz. 

(Hirrfll finr ;: I !' ■ i! i.. timl dir AlililWIilitgrn Mut Srilr jti und 301 

urch dir Bruckenbau-Anstalt der Walzen verschlösse bereits aus einer Beschreibung 

Gustavsburg bei Mainz, Zwerg- des Schweinfurter Grundablasscs auf S. 645 u. (f. Jahrg. 

an -t.il; dei Vereinigten Ma- 1902 bekannt. Ks war dies die erste nach der neuen 

sebinenfabrik Augsburg und Bauweise ausgeführte Anlage. Sie war im Frühjahr 

Maschinenbau • Gesellschaft 1902 in Betrieb genommen worden, und ihre Wirkungs- 

NOrnberg A.-G , wurde in den weise ist von Anfang an eine so durchaus zufrieden- 

.1.- Jahres 1903 stellende gewesen .ihre große Einfachheit schien so sehr 

: siüiuli des gruben eine vollkommene Betriebssicherheit zu gewährleisten, 

Wellies im Hauptarm des Mains dal! die bauleitenile Behörde, das Königl. Stralien- 

zu Schweinfurt fertig gestellt. Den Lesern der „Deut- und FluÜbauamt Schweinfurt, sich in dankens- 

schen Bauzeitung" sind die Anordnung und «las Wesen wertester Weise entschloß, jenem ei sten Versuch eine 

I 5 il 





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zweite Anwendung an dem großen Wehr im Hauptarm aus ihrem Gewicht und dem Wasserdruck sieh niemals 

des Flusses folgen zu lassen. (Der Lageplan Abbildg. 2 Ober diesen Stutzpunkt erheben kann F.s wird also 

laßtdieGesamt-AnordnungdcrbcidenVVehreerkennen) dadurch die Standsicherheit gegen den Wasserdruck 

Diese neue Anlage*) sei nachfolgend in ihren wichtig- erhöht und es werden alle Einrichtungen entbehrlich 

sten Punkten besprochen, wobei die Abbildgn. 1—6 gemacht, welche bei dem Grundablaß noch nötig 

sowie die Bildbeilage als Erläuterung dienen mögen, waren, um den Verschlußkörper bei höheren Wasscr- 

Es wird ferner auf die eben angezogene frühere Ver- ständen in seine tiefste Stellung herabzuziehen und 



offentlichung verwiesen. 

Das den ganzen H 
schließende Wehr setzt 



luptschlauch des Flusses ab- 
wich aus einem festen Ueber- 
fallrückcn und einem beweglichen Aufsatz zusammen. 
Die Lirhtweitc beträgt 35 m ; durch den beweglichen 
Teil wird ein Stau von 2 m Ober dem festen Rücken 
hergestellt. Durch die Wehröffnung haben die im 
oberen Main fast alljährlich auftretenden, vielfach 
schweren Eisgänge ihren Weg zu nehmen, weshalb 
in derselben nach den Entwurfsbedingungen keinerlei 
Pfeiler oder Zwischenstützen zugelassen waren. Selbst 



in derselben festzuhalten: so die Seilführungsrolle im 
Oberwasser, welche bei der älteren Anlage die Aus- 
übung eines Zuges von der Oberwasserseite her auf 
den Wehl körper gestattet; so die Sperrklinke, durch 
welche dort unter Entlastung des Seiles der Körper 
in seiner tiefsten Stellung festgehalten wird ; so endlich 

Rewisse Einrichtungen des Windewerkes, welche ein 
lachspannen des endlosen Seiles gestatten. Anstelle 
dieser sämtlichen Einrichtungen tritt hier das mit dem 
einen Ende um die Walze, mit dem anderen um die 
Windewcrkstrommel gewickelte Seil: die Anordnung 



bewegliche Stander, die vollständig aus der Oeffnung ist also außerordenüich vereinfacht. Genauer ge- 
hatten entfernt werden können, wurden nicht ge- sprochen befinden sich an einem und demselben 
stattet, weil auch sie immerhin zur Sicherung ihrer Walzenende — und zwar am linken Ufer — zwei der- 
Fußenden gewisser Einrichtungen, Vorsprünge, Schuhe artige Seile neben einander, von denen jedes einzelne 
oder dergl. auf dem festen Wehrrücken bedurft hätten, stark genug ist, um den ganzen erforderlichen Zug 



aufzunehmen, so daß sich beide gegenseitig als Re- 
serven dienen. 

Auf das rechtsseitige Walzenende wird und 
damit geschehe der zweiten wesentlichen Verbesserung 



welche der Beschädigung oder Zerstörung durch das 
Eis ausgesetzt gewesen wären. 

Die Aufgabe hätte, wenn man sich auf die An- 
wendung bisher gebräuchlicher Mittel hätte beschrän- 
ken wollen, allenfalls durch Anordnung 
eines großen Rollschützes gelöst werden 
können. Statt dessen bildete man auf den 
Vorschlag der Brückenbauanstalt Gustavs- 
burg den Verschluß als eine einzige Rolle 
so aus, daß sie gewissermaßen die Ver- 
richtungen der wasserabsperrenden Schütz- 
tafel und der ihre Bewegungswiderständc 
in den Nuten mildernden Wälzungsröllchcn 
in sich vereinigt: also eine Verminderung 
der bewegten Teile auf die Einzahl und eine 
Rückkehr zu größtmöglicher Einfachheit! 

Zugleich wird aber auch an Betriebs- 
sicherheit gewonnen. Denn wenn z.B. die 
Nut eines Schützes vereist ist und dadurch 
die Schütztafel ungangbar wird, so steht 
zu deren Befreiung lediglich eine Kraft 
zur Verfügung, welche in der Tafelebene 
selbst angreift d. h. da, wo auch die Wider- 
stände wirken, so daß sie mindestens 
ebenso groß sein muß, wie die letzteren. 

Viel günstiger ist dagegen die Wirkungsweise des Erwähnung überhaupt kein Antrieb ausgeübt l>ie- 
Zuges, durch welchen die etwa an die Wehrschwelle ses nicht angetriebene Ende wird gleich dem anderen 
oder tlie Laufbahnen angefrorene Walze losgerissen durch eine Verzahnung geführt, und überdies durch 

eine Gall'sche Kette festgehalten, welch«? neben der 
Laufbahn liegt und sich bei Bewegung der Walze in 
umgekehrtem Sinne um diese wickelt wie die Aufzug- 
seile. Die Walze würde an den letzteren einerseits 
und an der GaH'sehen Kette anderseits in jeder 
Höhenlage hängen bleiben, selbst wenn einmal infolge 
eines zufälligen Zusammentreffens verschiedener un- 
günstiger Umstände an ihren beiden Enden gleich- 
zeitig die Verzahnungen außer Eingriff gekommen 
sein sollten. Der einseitige Antrieb verleiht eine sehr 
sichere Beherrschung aller Bewegungen. 

Das Kopfbild, Abbildg. 1, sowie die beiden Ab- 
bildungen auf der Bildbeilage zeigen den Verschluß 
bei trockenem Wehrrücken in tiefster und höchster 




Ugeplan der Wehranlagen bei Schweinflirt. 



denn der Zug wird hier mittels der Drahtseile 
am Walzenumfang, also an einem großen Hebelarm aus- 
geübt, so daß seine Größe nur gleich einem Bruchteil 
von der Größe der Widerstände zu sein braucht! 

Es ist kaum nötig hervorzuheben, von welch' 
wesentlicher Bedeutung dieser Umstand für eine An- 
lage ist, welche zugleich der Ausnutzung einer Wasser- 
kraft dienen soll. Denn wahrend andere bewegliche 
Wehre in der Regel beim Einsetzen des Frostwetters 
sogleich geöffnet werden müssen, darf das Walzen- 
wehr — und in Schweinfurt hat die ausführende Firma 
diese Möglichkeit vertraglieh gewährleisten müssen — 
bis wenige Stunden vor dem zu erwartenden Eisgang 
geschlossen bleiben, um nach erfolgtem Abgang des 

Eises alsbald aufs Neue geschlossen zu werden, so Stellung kurze Zeit vor der gänzlichen Vollendung, 
daß sich die Zeitdauer der Aufhebung des Staues auf als die Bewegungen zum ersten Mal erprobt wurden. 



ein ganz geringes Maß beschränkt. 

Hinsichtlich der Durchbildung der Einzelheiten 
weist tlas neue Wehr der älteren Anlage gegenüber 
wesentliche Fortschritte auf. Vor allem wurden große 
Vereinfachungen dadurch erzielt, daß man tlie in ihrem 
oberen Teil unter 4s" geneigten Laufbahnen nach 
unten bis zu einer Neigung von 0,25 gegen das Lot 
abbog. Infolge dessen rückt der Punkt, in welchem 
sich die Walze in ihrer Schlußstellung gegen die 
Bahn stützt, so weit in die Höhe, daß die Mittelkraft 

•) Vrrgl »urh Zeitschrift et. n.terrcich. Ing.- u. Aren -Verein», 
Jihrg 1903 No. 50 vom 11. IVz. 



Die letzteren gingen ohne Anstand vor sich. Sic er- 
folgen einstweilen von Hand, während später ein 
Elektromotor eingebaut werden soll. Die Hebung des 
88 ! schweren Körpers wird durch 8 Mann, welche an 
4 Handkurbeln arbeiten, in 2* , 3 Stunden bewirkt, 
währeml die Senkung, wenn nötig, mit voller Sieher- 
heit durch einen einzigen Mann ausgeführt werden kann. 

Inzwischen ist das Oberwasser in die Baugrube 
eingelassen und durch den Wehrkörper ein Stau her- 
gestellt worden, so daß auch die Dichtung beobachtet 
werden konnte. Die Sohlendichtung, welche durch 
die unmittelbare Pressung dcs^Eiscns der Walze auf 

No 5. 



uoyi 



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eine bündig in den Wehrrücken eingelassene Holz- 
schwelle erzielt wird, ist eine fast vollständige: nur 
an wenigen Stellen klaffen noch Fugen, die aber 
nirgends weiter als 1,5 mm sind und durch die ent- 
sprechend wenig Wasser rieselt. Durch weitere 
Nacharbeiten an der Wehrschwelle wird sich dieser 
geringfügige Verlust noch vermindern lassen. Die 
Seitendichtung wird durch eine 60 mm starke Zwischen- 
läge 180 mm breiter geteerter Hanfgurte zwischen «lein 
Eisen und dem Nisehenmauerwerk bewerkstelligt und 
sie darf als vollkommen bezeichnet werden, weil hier 
höchstens ein Durchschwitzen des Wassers bemerk- 
bar ist. Die Kosten der ganzen VcrschluU -Vorrichtung 
einschließlich des Windewerkes, der Laufbahnen, 
Führungen und Dichtungen, aber ohne das Mauerwerk, 



belaufen sich auf 66000 M. und stellen sich damit 
wesentlich niedriger, als die eines Rollschutzes: vor 
allen Dingen auch deshalb, weil bei diesem unter 
außergewöhnlichen Umständen auf größere Bcwcgungs- 
Widerstände zu rechnen ist und daher eine stärkere 
Aufzugvorrichtung erforderlich wird. Dabei würde 
man auf den großen Vorzug des zentralen Antriebes bei 
diesen Vorrichtungen wohl gänzlich verzichten müssen, 
zum Mindesten würde er sich nicht in gleich einfacher 
und sicher wirkender Weise herstellen lassen. 

Aller Voraussicht nach dürfte dieses neue Schwein- 
furter Walzcnwehr die Bürgschaft einer vollkommenen 
Bewährung im Betriebe in sich tragen. Vielleicht 
findet sicli später noch einmal Gelegenheit, darüber 
berichten zu können. 



Wiederaufbau des Campanile von San Marco. 

(ScliluB.) 



IfTiff ic Gcsanttlast des Turmes einschl. Fundament war 
Ü H] froher auf ioooo«. nach dem Einsturz aber vom Pro- 
^ vinzialaml auf 144001 berechnet, die sich auf eine 
Rostfläche von 222 l m verteilen, und somit eine Belastung 
von 04 ' für 1 1» oder von 6.4 k * für 1 <i rt » ergeben. Hierzu 
kommt der Winddruck, den der Prof Jorini in Mailand zu 
300 k K für 1 9 cm annimmt, mit einem Angriffsmoment von 
13 100505 woraus sich eine Mehr- und Minderhclastnng 
von 2,24 k e oder ein Maximaldruck von 8,64 für 1 <i tn > 
Grundfläche ergibt. Auch wenn man annimmt, daß so- 
wohl das Gewicht, wie ganz besonders der Winddruck 
etwas zu reichlich gerechnet sind, erscheint doch für 
unsere Anschauungen und, namentlich gegenüber unseren 
baupolizeilichen Vorschriften eine so hohe Belastung des 
Hodens unzulas-ig. Zu ihrer Verminderung boten sich 
zwei Wege dar: eine leichtere Ausführung des Oberbaues 
und die Vergrößerung der Fundamentflächc. In ersterer 
Hinsicht waren jedoch sehr enge Grenzen gezogen, da 
zugleich eine Verbesserung der Konstruktion nötig war. 
Den von Beltrami hierfür aufgestellten, sehr zweckmäßigen 
Entwurf zeigt Abbildg. 2 in N<>. 3, der sich von der alten An- 
ordnung durch eine wesentlich solidere Anlage der inneren 
Mauerröhrc unterscheidet. I >ic Erleichterung der Mattem 
nach oben hin soll durch zunehmende Ausnischung und 
Aussparen von allmahlig grober werdenden Hogcnöffnuncen 
in der inneren Mauer erreicht werden. Außerdem sollen 
die Kampen mit modernen Hilfsmitteln leichter hergestellt 
werden. I>ic Konstruktion der Attika und Spitze konnte 
wohl noch etwa» vereinfacht und mit Kocksieht auf die Aus- 
führung in dem vorzüglichen istrisrhen Stein noch etwas 
leichler gehalten werden. I las Gewicht des in Ziegeln aus- 
zuführenden Oberbaues berechnet Beltrami zu 12 124800 k * 
bei einer Grundflache von 104,81 <t m , was eine Belastung 
für 1 l cm von 1 1,3 k e ergäbe (wenn die angegebenen Zahlen 
aher richtig sind, von mehr als 1 1.5 k s) ' ) Hierzu der Einfluß 
des Winddruckes, von Jorini auf + 4,5^ berechnet, ergäbe 
eine Beanspruchung des .Mauerwerks in der unteren Flache 
mit gegen 16 k « für 1 V m , was schon sehr gutes Ziegcl- 
material und Mörtel voraussetzt, die aber nach den ange- 
führten Proben ohne Schwierigkeit zu beschaffen sein 
werden. • - Zur Entlastung des Untergrundes plante Bel- 
trami eine Verdoppelung der Fundamenlfläche, wozu eine 
Verbreiterung der Rostfläche nach allen Seiten um min- 
destens 3 m erforderlich war. Die Zeichnungen zeigen 
3,5 m und auf der Ostseite, der f.oggietta wegen, 4™ und 
dabei für ihre stark durchbrochene Front noch eine Aus- 
kragung, damit die Belastung des Untergrundes an dieser 
Stelle nicht wesentlich geringer werde, als im Uebrigen, 
Den Kost des neuen Teiles wollte er um 0,5 m tiefer legen 
als den alten, und der neue Teil des Fundamentes sollte in 
dichtem Anschluß an das alte in Beton hergestellt werden. 
Man begann auch, die Baugrube nach dem Grundriß 
auf Abbildg. 2 mit Spundwänden einzuschließen, was mit 
bloßen Handrammen ohneSchwierigkeit und ohne nennens- 
werte Erschütterung vonstatten ging Auf der Südseite 
aber blieb die Spundwand unausgeführt, weil hier das 
oben erwähnte alte Fundament etwas näher an den Turm 
herantrat und der Architekt Lavezzari gegen die Beseiti- 
gung dieses Mauerwerkes im Interesse der Sicherheit der 
Bibliothek Widerspruch erhob, den man kaum als unbe- 
gründet bezeichnen kann. Es wäre auch wohl zulässig 
gewesen, das neue Fundament hier etwas schmaler zu 
hatten, zumal, da der alte Mauerklotz mit dem verdichteten 
Erdreich darunter noch eine erhöhte Sicherheit gegen 
Au sweich en bot. Dieser Widerspruch und die Mühe die 

•) Dir Urrcchountrrn iri K .ti (1|.«tK»U|i< finijf t'iiLUrhrilcn, dir tiiclu 
nachfrprOlt wtrdrn konnlrn. -. 

16. Januar 1904. 



er hatte, um die Beseitigung einer an derselben Stelle 
liegenden Gasröhre durchzusetzen, scheinen zur Verstim- 
mung Beltranii's nicht wenig beigetragen zu haben. 

Die größte Schwierigkeit bot aber immer das Funda- 
ment, Mochte Beltrami auch nach dem übereinstimmenden 
Urteil von Lavezzari und 'Porres, wie der übrigen Vene- 
zianischen Techniker, das Pfahlwerk mit dem Untergrunde 
nl» sicher ansehen, so mußte er doch wegen des Mauer- 
klotzes ernste Bedenken hegen. Die hohlen Fugen durch 
Eingießen von flüssigem Zement von oben her auszufüllen, 
wie ihm geraten wurde, war bei einer Höhe des Klotzes 
von fast 5 10 ein höchst zweifelhaftes Unternehmen; aber 
auch wenn es gelang, blieb immernoch die Hauptschwie- 
rigkeit, den neuen, weit vortretenden Teil des Fundamentes 
mit dem alten in solche Verbindung zu bringen, daß 
beide Teile gleichmäßig belastet würden. Die bloße 
Bindekraft des Betons an den Lücken des Mauerklotzet»; 
auch wenn man diesen teilweise ausstemmte, konnte htfr- 
zu nicht genügen Wenn man aber den Unterbau mit 
dem Pfahl werk als gesund betrachtet, so ist nicht einzu- 
sehen, warum man ihn, nachdem er Jahrhundertc lang 
einem Druck von 8 k e f. iv» widerstanden hat, gleich 
auf das Doppelte, vergrößern will. Eine Verbreiterung 
um 1,5. höchstens 2 m ringsum mit einer Vergrößerung der 
RostflAchc von 222 1" 1 auf 32t oder 358 a»' müßte auch 
genügen, und diese Flache würde man auch ohne An- 
wendung von Eisen zum Tragen bringen können. Zur 
Unterstützung der leichten Frontwand der l.oggietta könnte 
man besondere kleine Fundamente herstellen. Eine Ver- 
breiterung des Fundamentes aber, wie geplant, ohne reich- 
liche Anwendung von Eisen, sei es als starke Träger, oder, 
wie auch vorgeschlagen, zur Verankerung eines gewölbe- 
artig wirkenden Klotzes, gewahrt keine Sicherheit. Um 
aber Eisen einzubringen, müßte jedenfalls das alte Funda- 
ment abgebrochen werden, eine Arbeit, die man überhaupt 
nicht scheuen sollte, um zugleich den Kost etwas näher 
untersuchen zu können. Denn wenn es auch feststeht, 
daß der Einsturz nicht durch das Nachgeben des Funda- 
mentes verursacht wurde, so ist damit doch nicht gesagt, daß 
letzteres so sicher ist, wie man verlangen muß, um einen 
für viele Jahrhunderte bestimmten Turm von fast 100 ™ 
Höhe darauf neu zu errichten. Wäre es da nicht besser, 
von den neueren Errungenschaften der Technik Gebrauch 
zu machen und den Turm mit Hilfe von Druckluft auf ein 
tiefer hinabgeführtes, breiteres Fundament zu stellen. Sollte 
nicht auch Beltrami dieser Zweifel aufgestiegen sein 0 

Gegenstand langer Erörterungen bildete auch die Wahl 
des zum Hochbau verwendeten Ziegelmatcriales. Es hat 
auch hier nicht an Stimmen gefehlt, die den Turm gar 
nicht wieder aufgeführt sehen wollten, weil es doch nicht 
der alle sein könnte und weil er auch nicht einmal alt 
aussehen würde. Mit solchen Anschauungen ist nicht zu 
streiten. Es wird vor allem darauf ankommen, einen 
Ziegel zu wählen, der mit der erforderlichen Festigkeit 
größtmögliche Wcttcrbcstandigkeit verbindet. Die Farbe 
sieht erst in zweiter Linie. Natürlich wird man unter 
sonst gleichwertigem Material ein solches wählen, das 
keine allzu dunkele oder schreiende Farbe zeigt, die sich 
übrigens durch geschickt gewählte Färbung des Fugen- 
mörtels mildern läßt Das Uebrige muß man der Zeit 
überlassen, die nicht säumen wird, die Patina des Alters 
herzustellen. Die jetzige Generation wird zufrieden sein, 
ihren Turm wieder zu haben und den kommenden wird 
er nicht mehr neu erscheinen, Eine Entscheidung hierüber 
scheint bis zum Rücktritt Beltranti's nicht getroffen zu sein. 

Nachdem jede Hoffnung, Beltrami wieder zu gewinnen, 
geschwunden war, mußte" der Magistrat darauf sinnen, 

»7 



einen Ersatz zu schaffen. 
Er beschloß daher die Ein- 
setzung einerKomniission 
von fünf Mitgliedern be- 
hufs Beratung der weite- 
ren Maßregeln und zur 
Ausführung" des Baues 
-- also doch eine Kom- 
mission, obwohl man sie 
froher abgelehnt hatte. 
Was sich gegen eine viel- 
köpfige Bauleitung sagen 
l.lbt, ist gc>agt worden und 
braucht hier nicht wieder- 
holt zu werden. Im vor- 
liegenden Falle war es 
wohl der einzige und auch 
richtige Weg. vorausge- 
setzt, daü der Kommission 
die wirklich leitendeSpitze 
nicht fehlt, daü für die 
verschiedenen hierauftre- 
tenden Kragen berufene 
Vertreter gewählt sind, urd 
dalidiese alle zum einträch- 
tigen Zusammenarbeiten 
bereit sind. Zu Mitgliedern 
der Kommission wurden 
ernannt: t. Prof. Moretti, 
der neue Konservator der 
Denkmiller, der jedenfalls 
zum eigentlichen Leiter 
des Baues bestimmt i»t; 
2. der bereits genannte 
Architekt des Kgl. Hause» 
Lavezzari; ferner die 
Hrn. E. Fiumani. An- 
tonio Orio und Manfredo 
Manfredi, über deren 
Stellung ich Näheres nicht 
habe erfahren können. 

Diese MB 18. Aug 1003 
zusammen berufene Kom- 
mission hat ihre Arbeiten 
sofort aufgenommen und 
dem Bürgermeister einen 
in der (iazz. di Yen. vom 
4. Oktbr. veröffentlichten 
vorläufigen Bericht er- 
stattet, in dem sie die feste 
Zuversicht ausspricht, dall 
der Turm nicht nur in 
alter Form, sondern auch 
auf der alten Basis, nach 
ihrer angemes-cnen Ver- 
breiterung und Verstär- 
kung, wieder auferstehen 
werde, l'eher die Aus- 
führung der Arbeit wird 
nur gesagt, daü man be- 
reits die noch fehlende 
Spundwand auf der Süd- 
seite des Turmes geschla- 
gen habe Ob der mehr- 
erwähnte Fundamentrest 
beseitigt worden ist oder 
nicht, wird nicht gesagt, 
ebensowenig, ob das alte 
Fundament desTurm es er- 
halten werden soll. Einen 
ausführlichen Berichtüber 
die technischen l'nter- 
suchungen und den Plan 
der Ausführung des Baues 
hat die Kommission sich 
vorbehalten, doch ist er 
bisher noch nicht erschie- 
nen. Indessen haben hie- 
sige Zeitungen im Nov. 
igo< nach den „Münch. 
Neuesten Nachr." einen 
Brief au- Venedig mitge- 
teilt, wonach man die 
Weiterführung de- Bauen 
damit lH-};onnen habe, dab 
man in der Verbreite- 
rungslläche auf der Süd- 
seile, zwischen dem alten 

Fundament unddcrSpund- 

23 




No. 5. 

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wand, Pfühle au*l.ärchcn- 
holz von t> 7 "> Länge und 
zwar drrrn 5 6 auf 1 l m 
mit der Zugrammc ringe- 
trirltrn hat. Oer eiserne 
Rammbär — « »II j Zentner 
gewogen und das Einram- 
men eines jeden Wahles 
20 30 Minuten gedauert 
haben: dabei habe ein im 



man auch für reichlich tiefe Eingriffe des neuen in den 
alten Teil sorgt, so würde die* doch einen l'ntcrbau er- 
gehen, auf dem man einen Monumentalbau ersten Ranges 
nicht errichten dürfte. Man muH daher hoffen, dal) der 
Krief l 'ngenauigkeiten enthalt, «Hier dal) die Kommission 
noch anderweitige Mittel findet, die beulen Teile des Fun- 
damentes zu gemeinsamer Wirksamkeit /u bringen. - 
Herlin. Dezember tqo\ ||. Hlankenstein 



Dogenpala«! aufgestellter 
Seismograph keinerlei Er- 
schütterungen angezeigt. 
Die Zwischenräume der 
Pfähle habe man mit l«-«t 
gestampftem Helon au«gc- 
füllt, wobei man die Kopfe 
jedenfalls auch mit Beton 
im Aiwchhlfl an da« alte 
Fundament überdeckt hat. 
.Dann sollen die Arbriten 
über Winter eingestellt 
werden, um abzuwarten 
und zu enirohen, ob 
das neue Material «ich 
mit den alten Grund- 
mauern so innig verbin- 
det, dal) auf «olihcr Ha«i« 
zum Neubau gesehritten 
Werden kann. " I »leser lle- 

rieht stammt ■ucneioend 

aus der Feder eine.« Laien, 
ist aber WO klar, dati man 
kaum umhin kann, ihn Un- 
richtig zu halten. Danach 
will man das alte Funda- 
ment, da« man doch nicht 
für ausreichend hält, mit 
einem Pfahl ro«t in unse- 
rem Sinne umgeben. <lis. 
sen Pfähle um durch- 
schnittlich 5 m unter die 
Spitzen der alten Spicker- 
ptahle und etwa 4 5 •■> 
tief in groben, fe-ten Sand 
hinabreichen stillen. DaU 
der Hcton die Winterprobe 
aushälfst nicht zu bezwei- 
feln, aber für die Sicherheit 
der Konstruktion i«i damit 
nicht viel bewiesen. 

Sollte nun diese Dar- 
stellung richtig sein, so 
hielic das nicht« Andere«, 
als da* alte Fundament, 
auf dem der Turm doch 
eigentlich ruhen soll, das 
aber nicht genügend sicher 
erscheint, an dem sich an- 
schließenden neuen, tiefer 
und durchaus fest ge- 
gründeten Teile mittel« 
der Bindekraft des Ze- 
mentes aufhängen. Wenn 




Abbild|{ 6. Wal/rncnile uhnc cigrnrn Aritiicb. 



Vom Meißner Dom. 

Eine Entgegnung! 



|b Hr. Stiehl die bis in «las 19. Jahrhundert aufrecht 
erhaltene l Vhcrlicferung. dal) auf dem We«tturni 
de« Dome« zu Medien drei Spitzen gestanden haben, 
richtig umdeutete, überlasse ich dem Urteil Anderer. Er 
vergäll zu berichten, dal) auf dem Stiche von 1558 aus- 
drücklich der Westtunn als .turri« fulmine inflammata" be- 



') Sirhr \'i>. <r, '«nd «B Jallirans W'V 

16. Januar 



zeichnet wird. Ebensowenig «cheint e« mir angezeigt, mit 
Stiehl ülier die Hinweise auf die franzi'isisclieu Kathe- 
dralen des 12 und 13. Jahrhun«lens und die ebenfalls viel 
älteren sonst von ihm angeführten Kirchen Niedcr«ach*on« 
zu «treiten. Nur Uber das am D«im nach Abtragung «1er 
Plattform Gefundene will ich mich hier äiiUern. 

Die Nebeneinanilerstellung der beiden Grundrisse des 
3. Obergeschosse« meine« und desjenigen „in «ler Wirk- 

»9 



Digitized 



lichkcit" ist auf den ersten Blick öberrasehend. Der 
Unterschied zwischen beiden besteht aber nur darin, 
dilti ich 1,5 m über Fußboden des 3. Geschosses (bei A) 
Stield ta <" höher (bei B) den Turm schnitt. Beide Grund- 
risse sind richtig. Mich wundert es, das» ein so sach- 
kundiger Mann wie I Ir. Stiehl dies nicht bemerkte. Kerner 
ließ er sich leider durch die falsche Schattengebung auf 
Schäfcr'sDarstellung des 3. Geschosse»(S.635,Jhrg. 1903) irre 
führen. DasMaßwerk der Fensterbogen der Seitenteile liegt 
bündig mit dem Blcndmaßwcrk dcsMittelteiles. Die Mauer- 
flucht dieses Teiles liegt nahezu bündig mit den Treppen- 
zargen der Seitentürme. Diese und das Fenstcrmabwcrk 
stellen eine ideale Fläche dar, die zwar nicht verglast, aber 
künstlerisch sehr entschieden betont ist. Es besteht die 
Breitfront des Geschosses also nicht in 2 Vorlagen und 
einer Rücklage, sondern in einer geschlossenen Masse, die 
durch 4 Lisenen geteilt ist und in den seitlichen Teilen 
zwei tiefe Fenster hat. Das kommt namentlich dadurch 
zum Ausdruck, daß die Flucht des Sockels und daß das 
Kranzgesims unverkröpft durchgeführt sind. 

Ich habe bisher unterlassen, mich über dieses Gesims 
zu äußern, da ich es vorher vom Gerüst aus untersuchen 
wollte. Schäfer nannte es in Erfurt „künstlerisch roh", 
„eine elende dicke Steinschicht", „einen alten Schund, 
den man los werden müsse". Er sagte, es sei in der 
Biedermeierzeit geschaffen, im Jahre 1847. 

Die genauere Betrachtung hat ergeben, daß das Ge- 
sims, und zwar hie und da in allen Beinen Profilen, deut- 
liche Spuren eines Brandes zeigte. Ein solcher fand nur 
1547 statt. Schitfer war sichtlich entgangen, dali das (■<•- 
sims in dem 1823 erschienenen Werke Schwechtens über 
den Dom bereits" genau abgebildet ist und daß es auf 
allen Abbildungen, bis zur ältesten (von 15581 erscheint. 
Da während der Refonnationswirren schwerlich am Dom 
gebaut wurde, stammt das Gesims also nicht von 1847, 
sondern aus der Zeit vor 1518. Ikr „Schund" ist also 
gotisch! Schäfet in-te sich um 3 1 j Jahrhunderte! 

Die Profile dieses Gesimses, namentlich die Anwen- 
dung der starken Platte, mahnten an Kenaissanceformen. 
Doch entsprach die Bildung der auskragenden Glieder nur 
aus Hohlkehlen durchaus der Eigenart der sächsischen 
Spätgotik. Die vom Gesims durchschnittenen Maßwerke 
waren sorgfältig aufgelöst, indem sie die entsprechenden 
Untcrglieder des Gesimses durchdrangen. Wie sie «iber- 
halb diese» etwa fortgesetzt gewesen sein mögen, dafür 
fehlt jeder Anhalt. Ich glaube nicht, daß Linnemann hier 
das Richtige traf. 

Schäfer meint, das Gesims sei über den Lisenen ver- 
kröpft und die Zwischenstücke seien später eingefügt 
worden. Ich habe nicht einen Beweis hierfür gefunden. 
Sicher aber saßen die Wasserspeier nicht, wie bei einer 
V'erkröpfung die Regel und wie auch Schäfer sie anord- 
nete, an den Ecken der Lisenen, sondern über deren l "m- 
rahmung in der Front. Siehe die Aufnahme bei Schwechtcn 
und den Befund am Turm. 

Richtig ist Schäfer s Beobachtung, daß nämlich der 
Steinschnitt Fehler zeigte, namentlich daß die Fugen bündig 
mit den Außenkanten der Lisenen die Platte des Gesimses 
durchschnitten wenigstens an der Mehrzahl dieser Stellen. 
An anderen war der Steinschnitt richtig, so daß ein Teil 
der Platte über den Zwischenteilen mit der anstehenden 
Platte über den Lisenen aus einem Stück gebildet war. 
Dies erklärte er wieder dadurch, daß zwar über den 
Lisenen das Gesims alt, in den Teilen zwischen den 
Lisenen aber modern »ei. Demnach wären also die richtig 
geschnittenen Quader modern, die falsch geschnittenen 
zwar alt, aber nachträglich abgearbeitet gewesen. 

Nun hat Stiehl die Funde erwähnt, die bei Abtragung 
des Gesimses gemacht wurden: Klammem in Fasson- 
eisen. Bettung in modernen Kalk, ja Asphalt, scharrierte 
Steine, alte und miKlcrne Auf- und Hinter • Mauerungen. 
In nebenst. Abbildg habe ich versucht, den nach Abtragung 
der Plattform aufgedeckten Zustand darzustellen, und zwar 
aus dem Gedächtnis, also vielleicht in Nebendingen falsch 
Ich habe dabei (nach Schwechten) die bis 1843 vorhande- 
nen Wasserspeier am obersten Gesimsprofil hinzugefügt, 
nicht aber die anscheinend damals auch noch vorhanden 
gewesene alte Steinschicht über diesem Gesims. 

Es ist nötig, sich den baulichen Zustand der West- 
tflrme vor 1470 zu vergegenwärtigen. Es standen: 1., die 
beiden Untergeschosse des Turmes; 3., die beiden Giebel 
östlich von der Fürstcnkapelle und westlich vom Lang- 
haus 1 C u P der Abbildg ). 1 («zwischen klaffte die Lücke für 
das dritte Turmgeschos, Man mauerte 8 Pfeiler auf. Hätte 
man eine zweilürmige» Anlage gewünscht, so wäre die 
Li isimg sehr einfach gewesen. Man brauchte nur die Türme 
isolicti aufzubauen und einen der beiden Dachfirste /u 
verlängern, um die mittlere Lücke zu füllen. Aber man 
wölbte, genau wie in Erfurt, über die Giebel hinweg 



starke Bogen zwischen die Innenpfeiler, entlastete so die 
Giebel und stellte Ober diese nur die ganz leichten Sand- 
steinverblendungcn mit dem Blendmaßwerk ein. 

Die Gewölbe über dem dritten Geschoß scheinen alle 
bei dem Brande von 1547 eingeschlagen worden zu sein. 
Man fand Glockenspeise an den lnnenmauern des Mittel- 
baues: hier also hingen Glocken. Als das Domkapitel 
1556 eine neue Glocke geschenkt erhielt, baute es auf die 
Brandruinc in der Mitte ein Türtnchen für diese. Das ist 
der Zustand, den das Hiob Magedcburg'schc Bild von 1558 
darstellt. Man sieht die massive Brandruine, die sich 
nicht in 2 Türme und eine mittlere offene Halle teilt, 
sondern geschlossen noch etwa 3 m hoch steht. Diese 
Ruine scheint zu Ende des 16. oder des 17. Jahrhunderts 
abgebrochen worden zu scin f sicher als man den ^Schaf- 
stall" aufbaute, einen anscheinend auch für Verteidigungs- 
zwecke bestimmten massiven Bau von 2 Geschossen und 
etwa 6"' Höhe. Dieser wurde 1843 abgebrochen und 
an seiner Stelle die Plattform mit Brüstung errichtet 
Anscheinend ist die Plattform um 1860 nochmals verlegt 
worden, denn 1843 arbeitete man schwerlich schon mit 
Asphalt. 

Nach alledem wird man erkennen, daß es der größten 
Sorgfalt bedarf, will man die Mauerrestc richtig nach ihrer 
Entstehungszeit erkennen. Jedenfalls beweist das Fehlen 
solcher gar nichts. Wenn zum Beispiel Stiehl sagt, nur ein 
hölzerner Notbau könne hier gestanden haben, so steht 
dem entgegen, daß tatsächlich zweimal hier ein Steinbau 




stand, leider ein solcher, dessen innere Struktur wir nicht 
kennen. Zweimal wurde dieser Aufbau abgebrochen. 

Ob die nach dem Brande von 1540 eingeschlagenen 
Gewölbe genau ebenso hoch saßen wie die alten, war 
nicht zu ermitteln. Jedenfalls ragten die 8 Pfeiler des 
3. Geschosses um etwa 15 — ao 1 '™ über die Gewölbcschcitel 
und das sima-artige Gesimsglicd, nicht aber Ober die Auf- 
mauerung über diesem empor. I hes ist ganz konstruktions- 
gi-miiß, wenn man bedenkt, daß :ia< ii alter Technik erst 
die Pfeiler aufgemauert und dann Bogen und Gewölbe 
eingespannt wurden. Stiehl sieht aber in den oberen 
I eilen dieser Aufmauerungen die Eckpfeiler fQr die beiden 
Türme im 4. Geschoß. 

Die Untersuchung hat erwiesen, daß auch 2—3 Schichten 
des Gesimses in modernem Kalk gebettet waren. Man 
erkannte sehr deutlich, daß diese im 19. Jahrhundert neu 
verlegt wurden und daß man sie dabei dort, wo sie zu 
beschädigt waren, ergänzte. Ich fand im Gesims unver- 
kennbar alte Steine neben unverkennbar neuen. Die von 
Schäfer beobachteten Fehler im Steinschnitt stammen also 
von der 1847 erfolgten Wiederherstellung des Gesimses! 
Durch sie kam er zu dem Fehlschluß, daß das Gesims 
neu oder doch 1847 in seinen Hauptformcn verändert 
worden sei. 

Allen kritischen l'ntersuchungen zum Trotz war das 
alte Gesims aber da! Diese Tatsache ist nicht abzu- 
leugnen. Es hat ja, wie es scheint, 1505 und 1506 wieder 
eine Bautätigkeit am Turme stattgefunden, sodaß die Ver- 
mutung berechtigt ist, das Gesims sei eine spätere Zutat 
des 1506 nachweisbar in Meißen tätigen Meisters Konrad 
Pf lüger. Ist dem so — auch dann wäre nach sonst 



No. 5. 



allgemein gütiger Auffassung von Denkmalpflege dieses 
künstlerisch wie kunstgeschichtlieh merkwürdige Gesims 
zu erhalten und es wäre im Sinne des letzten Meislers 
fortzubauen gewesen, der es schuf — wenn man eben 
„stilvoll" ergänzen wollte. Denn die Restauratoren auch 
der alten Schule sind der Meinung, daß man alte Um- 
gestaltungen des ersten Planes auf alle Falle erhalten 
müßte. Viollct-lc-Duc sagt (Dict rais. VIII unter „Restau- 
ration") „(Juand il n'y a pas ä craindre de maintenir les 
causes de ruine, il faul eonserver soigneusement les traoes 
des additions s u c c c s s i v c s et ne pas tenler de les 
rclicr entre elles par uite unitc fictive, eorrigeant 
les errcurs aneiennes". Und Dombaumeisler Tornow sagt 
in seinen „Grundsätzen": .Hei keiner Art von 1 Icrstcllungs- 
arbeiten darf unter dem Vorwande der Verbesserung 
eines vermeintlichen Verstoßes gegen den guten Ge- 
schmack die alte Form irgendwie geändert werden." 
Das sind wohl auch für Stiehl einwandfreie Zeugen. Charles 
Buls fügt hinzu: .11 faul sc garder de la tentation de 



Selbst diesen Stand rcstauralorlscher Weisheit haben 
wir leider in Deutschland noch nicht zu allgemeiner Geltung 
gebracht: Das ist es, was ich in Erfurt besprach und am 
Mcillner Beispiel erklären wollte! 

I Ir Stiehl sagl, ich habe meine subjektive Auffassung 
ohne ausreichende Prüfung der Unterlagen für wissen- 
schaftlich erwiesene Unanfechtbare Wahrheit ausgegeben. 
Ich mochte ihn fragen: Wo? In meiner Broschüre habe 
ich Material herbeigetragen , aber nicht ein Wort gesagt, 
das Stiehl zu jener Aculierung berechtigt. In Erfurt habe 
ich wiederholt betont, daß es möglich sei, daß ich irre. 
Ich habe Beweise und Vermutungen wohl zu unterscheiden 
gewußt! Und daher habe ich stets Beweise für die Rich- 
tigkeit der Planung von der Dombauleitung erbeten. 
Denn, wenn ich irre, so sind ein paar Bogen Papier un- 
nütz bedruckt; irrt die Dombauleitung, so wird für alle 
Zeilen und unter Eingriff in den alten Bestand der Dom 
falsch restauriert. Darin besieht doch wohl ein kleiner 
Unterschied!- Cornelius Gurlitt. 



Mitteilungen aus Vereinen. 
Architekten- und Ingenieur -Verein zu Hamburg. Vers, 
am 23. Okt. 1903. Vors. Hr. Zimmermann. Anwes. 
ua Personen. Aufgen als Mitgl. Hr. Rcg-Bmstr. W, Ebc- 
ling u. Ing. E. Andr. Meyer. Zunächst machte Hr. 
Branddir. Wcstphalen einige Mitteilungen über den 
Brand des sogenannten „Pariser Warenhauses in 
Budapest" am 24. Aug. d. J. , eine Katastrophe, die, 
namentlich infolge der schweren Verluste an Menschen- 
leben, in weiteren Kreisen Aufmerksamkeit erregt hat. 
Das Feuer brach abends gegen 7 Uhr aus, als man die 
elcktr Beleuchtung einschaltete und zwar an den Waren 
eines im Inneren des Gebäudes am Zugang zur Etagen- 
treppe belegenen großen Schaufensters. Das „Pariser 
Warenhaus" hatte seine Verkaufsräume im F.rd- und 
1. Obergeschoß eines Eckhauses; im 1. Obergeschoß 
waren größere Räume der beiden Nachbarhäuser nach 
Durchbruch der Brandmauern für Vcrkaufszwecke mit 
hinzugezogen, desgleichen auch der im Erdgeschoß mit 
Glas abgedeckte große Innenhof des Eckhauses. Das 
2., 3. und 4. Obergeschoß dienten zu Wohnzwecken 
Der Zugang zu diesen Wohnungen führte von der Straße 
aus über die Etagcntrcppc und über die in allen OI>er- 
g«»cliä»"*en im Innenhol angebrachten, aus Stein und 
Eisen hergestellten, im Freien liegenden Galerien. Das 
fragliche Gebäude hatte feuersichere Decken und Treppen, 
die Eisenkonstruktionen waren feuersicher ummantelt. 
Abgesehen von den Treppen, welche, aus Ziegeln her- 
gestellt, bald einstürzten, hat das Gebäude durch das 
Feuer verhältnismäßig wenig Schaden erlitten, s C in Inhalt 
ist aber im Erdgeschoß, 1. Obergeschoß und zum Teil 
auch in den übrigen Obergeschossen ausgebrannt. Die 
Einrichtung des Warenhauses entsprach keineswegs den 
baupolizeilichen und feuerpolizeiliehen Grundsätzen, welche 
in deutschen Großstädten anerkannt sind. Auch lag die 
Behandlung der elektrischen Beleuchtung in Händen von 
unkundigen Laien. 

In Hamburg werden die Bestimmungen für sogen. 
„Warenhäuser" auf Grund von § 74 des Baupol.-Gcs. 
gegeben. Der Begriff „Warenhaus" ist aber noch keines- 
wegs in seiner Abgrenzung nach unten festgelegt. Auch 
Läden, welche in Hamburg bisher nicht als dem § 74 
des Haupol. -Ges. unterfallend erachtet werden, können im 
Fall eines Brandes den Bewohnern der oberen Geschosse 
erhebliche Gefahren bringen ; letzteres gilt namentlich dann, 
wenn I-adentüren und Schaufenster im Zugänge zur 
F.tagentreppe liegen, wie das in Hamburg leider vielfach 
der Fall ist und bei den hier zur Zeit geltenden Gesetzen 
auch nicht verhindert werden kann. Eine dies betreffende 
Gcsclzcsvorlagc als Zusatz zum § 32 des Baupol -Ges 
ist vom Senate der Bürgerschaft vorgelegt — 

Hierauf erhielt das Wort Hr Caspersohn, welcher 
seine Mitteilungen Über „Straßenrcinigungs-Bctricb 
in Hamburg" mit einer Schilderung der früheren Zu- 
stände und der Unhaltbarkeit derselben gegenüber den 
Forderungen der Hvgiene schildert. Den auf dem inter- 
nationalen Hvgiene-K'ingreß in Brüssel aufgestellten Leit- 
sätzen für die Reinigung der Städte entspricht die zurzeit 
bestehende Straßenreinigung in Hamburg durchaus. Die 
betr. Verwaltungsabteilung ist der Baudeputation unter- 
stellt und es gehören zu ihrem Ressort außer der eigent- 
lichen Straßenreinigung die Straßenbesprengung. die 
Schnee- und Eisarbeiten, die Reinigung der öffentlichen 
Bedürfnisanstalten, die Ilausunrat- Abfuhr mit zugehörigem 
Verbrennungsaiistalts Betrieb, die Schiffs- und Kaiunrat- 
Abfuhr, die Kübel- und Grubenabfuhr, sowie die Reinigung 
der Privalstraßen. 

16. Januar 1904. 



Am 1. Jan. 1903 betrug innerhalb des Hamburger 
Stadtgebietes die Anzahl der öffentlichen Straßen 1035, 
diejenige der Privalstraßen 87, zusammen also 1122 in 
einer Gesamtlänge von 410 km und einer Gesamtfläche 
von 7 Mill. 'i m Hamburg ist eine der weiträumigst ge- 
bauten Großstädte Deutschlands, denn es entfallen hier 
auf den Kopf der Bevölkerung 9.7 q™ Straßenfläche gegen 
5.2 in Berlin. 7.3 in Dresden, 9.2 in Frankfurt a. M. und 
4.6 in Köln. 

I He I lauptverkehrsadern werden hiersechsinal wöchent- 
lich, alle wientigeren Straßen zweimal und die übrig bleiben- 
den einmal wöchentlich nachts mit Kehrmaschinen gereinigt. 
Außerdem werden am Tage die Straßen durch Absammeln 
grober Verunreinigungen und Ausfegen der Rinnsteine 
gereinigt, womit eine 3 malige Reinigung in der Woche, 
einmal bei Nacht und zweimal am Tage, das Mindeste für 
die verkehrsarmsten Straßen Hamburgs ist. 

Für die Unterbringung des bei der Tage^reinigung 
entstehenden Kehrichts dienen 177 gemauerte Gruben, aus 
denen derselbe nachts mit dem bei der Nachtarbeit ent- 
standenen abgefahren wird Es sind jede Nacht etwa 
330' ,im abzufahren, welche Eigentum der Kehrichtabfuhr- 
l nternehmer bleiben, die dafür eine Vergütung von 170 
bis 200 M. auf je 1000 Einwohner und Jahr erhalten. 

Die Stnißenbesprengimg erfolgt durch Wagen mit 
der Miller'schen Sprengvorrichtung in einer Sprengbreite 
von 7,5™. Ein Wagen besprengt bei gstondiger Arbeits- 
zeit 100000 1" 1 Straßenfläche 

Einen wichtigen Teil der Obliegenheiten der Straßen- 
Reinigung bilden die Schnee- und Eisarbeiten, wofür 
die Stadt in 100 Bezirke eingeteilt ist. Ein Tag, an welchem 
mit vollem Betrieb gearbeitet wird, kostet gegen 20000 M, 
In den letzten 10 Jahren haben die Ausgaben für Schnee- 
und Eisarbeiten zwischen 89000 und 480000 M geschwankt. 

An öffentlichen Bedürfnisanstalten sind 183 Pissoirs 
mit 706 Ständen und 23 Anstalten für Frauen zu reinigen 
Die Kosten für Straßen-Reinigung, Besprengung und Be- 
trieb der Bedürfnisanstalten betragen: 

in »uf i<|m Slrallc gut dm Kopf d Bvvnlkn,:. 

Hamburg 0,15 M. 1,25 M. 

Berlin 0,34 , 1,78 „ 

Dresden 0.32 „ a.33 „ 

Köln 0,25 „ 1.19 - 

Frankfurt a. M. . . oju „ 2,06 . 

Die Abfuhr des Hausunrates ist ebenso wie die Ab- 
fuhr des Straßenkehrichts im .Submissionswege an Ucher- 
nehmer vergehen, welche dafür auf je 1000 Einwohner 
und Jahr 300 bis 380 M erhalten Von einem von 441000 
Einwohnern bewohnten Gebiet wird der Unrat zur Ver- 
brenntingsanstalt geschafft, von dein übrigen 288000 Ein- 
wohner zählenden Gebiet, dagegen unter strengen der 
Hvgiene Rechnung tragenden Kontrakt -Vorschritten im 
Ländgebiei landwirtschaftlich verwerte! Die AMuhl er- 
folgt nachts in einfach mit Holzklappen verschlossenen 
Wagen. 

Für die Kdbelahfuhr aus den nicht an Siele ange- 
schlossenen Grundstücken sjnd die lluuwKaseT in dicht- 
gemauerten Gniben zu sammeln, deren Inhalt st;i;iisseitig 
mittels pneumatischer Apparate entleert wird. Die Fäkalien 
solcher Grundstücke werden in Kübeln gesammelt und 
ebenfalls staat — eilig abgefahren. I>ic Reinigung der Kübel 
erfolgt in dem Abfuhrdepot, in fast geruchloser Weise. 

Da* Arhcitspcrsona! der Straßenreinigung besteht aus 
etwa 000 Menschen, die Jahresausgaben belaufen Dich 
z Zt. auf 1 551 000 M.. denen Einnahmen in Höhe von elwa 
179000 M gegenüberstehen. — 

Ilm, 

31 



Preisbewerbungen. 

Wettbewerb für einen Harenbauplan für die Stadt Gothen- 
burg In Schweden. In No 100 Jahrg. 190a haben wir auf 
die*<"-i Preisausschreiben M'htin kurz hingewiesen. Wir haben 
nach Einsichtnahme in das Programm nicht \ iel hinzu- 
zufügen. Ks handelt sich lediglich um einen Ideenwett- 
bewerh fnr die Erweiterung der I lafcnanlagcn für .ver- 
schiedene Fahrzeugts pen und sonstige Verkclirszwcckc" 
Leider gibt das Programm keinerlei Anhalt, welche An- 
sprüche der Verkehr jetzt stellt und nach welcher Richtung 
hin ein Bedürfnis zur Entwicklung der Anlagen vorliegt 
Eine Beteiligung an dem Wettbewerb bedingt also ein 
eingehendes Studium an Ort und Stelle. \ erlangt ist 
lediglich ein Einzeichnen der neuen Anlagen in die zur 
Verfügung gestellten Pläne t : 8aoo für den Hafen, 1 : 20000 
für den Stadtplan, mit den Anschlußlinien der Eisenbahnen ; 
Einzelheiten der Kaianlagen, Schuppen. Brücken usw. 
sind nicht verlangt, ebensowenig ein Kostenübersehl ag. 
Gefordert ist dagegen ein Erläuterungsberieht. Im Preis- 
gericht ist das Ausland vertreten durch Chefingenieur 
C. J. de Jongh in Rotterdam und Hafcnbmstr. H. C. 
Möller in Kopenhagen. Im übrigen gehören demselben 
noch als Sachverständige an; J, I, l.aurell, Überstlnt. 
a. D im K. Wege- und Wasserbau-Korps in Stockholm, 
und StadtbrL ü. Ph. Au, u ist in (Rothenburg. |)cr Hafen- 
Iiirektion steht das Ergänzungsrechl bei Verhinderung eines 
Preisrichters zu. An Preisen sind ausgesetzt 6000, 4000 
und 2500 Kr. izu 1.16 MX I>er freien Entscheidung der 
Hafendireklion ist der Ankauf eines weiteren Planes zum 
Preise von 1000 Kr. vorbehalten Frist bis 15. Okt. 1904. — 

In einem Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Volks- 
schule In Bettenhausen liefen 19 Arbeiten ein. Den I. Preis 
von 1200 M erhielt Hr. Arch Heinrich Arnold in Kassel; 
den II Preis von 600 M. Hr. Arch I-Yitz Schirmer in 
Kassel; den III. Preis von 400 M Hr Hcinr. Bangemann 
in Kassel. Hie Bausumme betrug 250000 M. l»ie Ent- 
würfe sin<l bis 1-5. Jan. im alten Pfarrhausc in Hetten- 
hausen «öffentlich ausgestellt Der Wettbewerb war auf 
Architekten aus dem Stadt- und Landkreise Kassel be- 
schränkt - 

Zu einem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für ein 
Weltpostvereins -Denkmal in Bern sind die ( lewinner der 
6 Preise des eisten, allgemeinen Wettbewerbes mit Frist 
zum 1. Aug. 1004 aufgefordert worden Es nehmen so- 
mit Teil die Ilm. E Hund rieser in GharloUcnhurg, 
Georg Morin in Berlin, E. Dubois in Gemeinschaft mit 
R. Palouillard und R de St Marceau in Paris, ^>wie 
Ign Taschner in Breslau in Gemeinschaft mit Aug. Heer 
in München und Gui-cppe C'hiattoiie in Lugano Die 
Künstler, die eine Entschädigung von je iyx> Fr. erhalten, 
»irld nicht au ihren ersten Entwurf gebunden. 

In einem Preisausschreiben zur Erlangung von Ent- 
würfen für die Durchführung einer Passage, sowie die Ge- 
staltung des Gerberplatzes in St. Johann (Saar) liefen 10 Ent- 



würfe ein. Das Preisgericht, dem Hr. Prof. Th. Fischer 
in Stuttgart als Sachverstandiger angehörte, erteilte ein- 
stimmig den I. Preis (800 M I Hrn. Gustav Schmoll, den 
II. Preis |6oo M. ) I Irn. Karl Brugger, den III. Preis ( 400 M. I 
Hrn. Alb Deezs, sämtlich 111 St. Johann. Ein weiterer 
Entwurf des Mm. Hei ter in St. Johann wurde zum An- 
kauf empfohlen Der Wettbewerb war beschrankt auf 
Architekten der Saar*täd'.e St. Johann - Saarbrücken und 
Malstatt-Burbach 

Zu einem engeren Wettbewerb zur Erlangung von Ent- 
würfen für die Bemalung der östlichen Wand des großen 
Sitzungssaales des Reichstagsgebaudes waren 9 Künstler 
eingeladen. Drei Preise von je 1000 M. erhielten die Hrn. 
Prof. Art Kampf und Prof W. Friedrich in Herl in, so- 
wie Hr. Aug. Jank in München. L'eber die Erteilung 
des Auftrages wurde die Entscheidung noch ausgesetzt. — 

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die 
Anlage eines Nordparlces In Berlin soll durch den Magistrat 
von Berlin mit einer Preissumme von zus. 10000 M. ausge- 
schrieben werden. Durch den Wettbewerb soll die Mög- 
lichkeit versucht werden, für die zukünftige Gestaltung 
des hügeligen Geländes neue Gedanken, gegebenen Falles 
hervorgegangen aus der Zusammcnwirkung der Garten- 
kunst mit der Baukunst, zu gewinnen. 



Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. G. M. In Hagen 1. W. Ein Rechtsmittel Rege» 
das bereits am 10 Aug, 1903 verkündete L'rtcil ist ausgeschlossen, 
da dessen Zustellung bereits am 39 Sept. ei folgt und damit die 
.Nollrist bereits am 39 Okt. 1903 verstrichen ist Ob die Berufung 
wurde Erfolg haben können, ist mithin nebensächlich, würde aber 
auch nur zu beurteilen gewesen sein, wenn aoUer dem Uauvertragc 
noch der Wortlaut der einzelnen infragc kommende,) Schriftstücke 
und der volle Schriftwechsel im Prozesse vorgelegen bitte. Das 
Uebergewicht der Wahrscheinlichkeit spricht gegen den Erfolg einer 
Berufung. Eine Beantwortung der einzelnen Fragen im Schriftstücke 
vom 31 De/. iqoj würde den Kaum des Briefkastens erheblich 
übersteigen und bietet kein allgemeines Interesse, weshalb solche 
abgelehnt wird Die Erstattung eines Kcrhtsgutachtens würde kost- 
spielig ccni, weil es eine Uuichsicht der «Amtlichen Schrifislücke 
zur Voraussicht halle — K. H e. 

Hrn. F. H. in Bamberg. Sic finden in unserem neuesten 
Bande der ..Uaukunde des Architekten", im zweiten Band, sechsten 
Teil, ein reiches Material über l'osthauten usw., welche« wir Ihnen 
für die Bearbeitung der Konkurrenz beir das Verkclirxminiitcriuin* 
mit l'ackcthricfpnsunit für München angelegentlich empfehlen. Der 
durch uuacre Expedition, KOnij.'gr.Uzerslr. 105, zu beziehende Baud 
kostet 10 M. ungebunden. 

Inhalt: l'as Wulniiwctir im llauiaarru il» ■■» Maitis /n Srhwtinlurt. -- 
f.lrr Wirttriaun.au drs Caai|i*tiilr voil Stun Marro Ischlussi. — Y..m Mritlner 
l'.irn. Mittciliin-tu aus Vrri-inriL l'reisbcwerbunpen. — liriei- und 
Fragekastrn. - Vrrl.an.1 .1. uls. Ih t Vi. ti.lt kirn- und li.-t i.irui -Vrieinr 

Hierzu eine Bildbeilage: Das Walzen wehr im Hauptarm 
des Mains bei Schweinfurt. 

Verlag de, rviilsclien Haiize.tuug, G. m. b II , Berlin. Kor die Redaktion 
veraniwortl. Alberl llolmatoi, Hetlin. l>tuck Tod Willi, Greve, 



Verband deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine. 
VI. Internationaler Architekten-Kongreß zu Madrid im April 1904. 



Die von dem Ausschuß des Kölner Yen 



Einvernehmen mit dem Verbands -Ausschuß vorbe- 



reitete gemeinschaftliche Reise ist nunmehr unter Mitwirkung tler vom Madrider Kongreß-Vorstände em- 
pfohlenen „Agence des vovages pratiques* festgesetzt worden, wie folgt: 

1 Kleine Fahrt: Ab Köln 2. April morgens 9 l'hr rebernaehtung in Paris, dann Weiterfahrt Iiis 
Biarrilz. wo eintägiger Aufenthalt staltfindet. Ankunft in Madrid 5. April. Kongreß in Madrid vt.in 6. 
Iiis 13. Ajii il mit Ausflügen nach Toledo, Aleala und Guadalajara, veranstaltet v<»n der Kongi etSleitung 
1 vielleicht auch l'seorial um! Aranjucz) 

Kuckfahrt von Madrid am 13. abends. Eintägiger Aulenthalt in Burgos mit Ausflug nach dem 
Kloster Las iluelgas. Eintägiger Aufenthalt in Bordeaux. 

Am 17. April nachmittags von Paris nach Köln, wo Ankunft abends n I hr. (Auf Wunsch können 
Teilnehmer auch längere Zeit innerhalb der Dauer ihrer Eahrkai Icu in Paris bleiben I. 
2. GroBc Eahrl: Zu der vorbc-chnebenrn kleinen I- alirt Irin 11.1. I1 liin/it eine Kundiei-e Madrid Granada 

Malaga Sevilla Ordova Madrid Rückkunft nach KMn am „f> April abends 
Die Beteiligung an der kleinen Fahrt kostet S7« Kranken - td. .t06 M , die große Fahrt erfordert eine 
Zuzahlung von 3» Franken — rd 260 \1 Kur diese Pauseh/iihlimgcn libeniitmnt <lie „Agence des voyagcs pratiques" 
die ItefoKlerung aul der Eisenbahn 111 II . Wagcnklass e 1 Paris Biacntz 1. WagenklasM-i, die Mahlzeiten auf der Reise 
in den Speisewagen und Uufettränmen, die Betonierung von und zu den Gasthöfen, Aufenthalt und 3 Mahlzeiten 
(2 mit Wenn in Gasthöfen I Kang.'s lauch 111 Madrid», die Fahrten zu Besichtigungen und die Trinkgelder lucrlor, 
endlich die Stellung eines deuis. li sprechenden I >. .Imelst hci s 

Bedingung ist die Beteiligung voll wenigstens jo Personen an jeder Fahrt. Der Kölner Keist-Atisscliuti 
(Ibernimmt auch die Anmeldungen und die Einzahlung der Teilnehmerbetnlge für den Kongreü imi a.s I-r. _(ao M. 
30 Pfg ) für die Person. Damen und Gäste können unter denselben Bedingungen an den gemeinschaftlichen Fahrten 
sieh beteiligen. Süddeutsche und o-lenvichi»che Faeligciiosscii können sich in Paris allst MieL'.en. 

Anmeldungen sind unter Anzahlung von 50 M. fflr die kleinere, 80 M. für die größere Fahrt und 
20 M für den KongivlJlx itrag bis spätestens /um 1. Februar zu richten an den Geschäftsführer des 
Verbandes. Reg Binstr F Fiseien in Berlin N.W'., Flemmiitgs.tr. 16. 

I. A. Der Geschäftsführer: F Kisclcn. 



I DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N°: 6. BERLIN, DEN 20. JAN. 1904 

Camillo Sitte. 





|in 16. November 1903 verschied in Wien nach kurzer 
schwerer Krankheit im 61. Lebensjahre der Vater 
der neuzeitlichen Städtchaukunst: Camilla Sitte. 
Gerade als er sich mit einem ihm ergebenen Kollegen 
anschickte, der jungen Kunst, die seit 14 Jahren mehr in 
der Stille der engeren Kachwelt zu einem viclvcrhcißen- 
den Wesen herangewachsen war, einen Tummelplatz vor 
aller Welt in Form einer Zeitschrift zu bereiten mitten 
heraus aus einer erstaunliehen Schaffensfreudigkeit holte 
ihn der Tod. Was Camillo Sitte als schaffender Architekt 
und als Städtebaukünsller, was er theoretisch und durch 
die Ausführung geleistet hat, im Zusammenhang und ab- 
schließend zu würdigen, kann jetzt noch nicht und vor 
allem nicht in der Beengung eine- Artikels unsere Auf- 
gabe sein. Erst wenn die Bewegung, die von ihm ihren 
Anstoß erhielt, zu einer gewissen Ku.ie gelangt sein wird, 
ist der Zeitpunkt gekommen zu prüfen und das Ergebnis 
zu ziehen. Fleute ist es lediglieh unsere Pflicht, zu erzählen, 
was wir vom Lebenslauf des verehrten Manne- wissen, 
uns zu erinnern, wie die Lage der Dinge war, als er mit 
seinem Wort die Kunst des Städtebaues vom Schlafe er- 
weckte und schließlich, welche Entwicklung diese unter 
seinem Einfluß genommen hat. 

Camillo Sitte wurde als der einzige Sohn des Archi- 
tekten Kranz Sitte im Jahre 1843 in Wien geboren, be- 
suchte dort die Schulen und absolvierte 1863 das Piaristcn- 
Cvmnasium. In der akademischen Freiheit, die darauf 
folgte, entwickelte sich gleich von Anfang an die merk- 
würdige Vielseitigkeit, welche uns bis zu seinem Knde 
besonder* im persönlichen Verkehr immer wieder über- 
raschte. Da- Kachstudiuni allein genügte ihm bei weitem 
nicht. Philosophische und ästhetische Studien (bei Zimmer- 
mann und Eitelberger) und mehrere Semester hindurch 
ausgedehnte Arbeiten im anatomischen Seziersaal des Prof. 
1 I vrtl gingen nebenher und als einem echten Jünger seiner 
Kun-t war ihm auch da* klingende Kelch der Sehwester- 
kimst vertrautes Land. Ein tüchtiger Cellist, wirkte er nicht 
nur in Konzerten mit, -nndern versuchte er sich sogar 
eine Zeit lang als Musiklehrer. Diese musikalische Tätig- 
keit vermittelte ihm die Freundschaft Hans Richters, Josef 
Sucher'« in Berlin und Kranz Fischer'* in München. Zur 
selben Zeit wirkte Sitte, gewiß ein Zeichen ungewöhnlicher 
Vielseitigkeit, als Lehrer der Kunstgeschichte an ver- 
schiedenen Privatschulen. 

Im Jahre 1875 berief den jungen Mann «las K. K. 
taten». Ministerium für Kultu- und Unterricht zur Gründung 
der Salzburger Staatsgewcrbcsehulc, welche er dann bis 
1883 als Direktor leitete. Von dieser Zeit ab verwaltete 
er das gleiche Amt an derK. K. Staatsgewerbeschule in Wien. 

Dem Glänze von Camillo Sitte'* Bedeutung als Städte- 
hauer gegenüber erbleichen die Arbeiten dieses schaffens- 
freudigen Lebens auf den übrigen Gebieten. Immerhin 
wäre es eine Unterlassungssünde, sie nicht zu erwähnen. 
Schon mit 38 Jahren war Sitte auserlesen, ein stattliches 
Werk in der Mechitaristenkirchc in Wien zu errichten, 
ein Jugendwerk, das er noch in der letzten Zeit seines 
l-cbons (1900) auf eine in unserer Zeit wohl einzig da- 
stehende Art und Weise zur Vollendung bringen konnte, 
indem er den Innenraum mit figürlichen Kompositionen 
ausschmückte. Alle Kartons zeichnete Sitte selbst, wozu 
er sein unermüdliches Studium im Aktzeichnen wohl ver- 
werten konnte, und einen großen Teil des Figürlichen 
führte er mit eigener Hand aus. 

Diese frühe Periode, zu der etwa noch der Entwurf 
eines leider nicht ausgeführten Theater« zu zählen wäre, 
wurde abgebrochen durch die ausschließliche Amtstätigkeit 
in Salzburg, und erst als Sitte wieder nach Wien zurück- 
gekehrt war, fand sich für ihn Gelegenheil, einen weiteren 
Kirehcnbau in Tcmcsvar 118831 auszuführen, wie die erst- 
genannte Kirche in den Formen der deutschen Renaissance. 
Ks war der gründlichen und leicht schaffenden Art Sitte * 
entsprechend, daß er sich mit dem rein Architektonischen 
nicht begnügte. Nicht nur die farbige Ausschmückung 



ging bei seinen Bauten, wie erwähnt, aus seiner eigenen 
Hand hervor, sondern auch die ganze übrige dekorative, 
plastische und bewegliche Ausstattung überließ er nicht 
Anderen. So hielt er es bei einem Jagdschloß, das er im 
Jahre 1883 in Zbirow baute, wo er Glasfenster, Lüster 
und' Möbel entwarf und dekorative Figuren sogar selbst 
modellierte. An- und Umbauten im Schlosse Sicrndorf 
bei Wien und eine Kapelle an diesem Orte, sowie viele 
andere kleine Arbeiten gingen nebenher. Die nun folgende 
zweite Paus«? j n seiner Bautätigkeit läßt sich leicht mit den 
Vorbereitungen für das Buch über den Städtebau erklären. 
Krst die fünf letzten Lebensjahre Sitte'* waren wieder 
durch Bauausführungen bereichert, deren Ort Odcrfurt- 
Privorz war. Hier erbaute er 1897 09 ein Rathaus und 
die Kaiser- Jubiläums- Marienkirche, in der die gesamte 
Einrichtung von seiner Hand gezeichnet wurde. Soweit 
ging seine aufopferungsfreudige Kunstliebe, daß er seine 
Ferien daran gab. um auch hier wieder mit dem Pinsel 
in der Hand selbsttätig seine Entwürfe für die Ausmalung 
der Kirche zur Ausführung zu bringen. 

Wenn wir nun daran gehen, die Bewertung Sitte'* int 
Gebiete des Städtebaue* zu würdigen, so wäre e* am 
Platze, des Längeren davon zu reden, welche Zustände 
vor dem Erscheinen seines Buches herrschten, damit die 
Gegensätze, das Charakteristische der Wirkung klar zutage 
treten. Gerade dafür aber, glaube ich, fehlt uns noch der 
notige Abstand zur objektiven Betrachtung. F.* ist mehr 
das sichere Gefühl, etwas erstaunlich Wichtige* miterlebt 
zu haben, das uns beherrscht, als die klare Erkenntnis, 
worin die Notwendigkeit einer so schlagenden Wirkung 
gelegen haben mag. Wenn ich dies ausspreche, so ist aller- 
dings die Einschränkung notwendig, daß für die Näherstehen- 
den das Wirken Sitte'* Perspektiven auf künstlerische Mog- 
lichkeilen eröffnet hat, die sehr weit abliegen von der heu- 
tigen Art des offiziellen Architekturbetriebes Das alles 
will Zeit haben und die Zeit ist's auch, deren immer neu 
befruchtendem und Blüten und Fruchte bringendem Weben 
Sitte mehr Verdienst an dem, was er erreicht hat, zu- 
*ehrieh, als seinem Geiste selbst. 

„Wenn die Not am größten . . . ." Daß die Not de* 
Städtebauens in den 70er und 80er Jahren immer mehr 
gewachsen war, können wir heute wohl schon sagen, ohne 
die Objektivität zu verleugnen. Man hatte das wohl er- 
kannt und strengte .allen Witz an, um einen Ausweg zu 
finden; man fand auch einen Weg. Leider war es aber 
kein Ausweg, sondern ein Holzweg, und dieser hieß: die 
Wisscnschaftlichkcit. In Kurzem wurde ein mächtiges Ge- 
bäude von Systemen aller Art errichtet. Alles war ver- 
treten, Naturwissenschaft, Technik, Volkswirtschaft - fehlte 
leider da* Herz, das alle diese todten Systeme mit warmem 
Blute hätte erfüllen können; e* fehlte die Kunst, oder 
nennen wir's anders, es fehlte das natürliche Gefühl. 
Man möchte freilich zaudern, natürliches Gefühl und Kunst, 
Baukunst im Besonderen, heule in einem Atem zu nennen. 
Das gehört eben auch zu den Perspektiven, in denen eine 
Baukunst ohne Examina und die Last des offiziellen Be- 
triebes zu ahnen ist. 

1889 erschien „De r Städ te bau n ae h sei 11 c 11 künst- 
lerischen G ru nd sätz e n , ein Beitrag zur Lösung mo- 
derner Kragen der Architektur und monumentalen Plastik 
unter besonderer Beziehung auf Wien, von Architekt 
Camillo Sitte, Reg.-Rat und Direktor der K. K. Staatsge- 
werbesehule in Wien." Die zweite Auflage folgte noch 
im gleichen Jahre Bezeichnend für die in diesem Werke 
verfolgte Absicht des Verfassers ist ein Satz der Einlei- 
tung Sitte spricht von der Wirkung antiker Platze im 
Allgemeinen und des Forums in Pompeji im Besonde- 
ren. „An einer solchen Stelle begreifen wir auch die 
Worte des Aristoteles, der alle Grundsätze de* Städte- 
baues dahin zusammenfaßt, daß eine Stadt so gebaut sein 
solle, um ilic Menschen sicher und zugleich glücklich 
zu machen Zur Verwirklichung des letzteren dürfte der 
Städtebau nicht bloß eine technische Frage, sondern müßte 



uoyi 



33 

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im eigentlichsten und höchsten Sinne eine Kunstfragc sein. 
Das war er auch im Altertume, im Mittelalter, in der Re- 
naissance, überall da, wo überhaupt die Künste gepflegt 
wurden. Nur in unserem mathematischen Jahrhundert 
sind Städteerweiterungen und Städteanlagen beinahe eine 
rein technische Angelegenheit geworden, und so erscheint 
es denn wichtig, wieder einmal darauf hinzuweisen, daß 
hiermit nur die eine Seite des Problems zur Lösung käme, 
und daß die andere Seite, die künstlerische, von minde- 
stens ebenso großer Wichtigkeit wäre."* 

So bescheiden dieses Programm klingt, so wirkungsvoll 
ist «die Art der Durchführung und so umfassend ist die 
Fülle des Materiales, das hier verarbeitet worden ist. Kaum 
ein Gebiet des gesamten Städtebauwesens gibt es, das 
nicht wenigstens gestreift wäre und zwar mit Worten, 
welche die erschöpfende Behandlung schon zum grüßten 
Teil in sich tragen. Seinem Vorsatz nach freilich wollte 
Sitte weder historisch noch kritisch arbeiten, sondern nur 
„alte und neue Städte rein kunsttechnisch analysieren, um 
die Motive der Komposition bloßzulegen, auf denen dort: 
Harmonie und sinnberückende Wirkung, hier: Zerfahren- 
heit und Langweiligkeit beruhen* Kr wollte weiter 
nichts, als durch diese Untersuchungen .womöglich einen 
Ausweg finden, der uns aus dem modernen Häuserkasten- 
Svslem befreit, die der Vernichtung immer mehr anheim- 
fallenden schönen Altstädte nach Tunlichkeit rettet und 
schließlich auch selbst den alten McislerleisUmgen Ähn- 
liches hervorbringen ließe". In Wahrheit konnte es nicht 
ausbleiben, daß die eingehende Vertiefung in die Materie 
den Verfasser dazu führte, auch außer der „kunsttechni- 
schen Analyse" eine ganze Reihe glänzend durchgeführter 
historischer Untersuchungen und rein technischer Sach- 
prüfungen zu bringen. So ist gleich in der Einleitung die 
Abhandlung der Krage, warum unsere öffentlichen Plätze 
des wirklichen l,cbcus und damit der künstlerischen 15c- 
deulung entbehren, ein Kapitel feinster Ueberlegung und 
eine Probe kräftigster Darstellung 

Ks kann nicht meine Aufgabe sein, hier den Inhalt 
des Buches zu rekapitulieren; darf man doch annehmen, 
daß es alle Fachgenossen durch eigenes Studium kennen 
oder sollte der Umstand, daß fast überall im Deutschen 
Reiche noch nach der alten -Schablone weiter gearbeitet 
wird, daß unsere Großstädte erst ganz vereinzelte Zeichen 
der Besserung aufweisen können und daß unsere Klein- 
städte mit einer erschreckenden Zähigkeit weiter liniiert 
werden — sollte dies ein Beweis dafür sein, daß Camillo 
Sitte's Werk noch so wenig bekannt ist? Sollte man da- 
raus, daß außer in Bayern und in Hessen, soweit ich unter- 
richtet bin, in keinem Bundesstaat dem Architekten, der 
hier vor allem zu sprechen hätte, ein maßgebender Ein- 
fluß auf die Bebauungspläne eingeräumt wird, sollte man 
daraus schließen, daß dcr„Städtcbau" auch zu den Büchern 
gehört, die viel geloht aber wenig gelesen werden? Die 
Schlußvignette im Buche Camillo Sitte's ist eine geflügelte 
Schnecke; vermutlich von seiner eigenen Hand, denn 
diese gemütliche und überlegene Art der Satvre sähe ihm 
ähnlich. Er kannte wohl die Well und erwartete von ihr 
und in Sonderheit von dem seines untadelhaften Bc- 
harrungs-Vemiugens frohen Teil der Welt, der sich mit 
kleinen und großen Titeln ausstaffiert, nicht mehr, als ein 
kluger Mann erwarten kann. Von Resignation aber war 
Sitte gleichwohl himmelweit entfernt. Eine Begeisterungs- 
fähigkeit sondergleichen, eine Lebhaftigkeit der ''Auffassung 
und der Mitteilung und auch einmal vor Derbheiten nicht 
zurnck-sehreekende Offenheit waren die Eindrücke, welche 
man von der Persönlichkeit gewinnen mußte. Kr gehörte 
zu denen, die ganz selbstverständlich die Kühl ung in der 
Unterhaltung nehmen, immer voll von überraschenden, 
wohl auch verblüffenden Ideenkombinationen und über- 
sprudelnd von seinen Plänen, deren Universalität manch- 
mal geradezu für uns spezialisierte Menschenkinder etwas 
Beängstigendes halte. Von den Plänen und den noch nicht 
in die Oeffemlichkeit gelangten Ideen r<bcr wäre noch 
Manches zu sprechen. Zum Glück haben wir durch die 
Person des Sohne-, dc> Architekten Siegfried -Sitte- in 
Wien, die Gewißheit, in Halde eine Ernte nach der an- 
deren von den wohl be-tclltcn Feldern des Nachlasses 
eingebracht zu sehen. Einige Andeutungen mögen des- 
halb hier genügen: Nach dem „Städtebau", der. wie ich 
hier beiläufig bemerken will. 1902 in einer französischen 
Ucbersctzung von Camille Marten in Genf erschienen ist 
und deren englische Ausgabe George I looker in Chicago 
vorbereitet, war Größeres nicht mehr erschienen; aber 
ans einer Keihe von kleinen Arbeiten konnte man er- 
sehen, daß in der Gcdunkcnwerkstatt Sitte's kein Säumen 
war. Ein Artikel der Hamburger Zeitschrift „Der Lotse" 
KQ01) mit dem Titel „Großstadtgrün" brachte eine will- 
kommene Ergänzung zu dem Buche, und von seinen 
Studien außerhalb des engeren Gebietes des Städtebaues 

3-1 



legen kleinere Arbeiten Zeugnis ab, wie die interessante 
Broschüre über „Farbcnharmonic" (Selbstverlag! und eine 
ganze Reihe von Vorträgen und Zeitungsartikeln, welche 
die verschiedensten Gegenstände umfaßten. Einige Titel 
geben einen Begriff davon, wie weit Sitte die Grenzen 
seines Nachdenkens steckte: „Richard Wagner und die 
deutsche Jugend", „Ucbcröstcrrcichischc Bauernmajoliken", 
„Ueber die neue kirchliche Architektur in Oesterreich" 
u. a. m. Es geht kaum an. von einem fast übermäßig groß 
angelegten literarischen Plan zu sprechen, ohne genauere 
Kenntnis des vorhandenen Materiales zu haben, als sie 
mir zur Verfügung steht Immerhin wäre es aber eine 
Unterlassungssünde, davon ganz zu schweigen, daß Camillo 
Sitte sieh mit der Herausgabe eines „Siebenteiligen Kunst- 
theoretischen Werkes" trug, das wohl als eine Nachfolge 
von Semper'* „Stil" aufgefaßt war Darinnen wollte er 
das Ergebnis all' seiner Studien niederlegen. Aus dem 
in über 200 Kassetten wohl geordneten Notizenmatcrial, 
dem auch einzelne schon ausgearbeitete Kapitel und viele 
Dispositionen angehören, wird wohl nur ein ganz Einge- 
weihter eine lebendige Vorstellung des gigantischen Planes 
erwecken können. Vielleicht gelingt dies dem Sohne; 

Glücklicher scheint es mit einem anderen Entwürfe 
zu stehen: einer Folge und Ergänzung des „Städtebaues", 
Wenn im ersten Bande vorwiegend die künstlerische Seite 
der Materie behandelt worden war, sollte dieser IL Band 
die wissenschaftlichen, die hvgienischcn und die volks- 
wirtschaftlichen Seiten des Städtebaues umfassen. Sicheren 
Nachrichten zufolge ist dieses Werk so weit gediehen, daß 
es Hr. Siegfried Sitte in nicht zu ferner Zeit vollenden 
und der Fachwelt übergeben kann. Außer den literari- 
schen Plänen hat der Tod noch eine Reihe architektoni- 
scher Entwürfe abgeschnitten, die vielversprechend be- 
gonnen wurden. Erwähnen müßte man die große Villen- 
anlage Maricntal bei Hainfeld, ein Sanatorium für Graz, 
eine Platzanlage für Polnisch - Ostrau, die sehr charakte- 
ristisch für die Art Sitte's als dreisätzige Symphonie ge- 
dacht war: Bezirksgericht (ernst) — 1. Satz; Pfarrhaus 
(heiter) 2. Salz, und Kirche (ernst) 3. Satz. Schließ- 
lich noch eine zweite StaaLsgewerbeschulc für Wien und 
das einzige Konkurrenzprojekt, das er zeit seines Lebens 
verfaßte: die Kaiser - Jubiläumskirche. Viele Männer im 
Alter Camillo Sitte's, wenn sie der Toxi abruft, haben 
ihre Schaffensperiode hinter sich und die Trauer über 
ihren Hingang hat den Keim des Trostes in sich. Hier 
aber sahen wir einen fallen, der noch lange nicht fertig 
war mit seinem Werke; noch ein Lebensalter hätte kaum 
genügt, all das, was in ihm zum Lichte drängle, in die 
Welt der Erscheinungen zu bringen. Undankbar aber 
dürfen wir deshalb gegen das Geschick nicht sein, denn 
was er fertig brachte, ist schon weitaus genug, um ihn 
zu einem unserer Besten zu machen. Er selbst hatte noch 
die Genugtuung. Früchte abzunehmen von dem Baume, den 
er gepflanzt: es ist nicht vergessen, welchen Einfluß sein 
Buch auf die Erhaltung mancher schönen alten Stadt, z. B. 
Nürnbergs und, wenn ich recht berichtet bin. auchVenedigs 
ausübte: Bei zahlreichen Konkurrenzen konnte Sitte seine 
freie künstlerische Anschauung 111 die Wagsehale legen 
und in verschiedenen durch die Behörden genehmigten 
Bebauungsplänen, wie in Olmütz, in Tc>chcn. Reichen- 
berg, Mährisch - Ostrau, Odcrfurl-Pi i\ orz und Marienbcig 
wird seine Arbeit gute Früchte tragen. 

In diesen Tagen hat Camillo Sitte noch einmal zu Ulis 
gesprochen im ersten Heft der neuen Zeitschrift „Der 
Städtebau", die er. wie eingangs erwähnt, vor seinem 
Tode in Gemeinschaft mit I_aiidcsbrt Th. Göcke in Berlin 
gegründet hatte. Der Artikel mit der Uebersehrift „Ent- 
eignungsgesetz und Lageplan" ist erst zur Hälfte erschie- 
nen, aber schon jetzt ist darin eine erlösende Tat zu er- 
kennen. Ich fühlte es als eine Freude ganz besonderer 
Art, daß der verstorbene Meister darin mit ebenso viel 
sachlicher Ruhe als Entschiedenheit gegen die Kleingläu- 
bigen auftritt, die. weil sie sich in eine Sackgasse ver- 
laufen haben, nun nach der Polizei rufen, die die Wände 
durchbrechen soll, um ihnen den Ausgang frei zu machen. 
Je welliger ein Bebauungsplan wert ist, desto mehr be- 
darf er der Entcignungsgcsctzc. In unserem Streben nach 
natürlich-vernünftigen Plänen wäre ein leicht in Bewegung 
zu setzender Enlcignungsapparat nur eine neue Hemmung, 
schwerer noch als die anderen, die noch immer die Bau- 
ordnungen schmücken, wie die „tunliehstc Geradfuhrung", 
das Einhalten der Baulinien u. a. m. Die Freiheit, welche 
F^nteignungsgeselzc dem Bauplan- Entwerfer verschaffen, 
ist trügerisch. Wollen wir hoffen, daß die Worte des 
Toten eindrucksvoll genug seien, uns vor dem Ucbcl zu 
bewahren; das wäre ein würdiger Schluß dieses frucht- 
baren Lebens. — 

Stuttgart, im Januar 1904 Theodor Fischer. 

No. 6. 



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Wasserturm in Rastatt. 

Architekt: Professor Friedrich Ratzel iu Karlsruhe. 

er hier veröffentlichte Wasserturm in Rastatt, der Charakter der Stadt trefflich angepaßte Form zeigt Der 

nach den Entwarfen des Architekten Prof. Friedr. Turm hat einen unteren Durchmesser von 12 °> und steigt 

Ratzel in Karlsruhe errichtet wurde, darf auf ein bis zu einer Höhe von 50 m an. Er besteht aus verputztem 

weitergehende-- Interesse Anspruch erheben, weil er nach Hacksteinmauerwerk, unter sparsamer Verwendung von 

dem künstlerisch wenig -1 liuiien Sy-tem Intze mit der hellem Sandstein. Das Dach ist mit roten Ziegeln und mit 

starken Einschnürung unter dem Wasserbehälter konstruiert Kupfer eingedeckt. Die Maukosten de> eigenartigen Wcr- 

ist, im AeuUeren aber eine künstlerisch interessante, dem kes betrugen ohne Behälter rd. 61 000 M 





20 Januar 1904. 



35 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Architekten-Verein zu Berlin. In der an) Ii Dez 1903 
unter dem Vorsitze des Hrn. llinckeldcvu abgehaltenen 
Sitzung hielt Hr. Oder einen Vortrag Uber „Die neuen 
Alpenbahiicn in Oesterreich". Nach einem kurzen 
Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung der Alpen- 
bahnen in Oesterreich wandte sich der Vortragende zur 
Besprechung der neuen Linien, die augenblicklich zur Er- 
gänzung des beziehenden Netzes ausgeführt werden und 
vor allem eine bessere Verbindung mit Tric-t herstellen 
sollen An der Hand der Statistik wies er naeh, wie 
wenig zufriedenstellend die Entwicklung des Verkehres 
im llaupthafen der Oeslerr. Monarchie im Vergleieh zu 
der anderer Häfen gewesen sei. In erster Linie sei dies 
darauf zurückzuführen, daU es hier an einem eigenen 
industriell hoch entwickelten Hmterlande mangele, und 
dal» Tuest gezwungen sei, seine Tätigkeit auf solche Ge- 
biete zu erstrecken, die von der See durch bedeutende 
Kutfcrnungen und natürliche Hindernisse getrennt sind. 
Pie neue Bahnverbindung soll dazu dienen, das Attraktions- 
gebiet zu erweitern I >cr Vortragende wandte sich sodann 
der Schilderung der Linien 1111 Kinzelnen zu, die er im 
Sommer des Jahres mit Empfehlungen des österr. Eisen* 
bahnmittislers Hrn. von Witteck beieist hatte. Ks sind 
dies die „Taue r 11 bah 11 " d. h. die Strecke von Schwarz- 
ach St. Veit an der (iiselabahn tluivh's ( iasteiner Tal nach 
Müllbrücken an der Piistertalbahn. die .Karawanken- 
bahn" d. h. die Strecke von Klageufuil bezw. Villacb 
nach A — ling, sowie endlich deren unmittelbare Fortsetzung 
nach Tricst. die sogen. „Woche i nerbahn Die Strecke 
Schwarzach St. \'eit (iastein soll bereits im nächsten 
Jahre, die Keslstrcckc (fastein Mollbrücken dagegen erst 
im Jahre 1908 eröffnet werden. Die Inbetriebnahme der 
übrigen Linien ist Ende 1905 in Aussieht genommen. Art 
der Hand zahlreicher Lichtbilder wurden die verschiede- 
nen Bauausführungen, insbesondere die Installation*- An- 
lagen der groben Tunnel ausführlich besprochen. Zum 
Schlüsse gedachte der Vortragende mit wannen Worten 
der herzlichen Aufnahme, die ihm seitens der Österreich 
Kaehgeiiossen zuteil geworden sei, sowie ihrer ebenso 
sachkundigen als liebenswürdigen Führung bei dem manch- 
mal etwas beschwerlichen Studium der interessanten und 
gefährlichen Arbeiten. Insbesondere sprach er dem ge- 
nialen Leiterder Bauarbeiten. Ihn. Baudir. Wurmh, seinen 
Hank aus für das freundliche Kntgegeitkommen und die 
L'eberlassung von Materialien für die Ausarbeitung des 
Vortrages. Mit herzlichen Wünschen für das (ieliugen des 
grollen Werkes »ehloU der Redner seine Ausführungen. 

Den SchluU der Sitzung bildete die Beurteilung zweier 
Monat» • Wettbewerbe Der eine betraf den Kntwurf zu 
einem Hubtor für eine Schleuse Hr. I'. Gerhardt 
erstattete den Bericht Ks war nur eine Bearbeitung ein- 
gegangen , der ein Veiciiis.nidcnkcn zugebilligt wurde; 
Verf. I Ir Keg.-Binslr. Ziegler in Kiosscn. Die zweite 
Aufgabe betraf den Kntwurf zu einer Dorf sehän kc, zu 
welcher 17 Arbeiten vorlagen Namens des Ausschusses 
erstattete Hr. Herrn. (iutii den Bericht. Vier Arbeiten, 
nämlich den Umwürfen der Hrn. Reg -Bfhr Fr Lahrs 
\u Kntw.t, Ueg Bnistr Fritz Schultz und Kcg -Bntstr. 
Kiehl, sämtlich in Berlin, wurde je ein Vereinsaridenken 
ziterkannL 

Vermischtes. 

Das Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft 
und Technik in München, welches dazu bestimmt ist, den 
Einflut) der wissenschaftlichen Forschung auf die Fort- 
schritte der Naturwissenschaften und di r Technik und die 
historische Entwicklung der verschiedenen Industrien in 
Deutschland zu zeigen, hat durch Krlnli des Prinz regenten 
von Baven« vom 28. De/ ic-o j als eine Anstalt des ollem- 
liehen Rechtes die Rechtsfähigkeit erhalten Gleichzeitig 
wurden die Satzungen genehmigt. Das Museum wird 
ohne Zweifel ein Lehr- und Erziehungsmittel tnr iias 
ganze Volk werden Für einen Neubau ist durch die 
Stadt München ein Bauplatz an einem der schönsten 
Blinkte Münchens zuge-agt Wir werden aut.hc Organisation 
des Museums 11..H1 -eh-gentlich emin.il zurüekk ich. 

Zu einer Erweiterung des Germanischen Nationalmuseums 
In Nürnberg wid <be Berliner Plh^-cluifl die Mittel he- 
schiifl. n Im Jahre i'M-j wurde .Um Museum <ler längs 
seiner Front .1*1 <ler Franectorgasse entlang ziehende Teil 
der Stadtmauer mit Zwinger und |- cs'utig-graben von der 
Stadt Nürnberg als ( ie-clu-nk ubei lassen, hssi-nwein schon 
hatte die Absicht, durch mehrere Brucken zum Wehrgang 
der Stadtmauer das groL'.e ( /elandc mit der Baugruppe des 
Museums zu verbinden, um au! demselben mittelalterliche 
Vertcidigungs-Ma-chmcn in ihrer wirklichen Verwendung 
zu zc:-i 11. Die \ 'erließe der Türme, die Mauer, der Zw inger 



sollten mit alten Kriegswerkzeugen, Wurfmaschinen, Hau- 
bitzen usw. beseut werden und dem Beschauer ein Bild 
mittelalterlichen Befesligungswesens im Urbild darbieten. 
Der Hau scheiterte bisher an den fehlenden Mitteln. Diese 
will nunmehr die Berliner Pflegschaft versuchen aufzu- 
bringen, um durch Krriehtung der ersten Brücke über die 
Frauentorgasse zur alten Stadtmauer dem Museum einen 
wichtigen Bestandteil zu gewinnen, der ihm zwar schon 
gehörte, aber durch ilic l ngunst der Verhältnisse nicht in 
Benutzung genommen werden konnte. Die Entwürfe für 
die Brücken stammen noch von Essenwein, welcher auch 
die Anfanger der Brücken bei den Neubauten bereits Vor- 
mauern lielJ Der schöne Plan verdient die wärmste Unter- 
stützung aller Freunde des Museums. 



Chronik. 

Ueber einen Schiffahrtskanal von der Ostsee zum 
Schwarzen Meere, mit welchem »ich die russische Regierung 
wirdc 1 holt beschäftigt hat, bringt der .Enginecr* die Nachricht, 
das* ein amerikanisches Syndikat der russischen Regierung das 
Angebot gemacht habe, diesen Kanal fflr 640 Mill Mark auszufQhien, 
tl. Ii erheblich billiger als bisher geschätzt. Der Kanal soll auch 
Kriegsschiffen den Durchgang sichern — 

Der Bau des Künstlerhauses In Nürnberg wird nach einem 
Knlwurfe des Stadt. Architekten O. Sccgy demnächst begonnen und 
zur Nürnberger Ausstellung des Jahre« 1906 vollendet sein. Zu 
den Baukosten von 600 coo M, liegen private Sammlungen von 
jcooco M sowie ein stadt. ZuschuU von 100000 M bereit. Das 
Künstlerin««» »oll Vcrwaltungsraumc, Ausstellungsräume (<lr die 
»litdt. Gemäldegalerie und ilic Sammlung des Albrcchl-DOrer- 
Verein«, snwic ein Restaurant enthalten — 

Ein neues Gebäude der kgl. Bank In Ludwigshafen »t 

«m n lli i 1003 se.ner Beslinimung fibergeben woiden. Das Gebäude 
ist nach den Fnlvvurfe.-n des Hrn. Prol. Albert Schmidt in München 
ausgeführt — 

Der Bau eines neuen Ober-Realschul-Oeb8udes in Steglitz 

ist nach dein Fntwuife des Hui. Reg.-Bmstr Blunck mit einem 
Aulicnde von 620 coo M. sowie von 3 j 000 M. für ein Wohnhaus 
des Direktors in Aussicht genommen. — 

Ein neues Rathaus für Mannheim soll durch Umbau des 
Kaufhauses gewonnen werden. Die l'nibaukostcn sind mit 1,5 Mill 
Mark veianschlagt — 

Die Einweihung der neuen Christuskirche In Heidelberg, 
nach tinrm F.ntwuif des Hin Bit Bcliaghcl in Hr Idelberg im 
Stile der RenaisK.il cc cniihtct, tat nm 3 Jan 1004 stattgefunden. — 

Ein Pettenkofer- Haus und -Denkmal soll nach den Ab- 
lichten eines bez. Kumilce» auf der von der Stadtgemcinde Meirichen 
abzutretenden Isailust erstehen — 



Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Den Postbitn. Stüler in Kobiem und 
Trenn w in Berlin, soaic dem l'ostbrt. a. D- Neu mann 111 
Krfurt ist der Char als lieh. Rrt verliehen. 

Den Garn -Bauinsp. Docje in Stettin, Socnderop in 
Kussel, Sonnen bürg in Schwerin, Hahn in Hannover, M a u r • 
mann in Karlsruhe, Sorge in Spandau, P o 1 a c k in Altona, 
Srliu Itze in Berlin iGaidcko.ps) . Btlsihcnhagcn in Stiiill- 
burg i K , K 11 i r c k in Bonn, R a h m I o w in Gumbinncn, Ad 
Meyc 1 in liier, Stuckhardt in Str.Hburg 1 F. , S . h o 1 z e in 
Graudcn-, P a e |> k e in Metz, W e i n I i g in Frciburg i B , H a u ti- 
li 11 e t Ii t in Berlin, L i c Ii 11 c r in Posen, Lieber in Stmüburg, 
G il t Ii t in Thum, llallb-ucr in Breslau, R 1 < n l e r in Spandau, 
II a g e m a ii 11 in Altona, Weilrod in Potsdam u l'rnut 111 a n 11 
in Torgau i-t der Onir ah Bri. mit dem persönl Range der Rate 
IV Kl. verliehen. 

Vetse'il sind: Die Garn llnuinip char Brt Schneiderin 
Stullgart zur Kmptlnteml und Brtiunbelr. in die LokahBau- 
bcuniienstc-Jlc Stiittgatt 

Der Mar. Si hilllmistr. Petersen in Kiel ist nach Berlin zur 
Dienstleistung im Reichs Mar. -Amt veisetzt. 

Bayern. Der Reg - 11 Kr.-Kil Brenner, Vorst, des K. Wasser- 
versorg. Hin ist z. Ob Bit. btföiüeit. 

Hessen. Der Kunsis. hr Llisttllcr und Verleger Alex. K o r Ii 
in Dainistadt ist zum Ik'iiat ernannt 

PreuOen. Die Reg -Bfhr. Otto Mnchwirth aus Chat. Saliiis 
lud Ad Seidel au> Iterhn (Hnelibfclc), — Ad Selig aus Gut 
II...I.111 und Wilh. Riepe aus llilckcr (Wasser- u- StraUenbfeh >, 
-- Wdh. Krem au* Salzungen, z\lex. Linke und Rud. Fat keil 
aus Hannover i Kisenbleh.), ■ und Wilh. Wurl aus Hrombcrg 
tMa-eh -Bich.) xjiiil zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Sachsen. Den Fin • 11. Rrln II übler bei der Straften- u. 
\Va»ei-Huuvciwu!lg. und Schmidt bei der Hochbauverwaltg ist 
ilcr Tit. und Rang als Ot> -Brt. verliehen. 

Der Reg.-Btcir. F.iwin Berndt ist z. ctalm. Rcg.-Bmstr. bei 
■ ler Kgl SlraUen- und Wusser-Bauinsp I in Pirna eiiianut. 

Der Rcg.-Bmstr. Grube ist behufs Uebertrttts zur Baudir des 
Kgl Minist des Inn. aus dem Dienste d Hochbauverwaltg entlassen. 

Württemberg. Dem Rcg.-Bmstr. Hahn ist die Abt -log, -Stelle 
bei der Fiscnb.-Uauiiisp. Reutlingen übertragen. — Dem Reg.-Bmstr. 
D o 1 1 i n g e r bei der DomAnen - Dir. is« die n»> hges. Kntlass. aus 
dem Staatsdienst gcwAhit. — 

Der (lb -ln-p, lit Bit. Stahl ist z Bit bei der Gen -Dir der 
Staalscisenb befördert 



Inhalt: 1 :.ool|o s.tte Wuso-rturm 111 KasUlL Mitteilungen au» 

Vereinen — \ er Uli- lites. — llumnz. - fe. s.h:jiI-Nai Ih n'hleii. 

\Vi!j; der llr.itHelirii rt»iizeil-ini. Ii m. Ii II . Bei hn. Kfli die Kedaklion 
vennmonJ. Aibcn llofmanii, Hrrlin. lnu.lt vou Wilh. Greve, Herun. 

No. & 

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Thür 



DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 7. BERLIN, DEN 23. JAN. 1904 

Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig. 

Von Paul Bischof, über- und Geheimer Baurat in Halle a. S. 

Bei der getrennten Lage der Bahnhöfe sind zum 
Uebergang der Guterwagen von citier Linie zur ande- 
ren mehrere kurze Verbindungsbahnen angelegt, die 
meist in den preuß. -sächsischenUcbergabe-Bahnhof ein- 
münden, sodaß der Uebergang von Fahrzeugen der 
Richtungen von Bayern Ober Hof, von Bayern über 
Zeitz-Gera, von Magdeburg und von Thüringen einer- 
seits nach Dresden, nach Berlin und Eilenburg ander- 
seits, sowie der LVbergang der drei letzten Stationen 
unter sich nur über den Uebergabe-Bahnhof mAglich 
ist. Die von Süden und Westen auf dem außerhalb 
ilrs Stadtgebietes gelegenen Vcreinigungs - Bahnhof 
Leutzsch von Probstzella-Gera hezw. Erfurt-Korbetha 
eingehenden Güterzüge werden daselbst auf mehr als 
ungenügenden Anlagen getrennt. Die Wagen gehen 
einesteils für den Ortsverkehr nach dem Thüringer 
Bahnhof, anderenteils werden sie über die unweit des 
Haltepunktes Gohlis-Möckern von der Thüringer Strecke 
abzweigende Thüringer Verbindungsbahn nach dem 
Uebergabe-Bahnhof oder über diesen unmittelbar nach 
Schenefeld überführt, eine Arbeit, die der Thüringer 
Bahnhof und seine nachstehend beschriebene Verbin- 
dung mit dem Uebergabe-Bahnhof durch den Magde- 
burger Bahnhof keinesfalls leisten konnte. 

Ein weiterer Verkehrsaustausch findet statt zwi- 
schen dem Thüringer Innenbahnhof und dem Magde- 
burger Außenbahnhof | Eutritzsch 1 für den Ortsverkehr 
und für die Richtung von und nach Halle, sowie für 
die nach der Betriebswerkstatt auf dem Thüringer Bahn- 
hof bestimmten Reparaturwagen, über die zwischen 
beiden Stationen liegende kurze Verbindungsstrecke. 

Von der Linie Magdeburg-Halle-Leipzig eingehende 
Güterzüge enden auf dein Magdeburger Außenbahn- 
hof (Eutritzsch) und werden dort getrennt. Die An- 
lagen hierfür sind äußerst mangelhaft. Dann gehen 
die Sendungen nach dem Innenbahnhof oder sie 
werden für den weiteren Lauf entweder nach dein 
Thüringer oder — auf einer besonderen Verbindung* 
strecke - ■ nach dein Uebergabe - Bahnhof überführt. 

Die Güterzüge aus der Richtung von Berlin und 
Zerbst Ober Bitterfeld fahren auf dem Berliner Bahn- 
hof ein. Soweit die Güter nicht für den Ort bestimmt 
sind, gehen sie sämtlich über eine Gleisverbindung 
nach dem Uebergabe-Bahnhof und erst von da auf die 
preußischen und sächsischen Linien über. 

37 



I. Jetzige Zustände auf den Leipziger 
Bahnhöfen. 

ür den Personen- und Güterverkehr mit 
der inneren Stadt Leipzig besitzt die 
preußische Eisenbahn- Verwaltung 4, die 
sächs. Eisenhahn- Verwaltung 2 eigene, 
getrennt liegende Bahnhofe, vcrgl. den 
Uebcrsichtsplan Abbildg. 1 S. 38. Von 
den preuß. Bahnhöfen liegen drei, der 
Jnnger, der Magdeburger (Innen- und Außenbahnhof 
mit Güterladestelle Eutritzsch) und der Berliner nahe 
nebeneinander im Norden der Stadt, während der Eilen- 
burger Bahnhof im Osten sich befindet. In den Thüringer 
Bahnhof münden die von Süden und Westen kommen- 
den Linien von Bavern (Probstzella -Gera) und von 
Thüringen (Erfurt -Korbethai, nachdem beide Linien 
sich in Leutzsch vereinigt haben. Der Magdeburger 
Bahnhof vermittelt den Verkehr nach Halle-Magdeburg, 
der Berliner denjenigen nach Bitterfeld -Zerbst und 
nach Bitterfeld-Berlin. Auf dem Eilenburger Bahnhof 
endet dicStreckeKoUbus-Eilenburg-Lcipzig. Drei Bahn- 
höfe sind Kopfstationcn, nur der Berliner Bahnhof ist 
Durchgangsstation für den Verkehr nach der Richtung 
Bayern und Sachsen über Altenburg-Hof. Die sächs. 
Bahnhöfe sind der Bayerische im Soden der Stadt 
für die Linien Leipzig-Hof, Leipzig-Gaschwitz-Mcusel- 
witz und Leipzig-Borna-Chemnitz, und der Dresdener 
— neben dem Magdeburger Bahnhof — für die Linien 
Leipzig-Ricsa-Dresden, Leipzig-Döbeln -Dresden und 
Leipzig-Geithain-Chemnitz; beide sind Kopfstationen. 
Die preuß. und die sächs. Eisenbahn- Verwaltung besitzen 
gemeinsam nordöstlich vom Thüringer, Magdeburger 
und Dresdener Bahnhof und südöstlich vom Berliner 
Bahnhof einen Güterübergabe- oder Sammelbahnhof. 

Abgesehen von der unmittelbaren Verbindung des 
Berliner Bahnhofes mit dein Bayerischen durch die 
Bayerische Verbindungsbahn, auf der fahrplanmäßige 
Züge verkehren, können nur zwischen dem Magde- 
burger und Dresdener Bahnhof einzelne durchgehende 
Wagen mittels Drehscheibe am Kopfe dieser Bahn- 
höfe in beschwerlichster Weise überführt werden. Im 
übrigen ist das in Leipzig durchreitende Publikum für 
den Verkehr zwischen den Bahnhöfen auf Omnibus- 
Fahrten und elektrische Strassenbahnen angewiesen. 



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Alle von Osten her Ober Eilenburg ankommenden 
Güterzüge werden auf dem Rangicr-Bahnhof Schöne- 
feld angebracht, die OrtsgQter gehen nach dem Eilen- 
burger Bahnhol, die Wagen für Thüringen über die 
Eilcnburger Verbindungsbahn, den Ucbergabe-Bahnhof 
und die Thüringer Verbindungsbahn nach Leutzsch, 
den Ucbergabe-Bahnhof nur durchlaufend, die übrigen 
Wagen werdet» dem Ucbergabe-Bahnhof zugeführt. 

Von den sächs. Linien mündet die Dresdener un- 
mittelbar, die Bayerische mittels der Bayerischen Ver- 
bindungsbahn in den Liebergabe - Bahnhof ein. Auf 
diesen Linien sind in Engelsdorf und Gaschwitz Vor- 
bahnhöfe angelegt, in welchen die Güterwagen nach 
den verschiedenen Bestimmungsorten verteilt werden 

Im Westen Leipzigs findet eine Uebergahe von 
Gütern, hauptsächlich der RichtungThUringcn-Sachsen, 
zwischen der preuß undsächs. Verwaltung abwechselnd 
auf dein preuß. Lokalbahnhof l'lagwitz-Lindenau der 
Zeitzcr Linie und atif dem ihm unmittelbar benach- 
barten sächs. Bahnhofe gleichen Namens, den» End- 
punkte der Gaschwitzer Verbindunsglinie, statt. 




Abbililg. I. F.iicnblhnanlngcn vor ilrm l.'mbmi 



Die Höchstzahl der auf den oben genannten prcuU. 
Bahnhöfen täglich behandelten Achten betrug im Jahre 
1898, Durchgangsverkehr nicht mitgerechnet: 



für Leipzig Thüringen 
Magdeburg 
Euttitzseh 
Berlin 

„ „ Eilenburg 

„ Plagwitz-Lindenau 

„ Leutzsch 

„ Schonefeld 



688 Eingang, 698 Ausgan», 

650 ., 600 

2962 „ 2950 

1700 „ 1700 

240 » 240 

900 „ 900 

2542 » 2785 

1 690 „ 1 700 „ 

Der Verkehr <lcs Uebergabe • Bahnhofes ist von 
317026 im Jahre 1879 behandelten Wagen auf 81 1000 
im Jahre 1890, mithin um 156",,, vom Jahre 1894 bis 
1899 von 600107 auf 81 1000 Wagen 35 % gestiegen. 
Die l'ebergabe in Plagwitz-Linrlenau beziffert sich im 
Höchstfälle auf 400 Achsen hin und ebensoviel zurück. 

Auf Bahnhof Leipzig (Thüringen) sind etwa 1600 '» 
LadcstraUcn- Länge und 3100 'i m Schuppenfläche er- 
forderlich, aber nur 720" 1 bezw. 2200 vorhanden. 
Der Magdeburger Bahnhof bietet bei 4100*1"' Bedarf 
nur 2960 M'" Sehuppenfläehe. 

3» 



II. Notwendigkeit einer Abhilfe und Grund- 
lagen für einen Umbauentwurf. 
Diese wenigen Zahlen - auf mehr einzugehen, 
würde hier zu weit führen — und neben diesen der 
in dem Wechselverkehr auf dem L'ebergabe-Bahnhof 
gekennzeichnete Zuwachs des Leipziger Verkehres er- 
klären ohne weiteres, daß die Leipziger Bahnhöfe, die 
vor Jahren von Privatbahn-Gesellschaften für die da- 
maligen Verhältnisse voll ausreichend, aber ohne 
wesentliche Erweiterungsfähigkeit erbaut sind, nun- 
mehr mit ihren unzulänglich gewordenen Einrichtun- 
gen und ihrer nicht einheitliehen Anordnung, die von 
Kall zu Kall dem jeweiligen Bedürfnis angepaßt ist, dem 
weiter wachsenden Verkehr nicht mehr genügen können, 
und daß diese Einrichtungen an sich weiterhin auch 
nicht verbesserungsfähig sind. Wo notdürftig und 
fast immer mit Schädigung anderer Verkehrsanlagen 
an irgend einer Stelle Erleichterung geschaffen wer- 
den konnte - der Verfasser kennt in dieser Hinsicht 
nur die preußischen, nicht aber auch die sächsischen 
Bahnhöfe eingehend — war der Ei folg stets nur von kur- 
zer Dauer. Kleine Hilfen waren 
nicht mehr anwendbar. Die 
Unzulänglichkeit der Rangier- 
anlagen vor allem auf dem Mag- 
deburger und auf dem Ucber- 
gabe-Bahnhof führte schon im 
Dez. 1899 zu Verkehrsstockun- 
gen. Die Stationen versagten 
mehrere Wochen vollständig. 

Hieraus erhellt auch, daß 
den Anstoß zu den geplanten 
Umwandlungen der Eisenbahn- 
Anlagen in und bei Leipzig 
nicht in erster Reihe die Per- 
sonen-Bahnhöfe gegeben h aben, 
deren Zustand, wie bekannt, 
dem reisenden Publikum höchst 
unbequem und den Anforde- 
rungen der Jetztzeit in keiner 
Hinsieht mehr angemessen ist; 
es sind vielmehr die großen 
Mißstände in den Anlagen für 
den Güterverkehr gewesen, die 
auf einen Umbau mit zwingen- 
der Notwendigkeit und in einer 
solchen Ausdehnung drängten, 
an die in noch nicht weit zu- 
rückliegenden Jahren bei ein- 
facheren Verkehrsverhältnissen 
nicht gedacht werden konnte. 

Der unhaltbare Zustand ist 
nicht erst kürzlich eingetreten 
und beobachtet worden. Die 
Versuche, zu einer geeigneten 
Planung zu gelangen, beginnen 
schon im Jahre 1874 mit einem Entwurf, dessen Aus- 
führung ■ 7,25 Mill. M. kosten sollte, der aber allen Be- 
teiligten, zumeist Privatbahn -Gesellst haften, zu teuer 
erschien. Dem wirklichen Bedarf mehr angepaßt waren 
einige spätere Entwürfe Diese waren aber lediglich 
dazu geeignet, die Ansichten der drei Hauptbeteilig- 
ten, der preuü. und sächs. Staatsbahnvcrwaltung und 
der Stadt Leipzig hinsichtlich dessen, was zu geschehen 
und was nicht zu geschehen hatte, soweit zu klären, daß 
die preuß. Zentralstelle im April 1899 der kgl. Eisenbahn- 
Direktion zu Halle a. S. den Auftrag erteiten konnte, 
einen Entwurf aufzustellen nach einer Reihe bestimm- 
ter Leitgedanken, für welche allseitige Zustimmung 
nunmehr anzunehmen war. Diese Leitgedanken waren : 

1. Kür Leipzig ist nur ein weit in die Mitte der 
Stadt vorgeschobener Kopfbahnhof auf dem jetzigen 
Gelände der Thüringer, Magdeburger und Dresdener 
Bahnhöfe zweckmäßig und nach dem Stande der städt. 
Bebauung nur hier ausführbar. Seine Bahnsteige sind 
2 3"' über dem Pflaster des Vorplatzes anzunehmen. 

2. Dieser Hauptbahnhof soll alle in Leipzig ein- 
mündenden Linien beider Verwaltungen mit der Mög- 
lichkeit gleichzeitiger Ein- und Ausfahrt aufnehmen und 

No 7. 



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hierbei den Durchgangsverkehr der wichtigsten Rich- 
tungen Herlin Bayern über Hof, Thüringen Dresden 
und Thüringen Magdeburg möglichst erleichtern, wo- 
bei eine Kreuzung von Hauplglcisen in Schienenhöhe 
namentlich bei den Ausfahrten nicht zu vermeiden ist. 

3. Im übrigen soll zu beiden Seiten einer zu ver- 
einbarenden Achse, welche gleichzeitig die selbst- 
ständigen Betriebe beider beteiligten Verwaltungen ab- 
grenzt, eine streng getrennte Gruppierung der Anlagen 
durchgeführt werden. 

4 Die Güterbahnhof-Anlagen sollen eine wesent- 
liche Erweiterung erfahren, dabei aber in unmittel- 
barer Nähe des Verkehrs - Mittelpunktes, wo sie sich 
jetzt befinden, bleiben. 

5. Der in sächsischein Betriebe befindliche Ueber 
gabe-Bahnhof ist nicht beizubehalten. Die Gütcrübcr- 
gabe ist einfacher zu gestalten. 

6. Die bestehenden Straßenkreuzungen in Schienen- 
höhe sind zu beseitigen. 

7. Ein besonderorPostgQtcr- Bahnhof ist vorzusehen 
Die hiernach bearbeiteten Entwurfsskizzen nebst 

Kostenübei Schlägen konnten im November i8oq bei der 



preuß. Zentralstelle zur Vorlage gelangen und wur- 
den von dieser im Marz. 1900 als günstige Grundlage 
für die weitere Bearbeitung des Gesamtentwurfes an- 
genommen; die im preußischen Teil ausführlich durchge- 
arbeiteten Entwurfsstücke wurden im Dezember 1902 
endgiltig zur Ausführung festgestellt. Bereits im Febr. 
1901 hatten Verhandlungen zwischen den beteiligten 
Eisenbahn- Verwaltungen undderStadtgemeindeLcinzig 
begonnen, die im Mai 190a zum Abschluß von Ver- 
tragen führten, wobei alle inbetiacht kommenden 
Punkte unter Annahme der von der preuß. Eisenbahn- 
Verwaltung aufgestellten Entwurfsskizzen vereinbart 
und bis ins einzelne festgelegt worden sind Die er- 
forderlichen Bausummen belasten nach den Verträgen 
voraussichtlich Preußen, Sachsen und die Stadt Leip- 
zig mit 52,4, 53 und 17,3, zusammen 122,7 Will. M 
Hierzu werden noch 5 bis 7 Mill. M. zu rechnen sein, 
welche die Reichspost -Verwaltung für Herstellung der 
für sie allein erforderlich werdenden Anlagen aufzu- 
wenden haben wird. Der die Posteinrichtungen be- 
handelnde Vertrag steht kurz vor dem. Abschluß. — 



Haus Peter Spreckels für Dresden. Architekten: Schilling te 

iHttlH rinr MM 

er in den beistehenden Abbildungen darge- 
stellte Entwurf zu einem I lause PctcrSpreckels 
für die Thiergarten Straße in Dresden ist 
infolge der Ungunst der Zeitverhältnisse 
leider nicht zur Ausführung gelangt, bietet 
aber so viel künstlerisches Interesse, daß er der Ver- 
gessenheit der Studienmappr entrissen sein mag. Die 



(iräbner in Dresden. 




anziehend und frei von der landläufigen L'eberlieferung 
Im Aeußeren ist es die Herrschaft der xvagrechten 
Abschlußlinien, die ihm das besondere Gepräge ver- 
leiht. Sandsteinquaderung und Putzflächen sind mit 
einem in freier Auffassung gedachten Ornament zu 
neuer Wirkung vereinigt. Von der Gestaltung des 
Inneren möge der Schnitt durch die Diele ein die 



Anlage des Grundrisses und die Verteilung der Räume eigenartige Wirkung andeutendes Bild geben Der 

auf die beiden Hauptgeschosse geben zu besonderen schöne Entwuif löst den lebhaften Wunsch aus, daß 

Ausführungen keinen Anlaß. Die formale Durchbildung ein neuer Bauherr sich finden möge, der Mittel und 

des Inneren und Aeußeren aber sind in hohem Grade Kunstsinn genug hat, ihn zur Ausführung zu bringen 




23. Januar 1904. 



Berliner Neubauten. 

No. in. Das neue Herrenhaus des preu U ischen Landtages. 
Architekt: Geh. Brt. Friedrich Schulze in Berlin. 




m gleichen Tage, an welchem vor 
5 Jahren, am 16. Januar 1899, das 
von demselben Architekten er- 
richtete neue Abgeordnetenhaus 
des preußischen Landtages in Be- 
nutzunggenommen wurde, ist auch 
das neue Herrenhaus mit einer 
warmen parlamentarischen Aner- 
kennung für seinen Architekten 
seiner Bestimmung übergeben worden. Wir haben 
bei Gelegenheit der Schilderung des neuen Abgeord- 
netenhauses in den No. 4 l( des Jahrganges 189g der 
„Deutschen Bauzeitung" die Vorgeschichte des Baues 
sowie die Gesichtspunkte für die Wahl des Platzes er- 
örtert, sodaü wir uns dieses Mal darauf besehranken 
können, einige kurze ergänzende Worte der Gesamt- 
anläge zu widmen und im Anschluß daran das neue 
Herrenhaus an sich zu schildern. 

Als das letztere begonnen wurde, stand außer 
dem Abßeordnctenhause noch das beiden Gebäuden 
dunende und beide verbindende Minister-Gebäude. 
Einesteils die For- 
derung, daß vom 
Minister - Gebäude 
die Sitzungs-Säle 
der beiden Häuser 
auf dem kürzesten 
Wege zu erreichen 
sein mußten, an- 
derseits die reich- 
lichen Raumver- 
hältnisse der Bau- 
stelle haben zu 
einer Gesamt An- 
ordnung der bei- 
den Gebäude er- 
führt, welche von 
der überkomme- 
nen Gewohnheit 
der geschlossenen 



StraUenflucht abweicht und sowohl in der Prinz 
Albrecht-, wie in der Leipziger • Straße Architektur- 
bilder hervorgerufen hat, die als eine befreiende Er- 
lösung von der Starren Flucht der parallelen Straßen- 
wandungen nicht h-bhaft genug begrüßt werden können. 
In der Prinz Albrecht-StraUe ist vordem nach allen Seiten 
frei liegenden Abgeordnetenhause ein geschlossener 
Vorhol geschaffen worden, welcher das Haus in vor- 
nehmer Monumentalität vom Straßenverkehr abrückt. 
Vor dem Herrenhause an der Leipziger Straße ist 
unter Zuhilfenahme der dem Herrcnhause angeglieder- 
ten beiden Wohnhausflügel für den Präsidenten des 
Alii;eordnetenhaiises zur Linken und den des Herren- 
hauses zur Rechten der Vorhof zu einem Ehrenhoi in 
Sinne der Palastbautcn des XVIII. Jahrhunderts ge- 
steigert worden, ein vortrefflicher und unter allen Um- 
ständen nachahmenswerter Gedanke, welcher dem oberen 
Teile der Leipziger Straße jenes vornehme Gepräge ver- 
leiht, durch welches der nordliche Teil der Wilhelm- 
Straße in Berlin sein'aristokratisches Gepräge erhält 
Den Ehrenhof umgibt ringsum die Monumcntal-An hi- 




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tcktur des Parlaments-Palastes 
und erhöht mit dieser den Ein- 
druck Die ungemein klare und 
übersichtliche Kaumanordnung 
des dreiteiligen Baukörpers geht 
aus den mitgeteilten Grundris- 
sen mit genügender Deutlichkeit 
hervor. Im l'ntergcschou" der 
Wohnung.sflügel liegen seillieh 
der breiten Einfahrten, einen 
geraumigen inneren Hof um- 
schließend , Dienstwohnungen 
für Lnterbeamte, nebst Wagen- 
remisen und Pferdeställen für 
die Bedürfnisse_dcr beiden Prä- 
sidenten. Das Untergeschoß 
des Hauptbaues wird in seinem 
vorderen Teile 
eingenommen 

durch die Ein- °" —u**immm 
gangshalle, die 
Kleiderablage, 
die Räume für 
Boten nu ister, 
Boten und den 
I lausiuspektor: 
in den Seiten- 
teilen durch Bo- 
ten-, Diener- u. 
Gesinderäume, 
sowie durch die 
Kcstaurations- 
Küehe mit Ne- 
benraum.inden 
hinteren Tei- 
len wieder von 
Dienstwohnun- 
gen usw. Un- 
ter dem Sitz- 
ungssaal liegen 
ein Zugang für 
die Stenogra- 
phen, sowie die 
Räume für die 
I ieizung Diese 
Räume um- 
schließen zwei 
neben demSitz- 
ungssaal gele- 
gene kleinere 
Höfe, auf wel- 
che jedoch nur 
Gänge u. and. 
untergeordnete 
Räume mün- 
den. Personen- 
Aufzüge liegen 
unmittelbar ne- 
ben den zu den 

Obergeschos- 
sen führenden 
Haupttreppen. 
In der Höhe des 
Saales liegen 
in den beiden 

Wohnflügeln 
zur Linken die 
Wohnung des 
Büreau - Direk- 
tors des Abge- 
ordneten-Hau- 
ses, zur Rech- 
ten die Woh- 
nung des Bü- 
reau -Direktors 
des Herrenhau- 
ses, unter den 




ERDGESCHOSS «° 

Wohnungen der bez. Präsidenten. An der Vorderfront des Büreau -Direktors mit .Handbibliothek, ein Raum für 
der mittleren Raumgruppe befindet sieh der Dienstraum den Vize-Präsidenten, die Post und ein Sehreibzimmer. 

41 



23 Januar 1904. 



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V. ir dem Sitzungssaal liegt, g«gen 
die monumentale Eingangshalle 
milder stattlichen Aufgangs trepp«: 
>icl> otfneml, in harmonischen 
Armierungen die Wandelhalle, 
in ihrer flucht R«:gistratur mul 
Vorstamiszimmer. Der Sitzungs- 
saal f(ir die 260 Mitglieder des 
Herrenhauses ist wesentlich klei- 
ner, wie der des Al>genrdn<:tcn- 
llauses; ihn umgeben seitlich 
Kasse, Registratur und Restau- 
ration, nach rückwärts Kanzleien, 
Lesezimmer, Minister - Spn-ch- 
ziiiimer, Räume für die Präsi- 
denten usw. Im 
ersten Oberg« - 
seholl liegen in 
den Wolmilügcln 
die Wohn- und 
Fmpfangsi äume 
«ler beiden l'iä- 
si«lenteu, die in 
der Vordet flucht 
der mittlci cuBau- 
gruppe «Kirch -( 
Festsale mit liti- 
arxler \ erbundeu 
sind. Je einer «ler 
seitliehen Fest- 
sale zählt zu <ler 
enisptvehenden 
PriWidentenwoh- 
nung, wahren«! 
der mittlere }• c>t- 
■>aal,di 1 auch lic- 
ratungssaal ist, 
zur gemeinsamen 
Benutzung zur 
Verfügung steht. 
ImSaalbauistdic 
Einteilung nahe- 
zu die gleiche, 
wie in dem da- 
runter gelegenen 
Geschoß; neben 
der Bibliothek, 
«lic in das w«-i- 
tcrcGeseh«»Ü hin- 
aufreicht, sind es 
nur Bcratungs- 
zimmerund Räu- 
me fflrdiePrcssc, 
die hier liegen. 
Die Bcratungs- 
zimmer >etz«n 
sich auch im zwei- 
tenObergcsehoß 
fort; inden Wohn- 
flügeln liegen in 
diesem Geschoß 
insehrreiehlieher 
Weise Schlaf- u. 
Wohnräume der 
Präsidenten. Die 
Grundrisse der 
beiden obersten 
Geschosse lassen 
erkennen.daüfUr 
alle Raumgrup- 
pen ein reichli- 
chesFlachenmaß 
vorhanden war. 
Insbesondere die 
Wohnungen der beiden Präsidenten sind so ausgedehnt, 
dal! du: letzteren kaum alle ihnen zu Gebote stehenden 
Räume für sich allein benutzen können und daü das 
FlächcnausmaU der Wohnungen z. B. das der Dienst- 
wohnung des Präsidenten des Deutschen Reichstages 




erheblich übertreffen dürfte. Die Raumverteilung ist 
durchgehends zweckmäßig und ubersichtlich. Die 
große Natürlichkeit in der Anlage aller Räume verrät 
die seltene Dispositionsgabc ihres Meisters. 

I t'ortseuuiig folgt.) 

No. 7. 



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Mitteilungen aus Vereinen. 

SlchsUcher Ing.- und Arch.-Vereln. Die Wochen -Ver- 
sammlungen des Winterhalbjahres J9034 der in und nahe 
bei Dresden wohnhaften .Mitglieder de* Ilaupivereins 
nahmen ihren Anfang am 36. Okt. IQ03. Hr. Prof. Dr. 
Mol her hatte die Güte gehabt, den Verein zu einer Be- 
sichtigung de«, von ihm geleiteten Maschinen-Labora- 
toriums B. der Tcchn. Hochschule in Dresden einzuladen 
und schickte dem Rundgang einen erläuternden Vortrag 
über die thermo-dynamischen Untersuchungen der 
Gasmotoren, Kältemaschinen und Luftkompressoren, 
denen das Institut zu dienen bestimmt ist, voraus. Der 
Antrieb erfolgt durch 10 Elektromotoren von 2 bis 14 P.S. 

Am 2. Nov. 1903 berichtete Hr. Kinz.- u. Brt. Schmidt 
über die Erfurter V erhandlungen betr. Denkmalpflege, 
heimatliche Kunst und Bauweise, und Heimat- 
schutz. Ein besonders erfreuliches Ergebnis dieser 
Tagung ist der Zusammenschluß sächsischer und thüringi- 
scher Vertreter zu einem „Ausschuß zur Pflege heimat- 
licher Kunst und Bauweise in Sachsen und Thüringen". 

Der Versammlung am 9. Nov. machte Hr. Arcb E kühn 
Mitteilungen über die Einfamilienhaus-Kolonie, die 
augenblicklich in Dresden (außerhalb des Waldschlößchens 
und unterhalb Räcknitz) im Entstehen begriffen sind. E* 
sind zweigeschossige Gruppenbauten von mäßiger Länge 
und einfachen, aber ansprechenden Archilckturformen. 
Ferner berichtetellr. Reg -Bfhr. Gehler Ober Belastungs- 
proben mit Eisenbetonbauten 

Am 16. Nov. hielt Hr. Ob.-Brt. Rolhcr einen Vortrag 
über die im Bau begriffene Talsperre in Marklissa 
l in Schlesien), durch welche 4000 P. S. gewonnen werden. 
Bemerkenswert ist die tägliche Arbeitsleistung von i5o r '>» 
t ineismauerwerk, d. i. für 1 Mann und Tag 3,s' rbm - 1 cbm 
kostet 16 M., während die Gesamtkosten 3 Milf M. betragen 

Der 23. Nov. brachte einen Vortrag des Hrn. Prof. 
Schultze- Naumburg, der in Gegenwart Sr. Maj. des 
Königs, der Prinzen und Prinzessinen und zahlreicher 
Damen in« groben Saale des Vcrcinshauses gehalten wurde 
und von vielen Lichtbildern begleitet war. Der Vortragende 
erntete für seine Ausführungen über „Heimatsehutz", 
obgleich sie mitunter gegen moderne Gewohnheiten ener- 
gisch protestierten, lebhaften Beifall. 

Am 30. N..v. folgte ein Vortrag von Hrn. Dr. -Ing H. 
Muthesius, der gleichfalls unter Beteiligung der Damen 
in der Aula der Tcchn. Hochschule staltfand und .Das 
englische Haus" zum Gegenstand hatte. Die Schilde- 
rung der historischen Entwicklung, der t.ebensgewohn- 
heiten, der Anordnung der Räume und ihrer Einrichtun- 
gen war auch für deutsche Zuhörer sehr interessant und 
in vielfacher Hinsicht höchst lehrreich. 

Die Winter-Hauptversammlung des ganzen Ver- 
eins fandamö I>cz 1903 in Leipzig statt. Wie bei früheren 
derartigen Gelegenheiten hatten die Leipziger Kollegen 
mit ihren Damen auch diesmal wieder den BegrüBungs- 
abend (am 5. Dez.) im Künstlerhause durch Aufführung 
der „Original-Ueberpossc" ; Sächsische Kundschau, über- 
aus ergötzlich gestattet. Am Sonntag Vormittag fanden 
zuerst wie üblich in dem r Johanncum" der Universität 
in den Kachabteilungen Sitzungen mit Vortragen statt, und 
zwar gab in Abt. I Hr. Bauinsp. Williams Mitteilungen 
aus dem Gebiete der Flußberichtigung und Klußbefestigung; 
in Abt. II Hr. Telegraiihen-lnsp. Besser über drahtlose 
Telegraphic; in Abt. III Hr. Aren. Weidenbach über 
Aendcrungen im Stadtbilde am Thomasring zu Leipzig; 
in Abt. IV Hr. Prof. P L'hlich Ober Auf- und Unter- 
suchung magnetischer Erzlagerstätten auf magneto-tech- 
nischem Wege. Um 1 Uhr vereinigten sich alle Teil- 
nehmer zur Gesamtsitzung im großen Saale des „Kaiser- 
hofes", wo zuerst Vorstands- und Vcrwaltungsratswahien 
für di c neue Verwaltungsperiode, Neuaufnahmen- und 
ähnliche Geschäfte erledigt wurden und wo dann llr Brt. 
Toller einen vorzüglich orientierenden Vortrag über die 
Umgestaltungderl.eipzigerBahnhofe hielt. Die lange 
Zeit fast unlösbar erschienene Aufgabe: alle in Leipzig 
einmündenden Bahnlinien in einen für den Betrieb siche- 
ren, für das Publikum bequemen und für den Transport 
rationellen unmittelbaren Zusammenhang zu bringen, hofft 
man bis zum Jahre 1914, allerdings mit einem Aufwände 
von etwa 130 Mill. M. zu bewältigen Der Gcsamt- 
Sitzung schloß sich ein Eestmahl mit Damen an, das sich 
eines ungewöhnlich zahlreichen Zuspruches und entspre- 
chend lebhafter Stimmung erfreute. Am Montag Vormittag 
wurden zuerst die Neubauten des landwirtschaftliehen In- 
stitutes und der Veterinfirklinik besichtigt und sodann die 
Michaelis- Kirche besucht. Sie ist das Ergebnis eines Preis, 
aussehreiben s, bei dein die Hrn. Rust und Möller, welche 
die Besucher selbst führten, aLs Sieger hervorgingen. Die 
Grundrißlösung zeigt eine überaus kompendiöse Anord- 

a.v Januar 1904. 



nung; sie bietet für etwa 1000 Kirchgänger Matz; die 
Kosten werden 420000 M. voraussichtlich nicht übersteigen. 
Ein gemeinsames Mittagsmahl im „Palmbaum" beschloß 
diese 155. Hauptversammlung 

Am 28. Dez, 1903 vereinigten sich die Dresdener Mit- 
glieder in gesellig-heiterer Weise zu einer Sylvesterfeier. — 

(>. Gr. 

Aren.- u. Ing.-Vereln In Magdeburg. Sitzung am 25. Nov. 
1903. Nach Erledigung geschäftlicher Mitteilungen und Auf- 
nahme einiger neuer Mitglieder erhält Hr. Brt. Clausscn 
das Wort zu seinem Vortrage: .Wasserbauliche Mit- 
teilungen, im besonderen Ober die Elbe bei Magde- 
burg". Während früher die einzelnen Regierungen nur 
in beschränktem Umfange nach den ihnen vorliegenden 
Verhältnissen die großen Ströme behandeln konnten, wurde 
nach Gründung der Strombau -Verwaltungen durch die 
einheitliche Behandlung des gesamten Stromgebietes die 
Tätigkeit der Wasserbau -Verwaltungen eine erheblich um- 
fangreichere. Wenn auch nur der Hauptstrom an sich 
einer eingehenden Behandlung unterzogen wurde und 
die Nebenflüsse auch fernerhin den Einzelregierungen 
verbleiben, so wurde doch dafür gesorgt, daß eine Schädi- 
gung der gegenseitigen Interessen vermieden wurde. Der 
von den Agrariern den Wasscrbauteehnikern gemachte 
Vorwurf, daß sie hauptsächlich den Wünschen der Schiff- 
fahrt und nicht genügend denen der Landwirtschaft Rech- 
nung trügen, ist deswegen ungerechtfertigt, weil nur die 
Schiffahrt für die Regulierung der Ströme bestimmte An- 
haltspunkte bieten konnte, dagegen die I jindwirtschaft 
hierzu nicht im Stande war. Tatsache ist. daß durch die 
Regulierungsarbeiten die Stromrinne durchweg vertieft 
worden ist und daß dadurch die von der Landwirtschaft 
gewünschte Vorflut für die Zubringer geschaffen wurde. 
Wenn die I-and Wirtschaft diesen Vorteil nicht Oberall hat 
ausnutzen können, so liegt dies in dem Ucbelstande, daß 
die Zubringer nicht entsprechend der vorgeschrittenen 
Kulturarbeit auf den Höhenzügen und in den Niederungen 
reguliert worden sind und werden konnten. Die 'Tätig- 
keit der Strombau- Verwaltungen besteht hauptsächlich in 
der Herstellung einer geordneten Wasserführung, sodaß 
möglichst bei allen Wasserständen ein gleichmäßiger Ab- 
fluß erfolgt und alle Störungen auf das Mindestmaß herab- 
gedrückt werden. Wenn diesesZiel erreicht wird, ist die Auf- 
gabe des Wasserbauers gelöst. Da die Theorie nicht aus- 
reicht, muß aufgrund der gesammelten Erfahrungen mit 
der nötigen Ruhe und Umsicht, ohne Rücksicht auf die 
Wünsche der Unzufriedenen das angestrebte Ziel zu er- 
reichen versucht werden. Vorläufiu kann man mit den er- 
zielten Erfolgen zufrieden sein. 

Im besonderen kann dies von der Regulierung der 
Elbe bei Magdeburg bez. der Anlage der Umflul behauptet 
werden, wenn auch diese Anlage wieder zeigt, daß nach 
Jahren diejenigen, denen große Wohltaten erwiesen sind, 
aus Unkenntnis der früheren Verhältnisse die geschaffenen 
Tatsachen als Verbesserungen nicht anerkennen. An- 
schließend wurden die Schiffahrt*- Verhältnisse bei Magde- 
burg besprochen und erwähnt, daß allmählich für den zu- 
nehmenden Verkehr für bessere Unterkunft der hier laden- 
den und löschenden Fahrzeuge gesorgt werden müsse, 
da es vorgekommen ist, daß bei Eintritt des Eisganges 
rd. 100 Fahrzeuge ungeschützt auf dem Strome liegen 
bleiben mußten. Als ein sehr brauchbarer Platz für einen 
Schutzhafen wurde der zwischen Strom- und Alte Elbe 
unterhalb der Königsbrücke liegende Werder bezeichnet, 
da er Gelegenheit biete, die häßlichen Kohlenladeplätze 
von der Stadtmarsch zu entfernen und nach hier zu ver- 
legen. Wenn auch durch Erweiterung des NeuMädter 
Hafens dem l 'mschlagverkehr besser gedient werde, sei 
doch ein Sonderhafen für den Platzverkehr mit Kohlen 
ebenso wie in Berlin am Humboldt-, Nord-Hafen, am Urban 
usw, sehr wünschenswert. Gleichzeitig könne das Stadt- 
bild auf der Siadtmarsch verbessert werden. 

Nachdem dem Vortragenden für seine Ausführungen 
gedankt worden, erhält Hr. Arch. Ilabrich das Wort zu 
einem Vortrage Ober „Eisenbeton - Konstruktionen 
im Hochbau". Nach einer Einleitung Uber das Verhallen 
von Beton und Eisen aufgrund eingehender Versuche und 
Berechnungen erörterte er die Ausführung verschiedener 
Systeme, wie Monier, Bordenov, Hyatt, Ransotne usw., 
geht näher auf das Svstem Hennebiqüe ein und erläutert 
besonders die Vorzüge der sogen Polvgonaldecke vor den 
älteren Systemen. Diese Decke findet nicht Mos Ver- 
wendung aU Zwischendecke mit Bclonuntcrzilgen, sondern 
vielfach auch als homogene Platte größeren Ouerschtiittcs 
bei Häuscrgründuiig auf schlechtem Baugründe Einige 
ausgeführte Beispiele werden sodann durch Zeichnungen 
und Berechnungen eingehend erläutert und es wird auch 
diesen Ausführungen von weiten der; 'Anwesenden ce- 
bührender Dank zu teil. B 



Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb des bayerischen Architekten- und In- 
genieur-Vereins zur Erlangung von Entwürfen für ein Volks- 
schulhaus In Arnbach war mit 35 Arbeiten beschickt. Den 
]. Preis errang der Entwurf der Hrn. Staatsbaupraktikan- 
ten H. Hurhrrt und H. Neu: den II. Preis Hr. Archi- 
tekt |oh. Müller; den III. Preis Hr. Arth. H. Lömpel, 
sämtlich in München. Kine lobende Erwähnung fanden 
2 Entwürfe der Hrn. Gebr. Hank, sowie ein Entwurf des 
Hrn. Staatsbaupraktikanten K. Perignon in München. 
Durch die Stadt Ansbach wurden angekauft die Entwürfe der 
Hrn. Th. Vcil, O. Bieber und Gebr. Rank in München. 

Der Wettbewerb der „Vereinigung Beritner Architekten", 
betr. Aufteilung von Baublocks In Westend (Jahrg. 1903, 
S. 556 und 568) war mit 13 programmgemäßen Entwürfen 
beschickt. Den I. Preis von 3000 M. erhielt Hr. Alfr. J 
Balcke in Geniel nschaf t mit C. S t c k c 1 ; den II. Preis die Hrn. 
HönigcrÄ: Sedelmeyer, den III. Preis Hr. M. Ravolh, 
sämtlich in Berlin. Zum Ankauf für 500 M. wurde 
empfohlen ein Entwurf des Hrn. K. Bislich in Berlin. - 

Wettbewerb Handelshochschule Köln. Die Stadtver- 
ordneten-Versammlung beschloß, dem Bau der Handels- 
Hochschulc den Entwurf des Hrn. Privatdozenten Dr -Ing. 
Ern>l Vetterlein in Dannstadl zugrunde zu legen. Die über- 
schlägliche Kostenberechnung belauft sich auf 1 650000 M. ; 
das Mobiliar i*t auf 100000 M. geschätzt. - 



Chronik. 

WohnungSStatUtlk In Stuttgart. Der Stuttgarter Gemeinde- 
rat stimmte einem Vorschlag Weitbrecht zu, eine wohnungs- 
atattatischc Enquete Ober die Frage: .Welche Stockwerkzahl ist 
wirtschaftlich die beste?" zu veranstalten. Diese Uutcrsuchung 
soll die Baukosten eine» Stockwerke» in Häusern mit a-o Zimmern 
und a— 4'/ f Stockwerken ermitteln, daneben aber auch zufolge einer 
Anregung dca Direktors des städtischen statistischen Amtes. Dr. 
Rettich, den tatsächlichen Marktpreis der Stockwerke, um durch 
Gegenüberstellung beider Schlosse (Qr die kommunale Wohnung*- 
politik zu ermöglichen. — 

Dan Jubiläum des 5ojahrlgen Bestandes des Glaspalastes 
In München kann in diesem Jahre begangen werden. Der Palasl 
wurde nach den Entwürfen des Ob, Brt. Aug. v. Voit von Okc 
1 Ö_S3 bis Mai 1854 durch Cramer-Klett in Nürnberg errichte». - 

Ehrengrab für Camlllo Sitte. Der Stadtrat hat beschlossen, 

dem verstorbenen k. k. Reg, -Rat Camillo Sitte in der Anlage fOr die 
Ruhestätten liistoi isch denk würdiger Per sonlichkeilen an der KupelU n- 
strassc im Wiener Zentralfrterlhofe ein Ehrengrab zu widmen.— 

Der Neubau der Donaubrücke zu Regensburg scheid 
eine beschlossene Sache zu sein. Ks liegen zwei Entwürfe vor: 
ein Entwurf (ür eine Ausführung in Stein mit einem Gessmt- 
auf wände von ßasoceoM-, sowie ein Entwurf für eine Ausführung 
in Stein und Eisen mit ciuem Gcsamtaufwandc von 37*0000 M. 
Wenn die Wasser- und EisgangsveihMtnissc sowie andere UniMande 
den Neubau der allhistorischcn Drücke zur u n umga ngl ic h cn Not- 
wendigkeit machen, so holten wir, das* ein geringes Mehr der Bau- 
kosten ea nicht verhindert, das» ein Bauwerk entsteht, welches das 
seltene Siadlebild in seiner Schönheit wenigstens annähernd erhalt 

Ein Neubau der Dlskontogesellscbaft In Frankfurt a. M. 
entsteht nach den Entworfen der Firma Phil. Holzmann * Ko. 
in Frankfurt am Rossmarkl als ein freistehender Monumentalbau 
im Stile der Renaissance. -- 

Ein mechanische» Laboratorium der Technischen Hoch- 
schule In Braunschwelg ist am 11 .Dez. 1903 seiner Bestimmung 
Obergeben wenden. Das neue Laboratorium dient der Ausbildung 
von Maschinen-Ingenieuren. Es erhebt sich nach einem Entwurf 
der herzogt Hochbauiuspektioir au der Spiclmanustrasse und kostet 
336000 M., von welchen 40000 M. auf da* Grundstack, 90 000 M. 
auf die Gebäude, 90000 M. auf die innere Einrichtung entfallen — 

Eine bayerische Denkschrift über die Wohnungsfrage. 
Abgeordneter Dr. Jager hat für den bayerischen Landlag eine 
103 Druckseiten umfassende Denkschrift Ober die Wohnungsfrage 
verfallt, welche die folgenden Abschnitte enthalt: 1. die Tatsachen 
der Wohnungsnot, 3 Begründung Iflr die Tatsachen der Wohnungs- 
not, 3. die Bedeutung de» Wohnwesens. 4, die Ursachen der mo- 
dernen Wohnungsfrage, 5, Zielpunkte und Mittel zur Abhilfe, 6 Tätig- 
keit des Reiches, Umgestaltung des I Ivpothckenwescns , 7. die 
Wohnungsfrage und die Undwittschaft, ö die Wohnungsfrage 11U 
bayerischen Landtag, 9. Leitsätze fltr Gemeinde, Staat und Reich 
zum Vorgehen in der Wohnungsfrage. — 

Die Einweihung des fünften ev. Gemeindehauses In Barmen 
hat am 10 Jan. 1904 stattgefunden. Dem Gemeindehaus* wird sich 
— in malerischer Gruppierung der ganzen Anlage — ein Pfarrhaus 
anschließen. Ehe nach dem Entwuif des Ilm Arth. Fiicdr. Schulte 
in Barmen erbaute Gcsarutanlagc beansprucht 7S c e.o M — 

Das neue Pollzeigebaude In Wien »t ein stattlicher, nach 
den EntwQtfeu des Hm k k. Min Raten E v Fnrstcr an der 
Berggasse und an der Elisabeth-Promenade errichteter Monumental- 
bau, der ohne innere Einrichtung einen Aufwand von 3400000 Kr. 
beanspruchte. Die Bauleitung hatten die Hrn. Brt. Holzer, Ob - 
Ing. Kramsall und Aich, Keller. — 

Ein bulgarisches Nationaltheater in Sofia gelangt nach 
den Entwürfen der Architekten Kellner Ä Helmer in Wien zur 
Ausführung — 

Eine elektrische Schmalspurbahn B rl eg-Gletsch am Rhone- 
gletscher wird durch die Ingenieure I m fe Id und Strub in Zürich 
geplant. Die Bahn würde eine Lange von 43 km haben und teils 
Adhasions-, teils Zahnradbahn sein. — 



Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Dem Geh. Ob -Brt. A p p e I i u s , Abt.-Ocf 
im Kriegsminist, ist bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst der 
Char. als Wirkl- Geh. Ob. Brt. mit dem Range eines Rates I Kl. 
verliehen. 

Baden. Dem Ing. S ru r e k e r in Mannheim ist das Ritterkreuz 
1 Kl. de» Ordens vom Zahringer LOwen ver'iehen — Dem Reg- 
Bmstr Ernst M 0 1 1 e r in Freiburg ist unt. Verleih de» Tit Bahn- 
baninsp. die Amtsstelle eine» Zentralinsp. bei der Gen -Dir. der 
Staat seisenb Obertragen. 

Versetzt sind die Reg -Bmstr. Bichl er in Eberbach nach 
Freiburg und Ganz in Ftciburg nach Ebcrbach 

Bayern. Der Min -Rat v Frauendorfer ist 1. Staatsrat 
im ord. Dienst und Staatsminister für Verkehrsangelcgcuheiteu und 
der Gen-Dir. v. Ebermayer, Vorst, der Gen-Dir. der Staata- 
Eiscnb. ist x. Staatsrat im ord Dienst ernannt; weiter sind berufen 
in das Staatsminist. fOr Verkehrsangel der Ob-Rcg.-Rat Frhr. 
v. Schackv aufSchonfcld unt. Beförderung zum Min -Rat 
und der Irir.-Rat Dr H e u b a c h bei der Gen -Dir. der Staatsersenb. 

Preußen. Den Reg - n, Brin , Geh. B'tn Hasenjnger in 
Düsseldorf und Runge in Köln ist ans Anlaß ihres Uebertritt« in 
den Ruhestand der Rote Adlet -Orden III Kl mit der Schleife, dem 
Eisenb-Dir, Gelbe ke in Ratibor lind dem Eisenb -Bau- u Betr- 
Insp Schweriner in Posen ist der Rote Adler-Orden IV. Kl., 
dem Eisenb Dir. Vockrodt in Kusel beim Uebcrtritt in den 
Ruhestand der Char als Geh. Brl verliehen. 

Versetzt sind: Die Reg - u. Brie. Strasburg in Essen als 
Mitgl. der Kgl Eisenb-Dir. nach Frankfurt a. M. und Kay sc r in 
Königsberg als Mitgl. der Dir. nach Essen a. R ; die Eisenb -Bau- 
11. Betr. - lnsp. Schaeffcr in Frankfurt, als Mitgl (auftrw ) der 
Dir. nach Königsberg i. IV, v. Borriea in Altona als Vorst, 
(auftrw | der Eisenb - Betr. - lnsp. a nach Frankfurt a. M , Ernst 
Schultze in Hannover als VotsL {auftrw. ) der Eisenb -Betr- 
lnsp 5 nach Magdeburg, Laise in Olpe zur Kgl Eisenb - Dir. in 
Elberfeld und Morgenstern in Koblenz als Vorst der Bauabi. 
nach Deutz; der Eisenb. - Bauinsp Pieper in Danzig als Vorst 
(auftrw.) der Eisenb -Masch -lnsp. nach GlOckstadt. 

Dem Reg - Bmstr. Lutz, Doz an der Techn. Hochschale in 
Aachen ist das Prädikat Prof beigelegt. 

Der Reg. -Bmstr. Alfr. Grube ist der Kgl. Verwaltung der 
mark Wasserstraßen in Potsdam zur Beschäftigung Oberwiesen. 

Die Reg lilbr. Hans Lucht ans Stettin (Flochbfcli.), — Hart- 
wig Dauter aus Wircmbi und Max Beckmann aus Schwerin 
i. M. (Wasser u, Straßenbfch), — Friedr. BrOssing aus Freisen- 
bruch und Gg Warnecke aus Brockenem (Eisenbfcli) sind zu 
Reg.-Bmstrn ernannt. 

Der Geh. Brt Fein in Knln und der Brt. z. D. Guddcn in 
Sachsa, froher in Nordhau*en sind in den Ruhestand getreten 

Dem Reg, -Bmstr. Anh. Hoeppner in Posen ist die nachges. 
Eotlass aus dem Staatsdienst erteilt. — 



Brief- und Fragekasten. 

Hrn. M. Kn. In Werdau. Stützmauern kflnnen unter ge- 
wissen Entstanden zu denjenigen Leistungen gehören, welche zur 
Umwandlung von Grundflächen in anbaufähige Straßen unentbehr- 
lich sind, wodurch die Kosten ihrer Herstellung in diejenige Summe 
einstellfahig sind, welche auf die Anlieger umgelegt werden darf. 
Um einen solchen Fall handelt es sich scheinbar bei Ihnen. Die 
Strafte, an welcher Sic zu bauen gedenken, fa'll auf der gegenüber- 
liegenden Seile tief ab. E» droht aUo rlie Gefahr des Einsturzes, 
sofern nicht für eine rechtzeitige Beteiligung gesorgt wird Ob 
eine Stützmauer das einzig gebotene Schutzmittel ist, kann du hin - 
gestellt bleiben Jedenfalls halt die Straften - Baupolizei rlie Auf- 
führung einer Stütirnauer für zweckmäßig Ut »ic dies, so bildet 
der Aufwand dafür eine nach Lage der I mstande notwendige Aua- 
gabe zur Herstellung der SuaUe und ist von den Anhccrin nach 
Verhältnis der Straücntangcn zu crslatten. Nebensächlich ist dabei, 
ob die Vertiefungen, dcientw, gen ilie Stutvniaucr uulwcnil K wurde, 
natürlich entstünden oder künstlich duich Abgtaben geschaffen i»l 
En1«chei<!cnd ist vielmehr d 1 Tatsache, daii ohne diese Stützmauer 
die Verkehlüsi, | lt I li, ,1 »uf du neu anzulegenden Straße gefahidel 
irs heint. Sie halten vielleicht gut getan, eine veränderte Lage 
il r t:cugep1aiiten Strafte zu veranlassen I»»gegen ist nicht zu er- 
warten, d-(J Sie durch Weiterung des Kosh ubeiti ages eine Be- 
frciutiK von dem anteiligen Beitrag zu den Herstellungskosten der 
Mauer erreichen werden. -- h.. H-e. 

Fragebcantw Ortungen >n dem Leserkreise. 

Zur Frace 1 in Nu 100, iahrg 1003. Ich habe vor einigen 
Jahren an einem Pnvstfluli verschiedenartige Wassermessungen 
vorgenommen und hierbei die WcxVhen Formeln (Hydrodynamik 
von Wex, l.cip/ig bei W Engelmann 1B8Ä s. auch Rheinhard's 
Inceriieur- Kalender für Straßen-, Wasserbau- uid Kulturingenieure 
für rO,o|, bearbeitet von R Scheck. I Abteiig S. 6 ff) als ganz 
vorzitglirh befunden. — Merl, k. Kr -Kult.-Ing. in Speyer. 
Anfragen an den Leserkreis. 

Welche Mi'tcl gibt es. um trübe, fleckige Terrazzoboden helj 
zu machen? Was kann die Schuld an dem schlechten Aussehen 
tragen ? Vielleicht feuchter Untergrund ? — U II in Konst 

Inhalt: fniwainlhinc der |.tru»n«ehci> und sächsischen Kix nlulm- 
Anlatcn i'i und l.n l^n-ttg — ll.ius IVter Spierkc!» Iilr tliesd.n. — ller- 
hne- Ni-atiautrn. \o. rrl. I>.i» ru iir Her rc-idiaus rtrs j.missisflten Lan<1- 
laees. — Mitleillin;en aus Veieinen. I'rr »Kme i buirgrn — < In milk. - 
l'eraoiial Xachriihtrn. — Itrirf- und r'iarrfc.isu-ii 

Hierzu eine Bildbeilage: Haus Peter Spreckels in Dresden. 

Verlag der Deutschen Baurerlung. O. m h. II., IVihn. Kar die RedakUoo 
verantwoni. Albert Hofoiano, Berlin. Druck von Wilh. Gr«»«, Berun. 



No. 7. 



DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2: 8. BERLIN, DEN 27. JAN. 1904 





Das Bauwesen im preußischen Staatshaushalt für das Verwaltungsjahr 1904.") 

Bein am 16. d. M. zusammengetretenen prcuß. Land- mund 1 10000 M., desgl. in Klausthal 75000 M. Im 
y tage ist als eine drr ersten Vorlagen der Entwurf Ordinarium dieser Verwaltung sind 2,29 Mifl. M. lör bau- 
des Staatshaushalts • Etats für das Vcrwaltungsjahr liehe Zwecke vorgesehen, nämlich 1,38 Mill. für Wohn- 



1904 zugegangen, der in Einnahme und Ausgabe mit dem häuser, Verwaltungsgebäude usw., 0,40" Mill. für Zechen 
Gesamt-Bctrage von 2800805050 M. abschließt. Die Ein- häuser. 0,43 Mill. für Wege-, Bahn- und Kanalanlagen. 



nahmen stellen sich gegenüber dem Voranschlag des Jahres 
1903 um 191 687318 M höher, wovon allein 1384 18483 M. 
auf die Eisenbahn-Verwaltung entfallen, die im Ordinarium 
einen MchrüberschuD von 82 787 742 M ergibt. Von den 
Ausgaben entfallen 2626260668 M. auf die ordentlichen, 
174 544382 M. (rd. 16,62 Mill. M. mehr als 1903) auf die 
außerordentlichen Ausgaben. An letzteren nimmt das 
Hauwesen mit rd. 160.3 Mill. M. teil, d. h. mit rd. 92°/,,. 
Die Aufwendungen für das Bauwesen stellen sich um 
rd. 14 Mill. M. höher als im Jahre 1003. 

Die für bauliche Zwecke geforderten Mittel verteilen 
sich auf die einzelnen Verwaltungen wie folgt: 

Den wesentlichsten Anteil beansprucht naturgemäß 
die Eisenbahn- Verwaltung mit rd. 101,32 Mill. M. Ihr 
folgt dieses Mal das Kultusministerium mit rd. 18.22 
Mill M.. das also sogar den Etat der Bauverwaltung über- 
trifft Es folgt das aus den sehr bedeutenden Eorderungcn 
für Kunst und wissenschaftliche Zwecke Die Bauvcr 



Bei der Verwaltung der indirekten Steuern 
entfallen von den beantragten Mitteln von 1,06 Mill, M. 
(0,38 mehr als 1903) 462 500 M. auf die Verbesserung der 
Lösch- und I-ade - Einrichtungen der Packhöfe usw. in 
Königsberg i. Pr., deren Ges.-Kosten auf 1,05 Mill. M. ver- 
anschlagt sind. Weitere 392220 M, entfallen auf Dienst- 
gebäude und 205320 M. auf Dienstwohnhäuser. zumeist in 
den Provinzen Posen und Schlesien. Von den Ansätzen der 
Forst verwal tun g mit 1,05 Mill M. sind wiederum je 
100 000 M. für die versuchsweise Beschaffung von Inst- 
häusern , für die unmittelbare Wasserverbindung vom 
Teltow-Kanal nach dem Wannsee und zur Beihülfe von 
Wegebauten. 250000 M. als Zuschuß zum Eorstbaufond 
und 400000 M. desgl. zum Wegebaufond vorgesehen. Im 
übrigen sind auch noch in anderen Positionen Bauaus- 
führungen enthalten, die sich aber aus den Ansätzen nicht 
herausschälen lassen. Im Ordinarium dieser Verwaltung 
sind etwa 4 Mill. M. für bauliche Zwecke zum Neubau 



waltung erreicht mit rd. 14.66 Mill. M. etwa den Betrag und dcrrntcrhaltungdcrGebäude, der Wege usw. enthalten 
des vergangenen Jahres. Die Justizverwaltung ist mit 
rd. 9,8, das Finanzministerium mit rd. 4,4, die land- 
wirtschaftliche Verwaltung mit rd. 2.76, die Domänen- 
Verwaltung mit rd. 2,64, das Ministerium des Inneren 
mit rd. 2,05 Mill. M. angesetzt. Beträge, die sich noch 
über 1 Mill M, halten, fordern die Forstverwaltung und 
die Verwaltung der indirekten Steuern, nämlich 1,05 
bezw. 1,06 Mill. M. Unter 1 Mill M bleiben die Berg-, 
Hütten- und Salinen- Verwaltung mit 845000 M, 
das Ministerium für Handel und Gewerbe mit 
756800 M., die Gestüt-Verwaltung mit 429120 M., die 
Verwaltung der Staatsarchive mit 286214 M- Einen 
kleinen Betrag von 6000 M. für Anlage eines Lasten-Fahr- 
stuhles in ihrem Geschäftsgebäude braucht schließlich die 
Lotterie- Verwaltung, das Kriegsministcrium wie- 
derum 7200 M. für Einrichtungen im Zeughause 



Im Ministerium des Inneren verteilen sich die Ge- 
samt-Mittel von 2,0 s Mill M. auf die Polizei Verwaltung 
mit i 165678 M, die Strafanstalts-Verwaltung mit 
65352° ^ Und die Landgendarmerie bezw, land Tät- 
liche Verwaltung mit 47525 M. Für den Neubau des 
Ob.-Verwaltungsgerichtes in Berlin (auf dem fiskal. Ge- 
lände am Zoolog Garten) sind weitere 180000 M. aneesetzt 
(Ges.-Kosten 1.33 Mill. M >, Erste Raten sind vorgesehen 
für Polizei-Dienstgebäude in Wilhelmshaven, Kassel, 
Köln, sowie für ein Gefängnis in Saarbrücken. 

Die landwirtschaftliche Verwaltung bleibt mit 
rd. 2,76 Mill. M. erheblich hinter dem Vorjahre zurück 
Es liegt das hauptsächlich daran, daß die großen Hochbau- 
Ausführungen der Mehrzahl nach beendet sind Es ent- 
fallen nur rd. 0,87 Mill. M auf Hochbauten, darunter 
die 2 und letzte Rate von 410700 M. für den Erweite- 



Bei der Besprechung der F.inzelfordcrungen seien die rungsbau der landwirtschafüichen Hochschule in Berlin, 
Verwaltungen mit geringeren Ansätzen vorweg genommen. 240000 M. als 2. Rate für Errichtung der landwirtschaft- 

T \ 1 \ T — . . . . 1 4 _ _ _ I C * ■ * 1 ' t .1 . _ \ J — * ^ 1 . . . 1 . \ ^ _ . . L _ , — , . * — I a \ H 1 ) _ 1__ ^ . £ I _. * 



Die Verwaltung der Staatsarchive fordert einen Posten 
von 273994 M~ als I Rate für den Neubau des Staats- 
archiv-Gebäudes nebst Direktorwohnung in Breslau, 
ferner 12 250 M. für die Instandsetzung des Archivgebäudes 
in Posen Die Gesamt-Kosten des ersten Baues sind auf 
363094 M. veranschlagt, davon 215000 M. an reinen 
Baukosten. Im Vorjahre war davon nur ein unbedeutender 
Betrag angesetzt. 

Die Gestütverwaltung verlangt mit 429 120 M. etwa 
die gleiche Summe wie im Vorjahre. Davon entfällt der 
größere Teil von 258680 M. auf Dienstwohnungen, 131 800 M. 
auf Stallungen, 33700 M. auf Schuppen, Scheunen und 
Reitbahnen 

Das Ministerium für Handel- und Gewerbe 
macht mit 756800 M. etwas höhere Ansprüche als 1003 



liehen Versuchsanstalt in Bromberg Auf Ingenieur- 
bauten entfallen rd. 1,7 Mill. M und zwar 1 500000 M. 
auf Flußregulicrungen (weitere 1 Mill für den Aushau 
der hochwassergefährlichen Flüsse in Schlesien usw.), 
315000 M. auf Meliorationen, 101600 M, auf Deich- 
anlagen usw., 70000 M. auf Dünenbefestiguni-en Es 
handelt sich zumeist um die Fortsetzung schon begonne- 
ner Arbeiten. 

Bezüglich der Personalien ist zu bemerken, dass von 
den beiden meliorationstechnischen I lilfsarheiterstellcn 
im Ministerium für Landwirtschaft eine in die Stelle eines 
vortragenden Rates verwandelt werden soll. 

Die Domänen-Verwaltung fordert mit 2,64 Mill. 
M. über eine Mill. M. mehr als im Vorjahre. Es bedingt 
dies hauptsächlich eine Anforderung von 1 Mill M. für 




Den Hauptanteil bildet die Schlußrate für das Dienstwohn- die Herstellung von Strasscnanlaucn usw. auf der zu 
gebäude des Ministers in Berlin und dessen Ausstattung parzellierenden Domäne Dahlem Der Domänenbau 
mit zus. 457800 M. Für die Erweite 
gebäildes der staatl. Bernsteinwerke 
und für Beamtenwohnungen 

setzt. Aus dem Ordinarium dieser Verwaltung ist von 
Interesse, daß an 21 staatl. Baugewerksehulen 21 Di- 
rektoren und 336 Lehrer, an 20 Maschinenbau- und 
Fachschulen 20 Direktoren, 204 Lehrer und 18 Werk- 
meister tätig sind, 

Die Berg-, Hütten- und Sa I in cn ve r wal tu n g ent- 
hält in ihrem Gcsamt-Ansatz von 845000 M. einige neue 
Posten, so 260000 M. für die Arbeiterkolonien Waltrop 
und Bergmannsglück, für ein Dicnsigebäudc in Dort- 



*t VeijL hienu dw Aufstellung fdi 1903, J«htg. 1903, S. 37 u. 43 



Schlangenbad zugute kommt, darunter eine 1 Rate 
von 150000 M für ein Badehaus in Nenndorf. 

Für Arbeiterwohnhäuser sind wieder 500000 M. 
eingesetzt, 310000 M entfallen auf Lamlgewinnu'ngs-Arbei- 
ten und Eindeichungen. 

Im Ordinarium sind 2,6 Mill M für Unterhaltung und 
Neubau der Domänen-Gebäude, zu Wege-, Brücken-, Ufer- 
und Wasserbauten enthalten. 

Für die Weltausstellung in St, Louis sind 50000 M. 
namentlich für Ausstellung von Zeichnungen, Ansichten 
und Modellen der Bäder ausgeworfen. — tSriiiuti foi c t.i 



u/iyi 



15 

ed by Google 



Neuere Decken-Konstruktionen. 



I 



Sic Wirkungsweise und die Tragfähigkeit der Mehr- 
zahl aller neueren ebenen Massivdecken, mögen sie 
nun in gewöhnlichen Ziegeln hezw. besonderen Form- 
steinen oder in Stampfbeton hergestellt sein, beruht auf 
der Verbindung des Steines oder Betons mit Eisen in der 
Weise, dali die erstcren Materialien die Druckkräfte, die 
Eiseneinlagen dagegen die auftretenden Zugspannungen 
aufzunehmen haben, sodaß also die beiden Materialien 
sich gegenseitig unterstatzen Es werden jedoch auch 
ebene Decken hergestellt, bei denen auf die Einlage von 
Eisen verzichtet wird. Die Tragfähigkeit wird hier ent- 
weder durch Ineinandergreifen der besonders geformten 
Steine oder durch Zusammensetzung derselben in Form 
eines scheitrechten Gewölbes erreicht. In allen Fallen 
spielt natürlich die Einbettung des Eisen«, bezw. die Aus- 
füllung der Fugen mit Zementmörtel eine wichtige Kolle, 
Es seien nachstehend einige Beispiele der verschiedenen 
Arten angeführt. 

i. Die Eggeri-Deckc. 
Wir haben auf S 611, Jahrg. 1902 bereits auf diese von 
Ilm Ceh. Brt. Eggert in Berlin erfundene und ihm 



Zug- und Druckzone und nehmen die Schubspannungen auf. 
Sie erfüllen demnach die Aufgabe, die sich in anderen Eisen- 
betondecken auf die wagrechten Eisen und die umgeleg- 
ten Bügel verteilt. (Uebrigens finden sich, wenn auch m 
anderer Anordnung auch in anderen Eisenbetonderken die 
etwa unter 45" aulgebogenen Eisen an den Deckenenden. 
i. B. in den Konstruktionen von Wayss tt Frevtag in 
Neustadt a. \\.\. Die aufgebogenen Stabenden sind außer- 
dem noch hakenförmig umgebogen, oder bei stark be- 
lasteten Decken mit besonderen Druckplatten versehen, 
vergl. Abbild g 1 a u. h, um die sichere t'ebertragung der 
Spannung auf den oberen gedrückten Teil der Decke zu 
bewirken Es soll dadurch eine grölicre Sicherheit er- 
reicht werden, als wenn die Festhaltung des Eisens allein 
durch die Adhäsion des Betons erfolgt. Das wird aller- 
dings wohl erreicht werden. Die umgebogenen Enden und 
kleinen Druckplatten erscheinen jedoch kaum genügend, 
um die volle .spannungs-l'ebcnragung allein zu sichern, 
wie der Konstrukteur annimmt. Die Abbildgn. c f zeigen 
die Anwendung des Systems zu Decke, Dach und frei- 
tragender Treppe. 

Bei leichteren Konstruktionen verzichtet der Erfinder 
auf den durch die obigen MaUnahmen erreichten höheren 




patentierte Konstruktion hingewiesen, die gelegentlich der 
Düsseldorfer Ausstellung vorgeführt wurde. Die Decke 
wird für größere Spannweiten und Belastungen als träger- 
lose, ebene Eisenbetondecke hergestellt. Bei kleineren 
Spannweiten und geringeren Belastungen wird der Port- 
landzement - Stampfbeton durch ein weniger druck- 
festes Material, oder auch durch poröse Ziegel ersetzt. Die 
Eiscneinlagcn haben verschiedene Lange und sind an ihren 
Enden nach den Auflagern zu in der Richtung der grollten 
Zugspannung schräg aufgebogen, bis in die Druckzone 
hochgeführt und dort verankert. Sie ermöglichen also eine 
unmittelbare l Vbertragung der Spannungen zwischen der 




Abbilds 1 
Eggert- Decke 



Sicherhcilsgrad insofern, als er den unteren Teil der f »ecke 
und auch den weniger gedrückten Teil nicht mehr aus 
Stampfbeton, sondern aus Schlackenbeton inler porösen 
Ziegeln herstellt und damit eine Verbilligung der Decke 
erzielt. Die Decke besteht dann aus 2 Zonen verschiedener 
Festigkeit, vergl Abbilde, g und h. Bei geringen Spann- 
weiten wird schließlich die ganze Decke in Ziegeln her- 



Totenschau. 

Albert von Maybach t- 
im 31. d. M. verstarb zu Berlin im 81. Lebensjahre 
: der Staatsminister A 1 bert von Maybach, der seit 

1 seinem im Juni 1891 erfolgten Ausscheiden aus 

dem Amte eines preußischen Ministers der öffentlichen 
Arbeiten in stiller Zurückgezogenheit gelebt hatte. Wir 
haben bei seinen Abgang aus diesem Amte, das er 13 Jahre 
lang mit seltener Tatkraft gefuhrt hat, sein Wirken als 
Chef der Bau- und Eisenbahnverwaltung eingehend ge- 
würdigt") und wie wir glauben dürfen, Licht und Schatten 
dabei gerecht verteilt. Wir können uns daher jetzt darauf 
beschränken. einen kurzen Rückblick aufseinl.ebcn zu geben. 

Maybach wurde im Jahre 1822 in Werne i, YV ge- 
hören. Im Jahre 1854 finden wir ihn als Asetemtor und 
Mitglied bei der Eisenbahn - Direktion der t Mhalm. Seit- 
dem ist er dauernd im Eisenbahndienste tatic gewesen, 
zunächst bei der Obersehlesisehen Eisenbuhn, dann nach 
der Angliederung von Hannover an Preußen als Leiter der 
Hannoverschen Staatsbahnen, sehließlieh im Handels- 
Ministerium, wo er zunächst die Stelle eines Ministerial- 
Direktors bekleidete. Diese Tätigkeit wurde auf kurze Zeit 
durch seine Berufung zum Präsidenten des Reichseisen- 
bahnamtes unterbrochen Der Gedanke einer l'ebernahine 
der Eisenbahnen auf das Reich seheiterte jedoch am 
Widerstände der einzelnen Bundesstaaten und Maybach 
kehrte in das Handelsministerium zurück Zur Durch' 
führung der geplanten Verstaatlichung der Eisenbahnen in 
Preußen erschien er dann als der geeignete Mann und wurde 
nach Abtrennung de» bisher mit dem Ilandels-.Ministerium 
verbundenen Mini-teriums der öffentlichen Arbeiten dessen 
erster selbständiger Leiter. Was er in dieser Stellung, na- 
mentlich in der zielbewußten Durchführung des Gedankens 

*) Vcul. }*hif. iBjl S 3+4, 37a, 401 

46 



der Verstaatlichung der Eisenbahnen gclcisict hat, ist be- 
kannt. Auch die Gegner dieses Gedankens werden sieh 
heute der Notwendigkeit und der Bedeutung dieses ge- 
Waltigen l'nternchmcns nicht verschließen können, mögen 
sie auch mit der Leitung unserer Staatsbahnen im Ein- 
zelnen nicht immer einverstanden sein; sind doch die Ein- 
nahmen aus dem Betriebe der Staatsbahnen die Grundlage 
des ganzen preußischen Staatshaushaltes geworden. Als 
Maybach -ein Amt antrat, betrug die Ausdehnung des 
Staatsbahnnetzes etwa s°oo» m , bei seinem Abgang etwa 
a.^ooo 1 »" 1 . Heute ist das \Vcrk vollständig durchgeführt, da» 
mit dem Namen Maybach dauernd verknüpft bleiben wird. 

Friedrieh von Ilcfncr-Altcncck f. 
Am 7. Januar d. J. verschied zu Berlin infolge eines 
Schlauanfalles der Ingenieur Friedrich von Hefner- 
Alteneck in noch nicht vollendetem S9 Lebensjahre 
In dem Verstorbenen, der durch zahlreiche epoche- 
machende Erfindungen die Technik wesentlich getordert 
hat, betrauert die moderne Elektrotechnik einen ihrer 
ilauptbegnuwlcr Er war am 27. April 1845 m Aschaffen- 
burg als Sohn de» bekannten, im vorigen Jahre in Mün- 
chen verstorbenen Kunsthistorikers dieses Namens geboren 
und trat, nachdem er in München und Zürich technischen 
Studien obgelegen hatte. 1867 als Ingenieur in die Dienste 
der Firma Siemens Ar llalske ein, der er bis 1800 ange- 
hörte. Ueber seine Leistungen während dieser Zeit sagt 
Werner Siemens in seinen Lebenserinnerungen . daß sie 
jenem als Vorstand des Konstruktion— Bureaus der Finna 
einen Vi e t U n • ,_r' r.i ■_< -v. n,..'n •< 1 Lesen IWl CT '• OTW hm- 
lieh zwei Erfindungen zu verdanken, die wesentlich der 
Elektrotechnik, im besonderen der clcktrischenBcleuchtungs- 
technik. den Weg für ihre überaus schnelle und erfolg- 
reiche Entwicklung geebnet haben Als eiste der-ellieti 
ist die Konstruktion de> Trommelankers zu nennen, der 

No. a 



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gestellt, wobei ein Fugcnmörtcl i : 3 verwendet wird, wäh- 
rend der Beton im übrigen im Verhältnis 1 : 4 herge- 
stellt werden kann. 

Die Decke erfordert bei Wohnhausbauten für 2, 3, 6 und 
IO*Spw. .Stärken von 8, 13, 18. 30 <m . Sie ist durch die 
Baupolizei in den Stadtkreisen Berlin, Charlottenburg, 
Schöneberg undRixdorf als unverbrennliehe und be- 
lastete Decke grundsätzlich genehmigt und /war für fol- 
gende Spw.: für Wohngebäude höchstens bis zu 4,8'". für 
Fabrikgebäude bis 4,2 für freitragende Treppen bis 1,6 ■". 

Die Kiseneinlagcn sind, wie schon bemerkt, verschie- 
den lang und gehen nicht durch die ganze Spannweite 
hindurch. Infolge dessen ist es möglich, den Eisenqucr- 
»chnill von der Mitte nach den F.nden hin abnehmen zu 
lassen, d h. ihn den Anforderungen der Beanspruchung 
anzupassen, sodaß sich ein sparsamer F.iscnverbrauch er- 
gibt. Ks werden außerdem größere (Juerschnitte gewählt, 
als sonst mit Rücksicht auf die Adhäsion zweckmäßig ist 
Dies und die größere Kntfernung der meist quadratisch 
gewählten Kisenstäbe «oll die Fiiistampfung der Decke 
erleichtern. 

Für starke Lasten und große Spannweiten läßt sieh 





Abb.ldg. a 
S_v»teni Visintini. 



da» System natürlich auch zu Plattcn-Ralkcn-Deck.cn ver- 
wenden, Abbildg. 1, i. 

Interessant ist, daß Decken dieser Art von bedeuten- 
der Spannweite bereits von dem Erfinder in dem von ihm 
erbauten Rathause in Hannover ausgeführt sind und daß 
für das Rcgicrungsgebäude in Potsdam solche Decken bis 
12 ■ Spw. geplant lind. 



2. Gitterbalkendeeke System Visintini. 
Die Decken dieser Bauweise werden wie die S. 414 
im vorigen Jahrg. beschriebene Siegwart -Decke aus in der 
Fabrik fertig hergestellten und im Bau neben einander 
verlegten Betoneisen-Balken hergestellt, können also die 
Vorzüge für sich beanspruchen, welche dort dieser Bau- 
weise bereits zuerkannt wurden. Während es »ich aber 
dort um Balken handelt mit einem in der Längsrichtung 
durchgehenden Hohlraum, sind hier die Balken zu voll- 
ständigen Gitterträgern ausgebildet mit Eiseneinlagen in 
beiden Gurten und den gezogenen Diagonalen, Abb. 2 a u. d. 
Die Hohlräume liegen hier also nicht in der Längsrichtung, 
sondern in der (Jucrrichtung des Balkens, wodurch außer- 
dem eine wesentliche Vereinfachung der 1 lerstellung erreicht 
wird. I >ie meist ao r "> breiten Balken werden auf cinerUnter- 
lage zwischen 2 in festen Abständen gehaltenen Wandungen 
nach Einlegung der Formstücke lur die Hohlräume in 
Zementmörtel 1 : 3 durch Guß hergestellt, wobei die beiden 
Eisengitter an entsprechender Stelle eingelegt werden. Die 
Formen lassen sich schon nach etwa 1 St. herausnehmen 
und die Balken sind nach zwei Wochen transportfähig. Zweck- 
mäßiger Weise werden je- 
doch etwaige Abnahme- 
Belastungsproben erst 6 
bis q Wochen nach Fertig- 
stellung der Balken vor- 
genommen. 

Die Balken weiden in 
der Decke neben einan- 
der verlegt , die Fugen 
mit Zementmörtel ausge- 
gossen. Die Alibi Wign. üb. 
c u d zeigen die Verwen- 
dung de« Svsiem« zu Treppen be/w. 
Stützen. 

Mit den Visintinischen Gitterbaiken 
sind eine Reihe von Belastungsproben 1 ) 
in Zürich, Wien und von der mecha- 
nisch - technischen Versuchsanstalt in 
Berlin v orgenommen worden, diedurch- 
weg günstige Ergebnisse hatten. Die 
Versuche haben vor allem erwiesen, 
daß ein richtig hergestellter Gitterträger 
einer vollen Blatte in seiner Festigkeit 
durchaus gleichgestellt werden kann. 
Bei den Berliner Versuchen wurde 
eine Decke von 6.2'" Länge davon 5,8" freie Länge 
1,03«" Breite einschl. der Zwischenfugen, 24 ctn Höhe ver- 
wendet. Der ObergUrt halte dabei etwa 30"" Stärke, 7"'™ 
Rutuieisen, der l'ntergurt 3 '" Stärke. 16""" Rundeisen, 




*) X»tarr« vcrcl. in dtr in Wien tivlirincndcn ZuihriL ,BctPS und 
Kiwn-, 1003, H<ft Ul. 



gerade so wie der im Jahre vorher (1871) von dem Belgier 
Gramme angegebene Ringanker gestattete, unter Zuhilfe- 
nahme des 1867 von Werner Siemens gefundenen elektro- 
dynamischen Frinzipes Maschinen zur Erzeugung beliebig 
starker und, was die Hauptsache war, gleichmäßig starker 
elektrischer Ströme zu bauen Ring- und Trommelanker 
finden wir, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, 
bei fast sämtlichen Konstruktionen von Gleichstrom - Ma- 
sclnnen bis auf den heutigen Tag wieder. 

Mit der Schaffung der Gramine'schen und v I lefner- 
Alteneck'schen Dynamomaschine war man. trotzdem zu 
jener Zeit schon eine ganze Reihe brauchbarer elektrischer 
Lampenkonstruklionen vorhanden war, noch lange nicht im- 
stande, eine den Anforderungen des praktischen Lebens 
genügende elektrische Beleuchtung zu erzeugen. I "in dies zu 
ermöglichen, mußte vor allen I 'ingen das Problem der Teilung 
des elektrischen Lichtes gelöst werden. Mit den damals 
vorhandenen Mitteln war es nur möglich, mit einer Dvnamo- 
Maschine eine einzige elektrische Lampe zu speisen'. Jenes 
Problem beschäftigte in den 70er Jahren des vorigen lahr- 
hunderts zahlreiche der begabtesten Elektriker des ganzen 
Erdballes-. In den Ruhm, es gelöst und dantit die Grundlage 
geschaffen zu haben, auf der unsere ganze elektrische Be- 
leuchtung von heute sich aufbauen konnte, teill sich v. Hefner- 
Alteneck mit dem Amerikaner Edison. Letzterer trat 187g mit 
der elektrischen Glühlampe, die damals in Kuropa von vielen 
Fachleutenals amerikanischer! luinhug hezeichnelwurde und 
Manchem von ihnen seinerzeit ein ungläubiges Lächeln ent- 
lockte, vor die Oeffenlliclikeil, während von lief ner-Alteneek 
in demselben Jahre die Konstruktion seiner Differential- 
lampe vollendete. Diese war die erste elektrische Bogen- 
lampe, von der mehrere gleichzeitig von derselben Dynamo- 
maschine betrieben werden konnten, wie den staunenden 
Berlinern und den Besuchern ihrer in jenem Jahre abge- 
haltenen Gewerbe - Ausstellung durch Beleuchtung der 

27. Januar 1904 



Kaiscrgalerie mittels elektrischen Bogenliehtes ad oeulos 
demonstriert wurde 

Außer diesen Erfindungen verdanken wir von Hemer- 
Alteneck noch zahlreiche andere, auf welche einzugehen uns 
zu weit führen würde. Ks sei nur noch erwähnt, daß er 
im Jahre 1883 für photoinetrische Messungen vorschlug, 
als Liehteinheit statt der bisher «blichen Kerzen die von 
ihm auf das Eingehendste erprobte Amvlacetatlarnpe zu 
setzen. Di'' Schaffung dieser Lampe bedeutet einen un- 
geheuren Fortschritt für die Photometrie. Sie ist von 
verschiedenen Forschern, unter diesen auch von der Physi- 
kalisch-technischen Reichsanstalt. viele Jahre hindurch stu- 
diert worden. Hierbei ergab sich, daß die Kampe bequem 
zu handhaben, leicht, billig und genügend genau herzu- 
stellen ist. Aufgrund dieser Versuchsergebnisse wird die 
„Hefnerlampe" Heil einigen Jahren von der Phv -ikalisch- 
technischen Reichsanstalt zur amtlichen Beglaubigung zu- 
gelassen und ist deshalb vom Verbände Deutschet Elektro- 
techniker und von der Lichtmcß-Kouimfcston des Vereins 
der Gas- und Wasser-Fachmänner Deutschlands als Einheit 
angenommen worden. 

Dn von Ilefner-Alteneck sich mit den meisten seiner 
Arbeilen beachtenswerte wissenschaftliche Verdienste er- 
worben hat, so fehlte es ihm auch nicht an Ehrungen 
seitens der berulenen Vertreter der Wissenschaften So 
ernannte ihn im Jahre 180,7 <nt " königl. Akademie der 
Wi — eitschaften zu Stockholm zu ihrem auswärtigen Mit- 
gliede; im Jahre darauf verlieh ihm die l'niversität Mün- 
chen ehrenhalber den philosophischen Doktorhut und iqoi 
wurde er von der kgl. Prcussjschcn Akademie der Wissen- 
schaften zum ordentlichen Mitgliede 'I ihrer mathematisch- 
physikalischen Klasse erwählt. |» r ||. S. 

»t Anmci tun* der Krdak.ti.jn: * K dStl ' J U SJS f i t und Molirr 
K ulan «ind dir l.rldrn riMrn Injrrnlrui«-, ut lrhr» dirsr AlSMMSMMS 
tnl wuidr. — 

»7 



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während die kaum a CI " starken Stege, soweit sie Zug- 
spannungen aufwiesen, mit 7 mm Rundeisen armiert waren. 
Oer Bruch erfolgte nach langsamem stetigem Durch- 
biegen bei drei Versuchen im Mittel bei etwa 19000 k. 
Belastung (gleichmäßig Ober die ganze Lange verteilt.! 
Haarrisse in einzelnen Stegen traten erst bei etwa löoookc. 
Risse im unteren Steg bei im Mittel 17800-« Belastung 
ein. Die gemessenen Durchbiegungen stellten sich im letz- 
teren Falle auf 40 <"*>. 

Die Firma Visintini & Weingärtner in Zürich hat für 
die Verwendung ihrer Gitterträger zu Massivdceken bei 



aso kl 'i'" Nutzlast, 20 rm Balkenbreite und lofachcr Sicher- 
heit des Betons, -jtachcr des Eisens, eine Tabelle für die 
Dimensionierunj» aufgestellt für Spannweiten von 2-6 m . 
Sie führt 3 Profile von 15, 18 und 21 cm aus, die für 2—3, 
5, 3,72 — 4,96, 5,04 bis 6,o.( 01 -Spw. ausreichen. Die Starken 
des Obergurtes sind dabei 2,v 2,5 und 3,5 cm , des Unter- 
gurtes 2,5, 2 i 5und3 ca ', der Rippen 1,5, 1,5 und 3 C| ». Die 
Starke der Eiseneinlagen im Lnicrgiirt schwankt in den 
3 Profilen von 7 — 11, 10 — 14, 14 — 17 während sie im 
Obergurt konstant 4 mnl ist Das Eigengewicht stellt sich 
auf 33, 34 und 40 k« (i. M. für die 21 hohen Träger). — 



Mitteilungen aus Vereinen. 
Verein für Eisenbahnkunde In Berlin. In der I lezetnbcr- 
Siizung 1003, in der Hr. Wirkl. Geh. Rat Sehroeder 
den Vorsitz führte, hielt, nachdem Hr. Ing. Zeidler die 
Flammenhogenlampcn und andere Lampenneuheiten 
der Allgem. Elektricitäts-Gesellschaft vorgeführt hatte, Hr. 
Oberstleutn. a. IX Buchholtz einen Vortrag über „Die 
neueren Versuche in der Fortbewegung von Luft- 
schiffen", die in den leuten Jahren in Frankreich ge- 
macht worden sind und wegen ihrer Erfolge berechtigtes 
Aufsehen erregt haben. Nach den infolge geringer Kon- 
struktionsfehler verunglückten Versuchen des Brasilianers 
Severo am 12. Mai und unseres Landsmannes Baron 
v. Bradsky am 13. OkL 1902, die bedauerlicher Weise 
beiden das Leben kosteten, verdienen die mit großem 
Mut und unerschütterlicher Ausdauer fortgesetzten Be- 
mühungen des Brasilianers Santos Dumont volle Aner- 
kennung. Seit dem Jahre 1897 hat er, unbeirrt durch 
wiederholte Mißerfolge, seine Konstruktion immer von 
neuem verbessert, bis es ihm endlich gelungen ist, ein 
Luftfahrzeug zu erhalten, das allen Anforderungen zu ent- 
sprechen scheint. Am 19. Okt. 1900 erwarb er sich durch 
seine Fahrt von St Clouduni den Eiffelturm den hierfür von 
Mr. T>eutsch de la Meurthe ausgeset/tcnl'reis von 100000 Fr. 
Inden folgenden Jahren und bcstindcrs int letzten hat er dann 
eine große Zahl glücklicher Fahrten ausgeführt, bei denen 
er sich wiederholt zur Erde niedergelassen und wieder 
erhoben hat, so am 14. Juni während de» großen Rennens 
auf dem Longchamps und am 14. Juli bei der großen 
Truppen-Revue, beide Male unter dem Beifall der ver- 
sammelten Menge. Augenblicklich ist Santos Dumont mit 
dem Bau M?ine> zwölften Luftschiffes für die Ausstellung 
in St. Louis beschäftigt. Fr hat übrigens sein gesamtes 
Material dem französischen Kricgsministerium für den Fall 
eines Krieges zur Verfügung gestellt. Außer ihm hat in 
neuester Zeit der Franzose I.cbaudv viel von sich reden 
gemacht, da er mit seinem Luftschiff größere Fahrten bis 
zu 98 km mit einer Fahrgeschwindigkeit von 11 — 12 m in 
der Sekunde ausgeführt und am 12. Nov. v.J. bei einem 
frischen Wind von 6 ■» in der Sekunde die Fahrt von 
Moisson nach Paris unter bestandigem Lavieren in 1 St. 
40 Min. zurückgelegt hat. Wenn mit diesen Erfolgen die 
Aufgabe auch nicht vollkommen gelöst erscheint, so ist 
damit doch die Möglichkeit der Luftschiffahrt als erwiesen 
/u erachten. Aufgabe der Zukunft wird es sein, durch Ver- 
besserungen im Bau und in der Fortbewegung der Luft- 
schiffe die Fahrgeschwindigkeit so zu erhöhen, daß sie 
auch mittleren Windstarken zu widerstehen imstande ist — 



Preisbewerbungen. 
Ein Wettbewerb der ..Vereinigung Berliner Architekten" 

für ihre Mitglieder betrifft die künstlerische Gestaltung 
der Räume für die Architektur - Abteilung der 
Großen Berliner Kunstausstellung 1904 Es handelt 
sich in der Hauptsache um einen an den von Ilm An Ii 
A. Gcssncr ausgebildeten Teil südostlich anschließenden 
neuen Teil, der zu einem größeren Ausstclt11uc~~a.1l zweck- 
entsprechend ausgestaltet werden soll. Zugleich ~»ill dem 
(•'cssner'sehen Ausstellungsraum, der sich für die Ab- 
stellung der Werke der Haukun ~l al~ vrtrcflhch iieiiunel 
erwies, nach den Wüti~chen der Maler und Uitdhaucr. 
welche später diese gesamten Räumlichkeiten in Benutzung 
nehmen werden, mehr Licht /tigctuhri werden. Verbogt 
werden die geometrischen tiCvamtzi-icliiuin^en 1 : 100, eine 
Tcilansicht in farbigcrliarstrlliiny 1 : so, -»wir der Nachweis, 
daß die Anlage für 4000 M ai:~/iifuhren i~l Für die beste 
Arbeit ist ein Ehrenh'ntoi ur von yo M fc~t^e~ei/i ; der 
Gewinner desselben erhalt die Au~lülirung Preisrichter 
-nid die Mitglieder des Ausseiendes für die Architektur- 
Abteilung Bale ke. H.niEcit, Reinhardt, Schmitz und 
Werle, l.r-:ii/lciae die Ilm, Soll und Dinklage. — 

Wettbewerb Volksschulhaus Waldenburg. Der Magistrat 
macht nunmehr bekannt, 1I.1U d..~ Preisgericht aus 5 Per- 
sonen besteht, von welchen 1 dem Baufach angehören. 
Die Preise gelangen zur Verteilung, sobald program m- 
miißiee Entwürfe in cenugender Zahl vorhanden sind. - 



Brief- und Fragekasten. 

Hrn. H. Sch. In Mannheim. Weder da» Reichsreeht noch 
das badische Landrecht enthalten eine Vorschrift de« Inhalte«, dafl 
Villen hinter der Bauflucht zu errichten sind. MiUtui besieht kein 
gesetzliche» Verbot, »ie mit einer Seite in der Baufluchtlinie »trauen- 
wärt« aufzufuhren. Im Gegenteil kann man vielfach einer der- 
artigen Bauweise begegnen. Dagegen pflegen bisweilen ßaupulizei- 
Ordnungcn an* öffentlich rechtlichen Gründen für Villcubauten 
einen gewissen Absland hinter der Bauflucht und das Liegenlassen 
einer Grundfläche als Vorgarten iu fordern. Sind derartige Polizei- 
Ordnungen in verfassungsmaliigcr Form zustande gekommen, so 
geben sie der Polizei das Recht, eine abweichende Bauweite zu 
untersagen. Nicht minder sind Falle denkbar, d»U die Polizei in 
Erfüllung ihrer Pflicht, der Verunstaltung von Stralkn vorzubeugen, 
dahin gelangen kann, dem Villenbau in der Stmucnfluchtlime ent- 
gegenzuwirken und hierbei den Schutz im ln-iaincn/ugc findet 
Ihre Krage IftUt sich im Endergebnis also nur dahin beantworten, 
daß zwar grundsätzlich nirht verbaten i»t, freistehende Villen mit 
einer Seite in der Bauflucht zu erru hten, daß jcdo. li Ortsrechte 
zu einem solchen Verbote fuhren k&nnen — K. H-e. 

Hrn. C. B. In B. Wie wir der .Ostpreussisrhca Handwerks- 
Zeitung- entnehmen, kann der Titel .Baugewcrksrncister" — ent- 
gegen unserer bisheriger) Ansicht — durch Abkgung der Meister- 
prüfung vor »len duich die Regier ung*-Pi äsidcnleii nach $ 133 der Ge- 
werbeordnung ernannten Prüfung--. Kommissionen erwoibeu werden. 
Zur Führung de* Meistertitels in Verbindung mit der Bezeichnung 
eine* Handwerk» berechtigt das Zeugnis einer Baugcwerkschuk 
nicht. Weder die niehtstaaihchcn noch die vom Staate anerkannten 
oder staatlichen Baugcwcrkschukn sind befugt, ihren Abgangs- 
zeugnissen die Wirkung zur Kühlung des Titels „ llaugewcrks- 
meister* beizulegen. Die Prüfung» - Kommissionen dieser Schulen 
dürfen auch nur die GcsamlprCifung durch Erteilung eines Piatli- 
kale» zensicicti. Im übrigen herrscht in l'reusscn aber die Fahrung 
de» gciianiitcii Titels noch so viel l'iikLirhcit, dass es erwünscht 
erscheint, durch allgemeine gültige behördliche Bestimmungen hier 
volle Klarheit zu schaffen — 

Hrn. Bautechn. B. O. In Leipzig. Wir empfehlen Ihnen 
als umfassende Werke: Urning. Die Sudtc Entwässerung. Band 3 
des städtischen Tiefbaues. Stuttgart 1H07, und Frühling. De Enl- 
wil»»erung der Städte, 4 IUI. de» ll.indO i| Ingen -Wi.seii«cliaflen ( 
4. Aufl. Leipzig 1903 Von letzterem Werke hrgt aber erst die 
I. Hillftc vor. In beschrankter Weise wird du- Aufgabe behandelt 
in Dobel, Kanahsaliun 4- Aufl Stuttgart 1903. — 

Hrn. BlTIStr. A. U- In G. In unserer Zeitung ist die frag- 
liche Mitteilung nicht erschienen, dieselbe enthielt übrigens nichts 
Neues. Auuer durch einen geringen Zusatz von Soda hat man 
öfter auch einen kleinen Zusaiz von Kochsalz zu Zementmörtel an- 
gewendet, um bei niedrigen Temperatuten ohne Frostgefahr niaiiein 
zu können. Solche Mittel sind alter zwei-i hnculig und l>r»seie Er- 
folge von der Verwendung eines m.t waimun Wasser ziemlich 
trocken angemachten und nicht fetten Moite!» zu erwarten. Zement- 
put/ darf eben bei Fl o.ttcmrn ralur 1 1 iu m ;il s aits>;i lüliit weiden — - 

Hrn. Ing. B. In Kreuznach. Nu wenn s.c im -1 einlies 
Reservoir anlegen kd-iucn, um iiLer Lange Zeilen von Wn..Ntiilc 
hinwcgkomnuii zu können, ist cm Windmotor gehraiirl.siäl.ig E» 
bteiht dann aber »kr Nachteil bv-tvkrn, dal) Sie nielit auf n.sche» 
snndrrn auf s icllei- ht Luvst .abgestandenes* Wi's'i ange »Viesen 
sind. In jeder Hinsicht mehr /u cmplchkn ist die Auf dcllnng 
eines lliitj.uft- oder » ine« 1'etrolrnru ■ Mutorcs. Wenn c~ räch der 
I.a-e und Gr'.üe der Oiicllc nv<.irh ist, einige» GeiJlte zu ».haften, 
so »cüiUc auch die Anlagt »nies hydraulischen Wühlen uifrage 
kommen können. — 

Hrn. Bautechn. K. In Freiberg. Em derartige» Buch gibt 
es L>.~ I ier r.e lit 

Anfragen 11 n den Leserkreis. 

Ein aus Itcton mit Slrei kmctalleiiilugco hergestellte« Wasser- 
becsc ii. in das Ho 100 ' wattue>, mit kalzinierter Soda gereinigtes 
\V»v-er tintritt, ist in Hüdcn und Wimleu »leiait rissig geworden, 
d.tl ilj-»clt>e uuUii Betrieb gesellt werden muttte. Nach der Bau- 
weise »:es i'uutei tnli-.» h angek-gteii Obel wölbten) Behälters ist es 
wen< walns' hcinlu b, dutl die Entstehung der Sei »den auf 
die Icmpcialur des Wasscrinhaltcs zurückkommt Sind andere 
aiuilnhc KiUhrungtu bekannt und durch weiches Mittel hat ma» 
die Sitiiiden beseitigt? — J W. in O. 

¥ ra g c bcanl w 0 r t u n gen aus dem Leserkreise. 

Zu der in No. 95 Jahrg. tcjccj enthaltenen Anfrage von A. St. 
in Berlin teile ich Ihnen mit, dass Iragliche Sandstein-Kreitrrppc 
zweckmässig durch einen Ikbig mit Hvgiena - Maleiul (beigestellt 
duu-b Isolier niitlcl- und Hygiena Fu»l>ö.lrn Kab:ik, Richaul Beck, 
Stuttgart) wir der hergesleilt wenlen kann 

Ri. l.at.1 Heek in Stuttgart. 

Inhalt; l>.i. Hjhjwii. n in [.rciillis. !u n S| U .,ttatl~luill ICH ilas Vtr- 
wallMiig.ji.tii rojti«. — Nr-.i. ie I leckf-ii-Kun.tt uktiunril. Todtctisehaa. — 
Mitteilungen au« Vereinen. I'u i-Vmci liur.ti n. — Hiof- und Fi Seck asten. 

. C. m. b. IL, Berlin. Kor die Kensküno 
Druck suil Wilh. Cltit, Berlin. 

No. a 



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M WANDLUNG DER PREUSSISCHEN 
UND SÄCHSISCHEN EISENBAHN- 
ANLAGEN IN UND BEI LEIPZIG * 
********** 

= DEUTSCHE BAUZEITUNG== 
* XXXVIII. JAHRGANG 190* N° 9 * 



Abbild);. 2 lhiuptbahnhof in Leipzig 
Etnpfangsgebäude 



A. Gruppe der prrufi. Gleisanlagen. 

B. . . »*<h». 
I". T. IVr*oiien-Tunnel. 
G.T. Grpark-Tunnrl 
G. il. Grp".ck-Bahn*leisr 

Gleisgruppen im 

rrr»onc nbafanhaf 



I. Auhlrlluniesclriw für Peiannrn . Wasen fnr 

Kilenbaie. 3 Gl. 357 m nuubair Lance. 
3 Pe«rJ- (Ol Bei Ii 11. 3 Gl. 31 j m n. 1_ 

3. Deajl. für M a g d e l> u 1 e. o Gl in* n. L. 

4. Di-»|H (Ol l'i r«»n< 11 - Zil-r und • Waten fOi 
Berlin. 6 OL m 11 ]„ 

5 DMMj , «Viel, für Thlli .n-rn. 5 Gl. 1130 m 
n. L. 

6 l>r*-l., <Hft. lar F.ilenhurr. 4 GL 740m 



Erklärung. 

F.ileOtrr- und Siorkgut-Rahnhnl 

;. 4 Allf«telllln;«|;lei<e fnr FilgJleriagr. i^m 

n- L. 

8- S [>t<eI. (Di KrriUilrvrrkrbi. Aut'an-. 1445111 

IL L. 

o. 5 I'e^fl , de«rj. Kinyanf. 1105 m O.L. 

10. 5 Desgl. für Stovkeut: EbzfMf 1040 m n. I_ 

11. ö IVigl.. drvl* Ait«fane. 1046m n. L- 

GAter bahn hol L e i p z i % (Berlin), 
ta. 7 Aufstellung*, und Rangirt-;U-i><e 3505 m n. 1. 
13. 13 r>e*gl. (01 1'rrwMM nwajeu 310B ni n. L 



Besondere Bezeichnungen. 

V. G. Veikehrnili-l*. 

A. G. Auuiehgleiv 

M. G. Ma*rhinrnrlei«. 
A«. G. Aiuu hlusftglei« 
Vb G. Vrrbindun£*rlci« 
Si. \V. Stellwerk. 




1- ^ ' * 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 9. BERLIN, DEN 30. JAN. 1904 

Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig. 



Vnn Paul Bischof, Ober- und Geheimer Baurat in Halle a. S. 

(FcirtfcciJMnK-t Hirm» rinr PUnbriUgr. 



III 



Entwurf, a. llau|>tl>ahnhof. 
ÖBfcSgSwtT 1 n folgenden Ausführungen soll«' 11 nur 

I^BlHßj dicllauptpunktcundzwarzumeistnur 
ÖSSk. die preuß. Anlage n behandelt werden ; 
auf Kifflftlheiten näher einzugehen, 
IC^Effi muß vorbehalten bleiben DasHaupt- 
w EnS gebäude mitden Bahnsteigen ist nach 
, fi kW den Abbildg. 2 (Beilage) 11 3 soweit 
naeh dein Inneren der Stadt vorge- 
schoben, wie es die Rücksicht sowohl 
auf die Schaffung eines angemessen großen Vorplatzes 
als auch auf die Ausbildung günstiger Weichenverbin- 
dungen zwischen den einzelnen Bahnlinien verlangt. 
In den Kopfbahnhof werden, entsprechend dem bei 
beiden Verwaltungen etwa gleichen Personenverkehr 
je 1,8 bis. 2 Millionen verkaufte Fahrkarten für das 
Jahr — 13 preußische und 13 sächsische Gleise einge- 
führt. Die Bahnsteigbreiten ergeben sich im allge- 
meinen aus dem Vielfachen einer Gleiscntfernung von 
4,5 m Die Personen-Bahnsteige sind demgemäß 10,5'". 
die Gepäck-Bahnsteige 6 m breit. Das Haupt-Empfangs- 
gebäude wird dann eine Frontlänge von 300 m erhalten. 
Sämtliche Hauptbahnsteige sind 270 m lang und durch 
« inen 20 m breiten Querbahnsteig verbunden. Die 
Schienenoberkante der Gleise an den Bahnsteigen 
liegt 2,6 m über dem Pflaster des Bahnhof-Vorplatz.es, 
so daß die unter den Bahnsteigen angeordneten Tunnel- 
anlagcn unmittelbar in die Gepäck- Annahmen und 
-Ausgaben einmünden können, und daß der Personen- 
verkehr auf den Peisoncnbahnsteigen durch den Ge- 
päckverkehr nirgends belästigt wird Die Gleise an 
den Bahnsteigen sind von Westen her der Reihe nach 
für Vororte, Thüringen (Zeitz und Korbetha), Eilen- 
bürg, Magdeburg, Berlin auf der preußischen Seite, 
Bayern, Ricsa-Dresden, Döbeln-Drcsden, Geithain auf 
der sächsischen Seite bestimmt. 

Zur Erreichung dieser Anordnung der Gleise an 
den Bahnsteigen konnte die sächsische Eisenbahn -Ver- 
waltung die jetzige Bayerische Verbindungsbahn, welche 
die Dresdener Linien* bereits schienenfrei kreuzt, für 
dir Bayerischen Hauptglcisc ausnutzen. Auf preußischer 
Seite muß eine schienenfreic Kreuzung der Eilenbur- 
ger Linie mit den Berliner und Magdeburger Linien 



neu hergestellt werden, siehe Abbildung 3. Dies ge- 
schieht nordlich vom Berliner Bahnhof, nachdem die 
Magdeburger und Eilenburger Linien von den Halte- 
punkten Lützschena und Heiterblick an abgeschwenkt 
und im Norden um die Stadt Leipzig herum und an die 
Berliner Strecke herangeführt sind. Wenn die Magde- 
burger Linie dann freilich einen l 'in weg von etwa 
4 kl " machen wird, so bleibt doch das eigentliche Bahn- 
hofgcländc von den Rampen und den schienenfreien 
L'ebcrschneidungen der eingeführten Personenzuggleise 
vollständig frei. Es wird ermöglicht, den gesamten 
Bahnhof ohne irgend welche plötzliche Unterbrechung 
überall in eine durchgehende Mäche mit keinem stärke- 
ren Gefälle als 1 : 400 zu legen und, begünstigt durch 
den Umstand, daß die Magdeburger und Eilenburger 
Linien mit der Berliner Linie zusammen auf eine große 
Länge vor den Bahnsteigen parallel der Achse dieser 
Bahnsteige geführt werden, die für den Betrieb im 
weitesten Umfange erforderlichen brauchbaren Weichen - 
Verbindungen trotz der großen Breite der Bahnsteig- 
aulagen zwei ki ntspr« chend auszubilden. 

Die Richtungen Berlin und Bayern, auf welchen 
zurzeit schon durchgehende Züge gefahren werden, 
liegen unmittelbar nebeneinander und lassen sich leicht 
verbinden. Von den Richtungen Magdeburg -Dresden 
und Thüringen-Dresden, welche demnächst bevorzugt 
weiden sollen, ist nur die letztere auch bei der Ein- 
fahrt nicht ohne Ueberschneidung anderer I lauptglcisc 
in Schicncnhöhc auf dem Bahnhofe selbst durchführ- 
bar, da die Thüringer Linien, wenn nicht augenschein- 
lich ganz unverhältnismäßige Kosten entstehen sollen, 
nach wie vor von Norden her leider nicht weit von den 
Bahnsteigen in den Bahnhof eingeführt werden müssen. 
Sie werden hierbei die jetzige Thüringer Verbindungs- 
bahn, also den äußersten Rand des hier zur Verfü- 
gung stehenden Geländes in Anspruch nehmen. 

Zwischen den Weichenverbindungen konnten in 
der Nähe der Bahnsteige für jede Richtung Aufstcll- 
g nippen so angeordnet werden, daß die Rangier- 
maschine, nachdem sie den Zug aus dem Ankunfts- 
glefa in die Gruppe gezogen hat, bequem abfahren 
und ebenso wieder hinter den Zug gelangen kann, 
um ihn auf das Abfahrgleis zu drücken. Dic\Schup|H-n 
für die Personen -Zuglokomotiveti sind, nicht zu ent- 

49 



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femt von den Bahnsteigen, getrennt angelegt Durch 
die oben erwähnten Weichenstraßen und die getrennte 
Anordnung der Schuppen ist eine leichte Zugänglich- 
keit ohne unnötige Berührung von Hauptgleisen, aul 
denen im Einzelfalle die Maschine nicht zu verkehren 
hat, gesichert DieF.ilgutanlage ist in engste Verbindung 
mit den Bahnsteigen und Weichenstraßen gebracht. 
Verhandlungen mitderReichspost- Verwaltung haben zu 
dem Endergebnis geführt, daß jeder Postpacket- Verkehr 
im Haupt-Ernpfangsgebäude ausgeschlossen, auf den 
Gcpäekbahnsteigen aberdurch V ermittelung eines in der 
Nahe (südöstlich) zu errichtenden Mahnpostamtes und 
einer Tunnclanlage nur in kleinen Mengen zugelassen 
sein soll. Für die gesamte Ein- und Ausladung ge- 
wöhnlicher Postgüter wird von der Rcichspost -Ver- 
waltung am Notdostende des Bahnhofes, zwischen den 
sächsischen und preußischen Gleisen, ein Postgüter- 
Bahnhof angelegt und mit den Gleisen der beiden 
Eisenbahn-Verwaltungen — auf preußischer Seite durch 
zwei getrennte Straßen - verbunden. Sämtliche Post- 
wagen müssen nach dem Postgüter-Bahnhof üln-rführt 
werden, wo sie auf 13 Gleisen von preußischer Seite 




Abbiklg, 3 £ueob«haaiil*KC'n nach dem I'iubau 



und auf 12 Gleisen von sächsischer Seite unmittelbar 
laderceht gestellt werden können. 5 Gleise der Vcr- 
ladehalle sowie ein Gleis nach dem'Magazinsihuppen 
werden mittels Drehscheibe an die preußischen Ztl- 
führungsgleise angeschlossen. 

Die Anlagen für den preußisehenStückgut-undFrei- 
ladeverkehr werden westlich an das Hauptgebäude 
und die Thüringer Hauptgleisc angrenzen. Aufstellungs- 
gruppen für den Güter- und Eilgutverkehr sind auf 
dem alten Magdeburger Außenbahnhof unterzubringen. 
Weiteres ist aus der Abbildg. 2 1 Beilage 1 ersichtlich 

Wie bereits oben bei Besprechung der Einführung 
der Linien gekennzeichnet, herrschte das Bestreben, 
von dem begrenzten Bauplatz im Inneren d< r Stadt, 
soweit dies erreichbar, alle diejenigen Anlagen fern zu 
halten und nach außen zu verlegen, welche im Inneren 
nur Platz wegnehmen, aber nicht durchaus notwendig 
sind Dies war eine der ersten Forderungen, welche 
für die Aufstellung eines klaren und auskömmlichen 
Entwurfes erfüllt werden mußte. 

b. Rangierbahnhof Wahren und Verbin- 
dungsbahn Wahren-Leutzsch. Die Anlagen für 
die Rangier geschäftc gehören in erster Reihe zu denen, 

50 



welche an die Grenze des Weichbildes der Stadl zu 
verlegen sind. Nach dem Umbau wird, während der 
Berliner Bahnhof als Güterstation und der Eilenburger 
Bahnhof ebenfalls als Gflterslation und Lokal-Personen- 
bahnhof für die anschließenden Stadtteile bestehen blei- 
ben würden, der preuß. Hauptgüterbahnhof den gesam- 
ten Magdeburger und Thüringer Güterverkehr aufzu- 
nehmen haben. Das führt von selbst dazu, für beide 
Richtungen auf einer der Strecken einen gemeinschaft- 
lichen Rangierbahnhof mit Verbindung nach der ande- 
ren Strecke anzulegen. 

Dadurch werden einmal die Kosten des Baues und 
des Betriebes eines zweiten Rangierbahnhofes und 
dann die weiteren Kosten für das Vor- und Nach- 
rangieren und die dazu nötigen im Hauptgüterbahn- 
hof kaum herstellbaren Anlagen erspai t. Von dem 
Hauptgüterbahnhof können dann die Wagen, ohne 
getrennt werden zu müssen, im Gemenge auf dem 
kürzesten Wege nach dem Rangierbahnhof abgezogen 
werden. Umgekehrt werden von dort die einzelnen 
Ladestellen des Güterbahnhofes gleich mit den aus 
beiden Richtungen zusammengesetzten, rangierten Zug- 
teilen bedient. Der Rangier- 
bahnhof ist an der Magdebur- 
ger Linie zwischen den Stati- 
onen Lützschena und Wahren 
geplant Vgl. hierzu nebensteh. 
Abbildg. 3, welche den Gesamt- 
plan aller Eisenbahnanlagen in 
und bei Leipzig nach dem Um- 
bau wiedergibt und den Plan 
des Rangier-Bahnhofes nebst 
Längenprofilen, Abb. 4 6, wel- 
che wir mit dem Schluß dieser 
Ausführungen folgen lassen. 

DieserBahnhof wird mittels 
2-gleisigcr Verbindungsbahn 
mit dem umzubauenden Bahn- 
hof Leutzsch, und durch die 
für den jetzigen Zweck aufzu- 
gebenden und umzubauenden 
Magdeburger Hauptgleise mit 
dem 1 lauptgüterbahnhof Leip- 
zig verbunden sein. Die Ab- 
messungen des Rangierbahn- 
hofes Wahren mußten danach 
bestimmt werden, daß er die 
jetzt au fdcmBahnhofeLcutzsch 
und auf den Bahnhöfen Leip- 
zig-Thüringen und Magde- 
burg, sowie zumteit auf dem 
sächsischen Uebergabe- Bahn- 
hof notdürftigst sich abwick- 
elnden Rangiergeschäfte im 
vollen Umfange zu leisten im- 
stande ist und so den neuen 
Hauptgüteibahnhof vollständig entlastet, sowie dessen 
Herstellung und die Herstellung des Haupt-Personen- 
bahnhofes auf dem einzig gegebenen Bauplatz ermög- 
licht. Aus demselben Gr unde, jedoch auch zum Zweck 
der Vereinfachung des Betriebes werden die Güterzug- 
Maschinen nebst den hierzu gehörigen Betriebswerk- 
stätten in Wahren vereinigt, auch das Umladegeschäft 
von Leutzsch und Leipzig und die sämtlichen Gleise 
zum Aufstellen von leeren Güterwagen dorthin verlegt 

c. Verbindungsbahn Wahren-Schönef eld- 
Heiterblick. Diese durchgreifende Entlastung des 
neuen Hauptgoterbahnhofes genügte trotzdem noch 
nicht, den hinsichtlich der Anlagen für den Güter- 
verkehr so dringenden Umbau desselben in zweck- 
entsprechender Weise zu ermöglichen. Es blieben 
noch die für den Güteraustausch zurzeit im Inneren 
der Stadt Leipzig zwischen den einzelnen Bahnhöfen 
unterzieh und mit dem Uebergabe-Bahnhof bestehen- 
den Verbindungsstücken nach außerhalb zu verlegen. 
Der Anfang hierzu liegt bereits in der erwähnten Ver- 
bindungsbahn Leutzsch -Wahren. Ihre Fortsetzung 
mußte sie in einer zweigleisigen Verbindungsbahn von 
Wahren über einc^neue Vorstation Mockau an der 



ized byfcoo; 



Berliner Linie nach dem auszubauenden Bahnhof Sche- 
nefeld an der Eilenburger Linie finden. Zum Zweck 
eines unmittelbaren Zugaberganges von Leutzsch nach 
Eilenburg, mit Umgehung von Wahren und Schönefeld, 
ist bei Wahren eine kurze Verbindungsstrecke und 
bei Schenefeld ein unmittelbarer Anschluß nach Heiter- 
hlick in Aussicht genommen. Im übrigen schließt sich 
die Verbindungsbahn Wahrcn-Schönefcld-Heiterblick 
den neuen Einführungen der Magdeburger und Eilen- 
burger Linien genau an. Voraussichtlich werden an 
ihr in Großwiederitzsch und in Thekla Haltestellen 
errichtet. Zum Anschluß dieser neuen Gütergleise an 
das Netz der sächs. Staatsbahnen wird die sächsische 
Regierung eine Verbindungsbahn zwischen ihrem neuen 
Rangierbahnhof Engelsdoif an der Dresdener Linie 



und Schonefeld erbauen, Engelsdorf mit ihrem Bahn- 
hof Stötteritz an der neuen bayerischen Linie verbin- 
den, und von dieser Verbindung einen unmittelbaren 
Uebergang auf die Eilenburger Linie in Richtung 
Schönefcld schaffen. Nach Wegfall des alten Ucber- 
gabe-Bahnhofes, für den auch in seiner Eigenschaft 
als Sammelbahnhof auf preußischer Seite der Rangier- 
Bahnhof Wahren einen reichlichen Ersatz darstellen 
wird, findet dann die Güterübergabe zwischen Preußen 
und Sachsen im Osten zwischen Schönefcld und Engels- 
dorf, im Westen in Plagwitz-Lindenau an der Zeit/er 
Linie statt. Die beiden Bahnhöfe Plagwitz-Lindcnau 
werden sowohl von preußischer als auch von sächsi- 
scher Seite bedeutend erweitert. - (SrhfoJ folgt) 



Der Brand des Iroquois-Theaters in Chicago und die notwendige Reform der modernen Bühne. 

Von Baurat Heinrich Sceling in Berlin. |s,M„» No. 4.) 

[a> in Preußen für „kleine Theater" (bis zu 8do Zu- Seitenfassade, un.l außerdem den Vorfahrteingang in der 
- ■emlätzen, zulässige Maß der Bebauung auf Längsachse des Hauses. Für das m den Anklcidczimmcrn 
1 Hinterge lande zeigt das .Neue Theater" am und auf der Bühne beschäftigte Personal wurden, trotz der 
Schiffbauerdamm i n"B,e;rl i D, dessen Lageplan und beiden massiven Treppen, unmittelbar von diesen Treppen 

und den Ankleideziuunern aus zugängliche, gut gesicherte 
Galerien und von diesen zu dem Hofgeläude fuhrende 
Treppen angelegt. Für die wenigen in den Ankleide- 
zimmern befindlichen Personen sind solche Galerien am 
Malze, nicht aber für Znschauermengen. Die 

Das Neue Theater In Berlin. 

A»chite*t: Hautat Heior. Seeling 



Anordnung derCialeric 
■ in rechtzeitigen Hofe 
ist Seile 54 vorgeführt 
Sie ist e inem Aufsätze 
entnommen, welchen 
der Regisseur des 
„Neuen Theaters", Hr. 
Held, in No 3des„\Velt- 
spiegel" dem Beiblatt 
de» .Beil Tagcbl -über 
dicSicherheits-Finrteh- 
tungen des Bühnen- 
hau»es die-e« Theaters 
veröffentlicht , aber 
1 IBM den Frbaucr auch 
nur zu erwähnen. 
Neben diesen dcuKchcn Beispielen >ci der Grund- 
riß der neuen „Kontiseheu Oper" in Paris gegeben. 
I>as Haus liegt bis auf die Rückwand frei, l'as Zu- 
srhanerfaaus ist sehr geschickt angelegt, doch möchte ich 
auf den allen Rangen dienenden 4 Treppen in den 

. USTOU 








Schiller-Theater In Chicago. Architekten. Adler tc Sullivan. Maß.tab 1:750. 

Bahnen-Nebentreppcgegebenseien AnchbeiHäusfrndiesrr 4 Ecken der Umgänge keine Panik erleben. Kleiderah- 

kleinsten Abmessung werden Höfe von 9™ Breite zu lagen und Toiletten sind gänzlich unzureichend 

beiden Seiten der Bühne für erforderlich erachtet. Da* Für uns unglaublich gebaut sind die oft mit großem 

Publikum hat bequemste Zu- und Ausgänge an jeder Aufwand und in „feuersicherster" Ausführung herge- 

30. Januar 1904. 



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-teilten neuen Theater Fingland* und Amerika-« Lebensge- 
fährlich ist im neuen Her Majesty's Theater in 
London der Weg für die Besucher des Parkett, die über- 
haupt keinen Umgang haben, sondern „im Raum" sich 
den schmalen Ausgängen zuschieben müssen. (S. 54.) Bei 
aller Eleganz und Feuersicherheit die reine Mausefalle! 
Aehnlich ängstlich ist's im modern gebauten Mr. D'Oyly 
Cartc's Ncw-Thcatcr in London. (S. 54.1 

Was amerikanischer Erfindungsgeist f Wagemut und 
Ausnutzungsfindigkeit möglich machen, zeigt das „Audito- 
rium Building" in Chicago; genial entworfen und natür- 
lich „ganz feuersicher" in Stahl und Stein durchgeführt, 
verursacht es beim Studium des Baugedankens aber doch 
etwas Gruseln. Ueber dem Vestibül (S. 55! liegen 9 Stock- 
werke für vermietete Bureaus. Ueber der 30 «■> hohen 
überwölbten Bühne liegen Gesinde-, Dienst- und Küchen- 
räume des sich an die Rückseite der Bühne anschließen- 
den Hotels, dessen Speisesaal im 10. Stockwerk allerdings 
einen herrlichen Ausblick auf den Michigansee gewähren 
muß. Aehnlich „ausgenutzt" ist das „Schiller-'I healer" 
inChicago. (S.51.) Bei diesem völlig eingebauten Krontliaus 
steigen über dem Vestibül 16 Stockwerke empor. Ueber 



Wir Deutschen und die »tamm verwandten Ocsterreicher 
brauchen sicher diesmal uns nicht nach ausländischen Zu- 
ständen zu sehnen, wohl aber können wir mit Stolz unsere 
in Licht und Luft gebadeten neuen Theaterbauten zeigen. 
Meist haben auch unsere Zuschauerräume unmittelbares 
volles Tageslicht und damit Luft; allemal aber lassen Tür- 
uud Fensteröffnungen doch mittelbar volles Tageslicht ein. 
Mit etwas gesundem Menschenverstand und nicht im 
Verhältnis zu einem Neubau stehenden Kosten lassen sich 
gänzlich luft- und lichtlose Mäuser noch völlig modern ge- 
stalten. Im oben angeführten Kapitel über moderne Theater 
in „Baukunde des Architekten" finden sich mein Vorsehlag 
für die Umgestaltung derTreppen im Stadttheater zu Düssel- 
dorf, und der Umbau des Stadttheaters zu Aachen. Der 
letztere ist vollendet und die Bewohner Aachens wissen 
was sie hatten und was sie jetzt haben; ich denke, sie 
bereuen den Umbau, der etwa 650000 M. verursacht hat, 
nicht. Der Vollendung entgegen geht der Umbau des 
herZOgl, Theaters zu Braunschweig, dessen schmale licht- 
lo-c l mgänge, Treppen und feuergefährlichen Magazine 
dringend sprachen: es geht .nicht mehr! Innerhalb der 
gegebenen Umfassungen mußte zwar auf grandiose Entwirk- 




B-illner Neubauten. No. tu. Das neue Herrenhaus des preuO. Landtages. Speisesaal der PffeMcntenwuhnung. 

Architekt: Geh. Hm rat Fr. Schulze in Berlin. 



Bühne und Zuschauerraum wird es im „sechsten" Stock 
wieder lebendig; bis zum it. Stuck sind 304 Olfice- 
Räume. 2 Läden und 1 großes Restaurant untergebracht. Im 
12. Stock liegen große Klubräume, im 13. Küche mit Neben- 
räumen. Vom 13. bis 17. Stock wächst der Wolkenkratzer 
allein in die Hohe und zwar mit je 6 großen Zimmern. I>.is 
Schaubild zeigt bis zum ersten Hauptgesim« die volle 
Grundstücks-. \usnutzung für die Zwecke des Theater-; 
dann beginnen die ilhei Zuschauerraum und Bühne liegen- 
den Klub- und Geschäftsräume, bis schließlich der Wolken- 
kratzer da- „Gcsrhuft" allein besorgt. In beiden an sich 
genial erfundenen Häusern zeigt der Grundriß, wie be- 
ängstigend lang im Raum tntd eingeschlossen 1 wit«chen 
fensterlosem Mauerwerk man verweilen muß. ehe 
man einen rettenden Ausgang erreichen kann. Diese 
Beispiele sagen mehr als Worte. Außerdem geben wir 
die Ansicht des von den Architekten des Jroquoistheaters 
erbauten lllinoisthcaters aus Chicago wieder, welches, 
eingequetscht zwischen Nachbarhäuser, an schmaler Gasse 
die Seitenfront des Zuschauerhauses mit eisernen Ketlungs- 
treppen zeigt, die wir nur an einem alten Hause als 
Notbehelfe dulden würden. 



lung verzichtet werden, und in der Erscheinung der 
Treppen wird der „Umbau" sich fühlbar machen, aber 
Luft. Licht und Platz sind reichlich geschaffenem neuen Zu- 
schauerraum können trotzdem über 1600 Zuschauer sitzen. 

F.incn auch jetzt noch beachtenswerten Vorschlag zur 
Umgestaltung des Kgl. Schauspielhauses zu Berlin 
mochte im Jahrg. 1888, No. 86 der „Deutschen Bauzeitung" 
H. Zilien Er nat zwar noch gemeinschaftliche Treppen 
für die Ränge angeordnet, aber die beiden Treppen lassen 
im gegebenen Raum sich ohne weiteres zu vier sich 
kreuzenden Treppen mit besonderen Zu- und Ausgängen 
ausgestalten; die Parkett -Treppen können bleiben und 
für den dritten Rang sind ebenfalls bequeme Möglich- 
keiten da. Das Vestibül nach Ziller's Vorschlag würde 
jedenfalls Schinkels genialem Bau zur Zierde gereichen 
und den kellerartigen unteren Teil des Hauses wesentlich 
einladender gestalten. So ist mit Verständnis und etwas 
Resignation noch mancher alte Bau zu einem gesunden, 
modernen Organismus umzugestalten und den schier un- 
erschwinglich werdenden Kosten eines Neubaues mindestens 
für einige Menschenalter, wenn nicht für länger, aus dem 
Wege zu gehen. — 



No. 9. 



Aber es sei einmal ganz abgesehen vom baulichen Kunststück an, das Knnstwe'rk zu erdrücken. Die 
Organismus des modernen Theater*. F.in anderer Punkt Knn«tc der Maschinerie, der Dekoration und der Kostüme. 




gibt Veranlassung zum Nachdenken: es fangt auch auf die Mache" überfluten die keusch und feinsinnig geborene 
aen der Pflege ernster Kunst gewidmeten Bühnen das Musik oder das gesprochene Wort. Es Ist für ein ernste* 



30. Januar 1904. 



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IIP"- 



Opera c<. mi 411c in Parts. 
Ar. i.: Lonia Berjnier.] 




Bliai 




Das Illinois-Theater in Chicago. Architekten: Wilso« & Maishall. 

(N'nrh: TV Amrriran Airhitect lonij 



Mr. D'Oyly Carte*« 
Theater in London. 

An h.: T. E. Colcutt 
u. G. II. Holloway. 



€"m m mm §\"m 1 



Her Majesty'i Theater 
In London. 

Architekt: C. F. Phipp*. 





Theater mit wechselndem Repertoir heute nicht entfernt mehr 
möglich, mitzukommen. Wo sollen denn all' die echtcn'Dcko- 
rationen aufbewahrt werden, die jetzt zur Verwendung kommen, 
welche l'nterkunftsräume werden nötig? Jetzt schon müssen 
einsichtige Künstler und Kunstpflege?- sagen : so geht's nicht 



Die eiserne» Treppen des Bühnenhause« an der Auüaeuaeite 
des Neuen Theater* in Berlin. 

weiter! Die Herstellung der Maua/inräume soll beim 
Neubau des Kölner Stadtheatcrs 300000 M. erfordert 
haben, die Bühnenmaschinerie einschl. der Bühnen- 
binderund Arbcitsgalerien 5J0000 M. Kür Dekorationen, 
gemalte und feste, sowie' für KoMilmc sind weitere 
580000 M. ausgegeben worden. Dazu kommen noch 
die Ausgaben für die Beleuchtung. Wände und Galerien 
strotzen im Bohnenhause des modernen Theater von 
elektrischen Leitungen, die einfachsten Verrichtungen 
werden elektrisch bewirkt Aber ebenso wie ver- 



Digitizexf&y^oogle 




1 




Auditorium Bullding In Chicago. 

Anh.: Adler & Sulliv.o. 

(Xu*dri ZriXx-hnli drs.öMrrt Inf «• Arrtu-Veicin» ifc» 



niiiniiiiiiiiiiiiii 



luiluusmäßig bald erkannt wurde, daß die mechanische Direktion der Uber- 
maschincrie verfehlt und Handbetrieb; bequemer und einfacher «ich ge- 
staltet, so wird man hoffentlich auch bald davon abs<-hrn, nicht mehr aas 
„Neueste" haben zu wollen, um seiner Neuheit willen. Auch bei der 
kleineren, jetzt nur für Schauspiele, anfanglich Buch für kleinere Üpern 
berechnet» Bühne de* Frankfurter Schauspielhaus wurden schließlich 

180000 M. für 

- - - die Bühnenma- 

schinerie einschl. 
Binder und Ga- 
lerien erforder- 
lich Die Be- 
leuchtung*. Ein- 
richtungen der 
Bohne allein er- 
forderten weite- 
re 30000 M. und 
die Thcatcr-Gc- 
selUchaft, eine 
Vereinigung | ' 
kunstsinniger 
Bürger, welche 
den Betrieb der 
beiden städti- 
.-chenThcater in 
Frankfurt a. M. 
in die Hand 
genommen und 
auch die beiden 
künstlerischen 
Leiter als ihre 
Intendanten be- 
rufen hat und 
besoldet, sah sich 
veranlaßt, außer 
den übernom- 
menen Bestän- 
den des alten 
Schauspielhau- 
ses noch für sa- 
ge und schreibe 
450000 II ge- 
malte und feste 
Dekorationen s<>- 
wieKostüme an- 
zuschaffen, F.s 
ist das eine sol- 
che Menge von 
Dekorationen, 
daß die am Hau- 
se geschaffenen, 
so reichlich als 
möglich bemes- 
senen Dekora- 
tionsräume sie 
nicht aufzuneh- 
men vermoch- 
ten, und daß ein 
anderweitiger 
Magazin •Schup- 
pen als Erwei- 
terung errichtet 
werden soll. Das 
unwillkürliche 
Bestreben aller: 
reichlich zu ha- 
ben, aber auch 
nichts 
men zu 

führt zu kaum 
übersehbaren 
Ausgestaltungen 
für die Zukunft. 

Vielleicht hat 
der jetzige un- 
erträgliche Zu- 
stand ein Gutes: 
Kr bringt der 
erasten darstel- 
lendenKunstden 
Nutzen, daß sj<- 
nicht mehr — 
abgesehen von 
den hier ausge- 
schalteten 1 iof- 
Iheatern — fast 
nur von einzel- 
nen Mannern als 
F.rwerbsqucllc 




30. Januar 1904. 



UMymz.c7 



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gepflegt und benutzt werden wird, Mindern daß Städte 




und daß im übrigen mit einem nicht zu hohen Zuschuß 
eine gute künstlerische Darstellung gewährleistet wird. 
Würde ein städtisches Intendantentum geschaffen, so 
könnte es den vereinten Hemühungen gelingen, eine 
Vereinfachung der Kunststück- und Effektmechanik so- 
wie der L'eberpracht der Ausstattung an Möbeln und Deko- 
rationen und dafür eine künstlerischere Darstellung ein- 
facherer Kunstwerke zu erzielen. Neben solchen in 
absolut modernem Sinne zu leitenden Stadttheatern mögen 
Berlin und andere Städte, mögen Landschafts- und Kunst- 
enthasiasten an herrlichen Stätten nach dem Vorbilde von 
Bayreuth und Oberammergau Festspielhäuser errichten, in 
denen von Zeit zu Zeit mit den besten Künstlern der Nation 
dem Volke in vollendetster Darstellung die Werke seiner 
großen Meister geboten werden, zunächst mit hohen und so- 
fort hintcrhcrmithalbcn Freisen und zwarz. Z. der Ferien. Ich 
glaube, daß auf diese Weise dem Wintergarten- und Apollo- 
theatcr-Publikum seine Freude gelassen, dem größten Teil 
unseres Volkes aber die Sammelpunkte für feineres inner- 
liches Genießen wiedergewonnen werden, die das gute 
Hoftheatcr und der gute Konzertsaal allein nicht sein 
können. 

Noch ehe die Mechanik und die Künstelei in Deko- 
ration und Kostümen so überhand genommen haben wie 
heute, haben einzelne ernste Männer von großer Bühnen- 
erfahrung die Vereinfachung der Vorführungen angestrebt, 
aber ohne daß mehr als interessante Versuche dabei heraus- 
gekommen sind. Die Frage ist schwer, sehr schwer und 
kann durch keine noch so ausgeklügelten mechanischen An- 
ordnungen, wie durch die Drehbühne oder Brandt's aller- 
dings ohne Maße gemachten Vorschlag der Hinrichtung von 
Ncbcnarbcitsbühncn und dergl. gelöst werden; sie ist aber 
so ungeheuer brennend, daß es wohl verlohnt, daß nicht 
nur der Einzelne, sondern eine Gesamtheit ersucht wird, 
an die Sache heranzutreten 

Wie s. Zt. nach dem Kingtheaterbrand anläßlich der 
deutschen Hygiene-Ausstellung ein Preisausschreiben über 
die beste bauliche Gestaltung moderner Theater erlassen 
wurde, das — zunächst negativ — doch eine Klärung und 
Fingerzeige für den zu beschreitenden Weg gebracht hat, 
so sollte versucht werden, auch jetzt, anknüpfend an die 
Katastrophe von Chicago, ein Ausschreiben zur Erzielung 
der Vereinfachung der Szene, ohne ins Auge fallende Ver- 
nachlässigung der Darstellung an Zeit und Ort, zu er- 
möglichen. DerWun-ch, daß Magistrate, praktische Bühncn- 
inänner, Dichter und Komponisten von Bühnenerfahrung. 
Techniker und Architekten sich vereinigen mögen, wo 
Hülfe so dringend notig i-t, ist lebhaft und tief, So kann 
ein Weg gefunden weiden, der wenn auch nicht unmittel- 
bar, so doch mittelbar /um Ziele und aus dem Leber- 



Preisbewerbungen. 

Für den Neubau des hanseatischen Oberlandesgerichis- 
Gebiudes in Hamburg hat ein zweiter, engerer Wettbewerb 
unter den sieben, beim ersten Wettbewerb durch Preise 
oder durch Ankauf ihrer Entwürfe ausgezeichneten Archi- 
tekten, bezw. Architekten-Firmen stattgefunden. Allen Teil- 
nehmern an dem Wettbewerb war ein gleiches Honorar 
zugesichert, und dem Verfasser des besten Entwurfes die 
Ausführung des Baues, vorbehaltlich des Beschlusses der 
regierenden Behörden, in Aussicht gestellt. Das Preis- 
gericht, bestehend aus zwei Senatoren, dem Obcrlandc»- 
gerichtspräsidenten, dem Brt. F. Sehwechten in Berlin 
und dem technischen Oberbeamten des Staats-Hochbau- 
wesens der drei Hansestädte hat den Entwurf der Hrn. 
Arch. I.undt & Kallmorgen zu Hamburg als den für 
Hie Ausführung empfehlenswertesten ausgewählt. — 

Personal-Nachrichten. 

Preußen. Dem Geh Brt. K n r h , Piof, an der Tecbu. Hoch- 
schule in Berlin und dem Geh Reg.-R«t Arnold, Prof. an der 
Techn. Hochschule in Hannover, >»l der Kote Adler-Orden III Kl. 



handnehnien des technischen und kOnsüerichen Kotnödian- 
wieder zu gesunder, Herz und Sinne erfreuender 
Kunstübung führt. 

Die Errichtung eines den modernsten Ansprüchen 
an Heizung und Lüftung, Bühnencinrichtung, Beleuchtung 
und an Raumverhältnisse der Bühne und der Magazine 
entsprechenden Theaterneubaues für wechselndes Re- 
pertoir erfordert mit den weiter in Frage kommenden 
Bedingungen der Lage des Bauplatzes mit Rücksicht auf 
gesicherte Ein- und Ausgänge solche Opfer für das bloße 
Baugerippe, daß man als Architekt allen Mut verliert, die 
Mittel zu fordern, die nötig sind, dem komplizierten 
Organismus eine künstlerische Seele zu geben und ihn 
zur Würde eines der Pflege der Kunst gewidmeten Monu- 
mentalbaues zu erheben. Ich habe noch im Jahre 1900 
für die Stadt Nürnberg den Kostenanschlag für den jetzt 
im Rohbau vollendeten Stadttheater-Neubau aufgestellt. 
Auf Grund meiner damaligen Kenntnis der Dinge und an 
der Hand ausgearbeiteter Einzclplänc sowie von ersten 
Firmen der betr. Gebiete eingeholter Angebote setzte ich für 
die drei obengenannten besonderen Einrichtungen 78500 M , 
167000 M., aber ausschl. Bahnenbinder und Galerien, und 



i 3?5 oo M. 
schlössen, 



379000 M. ein. Es wurde be- 
, diese Einrichtungen nicht zu vergeben, sondern 
die Ergebnisse der neuen Bühucubauicn für Mannheim, 
Frankfurt a. M und für Köln abzuwarten. Dies hatte nun 
folgendes Ergebnis gegenüber obigen Zahlen: 161 000 + 
251000 -f- 261800 -= 659800 M , ohne die wesentlich er- 
höhten baulichen Nebenarbeiten. 

Also ist es glücklich so gekommen, daß ich bei aller 
Gewissenhaftigkeit und trotz sehr beträchtlicher bei den 
Vergebungen der übrigen Bauarbeiten erzielten Ersparnisse, 
auf Grund deren aber schließlich auch eine Reihe bau- 
licher Ausgestaltungen und Erweiterungen genehmigt 
wurden — jetzt eine Nachbewilligung von rund 400000 M. 
zur Vollendung des s. Z. auf rund 3250000 M. ver- 
anschlagten 1 lauses beantragen mußte. 

Der bauliche Organismuseine» gesunden Theaterbaues, 
der an sich bereits in Foverbau, Zuschauerraum mit 



Umgängen, Bühne mit Nebenhautcn und endlich in der 
Rücklage der Bühne mit den Magazinen vier in kaum 
einer Höhenlage sich berührende Querschnitte mit eigen- 
artigsten Konstruktionen aufweist, wird durch seine mo- 
dernen Installationen bis zur l'nerträglichkcit kompliziert 
und verdirbt auch dem Architekten, der sich als Bau- 
meister und nicht nur als Dekorateur fühlt, die Freude 
am Sehaffen. Also Bauherr, Baumeister, Bühnenkünstler 
und Bühnenteehniker müssen das lebhafteste Interesse 
haben, zu einfacheren Lebensbedingungen der 
Theater-Einrichtungen zu gelangen. Das kann 
kein Finzelner erzielen, sondern nur die ernste Arbeit 
Vieler Dazu wäre der von mir oben angeregte, mit guten 
Preisen zu bedenkende Wettbewerb der eiste Schritt. 



I> Baak« obere, Gen - 
n» in Horde der Char. als 



mit der Schleife, — dem Reg Bmslr. a. 
Dir. de» Heeder Bcrgw.- u 'Huttenvereins 
Bit verliehen. 

Venen* lind: Die Ree. - u. Brtc vom Dahl von Breslau 
nach Düsseldorf, Maas von Marienwerder nach Breslau, Wer ne- 
burg von Tner nach Köln; .'.er I.andbauinsp. Bit Jen de von 
Breslau nach Gumbinnen; die Kr.ßauuisp Brte. Sc her ler von 
Diepholz nach Beexkow und C u 111 m e r o \v von Perleberg nach 
Diepholz, die Kr-Bauinsp Paulsdorff von Labiau nach Perle- 
ber,; und Karl Lange von Beeskow nach Brombert;. 

Dem Reg- a Brt 1 1 e r r m a 11 n in Göttingen ist die Stelle 
de« Vorst der Eisenb.- Werkst.-Insp. das Obertragen; der Eisenb - 
Kau- u Betr -Insp Schmitz in Hamburg ist ont- Versetzung nach Verlag der I 
Altona mit den Geschäften des Vorst, der Bauabt. Hamburg 6 be- veraniwoitl 



traut; dem Kiscnb.-Bau- u. Bclr-Iusp. Merling sind die Geschalte 
de» Vorst, der ßuuaht. Hamburg 1 übertragen. 

Der Eisenb -Batnnsp. 0. Mull er in Elberfeld ist nach Gltiwitz 
Verteilt behufs Einrichtung der das zu errichtend I.okomüliv-Werkst. 

Verliehen i»t: Den Ei»enb -Bau- u. Betr.-Insp. Schacffer 
die Stelle eine» Mitgl. der Kgl. Eisen». - Dir. in Königsberg i. Pr , 
Cloos cht Stelle eines Mitgl der Kgl. Eis -Dir. in Köln, v. Borries 
die Stellt- de» Vorst, der Eisenb.- Bctr -Insp a in Frankfurt a. M., 
Herzog die Stelle des Vorst der Bctr - ln*p. a in T1101 n und 
Weh de die Sletlc des Vorst der Bctr.-Innp. r in Biemen. 

Der Reg -Bm»tr. a l> 1 a 1 o h 1 ist unt. Ernennung zum Eiscnb.- 
Itau- u Betr.-Insp. in den" Staatsdienst übernommen und der Kgl. 
Eisenb -Dir. Berlin überwiesen. 

Ernannt »ind die Reg. - Bmstr : Benner in St Joh - Saar- 
brücken. Panthel in Neuss, Bleiss in Heilsberg Ol brich in 
Beelitz, Hülsner in Kattowitz, / o c h c in Altona, DorpmüTler 
in St. Job-Saarbrücken, Karl Sarrazin in KtrlttJ, Emil Jacob 
in Ilmenau, H. Sommer in Kassel und Delkeskamp in 
Koblenz zu Eisenb -Bau- u Betr.-Insp, _ R u d Busse in E»sen, 
Ziehl in Berlin, Brede in Hannover und Ihlow in Erfurt zu 
Eisenb -Bauinsp, 

Versetzt sind die Rcg.-Bmstr : Harenberg von Tegel nach 
Kastenburg, Hey mann von Gollnow nach Königsberg i l'r., 
Linden von Srhneidcmtlhl nach Labiau, Srhaeker von Halle 
na. h Lohnau in O.-Schl , B o r m a n n von Köpenick nach Neufahr- 
wasser und Wilh. Schmidt von Tapiau nach Hoya a W. 

Die Reg.-Bfhr. Fritz F i n k e 1 d e aus FionhaOMa I Eisenbich ), 
— Bruno Denk aus Piockelwilz und Paul Hundsdörfer aus 
Eydlkuhnen (Masch. -Bich ) sind zu Reg -Bnisirn ernannt 



. . titmandlune der pteuBi«-hrn und alrh»i»rhcn Eisenbahn- 
Antajren in und bei Lei|*zig (Fortsetzung). - I>cr Hrand dr» In 
Theater» in «.'hieaf» und die notwendige Krform der modern« 
l>rhluu>. - Hrrtinrr Xeuhsuten, N'o. in. Das neue llcm-nhau» de 
»eben I^indlages. — Pnrisbew-crbLinren. — lVr»orul-\*chi ichten. 

Hierzu eine Planbeilage : Der neue Hauptbahnhof in Leipzig. 



Albert Hofm.on. 



G. ... 



Druckt 



Für die 



Gr»»e, 



No. 



u/iyi 



ized 



.0. 9. 

by Goc 




DEUTSCHE BAUZEITl JNG 




^> XXXVIII. JAHRG. N9I 10. BERLIN, DEN 3. FEBR. 1904 






Zur Aufstellung eines Bismarck-Denkmals in Bremen.*! 



Ijie Erfahrungen drr letzten Jahre haben besonders 
deutlich gelehrt, daß das Versagen der künstlerischen 
Wirkung so vieler Denkmäler eng zusammenhängt 
mit dem Versagen des richtigen architektonischen Gefühls 
in der Art ihrer Aufstellung. Mit der Vorarbeit der Platz- 
wahl, die aus der Natur des Wettbewerbes heraus meist 
<!av Ergebnis eines Kommissions-BeBCMillMI bildet, wird, 
ein gut Stück des künstlerischen Schicksals einer Denk- 
mal-Aufgabe bereits festgelegt. Darin mag man die Recht- 
fertigung sehen, wenn diese vorbereitende Frage uns hier, 
in einem Einzelfalle, beschäftigt. Die Frage, um die es 
sich handelt, dürfte symptomatische Bedeutung besitzen, 
denn es gibt viele deutsche Städte, in denen die Platzwahl 
für I lenkmuler ebenso schwierig ist, wie in Bremen. 

Bremen sieht in dieser Beziehung augenblicklich vor 
einer Entscheidung, die für die ganze eigenartige Phy- 
siognomie seiner inneren Stadt von größter Wichtigkeit 
ist. Es will ein Bismarck -Denkmal errichten und der 
Volksinstinkt verlangt, daß dieses in besonderem Sinne 
historische* Denkmal sich dem historischen Stadtbilde, wie 
es sich um Dom und Rathaus herum gestaltet hat, ein- 
gliedert. Außerhalb dieser geschichtlich geweihten 
Platzgruppe im Herzen der Stadt gibt es in Bremen, be- 
sonders in den Wall-Anlagen, eine ganze Anzahl schöner 
Dcnkmalplätze, aber sie alle erscheinen gerade für ein 
Bismarck-Denkmal zu sehr ohne Vergangenheit; inner- 
halb jenes inneren Bezirkes wird die Wahl dagegen 
schwer, denn Gustav Adolf, Roland, Kaiser Wilhelm, der 
Wilhadi- und der Teichmann-Brunncn haben bereits die 
gegebenen natürlichen Dcnkmalplätze besetzt und die (ie- 
fahr der L'eberladung jenes Stadlcindruckes mit Denk- 
mälern ist nicht klein; eine Stadt muß sie ebenso scheuen, 
wie eine edle Frau die L'eberladung mit Schmuckstücken. 
Wenn man im Herzen der Stadt die Platzmöglieh- 



Anmcrkuur der Krdaktion. Wlhrrnd «I. Ii dlrvi .Waat! in dn 
VorWrriiuiie lum l»iink bHand, rfhirltcn wir dir Nachricht, daas dir Urnk- 
mal-Kommimon bnrhtofcfcrn habe, fflr dir strUr A de : ' m -I . i cm HilN- 
modrll de« hrab«it-h(>i;1rn Denkmal« atiUlrllm tu )a«*rn und zur Itrurtri- 
lung drr Wirkung drti.rlbrfi dir Hrn. fialirr, Hildebrand, Schu- 
marhrr, Srldl und Wa 1 1 o I fu hr mir», Mehrere Stimmen drr Kora- 
mis»ion haben »ich rrgrn dm t.'otn*hol und für PUtzr in den Wallanlarrn 
au>.|:r»jii««lwa. — 



keilen an der Hand des umstehenden Planes überblickt, 
so gehört keine große Menschenkenntnis dazu, um voraus- 
zusagen, daß die öffentliche Meinung zunächst auf das 
stattliche freie Cielände verfallen wird, das der Hornshof 
demTeichmann-Brunncn gegenüber noch frei läßt (Punkt A | 
Die Bremer klagen schon lange, daß der Domshof .kahl" 
erscheine; warum soll man diese Gelegenheit versäumen, 
um ihn zu „beleben* ? Für denjenigen aber, der Platz- 
wirkungen kritisch beobachtet hat, unterliegt es wohl keinem 
Zweifel, daß der Domshof nicht deshalb kahl erscheint, 
weil nichts auf diesem Teil seiner Fläche steht, sondern 
weil bisher seine Gebäude in ihrem willkürlichen Durch- 
einander nicht zu den Platzverhältnisscn paßten. Steht 
erst an Stelle des jetzigen Stadthauses ein geeigneter Neu- 
bau, so wird nach dieser Seite hin das Platzbild: Bremer 
Bank -- Dom — Börse — Stadthaus den Eindruck der 
Kahlhcit nicht mehr machen. Sehr bedenklich aber würde 
ein Denkmal-Aufbau in dieses Bild hineinschneiden. Ganz 
abgesehen davon, daß jedes hier am offenen Ende 
des Platzes stehende Denkmal inbezug auf sein künst- 
lerisches Gesicht herumdrehbar erscheinen muß, wird es 
stets unerfreulich vor einem Hintergründe .schwimmen", 
mit dem es in keinem inneren Zusammenhang steht; da- 
durch aber, daß das neue Denkmal sich einerseits vor die 
Silhouette des Wilhadi - Brunnens, anderseits vor die des 
Teichmann - Brunnens projiziert, wird es vollends als ein 
unorganisch eingefügter .Steh — im — Wege" erscheinen. 

Der Domshof konnte nur durch ein iKhitektraiach 
wirkendes Kunstwerk an Stelle des Tcichniann-Brunncns 
in seiner Stimmung beeinflußt werden; wie die Dinge 
jetzt liegen, bleibt als Mittel lediglich eine gärtneri-ch- 
architcktonische Behandlung übri; und nur das Inte Pitts- 
dreieck vor der Nordseitc des I K inte* (DJ geblattet auf diesem 
Platz noch die Aufstellung eines bescheidenen Denkmals. 

Dieses negative Ergebnis wäre recht betrübend, wenn 
dieser Platzgedanke die einzige Möglichkeit darstellte, die 
sich in jenen historischen Bezirken ergibt. Das ist aber 
nicht der Fall. Wenige Schritte vom Kathause entfernt 
liegt ein Platz, der noch völlig unausgebildel ist und für 
eine monumentale Denkmal - Anlage wie geschaffen er- 
scheint. Da seine Ausnutzung dazu zwingt, vom üblichen 

57 



Digitized by do 



Dcnkmaltypus abzuweichen, so glaubte der Verfasser die Dieses reizvolle Platzbild, welche- trolz der Flut bremischer 
Wirkung, die diesem Platze abgewonnen werden kann, .Stadtansichten noch niemals Photographien zu sein scheint, 
durch eine flüchtige Entwurfs-Skizze erläutern zu sollen. die ist bisher sehr stiefmütterlich behandelt Mit dem geplanten 
über diesen Charaktcrhinauskcine Ansprache machen will. 
Der Platz ist die architektonisch völlig ungegliederte machtige 
Nordseite des Turmes der Licbfraucn-Kirche. (Punkt Hl. 

Seit etwa zwei Jahren besitzt Bremen ein neues Stadt- 
bild von feinstem Reize. Es wurde bloßgelegt, als man 
die Sögcslraöe, die Hauptader, welche den Fremden der 
inneren Stadt zufahrt, zum Licbfraucn-Kirchhof hin durch- 



Lagrplan 



Denkmal könnte seine liebevolle Ausgestaltung beginnen. 

Aber nicht nur im Interesse des Platzes wäre diese 
Anlage, sondern auch im Interesse der Kirche, deren 
Gastfreundschaft das Denkmal beansprucht. L'm die Kirche, 
die an dieser Seite nur provisorisch behandelt ist, würdig 
wieder herzustellen, sind nur ganz diskrete architektonische 
Ausbildungen notig, ja erlaubt, denn jeder Reichtum in 
den eigentlichen Bauteilen des ehrwürdigen Werkes würde 
taktlos sein; wohl aber würde das Bauwerk an Stimmung 
sehr gewinnen, wenn ihm an hervorragender Stelle ein 
Kleinod reifster künstlerischer Durchbildung neu eingesetzt 
würde. Der ganze Bau würde edleres Leben bekommen. 

Schließlich aber die wichtigste Frage: es handelt sich nur 
mittelbar um dielnteressen einesplaizes und einesBauwcrkcs, 
dieHauptsachc ist das Interesse desDcnkmalgedankens selbst. 
Dem Verfasser scheint gerade bei einem Bismarckdcnkmal, 
das über die Persönlichkeit des Dargestellten hinaus ein 
Symbol für den patriotischen Gedanken schlechthin sein 
soll, sehr wichtig zu sein, daß schon die Form des Denkmals 
sich unterscheidet vom üblichen Denkmaltypus. Es scheint 
ferner wiehtig.daß es verwachst mit einem Stück historischen 
Hintergrundes und dadurch von vornherein an Feier- 
lichkeit zunimmt. Solch' ein Hintergrund kann für 
die freie Gestaltung einer künstlerischen I Äsung auch 
sehr Im* hindernd sein, wenn er einen zu ausgeprägten 
Charakter trägt Hier ist es ein leeres Blatt, und den 
kargen, zwischen romanisch und gotisch schwanken- 
den Formen der Kirche würde sich ein Denkmalsiil 
zwanglos einpassen, der. wie es die Aufgabe ver- 
langt, in ruhigen, ernsten Massen arbeitet und etwa 
an geeigneten Punkten die I.u-t zum Fabulieren in 
jener halb ornamentalen, märchenartigen Weise zur 
(ieltung kommen lallt, wie sie das deutsche Wesen 
besonders im Mittelalter charakterisiert. *) Soweit 
ein Platz, ein Denkmal zu bcoinflu — cn vermag, 
würde deshalb dieser Standort gute Wirkungen 
brach, Hier zeigt sich plötzlich dem Kommenden bei Punkt C haben können ; er wurde von vornherein eine ganze Anzahl 
ab erster Eindruck historischen Charakters in wundervoll der Charakterlosigkeiten unmöglich machen, die wir jetzt, 
abgetreppter Silhouette die ehrwürdig einfache Masse der nach der harten Denkmal-Schulung, die unsere Zeit hat 
Llebfrauen-Kirchc, neben deren schiefem Turme man die durchmachen müssen, richtig zu erkennen beginnen. 
Turmspitzen des Domes übcr's Dach herüberschauen sieht. \. ril/ Schumachcr 




Mitteilungen aus Vereinen. 

Aren.- and Ing. -Verein zu Hamburg. Vers, am 6. Nov. 
1903. Vors. Hr. Zimmermann. Anwes. 59 Pcrs. Auf- 
gen, die Hrn.: Dir. Jul. Gcyl. Ziv. - Ing. Arnold Clamer, 
Ing. Arno Eglowski. 

Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten er- 
teilt der Vorsitzende das Wort Hrn. Merckel zu einem 
Vortrage über die Be wässerungs- Anlagen im alten 
■ v 



und neuen Aegypten, In der Einleitung wies der 
Redner darauf hin, daß zwar durch den Scharf- und Spür- 
sinn der Gelehrten manche der vielen Fragen, die das 
alte Aegypten angeregt hat. ihre Beantwortung gefunden 
hätten, daß aber leider eine Anzahl Kragen, die gerade 

1 I K i Vr<f.isu-i hat sk'Ii 111 il.11 unumrnlak-n Umu—ln-ili n. .Ii*- in 
**tnrr Ski/;»- .las SuinllnM In ^li'itcii. in fi» i, t l'inili uliiu* il« s t>oi iiril»' I* t»- 
.lanki n- .IJjh KiU'iiclirn* als Muliv <l< i I UrMi llini^ voijriH Iii. — 



Das Moderne in der Architektur der Neuzeit. 

(Festrede, Rel'ahen von dilti Geh. Reg -Rai Prof Johanne- Otiten, 
oidcnt iulictn Mit|(lieilc und äeimtur der kgl. preut) Akademie der 
KOustc iu Berlin in der Festsitzung der Ak»il<mic zur Feier de» 
tjeburUtfnies Kaiser Wilhelms II. um 27. Jan 1904t, 

Iis die Festrede mit dem vorstehenden Titel ange- 
kündigt wurde, da waren die Erwartungen in drei- 
facher Hinsicht gespannt. Man war begierig zu hören, 
wie sieh der K üitstlcr Olzen zu dem Thema stellen würde, 
diese scharf umiissene, groß angelegte Gestalt, deren fach- 
liche Tätigkeit durchaus in der Vergangenheit wurzelt, da- 
bei aber ein so starkes Maü von künstlerischer Individualität 
erkennen läßt, daß der Meister als ein Alleinstehender und 
Alleinstrebender mit größtem Verdienste um die Baukunst 
der verflossenen drei Jahrzehnte betrachtet werden muß; 
man war ferner gespannt darauf, zu sehen, in welches 
Verhältnis der Senator Otzen zu «lein Gegenstande der 
Festrede treten würde, das Mitglied iener lioehancc-ehe- 
nen Körperschaft, die bisher mehr konservativen als fort- 
schrittlichen Tendenzen huldigen zu müssen glaubte und 
unseres Wissens als Korperschaft kaum mit gröberer Tätig, 
keil in die kiln-tleiUehe Bewegung unserer Tage einge- 
griffen hat: und die Erwartungen gingen endlich am höch- 
sten über die Frage: Wie wird sah der Festredner 
Otzen zu den Beziehungen stellen, welche da.-« Reichs- 
oberhaupt, dem die Feier des Tages ^alt. zu dein Modernen 
in der Kunst unserer l äge unterhalt.' Es hat wohl unter 
den zahlreichen Zuhörern, welche den beredten Worten 
des Redners mit Andacht lauschten, nur wenige gegeben, 
welche nicht zu der Anerkennung bereit gewesen waren, 
daß Otzen sich allen drei Fragen gegenüber so unbefan- 
gen verhielt, als es einem Redner mit seiner Vergangen- 
heit, seinen künstlerischen Beziehungen ,utid seiner amt- 



lichen Stellung möglich ist, ja, daß er in mancher Be- 
ziehung die Erwartungen, die au seine Freimütigkeit ge- 
stellt wurden, übenroffen hat. l ud das ist ihm allgemein 
hoch angerechnet worden. 

Die schwierigste Frage, die Vcrbindungsbrüeke zu 
schlagen zwischen der Anerkennung, welche der Redner 
den guten und voraussichtlich dauernden Ergebnissen der 
modernen Bewegung zu zollen bereit war und /ollen mußte, 
und dem fürstlichen Gegensätze zum Modernen in der bil- 
denden Kunst, ober di u uns last jeder Tag eine tempera- 
mentvolle Aeußerung bringt, loste Otzen in der geistvollen 
Weise, durch welche die meisten seiner Aeiißerungcn 
ihren zwingenden Eindruck auf seine Zuhörer machen. Er 
grifi zurück auf das im Altertum herrschende, so einfache, 
aber auch so einseitige Verhältnis zwischen König und 
Volk, um es in Gegensatz zu bringen zu dem immer ge- 
genseitiger gewordenen Verhältnis der wachsenden Kultur, 
Aus der Erfüllung des .1 u ßere 11 Schutzes und des äuße- 
ren Wohlergehens hat sich das Recht des Königs erweitert, 
dem Volke auch im geistigen und ethischen Leben För- 
derung und Wohlfahrt zu geben. Es waren aber nicht die 
nachsichtigen und milden Herrscher, es war nicht das 
Eingehen auf die augenblicklichen Strömungen des Volkes, 
welche den dauerndsten Segen gestiftet haben, sondern 
„wir müssen öfter den starken Gegensatz preisen, und 
die festen Charaktere und harten, aber zielbewußten Könfe 
als die richtigen Führer und Lehrer anerkennen*'. Wie 
ist es dem königlichen Pädagogen von Sanssouci „ver- 
dacht und angerechnet worden, daß er in seiner fein- 
fühligen Kenntnis der bereits künstlerisch ausgereiften 
franzosischen Kunst nicht mit vollem Enthusiasmus die 
erwachende deutsche Literatur begleitete und begünstigte, 
anstatt sich zurückhaltend und spröde abwehrend zu ver- 
halten. Wer will heute behaupten, daß es ein Segen für 

No 10. 



den Ingenieur besonders interessieren , bisher nicht mit 
Sicherheit hätten beantwortet werden können. Hierzu ge- 
höre in erster Linie die Frage des Mörissecs Kedner gab 
Uber die Verhältnisse des Nil und der einzelnen Land- 
striche Erläuterungen, soweit solche für da» vorliegende 
Thema von Bedeutung sind, ging sodann auf die Ent- 
wicklung der Bewässerung*- Verhältnisse ein, und schilderte, 
wie dieselben mit Notwendigkeit eine frühzeitige Aus- 
bildung des Staatswesens zurfolgc haben muBtcn. Nur 
eine starke Zcntralgcwalt und keine Teilfürstentümcr hatten 
sich in Aegypten ausbilden können. Kr schilderte dann 
weiter, wie sich der Anbau zunächst auf dem linken und 
erst spater am rechten Nilufer entwickelt hat, und führte 
aus, »lall mit dem Anbau des rechten Ufers die Anlegung 
des Mori.ss.ccs von manchen Kennern Aegyptens in Ver- 
bindung gebracht worden ist Obgleich He rodot andern 
Gestade des MörLssces geweilt und Angaben über denselben 
hinterlassen habe, sei doch die Frage aufgeworfen worden, 
ob der See tatsächlich vorhanden gewesen sei und welchen 
Zwecken er gedient habe. Der Vortragende ging dann auf 
die Einzelheiten der Mörjsscc • Frage ein und führte die 
Namen derjenigen Personen an, welche sich in den letzten 
10 Jahren vornehmlich mit diesem Gegenstände beschäftigt 
haben. Hie Anschauungen von Joniard-Martin, Linant <ie 
Bcllcfonds und dem englischen Ing. Brown wurden ein- 
gehend dargelegt, auch die Hinwendungen hervorgehoben, 
welche .Schweinfurth im Einzelnen noch gegen die Ansichten 
Brown's.dic er im allgemeinen für zutreffend erachtet, geltend 
macht. Die neuere Zeit hat eine Aendcrung des früheren 
Systems der l>ber>tauung in Becken als erstrebenswert er- 
scheinen lassen, auch im l linblick auf den Anbau von Bauin- 
wolle und Zuckerrohr; es war die Frage zu entscheiden, ob 
man Staubecken in Anlehnung an den Mörissee, oder aber 
Sperrdamme anzulegen habe, um die natürlichen Ver- 
hältnisse des alten Landes den neuen Bedingungen des 
Anbaues anzupassen. Die Frage sei nach eingehender 
l'ntcrsuchung zugunsten der Sperrdamme entschieden 
worden. Ms wurde vom Kedner die Geschichte des ersten 
bereits alteren Sperrdammes, der Barrage du Nil. mitge- 
teilt und dann eine Beschreibunc der neuen von den Eng- 
ländern geschaffenen Werke, des Auslasses von Koschescha 
und der Dämme von Assiut und Assuan unter Vorführung 
von Lichtbildern gegeben Der Vonragende betonte, daü 
angesichts dieser Leistungen allerdings die englischen 
Kollegen Ursache hätten, auf das Erreichte stolz zu sein. 
Zum Schluü erwähnte Redner die bereits vorliegende 
Absicht einer weiteren Nutzbarmachung der Wa--cr- 
mengen der Nil-cen |i m 

Vermischtes. 
Die Eggert-Decke. In No 8 der ,D Bzlg " v.27. Jan d.J. 
sind in der Besprechung der Egge rt- Decke Zwcilcl'darübcr 
geäußert worden, ob die Umbicgungcn und Ankerplauen 



der eigentümlichen bei der Konstruktion angewandten Eisen- 
släbe genügend stark seien, um die volle Spannungsüber- 
tragung allein zu sichern. Diese Frage ist durchaus theo- 
retischer Art; für die Praxis aber ist durch die Ergebnisse 
von Ober 20 Belastung'; versuchen mit zumleil sehr weit, 
bis zu 10°", gespannten Probestücken der Eggert - Decke 
die Richtigkeit der Anordnung erwiesen; denn die End- 
befestigungen sind stets unverändert geblieben, wiewohl 
eine rechnerische Beanspruchung des Eisenqucrschnittes 
bis zur Bruchgrenze stattgefunden hatte. 

Die Auffassung ferner, daß der Erfinder bei leichteren 
Konstruktionen auf einen größeren Sicherheitsgrad dadurch 
verzichte, datt er den unteren Teil der Decke und auch 
den weniger gedrückten Teil nicht mehr aus Stampfbeton, 
sondern aus Schlackenbeton oder porösen Ziegeln her- 
stellt, und damit eine Vcrbilligung der Decke erziele, ist 
willkürlich; denn einerseits wird der Sicherheitsgrad der 
Decke dadurch nicht vermindert, und anderseits werden 
Decken dieser Art bei kleineren Spannweiten um ein Ge- 
ringes icurer, als reine Betondecken. Die höheren Bau- 
kosten werden lediglich deshalb aufgewendet, weil dadurch 
wesentliche bauliche Vorzüge erreicht werden, namentlich 
eine Deckenflüche aus Ziegelsteinen, an welcher der Putz 
besser als an einer Betonfläche haftet, und welche den 
Schall weniger übertragt. Die Anwendung einer Schicht 
aus porösen Ziegelsteinen ist daher bei allen besseren 
Ausführungen des Hochbaues zu empfehlen. 

Eggert, Geh. Ob.-Brt. 

Vorstehende Ausführungen treffen unseres Erachten« 
nicht den Kernpunkt der Frage. Das günstige Verhalten 
der Decke bei den Probebelastungen beweist keineswegs, 
datl durch die aufgelegten Eisenenden bezw. Auflager- 
platten die Spannungsübertragung auch nur vorwiegend 
gesichert wird, odcrdaligar für die Standfestigkeit der Eggert- 
Decke die Adhäsion - wie Erfinder an anderer Stelle aus- 
geführt hat — garnicht in Anspruch genommen werde. Wir 
legen der Wirkung der Adhäsion vielmehr ganz besonders 
Gewicht bei und betrachten die umgelegten Enden und 
Platten nur als ein Mittel zur Erhöhung der Sicherheit. 
Hei den aus porösen Ziegeln in der unteren Zone her- 
gestellten Decke wird auf die Adhäsion dagegen nur in ge- 
ringerem Matte zu rechnen sein, daher betrachten wir diese 
als eine Ausführung mit geringerem Sicherheitsgrad, als 



wenn die ganze Decke in Stampfbeton hergestellt 

Wir erhalten übrigens gleichzeitig die Mitteilung, daü 
die Eggert-Decken im Rathaus zu Hannover von der Unter- 



nehmung für Beton- und Eisenbetonbau H Schacht Ar Ko. 
in Hannover ausgeführt wurden. 

Mit der 18. Wanderausstellung der Deutschen Land- 
wirtschafts - Gesellschaft zu Danzlg vom o 14 Juni 1904 
sollen wiederum (jegenstände des landwirtschaftlichen 
Bauwesens zur Vorführung gelangen. - 



die Entwicklung des Baumes unserer Kunst und Literatur 
gewesen wäre, wenn Friedrich der Grotte die junge Pflanze 
durch cinUcbermaU von Sonnenschein und Regen zu einer 
Treibhausblüte gefördert hätte, anstatt sie in der kräfti- 
genden Luft seines königlichen Widerspruches zu einem 
selbständigen deutschen Eichbaum erwachsen zu 
lassen V" Da», was gesund, was zukunftsreich an der 
modernen Architektur sei, werde dem König dereinst dan- 
ken, daü er in „unseren künstlerisch so schwierigen Tagen" 
durch sein Verhalten Anlatt zur „Notwendigkeit ernster 
Prüfung und innerlicher Sammlung" gegeben habe. Was 
würde aus der künstlerischen Bewegung unserer Zeit für 
ein ungesundes Gewächs entstehen, „wenn ihr von könig- 
licher Huld anstatt eines gesunden Widerstandes eine 
ungesunde, ins Bodenlose führende Förderung zuteil 
würde". Vermutlich werden die Vertreter der modernen 
Kunst trotz Schiller nicht ganz einverstanden mit dieser 
Begründung sein, aber sie ist gewandt, sie ist geistvoll, 
ohne Zweifel. 

Und nun wollen wir über den materiellen Inhalt seines 
Vortrages den Redner im Auszuge selbst sprechen lassen. 

„I m die Bewegung auf dem Gebiet der sogenannten 
modernen Architektur unserer Tage in ihren Ursachen zu 
verstehen, muß man sich wenigstens kurz, mit der letzten 
Vergangenheit beschädigen. 

Die Geschichte der historischen Stilperiodcu ist heute 
ein Gut der allgemeinen Bildung geworden Sic ist dies 
besonders dadurch geworden, dali" wir im vergangenen, 
dem 19. Jahrhundert, eine g rotte Repetierübung haben 
durchmachen müssen, welche uns mit den architektonischen 
Erscheinungen und der Formenwelt der griechischen und 
römischen Zeit, des Mittelalters, der deutschen, italienischen 
französischen Renaissance, des Barock und des Rokoko 
durch Augenschein vertraut gemacht hat. ' Es ist wohl kein 

3. Februar 1904. 



Zufall, daü ein ähnlicher Vorgang in der Geschichte der 
Frauenkleidung sich im 19, Jahrhundert abspielt, indem 
uns in demselben die ganze Vergangenheit — von der 
Antike durch Mittelalter und Reifrock, durch kokette 
Barock-Motive bis zum heutigen modernen Reformkleidc 
vorgeführt ist 

Diese hochinteressante, in keinem früheren Jahrhundert 
vorhandene Erscheinung ging in der Architektur hervor 
aus der Uebersatligung und aus der Erschöpfung der letzten 
Phasen, des Rokoko, um zunächst einer kolossalen Ernüchte- 
rung, einer fast formlosen und gesinnungslosen Kunst der 
sogenannten Biedermeierzeit zu weichen und sodann 
an einem gründlichen Studium und einer sorgfältigen 
Messung der bis dahin recht oberflächlich bekannten Antike 
den Impuls zu holen zu einer neuen modernen Antike 
Schinkel und Botticher in Berlin, Leo v. Klenze in München, 
Hansen in Kopenhagen u. a. warrn die I lauptlnhrer dieser 
Bewegung, die zum Teil in strengen Nachbildungen 
antiker Werke, zum Teil in hochinteressanten modernen 
Umschöpf ungen der alten Kunst, wie zum Beispiel das 
Berliner Schauspielhaus, sich betätigten. In dieser moder- 
nen und antiken Renaissance ist ein Vorgang merkwürdig. 
Im allgemeinen folgen in der Geschichte der bildenden 
Künste Mobiliar, Gerat um] Kleidung der führenden Archi- 
tektur, in diesem Falle war es anders. Die klassische 
Ltteraluibcwegung der Zeiten Herders und Goethes, und 
wohl noch unmittelbarer die zur Antike zurückkehrenden 
französischen Malcr.schulcn vom Ende des 18 Jahrhunderts 
landen zunächst in der Kleinkunst des Gerätes und der 
Kleidung (in dem sogenannten Empire) bildlichen Aus. 
druck, und es bedurfte längerer Zeit und der angedeuteten 
neuen Grundlagen, um auch die grolle monumentale Archi- 
tektur in «liest? Bewegung hineinzuziehen. 

Wie in der Literatur des 18 Jahrhunderts neben und 

69 



Gedächtnis Wilhelm 
im Motivhause In Charlottenburg, durch den Bildhauer 
Hermann Hosaeus modelliert und in Bronze gegossen, 
wurde in diesen Tagen enthüllt. 

Preisbewerbungen. 
Wettbewerb Universitäugebiude Jena. Der mit dem 

I. Preise ausgezeichnete Entwurf des lim. Prof. Theod. 
Fischer in Stuttgart gelangt zur Ausführung Oie gleich 
im vollen Umfange zu errichtenden Gebäude sollen bis 
zum Jubiläum der Universität. 1908. vollendet sein. 

Personal-Nachrichten. 

Deutsche» Reich. Der Mar -SchiffbmMr. Hslicrmian ist 
zum Msr.-Brt für Schiffbau ernannt und dem Ziviling. F. nr k e in 
Kiel ist der Char. ala Brt verbellen. 

Bayern. Verlieben ist: Drro Reg -Dir Ries, Abt -Vorst, 
bei der Gen -Dir. der Slaatsciscub. und dem Eisenb - Bctr - Dir. 
Hennoh in Nürnberg die Hl Kl. de» Verdienst-Ordens vom hl 
Michael; — den Reg -Katen Knorr in Wdriburg, Krobeniox 
in Kegensburg und Athlon bei der Gen.-Dir. der $taatsci*enb., 
dem Ob -Ma»ch. -ln*p HAckelmann in Wflr/burg, drni Ob.- 
PoUrsl t. O. mit dem Tilt-I o Rang eines Ob -Reg -Rates Rtcdiacr 
bei der Gen -Dir. der Ponten und Telegraphen „„J j era Postrat 
Menke! in Speyer die IV. Kl. desselben Orden* 

Den Gen -Dvr -Räten W c i k a r d bei der Gen -Dir. und Jäger 
in Augsburg ist der Til u. Rang eines Ob. -Ree,. -Rotes, den Ob- 
Bauinsp. Hein Ii in WOriburj;, (Juinat in Nürnberg. Frhr. 
v. F e i I i t z » c h in Bayreuth, £ » h n in Salzburg und liculrl bei 
der Gen -Dir ist der 'I it. und Rune eine* Reg -Kate* verliehen. 

Preußen. Dem Mcl -Rauinsp Arndt in Oppeln i»t der Rote 
Ailler- Orden IV. Kl , dem Dir der »ladt. Kanalis - Werke Wan tiov ius 
in Breslau und dem Stadtbthr. Schmidt in OsnabiuVk ist der 
Kgl. Kronen Orden IV Kl. verliehen. 

Der vorlr. Rat im Minist der öffciul. Alb., Geh Bit. H o s « f c I d 
ist z. Geh. Ob -Brt ernannt. 

Die W»M des Reg - u. Bits Zschirnt in Krankfurt a. M. 
ah bcsold, Beigeordneter der Stadt Knln filr die gesetzi Amls.ljticr 
von 13 Jahren ist bestätigt «oidcn. 

Der Reg - U- Brt ti la% e na pp d ei Kais Boivchaft in Washington 
zugeteilt, im als Hilixarb. bei den Eisenb. • Abt. in das Minist, der 
offentl. Arb. kommittiert. 

Dem Eiscnb. - Bauinsp. v. Sturmleiter ist die Stelle des 
Vorst, der Eisenb. - Masch. - lusp. 1 in Kassel verliehen. — Der 
Eisenb. -Bauinsp. G u i 1 1 e r y in Kein ist mit der Wahrnehmung der 
Geschäfte des Vorst, einer Werkst. - Insp. bei der Ei«enb. ■ Haupt- 
werk»!. Koln-Nippe» beauftragt 

Der Eisenb - Bau- n Bvtr. -Iixp. S i 1 1 a r d in Dan dg i«t als 
Vorst der Eisenb -Bauabi nach Lauenbui« i P. versetzt 

Der Kcg.-Btustr. Schwarzer in Altona ist z. Eiienb.-Bau- 
insp. ernannt. 

Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg-Bm«tr : W, Biel 
der Kgl Reg. in Bremberg, ,W. Hcnschke dem Kgl. Poliz - 



Pia«, in Berlin, Fei. Krüger der KgL Reg. in Breslau, Bernb. 
LchmiDD der Kgl. Reg. in Potsdam, Alb. N i e ro a n n der Kgl. 
An«icdltings-Konim in Posen, Ad. Seidel der Kgl. Reg. in Wies- 
baden, Frhr. v. T e 1 1 a u dem Techn. Bar. der Hochb. - Abt de» 
Mini«t. der Offentl Arb und W. Kiepe der Kgl. Reg in Merseburg. 

Der Reg -Bmstr. AHr. M fi 1 1 e r in Wilhelmshaven ist der Kgl. 
Eisenb -Dir. in Frankfurt a M. zur Beschäftigung oberwiesen. 

Dem Reg.- u. Brt Zschirnt in Köln und den Reg. - Brattrn. 
AI. Heyne in Berlin nnd Meckelburg in Cbarlotteoburg ist 
die nachges. Entlass. au» dem Staatsdienst erteilL 

Der Ing, Dr. v. Hefner-Alteneck in Berlin ist gestorben. 

Württemberg. Dem Arch. Karl Hengcrcr in Stuttgart 
ist der Tit. u. Rang eines Brt». 



Brief- und Fragekasten. 

Hrn. P. H. In Düsseldorf. Kein Rexhs- oder LandesgeaeU 

verpflichtet den Bauherrn, den in Aufführung begriffenen Bau oder 
den Rohbau gegen Brandschaden zu versichern, sodafi es im fieien 
Belieben der Bauherren steht, solche» zu tun oder zu unterlassen. 
Nun ist das Interesse der Bauunternehmer gTOÖcr, als da» de» IUu- 
herrn, »ich gegen Feuerschaden zu »ichern. Dean nach B. G.-B. 
$ 644 tragt der Unternehmer (Werkmeister) die Gefahr bia zur Ab- 
nahme des Werke*. Es ist deshalb üblich, daß die Rohbau- Ver- 
sicherung von den Werkmeistern genommen wird- Bisweilen wird 
in Bauverträgen auabedungen, daS der Bauherr die Prämie zurOck- 
zuvergülen hat oder es wild in Bauarischligen ein Betrag eingesetzt, 
welcher zur Deckung der Versicherungsprämie ausreicht. Will »ich 
also der Bauunternehmer gegen die Gefahr aus Brandschaden, 
wrlche den Rohbau treffen konnten, schützen, so hat er entweder 
auf eigenen Namen «ich zu versichern oder auf Ausbedingen einer 
Verpflichtung des Bauherrn hinzuwirken, daß dieser eine Rohbau- 
Versicherung abschließt In einem solchen Falle kann er natOilieb 
auch veranlassen, daß die Versicherung in genügender Hohe er- 
folgt, und daß die Versicherungssumme unbekümmert darum zu 
zutilen ist, ub der Bauherr »einen Zahlung»- Verpflichtungen gegen 
den Werkmeister bereits genügt h»t oder mit Zahlungen noch im 
Verzuge ist. Falle der Art, wie »ie Ihr Beispiel ausfuhrt, doiflen er- 
fahrungsgemäß nur vereinzelt dastehen und sind durch »achgetnaße 
Bestimmungen im Bauvertrag leicht zu vermeiden. — K. H-e 

Hrn. Arch. O. R. In K. Wir würden Ihnen Oberhaupt nicht 
7U einer Blechverkleidung raten, sondern eine Schindel- oder 
Schieferverkleidung annehmen, wenn Sie nicht eine einfache Bretter- 
verkleidung mit senkrechten Fugcnleisleu vorziehen sollten. — 

Anfragen au den Leserkreis 
Wer fabriziert Helios -Winkel? Ist die Fabrikation die»cr Win- 
kel mit Musterschutz belegt? Woraus bciteht Helio» — 

B & H in H. 



1: lüc Aufs:rllunc eines Bisniarcli-Ifctikmalj in Bremen. — MU- 
l.-.lm.ci-u au* Vereinen. — I>.i» Moderne in der Architektur der Neuzeit.— 



r t»e, kiMep 



Verlar, der Deutschen Raureitung. G. m. h. H., Berlin. Fflr dl* Redaktion 
versatwortl Albert llofmann. Bertin. Druck von WUh. (ircvi, BerLIn- 



nach den großen Klassikern die Komanüker die Fahne ent- 
rollicn, so in der ersten IlAlftc des 10 Jahrhunderts die 
Romantiker in der Architektur. Auch hier gab es Nach- 
bildungen und Wiederherstellungen aller grollen Werke 
des Mittelalters, und auch hier Anfänge von schöpferi- 
schen Taten, die namentlich in kirchlicher Kunst das 
ganze Jahrhundert beherrschen. Auch hier gab eine Vor- 
geschichte warmherziger, aber unklarer Bestrebungen 
mangelhafte Kenntnis dc> Alten, mangelhaftes Sehen und 
Krfns*en der c|uasi neu entdeckten Formenwclt, und auch 
hier erfolgte durch mustergültige Aufnahmen und Publi- 
kationen ein allmähliches Eindringen in den wirklichen 
Geist der mittelalterlichen Formensprache 

Gingen in beiden Uichlungen, der antiken und der 
romanischen Architektur, die besten Meister den Weg 
schöpfcri-clier Taten aufgrund der alten Motive und neuer 
moderner Lebensbedingungen mit einer gewissen Not- 
wendigkeit, so konnte es nicht ausbleiben, daß die edel- 
sten Produkte deutscher, italienischer und französischer 
Renaissance umsomehr Anhänger fanden, als die alten 
Werke dieser Kunst dem modernen Leben unendlich naher 
standen, wie die der Antike und dos Mittelalters und 
fast unmittelbar auf die baulichen Bedürfnisse der neuen 
/teil anzuwenden waren. Trotzdem war eine gewisse 
l'mbildung und Befreiung auch hier nicht zu vermeiden; 
Palastmotive wurden zu Hanken und Mietkaserneu um- 
geschaffen und die Antike zur Hilfe geriiten. um mit der 
Formenwclt der Renaissance moderne Theater, Museen 
und Ruhmcshalleri zu schalten. Was hierbei an wirklich 
schöpferischen Taten geleistet wurde, wie sehr diese auf 
historischem Boden erwachsenen neuen Aufgaben einen 
neuen Geist schufen, der die Zeit sehr charakteristisch 
wiederspiegell, das zeigt ein Blick in die Entwicklung 
unserer Großstädte in den letzten .jo bis 40 Jahren. 

Bis zu dieser Grenze bleibt das fiild der Entwicklung 
der Architektur im ig Jahrhundert, cm nach Schulen ge- 
gliedertes, ziemlich kiar und übersichtlich, dann aber tritt 
ein L'mschwung ein, den man einerseits auf die vervoll- 
kommneten Mittel der Publikation, dann aber auch auf er- 

60 



höhte Sucht nach Betätigung des gesteigerten Reichtums, 
auf Lehensgenuß und in den besten Erscheinungen auf das 
Bedürfnis nach einer reicheren und persönlicheren Formen- 
spraehe oder auf Rechnung der Anlehnung an bestimmte 
große Vorbilder setzen muß. Sämtliche historischen Stile 
und Stilubergange bis zu den Ausklängen des Rokoko 
wurden wieder lebendig und je nach den Fähigkeiten der 
schaffenden Baumeister ergaben sich bloßeEntlehnungenund 
Anlehnungen, oder in gewissem Sinne auch schöpferische 
Taten Nur eine Tatsache unterscheidet diese letzte Periode 
des Eklektizismus von den froheren, sie hatte Vorbilder 
von einer sosehr das Persönliche, das S u bje kti v e be- 
tonenden, da* architektonisch Gesetzliche vernachlässigen- 
den Kraft, daß schon das Nachsehaffen echt im Geisle der 
Vorfahren mehr als schwierig, ein Weiterschreiten, ein 
Entwickeln noch übrig gebliebener fruchtbarer Keime - 
fast unmöglich oder doch nur von dem größten und cin- 
scttiL'steti Talent zu erwarten war. 

I m dies zu verstellen, muß man das Schaffen der 
alten vorbildlichen Meister dieser Perioden studieren. Man 
muß erkennen, wie sie meist mehr Bildhauer als Archi- 
lekten waren, wie sie nicht eklektisch wie ihre modernen 
Nachfolger schufen, sondern voll und ganz aus dem Geiste 
ihrer /cit heraus, unbekannt mit der Notwendigkeit, des 
lieben Brotes wegen heute auf Bestellung Mittelalter, morgen 
Renaissance oder Barock zu liefern oder gar einem der 
größten Bildhauer-Architekten der Vorzeit gleich zu kom- 
men und ihn natürlich, wenn möglieh, zu übertreffen hatten. 

Ich habe Sie bitten müssen, mir auf dieser historischen 
Skizze zu folgen, weil sie mir die Grundlage geben muß, 
den Versuch zu machen, die heutige, so viel begeistert 
gepriesene und so viel mit Emst bekämpfte moderne Zeit 
in ihren A rchitekt u r wc rken zu verstehen. Ich stehe 
hier an einer Stelle, welche die parteiische Kritik aus- 
schließt; ich will, so gut es mitten in einer bestehenden 
Bewegung möglich ist, die Regungen der Kunstseele einer 
auf alle Fälle hochinteressanten und vielleicht üefein- 
schneidenden neuen Zeit zu schildern versuchen " — 

(Schluß folgt) 

Na 10. 

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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° n. BERLIN, DEN 6. FEBR. 1904 

Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Architekten: Schmieden &• Boethke in Berlin. (Hirn« rinr Dapprl - BMIwflafi dir GrnuMaM »ui -m-h«- i 




1. Allgemeines, 
u ntcr den zahlreichen baulichen Unter- 
I nehmungen dcrLandcsvcrsichcrungs- 
Anstalt Merlin auf dem Gebiete der 
A Arbeiter- Wohlfahrtspflegeflnvaliden- 
\y haus für Schwindsüchtige und Heil- 
stätte für Geschlechtskranke in l.ich- 
| tenberg bei Berlin, Zentral-Arbeils- 
nachweis- Gebäude in Berlin, Sana- 
torium in Gütergotz, Heilstätten bei 
Beelitz) sind die Arbeitel heilstatten bei Beelitz, viel- 
leicht die bedeutendsten und umfangreichsten, die von 
einer Stelle aus für die Zwecke der Arbciterwohlfahrt 
errichtet wurden und nach Anlage, wie nach Einrichtung 
und Ausstattung ohne Einschränkung als eine Muster- 
anlage zu bezeichnen. Das sind diese Heilstätten 
geworden dank der umsichtigen, im höchsten Grade 
erfolgreichen und von großen Gesichtspunkten ge- 
leiteten Tätigkeit ilcs Vorsitzenden des Vorstandes 
der Landes- Versicherungs- Anstalt Berlin, des Ilm 



Dr. jur. Richard Freund, und dank der reichen 
und vielseitigen Erfahrungen, welche die Architekten, 
Geh Brt Heino Schmieden und Reg, -Baumeister 
J. Boethke in den Dienst dieser vornehmen sozialpoli- 
tischen Aufgabe stellen konnten. 

Nachdem ein auf dem der Stadt Berlin gehörigen 
GuteGotcrgoteerricIrtctqSamtoriutw dieNotwcodigKeit 
dargetan hatte, für die Versicherten der Landesversiche- 
rungsanstalt Berlin zum Zwecke der I leilung nicht an- 
steckender, chronisch verlaufender Krankheiten eigene 
Gebäude zu errichten und nachdem für die immer 
zahlreicher gewordenen Lungenkranken, die in frem- 
den Heilstätten untergebracht werden mußten, die Er- 
bauung eigener Heilstätten nicht mehr zu umgehen war, 
entschloß sich die Anstalt, 4 Heilstätten zu errichten 
und dieselben aus finanziellen sowie verwaltungslech- 
nischen Rücksichten auf einem Gelände zu vereinigen, 
und zwar je ein Sanatorium und eine Lungenheilstätte 
für männliche und für weibliche Versicherte. Die Be- 
mühungen nach einem geeigneten Gelände waren vor 




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61 



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allem darauf gerichtet, eine völlige Sonderling einer- 
seits der Tuberkulosen von den anderen Kranken, 
anderseits der Männer von den Frauen herbeizuführen. 
Ein diesen Eigenschaften entsprechendes, zugleich Vor- 
züge des Bodens, der allgemeinen sanitären Lage und 
der Wasserbeschaffung aufweisendes Gelände wurde 
bei Beelitz in der Mark gefunden. Es wird einerseits 
durch die Eisenbahn, anderseits durch die Chaussee, 
w ic der Lageplan zeigt, derart in 4 inhaltlich nicht 
zu stark von einander abweichende Teile zer- 
schnitten, daß die gewünschte Absonderung in 
leichtester Weise bewerkstelligt weiden 
konnte. Das Gelände wurde am 9 Mai 
1898 in Besitz genommen, im Juni der 
Entwurf in seinen grollen Zügen geneh- 
migt und bereits im Herbste des gleichen 
Jahres mit dem Bau begonnen. Dieser 
wurde so schnell gefördert, daLS schon am 
2 Mai 1902 die erste Abteilung, das Sana- 
torium für Männer, eröffnet werden konnte, 
welchem die anderen Abteilungen bald 
folgten, sodaß die Anstalt heule, abge- 
sehen von den für spätere Jahre vorbchaltcnen 
Ergänzungsbauten, in ihrem vollen Umfange im 
Betrieb ist. Der ursprüngliehe Entwurf erfuhr 
noch während des Baues durchgreifende Aende- 
rungen; es wurde anstelle des großen BadeflOgcl 
im Sanatorium-Pavillon für Männer die Errichtung 
eines besonderen großen Badehauses beschlossen, 
welches auch dem Frauen- Sanatorium zugänglich 
sein sollte; es wurden ferner die besonderen Heizan- 
lagen in den einzelnen Gebäuden fallen gelassen und 
an ihrer Stelle ein großes Fernheizwerk angelegt, um 
es wurden endlich noch eine Kapelle sowie massive 
Kegelbahnen errichtet. Die Gesamtkosten der An- 
lage betrugen i d. 9 Mill. M , sodaß 15000 M auf 1 Bett 



kommen. Dieser Teilbetrag wird sich jedoch nach dem 
völligen Ausbau der Anstalt bedeutend verringern. — 

(Koruföung toljt) 

Lageplan. 



b. b. 

d.d. 

f. ( 
t- 

h 
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k. 



Pavillon (Irl. Sanaloruni-» 
Pavillon lux Lunsi-iiktaiiW* 
lladrhau«. 

Licfr- und W.i Ihall. i,. 

Wi'rkMlltrn GrUaudr. 
Hraniti-nhausit | ihm Ii mi hi erbaut). 
l>r*intrktiona- . Obduktion«- und 
Vribtriinuiiy^liau*. 
Verwaltung* K«-b!ludr. 

Kr*wl- 11. Mawi Inrinildtuwr mit Wasvrilurm. 
KohW-nplat/ mit Tankanlacr. 



I' I' 
'I ■! 



I>i<- autfrdlhitrn tUutrn und voll »*«•««, dir «i'Mrti n Kim >n 'uu-, i, h, „m.. i i 




II PumiKnhaii.il mit Ti. ll.i inuu ii 
m. Ki'jilhahn 
11. 11. W»~ titn. h.-iii:.-liäii.li 

o. u. Kot likai'hrnj;rb.1ili|r. 

Tanluotlap- (Abf. d. S|h i»i nn -.», , 
Villin d.| illlifirl.nili 11 A.l/ti. 
WOllWll— MI. 

Kaprik-, 

Sullti hnudv und Kt in nvt In .1, |k,i 
lirv«ai h.han 1 * inil I .3t Im i W ohnung. 
Rauhmrauv 



Das Bauwesen im preußischen Staatshaushalt für das Verwaltungsjahr 1904. (Schlaft) 

M lmit8Mill. M. Dtt Votjahr forderte bereits für die gleichen 
Zwecke 7 Mill. M Einen weiteren Ilauptpostcn bildet die 1. 
Kate von 1 Mill M. fQreiriKgl. Residenzschloß in l'osrn, 
dessen Gesamtkosten einschl. des zugehörigen Marstalles, 
der inneren Einrichtung, der Gartcuanlagen und Um- 



S/pN' i- I' : r. n zmin isterium ist mit rd. 4,38 Mill. M. wieder 
8öj um 8 c K cn <uc besonders hohe Forderung 

— * lies Vorjahres zurückgegangen. I >cn I lauplposten bil- 
det die Rate für die Erwerbung und Erschließung des 
Pmwallungsgelandes in Posen (Gc- -Kosten 17,35 Mill. 



Das Moderne in der Architektur der Neuzeit. 

(Schluß.) 

jRijj ie moderne Architektur hat in ihrem Wesen etwas 
Kjj Anarchistisches; bewußt räumt sie mit aller histo- 
!B '™ rischen L'ebei lieferung auf, um Raum und Freiheit 
für Neues zu schaffen. In bedingter Weise hat dieser 
Vorgang etwa* historisch Berechtigtes in sich, denn es ist 
Tatsache, daß die Befruchtung einer absterbenden Kultur 
mit neuen Ideen stets um so siegreicher und schöpfe- 
rischer wurde, je weniger genau die Formcnwelt der- 
selben den Männern der neuen Zeit bekannt war. je 
freier und unbeirrter durch die l'ehcrlieferung sie zu 
schaffen vermochten. 

Nie würde Wohl die römische Kunst das zu ihrer Zeil 
moderne und provinzielle Gepräge erreicht haben, wenn 
die griechischen Tempel in all ihrer strengen Schönheit 
ein Gemeingut ihrer Zeit gewesen waren; ebensowenig 
hatte das frühe Mittelalter, die romanische Kunst, das 
Joch der antiken l"eherlieferung. die Herrschaft der Hori- 
zontalen abzuschütteln und der Vertikalen zu dem glän- 
zenden Aufschwung in der folgenden Zeil die Wege zu 
ebenen vermocht, wenn die klösterlichen Baumeister auf 
filmischen oder griechischen Akademien erzogen wären. 
Ebensowenig wäre es zu einer so reizvollen, naiven und 
jugendfrischen Vermählung des absterbenden Mittelalters 
mit dem neu erwachten Studium römischer Antike in der 
sogenannten l »einsehen Renaissance gekommen, wenn 
dieses Studium liefer eingedrungen Ware und mehr Motive 
und Formen als nur geistige Impulse in sieh getragen hätte 



Historiseh verwandt ist auch die Periode des Barock und 
Rokoko mit unserer Zeit, insofern, als in jener Entwicklung 
der Persönlichkeit ein ungemein freier Raum gewahrt 
wurde. Aber ohne jeden historischen Vorgang ist die 
ni'xlernc Architektur in der beutigen Zeit, sofern sie auf 
jeden Aufbau auf die Vergangenheit, auf jede Anregung 
durch dieselbe verzichtet. 

Suchen wir nun nach den sicher großen und liefen 
Gründen, welche eine so mächtige und nachhaltige Be- 
wegung einzuleiten vermochten, so ist mit Sicherheit fest- 
zustellen, daß der l'eberdruß an der ewigen Wieder- 
holung des historischen Formenkreises eine Hauptrolle 
spielt. Jeder Einsichtige muß erkennen, daß mit einer 
solchen' auch n<»ch so täuschend echten Reproduktion, 
ja daß seihst mit einer möglichst freien Anwendung des 
historischen Apparates auf die neuen modernen Aufgaben 
und damit verbundener moderner Erweiterung ihrer Be- 
deutung allein eine sehnsüchtig gewünschte Stilumbildung 
oder Stilnciibildung nicht erzielt werden konnte. 

Line solche Stilneubildung wurde aber immerund 
immer wieder von den öffentlichen Organen der Kunst 
gefordert und war im reinen Reich der Gedanken ja auch 
eingeleitet durch einen der machtvollsten Geister, welche 
je die Erde meteorhaft erleuchtet haben. 

Ich bin nicht ohne Bedenken, es auszusprechen, daß 
meines Erachtens, wie auf dem Gebiete der reinen geistigen 
Spekulation, Friedrich Nietzsche auch auf dem tiebiete 
der bildenden Künste bewußt oder unbewußt einen der 
Ausgangspunkte der neuen Gedanken gebildet hat, denn 
ich kann es nicht beweisen. Und doch muß es wohl 

No. lt. 



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Wahrungen auf 5,15 Mill. M. veranschlagt sind. 335 500 M. 
sind vorgesehen als Zuschuß zu einem Theater in Thor» 
(150000), für Umbauten im Kgl. Theater in Mannover 
(100 000 Ml, für bereits ausgeführte Veränderungen am 
Schauspielhaus in Berlin im Interesse der Feuersicher- 
heit (25000), schließlich 50000 M. für Vorarbeiten für einen 
cv. Neubau des Kgl. Opernhauses in Herlin. Be- 
gründet wird diese r orderung damit, daß sich ein „den 
Bedürfnissen des Betriebes entsprechendes und vor allem 
die nötige Verkehrs- und Feucrsicherheitbietcndes Bühnen- 
haus aus Mangel an Platz und mit Rücksicht auf die tech- 
nischen Schwierigkeiten bei der Höhenentwicklung auf 
der jetzigen Stelle" nicht errichten lasse. Wäre es aber 
doch möglich, so müsse auch das Zuschauerhaus ent- 
sprechend umgebaut werden. Dann sei aber die Frage 
eines Neubaues zu erwägen und es müßten hierfür recht- 
zeitig die nötigen Unterlagen geschaffen werden 

l>er Etat der Justizverwaltung stellt sich mit rd. 
9,8 Mill. M. etwa 1,65 Mill. M höher als 1903 Ks sind 
darin übrigens an reinen Grunderwerbskosten fast 2 Mill. M. 
enthalten. Von den 13 Obcrlandcsgcrichts-Rezirkcn stellt 
das Kammergericht mit 3,94 Mill. M. die höchsten An- 
sprüche. Es sind darin enthalten 2,5 Mill. als 3 Kate für 
die Erweiterung des Strafgerichtes in Berlin-Moabit und 
0,63 Mill. M. als 9. und letzte Rate für den Bau des Ijtnd- 
und Amtsgerichtes I Berlin. DasOberlandesgcricht Na um- 
burg a 5. fordert 1.39 Mill, darunter eine 5. und letzte 
Rate von 0,9 Mill. für das Gcschäftsgcbäudc und Unter- 
suchungs-Gefängnis in Magdeburg. Für die Obcrlandcs- 
Gerichtc Marien werde r und Breslau sind je 0,92 Mill. M 
angesetzt, darunter für ersteres allein 774000 M. zum Grund- 
erwerb für das Ij»nd- und Amtsgericht in Danzig Es 
folgen dieOberlaiidcsgcrichte Kiel, Köln. Posen, Hamm, 
Frankfurt a- M . Kassel, Stettin, Celle, Königs- 
berg i. Pr. mit rd. 0,72; 0,47; 0,37; 0,35; 0,25; 0,18; 0,13; 
0,049 un d 0,046 Mill. M. 

Das Kultusministerium ist im Extra-Ürdinarium 
mit 18.22 Mill. M., außerdem außeretatmäßig für das Mcdi- 
zinalwescn (Erweiterungsbauten der Charit* in Berlin) 
mit 1,06 Mill. M. bedacht und für die l'n iversität Berlin 
mit 0,74 Mill M Es soll demnach fast 4 Mill. M. mehr 
als im Vorjahre erhalten und sieht somit noch der Bau- 
Verwaltung voran. Die etatmäßigen Ausgaben verteilen 
sich auf die Hauplgruppen wie folgt: Universitäten 
26 Mill. ( Tec hni sehe Hochschulen 2,44 Mill., Höheres 
chulwesen 0,08 Mill.. Volksschul wesen 4,38 Mill., 
Medizinalwesen 12500 M. (Instandsetzung des Lepra- 
Krankcnhauses im Kreise Mcmcl) und schließlich für Kunst 
und wissenschaftliche Zwecke 7,15 Mill M., d. h. 
fast 4.5 Mill. M. mehr als im Vorjahre 

Von den Universitäten steht Berlin mit 1221825 M. 
obenan. Den I lauplposten bilden darin 800725 M. für den 
Ankauf eines Gebäudes und dessen Einrichtung für das 
orientalische -Seminar, ferner aoocoo M als 3. Rate für 
das Gebäude des poliklinischen Institutes. Von den außeretat- 
mäßigen Mitteln entfallen 400 oco M. als 2. Rate auf das 
Botanische Museum in Dahlem und 340000 desgl. auf 
das Hygienische Institut. Die Universität Kiel soll 528650 M. 



erhalten, darin 282600 M. als 3 und letzte Rate für den 
Neubau der Chirurgischen Klinik, 160800 M. für die Poli- 
klinik für Hautkranke. Für Grcifswald sind 392500 M. 
vorgesehen (darunter 100000 M. als I. Rate für das Che- 
mische Institut), für Breslau 376000 M. (1. Rate 1 so 000 M. 
für eine Irrenklinik), Münster i. W. 291093 (1. "Rate für 
die Universitäts-Bibhothck27365oM.),G ö 1 1 i n ge n 257380M., 
Königsberg i. Pr. 51200 M., Bonn 40460 M. 

Unter den Technischen Hochschulen braucht die- 
jenige in Danzig zu ihrem Ausbau noch die bedeutendsten 
Mittel, nämlich 1 139400 M , davon 409200 für 6. und letzte 
Rate für das Hauptgebäude, 1870c© für die 3. und letzte Rate 
für das Chemische Institut. Berlin wird mit 909600 M. 
bedacht. Darin sind 400000 M. als 4, Rate für die Mecha- 
nisch-Technische Versuchsanstalt in Lichterfelde (Gesamt- 
esten 2655220 M.) einbegriffen. Für die Herrichtung 
der durch Verlegung dieser Anstalt in Charlottenburg frei 
werdenden Räume zu Laboraioricn für Bau- und Maschinen- 
Ingenieure sind als 1. Rate 120000 M. ausgeworfen. Für 
ein Laboratorium für Verbrennung*- Motoren und Dampf- 
Turbinen sind ebenfalls als 1. Kate 150000 M angesetzt 
(dazu 167 300 M. für die Betriebs-Einrichtungen). Auf der 
Schleusetiinsel in Charlottenburg soll ferner ein Labora- 
torium für Wassermotoren errichtet werden, wozu 50000 M 
als 1. Kate bereitgestellt werden. Für die neue Hoch- 
schule in Breslau sind 350000 M. beantragt, davon 1. Raten 
von 200000 M. bezw. 100000 M. für das Chemische In- 
stitut bezw. ein Maschinenbau-Laboratorium. Aachen 
begnügt sich mit 42 500 M., für Hannover sind zu reinen 
baulichen Anlagen Mittel überhaupt nicht vorgesehen. 

Es seien hier aus dem Ordinarium noch einige Ver- 
änderungen des Lehrkörpers angeführt. Die Techn 
Hochschule in Danzig soll im Herbst 1904 eröffnet werden 
Es sollen zu diesem Zwecke 29 Professoren angestellt wer- 
den und zwar 4 für Architektur, 6 für Bauingenieurwesen, 
6 für Maschinen-lngenieurwcsen, 3 für Schiff- und Schiffs- 
maschinenbau, 4 für Chemie, 6füralTgemcine Wissenschaften. 
In Berlin sollen 4 neue etatmäßige Professuren geschaf- 
fen werden und zwar je eine für elektrotechnische Kon- 
struktionslehre, für städl. Tiefbau insbesondere Wasserver- 
sorgung und Entwässerung 1 die bisherige Dozentur auf 
diesem Gebiete bleibt bestehen), für Werkzeugmaschinen 
und Fabrikanlagen, für Baukonstruktioiislehre in der Abt 
für Architektur. Es soll ferner die Dozentur für die Ge- 
schichte der Baukunst in eine etatmäßige Professur um- 
gewandelt werden und außerdem wird die 2. Professur 
für Physik zu einer Vollslelle gemacht. 

Die Errichtung einer Vollprofcssur für städtischenTiefbau 
ist eigentlich schon längst ein Bedürfnis gewesen Im Ver- 
gleich zu dem stetig wachsenden Bedarf der Städte an 
akademisch gebildeten Technikern ist dieses Gebiet un den 
Techn. Hochschulen noch viel zu wenig gepflegt 

Zur Errichtung von Gebäuden für höhere Lehr- 
anstalten ist der Bedarf mit 0,98 Mill, M. in diesem Jahre 
etwas geringer. Von dieser Summe entfallen 533000 M. 
auf 1. Raten für den Bau eines Gymnasiums in Dortmund, 
Krotoschin und Rastenburg (in Verbindung mit einer 
Realschule), für ein Progymnasium in Nienburg a. W., für 



so sein, denn die bloße Reaktion gegen die Vergangenheit, 
die Erkenntnis der Unfruchtbarkeil derselben allein wären 
nicht imstande gewesen, eine so gewaltige, so in die Breite 
gehende Bewegung zu entfesseln; es mußten nicht nur 
negative, es mußten auch positive Kräfte wirksam werden, 
um so tiefe Umwandlungen in den Anschauungen und in 
den Taten herbeizuführen. 

Die Parallele zwischen dem Ideal Nictzsehc's und dem 
Streben moderner Architekten liegt nahe, und die letzte- 
ren durften stolz darauf sein, wenn sie in ihren Werken 
ihre Verwandtschaft mit dem reinen Wollen des großen 
Philosophen nachzuweisen vermöchten. Ich fürchte aber, 
sie können es nur in wenigen Fällen 

Ist in Nietzsche auch die stahlharte, fast grausame 
Idee des Uebermenschen in der Person verkörpert, und 
scheut er dabei auch vor keiner Konsequenz zurück, so 
dient bei ihm die noch so hoch gesteigerte Person doch 
stets der ganzen Menschheit. Nur in diesem Zusam- 
menhang und nicht im schrankenlosen Genuß «1er Kraft, 
im schrankenlosen Egoismus der Persönlichkeit will 
er den Ucbernienscheii, und er würde die Verglcichung 
mit denjenigen künstlerischen Epigonen unserer Tage, die 
nur das liebe und doch oft so kleine Ich zur Geltung 
bringen wollen, schroff zurückweisen 

Dieses Ich, welches das Recht fordert, sich rück- 
sichtslos auf seine Weise auszuleben, welches ebensowohl 
jedes Resultat ernsten Ringens wie jeden Einfall der Laune 
oder jede Frucht der zufälligen Stimmung als eine künst- 
lerische Tat angesehen wissen will, ist, oder war wenig- 
dic eigentlich treibende Kraft der neuen Zeit. 



6 Februar 1904. 



Mit dem Ausklingen der bewußt eklektischen Perioden 
des 19. Jahrhunderts setzt dieses Bestreben ein, und wenn 
man von gewissen Erscheinungen der Stilvcrmischung als 
unerheblich für die weitere Entwicklung absieht, so ist 
das Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts als die Ge- 
burtszeit dessen anzusehen, was 'jetzt in der Architektur 
sowohl wie in dem anschließenden Kunstgewerbe, in der 
Literatur wie in Ausstellungen , im Atelier wie im bau- 
lichen lieben unserer Zeit das merkwürdig neue architek- 
tonische Gepräge gibt. 

Die Ausgangspunkte und die Gesichtspunkte, von 
welchen aus das Suchen nach einer neuen Kirnst betrieben 
wurde, sind unendlich verschieden Sieht man aber von 
gewissen Einzelerscheinungen ab und bctrachlrt man die 
iiewegung als Ganzes, so ergibt sich als das allgemeine 
Feldgesehrci der Ru(: 

„Fort mil allen Stilen der Vergangenheit! Fort mit 
jeder Tradition! Es lebe die neue, die natürliche, 
die persönliche Kiinst'- 

Revolutionen können nun aber nieht allein mit Nega- 
tionen gemacht werden, sondern jeder Zerstörung muß 
ein Aufbau folgen, und so war es auch auf dem (iebiete 
der modernen Architektur. Aneli mit dem Anspruch, daß 
das Gesetz der neuen Kunst allein in dem sub- 
jektiven Etnpfi nde n des Einzelnen 7 11 >uchen sei, 
konnte man vielleicht in anderen Künsten auskomme», 
niemals aber in der Kunst des Baues, die immer unend- 
lich viel mehr der Aulgahe gegenübersteht dus Reale 
zu ideal i sie ren, als der reine Ideale hinzust eile n. 

vl'urlMUcnt »n( Sritr 651 

63 



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bauliche Herstellung an einem Gymnasium zu Neisse, für 
ein Realgymnasium in Brie sc ri usw. 

Von denfordasElcmentar-Unterriehtswcscnaus- 



i 




3 


"I 


1 


u 




Die Aufwendungen für Kunst und wissenschaft- 
liche Zwecke sollen vorwiegend Berlin zu Gute kommen. 
3730000 M. sind allein für den Ankauf des Graft. Arnim- 
sehen Palais am Pariser Platz für die Zwecke der Aka- 
demie der Künste angesetzt 1 Gcsamt-Summc 3820000 M , 
davon 3250000 M. Grunderwerb), 1 750000 M. als 2. Rate 
für <len Neubau der Kgl. Bibliothek und der Akademie der 
Wissenschaften, 700000 als 4 Rate für den Erweiterungs- 
bau des Kunstgewerbe-Museum*, 458 100 M. für die Ver- 
legung des Aeronautischen Observatoriums des Institutes 
für Meteorologie Dasselbe kann inmitten <ler Großstadt 
seinen Zweck nicht mehr erfüllen und soll etwa 60 ^™ Öst- 
lich von Berlin, nach dem Kreis Storkow, verlegt werden. 
Kür die Instandsetzung des alten Museums sind 176000 M , 
für Arbeiten im Vftlkermuscum 100000 M., für die Aus- 
stattung der Saalburg 100 000 M., für die Wiederherstel- 
lung der Marienburg schließlich 30000 M. ausgesetzt. 
Us." Die Ausgaben der (Sau Verwaltung in Höhe von 
14657400 M. (153607 M. weniger als 1903) gliedern sich 
in folgende I lauptgruppen : Regulierung der Wasserstraßen 
und Forderung der Binnenschiffahrt 4 792 700 M 1745000 M. 
weniger als 1903), Verbesserung der Seehäfen und See- 
schiffahrts Verbindungen 4667000 M. 11 47J 133 M. mehr 
als 1903), Bau von Straßen, Brücken, Dienstgebfluden 
5 197 540 M. (883830 M. weniger als 1903). 

L nterden Ausgaben für die R c g u 1 i e r u n g d e r Wa s s e r- 
straßen usw. sind wieder 1 137000 M. zur Nachrcculicrung 
großer Ströme angesetzt. Bis einschl. 1903 sind für diesen 



geworfenen Mitteln sind 3 Mill. M zu Reih ü I fen an bedürf- 
tige Gemeinden für Kieme n t ar seh ul bau ten, 1 140230 M. 
für Seminarbauten, 33BQS0M für den Bau von Dienst- 
wohn -Gehau den für Kreis- Schulinspektoren bestimmt. 



Zweck 17 Mill M. bewilligt worden. Als weitere Raten 
zu angefangenen Arbeiten sind zu erwähnen 700000 M. 
für den Bau zweier Schleusen bei Kürstcnherg, 300000 M. 
für den Aushau der Stauwerke an der Netze usw. im 
I.andeskulturinteresse, 300000 M. als Zuschuß zum Bau des 
llolzhafens in Thorn. l"nter den neuen Ansätzen sind 
103000 M als 1 Rate für einen Spreedurchstich bei Span- 
dau zu erwähnen. 

Unter den Summen für Seehilfen und Seeschiff- 
fahrts-Vcrhindungensind j. Raten in Hohe von jooooaM , 
(nrVcrbcsserung der Leuchtfeuer und Seezeichen. 500000 M. 
für Baggerzwecke für die Wasserbauinspektion Harburg, 
320000 M. für Kaianlagen daselbst, 460000 M. fflr die Kr- 
weiterung des Fischerei - Hafen* in Geestemünde und 
Mill. M. für den Hafen von Emden. Die Gc*iimtkosten 
für die dort auszuführenden Arbeiten sind auf 2897 750 M. 
veranschlagt, von denen 1^370» M aut die Klebestellen 
iisw . 1 340 750 M auf die Eindeichung des Watts im Lm- 
(atige \on 300 1 entfallen. Das so gewonnene Land, das 
landwirtschaftlich ausnutzbar ist, soll spateren 
I lafenerweitcrungen dienen l 'eher den Verkehr in Kmden, 
dessen rasche Zunahme als Begründung für die Forderung 
angeführt wird, geben die Krläutrrungcn zum Etat folgende 
Auskunft: Im Jahre 1900 betrug der Verkehr für Ein- und 
Ausgang 786697 Reg ■<, 1902 nach Eröffnung des Außen- 
halens 1 432084 Reg-' und in den ersten 9 Monaten des 
Jahres 1903 bereits 1 425 246 Reg. •'. Eine Erweiterung der 
Anlagen ist daher dringlich. 

In der für Straßen, Brücken und Dienstgebäude 
■»fordeten Gcsamt-Summc sind 2268000 M für Straßen, 
Brücken, Fähren und 2929540 M für Dienstgebäude 
bestimmt l'nter den ersteren Ausgaben ist eine 1 Rate 
von 300000 M für eine Straßenbrücke Ober die Memel 
bei Tilsit, unter letzteren ein Betrag von 223000 M für 
neue Raulen. L'nter den fortzuführenden Bauausführun- 
gen sind tu erwähnen: ;,sOooo.\l ibj 4. Rate (ui das Kcg.- 
Gcbäudc in Potsdam, 400000 M als 4 Rate desgl. für 
Koblenz, 400000 M als Rest- und Erganzungsratr für beide 
Häuser des Landtages in Berlin, 250000 M als 3 Rate 
für das Reg -Gebäude in Minden. 



NV 11. 

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Das Ordinarium der Hau Verwaltung sieht, wie der Sehlcuscninsel in Berlin ist die Stelle eines Reg.- und 

alljährlich, noch bedeutendere Mittel für L'nterhaltungs- Baurates des Wasserbaues beantragt, und je eine fliegende 

arbeiten vor und zwar insgesamt rd. 21,32 Mill. M., d. h. Stelle der beiden Fächer wird für Entwurfsarbeiten gc- 

etwa 1,34 Mill. M. mehr als 1903. Daran nehmen mit fast fordert Ferner sollen 6 neue ständige Bauinspektor-Stellen 

13 Mill. M. die Binnenhäfen, mit 5.22 Mill. M. die See- (je 3 für Hoch- und Wasserbau! in Merlin, Danzig und 

häfen, Seeufer, Leuchtfeuer, mit 610500 M die Maricnwcrdcrbez.inArnsbcrg.Torgau.Ilafcnbauinsp. 

Kanäle, Fähren, Brücken, mit 428 ip M die Dienst- Slolpmündc geschaffen werden, unter Einziehung von 

gebäude teil. Für die Kosten von Vorarbeiten und 2 fliegenden Stellen. F"ür letztere werden 6 neu geschaffen, 

Bauleitungen sind 1,55 Mill. M. angesetzt. •• ti also ihre Zahl um 4 vermehrt wird. Die Zahl der 

Auch bezüglich der höheren Haubcamleu sind Bauinspektoren beträgt dann 604, von welchen 151 bei 

einige Ergänzungen vorgesehen. Für das Ministerium Bauausführungen tätig sind 17 sind Maschinenbau- bezw. 

ist die Stelle eines weiteren hochbautechnischcn Kates Maschinen-Inspektoren). Die Zahl der Regicrungs-Bau- 

cingesetzt und für den 2. Leiter der „Zeitschrift für Bau- meister-Stellen wird von 232 auf 250, also um 18, vermehrt, 

wesen", des „Zcntralhlattes der Hauvcrwaltung" und der Der Etat der Eisenbahn Verwaltung bleibt im» 

„Denkmalpflege" ist die Stelle eines Keg.- u. Baurates be- schließlich noch als der letzte und bedeutendste zu er- 

anlragt. Bei den Regierungen werden 6 neue Reg- u. örtern. Er schließt mit 101 320350 M für die einmaligen 

Bauratstellcn gefordert unter Forlfall von 3 Bauinspcktor- außerordentlichen Ausgaben ab, ist also um 9657 350 M. 

Stellen, und zwar sind vorgesehen je eine 2. Stelle für höher als im Vorjahre dotiert. Von der Gcsamt-Sunune 

Hochbau in Danzig und Stettin, für Wasserbau in entfallen rd. 53,5 Mill. M. auf den Redarf der 21 Direk- 

Bromberg. Für die wasserbauliche Versuchsanstall auf tionen. rd. 47,8 Mill.' M. auf^den Ze nlral f ond& 




Zur Frage des Neubaues der alten steinernen Brücke über die Donau In Regeiuburg. Ansicht von ReRentburit mit der Bracke. 



Es handelte sich also darum, leitende Grundsätze und Ge- 
danken zu finden, und sie wurden gefunden. 

Der Anteil, den die künstlerische Kritik an der 
Aufstellung der neuen Ziele und deren Durchführung hat, 
ist ein sehr großer und bedeutender. Die besten und geist- 
reichsten Federn stellten sich mit warmer Begeisterung 
in den Dienst der neuen Lehre, und sie konnten diesen 
Feldzug um so unbeirrter beginnen, als nur wenige unter 
ihnen die schwere Kunst eigenen Schaffens an sich er- 
fahren hatten und daher auch mit leichtem Herzen von 
dem durchlebten Jahrhundert unsäglicher, ehrlicher Arbeit 
und Mühe Abschied nehmen konnten. 

Zu den Grundgedanken, die man dem baulich künst- 
lerischen Schaffen der neuen Zeit im allgemeinen unter- 
zulegen versuchte, gehören: die Wahrheit, die Zweck- 
mäßigkeit, die Logik, die Mate rialstilistik u. a. Diese 
Grundzüge waren für alles bauliche Schaffen ehenso ge- 
sund als — nicht neu; denn abgesehen von den Muster- 
leistungen alter Stilperioden, die alle durch solche Grund- 
sätze glänzen, hat die eklektisch-mittelalterliche Bewegung 
im 19. Jahrhundert schon dieselben Grundsätze ausgespro- 
chen und siegreich durchgeführt. Dcrl'nterschied der netten 
von diesen Bestrebungen lag also nicht im Programm, 
sondern in der subjektiven Erfüllung desselben 

Natürlich gehört in das Programm der Neuzeit auch 
— oder vor allen Dingen — die Schönheit, aber nicht 
das Schönheitsideal eines ganzen Volkes, welches in frühe- 
ren Zeiten durch gottbegnadete Menschen zur Tal wurde, 
sondern ebenfalls das subjektive Schönheitsideal des 
Einzelnen. Aber nach einer 10- bis 12jährigen Achtung 
fordernden, großen Arbeit, vollzieht innerhalb der Bewe- 
gung sieh schon eine Trennung, die Trennung der ernsten 

6. Februar 1904. 



und kunstbegahten Meister von den Manieristen, bei denen 
es nicht auf Innerlichkeit, sondern auf äußere Mache 
ankommt, und in denen sich gewissermaßen die Kinder- 
krankheiten der Zeit ablagern. 

Der Kampf der ernslstrebendcn und wirklich führen- 
den Künstler mit den historischen Schulen ist leicht und 
aussichtsreich, denn jene sind innig und diese sind .'-Ii. 
und sie werden nach dem Gesetz alles Lebens die Erben 
sein. Viel schlimmer und schwieriger ist der Kampf gegen 
den leeren Troß, der sich an ihre Rockschöße hangt und 
bei welchem die Negation, das Nichtkönnen und Nicht- 
wissen allein die Berechtigung zum modernen Architekten 
darstellt Ganz unzweifelhaft haben wir die besten Arbeiten 
des heutigen Bauens vor uns bei den modernsten Auf- 
gaben unserer Zeit. Zuerst im Bauingenieurwesen: in 
der Erkennung der stilbildenden Kraft der Eisenkonstruk- 
tionen und ihrer Glieder. Eine der gröbsten Sünden der 
historischen Perioden war der Versuch, das Einen mit 
einem historischen Mäntelchen zu umgeben, und die heute 
bestehende l'nmöglichkeit, so etwas auch nur zu denken 
und zu versuchen, ist ein Ruhmestitel in der Geschichte 
der letzten fünfzehn Jahre. Dann bei denselben Aufgaben 
die Anpassung des Steines an die Eisenkonstruktion, ge- 
sucht in einer Ausbildung dieses völlig verschiedenen 
Materials, die, weit ah von jeder historischen Reminiszenz, 
es versteht, das eigentümliche und lebendige Spiel der 
Statischen Kräfte nach außen sichtbar zu machen und 
künstlerisch ausklingen zu lassen. Die hervorragendsten 
Arbeiten dieser All ich verweise für Herlin auf viele 
glückliche Lösungen an der Hochbahn - sind vielleicht 
mit das Beste und Zukunftsreichste, was die moderne 
Architektur geschaffen hat. 

H 

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Die Forder 

sind, nach der 

i. Kein a. Kh. , 

i Halle a. S. . 

3. B«rlin . . 

4. Emen a. R. . 
- Alton* . . ■ 

Elberfeld . . 
. Frankfurt 0. M 
„. Kattowitz . . 
q. KaAtel . . . 

10. Hannover . , 

11. Erfurt 



i 



ungen der < 

Höhe der 

- • ;w«w. 
. . 5300000 

■ • i "31 000 

■ ■ 4"»3SP 
• ■ .1 a S3 0o ° 

• 3 745™» 
. jyJiooo 

■ • 3 537«>o 

3313000 
jtka»ooo 
j 444 ua 



Su 
M 



einen Pirektions-Bezirl 
mmc geordnet, folgende: 



Ii Bml»u 

13, Macdcbmg 

14. Sl jol - 



oh -SaarbrOf ken 



'S- 

10. Stettin 
17. KAme>Wrg f. Pi. 
■K Monster i. W. . 
I« r*oWI> ... 



I TJ5000 

I »73«" 
V» 

470000 
351 000 
iy>ouo 



Summa SJ4*»3y> M. 



Zu dem Ansalze der Eisenb.-Pir. Mainz sei hier gleich 
vorweg bemerkt, dafl dieser nur den preußischen Beitrag 
umfaßt. Hessen selbst hat noch 3.21 Mill. M. aufzuwen- 
den (darunter als weitere Katen 1 SlilL M. für den Haupt- 
bahnhof Darmstadt und 0,9 Mill. M für die Hauptwerk- 
statten daselbst). 

Die Gesamtansprüche der ai Direktionen verteilen sich 
in 45187330 M. für Bahnhofs-Erweiterungen und 
Steflwerke, 4 3540000 M. füra.Glcisc, für 3. 11 4. Gleise 
sowie Verbind ungsbahnen und 3925000 M. für Hoch- 
und ßrückenbauten (erstere zumeist Werkstätten - An- 
lagen). Die neu auftretenden Ausführungen machen 
einen Gesamtbetrag von rd. 0,5 Mill. M. aus. 

Im Einzelnen ist folgendes hervorzuheben: Altona 
setzt als fernere Rate 3 Mill. M. für die Hamburger 
üahnhofanlagen an. In Berlin werden die im Vorjahre 
schon erwähnten Bauten fortgesetzt, darunter die Erwei- 
terung der Görlitzer Bahn mit 1 Mill M An neuen 
Forderungen sind hier 1,6 Mill. M. vorgesehen, darunter 
600000 M. für die Hochlegung der Bahnstrecke Po ts da tu - 
Wildpark, aoocoo M. für die Erweiterung des Güter- 
Bahnhofes Wilmersdorf -Friedenau der kingbahn, 
300000 M. für Brüekenverstärkungcn usw. Breslau setzt 
500000 M. als 1, Rate für die Erweiterung des Bahnhofes 
Görlitz an, Kassel 900000 M. für die Verbesserung der 
Strecke Leinefelde-Tre vsa. Köln fordert je 1 Mill. M 
für die Fortsetzung der Erweiterungsarbeiten der Balm- 
höfe in Neuss und Rheydt, ferner für den Rangicrbahn- 
hof Kalk- Nord. Für Daiizig ist eine i. Rate von 700000 M. 
für den Bau 3. u. 4. (»leise zwischen Pirschau-Marien- 
burg vorgesehen. Elberfeld setzt seine angefangenen 
Bauten in Schwerte. Vohwinkel. Opladen, M nlhcim 
a. Rh. fort, Erfurt die Erweiterung des Bahnhofes in 
Eisenach, Essen a. R. mit 1.4 Mill M. den Bau des 
Hafenbahnhofes südlich von Meiderich und den Bahn- 
hof Gelsenkirchen. Frankfurt a. M braucht 1 Mill M. 
zu den Fnrtselzungsarbeiten am Bahnhof Wiesbaden") und 
weitere Raten für den Neuhau des Pircktions- Gebäudes 
in Frankfurt selbst und für die Bahnhofe in Bebra und 
Homburg v. d. H. Halle a S. hat die große Aufgabe 
der Umgestaltung der Bahnhofanlagen in Leipzig*) 
(soweit diese Preußen zur Last fallen) und der anschließen- 
den Bahnstrecken durchzufahren. Für erstere Zwecke 
werden weitere 3 Mill. M., für den erforderlich werdenden 
Rangierbahnhof bei Wahren weitere 1.5 Mill. M. gefordert. 
Ueber das gesamte bedeutende Unternehmen gibt der an 



km vorgesehen, davon 1 1 74^ km 
mit eisernen Schwellen.) 



•) Veijl. die au«fahrlk hen Mittrituni;«« .Ulirj, loxr« Seite 3B 



anderer Stelle unseres Blattes schon teilweise erschienene 
Artikel näheren Aufschluß. Für Hannover sind 1.5 Mill. 
M. als 1. Rate für die Umgestaltung der Bahnanlagen zwi- 
schen Lehrte und Wunstorf vorgesehen. Auf die 
übrigen Einzclposten einzugehen verbietet uns der Raum. 

Aus dem Zcntralfonds sind 25 Mill M. zur Ver- 
mehrung der Betriebsmittel ausgeworfen und zwar 
ist die Beschaffung von 150 Lokomotiven, 310 Personen- 
und 3000 Gepäck- bezw. Güterwagen in Aussicht ge- 
nommen. Es sei liier gleich erwähnt, daß im Ordinarium 
für den gleichen Zweck 64 Mill. M. (d. h. io.8 Mill. M. 
mehr als 1903) angesetzt sind, aus welchen 530 Lokomo- 
tiven, 680 Personenwagen, 7000 Gepäck- und Güterwagen 
beschafft werden sollen. (Für die gewöhnliche Unter- 
haltung und Ergänzung der Betriebsmittel werden noch 
94.8 Mill. M. erforderlich.) Für die raschere Herstellung 
schweren Überbaues auf den wichtigeren Strecken 
sind, wie im Vorjahre, 15 Mill. M. verlangt. (Im Ordinarium 
ist die Erneuerung von 2ao7.98 k ' 
mit Ilolzschwellen, 1033,48 km 

Für elektrische Sicherungsanlagcn auf der 
Strecke werden weitere 2,3 Mill. M. ausgeworfen. Insge- 
samt sind seit 1894,95 f« 1 " diesen Zweck 10,3 Mill. bewilligt 
worden. Als letzte Rate für Weichen- und SignalstelT- 
werke sind ferner 1 Mill M. vorgesehen, Für die Durch- 
führung dieser Arbeit waren seit 1878/79 imganzen 24,8 Mill. 
M. bewilligt. Die späteren Arbeiten sind unter den bezüg- 
lichen EinzclansaUcn zu verrechnen. Ebenso wird eine letzte 
Rate von 600000 M. für Ausf ahrtssignalc eingestellt 

Für Dienstwohngcbäude für minderbesoldetc 
Beamte in den Grenzgebieten sind rund 1 Mill. M. vor- 
gesehen. Seit 1900 sind zu diesem Zweck 6 Mill. M. zur 
Verfügung gestellt worden. 

Auf einzelne im Ordinarium angesetzte Mittel haben 
wir schon hingewiesen. Insgesamt sind dort für bauliche 
Aufgaben 347.5 Mill. M. ausgeworfen, davon 188,7 ,ur dic 
Umgestaltung, Erneuerung und Ergänzung der baulichen 
Anlagen, 158,8 Mill. M. desgl für die Betriebsmittel und 
maschinellen Anlagen, 

Ueber den Zuwachs der Bahnlängen gibt der 
Etat in seinen Erläuterungen (olgenden Aufschluß: 

Es betrug am Schlüsse des Etatjahres 1902 die Ge- 
samtlänge der auf Rechnung der preußisch- hessischen 
Fiscntjahngcincinschaft betriebenen Bahnen: 

32 050,20 km , 

dazu > 266.41 „ für bis Ende März 1903 fertig gestellte 

33 316.61 «» bzw dcm Betrieb zu übergebende, 
ab 9,6» „ für Verkürzungen 

33306.97 k "'' 

Im Etatsjahr 19a! werden dann voraussichtlich noch 
weitere 645,10 km dem Betrieb übergeben werden können, 
sodafl die "iJlnge der «lern öfleritlichen Verkehr dienenden 
normalspurigen Eisenbahnen Ende 1904 betragen wird 
33952.07*», Pazu kommen noch i37,o k ">.Nchmalspurbahnen 
im Pircktionsbczirk Kattowitz, die an einen Unternehmer 
verpachtet sind. 48 k» im Pir.-Bcz. Erfurt, sclueßlich noch 
391,061» Anschlußbahnen für nicht öffentlic hen Verkehr. - 

Außer den vorstehend zusammengestellten etatmäßigen 



In zweiter Reihe bietet das moderne Warenhaus, über- 
haupt das großstädtische Geschäftshaus ein glückliches 
Uebungsfel<r für neue Ideen, das in den notwendigen 
Minimalstärkcn der Pfeiler, der erforderlichen organischen 
Verschmelzung von Eisen, Bronze und Stein, den kühnen 
Konstruktionen, um Raum, Platz und Licht zu gewinnen, 
seine großen Schwierigkeiten, aber auch seine dankbarsten 
und modernsten Aufgaben findet Kein Verständiger, auch 
der überzeugteste .Moderne nicht, wird zugeben können, 
daß hierbei schon eine Vollendung erreicht ist; noch harrt 
dabei eine Reihe künstlerischer Schwierigkeiten, u. a. dic 
Versöhnung der meist ülrcrm.lfJig stark betonten Vertikalen 
mit den Horizontalen des schützenden Daches, der Lösung; 
aber anderseits ist das, was hierin kurzer Zeit geschaffen 
wurde, so viel, so tüchtig und in seiner formalen Behandlung 
s.> neu und der neuen Aufgabe oft so glücklich angepaßt, 
wie es das vergangene Jahrhundert zu leisten nicht im- 
stande gewesen wäre. 

Einen weiteren Ruhmestitel bilden die Losungen vieler 
öffentlicher Denkmäler architektonischen Charakters Pas, 
was wir Baumeister stehon bei der Errichtung de» Nicdcr- 
walddenkmales vergeblich anstrebten: die Hei Stellung eines 
vorwiegend architektonischen Werkes, da- schon durch 
seine Massen die Aufgabe, ein weithin sichtbares Er- 
innerungszeichen zu sein, erfüllen »olltc und dessen gc- 
danklicher Inhalt sich in diskreter Wci-e erst den Nahe- 
kommenden kundgibt, das war leider damals noch nicht 
zu erreichen; und wenn wir durch unsere macht- und 
kraftvollen Eiiiincrungsbauten auf dem Deutschen Kck, 

66 



auf dem Kyffhäusrr und der Porta Wcstphalica u a., wenn 
wir durch'die rein symbolischen Bismarcksäulen hindurch 
bis zu einer Denkmalbehandlung der Bismarckidee kommen 
konnten, wie «ie das Hamburger Werk zeigen wird, »o 
ist das ein solcher Fortschritt, daß wir eine befruchtende 
Macht eines neuen Geistes ohne Einschränkung anerkennen 
können. Von diesen Hohen des modernen Schaffens, dic wir 
älteren Baumeister, welche die Lasten des 19 Jahrhunderts 
getragen haben, neidlos anerkennen, steigen wir meines 
Erachten* allerdings herab, wenn wir uns anderen Ge- 
bieten zuwenden. 

Ein Tummelplatz für die nicht sehr verantwortliche 
Augenblickskunst boten die Ausstellungen der letzten Jahre, 
wahrend der grossen Pariser Weltausstellung 1900 noch ein 
historisches, wenn auch phantastisch erweitertes Gewand 
anhaftete. Bei diesen neuesten Ausstcllungshauteii war 
viel Phrase und ausserhehe Mache; daneben aber auch 
Versuche von wirklich ncubildcndcr Kunst, du- bei diesen 
Gelegenheiten imstande waren, ihre Wirkungen und ihren 
Wert zu erproben. 

Wir müssen wohl auch noch herabsteigen, wenn wir 
uns der eigentlichen Liebling-aufgabe der modernen Bau- 
kunst, dem hürgcrl i c he 11W0I1 11 ha us e, zuwenden. Wenn 
hier durchweg der Anspruch erhoben wird, daß dasselbe 
nicht wie ein ircindes Gewand aussähe, welches man den 
Menschen anzieht, sondern wie die naturgemäße Beklei- 
dung der Bewohner, »u glaube ich — in aller Bescheiden- 
heit - daü 111.111, um dieses Ziel wirklich zu erreichen, 
noch einen weiten Weg zurücklegen 11111Ü Das bürger- 



No 11. 

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Ansätzen für bauliche Aufgaben sind noch eine Reihe be- 
sonderer Vorlagen in Aussicht gestellt, die wenigstens 
einen Teil der früheren großenwasserwirtschaftlichcn 
Vorlage ausmachen, so vor allem Mittel zur Bekämpfung 
der Hochwassergefahren, namentlich in Schle- 
sien, für die Herstellung eines Großschiffahrtsweges 
Berlin-Stettin und wenigstens für einen Teil des Mittel- 
landkanäle», nämlich für die Herstellung der Teilstrecke 
vom Rhein bis Hannover bezw. bis zur Weser. Das 
wichtigste Stück, von Hannover bis M agdeburg, ist in 



der in Aussicht gestellten Vorlage ausgeschaltet. Die Ver- 
bindung des Westens mit der Line und weiterhin mit der 
Rcichshauptstadt wird also nicht erreicht. Immerhin würde 
auch dieses Teilstock eine wesentliche Verbesserung 
unseres Wasserstraßennetzes bedeuten und nach unserer 
l 'cberzeugung die Fortsetzung bis zur Elbe schließlich 
doch nach sich ziehen müssen. Falls also nicht eine Ab- 
lehnung der verstümmelten Vorlage durch den Landtag 
erfolgt, so sind auch der Wasscrbauverwaltung auf Jahre 
hinaus wieder bedeutende Aufgaben gestellt. — 



Zur Frage des Neubaues der alten steinernen Brücke Uber die Donau in Regensburg. 

(Hin /u Air v,-,,|<ti in g auf S. »j) 




Donau-Brücke in der alten Reichsstadt Regensburg, die 
in den Jahren 1135 1146 unter der Regierung des bayeri- 
schen Herzogs Heinrich des Stolzen an Stelle einer 
alten Schiff- oder Holzbrückc errichtet wurde. Schlicht 



in ihren Formen, fast ohne jeden künstlerischen Schmuck, 
paßt sie sich mit ihren wuchtigen Pfeilern, ihrem leicht 
geschwungenen Grundriß und ihrem scharf gebrochenen 
Längenprofil doch so trefflich in das malerisch - schone 
Slädtebild ein, daß ihre Umgestaltung oder Beseitigung als 
ein schmerzlicher Fingriff empfunden werden muß, der 
nur dann berechtigt erscheint, wenn dringende, unabweis- 
bare Forderungen des Verkehrs bei einer Erhaltung des 
Kauwerkes ihre Befriedigung nicht mehr finden können. 

Wie bekannt, geht die bayerische Regierung mit dem 
Plane eines vollständigen Neubaues der Brücke um, da 
das alte Bauwerk dem Verkehr zwischen der Altstadt 
Regensburg und der neuen Vorstadt Stadtamhof nicht mehr 
genügt, da es mit Rücksicht auf Hochwasser- Abführung 
und Eisgang eine stete Gefahr für die niedrig gelegenen 
Stadtteile bedeutet, vor allem aber, weil es ein fast un- 
überwindliches Hindernis für die Schiffahrt bildet. Bei 
einem Ausbau der Donau als Großschiffahrtsweg mit einer 



liehe Wohnhaus und seine dem Bewohner anzupassende 
Erscheinung war schon das bewußte Streben der histo- 
rischen Periode. Am spätesten in Berlin, wo die ange- 
nehme Etage herrschte und wohl eigentlich noch herrscht, 
viel früher in Hamburg, Bremen, Kopenhagen; vor allem 
in London wurde dasselbe Ziel erstrebt und man durfte 
auch wohl seinerzeit zumteil den Anspruch erheben, es 
erreicht zu haben. 

Ob mit weniger oder mehr Recht wie heute, wer 
will das entscheiden? Früher mußte die Familie gotisch, 
renaissance oder barock zu leben sich bequemen, und 
heute muß sie auch wohl meist ohne eigenes Empfinden 
und inneren Drang sich den modernen Stil in Wohnung 
und Gerät gefallen lassen. 

I "nzweifelhaft ist aber das Bedürfnis gewachsen, das 
eigene Heim zu besitzen und e» mit der Kun^t unserer 
Tage zu schmücken, und ist dies als ein Verdienst der 
modernen Baukunst zu betrachten, (0 darf sie mit Genug- 
tuung darauf hingehen, aber sich darüber doch wohl kaum 
einer Täuschung hingeben, daß hier nicht die Wirkung der 
Kraft neuer Gedanken allein, sondern in weit höherem 
Grade die — Mode mitspricht. 

Das Aeußere des modernen bürgerlichen Wohnhauses 
zeigt, wie vielleicht kein zweites Gebiet, die unendliche 
Subjektivität der Zeit, nicht der Bewohner, das wäre •-ehr 
ideal, sondern der Baumeister. Von dem kokett Maleri- 
schen bis zum absichtlich Nüchternen und Trivialen ist 
jede Nuance vertreten. Soweit dabei die Beseitigung der 
historischen Formen infrage kommt, kann man, wie ich 



Verbindung durch den Donau-Main-Kanal zum Rhein, dem 
Endziele der wasserwirtschaftlichen Bestrebungen inBavcrn, 
würde die Brücke geradezu als eine Sperre wirken, deren 
Oeffnung eine Vorbedingung für den ganzen Plan ist 
Wenn auch mit Bedauern, so wird man sich aber doch 
der Einsicht nicht verschließen können, daß das Bauwerk 
in seiner jetzigen Form nicht erhalten werden kann, daß 
seine Tage gezählt sind. 

Die alte Brücke überschreitet die durch die Inseln 
Oberer und Unterer Wörth in zwei Arme gespaltene 
Donau zwischen den beiden nur durch eine schmale Laml- 
zunge zusammenhängenden Inseln, oberhalb der Einmün- 
dung des Regen-Flusses, mit 15 Wölbungen Durch eine 
vom Oberen Wörth stromabwärts vorgestreckte I~andzunge 
wird das imganzen rd. 300 m lange Bauwerk in 3 Teile 
geteilt, deren Oeffnungcn zwischen 10,45 bis 16,70 Licht- 
weite schwanken. Die 14 Pfeiler besitzen Stärken von 
5,85 bis 7,43 °» und sind auf Stcinschüttungcn gegründet, 
die als schmale Inseln (Vorbcschlächtc) zum Schutz gegen 
Unterspülung noch weiter stromauf geführt sind. Nahezu 
70% der gesamten Strombreite werden auf diese Weise 
in Anspruch genommen. Diese starke Profilverengerung 
bedingt natürlich einen erheblichen Aufstau oberhalb der 
Brücke und erzeugt ein Stromgefälle, da-- selbst von Dampf- 
schiffen bei der Bergfahrt nur schwer überwunden wer- 
den kann, während bei der Tallahrt größte Vorsicht ge- 
boten ist, um einen Anprall an den Pfeilern zu vermeiden. 

1 'aß letztere für die geregelte Abführung des I lochwassers 
und desEises ein bedenkliches! lindernis bilden, ist begreifl ich. 

Auch für den Straßenverkehr ist die jetzige Brücke 
mit knapp 8 m Gesamtbreite zwischen den Brüstungen, 
wovon 5 m auf den Fahrdamm entfallen, nicht mehr zu- 
reichend Die Regierung hat nun 2 Entwürfe für einen 
vollständigen Neubau aufgestellt, einen solchen in Stein 
und Eisen, dessen Kosten nach dem Voranschlag mit 

2 730000 M. abschließen, und einen vollständigen Massiv- 
bau mit 3250000 M Ge»amtkosten. Ob die Frage eines 
Umbaues, also einer teilweisen Erhaltung des alten Bau- 
werkes, näher geprüft wurde, ist uns nicht bekannt 

Die Linienführung, welche sich den jetzigen Verkehrs- 
Bedürfnissen anpaßt, ist bei beiden Entwürfen die gleiche. 
Auf der linken Seile wird die Verlängerung der Haupt- 
straße von Stadtamhof als Brückenachse beibehalten, wäh- 
rend auf dem rechten eine Verschiebung stattfinden toll, 



glaube, auch hier uneingeschränkt loben; was dagegen die 
subjektiven Ausdrucksmittel anbelangt, das willkürliche 
Durcheinander von Stein, Putz und Fachwerk, ohne jede 
innere oder äußere Notwendigkeit, die Ansätze monumen- 
taler Bauweise mit Ausklängen spielend dekorativer Kunst 
u. a . w ist dies, wie man annehmen darf, noch kein end- 
gültiger Ausdruck der Zeit. Ebensowenig wie das Nach- 
ahmen englischer oder amerikanischer Häuser oder llaus- 
tcilc mit ihren absichtlich roh gehaltenen Steinmauern, 
Blockhausformen, flach gerundeten Erkern usw. als Zu- 
kunftstypus für das deutsche Heim mit seinen unendlich 
anderen Bedürfnissen, die auch einen anderen Ausdruck 
fordern, angeschen werden kann 

Sehr schwer wird es mir, über das Innere des moder- 
nen Hauses objektiv zu sprechen, welches im allgemeinen 
uns Aelteren gegenüber der Stilromantik des ig Jahr- 
hunderts nüchtern erscheint Nüchtern und kahl, vielleicht 
aus dem Wunsch nach Gegensätzlichkeit, wohl aurh aus 
Ratlosigkeit und aus Mangel jeder Ueberliefcrung, viel- 
leicht auch aus der Absieht, die sehr wünschenswerte 
Einfachheit des Lebens symboliseh darzustellen. In den 
früheren Zeiten galten warme, stimmungsvolle Gemächer 
mit dunklem Getäfel und vollen, satten Wandtönen als 
behaglich; heute sind Dissonanzen, kalte, hart gegenein- 
ander gesetzte Farben, schlichte weiße oder modern 
rehefierte Stuckdecken, oder absichtlich im Material roh» 
gehaltene llolzdecken, mangelnde oder kurze Vorhänge, 
verbunden mit einer Ausstattung durch Möbel, welche 
uns wenigstens eist au) den ersten Stufen einer künstle- 



6 Februar 1904. 



''7 



sodati die Verlängerung der Straüe am Krauterer- Markt 
die B rücken richtung bestimmt. Dazwischen wird eine 
Krümmung von 150 m Halbmesser eingelegt. Der bisher 
da*. Brückenende bezeichnende Goliath •Turm fallt also 
nicht mehr in die neue Achse. Im übrigen geht es ohne 
einige weitere Eingriffe in den Stadtplan nicht ab. 

Bei dem Plan mit teilweise eisernem l'cbcrbau ist 
der mittlere Teil der Brücke zwischen den beiden Donau- 
armen in massiver Wölbung geplant (4 Ocffnungen zu je 
23.55™' T>cr nordliche Donauarm soll in einer Ocffnung 
von loa"", der südliche mit einer solchen von 93 mit 
über der Fahrbahn liegendem Bogen überspannt werden. 
Die Oesamtlichtweite stellt sich dann auf 389,2 m gegen- 
über 214,5a m bei dem jetzigen Bauwerk. Die Brücke soll 
7,5 m Fahrbahnbreite erhallen, während die ausgekragten 
Bürgersteige je 3" breit werden sollen. Die Steigungen 
würden r<T 1 : 45 und 1 : 33 auf der Kegensburger Seile 
bezw. am linken L'fer betragen. 

Eine ganz massive gewölbte Brücke mit 6 Oeffnungen 
würde eine etwas geringere l.ichtweite von 287 nl erhalten. 
Es sind dabei 2 Oeffnungen von je 43,5°' für den nord- 
lichen, je 2 von je 50" l.ichtweite für den mittleren Teil 



Vermischtes. 
Die 45. Hauptversammlung des „Vereins deutscher Inge- 
nieure" findet vom 6 - 8. Juni 1904 in Frankfurt a. M. statt. 

Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb der Gemeinde Tegel betrifft Entwürfe 
für eine Fahrkarten •Verkaufshallc, eine Bedürfnisanstalt, 
Schilder für Dampfer- Anlegestellen, einen I.ageplan zur 
Aufstellung dieser Gebäude, einen Plan für die Anordnung 
der Wege zu den Anlegestellen und zu den Anpflanzun- 
gen auf dem 1'fergelände am Tegeler .See. Es gelangen 
3 Preise von 250. 150 und 100M. zurVerteilung. Frist to.März 
d. J. Unterlagen gegen 2 M , die zurückerstattet werden. --- 

Für einen Monumentalbrunnen auf dem Melanchton- 
platte in Nürnberg sollen die Entwürfe auf dem Wege 
eines Idcenwettbcwcrbcs unter in Bayern wohnenden 
oder dort beheimateten Künstlern beschafft werden, Frist 
3t. Mai 1904. 3 Preise von 700, 500 und 300 M. Unter- 
lagen kostenfrei durch den Statmagistrat von Nürnberg. — 

Chronik. 

Ein neues Realgymnasium In Friedrichshagen wird na. h 

dem Entwurf der Architekten Jürg einen & Bach mann in Berlin 
errichtet. Die ßausumme betrügt sBoooo M. 

Ein neues Residenttheater In München für intime Ver- 
stellungen gedacht, ist an der Prinzregenlcri StraOe in der Nahe 
iles Nationaimuseuins geplant, da die Verhältnisse des allen Kcsidcn/- 
theaters zwischen Hofihealcr und Residenz im Falle einer Panik 
nicht die nötige Sicherheit bieten. — 

Die Freilegung der Sphinx bei den Pyramiden von Gizeh 
ist, wie au« Kairo berichte« wird, durch eine englische Gesellschaft 
geplant, an deren Spiue Charles Buyle «lebt. — 

St. Josefsklrche in Braunschwelg. Am ao Dez. v. JV wurde 
die neue, nach dem Entwurf des Hrn. Brt- Herzig in Hildeshcim 



der Brücke und den südlichen Arm geplant. Die Steigtmgs- 
Verhältnisse werden etwas ungünstiger. Sie stellen sich 
auf rd. 1 : 35 auf der Kegensburger Seite, gegenüber aber 
auf 1 : 20 (TalN diese den Tagesblattem entnommene An- 
gabe tatsächlich richtig ist). 

Wenn auch die Rücksichten auf Verkehr und Kosten 
vielleicht mehr für den Entwurf mit teilweiser Ausführung 
in Eisen sprechen, so möchten wir doch der Hoffnung 
Ausdruck geben, daß trotzdem ein Massivbau zur Aus- 
führung kommen wird und zwar in einer Gestaltung, 
die sich ebenso schlicht und anspruchslos in die Um- 
gebung einpaßt, wie das bei dem jetzigen Bauwerk der 
Kall war. Eine Brücke mit eisernem, über der Fahrbahn 
liegendem Ucbcrbau würde dagegen ein fremdes Moment 
in das Städtebild tragen, dessen malerischer Eindruck da- 
durch unzweifelhaft schwere Einbuße erleiden würde. 
Die Zahl malerischer alter deutscher Städtebilder ist nicht 
übergroß, Möge man sich daher bei jedem Eingriff vor 
Augen halten, wie weit sich die Erfüllung zwingender 
Verkehrs-Bedürfnisse mit einer möglichsten Erhaltung des 
Vorhandenen vereinbaren lallt 

Fr E. 



ausgeführte St. Josefskirche in Braunsrhweig, eine gewölbte Basilika 
in frQhgouscheia Backstrinslil für 1600 Kirchgänger, in Gebtauch 
genommen. — 

Kanalisation von Saarbrücken. Für die Stadt Saarbrücken 
ist vom Ingenieur - Bureau Unna Nacbf. in Köln der Entwurf fnr 
die Kanalisation ausgearbeitet worden. Die Uausumme betragt 
etwa t 000 000 M. — 

Eine Ausmalung des Reprlsentationssaales des alten 
Domprobsteigebaudes XU Halberstadt erfolgt nach den Ent- 
würfen de« Millers 0. Karloesius in Berlin. — 

Eine Gottfried Semper- Ausstellung in Kamburg veran- 
staltete da* dortige Kun«tgewcrbe-MuM.-um. Sie enthielt last das 
gesamte Lebenswerk des Meisters, von seinen ersten Anfangen an 
bis zu den Monumentalbauten Wiens. - 

Freilegung des kgl. Schlosses In Königsberg In Pr. In 
Königsberg i l'r. werden die Neubauten zur Krcilegung des kgl. 
Schlosscs nach dem s Zt (vergl. Dlsche flauztg vom 5. Sept. 1903) 
in einem öffentlichen Wettbewerbe mit dem I Preis ausgezeich- 
neten Entwurf des Architekten Jos Kranke zu Gelsenkirchen und 
unter denen Leitung amgefdhrl. — 



Brief- und Fragekasten. 

Anfragen an den Leserkreis. 
Welche Ei fatirungen sind in dem in Nu. 6a, Jahrg. 1903 der 
.Deutschen IJauzeitunj;' bc>|>io< licn-.i .Wach« iizroetall' ge- 
macht worden ? — K. G in U 



lr.hait; lljr Atbrilrthril-UKm (Ii i l-litl<l--vViT-i< limitt^-anMAll Berlin 
lici Ürclitz. - Llas H-,uwr%i-n im rreurjuschrn Huatsruuihall (Qr das Vcr- 
WiltiliiZ^juhr 1904 (s.hhiti). — Da- Moderne in dir Atcililrktur drr .Neu- 
heit iSrhluSl. — Zur Kra^r dl« NYubaue» di r alten tu-ilirrorll Hlfl.kr fllKT 
die Donau ut Ki-i;rii0.uij — VnniKihlr«. Plrisbewrrbtnigen. — CbnimL 
— Brief- und Kragi-kasten. 

Hierzu eine Doppel-Bildbeilage: Die ArhcitcrhcilstäUen der 
I.andcs-Versichcrungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Vertag der Deutschen Rsuzxllung. G. m. b. II Berlin. Für dt« Redakaoo 
Yrrsi.l-.ord- Albert Hofmsrin. rJerUn Druck von Wilh- Gre»e, Berlin. 



Tischen Neubildung zu stehen scheinen, das Ideal eines 
bürgerlichen Zimmers. 

Manegen entstellt unzweifelhaft aber auch beim städti- 
schen bürgerlichen Wohnhaus, insbesondere dem gewöhn- 
lichen Miethause, der modernen Kunst ein Ruhmestitel aus 
der Bekämpfung der historisch sich gebenden Gips- und 
.Stuckarchitektur und aus der an die Stelle tretenden künstle- 
rischen Ausbildung des Putzbaucs als solcher, und 
solche Taten durften wertvoller, wichtiger und zukunfts- 
reicher sein, wie viele andere mit großer Reklame insWerk 
gesetzt« - , künstlich und gewalttätig modern sich gebende 
Schöpfungen, denen eine gesunde Grundlage mangelt. 

Zu den Gebieten, auf welche die moderne Architektur 
erst im Werke ist, größeren Einfluß zu gewinnen, gehören 
Rathäuser und andere öffentliche Gebäude, ebenso die 
Kuchen. Die enteren verhalten sich der Bewegung gegen- 
über noch zurückhaltend, weil die Verantwortung gewöhn- 
lich von Behörden oder vielköpfigen Vertretungen ge- 
tragen werden muß Die Kirchen stehen bis heute noch 
zu sehr unter dem EinfluU der historischen Vergangenheit, 
die hier schwerer zu erschüttern ist als hei Aufgaben moder- 
nen Lebens, welche keine l 'eberliefei ung kennen. Was 
angestrebt wird, um auch dieses Reich zu erobern, sieht 
vor der Hand noch meist auf dein Papier und k' •111:111 
wohl auch, mit dem wohlwollendsten Auge betrachtet, 
kaum über den Versuch hinaus, wobei wuchtige, ge- 
waltige Massen, effektvoll verteilte llcünungcn und ein 
das Mystische anstrebender Gesamteindruck ihr» gewohnt 
Kirchliche der Tradition ersetzen sollen 

Wenden wir uns zum Schiuli der A 11 - - 1 at 1 11 n g der 
Mauser, dem Mobiliar, zu. so können wir mit einem 

68 



großen Verdienst des modernen Schaffens beginnen. Ein 
solches Lst unbestreitbar hier vor allem die Vernichtung 
der historischen A reh itckt Urformen am Mobiliar 
und, zunächst England folgend, die Ersetzung derselben 
durch einen Formalismus, der sieh aus dein Material und 
der Konstruktion, mit einem Wort aus der Tischler- und 
Bildhauerkunst, von selbst ergibt. 

Ware dieser so einfache, natürliche und gesunde Vor- 
gang das leitende Prinzip geblieben, verbunden mit wirk- 
licher Zweckmäßigkeit und wirklicher Bequemlichkeit, 
so konnten wir auch hier sagen: „Hut ab vor der mutigen, 
befreienden Tut'." I.eulcr ist es nicht ganz so; auch 
hier hat das Schweifende des subjektiven Empfindens, 
die Sucht nach Originalität und dem sich zur Geltung 
Bringen mehr i'nrciles. Unlogisches und Unpraktisches 
geschaffen, wie da-. Gegenteil, und dem Material, na- 
mentlich dein Holz, eine Gewalt angetan, die wohl aus 
der veivollkoniniiieteren Technik zu erklären, aber künst- 
le 11 sc h schwer zu rechtfertigen ist 

Soviel sieht lesi; die moderne Ai ehitektiir-Bcwegung 
in ihrer Gesamtheit, 111 ihrem Wollen und ihren bebten 
Werken stellt eine groliartigeT.it dar, die sich den frucht- 
barsten Perioden kim-U-ri-elu n Schaffens in dei Geschichte 
wohl vergleichen lä'.H. 

Wir »telien als unverantwortliche Mitlebcinle der tiefen 
künstlerischen Erregung unserer Tage, die weitere Ent- 
wicklung abwartend, gegenüber, Der einzelne Mensch, der 
einzelne Künstler vermag nicht, sich dem rollenden Rade 
der Zeit entgegcnziisteiiinien, und wenn er noch so sehr 
von der Notwendigkeit de- Widerstandes nbcr/ctigt ist." - 

Job Oizen. 

N« n 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2: 12. BERLIN, DEN 10. FEBR. 1904 





Die Arbelterhellstätlen der Landea-Verslcherungianitalt Berlin bei Beelitz. Werkatalt-Gebaude und Kegelbahn. 

Architekten: Schmieden St Borth kr in Berlin. 

Die Ausführung des Empfangs -Gebäudes des Hauptbahnhofes in Hamburg, insbesondere die 

Gründungsarbeiten. 

(Nach einem Vortlage des Hrn. fäsenb -Bnuinnp. Ernit Hoeller, gehalten im Arrhilcktrn- und Ingenieur- Verein iu Hamburg). 



l*jsVer Plan (Cr die Ausgestaltung des I Iauptbahnhof- 
HMj Gebäudes in Hamburg ist jetzt soweit gediehen, 
fe— ' - daß sieh Ober dieselbe nähere Mitteilungen machen 
lassen. Eigentümlich und fast ohne Vorbild ist für den 
Hahnhof die tiefe Lage der (.Heise zu den umgehenden 
Straßen. In Harburg ist allerdings schon eine derartige An- 
lage vorhanden, doch kann diese sowohl hinsichtlich ihrer 
Größe als auch bezüglich des durch sie zu bewältieendrn 
Verkehres nicht mit dem Hahnhof in Hamburg verglichen 
und nicht als Vorbild für die monumentale Ausgestaltung 
dieses Hauwerkes herangezogen werden. Aehnhche Ver- 
hältnisse wie bei dem Hamburger Hahnhof liegen bei dem 
Hahnhof am Quai d'Orsay der Orlcans-Bahn in Paris 
vor, jedoch Ist dieser eine Kopfstation und bietet des- 
halb für die architektonische Behandlung nicht die glei- 
chen Schwierigkeiten. 

Eine ästhetische Wirkung ist bei dem Hauptbahnhof in 
Hamburg wegen der fehlenden Höhe - die Bahnsteige und 
somit auch die Füße der Bahnsteighallen - Binder liegen 
6 bis 7,5 m unter der Straßrnoherkante - sehr schwer zu 
erreichen. Erst durch eingehende Studien ist es gelungen, 
einen nach dieser Kichtung befriedigenden Entwurf /u 
erlangen. Her Grundriß, welcher schon längere Zeit fest- 
steht, ist sowohl hinsichtlich der Bedürfnisse des Hetriebes 
als derjenigen der Reisenden zweckmäßig, übersichtlich 
und weiträumig gelöst 

Hie Halle erhält eine Ijlnge von 140 und eine Breite 
von im™; sie ist überdacht durch einen mittleren Bogen 



von 7* m Spannweite und 35 m Höhe, s, (W ic durch zwei 
Scitenhallen von je 30,5 m Hreite, welche in mehrere Quer- 
schiffe geteilt sind, deren Achsen senkrecht zu den Achsen 
der Haupthalle stehen. Die Breite der Querschiffe ent- 
spricht der Bindcrtrilung der Haupthalle, sie ist infolge 
der nach einem Halbmesser von 900 m gekrümmten Ach-e 
der mittleren Halle verschieden groß und beträgt an der 
Seite des Glockcngicßcrwallrs 14,5"', an der Seite der 
Kirchenallee 16,5 « 

Hie aus dem Wettbewerb für den Hauptbnhnhof her- 
vorgegangene Form der Halle lehnt sich an diejenige der 
groß« 11 Maschinenhalle .»ist ilei 1'ariserW clt-Ati-stellung '• "'" 
Jahre 1880. an, doch hat man in Hamburg durch Anord- 
nung der Scitenhallen eine gute t'ebertragung des Wind- 
druckes auf die beiderseitigen l.andfcstcn erreicht Mit 
den vorerwähnten Abmessungen wird die Halle die größte 
von allen Bahnhofshallen Deutschlands, und sie gibt durch 
ihre große Höhe dem ganzen Gebäude ein charakteristi- 
sches Gepräge. An der Nordseite der Halle befindet sich 
der alle 12 (ileise überbrückende Querbau des Gebäudes, 
in welchem an der West- und ( Klseitc je eine Eingangs- 
und Atisgnngshallr mit Fahrkartenschaltern. Gepäckannahme 
und Ausgabe liegen, welche durch eine 17"» breite Quer- 
halle mit einander verbunden sind. An der Nordseite der 
Vcrbindungshallr sind die Wartesäle angeordnet, ferner 
ein Speisesaal, die Abortanlagen und einige Betriebsräume, 
während sich an der Südseite der Ausgangshallc eine he- 
sondere Halle für den Stadtbahnverkehr unmittelbar an- 



69 

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schließt. Von der durch eine Glaswand gegen die große 
Bahnhofshalle abgeschlossenen Verbindungshalle führen 
Treppen und Aufzüge zu den Bahnsteigen hinab. 

Die architektonische Wirkung der Vcrbindungshalle 
wird durch ihre stattliche Breite, sowie dadurch, daß die 
Ueberdachung der großen Bahnsteighalle über die Ver- 
bindungshailc und einen kleinen Teil der nördlich von ihr 
liegenden Räume hinweggeführt ist, günstig beeinflußt 
Die Firstlinie der großen Halle liegt noch etwa ao m Ober 
der Oberkante der vorgenannten, in die Vcrbindungshalle 
hineinragenden Räume, sodaß oberhalb der letzteren noch 
ein erheblicher Teil der nördlichen Absehlußsehürzc der 
Haupthalle sichtbar bleibt und der Einbau dieser Räume 
in die Ueberdachung der Vcrbindungshalle eine günstige 
Gelegenheit zu malerischen Motiven in der architektoni- 
schen Ausgestaltung bietet. Im Aeußeren bildet die über 
die Verbindungshalte hinweg vorgeschobene mittlere Bahn- 
steighalle das alle übrigen Baukörper beherrschende Motiv, 
dem sich die Eingangshallen, der Warlesaalbau und die 
sonstigen Vorbauten anschmiegen. 

Der Entwurf für das Empfangsgebäude ist betreffs 
seiner architektonischen Gestaltung durch die Hrn. Arch. 
Reinhardt & Sflsscnguth in Charlottcnburg unter Mit- 
wirkung der kgl. Eisenbahn-Direktion Altona aufge- 
stellt worden, durch welch' letztere auch die Entwurfs- 
Bearbeitung betreffsderGesamtanordnungundderkonstnik- 
tiven Durchbildung erfolgt isL Dieser Entwurf hat die Zu- 
stimmung des Hrn. Ministers der öffentlichen Arbeiten 
und des I lamhurgcr Senates erhalten. 

Interessant war die Gründung der Gebäude, die be- 
reits im wesentlichen fertig gestellt ist. Der Baugrund 
ist an der Ostseite gut und gestattete eine unmittelbare 
Betonierung auf den gewachsenen Boden, Der Teil des 
Stadtgrabens, welcher in die Grundrißfläche des Gebäudes 
fällt, wurde von beiden Seiten her mit Sand zugeschüttet 
und dadurch der Schlick aus demselben herausgedrängt. 
Schwieriger gestaltete sich die Gründung an der West- 
seite. Dort hatten die Bohrungen einen sehr wechselnden 
Baugrund ergeben, die Folge des hier einst vorhandenen, 
später zugeschütteten Stadtgrabens. Es war zunächst vor- 
geschlagen, den Bauplatz im Bereiche des alten Stadt- 
grabens mit Brunnen zu umgeben, um durch Pumpen den 
Wasserstand zu senken, ohne die oben liegenden Sand- 
schichten zu lockern. Dieser Versuch mußte aufgegeben 
werden, weil der sehr feine Sand ein Pumpen in den 
Brunnen unmöglich machte. Man hat dann den ver- 
bleibenden Teil des Stadlgrabens durch unmittelbares 
Auspumpen trocken gelegt, ohne daß dadurch eine unzu- 
lässige Auflockerung des Baugrundes eingetreten wäre. 

Große Schwierigkeiten entstanden dadurch, daß bei 
Herstellung der Pleilerfundamente die weitestgehende 
Rücksicht auf den Betrieb genommen werden mußte, was 
wiederholte Verlegungen der Betriebsgleise erforderte. 
Die Gründung des nördlichen Querbaues mußte unabhängig 



von den in demselben befindlichen Wänden, lediglich mit 
Rücksicht auf die Pfeilerstellungen zwischen den Gleisen 
erfolgen. Es erforderte dies recht erhebliche Eisenkon- 
struktionen mit Spannweiten von 11—15"» * ur Ucbertragung 
der Lasten der Mauern auf die nicht unmittelbar unter 
ihnen stehenden Pfeiler. 

Für die in dem alten Stadtgraben stehenden west- 
lichen Kasematten hat man eine Gründung auf Eisen- 
betonpfählen nach dem System Hennebiquc gewählt, 
weil hier der feste Grund erst in einer wechselnden Tiefe 
von 5 — 9 m unter Schienenoberkante anzutreffen ist. Das 
Verfahren hat sich unter Anwendung der einen Gegen- 
stand des Hennebique'schen Patentes bildenden Schlag- 
haube, durch welche unter Anwendung einer Sägemehl- 
Füllung zwischen dem Rammbär und dem Pfahlkopfe ein 
elastisches Mittel eingefügt wird, sehr bewährt, Unter 600 
geschlagenen Ifählen sind nur 3 zerbrochen. Die ver- 
wendeten Pfähle haben durchweg quadratischen Quer- 
schnitt von 36™ Seite mit Rundeiseneinlagen an den 
Ecken von 25«"» im Durchmesser, welche 8"» von den 
Betonkanten abstehen und ihrerseits in Abständen von 
rd. 25"» durch Quer-Rundciscnbügcl verbunden sind. Das 
Stampfen der Pfähle erfolgt in lotrechter Stellung. Das 
Mischungsverhältnis des Betons ist 1:3 bis 1 : 3,5. Sehr 
wichtig ist die Einhaltung bestimmter Korngrößen von 
Sand und Kies, auch muß das Material sorgfältig gewaschen 
werden Die fertig gestampften Pfahle bleiben 2 — 3 Tage 
eingeschalt stehen, müssen dann noch r^ Tage begossen 



werden und können erst nach 



6 \\ oehen gerammt 



werden. Die von der Firma Menck & llimhrnk in 
Hamburg hergestellte Ramme gestattet ein sehr genaues 
Einstellen des Pfahles und ermöglicht, demselben eine 
Neigung von 1 : 5 nach vorn und 1 ; 10 nach rückwärts zu 
geben. Das Gewicht des Ramtnbärs beträgt 4000*1:, die 
Fallhöhe 1,3- 1,4 m . Bclastungsvcrsuchc haben ergeben, 
daß die Pfähle, wenn sie unter diesen Verhältnissen zum 
Schluß noch 1 •""> für 1 Schlag ziehen, eine Last von 50 
bis 52' dauernd tragen können; bei einer Probchelastung 
von 85 ' ist nach 10 Tagen eine Senkung von nur 2 
beobachtet worden. 

Nach erfolgter Rammung werden die Pfahlköpfc durch 
eine Betoneisenplatte von 70"" Stärke verbunden, in welche 
die Rundeiseneinlagen der Pfahle noch id. 50 einbinden. 
Die Mischung des Betons für diese Platten beträgt 1:4. 
Die Kosten der Eiscnhetonpfahl - Gründung werden in 
obigem Falle derjenigen einer Betongründung nahezu 
gleich sein; es wird aber bei derselben an Zeit gespart, 
da die schwierige Erdarheit für den Aushub bis zum 
Grundwasserstand entfällt. Ein Pfahl kostet für 1 lfd. ■> 
etwa 17—17,5 M. 

Die Ausführung dieser Rammung einschl. der Her- 
stellung der Pfähle war von Ilm. Ing. Deimling in 
Hamburg übernommen und ist zur vollsten Zufriedenheit 
der Bauverwaltutig ausgeführt worden. — jj m 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u. Inj.- Verein zu Hamburg. Vers, am 13. Nov. 1903. 
Vors. Hr. Zimmermann, anwes. Personen, aufgen. 
die Hrn. Bmstr. Niestradt und big. Orthmann. 

Hr. Himmel heber macht Mitteilungen über „Licht- 
pausverfahren und Heliosdruck": Seit Erfindung 
der lichtempfindlichen Eiscnpapicrc i. J. 1840 durch John 
Hcrschel hat das Lichtpausverfahren einen solchen Umfang 
angenommen, daß heute kaum noch technische Arbeiten 
ohne Benutzung von Lichtpausen vorkommen. Die Licht- 
pausverfahren zerfallen in zwei Hauptgruppen, in solche, 
welche Halbtöne der Zeichnung wiedergeben und solche, 
welche dies nicht tun. Frsterc sind daher meist auch mit 
einer minder scharfen Zeichnung ausführbar; zu ihnen 
gehören die Verfahren mit Sepia- (braun), Eisen- (blau» 
und Galiuseisen- (schwarz) Papier. Das Braunpapier ist 
lichtempfindlich, aber als Negativabdruck mit braunem 
Grund wenig verwendbar; man kann jedoch von einem 
dünnen Spiegelbildnegativ Positive mit weißem Grunde 
hcrslellcn, wenn die Zeichnung kräftig ist. Das blau- 
saure Eisenpapier ist am weitesten verbreitet, da zur Ent- 
wicklung ein Wasserbad genügt und die Bilder von großer 
Schärfe ~ind, Nachteilig ist bei Blauzcichnungcn die große 
Empfindlichkeit des Blaupapieres gegen Kalk, der weiße 
Flecke erzeugt. PhotographLsehc Abzüge werden durch 
Zusatz von doppclt-chrumsaurcm Kali zum Wasserbade 



klarer 



Das <J 



iiuuseisenpai 



würde verbreiteter -ein, il 



wenn es weniger empfindlich bei der Heistellung und 
Aufbewahrung wäre Das Papier ist entweder sehr teuer 
oiler brüchig.' Klare Bilder erfordern eine besonders 
scharfe Zeichnung. Zur Entwicklung genügt neuerdings 
ein Wasserhad. 



Zu der Gruppe ohne Halbtöne gehört die Negrographie 
und eine Anzahl neuer unter einander verwandter Ver- 
fahren, wie Helios-, Papyro-, Kohle-, Pausia-, Zinkdruck u a. 
Bei diesen Verfahren findet keine Färbung des Papiers 
durch das Licht statt, sondern sie beruhen auf der Er- 
scheinung, daß Gummilösungen, mit einem Chromsalz ge- 
mischt, durch Belichtung unlöslich werden. Bei der von 
Itersheim in Wien erfundenen Negrographie wird das mit 
einer chromsalzhaltigen Gummilösung bestrichene Papier 
belichtet und darnach ganz geschwärzt. Ein Säurebad 
entfernt alsdann die unlöslich gewordene Gummischicht 
samt der Farbschicht, während dort, wo die Gummischicht 
löslich geblieben ist, die Farbe in das Papier eindringt 
und fest haftet. Nach dem Auswaschen des Papiers bleibt 
eine schwarzweiße, sehr klare Zeichnung ohne icden Halb- 
ton. Die Zeichnung muß aber gut decken. Beim Helios- 
druck und den anderen Druckverfahren wird eine Mctall- 
( Aluminium «Hier Zink 1 Platte in einer der vorbeschriebenen 
ähnlichen Weise so behandelt, daß schließlich die licht- 
geschützten Stellen einen Uebcrzug von Fettschwärzc er- 
hallen, so daß die Platten, wie beim Steindruck, zum 
Druck beliebig vieler Abzüge benutzt werden können. 
Hierbei sind jedoch eine Reihe erheblicher Schwierig- 
keiten zu überwinden, weshalb die verschiedenen Ver- 
fahren geheim gehalten werden, Die Abdrücke sind jedoch 
von großer Scharfe, Genauigkeit und Schönheit, so daß 
dic-.es Verfahren, das bei einer größeren Zahl von Ab- 
drücken auch billiger ist als jedes andere, die älteren 
Verfahren auf vielen, auch nichttechnischen Gebieten ver- 
d rängen dürfte. Voraussetzung für das Gelingen ist eine 
gute Zeichnung, die aber nur einen geringen Mehraufwand 
an Mühe und Sorgfalt erfordert, Redner führte eine 
Reihe wohlgelungener Heliosdrucke und Druckplatten 



NO. 12 

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vor. Auf Anfrage teilt Redner mit, daß die Genauigkeit 
beim Heliosdruck daher rühre, daß bei der Ufrsteilung 
der Platte jede Ungenauiglceit durch Verziehen aus- 
geschlossen sei, beim I >nickcn sei zwar eine geringe An- 
feuchtung des Papieres notwendig, diese beeinträchtige 
jedoch die Genauigkeit nicht. — 

Unter den kleineren Mitteilungen der Tagesordnung 
spricht Hr. Haller u. a. Ober seine Vorstudien zum Bau 
des von J. Lacifl gestifteten Hamburger Konzerthauses, 
insbesondere Ober die akustisch-szenischen Ver- 
suche im Heidelberger Konzerthause. Man hat 
dort die je a m breiten Stufen des Podiums der I löhe nach 
verstellbar gemacht, so daß man die Instrumente oder 
Chöre entweder in der Tiefe verstärken oder emporheben 
kann. Davor befindet sich eine Schallwand, hinter der 
neben dem Leitenden die (»riger sitzen, wodurch sie be- 
sonders gut zur Wirkung kommen. Redner halt die 
Heidelberger Versuche in akustischer Hinsicht, nicht aber 



Hierauf sprach Hr. I-.rnst Möller über die (Jrün- 
dungs-Arbeiten für den Hauptbahnhof in Hamburg, 
wobei ein reiches Material an Zeichnungen vorgeführt 
wurde. Wir geben den Inhalt des interessanten Vortrages 
auszugsweise an anderer Stelle wieder. — j| m 

Preisbewerbungen. 
In einem Wettbewerb der „Deutschen Gesellschaft für 
christliche Kunst" betr. Kntwürfe (Dreine Kirche in Son d e r s - 
hausen errangen den I. und III. Preis die Hrn. Gebr. Rank 
in München; den II. Prei* Hr. A. Bachmann in München 
und den IV. Preis Hr. Kurz in Tutzing. — 

Chronik. 

Der Bau eines neuen mllltlr • geographischen Institutes 
In Wien auf dem Gelinde der ehemaligen Josefstodtcr Reiter- 
kaserne ist begonnen worden. Der iooj in Benutzung ju nehmende 





5R~t vT- 



— u . 



Dle'Arbelterheilstatten der Landes -Ver- 
sicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Architekten : Schmieden A Boethkc 
in Berlin. 

Das Gartacrhius und Gründl iü de« 
Verwaltungs-Gebaudet. 



hinsichtlich der Experimente mit I.ichtwirkungen für nach- 
ahmenswert. — St. 

Vers, am 20. Nov. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, 
anwrs. 104 Pcrs. 

Nach einer Ansprache des Vorsitzenden ehrt die Ver- 
sammlung das .Wienken des verstorbenen Vereinsmit- 
gliedes Hrn. J. H. C. Ehlers durch Erheben von den Sitzen. 
Eingegangen sind im Austausch gegen die diesseits den 
Vereinen zugeschickten Jahresberichte eine Anzahl Ver- 
einsberichte des Arch.- und Ing. -Vereins für Niederrhein 
und Westfalen, ferner eine Anzahl von Dankschreiben 
verschiedener der verbundenen Vereine für die Zusendung 
der Denkschrift Ober die Arbeiter -Wohnhausfragc. 

10. Februar 1904. 



Bau wird rd. a Mill. Kr. kosten; seine An hitrkten sind die Bite. 
Sligler und Sicdck. — 

Der Neubau eines Inkurablenhauses derServatlus-Stlftung 
in Augsburg ist mit rinrm Aufwände von 600 oco M in Aussicht 
genommen. — 

Mit der Errichtung eines Schwindbrunnens In Wien 

ist der Bildhauer Schimkowitz in Wien betraut worden. I»er 
Brunnen soll in der Umgebung der Hofmusecn aufgestellt werden. 
Die Mittel sind von einigen Mäcenen aufgebracht worden. — 

Ein Stadttheater In Bremerhaven ist von den dortigen 
städtischen Kollegien zu bauen beschlossen worden. I>ie Kosten 
sind auf 650000 M. veranschlagt. — 

Eine Ausstellung von Arbelten der Archltektenflrma 
Albert Schutte 4t Volmer In Bannen fand in der Kuhmeshalle 
in Barmen statt und betraf vorwiegend den Wohnhausbau — 



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Ein städtisches Museum in Landshut toll na. Ii Umbau de» 
Hopfenaladl eingerichtet werden — 

Für ein Rudolf Virchow-Denkmal in Berlin ist der Kails- 
plan, der Charit«'- unmittelbar benachbart, bestimmt woidcn. — 

Ein Denkmal für Gustav Preytag wird in den Kursnla^cn 
von Wiesbilden aur Aufstellung gelängen. Das Denkmal fertigt 
Prof. Frtcdr. Scbaper in Berlin au« Marmor von der Insel Elba — 

Dl« Errichtung eines Luitpoldbrunnens in Ansbach ist 
durch die Gemcindckollegien beschlossen worden. Der Brunnen 
soll zum so- Mai 1906, der Wiederkehr des Tage*, »n welchem vor 
100 Jahren Ansbach mit Rayern vereinigt wurde, enthflllt werden. 
Für die Erstellung dea Brunnens sind 40000 M- angesetzt. — 

Ein Nationaltheater In Klausenburg gelangt nach den Kni- 
würfen von Fellnei & Hclmer in Wien mr F.rriohtung. — 

Eine Turnhalle In Schweinfurt gelangt nach dem aus einen» 
engeren Wettbewerb hervorgegangenen Entwurf des Ilm Anh. 
Heinr. Egclsehr in Nürnberg zur Ausführung. — 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Ihr. Otto I. eitholf in Berlin ist 
zum nichtstlnd Mitgl. des F'al -Amtes ernannt 

Zum 1. April werden versetzt: Die Geh. Mar.-Brte. und Sehiff- 
hau-Dir. H o s a f e I d von Kiel nach Danzig und W i c 9 i n g e r von 



-m l><-i<l würde llnicn Resehweidc an den Regicruogs-1 



sidcntcii 



Danzig 



Kiel. 



Oer Geh. Ob.-Brt. und vortr. Rat v. Rosainsky ist zum 
Chef der Bauabt im Kriegsminist , der Int.- und Bit , char Geh. 
Brt. Abrendt» ist zum Geh. Bit und vortr. Rat im Kriegsminist, 
ernannt — Dem Int.- u Brt. Saiggc in Slraßburg i F_ ist der Char. 
als Geh. Brt. verliehen 

Dem Int.- u. Brt. Winter im baver. Krirgsitiiiiiit ist der 
Tit. und Rang eines Geh. Bris, verliehen. 

Bayern. Der Ob.-Bauinsp. Stein in Kilzingcn ist auf *. 
Ansuchen auf die Dauer 1 Jahre« und der Dir -A-s. Knorz in 
Nürnberg auf die Dauer ciue« halben Jahres in den Ruhestand 
versetzt. 

PreuOen. Au* Anlaß des Krönung«- und < Ir.lcnslrstes Müd 
folgende Ordens-Auszeichnungen verliehen: Den Geh. Reg Katen 
und Prof. Dr. Hauck an clcr Tcchn. Hochschule in Berlin und 
Dr. Intze an der Terhn. Hochschule in Aachen der Rute Adler- 
Orden II. Kl mit Eichenlaub 

Den Brtn A 1 1 e 11 d o r ( f in Bromberg und A r 11 d t in Rends- 
burg, dem Reg - u. Brt Back« in Breslau, den Brtn. Basse und 
Blunck in Straflburg i. E, den Reg - 11 Brtn Boedccker in 
Berlin und Brunn in Posen, dein Eisc-ub -Dir. C lasse 11 in 
Osnabrück, dem Bit. v. Cloedt in Foibach, den Reg- 11 B1I11 
Dieael im Ren hscisrnb -Amt und Falk c in Rellin, dt rn Eisenb - 
Dir. Fried rirhsen in Münster i W, dein Mar Ob.. Brt. Kritz 
in Kiel, den Reg.- u Brtn H <> 1 v e 1 s c h e i t in Hannover und 
Horn IQ Minden, dem Eiscnb -Dir Kelhc in Brauristhwrig drni 
Reg- u Brt K i c c k h o f c r in Licgnitz, dem Mar -Ot> -Bit K I a m- 
rolh von der Mar, Akademie, d Reg. u. Brtn. König in Oppeln, 
Paul Lehmann in Konigsbeig i IV und Liepe in Mainz, dem 
Geh. Reg. Rat Lutsch, vortr Uat in Berlin, dem Brt. Mylius 
in Berlin, den Reg ■ u. Brtn P I a c h e t k a in Berlin uml P r o rn n i t z 
in Hannover, dem Mar -Brt- Radant in Wilhelmshaven, d'tu 
Geh Brt. Richard, vortr. Rat in Berlin, dem Reg - u. Brt Dr. 
v. Ritgen in Berlin, dem Brt. Schalk in Neiße, dem F.Weob- 
Dir Sc Iii wo ti in Liegnitz, den Reg - u Brtn Schmedding 
in Essen und Schneider in Posen, dem hess. Eisenb - Dir. 
Schoberth in Mainz, den Reg - u. Brtn Schwund! ii. Bei Im, 
Siebert in Koblenz und Simon in Blomberg, dem hess, Reg - 
u. Brt. Stegmayer in Darmstndt, dem Eisenb -Banin-p. Tack- 
mann in Karthaus, den Brtn. Thomas in Münden und I'oebe 
in Breslau, dem Reg - u. Brt. Wegner in Berlin, dem Reg -Rat, 
Prof. Wehage im Pat - Amt, dem he»s. F.iseub.-Dir. Weiss in 
Main», den Eisciib.-Dir. Karl Wenig in Berlin und Ruh Wenig 
in Dessau und dem Reg - u. Brt. Winter in Bcutheu dir Rute 
Adler- Orden IV Kl. 

Dero Ob-Baudir. v. I) o e m m i n g im Minist d. (Mfcntl Arb , 
dem Geh. Ob -Brt. Sarrazin vortr. Rat in Berlin, dem Prä« der 
Kgl. Eisenb -Dir. Schwering in St. Job -Saal biücken, dem Ob.- 
Holbit Teten», den Geh Ob.-Brtn Thoemcr und Dr. Thür, 
vortr. Rate in Berlin der Kgl. Krone« Orden II. Kl 

Den Geh. Brlo Anderson, vortr Rai in Berlin undBevcr, 
Int- u. Brt- in Frankfurt a. M., dem Geh. Mar -Brt Brinkmann 
in Wilhelmshaven, dem Ob- u. Geh. Bit. (.oepel in Berlin, d« n 
Geh. Brln. Maarbeck in Essen a R., Kirsten in Breslau, 
Köhler in Münster i. W. und Launer, vonr. Rat in Berlin, 
dem Ob - Brt. Stolting in l*o-.rn, dem «ieh Bit. Svrnpher, 
vortr. Rat und dem Geh Ob Brt. Verworn, vom. Rat in Berlin 
der Kgl Kronen-Oiden III Kl 

Dem Stadtbmslr. Jipp in Leer der Kgl Kronen Orden IV. Kl. 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Aren. P. P. In Opladen. Ihr Neubau, für welchen 
Ihnen die ortspolizeiliche Genehmigung verweigert oder durch Auf- 
lagen erachwert ist, welche erst du ich ein noch nicht erlassenes 
Ortsstatut ihre Begründung finden weiden, sul) an einer Straße zui 
Ausführung gelangen, für welche Baufluchten bislier nach Maßgabe 
de» Gesetzes vom a. Juli 1875 noch nicht festgesetzt sind Mithin 
ist die Polizei berechtigt, entweder die Eilaubnis zu verweigern 
oder nur unter Bedingungen zu gestatten, welche die Wahrung der 
Öffentlichen Interessen sichern. Da der Wortlaut der polizeilichen 
Verfügung, durch die Sie sich beschwert halten, fehlt, ist uns ein 
L'rteil darüber entzogen, ob die Polizei durchweg im Rahmen ihrer 
Befugnisse gehandelt hat, was jedoch zuzutreffen scheint. Die Be- 
schwerde an den l.andrat vcrspticlit deshalb keinen Krfolg. seihst 
wenn Sie binnen 14 Tage nach Eingang des angegriffenen Be- 
scheides eingelegt wurde und damit gcttiiiß I..V <, v. 30 luh 1HB3 
e) i»7 das zulässige Rechtsmittel ist. Gegen den Ablchnungsltc- 

7* 



und gegen des Iclztvi en Besclieid Klage an das Obcr-Vcrwajtungs- 
Gericht zustehen, beides binnen 14 tagiger Notfrist. — K. H-e. 

Hrn. Arch. E. W. in Uelzen. Da die Abi rtie zwischen dem 
Bauherrn und Ihnen mündlich abgeschlossen ist, wird zunächst der 
richterlichen Beurteilung unlei liegen, ob eine Werkverdingung, was 
der Bauherr behaupten wird, oder ein Dienstvertrag vereinbart 
wurde, wie Sie meinen. Hiervon hingt jedoch die weitere Be- 
urteilung wesentlich ah, wie weit Sie für die Nichteinhaltung des 
Anschlagspreiae« und dessen L'ebcrschrcitung um beinahe 30 •/» 
verantwortlich sind Wenn vielleicht diejenigen Betrage Ober den 
Anschlagspicis hinaus gefordert werden sonnen, welche nachweis- 
bar durch Nachbestellung (Ausbau des Dachgeschosses) oder ver- 
langte Abänderungen (bessere Ausstattung, umgestaltete Einrichtun- 
gen) veranlaßt sind, «0 spricht das Ucbergewicht der Wahrschein- 
lichkeit dafür, daU Sie für diejenigen Beträge verantwortlich ge- 
macht werden, welche auf Rechenfehlern beruhen und damit bei 
gehöriger Sorgfalt vermieden werden konnten. Denn der Bauherr 
würde vielleicht vom Bauvorhaben abgestanden haben, wenn er 
den wirklichen Kostenbetrag rechtzeitig gekannt hatte. Eine auf 
Ihren Streitfall genau passende Beantwortung könnte nur bei ge- 
nauer Kenntnis der talsachlichen Verhältnisse in Form eines um- 
fassenden Gutachtens erteilt werden, wofür uns der Raum felilL — 

K. H-e 

Hrn. Krelsbfhr. R. In Zerbst. Bestimmungen aber die Vor- 
bildung von preuti. Kreiskomniunal - Baubeamten bestehen u. W. 
nirgends. Die einzelnen Kreise stellen vielmehr von Fall zu Fall 
ihre Anforderungen. So haben die grollen Kreise Teltow, Nicdcr- 
bariiim, Ost-Havelland uud, wie wir glauben, auch Prcnzlau, zum- 
teil der von ihnen erbauten Kleinbahnen wegen. Reg -Baumeister 
angestellt, wählend in den kleineren Kreisen die Kreisbaumeister 
vielfach aus den Baugewcrkschulen hervorgegangen sind. -- G. — 

Hrn. Arch. Gr. in Dortmund. Sie fragen: .Sind die Ge- 
bühren für eine schiedsrichterliche Tätigkeit »ach <j§ »5 u. 26 der 
.Gebührenordnung für Architekten und Ingenieuie vom Jahre 1901* 
zu berechnen, oder tritt hier $ 24 deiselben in Kraft und ru.ch 
welchen Grundsätzen «ind die UcbOhreo aj-dann zu berechnen? 
Mittr düngen aus dem Leserkreise hieiOber und mit welchem Er- 
folge solche Berechnungen stattgefunden haben, werden erbeten.* — 

Unsere Anschauung ist, daU das Schiedsgericht, mangels einer 
gesetzlichen Festlegung seiner Gebühren, diese einheitlich für alle 
Miltl eder selbst zu bestimmen hat Handelt es »ich ausschließlich 
um Arch oder Ing , tntritt deren Gcbühienordnui g in Kraft und 
zwar sollte grundsätzlich nicht nach Stunden, sondern im Pausch- 
quai.tiim nach $ 3| licpiidierl weiden. Andere Grund ätze, als 
die-ei <) schon enthalt, dürfte» sich kaum angeben lassen. Dir Kcisc- 
ku-ten usw. sind zweckmäßige! Weise b' sonder» zu berechne n ; es 
wüide Uli A ch tc-kten d-r § 36 anzuwenden sein — 

Fortuna. Die Abweisung Ihrer gegen die Gemeinde auf 
Schadenersatz für die angeblichen Vc.srhcn ihrer Baubcamlcn ge- 
richteten K1a£c ist ausschließlich aus rechtlichen Giünden er. 
folj;t, weil es an einer solchen Vcrtrctungsverurndlichkcit im gelten- 
den Rechte fehle. Diese Entscheidung Hilft aowuhl für das alte 
Recht als dir d is gegenwärtige zu. Es ist also nebensächlich, ob 
ein Beamter tatsächlich cm Versehen begangen hat oder nicht, 
Glauben Sic ein solches nachweisen zu können, so müßten Sie 
grgen den betreffenden Beamten klagbar werden. Mit nner Be- 
rufung gegen das ernangenc Urteil habrn Sic v »raustichtlirh keinen 
Krfolg Allciding« gibt das Urteil kein vollständig klare» Bil ■ der 
tatsächlichen Verhältnis*-, weshalb die a>i-ge-pi ocheue Ansicht 
vielleicht anders ausgefallen wäre, wenn die vollständigen Akten 
lies Rechtsstreite* vurgelegen hatten. K- H-e. 

Hrn. Arch. H. H. In Stettin. Wie wir in letzter Zeit wieder- 
holt ausgeführt haben, sind Baugc&cliäfte, welche sich hauptsäch- 
lich mit dem Entwerfen von Bauten befassen, zum Beitritt bei der 
zuständigen Bau - Beruf«geno«scn6cri«ft verpflichtet, sobald sie 
nebenbei die Bauoheraulsicht leisteo und dadurch Ihre Ange«lclltcn 
in die Gefahr bringen, auf der Baustelle verunglücken zu können. 
Die Versicherungspfiichl eistrcckt sich auf alle Angestellte, die lat- 
säclili h bei Arbeiten auf der Baustelle Verwendung finden, selbst 
wenn dus nur ausnahmsweise zur Vc>tielung 1 ine« anderen ge- 
schieht Ausgf schl<»s«cn sind nur solche Beschäftigte, welclic außer- 
halb der /.< 1 licnsale nicht beschäftigt werden. Ob eine bestimmte 
Person nach Art und Umfang ihrer Beschäftigung in die Lohnliste 
einzusetzen ist. odi-r aus ilers. locii weggelassen werden kann, ist 
eine Flage tatsächlicher Natur, die nur im Einzelfalle richtig he- 
ut teilt weiden kann. ■- K. K-e. 
An tragen an den Leserkreis. 

1 Welcher Leser der .Deutschen Bauzeitung- ist in der Lage, 
mir anzugehen, wie em Fäi l.erei Neubau von 11 m Breite und 34 m 
Länge, welcher an jetier Seite 8 Farbkufen erhält, die starke 
NebelbiMung verursachen, am besten und zuverlässigsten gelüftet 
vsiiil, um den Nehel so schnell al» mißlich abzuführen, che Nieder- 
sclcü-e cinticicn Bekämpfung des Uebcls durch übergroße Er- 
hitzung <!es Raumes im ,ni Interesse der Arbeiter nicht ai'gangig. Der 
Neubau wild unterkellert, die Außenwände werden durch Luftschicht 
isnlien, unt Uinst Ausfiihrung eines doppelten Daches (das untere alt 
Decke gewülbt in Moniert. — Arch Schwarz in (ifiltingen. 

3. Em 1 a- hmann schreibt mir: Steinkohlen schlacken sind be- 
kanntlich Ja- schiechtestr Aiitlilllmnterial ( ir /ivisi hendecken in 
lloj'grt.älkcii. Ist diese Anschauung begründet und inwiefern? 



f Hat soll Petroleum zur Verhinderung oder Veitilgung 
Hattsschwainuies bewahrt — F L, in Dr. 



J E in O. 
r Vertilgung dea 



Inhalt; l'.r Art.rci , in ,1 ■.<.-,-.■.« n de r I .01 ,1. - \ . , -1. hrru<li;s,tisl«!t Berlin 
hri H'i lnz. - Ii». \.isi,-|l (n; i c rtr. Kiti;:|jni."..iO'haiii)rs iles Haupthahnliole« 
111 1 [jtr.f.in i-i-l.. ...n.ii-ir .1.. i.-i',i..J..i.,-^, l |,ruri. - M ittcil 'l uren aus \"er- 
iii.m - l , rr..l.rneit.-iugrn. - Cht<nnk V< ski..; -St< hi icbte-i. — Brief - 
uml Kra^-i k.isii n. 

Verlag drr Meuts. Iien Haiizeimnt. Ii. m h II . Bei Im Für dir KedakOoo 
ve.aiil^urü Albert llofp.» D n, Berlht Druck Ton WiUl. Rrer., BerUn. 

No. 1 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. NE 13. BERLIN, DEN 13. FEBR. 1904 



Der engere Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die neuen Universitäts- 
Gebäude in Jena. 




a die bisherigen Baulichkeiten der im Jahre 
1548 durch den Kurfürsten Johann Friedrich 
den Großmütigen begründeten und 1558 gc- 
weihten Universität Jena, soweit sie der Ver- 
1 waltung und dem Kollegienvetkehr dienten, 
den modernen Ansprüchen an eine höhere Lehranstalt 
in keiner Weise mehr genügten, so beschlossen die 
an derErhaltungderL'niversität beteiligten Einzelstaaten 
Thüringens einen Neubau, zu welchem das Gelände 
des 1620 durch den Herzog Johann Ernst erbauten 
Schlosses gewählt wurde und b<-sch ritten /ur Erlangung 
von geeigneten Entwürfen den Weg des engeren Wett- 
bewerbes unter 6 Teilnehmern, zu welchem die Hrn. 
Prof.Theod. Fischer in Stuttgart, Prof Karl Hocheder 
in München, Prof. Hugo Härtung in Dresden, die 
Geh. Brtc. Kayscr & v. Groszhcim in Berlin, die 
Architekten Weiden bach 4* Tsc ha ininer in Leipzig, 
sowie Prof. Friedr. Pützer in Darmstadt eingeladen 
wurden, die am Wettbewerb auch teilnahmen. Die Ent- 
würfe wurden von einem Preisgerichte bcui teilt, welchem 



als Vertreter des Baufaches angehörten die Hrn. Ob.- 
Brt Prof Dr.O.Warth in Karlsruhe, Ob.-Brt. Kriesche 
in Weimar, Prof. Hugo Licht in Leipzig und Stadtbrt. 
Lud w. Ho f f m a n n in Berlin. Diesem Preisgericht standen 
zur Auszeichnung zusammen 1 2000 M. zur Verfügung und 
es waren in Aussicht gestellt ein I. Preis von 3000 M, ein 
II. von 2500 und ein III. von 2000 M-, während jeder der 
3 nicht durch einen Preis ausgezeichneten Teilnehmer 
eine Entschädigung von 1 500 M. erhalten sollte. Sollten 
die Preisiichtei einstimmig der Ansicht sein, dtä keine 
der eingegangenen Arbeiten des I. Preises würdig sei, 
so konnten die ausgesetzten Beträge nach dem Er- 
messen des Preisgerichtes auch in anderer Weise zur 
Verteilung gelangen, jedoch immer nur so, daß kein 
Preis unter 1500 M. betragen durfte Von dieser Mög- 
lichkeit jedoch brauchte das Preisgericht keinen Ge- 
brauch zu raachen: es verlieh vielmehr den I. Preis 
Hrn. Prof. Theod. Fischer in Stuttgart, den II Preis 
Hrn Prof. K. Hocheder in München und den III. Preis 
den Architekten Weidenbach & Tschammer in 




Entwurf von Prof. Theodor Fiicher in Stuttgart. I. Hrei»- 



~S 



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Entwurf von Pio(. Theodor Fiicner 



in Stuttgart, t. Prei». 




EidgeM'hoB. 




II ObercwhoO 



• ! . ■ • ^— — i-, 



4 E 



Leipzig Aufgrund dieser Beschlüsse wählte die Kom- 
mission der Erhalterstaaten den Entwurf von Theo- 
dor Fischer zur Ausführung 

Das Raumprogramm verlangte eine Aula mit 
Galerien, ohne die 
letzteren 300 * m 
messend; Scnats- 





II Preii 



unten, sowie die Raumgruppe für das archäologische 
Museum. Letztere sollte als eine bedeutende Gruppe 
des neuen Gebäudes umschliesscn: die um einen Ober- 
lichtsaal von 350 1™ zu gruppierenden Sammlungs- 

Entwurl von Prof. Karl Hochedc-r in Manchen. 



und Fakultätszim- 
mer; die übrigen 
Räume fürdieY. r- 
waltung; 17 Audi- 
torien von 30- 200 
Plätzen; Räume 
für das theologi- 
sche, das ju 
sehe, das philo- 

logische, <las 1 

sehe, das roma- 
nische, das engli- 
sche, das Im 
sehe, das staats- 
wissenschaft! 
und das ro 
malische Seminar, 
meist mit Biblio- 
thekräumen 
Modell- u. Samm- 
lungs - Zimmern; 
Wohnräume für 
die Uui versiUM 

74 




No. 13 

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(NB. Die 



Gruppe ab. 

■ S GL 54'7 m 

u. I.. 



Gruppe Ii 

■ S f.l V94 m 

n. I. 



Erklärung. 

ng der Gleiae i«t, wie in di r Zekliimng, in der Reihen- 
folge v«>i oben nmh unlfii negebrn.) 
Beicichnung der Gtriagroppen. 
Stationen bin Magdeburg 
Buckau, Magdeburg, Ort und Seitenlinien 
Xoi<thau«rti 

Soert, leere O -Wagen ffli da 
leeie G.-Wagen für StaBlurt 
Halle, Ort und SettenHnwn 
Bremen, SeeautfabrUgllter 
Mamburg, «engl. 
Werkstattwagen 
Zeil», Oll «lud Selteiüinirn 
PiobftUelU ond weiter 
Stationen bin PrnhtUelta bezw. Zeit/ 

de»gL Krlurt, Weiueiifel«. I >H und 
Seitenlinien 
Bebra und leere O.- Wagen Iflr 

Kullrrevirr 
L'mladrwagen 

Bebra u. leere O -Wagen (flf «las 
Hohrtevier, MaUfeld. Kan.rl, 
Ort u. Seiten!., r'tankluUa. M . 
Gottlngen, F.irriarh. Ort und 
Seitenlinien 



preuQUchen and •tchelschen 
In und bei Leipzig. 



Abbitdg. 4. Kaagicrbahnhof Wahre 
Weicbemoükrl durchwt.j: 1 



Of uppr 5 1». 
• 5 *- 

m ■ « 

■ b 
la. 



Gruppe 6b. 
9 Gl +oto m 
n U 



1.1 b< 

9 GL «jo » 
1. I- 



Htt in hi, d»**|(l. 
Prob»urlU und wntrr 

Halles Ort und ScitenKnirn 
)r*rr G,-Wafcci» f£ir Suöfurt 
Sor»t u. fcetr G.-Wajp-n tat da« 

Rtibrrrv.r r 
Wc 1 k Mi tt wa gr ti 
VordUauRrn 

Burkau, Mapdr biu r,Ort u . >eitr 
Statmiwn bis M*;j<)cbiirjr - 
Zrtu. Ort u»id Seitenlinien 
Stationrn bi* ['rol»»t/elta Kr/w. 7,ritt 

dr*(rl. F..1urt, WViüWrN, Ort ü. SrHrriL 
Km, ihn vt»n M*K<trtiuTg a Gl. iay>m n L 
« . ThOriiqrrn a Gl, iigr>m n. I. 
,\ uf Mrllunu von Zn^rti und Waren 
L"rafrhun(r»j;airrbalm-. 8 Gl, jworn n. L. 
Huiij7lc<l(rrt>ahulu u. LruUftrh 5GI. acu6in n. L. 

L*nilad4.*w«K*ra 

Srhupprn "k 

I An^hin,«- U.W. « ^XTLH,.** 
Fleiladegli,«- ) 
BaTero Ober IMagwiu 



Beilin u. Filenhurg, Bert. u. Kilrnbg. 
in Lei|»»ig-VnnoeMd 



J Dresden und Hävern 

Bitterfei J il Berlin. Herl. Bhl. in Leipzig 
I Stat. bU FalkenWrg, Ort u. Seiu-nl. 
' Kotlbu«. Ott und Seitenlinien 
l Mochbern und 




räume, einschließlich dieses Saales 775 i", mit be- 
sonderem Eingang für das Publikum; einen Hörsaal 
von 80 1™, ßibhothekräume für Archäologie und 
neuere Kunst, einen Raum für Antiken und Münzen, 
ein orientalisches MOnzkabinct, ein germanisches Mu- 
seum von 250 1" 1 , ein ethnographisches Museum von 
400 1» Flache, sowie endlich Räume für die Sammlun- 
gen der Stadt Jena. Auf eine monumentale Durch- 
bildung des Gebäudes, auf klare und übersichtliche 
Anordnung, auf genügende Tagesbelcuchtung aller 
Räume einschl der Flure und Treppen war besonderer 
Wert zu legen. Ein interessanter Punkt des Program- 
mes bestimmte, daü die Architektur des Gebäudes sich 
dem Stadtbildc anzupassen habe. Der Haupteingang 
sollte an der Nordseite liegen und sich ihm eine ge- 
räumige Halle für die Anschlagbretter anschließen. 
Weitere Eingänge waren neben dem besonderen Ein- 
gang für das archäologische Museum an passenden 
anderen Stellen anzulegen. Das Gebäude sollte Zentral- 



heizung und elektrische oder Gasbeleuchtung erhalten. 
Vorschriften überMaterialien usw. waren nicht gemacht. 
Für die Gesamtanlagc war ein Betrag von 1 Mill. M. 
in Aussicht genommen; es sollten jedoch die Grund- 
risse so entworfen werden, daü die Bauausführung in 
2 Abschnitten erfolgen kann. Für den ersten Bauab- 
schnitt stehen 600000 M. zur Verfügung; die Bauaus- 
führung ist für diesen Teil so gedacht, daß das alte 
Amtsgericht sowie der ältere Teil des Absteigequartiers 
des Schlosses zunächst noch erhalten bleiben, daß zu- 
erst das archäologische Museum zur Errichtung gelangt 
und nach Einrichtung desselben erst das Hauptgebäude 
des alten Schlosses niedergelegt wird, um den Haupt- 
teil des ersten Bauabschnittes zu errichten. Es liegt 
auf der Hand, daß diese Bedingungen die GrundriB- 
bildung nicht unwesentlich erschweren mußten, aber 
auch dazu beitragen konnten, interessante Motive für 
die Gestaltung des inneren Organismus in die Ge- 
samtanlagc zu bringen ( s f htu8 MgO 



Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig. 

Von Paul Bischof, Ober- und Geheimer Baurat in Halle a. S ri.hiuu, 1 
IV. Baueinteilung und Bauvorgang 

[eilweise schon vor der Aufstellung des zur 
Ausführung kommenden Entwurfes in den 
Jahren 1898 und iqoo standen der körnt*! 




Eisenbahn -Direktion Halle a. S. Mittel in 
' x Höhe von 6,067 Mill. M. zur Verfügung, 



UV 1 I H/IIL «Uli U.UVJ , L»d III. 4*1. r.UI * V I 1 U£ Ul 1£ , 

um von der Stadtgemeinde Leipzig die Grundflächen 



•) Anmerkung der Redaktion Zu dem Pinne de* Haupt- 
Perannrnbahnhnles in No. o tragen wir noch naili, dali der Wcirhrn- 
winkel im allgemeinen ■ :g ist, in den Am< htQ»%en narli der «.1rh»i- 
aelien Seite jedorli auf i : 8.5 hinaufgeht. Im ilet Ktklltung muü es 
IM. Poittunnel 



im Inneren der Stadt zu erwerben, welche aller Vor- 
aussicht nach für einen Umbau unentbehrlich waren; 
das sind die Grundflächen zwischen der Gasanstalt, 
der Eutritzscher StraÜe und den alten Thüringer 
llauptglciscn, und zwischen den Thüringer, Magde- 
burger und Berliner Bahnhöfen. Mit diesem Erwerb 
ganzer Grundstürke konnten die als unabweisbar er- 
kannten durchgreifenden Verbesserungen der Leipziger 
Bahnhofszuständc auf dem von allen Interessenten ge- 
wflnsehien Platz als sicher gestellt gelten namentlich 
insofern, als es anderenfalls der preußischen Verwaltung 
nicht möglich war, ohne große Schädigung ihrer Intcr- 

No. 13. 



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IT Br«onilfrr Gl ei %het e Ic h n u n c 

A.C. — Auwirhrlri* 
AI. G am Aui(ahrt»r1eia 



»Ii» 

v.r.. 



- i-mlj.il^.i- 



III. He/cichnuns der H a u I ich k eile n 

A. mt AHorV 
A. B «t ArWitrrbude 
H.W. mi HrttmtniM'uhnluu« 

(B.W. arbtn Elrktr.'K/S«. - Betritt». Wcik.uit ) 
_E.f3. mm EmpfanCB-Grbautic 
ikti. mm < fOtirrvchappcn 
U. G. - IJcbrin>rhtunc<-GrKluilr 
->l W = Mrllwrrk 
W. T. - UWrrturm 




in eine Verschiebung der Achse des Haupi- 
Empfangsgebäudes nach Westen, wie es geschehen 
ist, zu willigen und so einen beträchtlichen Teil des 
ihr gehörigen Geländes zugunsten der sächsischen 
Anlagen aufzugeben, sowie das Gelände des Berliner 
Bahnhofes in den Gesamtbauplatz cinzubeziehen. 

Da ohne gründliches Aufräumen auf den so dicht 
mit Verkehr belegten Flächen der alten Bahnhöfe an 
einen Umbau überhaupt nicht zu denken war, lag es 
nahe, die soeben erworbenen Flächen alsbald zu ver- 
werten. Um in dem Rahmen des noch nicht festge- 
stellten, auch mit der beteiligten sächsischen Verwaltung 
noch nicht besprochenen Entwurfes die Anlagen für 
den Freilade- und Lagcrplatzvcrkehr herzustellen, und 
um nach dieser Richtung auf den alten Bahnhöfen 
frei zu werden, wurden der königl. Eisenbahn-Direk- 
tion Halle im Jahre iooo 0,8, im Jahre 1901 0,73 Mill. M. 
überwiesen. Die Anlagen wurden i. J. 1903 vollendet, 
mit den alten Anlagen vorübergehend verbunden und 
zunächst für den Thüringer Verkehr und die Lager- 
platz-Pächter in Betrieb gesetzt. Die westlichste Ecke 
des gesamten Bauplatzes im Inneren der Stadt wurde 
dadurch für den Bau der Güterschuppen, der zurzeit 
begonnen ist, verfügbar. 

Die Herstellung eines Rangierbahnhofes Wahren 
ist nicht allein Vorbedingung für eine zweckmäßige 
Umgestaltung der Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig, 
sie war auch ohnedies bereits beschlossen in der Ab- 
sicht, auf den inneren Bahnhöfen die einstweilige Auf- 
rechterhaltung des Betriebes bis zur Schaffung end- 
giltigcr Zustände zu gewährleisten. Dabei war nur 
an den Magdeburger Verkehr gedacht und eine Vcr- 

13. Februar 1904. 



biitdung mit den lliütingei Linien nicht beabsichtigt 
Erst die Planungen im Jahre 1899 führten zu den jetzt 
in Ausführung begriffenen, wesentlich erweiterten An- 
lagen, siehe Abbildgn. 4 -6. Mittel für den Grund- 
erwerb standen in Höhe von 1 Mill. M. im Jahre 189g 
der königl. Eisenbahn-Direktion Halle a. S. zur Ver- 
fügung und reichten bei freihändigem Ankauf auch 
für die erweiterte Anlage aus. Der auf 6,9 Mill M. fest- 
gestellte Entwurf für die Herstellung des Rangier- 
Bahnhofes und einer Güter- Verbindungsbahn von 
Leutzsch nach Wahren, eingeschlossen den Umbau 
des Bahnhofes Leutzsch, ge langte vom Jahre iqoa an 
zur Ausführung Es ist beabsichtigt, sämtliche An- 
lagen vom 1. April 1905 an dem Betriebe zu über- 
geben. Mit diesem Zeitpunkte werden sowohl der 
Bahnhof Leutzsch als Rangierbahnhof und die Thürin- 
ger Verbindungsbahn auticr Betrieb gesetzt werden, 
als auch die inneren Bahnhöfe einen Rangierverkehr 
nicht mehr aufzunehmen haben, sodaß diese Anlagen 
für den weiteren Umbau vorbereitet erscheinen. 

Anläßlich einer Beschwerde über die mißlichen Zu- 
ständeauf dem Planübergange der MockauerStraUe nörd- 
lich vom Berliner Bahnhof fand sich ebenfalls vorher 
Gelegenheit, hier mit Hilfe der interessierten Stadtge- 
meinde eine Ueberführung zur Ausführung zu bringem 
bei deren Entwurf die weiteren Absichten berücksich- 
tigt wurden. Die Ausführung erfolgte im Jahre 1002 
mit einer Bausitmme von 424000 M , wurde Ende 1903 
beendet und hat zur Förderung des Gesamtbaues an 
diesem Ende des Hauptbahnhofes viel beigetragen. 

Auf Antrag überwies die preußische Zentralstelle 
der königl. Eisenbahndircktion Halle schon vom Jahre 

77 



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1900 an weitere Mittel — zusammen 5,66 Mill. M 



und erteilte ihr, also 



bereits 2 Jahre vor 
Stellung 



der Fest- 
des Ent- 
wurfes, den Auftrag, 
mit dem freihändi- 
gen Erwerb aller er- 
forderlichen Grund- 
flächen, namentlich 
fOrdieVerbindungs- 
bahnWahren-Schö- 




7» 



nefcld vorzugehen. Es kam darauf an, die Unzuträg- 
lichkeiten des Enteignungs-Verfahrens zu umgehen, 
rasch und ohne vorzeitige vollständige Veröffentlichung 
des I'lanes zu kaufen, um Spekulationen nicht auf- 
kommen zu lassen, verständige Wünsche der Interessen- 
ten sofort zu berücksichtigen und durch Vertrag festzu- 
legen, den Ankauf aber auch nicht dadurch zu ver- 
teuern, daß mehr Land gekauft wurde, als für einen 
Entwurf erforderlirh ist, dessen Genehmigung durch 
die Zentralstelle erhofft werden konnte. Es mußte also 
der ausführliche Entwurf während der Grund- 
erwerbs- Verhandlungen an Ort und Stelle im 
einzelnen ausgearbeitet werden Wie weit dieses 
erreicht ist, hat in befriedigender Weise die 
landcspolizcilichc Prüfung und die Feststellung 
des Entwurfes durch die preußische Zentralstelle 
dargetan. 

Für diesen ausführlichen Entwurf konnten 
die Mittel des allgemeinen Kostenüberschlages 
eingehalten werden. Bis auf geringe Reste 
waren im Jahre 1903 sämtliche Flächen in Hän- 
den der Bauleitung, sodaß mit der Durchfüh- 
rung der in demselben Jahre festgestellten Ent- 
würfe für Herstellung einer Verbindungsbahn 
von Wahren nach Schönefeld und Einführung 
der Magdeburger, Berliner und Eilenburger 
Linien in den Hauptbahnhof Leipzig mit 7665000 
M., für Verlegung der Thüringer Hauptgleise 
und der Güterbahn Wahren-Hauptbahnhof Leip- 
zig mit 2233000 M., für den Hauptbahnhof in 
Leipzig mit 1 s 393 000 M. und für Erweiterung 
dcsBahnhofcsPlagwitz-Lindcnaumit 1 476000M,, 
zusammen eingeschlossen Verwaltungskosten 
28105000 M. voll begonnen werden konnte. 
Der Entwurf für die I lersiellung des Haupt- 
Empfangsgebäudes in Leipzig mit 6900000 M. 
ist noch nicht festgestellt, weil er erst im Jahre 
1908 gebraucht wird. Die Verbindungsbahn 
Wahren-Schöncfcld wird spätestens am 1. April 

1906 fertiggestellt sein, sodaß bei gleichzeitiger 
Inbetriebnahme des sächsischen Kangierbahn- 
hofes Engclsdorf und der Verbindung zwischen 
Engdsdorf und Schönefeld der Güteraustausch 
zwischen beiden Eisenbahn- Verwaltungen aus 
dem Inneren dei Stadt herausgclcgt sein wird und 
dieser dann die neuen Bahnen benützt. Die voll- 
ständige Räumung der inneren Stadt von allen 
den alten Anlagen, die dort nicht wieder Aufnahme 
finden sollen, ist dann durchgeführt Der weitere 
Baufortschritt ist derart gedacht, daß bis Ende 

1907 auch die l Iinlenkung des Personenverkehres 
bewirkt ist. Von diesem Jahre an soll der Mag- 
deburger Personenverkehr einstweilig auf dem 
dafür vorzurichtenden Berliner Bahnhof enden, 
nachdem schon im Jahre 1906 der Berlin-Hofer 
Schnellzugs- Verkehr zeitweise mit Umgehung 
des Berliner Bahnhofes über die neuen Verbin- 
dungslinien unmittelbar nach dem bayerischen 
Bahnhof geleitet sein wird. Wird dann der 
Thüringer Personenverkehr einstweilig auf dem 
alten Magdeburger Bahnhof eingerichtet, so 
bleibt nur das Baugelände für etwas mehr als 
die Hälfte des Haupt-Enipfangsgebäudes und 
der Bahnsteiganlagen von den alten Anlagen 
zu säubetn, damit, wie durch Vertrag vereinbart, 
im Jahre 1908 die Arbeiten daselbst in Angriff 
genommen werden können. Wenn, wie ebenfalls 
durch Vertrag festgesetzt ist, die Fertigstellung 
der Gcsamtanlagc im Jahre 1914 verwirklicht 
werden soll, innLl die im Jahre 1908 begonnene 
preußische Hälfte etw a 1911 in Betrieb genom- 
men werden. Es erweist sich als nutwendig, 
den Dresdener Personen verkehr, welcher auf der 
/weiten Hälfte des Bauplatzes für die Haupt- 
Bahnsteiganlage zurzeit sich abw ickelt, zeilweise 
in die zuerst fertiggestellten Bahnhofsanlagen 
mit aufzunehmen und während dieser Zeit den 
Eilenburger Verkehr noch bis 1914 auf dem 
jetzigen Bahnhof zu belassen. Der preußische 

No. 13. 



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Güterverkehr wird in seinem vollen Umfange auch 
im Haupt • Güterbahnhof schon 1909 dir neuen An- 
lagen eingenommen haben. — 

V. Schluß 

Die Leitung des Betriebe«, auf dem Gemeinsehafts- 
Bahnhofe erfolgt demnächst sowohl von der preußi- 
schen wie von der sächsischen Verwaltung auf ihren 
örtlich begrenzten Gebieten durc h einen Stationsvor- 
stand und das erforderliche Betriebspersonal selb- 
ständig Selbständig wird auch von jeder der beiden 
Verwaltungen der Dienst und die Beaufsichtigung 
wahrgenommen in ihren Stationsräumen, Dienstwoh- 
nungen, Fahikartenstellen.Gcpäck-Abfeitigungsanlagen 
usw. Dagegen wird die Verwaltung der sonstigen 
Gcmcinschaftsanlagen, bestehend aus dein Haupt-Em- 
pfangsgebäude, dem Querbahnsteig und dem Hallen- 
dach, welche von der sächsischen Verwaltung auf ge- 
meinschaftliche Kosten und nach einem gemeinschaft- 
lich festzusetzenden Hauplane ausgeführt werden nicht 
aber auch die Verwaltung der Längsbahnsteige — so- 
wie die Dienstaufsicht Ober das hierzu nötige Personal 
und dessen Verwendung einem auf gemeinschaftliche 
Kosten von der sac hsischen Verwaltung zu stellenden 
Beamten übertragen. 

Die Arbeiterheilstätten der Landes -Ver- 
sicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Architekten: Schmieden & Bocthke in Berlin. 

(FortMttung.) 

H.cliu rlnr Dopiwl . Bddbcilatr .owic d« Ahhilduncrn in So. 13 und dw 

OnaMtM i» N'o. 11. 
I. Allgemeines. (ScMu».) 
as Raugeländc für die Anstalt ist ein 140 ,u » 
großer, mit alten Kiefern bestandener, ziem- 
lich ebener Waldteil um die Station Beelitz 
der Wetzlarer Bahn, der trockenen und ge- 
sunden Untergrund hat, mit seinem hohen 
Baumbestand Schutz gegen Wind und Staub bietet 
und so groß ist, daß die Pfleglinge sich auch nach 
dem völligen Ausbau der Anstalt inncihalb der Gre n- 
zen der Anlage genügende Bewegung machen können. 

Auf dem Gelände und entsprechend der durch 
Bahn und Chaussee herbeigeführten natürlichen Teilung 
sind die Anstalten so gruppiert, daß südlich der Eisen- 
bahn die Sanatorien lür Männer (östlich der Chaussee) 
und für Frauen (westlich der Chaussee), sowie nörd- 
lich der Eisenbahn die Lungenheilstätten für Männer 
(östlich der Chaussee) und für Frauen (westlich der- 
selben) liegen. Die beiden Sanatorien 
sowie die beiden Lungenheilstätten ha 
ben unter sich gemeinsamen ökonomi- 
schen Betrieb, im übrigen aber sind 
diese 4 Abteilungen so streng von ein- 
ander getrennt, daß jede mit einer 
eigenen Umwährung versehen ist und 
jede ihr eigenes Pförtnerhaus hat. F.s 
sollte durchaus verhindert werden, daß 
sowohl die verschiedenen Geschlechter 
wie auch die beiden Arten von Pfleg- 
lingen miteinander in Berührung kom- 
men können Innerhalb der Umwährun- 
gen wurden die einzelnen Gebäude so 
gelagert, daß ruhige Lage, Windschutz, 
Besonnung, Abwendung von Kauchhclästigung sowie 
die in jedem besonderen Falle zu beobachtenden Ver- 
waltungsmaÖregeln die tunlichstc Berücksichtigung fan- 
den. Außerhalb der 4 Abteilungen liegen zur gemein- 
samen Benutzung aller Pfleglinge das kleine Gottes- 
haus und die Zcntralbadcanstalt 

Die Verteilung der der Bewirtsc haftung und Ver- 
waltung dienenden Gebäude auf die 4 Baugruppen er- 
folgte derart, daß die Gebäude, in welchen männliche 
Bedienstete beschäftigt sind, wie Kessel- und Maschinen- 
haus, Werkstältengebäude, Desinfektionsanstalt, Pferde- 
stal), Gärtnerhaus, Feuerwehrgebäude, in die Männer- 
abteilungen verlegt sind, während Waschküche, Koch- 
küchc usw. in die mit weibliehen Insassen belegten 

13 Februar 1904. 




jj | 




l llllHli fvtOh 



Kr»»«-!, und Mau I inenhau» Anlage 

Waschküchcn-C.cbaurtV 




I I 1 f: \i 



Abteilungen verwiesen wurden. Dementsprechend liegen 
in der Abteilung des Sanatoriums für Männer außer 
dem in jeder Gruppe liegenden Wohnpavillon für etwa 
600 Betten und mit der Möglichkeit einer späteren Erweite- 
rung dieser Bettenzahl auf das Doppelte und Dreifache: 
das Verwaltungsgebäude für sämtliche 4 Abteilungen, 
das Wohnhaus für einen der beiden dem Stande der 
Acrzte angehörigen Direktoren, eine Werkstatte, die 
Kesselhausanlage, in welcher der Dampf für die ganze 
Anstalt erzeugtwird, anschließend hieran die Maschinen- 
anlage, das Hochreservoir und die Vorrichtungen fürden 
Kohlentransport, 2 kleine Pumpenhäuser, die Zentral- 



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Badeanstalt des Sanatoriums, eine Doppelkegelhahn 
und ein Pförtnerhaus. Das Sanatorium enthält Koch- 
küehe, Waschküche und Pförlnerhaus. Für die Ab- 
teilungen der Lungenkranken sind dieselben Abtei- 
lungen noch einmal vorhanden; es fallen aber hier fort 
Kesselhaus, Vcrwaltungs- Gebäude, Kegelbahn und 
Pumpcnhauscheh. An ihre Stelle treten das Desin- 
fektions- und Verbrennungshaus, das Gärtnerhaus, die 
Stallungen, das Feucrwchr-Gcbaudc, sowie die Liege- 
hallen und die Wandelhallen für die Lungenkranken. 

Waren die einzelnen Gebäude an sich nach den 
Anforderungen anzulegen, welche ihre Bestimmung 
im Kinzclncn vorschrieb, so war in den Beziehungen 
der Gebäude untereinander zu berücksichtigen, dal! 
die Wohnpavillons, insbesondere deren nach Süden 

Vermischtes. 

Zur Umgestaltung des Theaterplatzes In Dresden. An 
den Rat der Stadt Dresden ist die nachstehende Krklarung 
abgegangen , die man uns mitteilt und welcher wir uns 
entsprechend unserer bisherigen Haltung in dieser wichti- 
gen künstlerischen Krage vollinhaltlich anschließen: 

„Die Frage der Ausgestaltung des Dresdener Theater- 
platzes hat eine weit über die (irenzen Sachsens hinaus- 
gehende Bedeutung, da es sich darum handelt, der Hof- 
kirchc Chiaveri's und dem Museum und Theater von 
Semper ihren cndgiltigcn Rahmen zu schaffen und ihre 
Wirkung zu Platz und Umgebung auf alle Zeiten festzu- 
legen. Line s<> wichtige und entscheidende Krage ist noch 
selten der deutschen Architektenschafl vorgelegt worden. 

Eine Konkurrenz Kndc vorigen Jahres hat die Be- 
deutung und Tragweite der Aufgabe "erst in vollem Um- 
fange erkennen lassen; obwohl sie eine endgiltige, inbezug 
auf Anlage und Architektur gleich günstige Losung nicht 
gebracht hat, lieferte sie doch wertvolles Material zur Auf- 
stellung neuer Programme, indem sie Wunschbares und 
Erreichbares ahnen ließ. 

Nun wurde mit sehr kurzem Termin ein Wettbewerb 
unter den prämiierten Architekten veranstaltet nach einem 
Programm, das die Eigentümlichkeiten der Aufgabe nicht 
in ihrem vollen Umfange berücksichtigte. Das wertvolle 
Ergebnis der ersten Konkurrenz: die Erkenntnis, daß die 
Bebauung des Klbulcrs in cr-tcr Linie einen Absehluti 
des Theaterplatzes bedeutet, wurde in der neuen Pro- 
grammstcllung nicht ausgebeutet; die Aufgabe lautete bloß 
auf Unterbringung der Wache und eines Restaurants auf 
gegebenem Terrain. 

Wenn auch wirtschaftliche Gründe eine Beschleunigung 
der Angelegenheit wunsehenswert erscheinen lassen, sollten 
diese doch in den Hintergrund treten vor der Wichtigkeit 
der künstlerischen Aufgabe. Die Krage kann noch nicht 
als spruchreif bezeichnet werden : es empfiehlt sich zur 
endgilligen Klärung eine nochmalige Aufgabe^tellung mit 
weitgefaUtern Programm. 

II Billing, Architekt. Professorin Karlsruhe; Martin 
Dülf er, Architekt, Professor in München; Theod. Fischer, 
Architekt, Professor in .Stuttgart ; Theod. Gnceke, Architekt, 
Lande s-Baural in Berlin: Hans Grassel , Architekt, städl. 
Baurai in München; Karl I lc n r ic i, (Jeh. Rcg.-Rat, Professor 
in Aachen; C Hochcdcr, Architekt, Professor in Manchen; 
K Hof mann, Geh. Ober-Baurai, Profe^or in Dannstadt; 
K. Pützer, Architekt, Professur in Darmstadt; Bruno 
Schmitz, Architekt. Professur in Bertin; Gabriel v. Seid!, 
Architekt. Professur in München," 



Preisbewerbungen. 

ünzutragllchkelten In der Durchführung der Öffentlichen 
Wettbewerbe. Es ist bei uns in der letzten Zeit mehrfach 
Klage darüber geführt worden, daß die Durchführung der 
öffentlichen Wettbewerbe bisweilen unter Umstanden er- 
folgte, welche nicht immer allgemeinen Billigkeitsrück- 
sichten entsprechen So erhalten wir von mehreren Seiten 
Klagen Uber die Verzögerung in der Erledigung de- Wett- 
bewerbes lietr das Waisenhaus in Des-ati. Abliefe- 
rungstermin war der 15. Dez. iox><; zu diesem Termine liefen 
187 Entwürfe ein, deren Prüfung auf ihre Konkurrenz- 
fähigkeit allerdings geraume Zeit beansprucht, aber doch 
wohl s'i halte beschleunigt werden können . daß die Ent- 
scheidung bereits gefällt werden konnte 

Eine "andere Beschwerde betrifft den Wettbewerb zur 
Erlangung von Entwürfen für ein G \ 111 11 asi u m in 
Rheine. Hier ist das übliche Arbcitsaiism;ili bedeutend 
erhöht, indem die Hauptansieht 1 : 100 verlangl und die 
Vorschrift gegeben ist. alle Zeichnungen seien auf starkem 
Zeichenpapier auszulührcn und „in den Durchschnitten 

80 



gelegene Kranken- und Wohnräume von jeder Störung 
durch den Betrieb in den übrigen Gebäuden verschont 
bleiben. Im übrigen wurden alle Einrichtungen, die 
sämtlichen Abteilungen gemeinsam dienen, gleich so 
groß angelegt, daß sie auch bei der weiteren Aus- 
dehnung der Anstalt bis an die von vornherein hier- 
für festgesetzte Grenze ohne Schwierigkeit genügen. 
Die Beurteilung der ökonomischen Leistung der An- 
stalt darf daher, schon weil diese als eine Mustcranstalt 
mit allen diesem Charakter entsprechenden Einrich- 
tungen aus dem normalen Rahmen heraustritt, nicht 
nach den augenblicklichen Verhältnissen bemessen, 
sondern muß im Hinblick auf den dereinstigen völli- 
gen Ausbau beurteilt werden. — »Forucuu«« folgt.) 



mit charakteristischen Tönen anzulegen". Es würde 
zweifellos dem Wunsche vieler Beteiligter entsprechen, 
wenn diese Bestimmung geändert würde; Zeit dazu ist 
noch genügend, denn der Ablieferungstermin ist erst auf 
den 15. April d. J. festgesetzt. — 

Einen Wettbewerb rur Erlangung von Entwürfen für 
ein neues „Bootshaus des Magdeburger Ruder-Clubs" erläßt 
der Klub für in Magdeburg ansässige Architekten zum 
31, Marz 1904. Die Bausumme betragt 38000 M. ; die 
Architektur ist freigestellt. Es gelangen 3 Preise von 400, 
200 und 100 M. zur Verteilung; ein Ankauf nicht preis- 
gekrönter Entwürfe für je 50 M. ist vorbehalten. Verlangt 
werden a Grundrisse, ^ bis 4 Ansichten, a Schnitte, nebst 
Lageplan und dem üblichen Kostenanschlag. Sämtliche 
Zeichnungen sind 1:100 zu liefern. Bei diesem sehr 
reichlichen Arbeitsausmaß. welches, ohne die Beurtei- 
lung der Entwürfe wesentlich zu erschweren, bedeutend 
hätte eingeschränkt werden können, erscheinen uns die 
dargebotenen Entschädigungen umso mehr als ungenügend, 
als die preisgekrönten Entwürfe in das freie Eigentum 
fies Magdeburger Ruder- Klubs übergehen und derselbe 
durch den Wettbewerb das Recht erwirbt, den Bau nach 
diesen Entwürfen ohne weitere Verbindlichkeiten 
dem Verfasser gegenüber ausführen zu lassen. Unter 
diesen Umständen erscheint es uns erwünscht, daß die 
hausachverstandigen Mitglieder des Preisgerichtes, die Hrn. 
Geh. Brt. Bauer, Geh. Brt. Möbius und kgl. Brt. Peters 
über eine Abänderung der Bedingungen zum Mindesten 
nach der Richtung beraten, daß dem Gewinner eines 
Preises auch die Ausführung in Aussicht gestellt 
wird. - 

In einem Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Cotnenlus- 
Blbllothek In Leipzig, augenscheinlich auf Leipziger Archi- 
tekten beschränkt, erhielten den I. Preis die Hrn. Weiden- 
hach & Tschammer, den II. Preis Hr. Paul Burghardt, 
den III. Preis Hr. Karl Poser und den IV. Preis Hr. 
Alphons Berger. 



Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Int.- u Brt. Andersen vom HL Armee- 
Korps i«t al> lldsiefcr. in ilie ßauabt dt-» Ki iefruidiiiiit versetzt 

Oer Int - u. Brt. Geh. Kit Zun in Koblenz ist gestorben. 

Bayern. Dem Int - u. Bit H a u b c 11 s c h m i e d bei der Int 
des I. bäyer. Armee - Korps und dem Her -tog der Pfalz, F.iaenb. 
I.evy in Landau i d Pfalz ist die IV Kl des Verdienstorden» 
vom hl. Michael und dem Int - u Brt Winter im Kriegsminist, 
der Tit. o Kanu' eine« Geh Brt* verliehen, 

Vernetzt sind: Die Ob -Bauinsp Hemeler in Lichtenfels sl» 
StaaUhahninj;. nach Augsburg unil F l r 1 tl I 111 Ktunach sl» Staats- 
bidinniK nach Lichtenfels, die Dir. -Am Salier in Kempten lint. 
t'ebcitiw^unj; der Funktion eines Slaatshahmng nach Hof und 
(■öckel in Wflizbuij; zur Eisoiib -Bell D,r. Weiden 

Bremen. Der Ol -Inn Zalcski in Hannover ist z. Bm>tr. 
bei d llafenbauinsp ernannt. 

Hessen. Dem Kisenb, - Dir. Ileocr in Mainz ist das Ritter- 
kreuz I Kl de* Verdienstordens Philipp* des Gioümiiticen verlieben. 

Oldenburg. Den (ich. Ob. -Brtii. Jansen. Tenge und 
Bfllilk ist da* Offmetkreur des f,rotl:i Haus «.Verdienstordens 
vei liehen. 

Der Be/ ln-p. Ob-Il.uiiisp R i e k e 11 ist /. Bit. befördert 
Sachsen- Weimar. Der Bit. R e i t h e 11 b c c Ii c r beim Minist, 
ivt gestorben. 



Inhalt: IVr rn-rte Wrtihew« rf» «v K'Ih^i.n,' von timvi'.tl. n I n 
. i-i -n nvs , , Mlilul n M.nlc 111 J. iij, - ('iim^-nlutii; dei |.i cu'J .scliro 

und sn. >. ti. t» t ..c-iNjIui An^.i;i ii in .i-id !>•■, is. liluJl Hie 

Ari»rilcr!wiUuit« n der l.nnd<-s-V« :mi lieruin^.irwult H« 1 Un brt Iteelilz Iroil- 
Uilu-i Vt-inns. hti -< - l*iei , -t'C«'i'tt'nn^en. — 1'« i vinul- Km hten. 

Hierzu eine hoppcl - Bildbeilage: I>te Arbeiterin' il«:älten 
der Landes-Versicherunsis-Anstalt Berlin bei Beelitz. 

Verlar, der IVutvKen HauieituoK. G n. b II, Herlin. For die Redaktion 
vrraniwonl Aliwil Hol mann, IWrlia. Oiuit »ou Wüh. Cm», Berlin. 

Xo. 13, 

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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

jgXXXVHL JAHRG. NO:!* BERLIN, DEN 17. FEBR. .904 






Elektrischer Turmkran zur Ausführung von Hochbauten. 

(Auigefnhrl von der Gesellschaft (Or elektrische Induttrir in Karlsruhe.) 



I älirend man in Amerika schon vor längerer Zeit bei 
der Ausführung bedeutenderer Hochbauten zur Er- 
sparung umfangreicher, kostspieliger und in der 
Herstellung zeitraubender Rüstungen, sowie zur Ersparung 
von Arbeitskräften vielfach dazu übergegangen war, ledig- 
lich mehrere feste Auslegerkrane oder auch fahrbare 
Krane von voller Gebäudehohe unter Wegfall aller Rüstun- 
gen in Anwendung zu bringen, i-t man auf dem Kontinent 
diesem Beispiele erst vereinzelt gefolgt. Die Vorzüge 
einer solchen Ausführungsweise sind auch erst besonders 
in die Erscheinung getreten, seit man zum Betriebe solcher 
Krane die Elektrizität herangezogen und damit denselben 
außerordentlich vereinfacht und die Leistungsfähigkeit na- 
mentlich inbezug auf rasche Arbeitsleistung beträchtlich 
erhöht hat. Als bedeutende Bauausführungen dieser Art 
sind die beiden Kunstpaläste zu nennen, die gelegentlich der 



Pariser Weltausstellung vom Jahre 1900 errichtet wurden. 

Auch die deutsche elektrische Industrie hat sich dieses 
Anwendungsgebiet nicht entgehen lassen. Der nachstehend 
beschriebene und durch Abbildungen dargestellte elek- 
trische Turmkran ist das Erzeugnis einer deutschen Firma, 
der „Gesellschaft für elektrische Industrie in 
Karlsruhe i. B ", der allerdings seine erste Verwendung 
nicht auf deutschem Boden, sondern beim Bau einer etwa 
aoo m langen, 2$ m hohen Kaserne in Brüssel gefunden hat. 

Veranlassung zur Anwendung dicsei Kranes war hier, 
abgesehen von der Rücksicht auf die Ki -parting der Rüstun- 
gen, vor allem die Notwendigkeit, durch Schnellbetrieb die 
sehr kurz bemes-enen Ausfülirung-fri-tcn einhalten zu kön- 
nen. Ersehwert wurde die Aufgabe dadurch, datl nur knapper 
Raum zur Verfügung stand, si'dall da- Tr.in-portglci- zur 
He ran Schaffung der Materialien da» Krangerüst durch- 

6t 



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brechen mußte — es i*t hierzu im Kranuntergestell eine 
lichte Durchfahrtsöffnung vun 2,4 ■ Breite bei 1 ,6 m Höhe 
frei gehalten worden — und da die Straße, an welcher 
der Neubau auszuführen war und welche als unmittelbare 
Unterlage für das Kranglcis diente, eine Steigung von 
1 : 30 besaß. 

Der Kran ist ein fahrbarer Drehkran, dessen von Mitte 
Drehachse bis Mitte Ilaken 6™ weit ausladender Ausleger 
eine Höhe von 24.75 m "b* r Schienenoberkante besitzt, 
wahrend die Hubhöhe 23,5 « beträgt Der Kran läuft auf 
einem Doppelschlenengleis von 3,25 m Spur; die größte 
Breite des Untergestelles erreicht noch nielit ganz 4 ■». Ks 
war das erforderlich, weil auf der für die Kranlaufbahn 
mitbenutzten Straße von nur 6,6 "- Breite noch Kaum zum 
Vorbeifahren eines Wagens verbleiben mußte. 

Der Kran besitzt eine Tragkraft von 10 ». Er ist jedoch 
m eingerichtet, dali mit ihm auch größere Lasten (ein- 




zelne besondere Werkstücke» bis zu 15 1 gehoben werden 
können. Bei 10 t Last erfotgl der Hub mit 5 "'. Minute Ce- 
schwindigkeil, bei 3 t und weniger mit 17,5m Minute. Die 
Drehung erfolgt mit einer Geschwindigkeit von etwa40"> Mi- 
nute und vollzieht sich mit großer Leichtigkeit, da da-« 
Spurlager aN Rollenlager, das Halslager in Höhe der obe- 
ren Plattform als Kugellager ausgebildet ist. 

Für jede Bcwegungsan: Hebung der Last. Drehung 
und I Jlngsbcwcgung des ganzen Kranes ist ein besonderer 
Motor vorgesehen. Die sämtlichen maschinellen Teile sind 
auf der unteren Plattform angeordnet und werden von 



einem einzigen Mann bedient. Auf der oberen, etwa 15«» 
Uber Straße liegenden Plattform ist ein zweiter Mann auf- 
gehellt, der die doppelte Aufgabe hat, das obere Hals- 
lager zu warten und Kommandos an den Maschinisten 
bei Versetzung besonders schwerer Stücke zu geben. Der 
Doppelhaken ist ebenfalls auf Kugeln gelagert. Durch auto- 
matische Abstellvorrichtungen wird sowohl ein Ueberiastcn 
des Kranes als auch ein Zuhochziehen der Last verhütet 
Das TurmgerOst des Kranes ist so eingerichtet, daß 
es bequem aufgestellt und niedergelegt werden kann. Es 
kann für höhere Bauten leicht ein weiteres Stockwerk hin- 
zugefügt, für niedrigere ein solches weggelassen werden. 
Ebenso ist es ohne wesentliche Unkosten möglich, für 
kleinere Lasten größere Ausleger einzusetzen. Besondere 
Sorgfalt war natürlich in dem vorliegenden Falle auf den 
Unterbau zu verwenden, der aus den schon ausgeführten 
Gründen der Querverbindung entbehrt, daher in sich aus- 




reichend steif hergestelll werden mußte, um die Spur- 
enwltting und die leichte Beweglichkeil zu sichern. 

Unsere Abbildungen lassen die allgemeine Anordnung 
de- KrangcrQste- v,, w ie auch die Einzelheiten des An 
triebe» die Aufstellung der 3 Motoren usw erkennen 
Der I nterhau wird von 4 kailpaarcn gestiit/t, von denen 
nur a durch den Motor mittels Zahnradgetriebes angetrie- 
ben werden, Die beiden Räder eines Paares sind dabei 
durch Keite gekuppelt. Der zweite Motor bewirkt mittels 
Zahnkränze« die Drehung, der dritte schließlich treibt die 
mit mehrfachem Vorgelege ausgestattete Winde an. 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Aren.- u. Ing. -Verein zu Düsseldorf. Vers, am 7. Okt. 
1003. An wc». 26 Mitgl., Vors. Hr Dreling. Nach Er- 
ledigung der Eingänge beschließt die Versammlung, von 
Erstattung gedruckter Sitzungsberichte an die Verbands- 
Vereine abzusehen. Hr. Dorp berichtet hierauf in ein- 
leitender Weise ül>cr den Verlauf der Abgcordneten- 
'eisaiiiniliing in Dresden. Zur L'cbcrprüfung der Wett- 
bewerbs - Bestimmungen wird ein Ausschuß gewählt. 

Vers am 20. Okt. 1903. Anwc». 27 Mitgl , 5 Gäste. 
Vors Hr Tharandt. Aufgen. werden Hr Generaldlr., 
Keg - u Brt. Matliies als auswärtiges und die Hrn. Ing. 

8a 



V 



Fischer und Carstens«! ak einh. Mitgl Gestorben ist Hr. 
Ing. Hücker. Zur Verhandlung stand ein Antrag des Hrn. 
Arth Webling auf Abänderung der Bestimmungen 
betr. die Abnahme der Neubauten und anderer Aus- 
fahrun gs- Bestini mutigen der Baupol izci-Ord nung. 

Vir« am 7 Nov. 1903 Anwc«. 28 Mitgl.. 1 Gast. 
Vors Hr. Dreling. Aufgen. wurden die Ilm Ziv.-Ing. 
Nauen und Ine Körting Nach geschäftlichen Mitteilungen 
berichten die Ilm. Ehlen über Haftung für Vorkomm- 
nisse beim Bau eines Maschinenhauses und Tha- 
randt über Straßen- Auf reißapparate. — 

Vers am 17. Nov. 1903. Anwes. 30 Mitgl., Vors. Hr. 
Dreling. Aufgen. wird Hr. Arth. Furthmann. Für die 

No. 14 

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Wahl des Vorstandes im neuen Vereinsjahr wird ein An- 
schuß bestellt. Hr. Arth. Korn berichtet sodann über die 
Veränderungen der neuen Land- Baupol ize ioiil- 
nung für den Reg. -Bez. Düsseldorf, welche auf An- 
regung de* Vereins vorgenommen worden >ind - 

Vers, am 1. Dez. 1903. Anwes 47 Mitgl.. Vors. Hr 
Dreling. Zunächst wird* der Arbeitsplan für das Vcr- 
bandsiahr 1903 4 vom Schriftführer vorgetragen Aufgen. 
wird Hr. Ing Sülzlc Hr. Brt Kadke berichtet über 
einen Antrag der internationalen Kunst- und Gartenbau- 
Ausstellung zu Düsseldorf 190.), betr die Veranstaltung einer 
Ausstellung der deutschen und ausländischen 
Architekten. Hr. Arch. Wühler kennzeichnet den 
Standpunkt der Architcktenschaft der internationalen Kunst- 
ausstellung gegenüber und empfiehlt, daü der Verein sein 
Hecht auf einen Ausstellungsraum im Kunslpalasl durch 
den früheren Ausstellungs • Ausschuß für 190a geltend 
mache und daü der Verein ausstelle Hr. vom F.ndt 
unterstützt diesen Standpunkt. Ilr. Kadke schlagt vor, 
der Ausstcllungsleitung zu antworten, daß der Versuch 
gemacht werden sollte, eine internationale Architektur- 
Ausstellung zusammen zu bringen, vorausgesetzt, daß die 
Architektur im Ausstellungspalast Platz findet. I Ir Wühler 
betont den Mangel an Zeit, Kaum und Old zu dieser 
Veranstaltung. Hr. Brt. Gürz berichtet Ober den Verlauf 
der Verhandlungen im Arbeit-Ausschüsse für die Wandel - 
versammlung 1904 in derselben Sache und halt den Vor- 
schlag des Hrn. Kadke für aussichtslos. Hr Arch Korn 
unterstützt den Standpunkt Wühler. Hr. von» Endt be- 
antragt: Die internationale Arch -Ausstellung zuzusagen 
unter der Bedingung, daß sie im Kunsipalast unterkommt 
und die Einladungen hierzu die internationale Kunstaus- 
stellung erlaßt. Hr. Kadke spricht für, Hr. Wühler gegen 
diesen Antrag, den er für aussichtslos halt. I >ic 1 Im. Drcling 
und Wühler betonen, daß der Architekten-Verein als solcher 
nicht autorisiert sei, für sich einen Ausstellungsraum zu 
beanspruehen, das könne nur der Ausslellungs-Vereinsaus- 
schuß 1903/04. Hr. Peiffhovcn widerspricht dieser 
letzten Ansicht. Ilr. Arch. Fuchs stellt sieh auf den 
.Standpunkt des Hechtes des Architekten- und Ingenieur- 
Vereins: Die Architekten und die Aussteller gegenüber 
der Internationalen Kunstausstellung zu vertreten. Hr. 
Fcttwcis tritt dein bei. Hr Dreling bestreitet das 
Mandatsrecht des Verein- Hr. Kadke beantragt, der Aus- 
stellutigslcitung 1904 unabhängig auf ihren eingangs er- 
wähnten Antrag ein zweites Antwortschreiben mit dem 
Inhalte zu senden, daß der Aich.- und Ing.-Verein besonders 
die Ausstellungsrcchte der Düsseldorfer und deutschen 
Architekten vertritt. Antrag vom Kndt wird mit 24 Stimmen 
angenommen — Hr vom Kndt teilt eine bemerkenswerte 
Ausführung beim Umbau eines Wohnhauses mit. Hr Gürz 
berichtet über den Kntwurf zum Verlrage Uber Herstellung 
des Werkes .Düsseldorf und seine Bauten" milder 
Finna I.. Schwann hiersclbst, mit dessen Abschluß die Ilm 
Görz, vom Kndt und Dreling beauftragt werden, 

Vers, am 15 Dez. 1903. Anwes. 40 Mitgl., 1 Gast. Vors. 
Hr. Dreling Hr Landcsbrt. Görz wird als Delegierter 
zu den Beratungen des Verbands Vorstandes nach Frank- 
furt a M. gewählt. Hr. Arch Wühl e r berichtet hierauf, daß 
in Anbetracht des Andranges zur internationalen Kunstaus- 
stellung 1904 mehr Kaum als die Leitung derselben den 
deutschen Architekten nach früherer Mitteilung gewahren 
konnte, nicht zur Verfügung steht. Im I.okalausschuß für 
die Arrh. -Ausstellung ist au Stelle des ausscheidenden 
Ilm, Stadlbrt a. D. I'eiffhoven Hr. Wühler als Vorsitzender 
gewählt Ilr. Körting trägt hierauf über Saugsiel • An- 
lagen zur Beseitigung von Fäkalien vor, woran sich 
ein lebhafter Meinungsaustausch knüpft [Ii. 



Vermischtes. 
Verstcherungspfticht der Inhaber von Baubureau«. I >ic 

Streitfrage, welche in zahlreichen Fällen in dieser Zeitung 
zur Beantwortung gestellt wurde, nämlich ob Betriebe, 
welche sich in der Hauptsache auf die Anfertigung von 
Bauplänen, daneben aber auch auf die Ueberwachung 
der Ausführung von Bauten erstrecken, gegen Unfälle 
versicherungspflichtig sind, ist neuerdings vom Reichs- 
Versichcrungsamte im bejahenden Sinne und damit in der 
von uns vertretenen Weise beantwortet worden In deni 
Kckursbescheide No. 2024, welcher in den „Amtlichen 
Nachrichten des Kcichsvcrsiclicrungsanilcs" No 11 vom 
l.Nov. 1903 abgedruckt und im „Deutschen Kcichsanzcigcr" 
No. 268 vom 13, Nov. 1903 wiedergegeben ist, erklärt das 
Reichsversicherungsamt, Betriebe der beregten Art bei 
den Baugewerks - Berufsgeiiossenschaftcn in vollem Um- 
fange versicherungspflichtig. 

Danach kommt es also nicht darauf an, ob die Ucher- 
wachung von Bauten den hauptsächlichsten Teil der ISr- 

17. Februar 1904. 



sehäftigung eines im Banbureau angestellten Architekten 
ausmacht, oder ob sie nur vereinzelt erfordert wird. Ks 
genügt vielmehr die Tatsache, daß es überhaupt zur 
Beaufsichtigung von Bauten kommen kann, daß also Ge- 
legenheit besteht, beim Betreten von Bauplätzen von Un- 
fällen betroffen werden zu können, utn'die Vcrsicherungs- 
pflichl zu begründen und für den Arbeitgeber die Zwangs, 
pflicht zu schaffen, seinen Betrieb durch Vcrmittelung 
der Ortspolizei zur Eintragung in das Kataster der zu- 
ständigen Berufsgenossenschafl anzumelden. F.s bleiben 
also von der Versiehentngspflicht und dem Anmeldungs- 
zwange künftig nur noch solche Bauburcaus befreit, 
welche sieh ausschließlich mit dem Entwerfen von Bauten 
und der Anfertigung von Bauplänen beschäftigen. Selbst 
der Umstand befreit den Beiriebsunternchmcr nicht von 
der Anmeldepflicht, daß er die Beaufsichtigung und Lei- 
tung der Bauten regelmäßig in eigener Person besorgt 
und sich vielleicht nur im Verhinderungsfälle durch 
einen Angestellten vertreten läßt Völlig gleichgültig 
bleibt es, ob nach der Art des Betriebes für denselben 
Gcwcrbrsteucrpflirht besteht oder nicht. Selbst gewerbe- 
steuerfreie Betriebe, welche als solche von der Heran- 
ziehung zur Mitgliedschaft einer Handwcrkerkanimcr be- 
freit sein würden, können auf den Umstand ihrer Steuer- 
freiheit nicht das Verlangen stützen, von der Versiehe- 
rungspflieht befreit zu bleiben. Ks gilt das von Hoch-, wie 
von "I iefbauten, wenngleich der Kekursbcschcid in einem 
Falle der erstcren Art ergangen war. Denn der Kern- 
punkt der Kntseheidung trifft hier wie dort gleichmäßig 
zu. Bei beiden Bauwerken besteht die Möglichkeit, wäh- 
rend der Anwesenheit und Ausübung der Verrichtungen, 
welche bei der Bauaufsicht und Leitung vorzukommen 
pflegen, verunglücken zu können. Bei beiden kann also 
für den Techniker das Bedürfnis eintreten, einen Vermögens- 
ausgleieh für den Verlust geiner Erwerbsfähigkeit durch 
Betriebsunfall zu erlangen, die Unfallfürsorge zu erhalten. 

Infolge dieser Rechtsprechung kann allen, welche 
Baubureaus unterhalten, nur dringend geraten werden, 
baldigst ihrer Anmeldepflicht zu genügen. Eine Vernach- 
lässigung derselben kann nämlich nicht nur empfindliche 
Ordnungsstrafen nach sich ziehen, sondern seit der jüng- 
sten Rechtsprechung des Reichsgerichte» den betreffenden 
Betriebsunternehmer auch schadenersatzpflichtig werden 
lassen, ihn nämlich der Gefahr aussetzen, zur Zahlung der- 
jenigen Beiträge an den Verletzten verpflichtet zu werden, 
welche dieser kraft der gesetzlichen Unfallfürsorge von 
der zuständigen Berufsgenossenschaft genossen hal>cn 
würde, wenn er am Unf.illtage bei ihr schon versichert 
gewesen wäre, ,> rof I)r Kar , ,, ilsr 

Zur Frage der Aufstellung eines Bismarck-Denkmals In 
Bremen. < ibglcieh man sich mit dem von Schumacher 
111 No 10 der „iVuischcn Bauzeitung" ausgesprochenen 
Gedanken über die architektonische Losung für die Auf- 
stellung eines Bismarck - Denkmals in Bremen befreunden 
kann, so mochte ich doch behaupten, daß die an der Nord- 
seite des I l.iuptttirmes der LicbfraucivKirche gedachte 
Nische keineswegs hierfür geeignet erseheint, und zwar 
aus dem Grunde, weil das IVnkmal an sich einen viel zu 
gewaltigen Gedanken in sich birgt, um einem so beschei- 
denen Platze als Zierstück zu dienen, denn der natürliche 
Straßenzug ist vom Wall unmittelbar durch die Sögc- 
Straße bis zur ( »bernsiraüe, oder vom Wall später in 
den Schüsselkorb einbiegend nach dem Domshof. Der 
Platz an der Liebfraucnkirehc liegt viel zu versleckt. 
Dahingegen wäre zu erwägen, welcher Platz sieh ergibt, 
wenn man das an die Liebfrauenkirche schwalbennest- 
artig angebaute Häuschen am kleinen Tum» abbrechen 
und damit einen wohl geeigneten Denkmalplatz für den 
ersten deutschen Kanzler schaffen würde. Erstens käme 
Bismarck gleich wie im Leben in unmittelbare Nähe seines 
kaiserlichen Herrn zu stehen und zweitens läge das Denk- 
mal im Herzen eines der schönsten Städlcbildcr, ohne 
eine l'cberiadungderGesaintanlage herbeizuführen. Drittens 
wäre eine glückliche architektonische Lösung hier weit 
eher möglich, als !>ei dem technisch schwierigen Nischen- 
bau am Nordturn» der Liebfrauenkirche. - 

Hamburg, Febr. 1904. Hermann Schütze. 

Auszeichnungen. F.s hahen kürzlich einige Ernennun- 
gen von Privatarchitcktcn stattgefunden, welche verdienen, 
aus der Gleichförmigkeit der. Personal-Nachrichten'' heraus- 
gehoben zu werden So wie vor einiger Zeit die I lm. 
Reg -Bnistr Albr. Berker und Bnistr. G. Knoblauch in 
Berlin zu Bauräten ernannt wurden, sr, sind kürzlich die 
Banräte von Groszhetm, Ka\>fr und Seh wecliten 
zu Geheimen Hauräten ernannt worden und es ist da- 
mit eitler ausgebreiteten und erfolgreichen privaten künst- 
lerischen Tätigkeit zun» wiederholten Male eine öffentliche 
Anerkennung zuteil geworden. 

8j 



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Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Waisenhaus Dessau. Wahrem! wir die 
Notiz auf S 80 schrieben, war die Kiitschciduns in diesem 
\Vcttl>ewcrb bereits gefallen, sndatl die Verzoecrunp, wenn 
man die Weihnachtszeit inbetracht zieht, doch keine all/u 
lange war, Den I. Preis von 1000 AI. erranu Hr. I'aul 
Zimmer in Elberfeld; den II. Preis von 600 M. Hr. f 
l'feiffer in Friedenau; der III. Preis von 400 M. fiel den 
Ilm I.udw. Kulerund W. Bergen in Wiesbaden zu. I»en 
in Aussieht gestellten Ankauf von 4 weiteren Entwürfen für 
je 2S0 M. vermochte das Preisgericht nicht zu empfehlen 
Die Entwürfe sind vom 1;^ 27. Kebr. in lV»au, Zerb-tei ■ 
siraüc 57, öffentlich ausgestellt. 

Bücher. 

Am Technolexikon, bekanntlic!) ein 1901 vom „Verein 
deutscher Ingenicure - ins Leben gerufenes Unter- 
nehmen eines allgemeinen technischen Wörter- 
buches in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und 
Französisch arbeiten jetzt 363 in- und ausländische techn. 
Vereine mit. Von Firmen und Einzelpersonen haben 2573 
Original-Beiträge zugesagt. Das Ausziehen sowohl cin- 
als besonders mehrsprachiger Texte (Lehrbücher. Abhand- 
lungen, Geschäftsbriefe, Geschäftskataloge, Preislisten usw.) 
sowie ferner der bisherigen Wörterbucher ergab bis jetzt 
imganzen 1 930000 Wortzcttcl. Hierzu kommen nun in 
den beiden nächsten fahren (bis Mille 1906) noch die 
Hunderttausende von W ortzcttcln, die sich aus der redak- 
tionellen Bearbeitung der schon eingesandten und der noch 
einzuliefernden Beiträge der Mitarbeiter ergeben werden. 

Alte noch ausstehenden Beiträge werden bis Ostern 
dieses Jahres 1901 eingefordert. Da die Drucklegung 
des Technolexikons Mitte 1006 beginnen soll, so können 
verspätete Beiträge nur bis zu diesem letzteren Zeitpunkte 
mitverwertet werden, d. h. ausnahmsweise. Alle Ein- 
sendungen und Anfragen sind zu richten an den leitenden 
Redakteur des Technolexikon, Hrn. Dr. Hubert Jansen, 
Berlin NW. 7, Dorolheenstr. 49. - 

Brockhaut' Konversations - Lexikon. 14. vollst umgearb. 
Aufl. Neue revid. Jubiläums - Aufgabe. 16 Bde. 
eleg. geb der Bd. 10 M. Verlag von F. A. Brockhaus 
in Leipzig, Berlin, Wien 1903. 
Rascher, als man erwarten durfte, liegt das vollendete 
sechszchnhandige Werk vor uns, dessen letzter Band noch 
vor Jahre.sschluU erschien. Wir haben den einzelnen Ban- 
den s. Zt. schon empfehlende Worte beigegel>cn, denen 
wir nur wenig hinzuzufügen haben. Vor 107 Jahren er- 
schien die erste Auflage in bescheidenem Umfange, wah- 
rend das Werk jetzt etwa 18000 S. Text umfaßt und mit einer 
Fülle z.T. vortrefflicher Abbildungen im Text und zahlreichen 
teils schwarzen, teils bunten Talein aus allen Gebieten des 
Wissens ausgestattet ist. Etwa 500 .Sachverständige aus den 
verschiedensten Gebieten haben den umfangreichen Stoff 
zusammengetragen. Blättert man in den alten Jahrgängen 
des Lexikons, so erhalt man einen interessanten Einblick 
in die fortschreitende Entwicklung auf wissenschaftlichem, 
künstlerischem und wirtschaftlichem Gebiete, da jeder 
Band die Verhältnisse seiner Entstehungs/eii wicdcr- 
spiegelt. Für unsere Leser wird ein solcher Kackblick 
besonders auf technischem Gebiete von Nutzen und In- 
teresse sein. Gerade auf diesem Gebiete kamen die Fort- 
schrille des vergangenen Jahrhunderts ja ganz besonders 
zum Ausdruck, Auch in der immer eingehenderen und 
sorgfältigeren Behandlung der technischen Wissenschaften 
und ihrer Errungenschaften, wie wir sie in den einander 
folgenden Auflagen des Lexikons verfolgen können, spre- 
chen sich die wachsende Bedeutung der Technik und das 
zunehmende allgemeine Interesse für technische Kragen 
deutlich aus. 

Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: 
Kalender !0r Straiieo-und Winetbiii- and Kultur- 
Ingenieure. Begründet von A. Reinhard. Neubearbei- 
tet von R. Scheck, Reg - u. Brt. in Erfurt. 31. Jahrg. 1901. 
Oeb. nebtt 3 gehefteten Beilagen. Wiesbaden. J. F. Berg- 
mann. Pr. 4 M 

K«lendcr (Ar Eisenbahn- Techniker. Begründet von 
Edm. Heusinger von Waldegg. Ncubcarbcitct von A. W. 
Meyer, Kgl. F.isenb-Rau- u. Betr-Insp in AHciislciu. 31. 
Jahrg. 1904. Geb. mit 1 Beilage. Wiesbaden, J F. Beig- 
manu. Pr. 4 M. 

Uliland'a Kalender (Ar Maschinen-Ingenieure. 

Bearbeitet von W. H. Unland, Ziviling. u. Patentanwalt 

10 Leipzig. 3a Jahrg. 1904. j Teile. Arnold Bergstr»««er 

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Deutscher Wappen-Kalender 190» 33 Seit«» Hoch- 

qoart in 9-faibigcm litliogr. Druck Verlan * °" Gebr. Vogt, 

PapicrmOhle bei Roda S -A Pr. 1.50 M, 
Kalender (tlr H > 1 / u n g s - . I . A 1 1 u n g * - und B a d < t 1 1- h ■ 

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84 



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Hftttentei hmker. Herausgegeben von Ziviling. C Fran/en 
in Köln und lug. K Mattier, Kgl. Obeilchrt-r In Köln 
39. lahrg. 1904 -j (eile. Essen, G. D Baedeekrr. I'i. a£o, 
3.50 und 4.50 M. 

Mein künftiger Beruf. No. 3a : Der Architekt und Rcgicrungs- 
Baurueisler- Lciptig 1903 C. Bange« Verlag. Pr. 50 I'I. 

Block , J. , Apotheker, t'ebcr einige Reisen in Grie- 
chenland, mit Berflckfiehtigung der geolog Verhältnisse 
sowie der Baumaterialien, insbesondere der Marmorarten 
Griechenland* im Vergleich mit denjenigen Deutschland« und 
einiger anderer Lander. Bonn iqoj. ( arl Georgi , 1'nivri- 
sitats-ßuehdr uckei ei. 

Crugnola, G , Icgegnere Di/ionario leeiiico di ingegneria c di 
aichitctluru nelle lingue italiano, Franeese, inglese e tedesca. 
Parle I. Toiino 1903 Socidi» editrice Suec. A. F. Nefro e C. 

Dobel, E., Reg.-Bnistr. und »ladt Bauin«p. Kanalisation. 
Anlage und Bau Stadl. Abtngskantlc <in<l Hautrntwasserun- 
gen. 4. ncubeaibeitete Aull mit 16 Tafeln ausfuhr!. Plane 
und Detailicirhnungrn. Nebst einen Anhang: Abwasser- 
Reinigung von F.mil Mairr, Rrg-Bmstr. Stuttgart 1903 W. 
Kohlhammer. Pr. 4,80 M 

Hey mann, Juh. Moderne Schriften. Vorlagen für die Be- 
schreibung teehnisctier Zeichnungen für Techniker aller 
Fächer, insonderheit (Or Architekten und Bauhatid werker. 
Lcipiig 1903. Seemann ft Co. Pr. 7.50. M. 

Hirsch, Fritz. Von den Universitats-Gebauden in 
Heidelberg. Heidelberg 1903. Carl Winter'« Univer- 
simts Buchhandlung. Pr. 3 M. 

Hübner'» Geographisch-statistische Tabellen aller 
I.Inder der Erde. Herausgegebrn von Prif. v. Jura«chek. 
Frankfurt a. M. 1003. Heinr. Keller. Kart, 1,5,3 M , Wand- 
tafel-Ausgabe 60 Pf. 

Hatton , Thomas. Ski/tierende Aquarell-Malerei, 
Anleitung für Anfaugcr. Deutsch von Otto Marpurg. Ravens- 
burg 1003. Otto Maier. Pr. 1,50 M. 

Limbach, Ernst, Oerichtsscluciber. Handbuch fflr den 
Hypotheken-Gläubiger im Zwangsversteigerungs- 
und Zwangsverwaltungs-Verlahren. Dresden 1903. Ed. Meyer, 
Huclidruckerei Pr. 3,50 M. 



Personal-Nachrichten. 

Baden. Der Kult-lnsp, Sichert ist 1. Wasser u. StralJen- 
Baninsp. in Ottenburg ernannt. 

Bayern. Dem Reg- u. Kreisbrt. I'a« her in München ist 
die IV. Kl. des Verdienstorden» vom hl. Michael, dem Reg- u Kr,- 
Bauass. Inuma v. Stern egg in München und dem Kauamtm. 
Kraus in Weiden ist der Tit. u. Rang eine» Kgl- Rrts. verliehen. 

Der Dir .-Rat Wie klein unter Bcfoiderung tum Rcg.-Rat und 
der Dir As«.. Riegel unL Beförderung tum Dir.- Rat sind in da« 
Staatsmini«! (ur Verkehrsangelt-geulieitcn berufen. 

PreuOen. Dem Geh. Ob.-Hrt. K r> 1 1 o w s k i in Eberswaldc 
ist die Kgl. Krone tum Roten Adler « »rrlen II. Kl. mit dem Stern 
und Eichenlaub, dem Geh. Reg Rat Dr. Riedlcr, Prot, ander 
Techn. Hochschule in Berlin, der Rote Adler-Orden II Kl und 
dem Reg-Bmslr. a. D. Körte in Berlin der Rote Adler-Orden 
IV. Kl. verliehen, 

Die Annahme uml Anlegung der ihnen verlieh, fremdlünd. Auf- 
zeichnungen ist gestattet und »v.: Dem Wirkl Geh. Rat, Oh. Bau- 
u. Minist Dir. Srhrnnlrr de« Komtiirkrcuics 1 Kl. des (irolihert. 
lies*. Verdienstorden* Philipp des GronmOligen , dem f >b.-Brt. 
Hermann in Münster i. W. de« Koroturkrcures de« Kais, und 
Konigl östcricich.-uiigar. Fiant Josef Ordens. 

Verliehen ist: Dem Geh. Ob. - Bit.. Dr. - Ing., Dr. Zimmer- 
mann ini Minist, der .'•fienti. Aib. die Kgl. Krone tum Roten Adlcr- 
Oiden II. Kl. mit Eichenlaub; dein Geh. Brt a D. L o c h 11 e r 
in Berlin der Rote Adler- Ol den II. Kl- mit Eichenlaub; dem 
Gcneral-Dir. Geh Brt. Rathenau in Berlin der Rote Adler- 
Orden III. Kl. mit der Schleife; dem Arch Bodo Ebhar.lt in 
Ciunewald, dem Reg -linutr. a. I). Denninghoft in Charloltcn- 
burg. dem Ob-Ing Di.-lng Reichel in Stcglitt und dem Kabr.- 
Dir. Lasche in Berlin der Rute Adler-Orden IV. Kl.; dem Ing- 
Stix in Berlin, dem Ob -log. Kliriliml in Friedrichshagen und 
drin Ing. Otto in l'ankou' der Kgl. Kioneti < liden IV, Kl. 

Dem Reg.- u. Brt- Eger in Berlin, sowie den Brt» Sehweeh- 
ten, Kayser und v. (irosthetni in Bei Iii) ist der Char. als 
t*eti. Bit. verliehen. 

I.ler Kl -Hauin^p Otte in Raxtenhurg ist nach Heyilckrug und 
der Reg -Hm«li . H. S e h ü ( e 1 in Magilebuig nach Neusieitin versettt. 

Dem Pro! Damert au der Tcehn. Hlk Ii», hule in Aachen 
ist der Char. als Geh Reg. -Rat verliehen. 

Der Schiff bauing. La as ist 1. ctattn. Prof. an der Techn. Hoch- 
schule in Berlin ernannt und ist demselben die durch das Aus- 
scheiden de» Prof P a g r I erled Prof, Inr prakt- Schiffbau verliehen. 

Zur Beschäftigung (lberwie.en sind die Reg -Bmstr : M Beck- 
mann der Kgl. Reg. in Anrieh und Härtung der Kgl. ELienb.. 
Dir, in Köln. 

Der Reg -Bfhr. (Hüchbfch ) Mac I. e a n aus Karlsmarkt ist 1. 
Reg -Itmstr ernannt. 

Den Reg -Bnisliu. K 11 i p p i n g in Elberfeld. Johs Körner 
in Warstein und Friedr. Schult! in Pankow ist die nachge«, 
Einlas» aus dem Staatsdienst erleilt. 

Der Reg - u Urt. Spirgati« in Kreu/burg. O -Sehl , der Geh. 
Brt. Sohorh.nl ,n Ka«>cl und der Kgl Brt Schmidt in 
Datitiü »in<l gestorben 



Inhalt: Kl. Lti !>• -i'-r l ..• n.V ■ . • io An.lilhi a:,; \ ml f [...M.aillciv - 
M.ilrdn-igi'ti ii-s Vi-.iMr.t-u. V.m ...1-, Mrv - l'ii-ishene:hungrn. - H.wWr- 
»•l-iii -- IV; lal.Sa.hiichtra 

Xr-Ut 'I'i I •«-iits.-lM 1, H^ii/rilin,.-, I. m U II. Bi-Im 1 . 1 r -tie K.-.bklioii 
>. ...ikm.mU. ,U«-r. Il..lmann. Jti-ilm. Druck von Willi, uitif, Brrhn. 

No. 14. 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2. 15. BERLIN, DEN 20. FEBR. 1904 

Die Arbeiterheilstätten der Landes -Versicherungsanstalt Berlin bei:- Beelitz. 

Architekten: Schmieden & Bocthkc in Berlin. 

<r'orlJ«t£ung ) Hierzu rinr Poj>fwl - MJdtx-tl.it;«- nrnir tlir Abbildung auf Scltr 9p. 

II. Die Einzelbauten. 

Der Pavillon des Sanato- 
riums für Männer. 

er Pavillon des Sana- 
( toriums fflr Männer 
| (s. d Grundriß S. 64 
und die Ansicht auf 
derBeilagezuNo.nl 
ist ein langgestrecktes, 146 ,n 
langes, mit der Hauptfront nach 
Süden gerichtetes Gebäudc.wcl- 
ches aus Knl-, einem Ober- und 
dem ausgebauten Dachgeschoß 
besteht und in der Hauptsache 
Schlaf- und Wohnräume für die 
Pfleglinge enthalt. Im Erdge- 
schoß stehen 83, im Oberge- 
schoß 82 und im Dachgeschoß 
21 Betten; die Gesamtzahl von 
186 Betten kann leicht auf Ober 
200 erhöht werden. Die Räume 
liegen meist nach Sfldcn, einige 
nach Westen und Osten; Kran- 
kenräume mit reinem Nordlicht 
sind vermieden. An der Nord- 
seitc liegen die Nebenräume 
und die Räume (Or die Kör- 
perpflege. In der Mittelachse 
schließt sich an den langge- 
streckten Hauptbau eine Raum- 
gruppe für die ärztliche Be- 
handlung an; hier liegen der 
Operations-Saal mit Neben- 





räumen, Räume für Massage und elektrische Behand- 
lung, einRöntgcnkabinet und ein Laboratorium, Räume, 
die sich im Obergeschoß zumteil wiederholen. An 
der Westseite befindet sich der große, auch geselli- 
gen Zwecken dienende Speisesaal mit einer Gruppe 
von Nebenräumen, die zumteil dem Gescllschaftsleben 
der Pfleglinge dienen, zumteil rein wirtschaftlichen 
Zwecken gewidmet sind. Auf die psychische Einwirkung 
auf die Pfleglinge scheint bei der Anlage und der Aus- 
stattung der gesamten Anstalt der Wert gelegt zu sein, 
der diesem wichtigen Moment in der Krankenpflege zu- 
kommt. So ist u.a. der 
Nischen- Ausbau des 
Speisesaales miteiner 
Bühnen - Einrichtung 
undeinemOrchestrion 
versehen, um Unter- 
haltungszwcckcn zu 
dienen, welche ober 
das gewohnliche Maß 
hinausgehen. Nach 
Süden gelegene Ter- 
rassen und offene 
Mallen ermöglichen 
geschützten Aufent- 
halt im Freien. Es 




Pavillon des Sanatoriums für Frauen. 

~ er Pavillon des Sanatoriums für Frauen ist 
n der Gesamtanlage dem vorerwähnten 




Gebäude verwandt, ohne indessen seine 
Ausdehnung zu erreichen. Die Zahl seiner 
Betten ist mit etwa 80 angenommen; auch 
hier kann eine Erhöhung dieser Zahl leicht und ohne 
Beeinträchtigung der Bequemlichkeit der Insassen statt- 
finden. Die Krankenräume verteilen sich auf ein Erd- 
und ein Obergeschoß. AlleNebenraumc und alle Räume 

für die ärztliche Be- 
handlung sind wie bei 
dem Männcrpavillon 
vorhanden, jedoch in 
entsprechend gerin- 
gerem Umfang. Die 
hier wesentlich klei- 
nere Gruppe des 
Speisesaales und sei- 
ner Nebenräume bil- 
det den östlichenKopf- 
bau des Gebäude* 
und ist eingeschossig. 
Mit dem eigentlichen 
Speisesaal für den 



KochkOchen Gebiodr. 




Hr «infektions-, Obduktion*, ui d 
Vcrbrcnnuimlnu*. 

geht durch die Anlage ein ausgesprochener Zug großer 
Weiträumigkeit; allenthalben ist das Bestreben be- 
merkbar, ohne ängstliche Rücksicht auf die Mittel Ge- 
bäude zu schaffen, welche ihrem Zwecke in vorbildlicher 
Weise zu genügen imstande sind Die Kosten waren 
nach dem Anschlag ohne die Einrichtung mit Möbeln, 
ärztlichen Instruinenten usw. mit838oooM berechnet 



täglichen Gebrauch, der mit einer Anrichteküche in un- 
mittelbarer Verbindung steht, kann bei besonderen Ver- 
anlassungen der Tageraum vereinigt werden Ein großer 
Teil des Hauses i-t mit Holzzemeiitdächern gedeckt; 
nur der Mittelteil trägt ein hohes Dach, welches teilweise 
zu Wohnungen der Bediensteten ausgebaut ist. Die 
Baukosten wurden hier mit 187000 M berechnet. 



No. 15 

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Oic Pavillons für Männer und für Frauen 
der Lungenheilstätten 

| egenüber den Pavillons für Manner und für 
Krauen der Sanatorien für die beiden Ge- 

s< Iderhter sind ilie entsprechenden Pavillons 
der beiden Lungenheilstätten sowohl in der 
Ge-atntanlage wie in der Disposition der 
einzelnen Kämm, nur sehr wenig verändert Die Ab- 
weichung erstreckt -sieh heim Mütnierpavillon der 
Lungenheilstätte lediglich auf die in der I lauptachse 




l'nterschied liegt also in den Bedürfnissen, welche die 
Verschiedenartigkeit der klinischen Behandlung der 
Pfleglinge erforderte. Hauptsachlich ist es die für die 
ärztlichen Maßnahmen gegen die Tuberkulose inbe- 
tracht kommende Kaltwasser-Behandlung, die ihre An- 



Zcutral- 
lt;iilriu*Ull. 




forderungeti ;m die Raum- 
gestaltungen stellte I )ie hier 
auftretenden (• ordet ungen 
w inden in Bei lit/ in sol- 
chem l'm fange erffdlt, daß 
die Ii ydrolhi-rapeiiti.se he Be- 
handlung hier als eine nahe- 
/u vollkommene bezeichne t 
werden katm Damit nach 
di rj Winternii/'-eheii Me- 
thode dieKrank. ;i umnitu I- 
l.ar nach dem Verlassen des 
Bettes der Wa-si-rbdiaiu!- 
lung unti i-c:i Winten 
kö:n.i n, Warden ,:\v;,diU) 
den Kranki. n-ä!en .j k-ciru- 
Kultwa.s-cr - Behandlungs- 
räume emei seliriht-d. 

ahl iL s PaesKonv i>t 

en:e .'ihnllelie \v[< In j di m 
l'a'. " il Ii m (Les Män- 
ner - S ana'oi :111ns. 

Iii. gleii In :iVer- 
h.lltlUssewic diese 

i>' iili Ii l'a; illons 
-'i lit der I 'a\ ii!< in 
f'i: h;t:g. u'..i anke 
: ;.i i n zu dein l'a- 
v;lioi; <|i s ^anaio- 
riuii> lar flauen 



Zentral-Badeanstall. 




angegliederte Raumgruppe, deren ' Hauptbestandteil 
eine Badehalle mit vorgelagertem Ankleideraum und 
angegliedertem Ruheraum sowie Räume für elektri- 
sche liäder und elektrische Behandlung bildet (s. die tung, für die Kocherci und die Wäscherei der beiden 
Grundrisse Seite 64 und die heutige Bildbeilage 1. Der Sanatorien erzeugt werden (s Bildbeilage in N«. 131 



Lr enthalt rd. 70 Betten ; seine 
Badeeinrichtungen einschl. der 
zwischen die Schlafräume ein- 
geschobenen Räume (ür Kalt- 
wasserbehandlung sind nach 
den gleichen Grundsätzen an- 
gelegt, wie die infragc kom- 
menden Einrichtungen für die 
lungenkranken Männer, nur 
in entsprechend kleinereml'm- 
fang. Die Baukosten wurden 
für den Männerpavillon mit 
1 080900M., für den Krauenpa- 
villon mit 509000 M berechnet. 

Das Kessel- und Maschi- 
nenbaus mit Wasserturm. 

s gehört 7U den in- 
teressantesten Ge- 
bäuden der Anlage, 
liegt im C)stcu der 
Baugruppe, .sodall 
die vorherrschenden West- 
winde den Rauch nicht Ober 
die anderen Gebäude treiben 
können und nimmt die tiefste 
Stelle des Geländes ein Bs 
hat sich zu der heutigen mächtigen Anlage aus kleineren 
Anfängen entwickelt Ursprünglich sollte in ihm nur 
der Dampf für Kraftzwecke, für die elektrische Beleuch- 




2X Februar 190, 



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For die beiden Anstallen fOr Lungenkranke war ein 
zweites Kesselhaus geplant. Für die Heizung sollte Nie- 
derdruckdampf mit selbständigen Warmwasscrkcsscln 
für die Häuser der Aerzte und die Pavillons für Lungen- 
kranke verwendet werden. Während der Ausführung 
jedoch entschloß man sich zur Anlage eines Fern- 
heizwerkes, über welches wir noch ausführlicher be- 
richten werden und dessen Dampf für Heiz- und andere 
Zwecke den Gebäuden der ganzen Anstalt von einer 
einzigen Dampfzentralc zugeführt werden sollte. Durch 
diese Zentrale konnten der Kohlcntransport zu den 
Kcsselanlagen der einzelnen Gebäude und die mit 
diesen Einrichtungen verbundenen Unzuträglichkeiten 
vermieden werden. Nun war das Kesselhaus für die 
beiden Sanatorien aber bereits in der Ausführung ; es 
sollte 5 Kessel enthalten Mit ihm wurdedaher ein zweites 
Kesselhaus zur Aufnahme von 9 Kesseln mit je ioofl"> 
feuerberührtcr Fläche so zu einer organischen Gruppe 
vereinigt, daß, wie derGrundriß in No. 13, S. 79 zeigt, die 
beiden Kesselhäuser zwischen sich einen gemeinsamen 
Hof lassen, nach welchem sich ihre Fronten öffnen. 
Zwei gedeckte Gänge stellen die Verbindung zwischen 



den Nebenräumen der beiden Kesselhäuser her und 
zwei Kondenswassergruben dienen in der Art kommuni- 
zierender Gefäße zur gemeinsamen Kesselspeisung in 
der Art, daß die gesamte Kesselanlage von der einen 
Grube gespeist werden kann, wenn die andere zum 
Zwecke der Reinigung ausgeschaltet wird. Arbeitsräume 
für Heizer und Maschinisten, Werkstätten für Schmiede, 
Schlosser und Klempner, Materialienräume, Wasch- 
und Laderäume usw. sind die Nebenräume des einen 
Kesselhauses für das Personal, während mit dem an- 
deren, dem südlichen Kesselhause, Räume für die Auf- 
stellung der Dynamos und der Dampfmaschinen, für 
die Apparate, für die Enteisenung des Wassers und 
für die Fisbereitungsmaschincn verbunden sind. Eine 
große Akkumulatorenbatterie steht im Kellergeschoß. 
Der hohe Turm enthalt das Kaltwasserreservoir; durch 
ihn und durch das ringförmige Wassergefäß geht der 
Schornstein des südlichen Kesselhauses Wohnungen 
für die Heizer und das Maschinenpersonal sind in den 
Obergeschossen der gefällig gruppierten Antage unter- 
gebracht. Die Baugruppe war in ihren baulichen An- 
lagen mit 480 000 M. berechnet. — (Kornetxune foijt) 



Eisenbahnbau und Eisenbahnpläne Rußlands in Asien.*) 

4. Chinesische Ostbahn. 
Mandschuria— Charbin (Sungari)— 

Pogranitschnoje 1488,10 k,n 

Zweigbahn bei Sungari .... 6.40 . 



Jas chinesische Reich ist im Südwesten, Westen und 
Norden von Gebirgen und Höhenzügen umgeben, 
die mit den Namen Himalaja. Karakorüm, Kuen-Iun. 
Thian-schan, Altai. Tannu-ola usw. bezeichnet und in der 
südwestlichen Ecke des Cebirgsgürtels, an der Grenze 
Russisch-Turkcstans, durch die i'amirc, das sogen. „Dach 
der Welt", gleichsam zusammengehalten werden. An diese 
gewaltige Lrderhebung, die jeden größeren Verkehr zur 
weiten Umgebung zwingt, schließt sich im Westen und 
Norden bis zum Chingan- Gebirge, der Grenzscheide der 
Mandschurei, ein Steppen- und SandgOrtel, die Wüste 
Gubi oder Schamo. Von den Erhebungen der Pamirc bis 
zum sibirischen Küstengebiet bildet das gewaltige Gebirgs- 
bollwerk die Grenze zwischen Rußland und dem Reich 
der Milte. In der äußersten nordöstlichen Ecke dieses 
Gebirgslrollwerkes. wo die Mandschurei an das eigentliche 
chinesische Reich stößt tag für Rußland der natürliche 
Zugang nach China; dort ist ohne besondere Gelände- 
schwierigkeiten, ohne Ueberschreitung von Paßhöhen des 
Hochgebirges und ohne Durchquerung von Wüstenstrecken 
die asiatische Ucbcrtandbahn nach dem Reich der 
Mitte geführt worden. Sie durchschneidet Sibirien in der 
größten Breitenausdehnung, die Manschurei in ihrem mittle- 
ren Teil, und berührt das chinesische Reich bei Inkou an 
der Grenze der Provinz Sching-king. Von dort führt die 
Nordchinesische Eisenbahn über Schanhaikwan, 
Tongku und Tientsin nach Peking. 

Auf der großen asiatischen l eherlandbahn ist gegen- 
wartig die Ba 1 k a I • R i n g b a h n **) (l'mgchungslinic des llai- 
kalsee) noch im Bau begriffen, auf allen übrigen Bahnstrecken 
herrscht dagegen ein regelmäßiger Personen- und Güter- 
verkehr. Die Eisenbahnen auf russisch-sibirischem Gebiet 
und in der Mandschurei besitzen eine Gesamtlänge von 
rd. 8550 km (einschl. der int Bau begriffenen Baikal King- 
bahn); sie sind verschiedenen Betriebsverwaltungen unter- 
stellt und in folgende Bahnabschnitte eingeteilt: 

1. Sibirische Eisenbahn. 
Tschcljabinsk Irkulsk . . 3251,50 km 

Zweigbahn von Taiga nach Tomsk 87,50 „ 
Zweigbahn zum Hafen Tschcrc- 

moschniki 7.50 . 3346,50 k* 

a. Baikal-Ringbahn. 

Baikal - Kultuk— Myssowaja 259,20 . 

3 Transbaikalischc Eisenbahn 

Irkutsk— Baikalsce 66,30 km 

Myssowaja Karimskaja (Kaidalowo) 

^Srjetelisk 1103,00 . 

Karimskaja (Kaidalowo! - Mand- 

sehuria ... 356.30 „ 1525.50 „ 

-1 Aiipi« t k 11PC d«r Krdiktinn. I>i.-w \rl.,,l it| im> U r>',[> im 
Novrmt» i V. J /U£ri»ngcn. Sie u |i<l t < .»ilr |, ut voll In 

naturkil, aurli <1h* I'Uiw rlnrr Au-wk'tmm.i; iln t.i*rrtl.ati-n-n auf Iju^rrt- Z' ;t 
durth dif politi*cbrn Verhältnis*«- in drii Htnlr ri;Tuml *r «trappt \sr nlr.i <lltilt. r.. 

**! \ nti der Haikal-Kinftbahn lind etwa 70 km ili-i >'»i!n tim I nUnnLr 
Tancboi— M vno» aja Vit 1003 heliirli'4al:ig, T^mluji, im neun Hafen, 
plau der FnhTaampler am Oituler des Ilaik-al, i»t durch nur etwa p km 
lanre Zweiglinie mit der Cmfehur.g^ani; Tetbunden, Grolle Bausrhwierie- 
keitea waren aul der we»tluherj Sirrckr von Station Baikal der Linie 
trkuuk-BaikaJ«« bia Kultuk auf ein« 65km tu flbenrüi<len. Dir.* 
Streck« be«lttt 3» Tunnel von ni». 5*7 kjn Lan«* und 110 KuBttbtaten. Die 
Haikal.Rm.hahr^ird vot.uwic htC-h' mit Bcffntt d. J. 1, 

83 



5. Südmandschurische Eisenbahn. 
Charbin (Sungari)— Tjelin— Port 

Arthur 985,70 kn > 

Zweigbahn zu den Kohlengruben 

bei Jantai 17,00 „ 

Tasrhizao-Inkou (Anschluß.™ die 

Nordchinesische Eisenbahn) . at.jo „ 

Nangolin— Dalny 1 7; 00 _- 1041,00 „ 

6. Ussuri-Eisenbahn. 

Wladiwostok - Nikolskojc - 

Chnbamwsk 769,15 „ 

Nikolskojc — Grodekowo — l'ogra- 
nitschnoje 113,00 , 



Insi 



882,15 - 
8548.85 kc 



Die gegenwärtige Eisenbahnverbindung Europas mit 
China durch Sibirien und die Mandschurei besitzt den 
Uebclstand, daß sie erst auf großen Umwegen zum Reich 
der Mitte führt. Es ist daher russiseherseits ein Plan auf- 
gestellt worden, der eine Verbindung Pekings mit der 
sibirischen .Stammbahn in der Richtung der alten Kara- 
wanenstraüe über Kaigan, L"rga, Maimatschin— Kjachta und 
Troitzkosawsk erstrebt. Diese Bahn wOrde zwar den 
Durchgangsverkehr von Europa nach China schätzungs- 
weise um 1500 kl " verkürzen, auch politisch für Kußland 
von großer Bedeutung sein, in wirtschaftlicher und bau- 
licher Beziehung und vom Standpunkte des Betriebes 
aber viele Nachteile besitzen, weil dort menschenleere Ge- 
biete und Wüstenstrecken durchschnitten werden müssen, 
die den Bau außerordentlich erschweren, ein dauerndes 
Hemmnis fnr den Aufschwung des Verkehres bilden und 
die Betriebssicherheit becinirachtigen. Im Auftrage der 
Gesellschaft der Chinesischen Ostbahn, die durch 
ihre Begründer in nahen Beziehungen zur russischen und 
chinesischen Regierung steht, sind Voieihebungen für eine 
Eisenbahn in der Richtung der alten Karawancnstraßc 
bereits ausgeführt worden, Diese Vorerhebungen deuten 
darauf hin, daß man in Rußland der Eiseubahnfrage naher 
getreten i>t und den unmittelbaren Anschluß Pekings an 
die sibirische Stammbahn, ohne Rücksicht auf Bauseliwie- 
rigkeiten und Küsten, aus politischen Gründen allein für 
erstrebenswert erachtet. 

Der Eisenbahiivorstoß nach dem Reich der Mitte ist 
nicht allein im Osten, sondern auch bereits im Westen 
.Asiens von Rußland in Angriff genommen worden. Dort 
haben die Russen die M itte I asiat i »che Eisenbahn bis 
unmittelbar an die chinesische Grenze vorgeschoben. Die 
Mittelasiatische Eisenbahn, deren Anfangsstrecke im Jahre 
iftHo zur Erleichterung des I i upltenailf indisches wahrend 
des Feldzuges gegen die Tekke- Turkmenen unter General 
Annenkow erbaut und damals Transkaspische Militärbahn 
genannt wurde, erstreckt sich jetzt von Krassnowodsk 
am Ufer des Kaspischcn Meeres über Aschabad, Mcrw 
und Samarkand bis nach Taschkent; mit ihren Zweig- 
linien besitzt sie eine Gesamtlänge von 3514,40 km. Di Cse 
Länge setzt sich aus folgenden Bahnabschnmen zusammen: 

No. 15. 

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Mittelasiatische Eisenbahn. 

Krassnowodsk— Taschkent 1863,70 kn >, 

Zweielinic von Merw nach Kü-clik zur Grenze 

Afghanistans :h'»..so „ 

Zweiglinie von Kagan nach Buchara . . . 12,80 „ 
Zweiglinic von Tschernajewo nach Andischan 336,40 „ 

Zusammen 2514,40 •"». 



und Balm, von dort auf dem Seewege des Kaspischen 
Meeres nach Krassnowodsk. Im Kriegsfalle hatte Rußland 
auf diesem Wege seine Truppen nur mit großem Zeit- 
aufwandc aus Europa nach den Grenzen Afghanistans 
und Persiens befördern können. Dieser Umstand gab in 
erster Linie Veranlassung zum Bau der ürenburg- 
Ta schkentcr Eisenbahn, die jetzt das Verbindungsglied 




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Bis vor kurzem bestand zwischen der MittclasiatUrhcn 
Eisenbahn und dem russisch-europäischen Schienennetz 
keine unmittelbare Verbindung. Der Güteraustausch und 
Personenverkehr zwischen Kußland und seinen mittel- 
asiatischen Besitzungen vollzog sich auf der Eisenbahn 
Qber Rostow am Don und Beslan nach den Hafen Pctrowsk 

20. Februar 1904. 



zwischen der MitlelaMuli>chcn Eisenbahn und dem russisch- 
europäischen Schienennetz bildet Anfangspunkt dieser 
Verbindungsbahn ist Orcnburg, die Endstation des Oren- 
burger Zweiges der Samara — Slatousler Eisenbahn. Die 
Bahn fuhrt Ober Ilctzk, Aktjubinsk, Kosalinsk, Karmaktschi, 
Perowsk, Dschulek und Turkesian nach Taschkent; 



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sie besitzt eine Gesamtlange von 1893,60 km und setzt sich 
aus folgenden Teilstrecken zusammen: 

Orenburg— Taschkentcr Eisenbahn 
1. Nordstrecke. 
Orenburg— Ka»alinsk .... 993.20 k* 
Zweigbahn zurStalion Orenburg 4,30 „ 
Zweigbahn zum Salzwcik llclzk 4,30 „ 1001.80^" 
a. Sodstrecke. 

Zweigbahn z^sTr-Harja '. ^Jo „_ 891,80 . 

zusammen 1893,60»- 
Der Bau wurde gegen Ende des Jahres 1900 von 
Orcnhurg und Taschkent aus fast gleichzeitig in Angriff 
genommen. Auf der Nordslrecke ist der zeitweilige Ver- 
kehr bereits, im lanuar, auf der Südstreckc im Herbst 19°3 
eröffnet worden. Der regelmäßige Verkehr auf der gan«n 
Linie wird voraussichtlich im Jahre 1904 stattfinden. 

Nachdem die Mittelasiatische Eisenbahn durch die Oren- 
burg- Taschkenter Linie einen Anschluß an das russisch- 
europäische Schiencnnetz erhalten hat, ist der alte Plan, 
der die Verbindung Taschkents mit einem Punkt der sibi- 
rischen Eisenbahn erstrebt, wieder angeregt worden. 
In der Richtung nach Semipalatinsk über Aulie-ata, Wernoje 



Provinzen Chinas am Iloangho und der Mittelasiatischen 
Eisenbahn, oder um die kürzeste Verbindung Europas 
mit dem Reich der Mitte. Für diese Bahn, die man vor- 
läufig .die YVestchinesische" bezeichnet hat, und die 
von AlldiSChail, dem Endpunkt der Mittelasiatischen 
Nebenbahn ahzweigen soll, sind folgende Teilstrecken 
vorgeschlagen : 

Andischan Osch— Kaschgar, schätzungsweise 380 
Kusch gar Aksii . .440 „ 

Aksu Karaschar 435 „ 

Karaschar — Turfan 360 „ 

Turfan Chamil iHamit 250 „ 

Chamil — Ngan-si-fan-tscheu 370 „ 

Ngan-si-fan-tscheu Su-tscheu -Lan-Lscheu . . 615 , 

Zusammen 2640!''». 

Die Verwirklichung dieses Unternehmens ist aber mit 
sehr großen Bauschwierigkeiten und Kosten verbunden, 
insbesondere im Westen auf der Strecke zwischen dem 
Thian-schan und dem I.obnor, wo das Hochgebirge über- 
wunden und die Saiidwustc durchquert werden muß. 

Frhr. v. Kichlhofen hat eine Linie vorgeschlagen, die 
von Hsingau i-Singau), der Hauptstadt der Provinz Schensi, 
ausgeht und sich auch Ober Lan-1scheu am Hoangho, Su- 
tscheu und Ngan-si-fan-keheu bis nach Chamil (Ilaniil er- 




- - - - TDrcrwhla(cnr und {cpUntc ] 

und Elaenbahnplane Rußlands in Asien. Lebet »ichlspUn. 



und Sergiopol haben bereits Vorerhebungen stattgefunden. 
Für den Anschluß an die sibirische Stammbahn ist die 
Fortführung der Linie über Barnaul nach der Eisenbahn- 
Station Obj oder Kriwotschekowo vorgeschlagen. Durch 
die geplante Bahn wird in erster Linie ein bequemer Zu- 
fuhrweg für sibirisches Getreide nach Rußlands mittel- 
asiatischen Besitzungen erstrebt. Indem der Bevölkerung 
Kussisch-Turkestans die Möglichkeit geboten wird, sich 
mit billigem Getreide aus Sib irien zu versorgen, könnte 
sie den Anbau der Baumwolle in größerem Umfange als 
bisher betreiben und Rußland in seinem Bestreben, in der 
Baumwollversorgung sich mögliehst vom Auslände unab- 
hängig zu machen, wirksam unterstützen. Im Anschluß 
an die sibirische Linie würde diese Eisenbahn mit der 
Mittelasiatischen die Besitzungen Rußlands in Turkestan 
und den größten Teil Wcstsibiriens vom Ufer des Kasni- 
schen Meeres in einem großen Bogen umschließen, alle 
wichtigeren Städte und Ortschaften, die am Fuße der 
Hochgebirge liegen, mit einander verbinden und sie aus 
ihrer oisherigen Abgeschiedenheit befreien, 

Bemerkenswert ist auch ein Eisenbahnplan, der kürz- 
lich in der russischen Presse erörtert wurde und der sich 
teilweise mit einem Plan deckt, den bereits vor vielen 
Jahren Frhr. v. Richthofen für eine transasiatische 
Eisenbahn aufgestellt hat. Es handelt sich hier um 
eine Verbindungslinie zwischen den volkreichen mittleren 



streckt, von dort aber nach dem Tal des Ilij (Wernoic) 
oder lrlisch (Semipalatinsk) abzweigt. Hinsichtlich der 
Gcländcschwicrigkciten unterscheiden sich beide Richtungs- 
linien nur wenig von einander. «J 

Von der seit Jahren geplanten Chinesischen Nord- 
Südlinie, die einmal Peking mit Hankou am Jangtsekiang 
verbinden wird, ist erst die etwa 127 * m lange Anfangs- 
slrccke bis nach Pao-ting-f u fertiggestellt Diese Bahn soll 
angeblich mit Geldmitteln erbaut worden sein, die von 
der russisch-chinesischen Bank der chine-isehen Regierung 
vorgeschossen wurden. Die russisch - chinesische Bank 
steht aber in engen Beziehungen zur Gesellschaft der 
Chinesischen Ostbahn; letztere ist nichts anderes als ein 
Unternehmen Rußlands, das für Zwecke des Eisenbahn- 
baues und für wirtschaftliche Unternehmungen in Ost- 
asien ins Lehen gerufen wurde. Dieser < ie~c||schaft soll 
die chinesische Regierung bereits im Jahre 1898 das Bau- 
recht für eine Zweigbahn erteilt haben, die von einem 
Punkt der geplanten Nord-Südlinie in westlicher Richtung 
nach Thai-jüan, der Hauptstadt der Provinz Schansi, 
abzweigen wird. Nach den Mitteilungen der „Times" ist 
die russisch - chinesische Bank auch im Besitz des Bau- 
rechtes für die Verbindungsbahn Thai-jüan Hsingau. 

Ob alle geplanten Eisenbahnen tatsächlich einmal aus- 
geführt werden, ist zwar eine offene Frage; die Pläne 
zeigen aber, wie Rußland bestrebt ist, seine Macht und 

No. 15. 



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seinen Einfluti in Asien immer weiter auszudehnen und 
durch das Gegeneinanderwacbsen der Schienenwege von 
Osten und Westen jene große iransasiatische Eisenbahn 
durch das Reich der Mitte herzustellen, von der Frhr. v. 
Richthofen einst gesagt hat, daü sie u n t e r a 1 1 c n Sc h i en c n - 
wegen der Welt, die Erdteile von Meer zu Meer 
durchziehen oder zu durchziehen bestimmt sind, 
die bedeutendste und wichtigste sein wird. 

Rußlands Einflußgcbiet in Oslasien erstreckt sich bis 
unmittelbar an die Grenze Koreas. Korea besitzt seit dem 
Jahre 1900 eine etwa 42 km lange Eisenbahn, die die Haupt- 
stadt de? Landes, Söul, mit dem an der Westküste befind- 
lichen Hafen t'hemuluo verbindet. Seit Jahren sind die 
Japaner bestrebt, durch Eisenbahnbauten wirtschaftlichen 
Einfluß in Korea zu gewinnen und dadurch den russischen 
Einfluß dort abzuschwächen. Nach dieser Richtung sind 
ihre Bemühungen nicht erfolglos geblieben. Im Jahre 
1001 erteilte die koreanische Regierung einer japanischen 



Aktiengesellschaft die Baubewilligung für eine Eisenbahn, 
die Söul mit dem an der Südostkflste befindlichen Hafen 
Fusan verbinden wird. Nach den Mitteilungen der »Korea 
Review" ist der japanischen Gesellschaft im Mai 1902 auch 
das Baurecht für die Verlängerung der Eisenbahn Ober Söul 
hinaus nach Norden bis Wiju an der mandschurischen 
Grenze erteilt worden. Mit dem Bau beider Linien hat die 
Gesellschaft inzwischen begonnen. Das fehlende Verbin- 
dungsglied zwischen der koreanischen Grenze beiWiju und 
der sudmandschurischen Linie bciTaschizao beabsichtigt 
die Gesellschaft der Chinesischen Üstbahn herzustellen. 

Wahrend des wirtschaftlichen Wettbewerbes zwischen 
Kußland und Japan auf dem Boden Koreas haben sich 
die Gegensätze beider Mächte in Ostasien bis zum Kriege 
verschärft. Ob Rußlands Einfluß dauernd in Oslasien vor- 
herrschen und sich auch auf Korea erstrecken wird, ist 
eine Frage, deren Lösung erst durch den Krieg herbei- 
geführt werden wird. - - s. 



Wettbewerb für den Entwurf zu einem Waisenhause für Dessau. 



in Wettbewerb ist vor einigen Tagen zur Erledigung 
gelangt, der insofern bemerkenswert Ist, als er trotz 
der verhältnismäßig geringfügigen architektonischen 
Bedeutung der Aufgabe zu einer Beschickung mit 105 Ent- 
würfen herausgefordert hat! Es darf dieses Ergebnis der 
Ausschreibung als ein nicht gerade erfreuliches Zeichen der 
Zeit angesehen werden. Abgesehen davon, daß nach Ab- 
zug der preisgekrönten Entwürfe eine so große Zahl von 
Arbeilen naturgemäß hat zurückgewiesen werden müssen, 
erscheint eine so starke Beteiligung Her deutschen Archi- 
tekten immerhin auffallend, da es sich doch nur um den 
einfachen Bau eines Waisenhauses für 6b Kinder handelte, 
bei welchem wahrlich nicht viel architektonische Lorbeeren 
zu holen waren ! Oder sollte gerade diese verhältnis- 
mäßig einfache Aufgabe, verbunden mit den bescheidenen 
Anforderungen des Preisausschreibens — Grundrisse, An- 
sichten und Schnitte nur im Maßstab 1 : 300. summarische 
Berechnung der Baukosten nur nach dem Kubikinhalt des 
umbauten Raumes — die Veranlassung zu einer so außer- 
ordentlich großen Anlockung gewesen sein, zumal seitens 
des Magistrates von Dessau drei Preise von 1000 M. bezw. 
600 und 400 M., zusammen aooo M., zur Verfügung gestellt 
waren und ein Ankauf 4 weiterer Entwürfe für je 250 M. 
auf Antrag des Preisgerichtes in Aussicht stand? Die drei 
Preise sollten außerdem den drei relativ besten Arbei- 
ten zufallen, mußten also unter allen Umständen ver- 
teilt werden. 

Die Tatsache steht jedenfalls fest, daü das Preisgericht 
seine liebe Mühe gehabt hat. sich durch die 195 Entwürfe 
pflicht- und bedingungsgemäß durchzuarbeiten, und es darf 
auch festgestellt werden, daß die Preisrichter schließlich 
froh gewesen sind, daß sie die nach den Bedingungen 
herauszulösenden drei relativ besten Arbeiten überhaupt 
für die Prämiierung vorschlagen konnten. Denn auch diese 
durch Preise ausgezeichneten Entwürfe werden nach dem 
Protokoll noch keineswegs als vollkommen einwandfrei be- 
zeichnet, wennschon der mit dem I.Preise bedachte Entwurf 
mit geringfügiger Abänderung zu einem ausführungsreifen 
wird umgearbeitet werden kennen. Also doch wenigstens 
von 195 Bearbeitungen eineeinzige, die denzu stellenden 
Anforderungen knapp zu genügen imstande gewesen ist. 
Dagegen eine überaus reichliche Zahl von stümperhaften 
Grundrissen, die auf den ersten Blick die Hand des noch 
nicht durchgereiften Baukünstlers, ja des Bauschülers 
erkennen lassen, so daß man sich naturgemäß die Frage vor- 
legen mußte, ob nicht etwa die Schüler irgend einer oder 



mehrerer strebsamen Buugewerksehulen sich an diese dank- 
bare l'cbungsaufgabcgemacht haben, um,wenndasGlückgut 
ist, noch nebenher einen Preis oder einen Ankauf herauszu- 
schlagen? Von einer ganzen Anzahl von Entwürfen läßt sich 
diese Vaterschaft der Baugcwerkschule oder dergl. beinahe 
mitGewißheit nachweisen. Die dürftige Grundrißarbeit wird 
weit gemacht durch einen Aufwand von Giebelaufbautcn, 
Türmen, Erkern, Loggien, ungeheuerlichen Dächern und 
dergl. m., die aus dem Gebäude alles andere machen, als 
das bescheidene Waisenhaus, um das es sich hier nur 
handelte! Auch die vielfach genau übereinstimmende, mei- 
stens manierierte Behandlung der Fassadenzeichnungen und 
der mit dem unvermeidlichen Sturniwolkcn-Aufwand dar- 
gestellten Schaubilder -die übrigens nach den Bedingungen 
des Wettbewerbes gar nicht verlangt waren — führt auf 
dieselbe Vermutung. Sind unsere in wohlwollender Absicht 
ausgeschriebenen Preisbewerbungen dazu da, daß sich der 
strebsame Bauschüler der AnregungundL'ebunghalberdaran 
versucht? Erscheint es richtig, die Geduld der Preisrichter 
mit solchen Anfängcrleistungen und schülerhaften Erzeug- 
nissen in Anspruch zu nehmen, die unmöglich als ernst 
aufgefaßt werden können'' Darf man aber in den hier be- 
rührten Fällen Schülerarbeiten nicht voraussetzen, dann 
würde man ein bedauerlich tiefes Niveau der architekto- 
nischen Leistungsfähigkeit der am Wettbewerb beteiligten 
„Baukünstler" anzunehmen haben! 

Daß sich nicht Architekten gerade ersten Ranges oder 
Firmen hervorragenden Rufes bei einem Wettbewerb für 
ein Waisenhaus, dessen Baukosten allenfalls auf 100000 M. 
sich beschränken, beteiligten, versteht sich ganz von selbst! 
Und nun gelangen wir zu der nahe liegenden Erwägung: 
ob man nicht im vorliegenden Falle besser getan 
hätte, auf die Ausschreibung eines Wettbewerbes 
ganz zu verzichten oder sich vielleicht an die am 
Orte ansässigen Architekten zu wenden? Uns er- 
scheint die Heranziehung der ganzen deutschen Archi- 
tektenschaft zu einem Wettbewerb für einen so einfachen 
Waisenhausbau ohne irgend welche architektonische Be- 
sonderheit oder auch nur Schwierigkeit keinesfalls er- 
forderlich und auch nicht wünschenswert, wenn 
nicht das Vertrauen auf solche Preisaussehreiben mehr 
und mehr sich verlieren soll.*) 

Es darf nach diesem nicht erfreulichen Ergebnis nicht 
verwundern, wenn sich das Preisgericht nicht veranlaßt 
gesehen hat, dem Magistrat von Dessau noch den Ankauf 
von 4 weiteren Entworfen vorzuschlagen 



Vermischtes. 

Ueber die Berechtigung zur Führung de» Titels eines 
Baujjcwerkamelsters werden so häufig Kragen an uns ge- 
stellt, daß wir diese durch unseren Hrn. juristischen Nlit- 
arbeiter ein für allemal wie nachstehend beantworten. 
So lange nicht neue Kntseheiduneen vorliegen, werden 
wir in Zukunft bei dieser Krage nur noch auf diese Ver- 
öffentlichung hinweisen : 

„Nach der Gewerbeordnung «j 133 in der Fassung des 
Gesetzes vom 26. Juli 1897 ist ziir Führuni; des Meistertitels 
in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks nur 
derjenige berechtigt, welcher zur Ausbildung von Lehr- 
lingen befugt ist und die Mcisterprüfune bestanden hat 
Letztere muß vor einer von der oberen Landr-bchörde 
auf Vorschlag der Handwerkskammer bestellten Prufum-.- 
kommissiou abgelrct werden, sodaß aNo das Abgangszeugnis 
einer Haiigewerksehule nicht genügt. Auch darf in der 
Kegel nur der zur Prüfung zugelassen werden, der wenig- 
stens drei Jahre als Geselle gearbeitet hat Demjenigen, 

20 Februar i<io| 



welcher widerrechtlich den Meistertitel führt, soll nach dem 
Erlaß vom 29. Okt. 1902 gleichgeachtet werden, welcher die 
Bezeichnung als Meister duldet, also z. B. zuläßt, daß er in 
Adreßbüchern als Meister aufgeführt wird. Mithin kann 
keinem begründeten Zweifel unierliegen, daß Niemand 
sich z B. Maurer- oder Zimmcrmeister selbst nennen oder 
in öffentlichen Ankündigungen so bezeichnen lassen darf, 
dem die beiden Erfordernisse (Befugnis zum Halten von 
Lehrlingen und bestandene Prüfung) oder eines von bei- 
den abgeht, 

In der Rechtsprechung und der Wissenschaft besteht 
auch darüber kein Streit mehr, d.iß die vorgeschriebene 
Prüfung durch keinen Befähigungsnachweis ersetzt wei- 
den darf, welcher auf andere Weise (z B durch die Prüfung 
bei einer Lehranstalt) erworben ist, selbst wenn solche 
strenuer gehandhabt und deshalb schwieriger zu bestehen 

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sriir umci»tiV*t wrrdm 

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sein sollte. Denn § 133 Gcw.-Ord. ist zwingender Nalur 
und stellt es keineswegs in die Wahl Jemandes, auf wel- 
chem Wege er seine Befähigung nachweben will. Eis kann 
dahingestellt bleiben, ob es nicht vielleicht ratsam gewesen 
wflrc, ein solches Wahlrecht zu begründen ; ausschlaggebend 
ist aber, daß dies dem Gesetzgeber nicht beliebt nat und 
daß durch die Auslegung in das Gesetz nichts hineininter- 
pretiert werden darf, was seinem Wortlaute widerspricht. 

Nun hat der Erlaß des preuß, Handelsmusters vom 
38. Nov. 190a die Ansicht vertreten, daß die Führung des 
Titels „BaugewcrksmeLster 0 zulassig und zu seiner Annahme 
die Ablegung der erforderlichen Meisterprüfung entbehr- 
lich sei, weil „Baugewerk" keine „Handwerke-Bezeichnung 
sei. Diese Ansicht wird tedoch von den Baugewerks- 
Innungen und den Handwerkskammern bekämpft. Als Mittel 
bedient man sich dabei Gew -Ord § 148 No. 9c, welcher 
die unbefugte Führung de* Meistertitels für strafbar erklärt 
Es haben demzufolge schon verschiedene Strafgerichte 
sich mit der Frage zu befassen gehabt, ob der Titel „Bau- 
gewerksmeister" zu den durch $ 148 No. 9c geschützten 
gehört, was überwiegend bejaht worden ist. Für Mecklen- 
burg ist dies unstreitig geworden, seit das Oberlandcsge- 
richt zu Rostock sich zu dieser Ansicht bekannt hat. Für 
die anderen deutschen Staaten fehlt es noch an einem 
Ausspruche der höchsten I.andcsgerichte und damit an 
einheitlicher Rechtsprechung, Wohl aber herrscht darüber 
in den bisher veröffentlichten Erkenntnissen preußischer 
Strafgerichte kein Zweifel, daß der Erlaß vom aß. Nov. 1902 
den Richter nicht bindet, sondern daß dieser berechtigt 
sei, sich darüber hinwegzusetzen. 

Bei diesem Stande der Verhältnisse ist es also strafbar, 
den Meistertitel oder selbst nur die Bezeichnung „Baugc- 
werksmeister" anzunehmen, solange man keine Prüfung in 
dem beregten Gewerbefache vor der berufenen Prüfungs- 
KommLssion bestanden hat. Das Abgangszeugnis einer 
Baugewerkschule schützt vor der Strafverhängung solange 
nicht, bis es der Landcs-Zciuralbehorde gefallen wird, den 
Baugewerkschulen die Abhaltung von Meisterprüfungen und 
die Ausstellung von Prüfungs-Zeugnissen zu gestatten." — 

K. H-c. 

Ehrendoktoren. Hr. Geheimer Baurat Josef St Ob ben in 
Köln Lst von der Technischen Hochschule in Karls- 
ruhe zum „Doktor-Ingenieur Ehrenhalber" ernannt worden. 

Auf einstimmigen Antrag Her Abteilung für Chemie 
und durch Beschluß von Rektor und Großem Senat der 
Technischen Hochschule zu Dartnstadt wurde Hrn. 
I lof rt. I >r Heinrich C a ro in Mannheim „wegen seiner großen 
Verdienste um die chemische Wissenschaft und Industrie, 
insbesondere die Industrie der Teerfarbstoffe, deren Ent- 
wicklung er durch glückliche Verwertung streng wissen- 
schaftlicher Methoden in hervorragendstem Maße gefördert 
hat" die Würde eines „Doktor- Ingenieurs Ehrenhalber" 
verliehen. — 

Auazeichnungen. Der Firma Cementwarcnfabrik 
Dyckerhoff & Widmann, Unternehmung für Beton- 
bauten in Biebrich a. Rh., mit Zweiggeschäften in Karls- 
ruhe, Nürnberg. Dresden und Cossebaude, wurde auf 
Allerhöchsten Erlaß durch den preußischen Minister für 
Handel und Gewerbe die preußische „Goldene Staats- 
medaille'' verliehen. Es hat damit einer unserer be- 
deutendsten und umfangreichsten technischen Betriebe 
eine staatliche Anerkennung erhalten, die in ihrer hohen 
Wertbemessung den hohen und allenthalben anerkannten 
Leistungen der Firma entspricht. — 



Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Realschule in 
Schömberg wird unter württembeigi-chen Architekten 
unter Verheißung dreier Preise von 1500, 1000 und 500 M. 
erlassen. Preisrichter sind die Hm Prof. Theod. Fischer, 
Prof H Jassoy und Stadtbrt. Mayer in Stuttgart. 

Kaiser - Wilhelm -Denkmal In Bielefeld. Unter Hinzu- 
ziehung der Prof. Manzcl und Breuer in Berlin als Sach- 
verständige hat der Ausschuß des Bielefelder K.iiscr- 
Wilhelm-Denkmals die Ausführung de- ^einer/eil mit 
dem I. Preise ausgezeichneten Reiterstandbildes des Reg.- 
Bmstr. Freih. von Tettau in Berlin, sowie die t't-bertragung 
der Ausführung an ihn zusammen mit dem Gewinner de-» 

II. Preises, Bildh. Albreeht in Steglitz, beschlossen.— 

Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Be- 
bauung eines Geländes an der Frobenstrafle In Berlin. Der 

I. Preis wurde nicht verteilt, dngfgcn zwei II. und zwei 

III. Preise Kinen II. Preis errangen die Hrn. Müller »V 
Schafus in Berlin und Conr. Ileidcnreich in Charlotten- 
burg. Einen III. Preis die Hrn. Ilcinr. Schneider in 
Schoneberg und Engelhardt & Mostcrt in Berlin. Vom 
Ankauf eines Entwurfes wurde Abstand genommen — 



Ein engerer Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für ein neuea Rathaus in Kiel ist unter den Gewinnern des 
II. Preises des allgemeinen Wettbewerbes, unter den Hrn. 
Prof. Herrn. Billing in Karlsruhe, Börnstein «St Kopp 
in Friedenau und A. Thyriot in Groß-Lichtcrfcldc er- 
lassen worden. Dem Sieger ist die Ausführung in 
Aussicht gestellt. — 

Die Entwürfe zur Bebauung der neuen Stadtteile von 
Karlsruhe 1. B. sollen auf dem Wege des Wettbewerbes 
unter Karlsruher Architekten und Ingenieuren zu gewinnen 
versucht werden. — 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Zum 1. Apiil werden versetzt . Der Geb. 
Mit. Dublanski in Stettin zur Int des XVII. Armee-Korps; nie 
Int u Bitc. Kritisier in Danzig zur Int. de» II. Armee Korps 
und Böhmer in Daniig lur Int. de» VIII Armee-K.; die Garn.- 
Bauinsp., Brie. Kahl in Straßburg nach Kassel 1, Neu man 11 in 
Kolberg nach Strasburg II, t.attke in Danzig nach Königsberg II, 
R o h I f i n g in Paderborn zur Int des XVII. Armee-K. unt Uebcmag. 
der Geschäfte eine» Int- u Bris , Knotlic-Baehnischin Ei lurt 
nat Ii Breslau II, Soenderop in Kussel nach Danzig 1 und 
Rihmlow in Gunibinnen nach Magdeburg III - der Garn.-Bauinsp. 
Fromm in Königsberg nach Graudcnz; die Garn -Baninsp., Brie. 
S c h o I < e in Graudenz nach Paderborn 0. II tt 1 1 b a u e r in Breslau 
nach Erfurt II; die Garn -Bauinsp GoOner in Lyck nach Kolberg, 
Wiesebaum in Magdeburg narb Gumbinnen und K u h s c in 
Kolmar nach I.yrk 

Der Reg -Bnislr O. Laubachat in Wilhelmshaven ist gestorben. 

Bayern. Der Dir.-Ass. Hartmann in Regensburg ist z, 
Ob-Masch -Insp. bei der Betr. -Werkst. Augsburg, der Dir. Ass. 
Borst i. Ob.-Maaeh.-Insp. bei der Gen. -Dir. und der Dir.-Ass. 
de Cilli» in Buchloe z. Ob -Bauinsp beiordert. — 

Die Slaatsbauprakt. Nather in Kempten und Eisen in 
Nürnberg, die mascb.-techn Prakt Zell in Nürnberg, Gießen 
und I. F i s r h c r in Manchen und Ebrensbergcr Lu Warzburg 
sind zu Eisenh-Ass, ernannt 

Der Ob.-Hauinsp. Schwenck ist z. Dir.- Rat bei der Eiscnb.- 
Betr.-Dir. in München und der Ob -Bauinsp KOssler bei der Gen - 
Dir. zum Staatsbahiiinz . in München berufen. 

Preuflen. Dem Krcisbauinsp. Hrt 1' (ei der in Liegnitz und 
dem Ob. - lng. Wsldorp z. Zt in Kadikeuy bei Konstantinopel 
ist der Rote Adler-Oidcn IV. Kl. verliehen. 

Der Reg - u Brt Bergmann in Hannover ist von der Teil- 
nahme an den bei der Kgl Teehn Hocl schule in der Abt. fflr 
Arch. stattfindenden Diplomprüfungen als stand Kommissar des 
Min. der nffentl. Alb. cnlbutidcu und als Nach! der Keg- u Brt. 
Stever in Hannover bestellt. 

D-r Reg - u. Brt. S e i d e I ist von Posen narh Potsdam und der 
Reg -Bmslr Stanislaus in Bunzlau zur Eisenb -Dir. in Mainz versetzt. 

Die Reg - Bfhr. Karl Richter au» Korbaeh, Jobs. Stove 
aus Bcrln, lob Schafer aus Bracht und Erich Rüge aus 
Berlin (Eisenbfeh >, — Werner Hellwig aus Bar le Duc, Wilh. 
Gant her aas Lisdorf und Friedr. Pflug aus Ballcrabacherhof 
(Masch -Bfch.) sind zu Reg -Bornim ernannt. 

Der Reg - Bmstr. Fr. Seit er aus Altena i. W. i*t aus dem 
Staatsdienste ausgeschieden. 

Der Reg . Bmstr. Ernst Schmidt in Lome ist gestorben. - 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. H. H. In Lübeck. Die gelegentlich eines Mei- 
nungsaustausches zwischen einem Bauherrn und dem mit der Aus- 
arbeitung des Entwuifcs bclrauten Architekten gefallene Aeußcrung, 
„die Bauleitung sollen Sie ja deshalb doch haben*, reicht nicht aus, 
einen Anspruch auf Ucbertragung der Bauleitung zu bevrQnden und 
namentlich keinen Mi-hadrnci salz-An-pruch, falb schlicUlich die Bau- 
leitung anderweit vergeben worden ist. Denn man hat es in jener 
Redewendung mit keiner Zusage der Bauleitung und keinem Auf- 
trage zu tun, sundern sie hat nur die Eigenschaft und sollte jeden- 
falls nur den Zweck haben, dem Architekten Hoffnung auf L'eber- 
tragung dci Bauleitung zu eröffnen Zu einem Werkvcrtmge gcliort 
jedoch die lYbcrnaliroe der Verpflichtung zur Zahlung einer Ver- 
gütung auf seilen des Bauherrn und die Ucbci nähme der Ausfnh- 
ru»g«pflichl auf seilen de« Architekten Mithin haben Sie keine 
Aussicht, mit einer SchadencisaUklsge g'gcn den Bauherrn durch- 
zudringen, wenn Sie in luWachhcher Hinsicht nicht mehr beweisen 
können, als die angegebene Redensart. — K. H-e. 

Hrn. R. In Sooden. Das beste Mittel, um Holzkonstruktion 
von Brucken, namentlich die Zapfenlöcher unv. gegen Fäulnis zu 
schätzen ist Anstrich mit Teer beiw. Kai bülineuui Bei einzu- 
rammenden I'icfpfahNn gewahrt ein solcher Anstrich ebenfalls 
«inen gewissen Schutz Das wirksamere Imprägnieren mit Kreosot 
usw. ist unseres Wissens nicht üblich. Unter Grundwasser bedarf 
das Holz keines Schutzes. — 

Hrn. Arch. Z. In Berlin. Als Sperialfirma für die Hebung 
ganzei Gebäude haben wir wiederholt K Rückgauer in Stuttgart 
genannt. Andere Firmen sind trolz Anfrage an unseren Leserkreis 
bisher nicht genannt wotden. — • 

Inhalt: Ilie AiWil<-iliei'.>.cj:irii der Landrs-VcrMi-heiuiigsanstalt IterUn 
bei Hcclitz iFortnetnnljlV •- F".« n!.;.V,i-n Unit Fir-cnli ahn|'lVic KuttUlttis in 
Asien. — W.ul.e*rit, Ulf <1«'n FnTwurl !u rinrtn W;.i-r:irw,l-«- lOr Dessau. 
- VrrmiK-litrs. l'rri*1>e»rrrbur.i,.rri. - I'ersonal-Narhrichten. ■ Hnet- und 
fVagettasttfi. ^ 

Hierzu eine Doppel -Bildbeilage: Die Arbcitcrhcilstättcn 
der Landcs-Wrsicherungs- Anstalt Berlin bei Beelitz. 

Verlar, der Deutschen Rauzeitung G. m. b. H, Berlin. FOr dir Redaknoa 
' Albart HotmsoQ. Btrlia. Druck tob Wilh. Grave. Bertas. 



So. 



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B DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2: 16. BERLIN, DEN 24. FEBR. 1904 

Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses 

im Anschluß an das Rathaus in Bremen. 





n diesen l agen ist in Bremen ein Wettbewerb 
zur Entscheidung gelangt, welcher, obwohl 
an sieh eine rein bremische Angelegenheit, 
durch die Verbindung mit dem Rathause in 
Bremen und mit dem inneren Kerne der 
Stadt zu einer Angelegenheit der gesamten deutsehen 
Kunstwelt geworden ist und welcher daher auch mit 
Recht auf sämtliche deutsche Architekten, die Reichs- 
angehörige sind, erstreckt war. Es besteht die Absicht, 
das neben dem Rathause gelegene Stadthaus, ein reiz- 
loses Gebäude ohne künstlerischen Anspruch aus sieh 
selbst oder aus seiner Umgebung, in welchem sieh 
zurzeit der Senat-ssitz.ungssaal, die Regierungskanzlei, 
das Staatsarchiv, die Polizeidirektion und einige kleinere 
Vcrwaltungszweige befinden, abzubrechen und an seiner 




Stelle einen Neubau auszuführen, dessen Räume nur 
zu Regierungs- und Repräsentationszwecken dienen 
sollen und von welchem erwartet wird, dal! er, wel- 
chen Stil er immer auch zeige, sich mit dem Rathause 
zu einem harmonischen Gesamtbilde vereinige und 
die ehrwürdige Erscheinung dieser unvergleichlichen 
Perle der deutschen Renaissance nicht beeinträchtige. 
Durch diese Bedingungen war der Wettbewerb zu 
einer künstlerischen Angelegenheit geworden, die mit 
besonderem Takte behandelt sein wollte Das alte 



Wie behauptet sich das alte Rathaus, wenn das 
schmucklose Stadthaus gefallen ist und welche Formen 
muß das neue Stadthaus haben, damit es mit dem 
alten Rathause zu dem geforderten harmonischen Ge- 
samtbilde sich vereinigt, „ohne die ehrwürdige 
Erscheinung desselben zu beeinträchtigen"? 
Das war die schwerwiegende Frage, die der Wett- 
bewerb zur Entscheidung stellte und wegen welcher 
er vermutlich Oberhaupt für den weitesten Kreis der 
deutschen Architekten ausgeschrieben wurde. Denn 
die Grundrißanlagc an sich würde kaum zur Not- 
wendigkeit gemacht haben, den Wettbewerb über den 
Kreis der Architekten Bremens auszudehnen: allen- 
falls hätte die Eingliederung des neuen Stadthauses 
in die Umgebung die Anrufung eines gröberen Künst- 
lerkreises fordern können; denn die Schaffung eines 
freien Durchblickes von der Mitte des Domshofes 
nach dem Kaiser-Denkmal und dem voraussichtlich 
in kurzer Zeit durch einen Neubau ersetzten Eck- 
. ^3 hause des Marktes und des Kaiser Wilhelm -Platzes, 
' Cir , w'ürdigc Gestaltung des Raumes zwischen der 
l.iebfrauen - Kirche und dem neu zu errichtenden 
Stadthause , sowie die Gestaltung des Westendes 
des Domshofes unter dem Einfluß des hier gewünsch- 
ten Turmbaues des neuen Stadthauses waren wohl 
bedeutsame künstlerische Forderungen des Program- 
mes, sie treten aber erheblich zurück gegen die ge- 
nannte Hauptforderung. In dieser Hinsicht hat der 
Wettbewerb die Erwartungen recht straff gespannt 
und auch die künstlerischen Individualitäten, welche 
durch die gewählten Preisrichter mit dem Wettbewerb 
in Beziehung gebracht wurden, lassen erkennen, daß 
die Beurteilung des zukünftigen Wertverhältnisses zwi- 
schen altem Rathaus und neuem Stadthaus mit Recht 
zu der ausschlaggebenden Frage in diesem Wettbe- 
werbe gemacht wurde. 

Doch betrachten wir zunächst kurz, was er für 
sachliche Bedingungen stellte. Der Neubau soll aus 
Keller-, Erd- und zwei Obergeschossen derart bestehen, 
daß der Fußboden des ersten Obergeschosses mit dem 
Fußboden der „Oberen Rathaushalle* auf der gleichen 
Höhe liegt. In diesem Geschosse sollten Fest- und 
Senatssaal liegen, die in das zweite Obergeschoß hin- 
eingreifen konnten. Außerdem waren hier die Haupt- 
räume der städtischen Verwaltung, die Räume für den 
präsidierenden Bürgermeister, ein Sitzungssaal für Ver- 
waltungsgerichts - Sachen, an die Rathaushalle an- 
schließend, um bei Festen mitbenutzt werden zu können 
usw. anzulegen und es w ar gefordert, die „Obere Bat 



Rathaus ist ein Werk von fast filigranartiger Feinheit 

der architektonischen Formensprache und besitzt eine haushalle" mit den Vorplatzräumen des neuen Stadt- 
Zierlichkeit der Einzelbildung, deren Wirksamkeit ge- hauses in eine unmittelbare Verbindung zu bringen 



steigert wird durch den Gegensatz der ruhigen Flächen 
und der großen Architektur formen des ihm angeglie- 
derten Stadthauses. So verdienstlos dieses Gebäude 
in künstlerischer Hinsieht an sieh ist, so sehr kommt 
es zur Geltung als Folie für das alte Rathaus. Es ist 
ein dreigeschossiger Putzbau, aus dessen Fassadcn- 
maueru die Fenster lediglieh als Oeffnungen heraus- 
geschnitten sind und der nur an der Eingangsseite 
eine architektonische Gliederung mit vier jonischen 
Filastern und einem Giebclfelde erhalten hat, imgan/en 
so anspruchslos, wie die übrigen Teile des Hauses 
und so groß, daß sie in keinerlei Vergleich mit For- 
men des alten Rathauses treten können. 



Im zweiten Obergeschoß waren außer den Tribünen 
(Log« und MuSlkbOhne) für den kleineren Festsaal und 
außer dem etwaigen Raum für de n in dieses Geschoß 
hinaufgreifenden Senatssaal die Sitzungssäle der Depu- 
tationen vind Kommissionen unterzubringen. Das Erd- 
geschoß sollte im Anschluß an die „Untere Rathaus- 
halle" die Räume für die Regicrungskanzlei und das 
Staatsarchiv enthalten und durch eine möglichst zentral 
gelegene Haupttreppe eine Verbindung mit den Ober- 
geschossen bekommen. Das neue Kellergeschoß ist 
der Ratskcllcrvcrwaltung als Weinlagerraum voi be- 
halten und war mit den Gängen des alten Ratskellers 
in eine sachgemäße Verbindung zu bringen. Bei den 

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Vorschriften Ober die Bauflucht war die Möglichkeit 
von Risaliten, Erkerausbauten, Arkadenanlagcn, Turin- 
chen und unter Umständen eines größeren Turmes an 
derOstecke des neuen Gebäudes berührt. Lieber den Stil 
waren keinerlei Andeutungen gemacht, die Rausummc 
einschl. des Mobiliars war mit 1,5 Mill. M. festgesetzt. 
Wenn auch nicht in Aussicht gestellt war, daß einer 
der Sieger dieses Wettbewerbes an der Ausführung des 
Hauses beteiligt werden sollte, vielmehr der bremische 
Staat sich das Recht vorbehalten hatte, die durch die 
Auszahlung der Preise in das Eigentum des Staates 
übernommenen Entwürfe bei der Ausführung ganz 
oder teilweise zu benutzen, so fand doch die Auf- 



forderung zur Teilnahme bei den in künstlerischer 
Beziehung so außerordentlich dankbaren Umständen 
das Echo, welches erwartet worden war: es liefen 
105 Entwürfe ein, zu deren Beurteilung das Preisge- 
richt am 18. Kebr. zusammentrat. Das Ergebnis war 
allerdings ein anderes, als man erhofft hatte. Nach 
dreitätiger Arbeit kam das Preisgericht zu dein ein- 
stimmigen Beschluß*!, daß die „programmäßig aus- 
geschriebenen Preise keinem der Verfasser erteilt 
weiden" könnten. Die zur Verfügung stehende Gc- 
samtprcis-Summc von 30000 M. wurde vielmehr in 
5 Preise von je 5000 M. und 2 Preise von je 2500 M. 
zerlegt. ( Koi i»uun ; io: ; t » 



VMMilMJ der Hrn. Prof. Theodor Kin hrr in Stut'gurt und Arrh H. firrnoulli in Berlin. 




Zur Frage der Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. 

it anderen Arbeiten über die 
Maßen beschäftigt, erhielt icli 
von der Dresdner Thcater- 
platzfrage erst durch den Bericht 
der .Deutseh. Bztg " über den Wett- 
bewerb Kenntnis. Der Besuch eines 
jüngeren Kollegen, des Ilm Hans 
Bernoulliin Berlin, und sein Eifer 
für diese Sache veranlaüten mich 
dann, in abendlicher Unterhaltung 
mit dem genannten Herrn selbst 
Versuche zu machen. Dabei war 
uns der eben eingetroffene vor- 
treffliche Vorschlag des Ilm. M. 
Haller eine willkommene Unter- 
lage, denn mit dem Berichterstatter 
der „Deutschen Bauzeitung" und 
Hrn. Haller bin auch ich der Mei- 
nung, daü das Wasser nicht vom 
Platze abgeschieden, sondern mit 
seiner fröhlichen Bewegtheit in das 
Bild hereingezogen werden sollte. 
Hüten wir uns davor, das Wort von 
der Geschlossenheit der Plätze zum 
Schlagwort werden zu lassen I 1 her 
scheint es zur Erlangung geschlos- 
sener Bilder vollkommen zu ge- 
nügen, wenn das Hotel Bellevue 
gegen die Brücke so weit vorge- 
zogen wird, daß das Theater vom 
Kande des Bildes (etwa vom Mu- 
seum her gesehen) in den Mittel- 
grund rückt. Ein .Monumentalbau" 
aber an der Stelle des Hotels wäre 
wohl das Schlimmste , was dem 
Theater und dem Theaterplatz pas- 

-ieren konnte. Unterordnung ist hier die feinste 
Tugend. Auch im Uebrigcn wäre der Vordergrund so 
ruhig wie möglich, ohne alle .monumentale'' Gelüste aus- 
zubilden. 

Hie Fracc der Hauptwache ist ein Ding für sich; auch 
hierin scheinen mir die Anschauungen des Hrn. Ilaller 





I BSV 



sehr wohl begründet Wenn es aber gewün-cht wird, die 
Wache als solche in der Nähe ihres jetzigen Platzes zu 
belassen, so wäre sie vielleicht dazu zu verwenden, den 



•) Siebe die Verteilung i m EtoMtam i 

Seite 90 in dieser "' 



No 16. 

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Verkehrsweg Brücke - Postplatz vom Theaterplatz abzu- 
trennen. Baumrcihen zu beiden Seiten würden dabei 
mithelfen und den jetzt sehr vermißten gedeckten Ort 
liefern, von wo man alle die Herrlichkeiten ringsum be- 
wundern könnte. Auch der Hofkirche wäre mit einer 
-olchen Ucbcrschncidung ein Cicfallrn getan. Die geringe 
Qucrstellung der Wache, wie wir sie im Plane skizziert 
haben, würde in Wirklichkeit gar nicht auffallen, wie 
überhaupt die Kirche mit ihrer Umgebung dem, der sehen 



will, in genügend klarer Weise zeigt, wie wenig wert die 
Achsenwirtschaft und Symmetrie in solchen Sachen sind. 

Im ganzen also baut sich unser Vorschlag, den wir 
den Dresdnern hiermit machen, im wesentlichen auf dem 
Haller'schcn auf. unterscheidet sich von diesem aber durch 
große Vereinfachung und infolge dessen vielleicht durrh 
ruhigere und größere Wirkung. 

Stuttgart, im Februar 1904. Theodor Fischer. 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u. Ing. -Verein Magdeburg. Sitzung am 6. Jan. 1904. 
Ilr Postbrt. Wmckler begrüßt nach Eröffnung der Sitzung 
die Anwesenden in der ersten Sitzung de* neuen Jahres 
und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß auch dieses Jahr 
die Technik und die Wünsche der Techniker fördern möge. 

Nach Krledigung der Hinginge spricht Hr. Kisenb. Bau- 
u.Bctr.-lnsp. Seit warz Ober „d ie Grund züge der Block- 
einrichtungen auf den preußischen Staats bahnen" 
Seit dem Jahre 1898 sind auf dem Gebiete des Sicherungs- 
wesen» bedeutende Fortschritte gemacht, welche durch 
die jetzt erfolgte endgültige Einführung des vierfeldrigen 
Streckcnblockes ihren Abschluß gefunden haben. Während 
früher die Betriebssicherheit in erster Linie auf der ver- 
nünftigen Handlungsweise der Beamten beruhte, sollen 
jetzt die Stellwerkcinrichlungen jede Betriebsgefahrdung 
unmöglich machen. Oer Vortragende begründet die Not- 
wendigkeit der Neuerungen mit der erheblichen Steigerung 
des Verkehrs und weist dann eingehend nach, dafl der 
vierfcldrige Streckenblock mit allen zugehörigen Hinrich- 
tungen (Hcbelsperrc, Blocksperre, den verschiedenen 
Klinken im Blockwerke, der elektrischen Dmekknopfspcrre 
und Aufhalt-Stcllvorrichtung des Ausfahrtsignalesj eine Be- 
triebsgefährdung nicht mehr zulasse. Unterstützt wurde 
die Beweisführung durch eine große Anzahl von Block- 
werken und Modellen, welche die kgl. Hisenbahndirektion 
Magdeburg und die Firmen Siemens & llalske, Zimmer- 
mann & Buchloh in Berlin, Max Jüdcl & K<>. in Braun- 
schweig zur Verfügung gestellt hatten 

Kür die allgemein interessierenden Ausführungen wurde 
dem Vortragenden reicher Hank zuteil. - B. 

Verein für Eisenbahnkunde in Berlin. In der Januar- 
silxung, in der der Min. -Dir. Schroeder den Vorsitz führte, 
sprach als Gast Obrrlcutnant Taubert Ober „Die sibi- 
rische Kiscnbahn und ihr Anschlu Bgebiet in Ost- 
asien ". Nach einigen Worten über die immer mehr hervor- 
tretende politische und wirtschaftliche Bedeutung Ostasiens 
schilderte der Vortragende, der die sibirische Bahn so- 
wohl, wie die durch »ie Furopa näher gerückten ( iebiete 
des fernen Ostens aus eigener Anschauung kennt, Bau und 
Betrieb des neuen Verkehrsweges, seine wirtschaftlichen 
Grundlagen und Ansichten und hob dabei die bewunderns- 
werte Tatkraft hervor, mit der Kußland in verhältnismäßig 
kurzer Zeit dieses Werk ins Leben gerufen hat. Kinzelnc 
funkte der Strecke wurden unter Vorführung von Licht- 
bildern besonders besprochen, so die mit den größten 
Schwierigkeiten verbundene Umgehung des Baikal - Sees 
und der Endpunkt der Eisenbahn, die völlig neugeschaffene 
Hafenstadt Dalny. Im weiteren wurde an der Hand einer 
Skizze das chinesische Eisenbahnnetz näher erläutert, wie 
es sich unter den mannigfaltigen Bestrebungen der Mächte, 
insbesondere aber im Hinblick auf die wcitausschaucndcn 
Pläne Rußlands entwickelt. Angesichts der augenblick- 
lichen Krisis in l Jstasicn schloß der Vortragende mit einer 
Darstellung von l.and und Leuten der Mandschurei, ihren 
Bodenschätzen und ihrer Bedeutung für Kußland. *owic 
mit einigen Worten über die Lage Koreas. 

Dein mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage 
folgte noch eine Mitteilung des (ich. Rcg-Kat Prof. Dr 
Keulcaux über die Hers tellu ng hu Ii I er Eise nbalin - 
achsen, insbesondere Uber die Krage, inwieweit Deutsch- 
land und Amerika an der Erfindung dieses Kabnkation*- 
verfahrens beteiligt sind. 

Vermischtes. 
Schultheiss'sche Drahtdecken. Die Kirniu l al l Schult- 
heis* in Nürnberg hat seit einigen Jahren eine ihr durch 
Muster geschützte Decke euigciülirt* die aU billiger Ersatz, 
für Balkendecken auf Kohr geputzt sich namentlich in 
Süddeutschland weiteren Eingang verschafft hat. Sie ist 
anwendbar bei Balkendecken bis /u 80 "" Entfernung der 
Balken v M z M Die Decke besteht aus einer einfachen, 
starken und enggefloehtenen, oder aus zwei dünnen sieh 
rechtwinklig kreuzenden Kohrniatten. die an der Balkenlage 
liefestigt werden, und aus einem mit beweglichen Maschen 
versehenen Maschinen - Drahtgeflecht, das ,|uer zu den 
Balken über das Kohrgefleeht in straffer Spannung mit 

24 Februar 1904 



48mm langen Ilakenstiften fest angenagelt wird. An den 
Längsseiten muß das Netz mit Draht gut zusammenge- 
flochten sein und rings an den Wänden an Latten be- 
festigt werden, die zwischen die Balken, in Höhe von 
deren l nterkante anzunageln sind, damit auch in den 
Ecken ein straffes Anspannen des Drahtgeflechtes möglich 
wird Bei besserer Herstellung werden unter den Kohr- 
matten zunächst 5"" breite, 2,5 tm starke l-attcn in xi'' m 
Entfernung <|iier auf die Balken genagelt. Im ersten Falle 
stellt sich die Decke auf etwa 1.80 M., im zweiten auf 
etwa 2 M für 1 <t' u fertig im Bau. Der Verputz hat *o 
zu erfolgen, daß der erste Bewurf mit Gips- und Haarzu- 
satz vennengt, *M\ angeworfen wird Der zweite Bewurf 
mit Gipsputz erfolgt, sobald der erste ziemlich abgetrocknet 
ist Hierauf wird dann der letzte Ueberzug hergestellt, 
der gestuckt oder gegliedert sein kann Einer so herge- 
stellten Decke wird nachgerühmt, daß sie vollständig näs.*c- 
frei bleibt, auch gegen starke Erschütterungen widerstands- 
fähig ist und daß der Deckenputz selbst bei starker Durch- 
nässung nicht abfallt 

Als Drahtnetz empfiehlt die Firma die extra verzinkten 
Maschinengeflechte mit quadratischen beweglichen Maschen 
von Feiten & Gu i llcaumr in Mülheim a. Kh , die nicht 
wieder nachgehen, wenn sie einmal straff gespannt sind. 
Sic werden in Masehenweiteti von 25 50 '"»• und Stärken 
von t und 1,2""» geliefert. 

Das Drahtnetz mit Putz eignet sich auch zur Ver- 
kleidung der Untersicht massiver Decken, sowohl um eine 
ebene, rissefrcie Decke zu erhallen, durch welche die 
Träger nicht durchscheinen, wie auch zur .Schalldämpfung 
Das Drahtnetz wird dann an eisernen Stäben, Holzlatten 
oder Dübeln befestigt, die an der Massivdecke vorher 
festgemacht oder in diese eingelegt werden. 



Totenschau. 
Wilhelm Schell +. Am 13. d. M. verstarb in Karlsruhe 
im 78. Lebensjahre der Professorder Mechanik Geh. Hofrat 
Dr. Wilhelm Schell, der dem Ixhrkörpcr der Karlsruher 
Technischen Hochschule seit dem Jahre 1861 angehört 
hatte Schell trat frühzeitig in die akademische I~aufhahn 
ein. Schon kurz nach beendigten Studium in Marburg 
und Berlin, habilitierte er sich in Marburg, wurde dort 
1856 Professor und siedelte 1861 nach Karlsruhe über, 
wo er länger als 40 Jahre als Professor der theoretischen 
Mechanik und gleichzeitig der synthetischen Geometrie 
tätig war. Aus den zahlreichen wertvollen Veröffent- 
lichungen aus dem von ihm erwählten Arbeitsgebiet heben 
wir seine „Theorie der Bewegung und der Kräfte", so- 
wie sein Werk über „Theoretische Mechanik" hervor. Die 
Mehrzahl seiner Arbeiten sind in den mathematischen 
Fachzeitschriften erschienen. Schell war eine eigenartige 
Persönlichkeit und ein trefflicher Lehrer, der allerdings 
durch die Wissenschaftlichkeit seines Vortrages hohe An- 
forderungen an seine Hörer stellte. 



Pretsbewerbungen. 
Ein Preisausschreiben der Aktiengesellschaft Gebrüder 
Stollwerck in Köln a. Rh. betrifft die Erstellung eines 
Neubaues in der vornehmsten Geschäftslage der Stadt 
Köln, an der Ecke der Hohc-Straßc und des Wallrafs- 
I'lat2es. Der von der Hohe-Straße, der Straße „Am Hof" 
und der Sporergasse begrenzte 1 lauserblock sowie der 
benachbarte Häuserblock der Hohe-Straße soll nieder- 
gelegt und der heutigen Zeit und den besonderen ört- 
lichen Verhältnissen entsprechend baulich ausgenutzt wer- 
den. Dabei ist die Sporcrgasse auf mindestens ( <" zu 
verbreitern; Ersatz der Sporerga*sc durch eine 4'° breite 
Passage ist zulässig. Neben der fachmännischen Behand- 
lung des Bauplanes soll dem Architekten insbesondere 
auch die wirtschaftliche Ausnutzung des Geländes zur 
Lösung gestellt werden. Kr soll Vorschlage inachen, in 
wie weit er Läden, Erfrischungsräume, Wohnungen. 
Büreaus und andere Käume oder eine Verbindung ver- 
schiedener Kaumarten den örtlichen Verhältnissen (ür an- 
gepaßt erachtet In einer detaillierten Kcntabilitäis. Be- 
rechnung ist nachzuweisen, in welcher Weise sich die 
für den gedachten Aufbau aufgewendeten Mittel auf die 

95 



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Dauer verzinsen würden. Material, Stil usw. sind frei- 
gestellt Es gelangen 4 Preise von 3000, 2000, 1500 und 
1000 M. zur Verteilung. Ein Ankauf nicht preisgekrönter 
Entwürfe für je jjoo M. ist vorbehalten. Preisrichter sind 
die Hrn. Prof.G. Frentzen in Aachen; Geh. Brt. H. Kavser 
in Berlin ; kgl.brt. R a d ke in Düsseldorf ; Polizeibrt. Hückert 
und Geh. Brt. Dr. ing. J. Stübben in Köln. Die preisge- 
krönten und angekauften Entwürfe gehen mit allen Ge- 
danken und Anregungen in den Besitz der Aktiengesell- 
schaft Gebr. Stollwerck Ober, welche dieselben frei ver- 
werten und unter Umstanden für einen noch besonder» aus- 
zuschreibenden Wettbewerb als Unterlage benutzen kann. 

Der Wettbewerb ist auf ailc im Deutschen Reich 
wohnenden Architekten erstreckt. Diese Grenzen scheinen 
uns erheblich zu weit gezogen zu sein, denn die wirt- 
schaftliche AusnutzungsfJthigkcit der Grundstücke kann in 
der Form, wie sie da« Preisausschreiben so eindringlich 
verlangt, nur von Fachgenossen zuverlässig beurteilt wer- 
den, welche die örtlichen Verhältnisse in baupolizeilicher, 
wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht ganz genau kennen, 
also vorwiegend nur von einheimischen Arcfiitekten. Denn 
einmal soll das PreLsrichterkollegiuni ganz besonders auch 
prüfen, oh sich die errechnete Verzinsung auf die Dauer 
erzielen lassen wird, und zum anderen sollen die Planungen 
genau den baupolizeilichen Vorschriften Rechnung tragen, 
es sollen aber Pläne, welche der wertvollen Oertlichkeit ent- 
>prcchcnde Ausnahme-Bewilligungen von den baupolizei- 
lichen Vorschriften bedingen, angenommen werden, wenn 
die zu beantragenden Ausnahme -Bewilligungen klar dar- 
gestellt und eingehend begründet, sowie - wie wir hin- 
zufügen — aussichts voll sind. Das kann aber wiederum 
nur Jemand beurteilen, der die örtlichen Verhältnisse ge- 
nau kennt Es will uns somit scheinen, als ob viel un- 
nütze Arbeit vermieden werden könnte, wenn der Kreis 
der Teilnehmer enger gezogen würde, Gewiß liegt es 
durchaus in der Macht de.» Einzelneu, an dem Wettbe- 
werbe teilzunehmen oder die Teilnahme zu versagen. 
Aber namentlich in Zeiten wie die, welche leider augen- 
blicklich noch herrschen, ist temperamentvolle Hoffnung 
ein weit mehr antreibender Faktor als kühle Erwägung. 
Vielleicht könnte man auch noch einmal darüber nach- 
denken, ob nicht das zeichnerische ArbeitsausmaB etwas 
ermäßigt werden könnte, namentlich mit Rücksicht darauf, 
dali wohl jeder ernsthaft arbeitende Teilnehmer eine 
Reihe von Lösungen wird versuchen müssen, bis er die 
ihm aN die güiistin».lc und ertragreichste erscheinende 
Losung gefunden zu haben glaubt. Int allgemeinen ist 
die hier zum Wettbewerb gestellte Aufgabe eine solche, 
daß sie viele scharfsinnige Köpfe zur Bearbeitung an- 
regen dürfte. — 

Wettbewerb Stadthau* in Bremen. Bei 105 eingegangenen 
Entwürfen kam das Preisgericht zu dem einstimmigen Be- 
schlüsse, daß keinem der Verfasser die programmäßig aus- 
gesetzten Preise verliehen werden könnten und zerlegte 
die Gesamt - Prcissummc in 5 Preise von je s/000 und 2 
Preise von je 3500 M Es erhielten je einen Preis von 
Sooo M. die Hm : Arch. Gust. Jänieke in Schöneberg 
bei Berlin, Dipl. - Arch. Karl Roth in Kassel, die Arch. 
Conr. Ilcidenrcich und Paul Michel in Charlottenbiirc, 
Arch. Ernst Rang in Sehoneberg und die Arch Emming- 
mann und Becker in Berlin; je ein Preis von 2«,°o M 
wurde zuertcilt den Arbeiten der Ilm : Reg.-Bmstr. 'Roger 
Slawski in Berlin, sowie der Arch. Karl und Paul Bonatz 
und Gust. Britsch in Stuttgart. Außerdem wurde zum 
Ankauf für 1000 M. empfohlen die Arbeit des Ilm Arch. 
F, Bcrgcr in Sieglitz bei Berlin 

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die 
architektonische Ausschmückung des Kaiser Wllhelm-Platze* 
in Bremen ist von der Bürgerschaft beschlossen und eine 
Prcissummc von 10000 M. bewilligt Worden 

Bücher. 

Die Aufstellung und Durchführung von amtlichen Bebauungs- 
plänen, ein Leitfaden für kommunale Verwaltungs- 
beamte und < icmeindekcliiiiker. bearbeitet von Alfred 
Abendroth, -sUidt Oberlandmrsser in Hannover. 
Mit 10 Texlzcichmingen. Berlin, Karl Hcymann's 
Verla«, 1903 Pr. 2,50 M, 
Besonders tnr Verwaltungsbeamte der mittleren und 
kleinen Städte bestimmt, um diesen eine Xu-aniniciistrllung 
derjenigen Grundsätze zu bieten, deren Beachtung tnr die 
Kutstehung und Ausführung guter Bcbauung-pliiue imeiil- 
behrheh ist, hat das Buch auch für den Techniker, und 
v-w.-ir nicht nur. wie der Titel bescheiden , für den 
Gemcindetcehnikcr, großen Wert, da, wie im Vorwort 
ausgeführt wird, ohne Beeinträchtigung de» Zusammen- 
hanges Streifzüge »11I das technische (, einet des Städte- 
baues nicht unterlassen weiden k.-nrilcn Sieben Ah»ehnit1e 

96 



des I^citfadcns beziehen sieh auf die Entstehung eines 
amtlichen Bebauungsplanes und zwei Abschnitte aul seine 
Durchführbarkeit In der Hauptsache auf preußischen 
Vorschriften fußend, ist das Werk jedoch bei der Aehn- 
lichkcit der Verhältnisse in Nord- und Mitteldeutschland 
Oberhaupt brauchbar. Alles in allem eine klare. Obersicht- 
liche Darstellung, die altes infrage kommende Material um- 
faßt und deshalb auch dem in Städten tätigen Architekten 
bestens empfohlen werden kann, wenn auch der Verfasser 
gemeint hat, dessen bisherige Leistungen in künstlerischer 
Richtung als zu stark von der Theorie beeinflußt bekämpfen 
zu müssen. Th. G 

Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: 
Knorth, Wilh., Kgl Steuer-Einnehmer- Die (flr da* pr*kti*elie 
Leben wichtigsten Nummern des Preußischen Stem- 
peltarifs und des ErbschalusleuerUrifs mit Erläuterun- 
gen so der Hand von Beispielen und Mustern. Essen 1903 
G. D Baedeker. Pr. ksrt. 80 Pf. 
Konsbrück, Hermann. Spiegelbilder. I Folge der Kritiken 

1003—1903. München. G. Birk St Co. 
Dr V. KOröty, Josef, Dir. des Statist. Bflr. Die Bautätigkeit 
in Budapest in den Jahren 1806 — 1000. Uebersetxung 
aus dem Ungarischen. Berlin 1903. Pultkammer ft Mohl- 
brecht. Pr. a M. 
Dr. v. Körösjy, Jos. und Dr. Gust. Thlrrlng. Die Hauptstadt 
Budapest im Jahre 1901. Resultate der Volkszählung und 
Volksbeschreibunjc. 1 Bd. I Halde. Berlin 1903. Puttkammer 
* Muhlbrecht. 

Brief- und Fragekasten. 

Hm. Arch. R. * K. In Frankfurt a. M. Daß bei der Be- 
stellung der Ucbcrnahrne, der Ausführung und der Ablieferung 
Ihrer Projekte von Neubauten zwischen Ihnen und dem Bauherrn 
vereinbart worden sei, dali deren Verwendung und Ausnutzung 
nur auf bestimmten Bauplätzen oder fOr eine gewiss* Anzahl von 
Kauten erfolgen dürfe, behaupten Sie nicht. Ist es jedoch zu keiner 
ausdrücklichen Beschränkung des Bauherrn bezüglich der Verwen- 
dung der empfangenen und bezahlten Zeichnungen gekommen, so 
haben Sie kein Recht, ihm den Gebrauch für andere Bauten als 
ursprOnglich in Aussicht genommen waren, zu untersagen, fehlt 
Ihnen jedoch ein Unteraagungsrecht. so übt der Bauherr bezw. Be- 
steller der Projekte für weitere Bauten nur Befugnisse aus, die 
ihm zustehen. Von einem Mißbrauche kann ernstlich keine Rede 
sein Denn durch die Ablicfeiung der Projekte erfüllten Sie ihre 
Obliegenheiten aus dem Werkverträge, begaben Sie sich Ihres 
geistigen Eigentums und machten den Empfanger zum Herrn über 
die rechtmäßig erworbenen Prnjckte. Folgeweise veispiicht die 
beabsichtigte Klage für Sie keinen Erfolg, sofern nicht etwa der 
Nachweis gelingt, duü dem Bauherrn ausdiQcklich nur eine be- 
schrankte Ausnutzung gestattet wurde und er hiermit einverstanden 
war. Selbst eine Klage auf Unter»agung bei Kaufanpreisungen. 
Sie als den Ausarbeiter des Projektes zu bezeichnen, bietet wenig 
Aussicht, weil nach Ihrem eigenen Vertrage tatsächlich zulnfit, 
daß die Bauten nach Ihren Angaben zur Ausführung gelangt sind, 
der Bauherr also keine unwahren Tatsachen verbreitet unl Ihren 
künstlerischen Ruf nicht gefährdet — K, ll-e. 

Anmerkung der Redaktion. Es ist in hohem Grade be- 
dauerlich, daß der Baukunst noch immer der Rcchlschutx versagt 
ist, den die anderco SchwesterkOnste besitzen. Ilnflenthch biingt 
das neue Urheberrecht an den Werken der bildenden Künste auch 
ihr jeut diesen Schulz, denn die jetzigen Verhältnisse widersprechen 
jedem gesunden Rccht'gcfühl Einstweilen können wir nur em- 
plchlen den Vertragen mit dem Bauherrn stets die „Gebühren- 
Ordnung der Architekten und Ingenieure zugrunde zu legen, denn 
in dieser steht ausdrücklich in § i, Ah«. 4: r die Zahlung der Ge- 
bühr berechtigt den Auftraggeber nur zu e i 11 ruu I ige r Ausführung 
des gelieferten Entwurfes". - 

F ra gehe« 11t w 0 rt u n ge n aus dem 1, esc rk reise. 

Zur Anfrage in No H betr. Wa rmwa s ser- 1! e c k e n Wasser- 
becken für nahezu siedende» Wasser aus Hi-lt.n herg. stellt sind 
immerhin eine etwa« gewagte Sache. Es dürfte keinem Zweifel 
unterliegen, daü das sehr heiße Wasser sicher mit zur Rissebildung 
beigetragen hat, wenn auch noch amleic L'iaachcn uifiage kommen 
kannten Ein ahnluhci Kall i»t mir vor einten Jahren begegnet 
mit einem neuen Herken, jedoch traten die Risse nur vereinzelt 
auf und dichteten sich im l.sule der Zeit wieder von selbst, nach- 
dem auch die Wass«i'tem]>eratur erniedrigt wurde. Für llnen Kall 
würde ich laten. entweder das lin ken nnl Sieinzeugplallcn aus- 
zukleiden, wozu I'ortlanifzcnictil mit reinem (.KuirzsunJ. oder mit 
dem (..hictscluvei k heic.c*teiUcr Kalkstctnsand verwendet werden 
kann; anstelle von Steinzcugplatten konnten auch E Ii ra nge r Ton- 
platten verwendet weiden, dieselben sind billiger und gleich gut 
gnignel; oder «her das ganze lic. kcii ist mit etwa I bis a mm 
»laikem Blech auszuschlagen. Die Bio hlafcln werden genietet, 111 
^•ccii;iiclcn Entfernungen ;in den BctoinvUnitcn vy befestigt, d-ili 
sab das Blech bewegen kann, auf <'.ie Ausdehnung wate bcsondci* 
auch in den Ei ken Ru, ksiiht .-u nehmen. In idr Rlei hseiien sind 
cur der Verwendung mit haltbatei Farbe zu streichen. Das Beton 
Hecken dient in diesem Falle als Konstruktiotisgc 1 ippe 
W Siigler, W.1S5LJ tatin 'Im 1:1 Phcrlt-niiiiigi-n (YV lrttrmbei g| 

Inhalt: Her W. ttl,, ,\ , I.. K.Ui.;«»-; >., , |:„nvililen fär den Neu- 

I..IU eines >l I I.Vni ., , j-„ ,11 -Ii-, H.,ll:»u« n H-nnni. - Zm 

I i .|,r I n 1 .-. - r». -Satzes ,n tu. -».I.e. Mitteilungen ans 

Vi.iUri-ti. - \ rrni.-,. I.ti I <i |. r- h |- 4 1 1 - ) 'r 1 . kI,i i\ e 1 1 >ui i|!1 Ii -— Kllcrei. 

Hi,.( i.ml r ui:- k..-i< il 

Vi-;!. er tl<r 1 1 1 it..'! -■!' - 1 lljn.n n:i, L -. I. in S II, p,-.li-, l,:t .lie Hr<l.t>1 mn 
Ve.»..!«.e.tl. All« Ii II ..I m 4 in . h.-ilm |.|,i.k Wl Wil-i l.itir, IWtUi: 

No 16. 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 17. BERLIN, DEN 27. FEBR. 1904 

Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. 




I. Allgemeines und ältere Brucken 

erl»st v. J wurde die am Schwurplatz 
im Zuge des Kcre|>eser Ringes die 
Donau überschreitende „Elisabeth • 
Jrücke 1 * dem Verkehr Obergeben. 
Die Zahl der Straßenbrücken, weicht: 
die durch den Donaustrom auf fast 
7 """Länge getrennten, seit 1873 eine 
Stadtgemeinde bildenden Schwester- 
städte Ofen und Pest (dazu Alt-Ofen und Steinbruch) 
miteinander verbinden, ist damit auf 4 gestiegen (vergl 
den Lageplan Abbildg 2), von welchen die beiden am 
meisten stromab- be/w. aufwärts gelegenen eine Ent- 
fernung von nicht ganz 3 km von einander besitzen. 

Bis gegen das Jahr 1850 war eine feste Brücke 
/wischen den beiden ungarischen Städten und über- 
haupt Ober die Donau in Oesterreich-Ungarn nicht 
vorhanden. Eine Schiffbrücke stellte die alleinige Ver- 
bindung zwischen beiden Ufern der Donau her. Ende 
184g wurde nach fast zehnjähriger Bauzeit die von dem 



englischen Ingenieur W.T. Clark entworfene, mit engli- 
schem Eisen und zumeist fremden Arbeitskräften erbaute 
.Alte Kettenbrücke", die den Eluß im Herzen der 
Stadt, gegenüber der Kgl. Burg, Oberschreitet, dem Ver- 
kehr übergeben, ein Werk das seinerzeit die allgemeine 
Bewunderung erregte und sich, was die Schönheit der 
Gesamterscheinung betrifft, den späteren Schöpfungen 
getrost an die Seite stellen kann, ja diese trotz schlich- 
tester Ausführung im Einzelnen durch die Feinheit der 
Linienführung und die Wucht der Pfcilcraufhautcn viel- 
leicht noch übertrifft (vergl. Abbildg. 1). 

Einige 20 Jahre später wurde am obersten Ende 
der Stadt die zweite Straßenbrücke gebaut, da wo die 
landschaftlich reizvolle Margareteninsel den Strom 
in zwei Arme spaltet. Die „ MargaretenbrOckc" 
besteht demzufolge ebenfalls aus 2 Armen, die senk- 
recht zu dem Stromstrich des betreffenden Flußarmes 
geführt, mit einander einen stumpfen Winkel bilden 
Der BrOckcnplan wurde durch ein 1871 veranstalteten 
Ausschreiben gewonnen. Von den eingegangenen 
36 Entwürfen waren fast die Hälfte als BogcnbrOckcn 




AbbiMg. t. Dk alle Kettenbrücke Ober die DoMM in BuiUpt-t Ingenieur W. T. tl»rk. <F.iU»„l 1839 1849.1 



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gedacht. Die Brücke wurde auch als solche ausge- 
führt — als Bogenfachwerk mit festem Auflager — 
und zwar durch eine französische Gesellschaft, die 
„SocicHc' de construetion des Balignollcs", 
drren Direktor, Ing. Gouin, im Wettbewerb den ersten 
Preis erhielt Die Konstruktion kann als eine sehr 
rationelle nicht bezeichnet werden. Besonders ist die 
fcstcVcrbindung der gekreuzten Diagonalen nach dieser 
Richtung hervorzuheben. Der Entwurf lehnt sich in 
den Einzelheiten z. T. an die ArcolebrOcke in Paris an. 
Die Brücke wurde 1875 dem Verkehr übergeben. 
Ihre Gesa tntkosten stellten sich auf 8,33 Mill. M , das 
Eisenge wicht auf 2510'. 

Als die erste Brücke über die Donau eröffnet wurde, 
zählten die beiden Städte zusammen rd. 152000 Ein- 
wohner, zur Zeit der Fertigstellung der Margaretenbrücke 
fast das Doppelte Anfangs der 90er Jahre des vorigen 
Jahrb. war die Einwohnerzahl auf rd. 500000 gestiegen 
und im Jahre 1900 betrug sie rd. 714000 Seelen VOtl 
den 1890 gezählten Einwohnern fielen fast 400000 
auf Pest, die übrigen auf Ofen und Alt-Ofen. Diesem 
bedeutenden Anwachsen der Einwohnerzahl entspre- 
chend wuchs auch das Verkehrsbedürfnis. Im Jahre 
1895 wurde auf der Kettenbrücke ein Per- 
sonenverkehr von fast 11,5 Millionen fest- 
gestellt, auf der Margaretenbrücke ein 
solcher von über 4 Mill. Für die unterhalb 
gelegenrnSiadttcile, deren Ein wohne rzum- 
teil weite Umwege zurückzulegen hatten, 
machte sich daher das Bedürfnis nach 
neuen Verbindungen in so dringender 
Welse geltend, daß im Jahre 1893 durch 
einen Gesetzentwurf der Bau zweier weite- 
rer Donaubrücken, derjenigen tm Schwur- 
platz bezw. am Zollamt, mit einem Kosten- 
aufwand von 9,5 Mill. M. beschlossen wurde. 
Für beide Brücken wurde im Juli 1893 ein 
internationaler Wettbewerb ausgeschrie- 
ben.*,' Den ersten Preis mit dem Ent- 
würfe einer ausgesteiften Kabelbrücke für 
die Schwuiplat/anlage erhielt damals be- 
kanntlich Ob.-Ing. J. Kühler der Masch - 
Eahrik Esslingen in Verbindung mit den 
Architekten Eisenlohr & W'ciglc in 
Stuttgart; den zweiten Preis mit einem 
Entwurf für die Zollamtsbrücke der Ob.- 
Ing. Joh Feketehäzy in Budapest in 
Gemeinschaft mit den Architekten Stein- 
hardt' Lang doi t. Das System der Haupt- 
träger war das eines Kragträgers mit 
einer an die Form einer Kettenbrücke 
erinnernden Linienführung des Ober- 
gurtes. Diese Linienführung und das 
System eines Kragträgers sind auch für 
die Ausführung der Brücke beibehalten 
worden, während man für die Schwurplatzbi ücke wieder 
zum System der Kettenbrücke überging. Beide zur 
Ausführung gekommenen Entwürfe wurden von der 
Donaubrücken-Abt. des kgl. ungarischen Handelsmini- 
steriums bezw. der Maschinenfabrik der kgl ungarischen 
Staatsbahnen ausgearbeitet. Auch die Ausführung der 
Eisenkonstruktion wurde von der letzteren Fabrik mit 
Material aus ungarischen Werken bewirkt. Die am 
meisten stromab gelegene Zollamtsbrücke kam zuerst 
zur Ausführung. Sic wurde im Herbst 1896 dem 
Verkehr übergeben und erhielt den Namen .Franz 
Josef-Brücke". Die Schwurplatzbrücke erlitt in der 
Ausführung zuerst aus finanziellen, dann aus tech- 
nischen Gründen erhebliche Verzöger ung en, s<>daß 
sie, wie schon bemerkt, erst im Spätherbst 1903 ihrer 
Bestimmung Obergeben werden konnte. 

Den beiden neueren Brücken gilt die nachstehende 
Darstellung, wobei es von Ihtercsst m in wird, zwischen 
diesen und der alten Kettenbrücke einen kurzen Vergleich 
zu ziehen, der erkennen läßt, welche Fortschritte in- 
bezug auf Vergrößerung der Spannweite und Durch- 

*) Vrrjjl. Deutsche Hauitg 189» S. »83 und S. 353. Desgl. 
denselben Jahrg. d Ztvhilt. d. Vereins deulsrb. Ing , des /entral- 
lilsilC* d liauviwltg, dci /"'Mliift des Oesterr. Ing.- u. Arch-V. 

9» 



bildung der Konstruktion seit Fertigstellung jenes Bau- 
werkes gemacht worden sind. In den Abbildgn 3 — 5 ist 
eine vergleichende Zusammenstellung der Spannweiten, 
Gcfällverhältnissc, Lichlhßhcn der 3 Brücken gegeben. 

Die Alte Kettenbrücke") überschreitet den 
Strom mit 3 Oeffnungen, deren mittlere von Mitte zu 
Mitte Pfeiler 203 m Stützweite besitzt während auf die 
beiden äußeren je 90,8™ entfallen (N.B. Diese Zahlen 
sind aus Bauernfeind entnommen, der sich wiederum 
auf die eigene Veröffentlichung Clark's stützt. In der 
Zeitschrift f. Arch. und Ing.-Wesen 1898 S. 232—234 
ist in dem Aufsatz von Seefehlner über die Franz 
Josef -Brücke die Zahl zu 207 und je 86,7 m ange- 
geben). Die Gesamtlänge der Brücke zwischen den 
Endpunkten der Widerlager beträgt 466,33 m , die Licht- 
weite zwischen den Stirnflächen der \\ iderlager und 
abzüglich der Strompfeilerstärkcn in N.W. -Höhe rd. 
351 m . Das System der Eisenkonstruktion ist ein ein- 
laches Ketteiihängewerk. Die Doppelketten, die in 
Brückenmitte einen Pfeil von 14,6™ besitzen und in 
rd. 9™ Entfernung von einander liegen, fassen zwischen 
ihren in 1,83"' Entfernung liegenden Hängestangen, an 
welchen die gußeisernen Querträger aufgehängt sind, 




Abbildg 1. 

die 7,4 01 breite Fahrbahn. Die je 1,83 breiten Bürger- 
steige sind ausgekragt. Die Fahrbahn ist mit hölzernen 
Howc"schcn Trägern ausgesteift und auch die Bürger - 
-teiggcländcr sind in gleicher Weise ausgebildet. Der 
Fahrdamm ist mit Holzpflaster auf Bohlbelag versehen 
und auch die Bürgersteige sind mit Holz abgedeckt 
Das Eigengewicht der Brückenkonstruktion wurde auf 
rd. 7000 für 1 lfd. Brücke angenommen, die Vcr- 
kehrslast nur mit 2700 1245 k r, 'i m = 50 Pfd. engl, 
auf 1 L_') in Rechnung gezogen. Es ergeben sich 
dann rd. 1100K' 1 "" Beanspruchung der Ketten. 

Die schöne Erscheinung der Brücke beruht einer- 
seiis auf der schönen Linie der Kette, anderseits auf der 
btark geschwungenen Fahl bahn (rd. 3,65 m Pfcil im mittle- 
ren Brückenteil 1 und auf der wuchtigen Gi stallung der 
Pfeiler mit massiven Aufbauten. Die Pfeiler, die auf 
Beton zwischen Spundwänden 7 bezw. 12 m unter 
Nullwasser) gegründet sind, haben eine größte Breite 
in Fundamenthöhe von 16,75 m und eine obere Breite 
de S Aufbaues noch von 7™. Die Pfeilerköpfe springen 

') Allg. FOntcr'scbe liau/eitung 184 1 , Wien, und Uaucinfeind » 
Vorlepr blauer »ur Bruckenbaukunde 1H73 I m Abbildungen). Letztere 
Beschreibung slont sieh iu( die Veröffentlichung Clark's in „Supple- 
ments lo the llieory, praetn e and arrhiterture nf bndges". 

Nu. 17 



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unter der Fahrbahn kräftig vor, sixJaQ dir Pfeiler 
in Fundamenthöhe eine Gesamtlänge \oi\ 38,41 w er- 
halten haben. 

Interessant sind die bis anfangs der 30er Jahre des 
vorigen Jahrh. zurOckgehenden Verhandlungen im un- 



garisehen Landtag über den Bau der Brücke, dir in der 
Förstei sehen ANg Bauztg. 1841 als „eine VVeltange- 
legenheit, wie der Bau des Thcmsetunncls" bezeichnet 
wird, namentlich mit Rücksicht auf „die Kühnheit der 
Idee des Projektes und die unberechenbaren Schwierig- 
keiten, welche sich der Aus- 
führung entgegenstellen kön- 
nen". Im Jahre 1836 wurden 
Angebote eingefordert, von wel- 
chen das des Baron Sina von 
H6dos v. Ki/dea angenommen 
wurde, dessen Entwurf von dem 
englischen Ing. William Ticrncy 
Clark herrührte, dem F.rbaucr 
der Ende der 80 er Jahre v. Jahrh 



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27 Februar 190» 



-9 



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beseitigten rlanuaersmilhbrOcke in London. Mit Baron 
Sina wurde dann im Jahre 1838 ein Vertrag Ober den 
Bau der Brücke abgeschlossen, der in der genannten 
Zeitschrift abgedruc kt ist und ein interessantes Doku- 
ment bildet, interessant ist auch, daß Clark als der 
Ingenieur der ganzen Anlage, für deren Ausführung 
er zugleich die Oberleitung übernahm, schon damals 
ein den heutigen Verhältnissen entsprechendes Honorar 
von 5°/ 0 der Baukosten erhielt, dazu Reisekosten, 
Vergütung für Stellung der Aufseher usw. Die Brücke 
war von Clark zu 7010400 M. veranschlagt, wovon 
2,2 Mill M. auf die Pfeiler, 2,3 Mill. M. auf das aus 
England zu liefernde Eisen entfielen. Die Kosten der 
Rampen usw. scheinen hierin nicht einbegriffen ge- 
wesen zu sein, öderes sind die Gesamtkosten wesentlich 
überschritten worden. Sie stellten sich nach Seefchltur 
auf 11,5 Mill. M. Das Eisengewicht der Brücke wird 
nach der gleichen Quelle sehr niedrig zu 1805« an- 
gegeben. lEs ist dabei allerdings zu berücksichtigen, 
daß nur die Ketten, Hängestangen und Querträger, 
sowie die Zugstangen der ilowc schen Träger in Eisen 
hergestellt sind). 

Schon bei diesem ältesten Brückenbau erschien 
mit Rücksicht auf Eisgang, Hochwasser - Abführung 
und Schiffahrt der Einbau möglichst weniger Pfeiler 
als das erstrebenswerteste Ziel. Bei Aufstellung des 



Cl scheinung und gefällige Form der Gurtiinic sollten 
das Hauptmittel zur Erreichung dieses Zieles sein. Die 
ausgeführte Franz Josef- Brücke fZollamtsbrflckci 
hat dementsprechend eine mittlere Oeffnung von 1 75 «" 
Stützweite, von Mitte zu Mitte Strompfeiler, und 2 Seiten- 
öffnungen von je 73,90 m Stützweite, die Elisabeth- 
Brücke (Seh wurplatzbrückci eine einzige Stromöffnung 
von 290™ Stützweite, von Mitte zu MittePfeiler, undal.and- 
öffnungen von je 42,3 m erhalten. Als System wurde 
für die erstere das des Kragträgers mit gekrümmten 
Gurten und 2 Gelenken in der Mittelöffnung gewählt 
Als Vorbild für die Linienführung der Gurte diente dabei 
der mit dem II. Preise ausgezeichnete Entwurf, während 
die Ausbildung der Konstruktion im wesentlichen auf 
Grund des angekauften Entwurfes der kgl. ungarischen 
Staats-Masrhinenfabrik erfolgte. Für die Schwurplatz- 
BrQcke wurde dagegen das System der durch einen 
Fachwerksbalken mit gekrümmtem Untergurte ver- 
steiften Kettenbrück«- gewählt. 

Die Grundlagen der Berechnung waren für beide 
Brockenbauwerke die folgenden: Für die Berechnung 
der llauptträger, Versteifungsträger, Portale, sowie 
der Fußweg - Konstruktion wurden als Verkcbrslast 
450 *e/i"» angenommen, dazu 250 k * <i m Winddruck 
bei unbelasteter, 15p **ff bei belasteter Brücke. Für 
die- Fahrbahnteile wurde die Berechnung außerdem 




• flu^^H m 




Das neue schweizerische Bundeshaus In Bern. Architekt: Prol Hunt Auer in Bern. LigepW 



Wettbewerb-Programme* fOr die beiden neuesten, un- 
terhalb gelegenen Brücken war die Forderung gestellt, 
daß sie den Strom möglichst in einer einzigen Oeffnung 
Oberschreiten sollten und daß ihre Aufstellung mög- 
liehst ohne umfangreichen Einbau fester Rüstungen 
vor sich gehen sollte, Bei der ZollamtsbrQcke war 
jedoch auch die Teilung in 3 Oeffnungen mit rd. 170 
bis 1 75 breiter Mittelöffnung und 2 kleineren Seiten- 
öflnungcn zugelassen. Bei beiden Bauwerken war 
außerdem die Bedingung gestellt, daß sie nicht nur 
als dem Verkehr dienende Nutzbauten, sondern 
auch von dem Gesichtspunkt zu entwerfen seien, daß 
sie „unter den bedeutendsten Bauten der Haupt- und 
kgl. Residenzstadt von Ungarn, eine würdige Stellung 
einnehmen" sollten. Aesthetisch wirkende Gesamt- 



für je 2 nebeneinander stehende Je 2,5 ■ breite, 
2-achsige Wagen durchgeführt. Bei der Berechnung 
der Franz Josef-Brücke wurden Wagen von i,6 n ' Spur, 
4" Achsstand, 6' Raddruck, bei der Elisabeth-Brücke 
von 1,5™ Spur, 3™ Achsstand {8 m Ges.-Länge) und 
4' Raddruck zu Grunde gelegt. Bei der Elisabeth- 
Brücke wurde ferner bei der Qu« rschnitts-Bestimmung 
aller jener Bauteile, bei welchen die Temperatur- 
änderung innere Kräfte erzeugen kann, das Maximum 
dieser Acndei ung gegenüber der mittleren Tempera- 
tur von + io n C. sowohl auf- al- auch abwärts für 
30 0 C bestimmt. Die an das Material gestellten An- 
forderungen weichen bei beiden Bauw erken nicht un- 
wesentlich von einander ab, sie sollen bei der Bespre- 
chung der Einzelbauten besonders behandelt werden. 

{KurtMrUung folgt.» 



Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. 

Architekt: Professor Hans Auer in Bern. «Hirm. rinr Düppel -Bii.il*. bc. . 




einzelnen 
verschied 
nur loser 



ür die Beurteilung der Anlag» des neuen 
schweizerischen Bundeshauses in Bern be- 
darf es einiger kurzer Worte über die Staats- 
verfassung der Schweiz. Bestand die letztere 
bis zum Jahre 1848 aus einem Bunde der 
Kantone, deren Verfassung unter sich sein 
en war und deren Zusammenschluß daher ein 
sein konnte, so brachte die Bundesverfassung 




vom 12. Sept 1848 hierin eine Wandlung, dcrzufolgc 
die bis zur Eigenherrlichkeit entwickelt gewesene 
Selbständigkeit der einzelnen Kantone beschränkt und 
unter Verleihung gleicher staatspolitischer und sozialer 
Einrichtungen an die Kantone der Republik eine ein- 
heitliche \crfassung gegeben wurde, die eine demo- 
kratische Repräsentativ-Vcrfassung mit der Bundes- 
versammlung als Legislative ist. Die ßundesver- 



No. 17. 

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Sammlung bestellt aus zwei selbständig beratenden 
Körperschaften: dem Nationalrat als Vertreter der 
Nation 1145 Mitglieder), und dem Ständerat als 
Vertreter der Kantone (44 Mitglieder); also auch hier 
die beiden Kammern der meisten der übrigen euro- 
Staatsformen. Der Ort der Bundcsversamm 



sondern vielmehr auch aul ein Mitteigebaude erstreckt, 
welchem als beherrschendem Teil der Gruppe das 
alte Bundesratshaus und das neue Verwaltungsgebäude 
all seitliche Flügel dienen konnten. Auer fand eine 
glückliche Anordnung für das eigentliche Bundeshaus, 
die ihm den Sieg im Wettbewerb eintrug. Es war eine 
fung und "der Verwaltung des Bundes ist das zentral geschlossene zentrale GrundrifJanlage, die sich zweck- 
gelegene Bern, der Sitz das Bundeshaus. mäßigzwischendiebcidenVcrwaltungsgebäudeeinschie- 
Das Bundeshaus ist eine Gruppe von 3 Gebäuden, ben ließ, um sie zu beherrschen. Während die letzteren 
welche sich hoch über dem Ufer der Aare erheben einen schlichten, fast zu schlichten und strengen floren- 
und ihre Hauptfronten nach Süden entwickeln Die tinischen Stil der Frührenaissantv zeigten und auch 

_ so ausgeführt 
wurden, wobei 
sich Auer frei- 
lich dem alten 

Bundesrats- 
hause, welches 
bereits auf das 
Jahr 1851 zu- 
rückgeht, an- 
passen mußte, 
sehlug da$ Par- 
lament* • Ge- 
bäude reichere 
Akkorde an, 
entlehnte dem 
zweiten Sem- 
per' sehen llof- 
Iheatet in Dres- 
den den Ge- 
danken des ge- 
schwungenen, 
in »1er Mille 
durch eine Ni- 
sche mit Qua- 
driga ausge- 
zeichneten Vor- 
baues mit der 
Wandelhalle 
und bereicherte 

das Motiv mit 
einer zentralen, 
hochstrebenden 
runden Kuppel. 

Bei der Aus- 
führung des 

Parlamente-Ge- 
bäudes, welche 
am 24. März 

1893 durch den 
Nalionalratund 
am 30. März 

1894 durch den 
Ständerat be- 
schlossen wur- 
de, hat Auer 
die Formenge- 
bung des Auf- 
baues des Kon- 
kurrenzentwur- 
fes vielleicht zu 
Ungunsten der 
Wirkung ver- 
lassen, dage- 
gen aber dem 
Grundriß eine 

eingehendere 
I >ureharbeitung 
da-- schweize- 
age im 




3 Gebäude wurden nicht gleichzeitig errichtet; als das 
erste das westlich gelegene alte Bundesratshaus. Ihm 
folgte in den Jahren 1888 92 das ristlich gelegene 
neue Verwaltungsgebäude, nachdem im Jahre 1885 
durch das eidgenössische Departement des Inneren 
ein Wettbewerb unter schweizerischen Architekten er- 
lassen worden war, aus welchem der Architekt Hans 
Auer von St. Gallen, ein Schüler von Theophil Hansen 
und damals Professor an der k k Staatsgewcrbcschule 
in Wien, als Sieger hervorging Der Wettbewerb 
war nicht allein auf das ostliche Gcbiudc beschrankt, 

37. Februar 1904, 



durch 



zuteil werden lassen 

rische Parlamcntshau5 eine akademische An 
besten Sinne des Wortes geworden i>t. Am 5. Sep- 
tember 1894 begannen die Erdarbeiten, Ende i8gu 
war der Rohbau* im Wesentlichen fertig gestellt, 1901 
wurde der Bau schon zumteil bezogen und am 1 April 
1002 das Gebäude leierlieh eingeweiht Die Ober- 
leitung des Baues hatte der Direktor der eidgenössi- 
schen Bauten. Hr. Arnold Flükiger in Bern, während 
bauleitender Architekt durch die ganze Dauer der 
Bauausführung Iii. Prot, Hans Au« 1 in Bern blieb 

101 



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Bauführer für die Ausführung sowohl des Parlaments- 
hauses wie des Ostlichen Bundespalastes war Hr. Alfr. 
Kasser von Nicderbipp. DcrLagcplan zeigt die Anord- 
nung der stattlichen Gcsamtanlagc und die Verbindung 
der drei einzelnen Bauten untereinander. Nördlich vor 
dem Parlamentshaus ist der Bundesplatz angelegt wor- 



den, südlich sind der Baugruppe hohe Terrassenbauten 
mit steilem Abfall in das Aaretal vorgelagert. Es be- 
sitzt kaum eine andere Gruppe von Staatsgebäuden 
eine so unvergleichlich schöne Lage, wie die Staats- 
gebäude in Bern, welche freien Ausblick in den Jura 
und die herrlichste Alpenwelt der Schweiz haben. — 

iKortv-t/unr folgt,! 



Nochmals vom Meißner Dombau. 



Kjtt u der in No. « enthaltenen Entgegnung des Ilm Geh. 
W^K llofrat Gurlitt bemerke ich in möglichster Kürze 



folgendes: i. Die mir vorgehaltene Notiz von 1558 
ist in der von mir erwähnten „ganzen Reihe von glaub- 
würdigen Berichten" inbegriffen. Nach meiner Ausein- 
andersetzung des Begriffes turris enthält sie nichts be- 
sonders Bemerkenswertes und kann daher ruhig auch 
weiter unter diesem Sammelbegriff verbleiben 

3. Für das Urteil, ob das vorhandene dritte Turmge- 
schoß die Vorbereitung für einen einheitlichen Querbau 
oder für eine Zwciturmanlagc bildete, kann naturgemäß 
nur der voll entwickelte obere Teil dieses GeMDMMl 
maßgebend sein. Untere Grundrisse, in denen das Hin- 
eingreifen der anstoßenden Dachgiehel den Sinn der ganzen 
Anlage verwischt, sind dafür belanglos. Daß Hr. Gurlitt 
solchen belanglosen Grundriß hat veröffentlichen wollen, 
konnte ich nicht wohl annehmen, um so weniger, als in 
seiner gleichzeitig veröffentlichten Ansieht der Westfront 
diese hineingreifenden Giebel vollständig fortgelassen sind. 
Acndert man auf Seite 627 des vorigen Jahrganges die 
Unterschrift des links stehenden Grundrisses in „Allein 
maßgebender Grundriß", so ist der Entgegnung de« Hrn. 




Abbilde 3 Nach dem HoUschnilt vom Jalne 1558. 
(Nach lliob Magdi-^tific \ 

Gurlitt Rechnung Betragen; die sachliche Wirkung der 
1 .l urnübcrstellung bleibt davon unberührt 

3. Die wiederholten Angriffe gegen die im Schäfer'- 
KChcn Entwurf gegebene Schattenwirkung entsprechen 
nicht dem tatsächlichen Bestand, wie die einfachste Be- 
sichtigung an Ort und Stelle ergibt. Die hier beigegebenen 
Abbildungen geben darüber in Grundriß und Naturauf- 
nahme durch den Vergleich mit der Wiedergabe des Ent- 
wurfes auf Seite 635 des vorigen Jahrganges wohl voll- 
ständige Klarheit. Nachdem Hr. Gurlitt auf «lern Denkmal- 
lagc in Erfurt erklärt hat: „Der Schatten zeigt, wie man 
es hatte machen müssen, wenn man eine zweitürmige 
Anlage von unten herauf plante" |S. 62 des Menographi- 
sehen Berichtes) so sollte er jetzt zugeben: Die Anlage 
dieses Sc hatten gebenden Rück Sprunges beweist, 
daß man eine zweitürmige Anlage von unten her- 
auf geplant hat. Und das ist doch wohl der Kern der 
ganzen Frage. Gegen diesen klaren Tatbestand hilft aurh 
die Annahme „idealer Flächen" nicht, die in Wirklichkeit 
eben nicht vorhanden sind. 

4 Demgegenüber ist die genaue Altersbestimmung 
des Abschlußgesimses am Mittelbau von geringerer Be- 
deutung. Es sei hierzu nur bemerkt, daß die Hrand*purcn, 
wovon ich mich bei Besichtigung de- Baues überzeugt 
hatte, nur an den Gcsimstcilcn der Turme, nicht an dem 
strittigen Gesims des Zwischenbaues vorhanden waren, 
daß die Schwcchten'sche Darstellung der Wc-ifiont eine 
freie, vielfach gegen den Bestand geänderte Rekonstruktion 
ist und daher keine Beweiskraft hat Die älteren Dar- 
stelltingen des Domes, insbesondere die des II iob Magde- 
burg vmi 1558, sind M klein und summarisch, daß man 

loa 



aus ihnen nichts Bestimmtes entnehmen kann. Aber selbst 
wenn neuere Beobachtungen ergeben sollten, daß die Aus- 
kragung am Mittelbau noch spät mittelalterlich ist, als Stütze 
für einen schweren Mittelturm konnte diese Ober 80 *■ 
vorkragende, nur mühsam mit Eisenklammcm zusammen- 
gehaltene Konstruktion dennoch nicht dienen. Die Be- 
hauptung, es habe sogar zweimal (!) ein Steinbau darauf 
gestanden, ist völlig willkürlich. Es steht vielmehr akten- 
mäßig fest, daß der sogenannte „Schafstall" ein hölzer- 
ner tachwerkbau mit Backstein - Ausmauerung war. Üb 
überhaupt vor diesem Notbau etwas darauf gestanden 

Abbil<Jg '• Vorkragende* 
Cioima dea Mittelbauer der 
aadweitlirhen Ecke 
de» Nordturroe»- 




Abbildg a 
Profile von der südwest- 
lichen Ecke dea Nordturmes 
im III. GeachoQ 

(Nach Aufuahmr <lrr I ■ • . 

Irlttmg > 



■:■>>■ i 




hat, darüber haben wir nur Vermutungen. Der Stich von 
Iliob Magdeburg zeigt etwa«, was ich für eine schlichte 
Brüstung halte (vergl. Abbildg. 3). Will man es als Rest 
eines sehuppenartigen („>ucrbaues ansehen, so kann die 
geringe Wandstärke desselben ebenfalls nur auf einen 
Holzbau gedeutet werden. Um das Auffinden einer ge- 
ringen Menge gesehmobenen Gloekcnmetalles im Unter- 
gew ln>ß zu erklären, braucht man nicht einen großen 
Glockenturm dort vorauszusetzen, es genügt das auch von 
mir angenommene Vcsperglockch.cn. 

S Auf die „aus der Erinnerung* gezeichnete, tatsäch- 
lich vielfach Unrichtige l'er-pcklivc einzugehen, erübrigt 
sich. Es sei nur erwähnt, daß bei ihrer IVutung die dort 
angegebenen starken Bögen irrtümlich als Tragebögen des 
oberen Ge«chi'«scs bezeichnet werden. Daß es sich nicht 
um solche, sondern um Vcrspannungsbogcn handelt, wie 

No. 17. 



Gc 



sie zur Sicherung von Doppcltürrnrn dienen, geht mit 
voller Sieherheil aus dem darüber erhaltenen Mauergrund- 
riß hervor; dieser zeigt über den starken Bönen nur 
eine schwache Wand von 45 rm Dicke. 

d Auch die Deutung der etwa 50 cm Ober dem wieder 
aufgefundenen Fußboden des vierten Geschosses erhalte- 
nen Pfeilerstümpfe ist nicht willkürlich. Die von Hrn. 
Gurlitt versuchte Erklärung als Endigung der unteren 
Pfeiler scheitert daran, daU man einige 40 Quader der 
noch höher geführten Teile gefunden hat Das rechtfertigt 
den Schluß, daß das vierte Geschoß auch tatsächlich ein- 
mal als Turmbau auf diesen Plcilcrn gestanden hat. 

7. Keiner der anerkannten Grundsätze der Denkmal- 
pflege kann dafür angeführt werden, daß man eine groß- 
artige, gut beglaubigte Losung zurückstellt um einiger 

Mitteilungen aus Vereinen. 
Frankfurter Architekten- und Ingenieurverein. 3. Ver- 
einsvers, am 23. Nov. 1003. Vors. Hr. Gerstner, anw. 
25 Mitgl., 13 Gaste. Der Vors. machte zunächst Mitteilung 
flberdieVerteilungderVcreinsämtcr. Hr. Stadtbmstr., Dipl.- 
Ing.Forbät-Fischersprichtüber „DenBau derSlädte 
an Flüssen in alter und neuer Zeit". An der an den 
Vortrag sich anschließenden Besprechung, die sich insbeson- 
dere mit der baulichen Entwicklung Frankfurts beschäftigte, 
beteiligten sich die Hrn. Weismüller, Askenasy, Wolf f. 
Berg und der Vortragende. — 

4. Vereinsvers, am 7. Dez. 1903. Vors. Hr. Gerstner, 
anw 26 Mitgl., 7 Gäste, aufgenommen 9 Mitgl. u zw. die 
Hrn. »tädt. Bmstr. H. Goldmacher, Stadtbauing. W. I.uft, 
Ing. Adolf v. Pildner, Stadl. Bmstr. Joseph Tl. Richter, 
Stadtbrt Gust. Schaumann, Keg. - Bmstr. Franz Schenck, 
Keg.-Bfhr. Sprengel, Stadibauinsp. Heinicke. 

Gemäß der Tagesordnung hielt Hr. Arch. II. Inno 
den angekündigten Vortrag über , Moderne Archiv- 
bau im", Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick 
Ober die Entwicklung des Archivwesens und einleitenden 
Bemerkungen über die Anlage von Archiven im allge- 
meinen, schilderte der Vortragende die auf einer im Auf- 
trage des Magistrates unternommenen Studienreise besich- 
tigten Archive Ausführlicher wurden besprochen die 
bauliche Anordnung und innere Einrichtung der Archive 
in Düsseldorf, Basel Bern, Straßburg, Speyer und 
Lüneburg. Die Ausführungen des Vortragenden wurden 
auf das anschaulichste unterstützt durch ein reiches Plan- 
matcrial, das von den einzelnen Archiv -Verwaltungen in 
zuvorkommendster Weise für die Zwecke des Vortrages 
zur Verfügung gestellt war. Einzelheiten der Aktcnrcgale 
und Urkundenschranke wurden durch Handskizzen an der 
Tafel erläutert Als zum Gegenstande des Vortrages in 
Beziehung stehend besprach der Vortragende eingehend 
den sehr interessanten Erweiterungsbau de* Kathauses in 
Basel (Arch. E. Vischcr in Basel). An der anschließen- 
den Besprechung, die sich mit der Lüftung und künst- 
lichen Beleuchtung der Archive und mit der bisher un- 
entschiedenen Streitfrage über die Vorzüge der Verwendung 
eiserner oder hölzerner Aktenregale beschäftigte, beteilig- 
ten sich die Hm Blecken, Dr May, Forbät-Fischcr 
und der Vortragende. 

5. Vereinsvers, am 18 Jan. 1904. Vors. Hr. Gerstner, 
anw. 21 Mitgl., 10 Gäste. Der Vorsitzende erinnerte zu- 
nächst an das am 11. Dez. 1903 in Frankfurt a. M. verstor- 
bene langjährige und verdienstvolle Mitglied Architekt und 
Glasmaler A. Lüthi, Dir. der Kunstgcw.-Schulc in Zürich. 
Aufgen. wurden die Hrn. Rcg.-Bfhr. H.Waag. Arch. Dipl. -Ing. 
R. Restle, Garn.-Bauinsp. H.Üenda. Ing. P. Timmler, Ob.-lng. 
Halberstadt, Rcg.-Bfhr. M Steinbrink, Rcg.-Bfhr. W. Morin, 
Dipl.-lng. J. F. Schay und Stadting. A. Sutter (Bad Nauheim). 

Hr. Wasserwerk - Dir. Scheelhasc sprach hierauf: 
„Ucberdic Ausführung des Sachsenhäuser Hoch- 
behälters und die städtischen Wasserwerke in 
Frankfurt a. M." Besonderes Interesse erweckte der 
Vortrag durch den reichen Schatz praktischer Erfahrungen, 
der in uneigennützigster Weise mitgeteilt wurde. Redner 
brachte zunächst Angaben über diestädL Wasserversorgung. 
In der 2. Hälfte der 90 er Jahre war der Bedarf an Trink- 
und Flußwasser an heißen Tagen beträchtlich größer, als 
die verfügbare Wassenncnge. L"m auf beträchtliche auf- 
gespeicherte Wassermengen zurückgreifen zu können und 
um dem höher gelegenen Stadtteile Sachsenhausen, nament- 
lich den größten Wasserabnehmern. den Brauereien auf 
dem Sachsenhäuser Berg, Wasser unter höhcrem Druck 
zu verschaffen, als es der bis zum Jahre 1901 einzige 
Hochbehälter an der F'riedberger Landstraße im Verein 
mit dem Gegenbehälter ihn liefern konnte, stellte sich 
die Errichtung eines neuen Hochbehälters immer mehr 
als eine dringende Notwendigkeit heraus. AI" Lage für 
den neuen Hochbehälter kam nur der Sachsciihäuscr 

27. Februar 1904. 



künstlerisch und kunstgcschichtlich geringwertiger Reste 
einer unbekannten Komposition oderNotkoitstruktion willen. 

8. In meiner Schlußbeinerkung S. 634 vorig. Jahrg. 
habe ich Ilm Gurlitt nicht genannt, tatsächlich auch mehr 
die Gcsamtstimmung der umfangreichen Preßfehde im 
Auge gehabt Seinem Protest gegenüber sei er aber daran 
erinnert, daß er selbst in Erfurt neben dem gelegentlich 
eingeflochtcnen Zugeständnis, daß er irren könne, Einzelne" 
und zwar da* Wichtigste als „mit Sicherheit ' zu be- 
haupten herausgehoben (S 68 des stenographischen Bc- 
richtcsiund zum Schluß nachdrücklich dagegen Verwahrung 
eingelegt hat, daß etwas anderes, als „da» kunstgeschicht- 
lich Berechtigte" ausgeführt werde (S. 85 des Stenograph. 
Berichtes). Es werden wenige der Zuhorerauf diese Aeussc- 
ningen den obenerwähnten Vorbehalt milbezogen haben 

O. Stiehl. 

Berg ungefähr an seiner höchsten Stelle nahe der Warte 
infrage. Dort wurde nun die Erbauung eines Behälter" 
für 3oooo c,,m Inhalt nach den Plänen des Stadlbaumstr. 
Sattler vorgesehen. Der Behälter hat zwei Abteilungen 
mit je zwei Wasserkammern zu je 7500 1'" 11 erhallen. Dir 
Absicht, dir Behälter ganz in Ziegclmaucrwerk herzustellen, 
wurde aufgegeben, da man bei der stattgehabten Sub- 
mission (and, daß durch Ausführung in Zementtraßbeton 
sich wesentliche Ersparnisse erzielen ließen. Die Aus- 
führung wurde der mindestfordernden Firma Ph. Holt- 
mann Ar. Cie übertragen. Die Ausschachtung der Bau- 
grube begann am 20. Nov. 1899. Mitte Juli 1901 fand die 
Inbetriebnahme von zwei Wasserkammern statt, die Füllung 
der zwei anderen Kammern wurde gegen Ende August 
1901 vorgenommen. Um der im Betrieb sich herausstellen- 
den stark angreifenden Wirkung des Wassers auf den Putz 
der Wandungen entgegenzuarbeiten, wurden zwei Wasser- 
kammern mit Sideroslhen ■ Anstrich, die dritte mit der 
patentierten Dr. Höllischen Anstrichmasse versehen, wäh- 
rend in der vierten zurzeit noch Versuche stattfinden, um dem 
Wasser durch eine besondere Behandlung seine angreifende 
Wirkung zu nehmen. Die Außenarchitcklur der Tore zu 
den Wasscrkammem sind in frühromanischen Formen nach 
den Pinnen des Hm Arch. Th Martin (i F. Ph. Holz- 
mann Ar Cie.) ausgeführt 

Interesse erregten auch die Mitteilungen über die Host- 
bildunginden KohrMrangen, die nicht etwa durch einen Eisen- 
gehalt des Wassers, sondern infolge Angriffes des Wassers auf 
die Innenwände der Rohre hervorgerufen wurde, wie der 
Vortragende unwiderleglich nachwies; femer Mitteilungen 
Über die L'eberwacluing und Leitung des Betriebes der 
Wa"serwerksanlagen vom Betriebsbureau im Rathaus aus. 
Alle Behälter usw. sind durch Fcrnmcldckabc] mit dem 
Wachtlokal und dem Amtszimmer des Betriebsinspektor" 
verbunden Versuche zur Einrichtung der elektrischen 
Regulierung der Hauplschiebcr vom Rathaus aus sind noch 
nicht abgeschlossen Der fast zweistündige Vortrag, der 
durch ein reiches Anschauungsmaterial an Plänen, karten, 
Photographien und ModelKtücken unterstützt war, wurde 
von derVersammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen — 

Vermischtes. 
VersIcherungspfUeht gegen Brandschäden bei Gebäuden. 

In einer Briefkasten-Notiz der No. 10 der „ü B." ist auf 
eine Anfrage des Hm. F. II. in Düsseldorf zu lesen: Kein 
Reichs- oder Landesgesetz verpflichtet den Bauherrn, den 
in Ausführung begriffenen Bau oder den Rohbau gegen 
Brandschäden zu versichern usw. Das Gesetz, die Brand- 
Versicherungsanstalt für Gebäude im Großherzogtum Hessen 
vom 28. Sept 1890 verpflichtet die Gebäude -Eigentümer, 
ihre Gebäude mit Ausnahme der Lust- und Gartenhäuser, 
die nicht zu Wohnungen eingerichtet sind, und von Ge- 
bäuden, welche weniger als 100 M. Wert haben, bei der 
Anstalt zu versichern. Die GebäudecigentOmcr sind ver- 
bunden, bis zum Ende des Kalenderjahres, in welchem 
ein Bau vollendet wird, den Versicherungsantrag zu stellen. 
Im Bau begriffene Gebäude können aufgrund des Kosten- 
anschlages im Voraus oder nach teilweisem Aufbau in 
dem jeweilig fertiggestellten Umfange aufgrund einer Ab- 
schätzung versichert werden. Nach ihrer Vollendung hat 
eine neue Feststellung des Versicherungsansi hlages durch 
.Schätzung innerhalb obiger Frist stattzufinden. Baumate- 
rialien sind von der Versicherung ausgeschlossen. 

Die Wirksamkeit der Versicherung mbezug auf die 
Vergütung von Brand- und diesen gleich zu behandelnden 
Schäden l>cginnt mit dem Tage der Anmeldung des Ver- 
sicherungsantrages und zwar mit derjenigL-nSunmie, welche 
endgiltig festgestellt wird Die Bauherren machen von 
dieser Bestimmung sehr gerne Gebrauch und versichert» 
daher in der Regel ihre Neubauten zweimal, einmal im 
Kohbau, einmal, wenn der Bau vollendet ist; die Bauunter- 
nehmer bezw. bauleitenden Architekten haben <lie-e Vrr- 

10, 

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sicm-rung nicht fiir den Bauherrn aufzunehmen. Die Vn- 
-i.-lKriinti>|)r;iun«- hcirägi durchschnittlich 0,80 1 M. Im 
1000 M. Versicherungssumme hr/w. Summe des l'mlaue- 
kapitales des (ie-baiidcs 

Flüssige Tuschen von Gunther Wagner In Hannover und 
Wien. Den bewahrten Kigenschafte 11 der lhls»ii>oti Tuschen 
vmi (.uiUlicr Wagner - j>ünnlh)>-ii;kcit, Wasscrfcsti^kcil, 
Misch- und Ycnlilnribarketl, sowie die Möglichkeit, mit 
ihnen grolle Flächen gleichmaQig und fleckenlos anlegen 
zu können hat die Finna einige Ergänzungen praktischer 
N'atnr bei ihrer Verwendung hinzugcftlgt, die Beachtung 
verdienen Außer dem Untersatz für die Flaschen ist dies 
namentlich ein bis auf den Hoden der F lasche reichender 
gläserner Stöpsel, welcher den Zweck ha«, die Tusche in 
die Reiß- oder Zeichenfeder zu fahren und etwaiger Ver- 
geudung vorzubeugen. Besondere Brachtung verdient der 
mäßige Preis der Tuschen — 

Preisbewerbungen. 
Zu dem Wettbewerb der Vereinigung Berliner Archi- 
tekten betr. Gestaltung des Raumes für die Architektur- 
Abteilung der Großen Berliner Kunstausstellung 1904 liefen 
4 Entwürfe ein Oer Ehrenpreis und die Ausführung des 
Saales wurden llrn Arch Schweitzer in Berlin zuge- 
sprochen ^ 

Chronik. 

Eine Schulbau-Ausstellung zu Hamburg wird tum 7. bis 
so,. Mii in der KiinsUiul'e von der „t.cl rerven migung zur Pflege 
der künstln i'ihen Bildung" in Verbindurg mit dem „Schulbautcn- 
AusschuBder hainburgi-chenSchu'synodt" veranstaltet Ansrl ließcn- 
dr Vortrage werden /weck und Ziel des Schulbaues behandeln — 

Die Anlage einer Wendelstein-Bahn Im AnschluU »n die 
elektische Lokalbahn Aibling Feilnbach ist durch ein inständiges 
Komitee beschlossen worden. Die nach dem Entwurf des Ing. Strub 
in Zürich auszufahrende Hahn wird teils Adha-iims-, teils Zahnrad- 
bahn sein iind insgesamt i,s Mill M. beanspruchen. — 

Der Umbau des Kaufhauses In Mannhelm zum Rathaus 
ist durch den HOrgerauschuu in seiner Sitzung vom o. Kebr. ge- 
nehmigt worden Die Gesamtk Osten sind auf roBooooM. veranschlagt. — 

Ein Zierbrunnen für den großen Hof des neuen Rathauses 
In Manchen gelangt als eine Schenkung des Koni -Rates J. Heil- 
mann in München zur Aufstellung D<-r Hrunnen wird 1 ine Schöpfung 
des Bildhauers Theod v. Goten in München sein. -- 

Ein Pettenkofer- Denkmal In München wiid nu.li dem 

Entwürfe des Bildhauers I*rti( YV. v. Kueniann in den Anlagen 
am Maximiliansplal/, gcgci.nfjer dem Licbig - Denkmal, errichtet. 
Knr das Denkmal sind t. aaser Marmor und eine Gesamtsumme von 
90000 M. angenommen. 

Der Neubau der k. u. k. Konsular - Akademie In Wien 

wiid zur Feier ihres isojllhrigcn Bestände« (1754 dmch Maria 
Theresia begiiindcl) eröffnet werden, Dai im Stile de» österreichi- 
schen Barock gehaltene Gebäude ist ein Werk des Obert>aur;itcs 
l.udvv. Hau mann in Wien — 

Talsperre für das Dolmegeblet. Eine dritte Talspcire mit 
einem Stauinlialt von 3 Mill. cbm Wasser soll fnr das Dolmegebitt 
im Kierspertal erbaut werden. Die Vorarbeiten werden demnächst 



Der l..iiidhaiiii)*|i , Dr. -Ing. M 11 1 Ii c - 1 >i s im Min t'ii Handel 
uii'l Gewerbe i-t zum Reg- u. Ge« er be-S. hulrat ernannt 

Vcr»c1/t sind dir Reg. ■ Bmstr. Wittlcr von Massnw nach 
(•Otlingen und F. I. u •• Ii l von Kassel nach Greifswaid. 

Iii» Kcg-Blhr. Ign Falk .ius SiratSbiirg. Ilcinr. 1) 11 r pm 11 1 le r 
:111s M I iladbach u Otto G ... I d s c h m i d t aus Brucken (KisenbMi ), 
Al(r. M 11 1 1 <• r aus Putbus. Johs S t e • h c I aus Wismar, Laurenz 
Mar kers aus Weseke u. Osk- Jürgens aus Halberstadl (Hochbfch |, 
l.udw Netter aus Buhl (Kisenbfch > sind zu Reg. Bin st r 11 ernannt 

Der Reg. Bmstr Jahn ist der Kgl Eiaenb -Dir. in Berlin zur 
ßeavlaftlgurig überwiesen --- Den Reg-Bni-tni Lehr in Breslau, 
Aug. Bode in < harlottcnburg, Karl Mittelstaedt in Lrtbeck, 
Kud. Dernekamp in Prflni ist die nschges Enllas», aus d>ni 
Staatsdienst ei teilt. 

Der (ich. Bit z. D. Böttcher in Wiesbaden und der Reg . 
u Bit. a 1). Busse in Wiesbaden sind gestorben. 

Württemberg. Dem Reg-Ümstr. Boklen ist eine Prof. for 
Hochbauficher au der Baugcvverksrhule in Sluttgait übertrugen. — 



Hrn 



Brief- und Frage kästen. 

Arch. E. Sch. In Duisburg. Nirgend« ist angcoidnet, 



Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Mar.-Brt. und Halenhau-Betr.- Dir. 
fitumii Ii in Kiel ist nach Damig versetzt 

Baden. Der Reg. -Bmstr. Kerler in Fmmcndin 
Wasser- und Strsßcnbaninsp Lörrach versetnl 

Bayern. Der Ob.-Krg -Rat W e 1 Ii , Abt -Voist bei der Gen - 
Dir. der Staatseisenb ist zum Reg Dir. mit dem Range und den 
Kerbten eines Kollegiuldircktors befördert. 

Der Masch -losp. S c e b e r g e r in Augsburg ist unt Verleihung 



dall der Arbeitgeber einem Techniker, welcher zu einer sechs- 
woctieutlichcn militärischen Uebung eingezogen wird, das bedungene 
Gc'alt weiter zu zahlen habe, wühl aber wird diese Ansicht b s- 
wtilen vertreten, wahrend überwiegend das Gegenteil verteidigt 
wiid. MaUzebrnd sind B. G .ß. $616 und Gcw Ord $ 133c Abs a. 
Der erstere bestimmt zwar, daß der Anspruch auf Vergniung be- 
stehen bhibe, wenn Jemaml für eine verh Altnismäüig nicht 
erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund 0I111- 
sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Die 
herrscherdc M.inung erklär» j< doch sechs Wochen fQr eine er- 
hebliche Zeit und deshalb «ine sechswcVhenllichc militlliiscr.c 
l'rbung für kein Ereignis, das rlen Korlbezug des laufenden Ge- 
haltes rechtfertige. Noch weniger liefert Gew.-Oid. § 133c eine 
Stutze, weil er den Anspruch auf Forlbezug des Gcbaltcs auf die 
Dhuer von «erlu Wochen nur dem zubilligt, welcher durch un- 
verschuldetes L'nglQck an der Verrichtung^ seiner Dienste vei- 
hinderi wird. Eine militärische L'ebung wird jedoch kein Gerichts- 
hof dir ein .unverschuldetes Unglück* erklären. Auf die ein- 
schlagenden Bestimmungen des II G l! kann der Bautech- 
niker »ich nicht berufen, weil sie nur Mir Kaufmannsgehilfen er- 
lassen sind. — K. H-e. 

Hrn. Arch. P. H. In StraBburg. Das Verfahren, unter elektr. 
Belichtung unmittelbar von Zeichnungen auf dickem Papier Repro- 
duktionen (nicht mehr eigentliche Lieh pausen) zu machen , ist 
Eigentum der Lithograph. Anstalt von Bogdan l.iicvius in Berlin 
und wird unsere* Wissens nur von dieser Firma selbst ausgeübt. 

- Die Chemikalien zur Selbstpraparierung des Papiers fnr das ge- 
wöhnliche Lichtpausverfahren können Sic von einer ganzen Reihe 
ei Öfterer phot. Firmen bezichen Wir nennen nur Dr A. Hesekiel, 
Fabr. phut. Apparate und Materialien in Berlin und R. Reiss in 
Licbenwerda i. S. Im übrigen empfiehlt sich die Selbslhcrslellung 
des Papiers nur fflr sehr gioße Betriebe und setzt entsprechende 
Kenntnisse voraus ■-■ 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 
Hrn. J. W. in O. Zur Anfrage in No. H l'm die Gründe 
für die Entstehung der Schaden festzustellen, bedaif es verschie- 
dener Ängsten 1. Üb die Wandsliukcn des Rcservoiis den Itutleren 
Kl alten entsprechend dinitnsionieit sind, a. ob ein Zcmcntmatcrial 
verarbeitet worden ist, welches 80 ioo" warme-., mit kalzinierter 
Soda gereinigtes Wasser ertragen konnte, 3. ob das betr. Reservoir 
frei im Keller steht. Die sicherste Wasser- Dichtunjr solcher Be- 
h.Mtcr wird durch Anbringen einer wasserdichten Plntticrung mit 
Rathenower Dachsteinetiilagcn und einer abgeschliffenen Zement- 
deckschicht erzielL Auf diese Weise kann auch das betreffende 
ndinucn ist zur undichte Reservoir wieder vollständig gebrauchsfähig gemacht 
werden. - M < zarniki.w ik Co. in Berlin. 

Inhalt: l>k ucii«-i»-»> StiiUrtiti/Ocken Qbn .lie Uoiuu in Budapesr. - 
Iiis «tut srhwc izrnschc Bundestmus in Hein, — N.uhmnls vom MeiDner 
ll.tntlMii — Millclliin^c« ans Vrinurn. Vrrniischtes. - Preisbewerbungen. 

— ■ hrnmk- — Pcrsoml-.Nachrichlen - Briet- und Fra(rrka«en. 



de9 Tit eines Ob -Masch -In-p. 111 den Ruhestand getreten. 

l>em Hafenbmstr. G 0 11 1 h e r in Breslau 



Breslai 



Kgl Kioiien-Grdeu IV. Kl. verliehen, 

Der Kisenh -Bau- u Belr-Insp Rnppcl 
Friedeberg 11 <Ju verseift 



Ut <lcr 



Hierzu eine Bildbeilage: Das neue schweizerische Bundes- 
haus in Bern 



dakliun 

»erlio. 



Friedrich Wilhelm Büsing f. 

In der Nacht vom '^4 zum 25. d. M verschied in Friude-nau-Bcrlin nach kurzem aher schwerem 
Leiden, wenige Tage vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres, Professor Friedrich Wilhelm Heising. 
Die Fachwelt verliert in ihm einen ihrer hcrvorragendslen Mitarbeiter und Förderer auf dem Gebiete der 
hygienischen Einrichtungen der Städte, deren Durchführung jetzt zu den wichtigsten und schwierigsten 
Aufgaben der aulblnhcnden Stadtgemeindcn zählt. Als fruchtbarer und erfolgreicher Fachschriftsteller, 
als geschätzter Lehrer an der Technischen Hochschule zu Berlin, der er seil 1876 angehörte, als 
langjähriger Redakteur unseres Blattes hat er wesentlich cl.izu beigetragen, die Kenntnis auf diesem 
Gebiete zu verbreiten und zu verliefen, und als sachverständiger Berater hat er viellach entschei- 
denden KinlUiü auf die (»taktische Durchführung dieser Aulgaben ausgeübt. Bis wenige Wochen vor 
seinein Dahinscheiden bat er seine unermüdliche Arbeitskraft an die Lösung dieser Ziele gesetzt 
und in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Schwer ist der Verlust für das Fach; wir selbst ver- 
lieren in ihm einen tätigen Mim Leiter, dessen reicher Erfahrung und klarem l'iteil wir manche An- 
regung, manchen wertvollen Rat verdanken Wir kommen auf seinen Lehensgang ausführlicher zurück. 

Sein Andenken in Ehren! 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N£ 18. BERLIN, DEN 2. MÄRZ 1904 

Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses 

im Anschluß an das Rathaus in Bremen. .1 .... wi/unr-i Hinzu dir AMtililungrn 10^ 

haltung zu wünschen, wenn es möglich wäre, es im 
Inneren so umzubauen, daß es den heutigen Anforde- 
rungen der Verwaltung genügt. Da das jedoch kaum 
möglich sein wird und der Wettbewerb den tatsach- 
lichen Beweis geliefert hat, daß ein neues Stadthaus 
mit selbst repräsentativen Zwecken geschaffen werden 
kann, ohne die Wirkung des alten Kathauses zu be- 
einträchtigen, so dürfte das Schicksal des heutigen 
Stadthauses entschieden sein. Das Preisgericht aber 
hat es mit Recht als ersten Grundsatz ausgesprochen, 
daß das Gefühl , daß die unvergleichlich schöne 
Wirkung des alten Rathauses nicht gestört werden 
dürfe, zu einer taktvollen Zurückhaltung beim Knt- 




ie diesen Wettbewerb einleitenden Ausfüh- 
rungen S. 93 waren geschrieben, ehe der 
Verfasser Gelegenheit hatte, Bremen zu be- 
suchen und von den Ergebnissen des Wett- 
— — — ^ bewerbes sowie den Entscheidungen des 
Preisgerichtes Kenntnis zu nehmen. Das Preisgericht 
ist bei seinen mehrtägigen eingehenden Beratungen zu 
ähnlichen Schlußfolgerungen gelangt, wie sie in der 
Einleitung angedeutet wurden. Besonders bemerkens- 
wert ist, daß, wenn wir recht unterrichtet sind, im 
Laufe der Beratungen auch dem Gedanken Ausdruck 
gegeben wurde, es sei das jetzige Stadthaus der beste 
Hintergrund für das alte Rathaus und es sei seine Er- 




Entwuif de* Hrn. K*rl Rolh in K*"-cl (Km Prei» von yx» M.) 



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wurf des Neubaues veranlassen müsse. Ditr.se Zurück- 
haltung ist von einer großen Anzahl von Entwürfen 
des Wettbewerbes auch beobachtet worden ; ein Ver- 
fasser deutete sie mit dem von ihm gewählten Kenn- 
wort: „Mir war's gnua" an. Sein Entwurf, sowie in 
noch höhcrem Maße der Entwurf „Hm, Hm, So, So* 



geringerer Firsthülic sein müsse. Ein großer rurin 
hege jedenfalls nicht im Sinne der ungeschmälerten 
Erhaltung der Wirkung des alten Rathauses und seiner 
Umgebung, er sei hier um so weniger am Platze, als 
ringsum viele Türme sichtbar sind, mit denen eine 
Kollision zu befürchten wäre Wenn Entwürfe mit 



gehen wohl am weitesten in der Beschränkung der Türmen durch Preise ausgezeichnet wurden, so geschah 
architektonischen Ausdrucksmittcl, ja, diese Beschrän- es wohl, weil die Möglichkeit einer Turmanlage im 



Programm angedeutet war. 

Ein besonderes Augenmerk 
legte das Preisgericht auch auf 
die farbige Wirkung des neuen 
Stadthauses; in dieser Bezie- 
hung erschien es ihm aus- 
schlaggebend, daß insbeson- 
dere an der Anschlußstelle an 
das alte Kathaus keine Back- 
steinfläehen mit ihrem neuen, 
lebhaften Rot auftreten möch- 
ten, welche mit dem Altbau 



kung steigert sich in letzterem Entwurf 
bis zu einer an Nüchternheit streifenden 
Enthaltsamkeit. Das Gegenteil unge- 
messensten Aufwandes zeigt der Entwurf 
„Videant Consules". Die beiden letzt- 
genannten Entwürfe dürften die Gegen- 
pole des ganzen Wettbewerbes sein. 
„Videant Consules" zeigt eine mit un- 
endlichem Fleiß gezeichnete üppig reiche 
Anlage im Stile des alten Rathauses. 
An den beiden Hauptseiten des Neu- 
baues ist der I lauptgiebel des alten Rat- 
hauses wiederholt und dem Ganzen als 
herrschender Teil ein Turm gegeben, 
dessen Ausbildung namentlich in der 
Perspektive an die tropische Ucppigkeit 
der spanisch - mexikanischen Barock- 
architektur erinnert. Das Preisgericht 
hat es dahingestellt gelassen, ob die 
Formensprache des neuen Stadthauses 
die zurückhaltende Fortführung der be- 
stehenden Architektur sein oder ob die 
Unterordnung durch eine andere Art 
der architektonischen Ausbildung besser 
erreicht werden könne. Es werde dies 
von dem persönlichen Empfinden des 
Bearbeiters abhängen. Wichtig abe 
erscheine, daß keine zu großen 
Wirkungen neben den Altbau ge- 
bracht werden, sondern daß der letz- 
tere der herrsehende Teil bleibe. 
Der inrede stehende Entwurf zeigt das 
gerade Gegenteil dieser Auffassung. 

Eine Frage von nicht geringerer 
Wichtigkeit war die Turmfrage. Das 
Programm des Preisausschreibens hatte 
die Möglichkeit eines größeren Turmes 
an der Ostecke ins Auge gefaßt; es 
liegt aber, obgleich zahlreiche Entwürfe 
diese Möglichkeit als eine Bedingung 
aufgefaßt zeigen, offenbar auf der Hand, jf? 
daß damit nur eine Klärung auch über 
diesen Punkt herbeigeführt werden sollte. 
Die Turmfrage spielt merkwürdigerweise 
bei diesem Wettbewerb eine größere 
Rolle, als man aus den Bedingungen der 
örtlichen Umgebung hätte annehmen 
sollen. Die meisten Entwürfe haben der 
Baugruppe eine mehr oder weniger ent- 
wickelte, mehr oder weniger beherr- 
schende Ttirmanlage zugefügt. Einige 
Entwürfe, z. fS die Arbeit „Immer fest 
und grad aus!" sind darüber hinausge- 
gangen und haben zwei Turmaufbauten 
angenommen, den einen in dem rechten Winkel /wi- 
schen dem Eingang zum alten Kathause und dem An- 
schluß des Stadthauses, den anderen, etwas mächtiger 
entwickelt, an der im Programm angedeuteten < >stecke. 
Die schön gezeichnete Perspektive dieses Entwurfes 
läßt aber erkennen, daß ein Turm an der . rsteren 
Stelle in eine ideale und nicht erwünschte Konkurrenz 
mit dem von der Börse aus besonders interessant auf- 
tauchenden Turm der Liehfrauenkirehc treten würde, 
während ein Turm an der üsteeke oder in einer In:- und seiner feinen grauen Patina in eine unangenehme 
nachharten Eagc die beiden schonen Domtürmc bc- Wechselwirkung treten mußten. Es wurde der Wunsch 
einträchtigen konnte Der trefflich gezeichnete Ent- ausgesprochen, daß der Anschluß durch fein getönte 
wurf „Galopp* ist gar mit drei Turmaufbauten aus- graue Flächen erreicht werden möge, 
gestattet Das Preisgericht hat diesen Annahmen Um den Neubau in möglichst bescheidenen I lühen- 
gegenflber den Grundsatz aufgestellt, daß besonders Verhältnissen zu halten, wurde auch von zu großen 
der Anschluß des neuen Stadthauses an das alte Rat- Höhen des Festsaales abgeraten. Eine Beseitigung 
haus zurücktreten sollte, niedriger gestaltet und von des hübschen Anbaues an der Noulsdtc (Genehts- 

■ u6 




No. iB. 

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stube) wflrdc das Preisgericht bedauern Die schräge 
Baugrenzc kannte durch mäßiges Hervortreten einzel- 
ner Bauteile zugunsten einer Lösung im Winkel wahr- 
scheinlich sehr gemildert und das gute Aussehen ge- 
fördert werden Von großer Bedeutung war auch der 
I linweis des Preisgerichtes, daß für größere Empfänge 
der Eintritt durch die untere 1 lalle des alten Rathauses 



stets von Wichtigkeit bleiben werde, In der Tat hat 
der Wettbewerb den Nachweis geliefert, daß von den 
3 Möglichkeiten der Eingangsverlegung: Nordseite, 
Hornshof und Winkel zwischen altem Kathaus und 
neuem Stadthaus die letztere Annahme die ist, welche 
den natürlichen Bedingungen am meisten entspricht 
und den Bedürfnissen am meisten entgegen kommt 

,S, WuU foljt.1 



Der engere Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die neuen Universitäts- 
Gebäude in Jena. 

| it Rücksicht darauf, daß in dem Gebäude nach längeren Erwägungen zu der Ueberzeugung, daß 
Räume von verschiedenartiger Bestimmung die den einzelnen Zwecken dienenden Kaumgruppen 
unterzubringen waren, die, wenn auch in nicht in gleichmäßiger und geschlossener Weise längs 
[ einem gewissen Zusammenhange stehend, der Baufluchten aneinander zu reihen, sondern in sich 
doch verschiedenen Bedingungen genügen zu gruppieren seien. Weiterhin vertrat das Prcisgc 




Osscn, kam dasPr 



:richt 




Der Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für den Neubau ~* 
eines Stadthauses im AnschluQ 
an das Rathaus In Bremen. 

Entwurf der Hrn. 
Kerl ur.il Paul Boiiatz und Gustav 
11 i.l »cli in Stuttgart. 



(Kill l'n-l» »Oll »y> 
ErdKrwhnO. 




V. 



_ _ — 1 | — - - — n 

rieht die Anschauung, daß nach den örtlichen Ver- 
hältnissen, nach Lage und Gestalt des Platzes und 
nach der Alt der Umgebung sieh der Aufbau der 
Gebäudemassen von der nordöstlichen Ecke au* ent- 
wickeln müsse, welchen Forderungen die beiden au 
erster Stelle ausgezeichneten Entwüife am meisten 
Rechnung getragen haben, wenngleich sie eine all- 
seitig befriedigende Lösung der Aufgabe nicht bieten 
und als Vorentwüi fe auch nicht bieten konnten. 

Pas l'rteil des Preisgerichtes über den Entwurf 
des Ilm Prof. Thcod Fischer in Stuttgart lautet 
dahin, die Arbeil zeige bei verhältnis- 
mäßig einfacher architektonischer Be- 
handlung eine überaus geschickte Grup- 
pierung der Gebäudemassen, die treff- 
lich gegeneinanderabgestimmt seien und 
ungemein malerisch wirkten. Auch die 
Innenräume zeigten eine stimmungsvolle 
und gemutreiche Ausbildung, weisen aber 
nach der Ansicht des Preisgerichtes teil- 
weise eine ihrer Bestimmung nicht an- 
gepaßte architektonische Gestaltung auf. 
So bedürften z. B. die Korridore und 
Treppcnanlagen, sowie der Hauptein- 
gang einer größeren räumlichen Ausge- 
staltung, um den praktischen Bedürf- 
nissen und Forderungen, die an diese 
Anlagen gestellt werden müssen, zu ge- 
nügen, was sich aber nach Ansicht der 
technischen Mitglieder des Preisgerichtes 
ohne Beeinträchtigung der Gesamtan- 
lage ermöglichen läßt. 

Wer den Entwurf, wie wir ihn auf 
den S. 73, 74 und 108 darstellten, betrach- 
tet, wird dem hohen Lohe, 
welches ihm das Preisgericht 
zollte, nur beipflichten Die Ge- 
samtgruppier ungderGcbäude- 
masse ist eine un- 
t gemein glückliche 

* „ und malerische 

Trefflich ist der 

II:. -IHtff.fi;.. II 




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Gedanke, einen kleinen Teil des alten Schlosses in in München) war für die grundlegende Erscheinungs- 

die Neuanlage aufzunehmen und damit dieser ein form des Gebäudes die möglichste Erhaltung der die 

Element für die feine historisch-stilistische Abstimmung Baustelle an den beiden Hauptscitcn umgehenden 

der übrigen Teile einzufügen. Glücklich und male- Anlagegürtel Gewissenssache. Er war der Meinung, 

risch sind die Innenanlagen, geschlossen vereinigt die dali wenn man den gegenwartig bestehenden Haupt- 

cinzclncn Raumgruppcn, freilich aber auch einige eingang zum Schloß an der Ecke des Löbder- und des 




räumliche Anordnungen unter das zulässige Maß be- Fürstengraben auch für das zukünftige Gebäude bei- 
engt. Alles in allem: ein prächtiger Teil eines schönen behalte, so könne die Anlage ohne wesentliche Eingriffe 
Städtcbildcs, eine ihren idealen Zielen trefflich ange- in die natürliche Umgebung ausgeführt werden. Das 
paßte bauliche Anlage, eine sinnige und gemütvolle ist der Grundgedanke des Entwurfes „Eck"; nach ihm 
Baugruppe schlichten und wahren deutschen Charakters, gliedert sich die Gesatntanlage derart, daß sämtliche 
Dem Verfasser des mit dem II. Preise ausgezeich- Räume in einem Erdgeschoß und 2 Obergeschossen 
nctenEntwurfes mitdeinKennworte.Eck"(K.Hochedei um 2 geschlossene Höfe sich gruppieren und daß gegen 

«* No. 18. 

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das Landwirtschaftliche Institut und frühere Amtsgc- nügcndcn Aufschluß. Eines interessanten Punktes jc- 

richt im Verein mit der Nachbarschaft ein 3. Hof ent- doch sei besonders gedacht. Das Programm forderte 

stehen kann, der gegebenen Falles auch dem öffent- für den den Mittelpunkt der Gruppe des archäologischen 

liehen Durchgangsverkehr in der Richtung von der Museums bildenden Hof eine Ucbcrdachung mit Glas, 




Kniwurf der Hrn. Knimingminn & liecker in Hcrlin. (Ein l'reii von 5000 Mi 




Stadthaus für Bremen. Entwurf Jet Hrn. Kail und l'aul Munal/ uud Ciiot. RriUch in Stuttgart (Ein Pub von »500 M.) 

Hauptkirche nach dem Löbdcr - Graben erschlossen um in dem ! lof Sammlung Gegenstände aufstellen zu 

werden könnte. können. Nun ist es bisher nach unserer Ansicht noch 

Ueber die Verteilung und Anlage der einzelnen nicht gelungen, den künstlerischen Zwiespalt zwischen 

Raumgruppen geben die Abbildungen (S. 74 u. 75) gc- der großen Glasfläche eines bedeckten Lichthofes und 



a. März 1904. 



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der Architektur dieses 
I lofes zu lösen. Dem 
Verfasser wenigstens 

ist kein Versuch be- 
kannt, bei welchem es 
auch nur mit einigem 
Glück unternommen 
wurde, den hier weit 
klaffenden Gegensatz 
künstlerisch zu über- 
brücken. AuchHoch- 
eder scheint die Un- 
möglichkeit, die Ge- 
gensätze zu versöh- 
nen, gefohlt zu haben, 
denn er hat den Ver- 
such gemacht, über 
eine l'ebcrdachung 
des Hofes mit 
Glas dadurch 
hinwegzukom- 
men, dafi an -i 
Seiten dieses 
Hofes schwe- 
bende Vordä- 
cher angeord- 
net und eine 3. 
Seite desselben 
zwischen Säulen ge- 
öffnet wurde, sodali 
groüe Gipsabgüsse 
gegen die Unbilden 




der Witterung ge- 
schützt , aber doch 
im Freien aufgestellt 
werden konnten. 

Die stilistische I lal- 
tung des Gebäudes 
lehnt sich an die Knde 
desXVIll Jahrh. üb- 
liche schlichte I lau- 
weise Jena s an. die 
in einer größeren An- 
zahl von Heispielen 
der Stadt ihr eigen- 
tümliches Gepräge 
verleiht. Diese Bau- 
weise kennzeichnet 
sich durch dieAn Wen- 
dung des Mansard- 




Entwurf du Ilm Wcidenbac h und r»rhamnicr in Leipzig. III. Prei«. 



ilaches mit breiten, in den Linien streng uinri— ,eiien 
Dachaufbauten. Da gerade die beiden I lauptfronten 
sich zum größten Teile hinter Käumcn verstecken 
werden, so sind diese in schlichtester Putzarchitektur 
mit nur sparsamer Verwendung von Haustein gedacht. 
Dieser Schlichtheit in der Behandlung der großen 
Massen mußte aber wenigstens an einer Stelle ein 

1 10 



reicherer Gegensatz 
entgegengestellt wer- 
den, eine Stelle, auf 
welche sich ein aus- 
drucksvoller Formen- 
reichtum vereinigen 
konnte Fs lag nahe, 
hierzu, dem Grund- 
gedanken des Knt- 
wiirfes entsprechend, 
den 1 laupteingang 
zum Gebäude zu 
wählen. Da mit die- 
sem sich die zu einer 
reicheren architekto- 
nischen Wirkung ent- 
wicklungsfähigsten 
beiden Räume, die 



Halle und die Aula, leicht verbinden ließen, s<> konnte 
in der Tat hier ein künstlerischer Findruck erreicht wer- 
den, dessen bezwingender Gewalt, dessen hoher Schön- 
heit sich Niemand entziehen kann Das hier geschaffene 
Architekturmotiv ist von so köstlicher und bei aller 
Ueberliefcrung von so neuer Wirkung, daß man den 
lebhaften Wunsch hegen kann, es irgendwo an anderer 

N., ,8 



Gc 



Stolle zur Auslührung gel» acht zu sehen. Die Halle 
durchgreift die beiden unteren Geschosse; die dar- 
über angeordnete Aula ragt um ein Beträchtliches 
Ober die Höhe des obersten Geschosses hinaus, wo- 
durch der aus einem rechteckigen Unterbau empor- 
steigende Aulabau als elliptische Kuppel frei aufsteigt 
Auch für diesen Teil der Haugruppe ist vorwiegend 
Putzcharakter gedacht; doch sollte der Haupteingang 
durch ein in rotem Marmor auszuführendes reiches 
Portal im Verein mit einer darüber angeordneten Fi- 
guren-Nische aus gleichem Material eine wirkungsvolle 
Betonung erhalten, die noch gesteigert werden würde 
durch eine vorgelagerte Terrasse mit diese ein- 
fassenden seitlichen Abschlußmauern. 

Das Preisgericht sagt zu diesem Entwurf, auch er 
zeige sowohl im Aeußeren wie im Inneren hohe künst- 
lerische Eigenschaften. Bei dem äußeren Aufbau jedoch 
erscheine der F.ckbau gegenüber den übrigen Bau- 
massen zu groß und zu aufwandsvoll. Auch die Formen- 
sprache, so reizvoll sie an sich sei, passe sich dem 
Charakter der Altstadt von Jena nicht ganz an. 

Der Entwurf der Hm. Weidenbach und 
Tschammer in Leipzig verdankt die Auszeichnung mit 
dem III. Preise der ungemein klaren und Obersichtlichen 



Grundriß-Gcsamtanordiiung Im Gegensatz zu den beiden 
vorgenannten Entworfen ist hier der Versuch gemacht, 
die Räume um einen großen Haupthof zu lagern, 
unbeschadet der engeren Zusammenlegung der ihrer 
Bestimmung nach zueinander gehörigen Räume Das 
Preisgericht freilich meint, so klar und einfach die 
Anordnung an sich erscheine, so werde bei der An- 
lage eines großen Hofes der Verkehr auseinander ge- 
zogen und es entspreche der Entwurf nicht in hin- 
reichender Weise den Grundlagen für die Gesamt- 
anordnung, wie sie weiter oben angeführt und von 
den technischen Mitgliedern des Preisgerichtes als not- 
wendig erachtet wurden. Nichtsdestoweniger ist es 
eine in ihrer Art sehr interessante Grundrißanlage, 
welche die einfachste Ucbersichtlichkeit gewährt, ohne 
für den Aufbau die Möglichkeit malerischer Anord- 
nungen auszuschließen. 

Etwas kurz führt das Gutachten der Preisrichter 
von den übrigen Entwürfen an, sie ständen trotz vieler 
Schönheiten im Grundriß und Aufbau und verschiede- 
nen günstigen und zweckmäßigen Anordnungen im 
Einzelnen den drei mit Preisen ausgezeichneten Ent- 
würfen nach, sodaß sie nicht für die Preisauszeichnung 
infrage kommen konnten. 




Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. 

Von Middeldorf, Königl. Wasserbauinspektor. 

ic natürliche Beschaffenheit des Emschcrge- Ungünstiger wurden die Abflußverhältnissc, als 
bietes, welches sich von Holzwickede ab in den 60 er Jahren der Bergbau von der Ruhr mehr 
zwischen die Wassersani mclgcbiote der Ruhr nach dem Emschergebiet überging Infolge der cin- 
und Lippe legt, ist eine für die Vorflut höchst getretenen starken Kohlenförderung in den zahlreichen 
ungünstige. Der gefällarme und stark ge- neu abgeteuften Zechen entstanden bald größere in- 
wundenc Flußlauf ist in der breiten Niederung meist dustricllc Anlagen, wie Hochofenbetriebe, Eisen- und 
flach eingeschnitten, — 
sodaß schon bei ge- - , ^^'L^-*^. />..■•*•£ 

ringen Niederschlä- 
gen das Wasser über 
die Ufer tritt und 
große Gebietsteile 
überflutet. Die Kla- 
gen über die schlech- 
ten Zustände an der 
Emscher sind alt und 
reichen nachweislich 
bis ins 16. Jahrh. zu- 
rück. Es ist vielfach 
versucht worden, 
durch Begradigungen 
des Flußlaufes die 
Vorflut günstiger zu 

gestalten, doch scheiterte diese Absicht meistens daran, 
daß die beteiligten landwirtschaftlichen Kreise die ziem- 
lich bedeutenden Kosten nicht aufbringen konnten. 

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatten sich die Zu- 
stände derart verschlimmert, daß die Regierung in 
Düsseldorf sich veranlaßt sah, eingehende Unter- 
suchungen durch den Brt. Bauer anstellen zu lassen. 
Der von diesem erstattete Bericht schildert die Zu 




Abbllilg. t. fcbcrskhtspUn de» 



stände an der Emscher als höchst trostlose und führt 



Zinkhütten, Maschinenbauanstalten usw., sodaß das 
bis dahin schwach bevölkerte Gebiet sich zu dem be- 
deutendsten Industriegebiet des Festlandes entwickelte. 
Begünstigt wurde dieses Fortschreiten der Industrie 
durch zahlreiche Eisenbahnen, die meisten von Privat- 
Gescllschaftin erbaut, nicht nur die größeren Ort- 
schaften, sondern auch die einzelnen Werke verban- 
den. Die Folge davon war, daß die ganze Emscher- 
Niedcrung von Herne bis zum Rhein von zahlreichen 



sie in erster Linie auf die mangelhafte Räumung des Bahndämmen durchkreuzt wurde, welche den glatten 
mit Strauchwerk aller Art angefüllten Bettes, dann Abfluß der Hochwässer sehr erschwerten. Weitere 
aber auch auf die unregelmäßigen und polizeiwidrigen Vorflutstörungen traten nach dem Abbau der in der 
Anstauungen der in der Emscher belegenen Mühlen Emscherniedcrung vorhandenen starken Kohlenflötze 
zurück. Die Regierungen in Düsseldorf, Münster und ein. Die einzelnen Bergwerks-Gesellschaften versuch- 
Anisberg erließen darauf im Jahre 1821 eine Mühlen- 
Polizeiordnung für den Emscherfluß, welche die Stau- 
höhen für sämtliche Mühlen an der Emscher und deren 
Nebenbächen festsetzte. Die Mißstände nahmen jedoch 
derart zu, daß die Königl Regierung in Münster sich 
veranlaßt sah, im Jahre 1850 eingehende Untersuchun- 
gen über die Abflußverhältnisse im Emschergebiet vor- 
nehmen zu lassen. Daraufbin trat im Jahre 1854 die 
Emscher Schaukoinmission in Tätigkeit, welche die 
'ährliche Räumung des Flußbettes zu überwachen und 



v 



ten zwar mit großen Kosten die Störungen zu be- 
seitigen, doch erwiesen sich alle diese Bemühungen den 
stetig fortschreitenden Bodensenkungen gegenüber als 
wirkungslos. Die so entstandenen schlechten Vorflut- 
verhältnisse wurden in gesundheitlicher Beziehung durch 
die starke Verschmutzung der Bachläufc seitens der 
industriellen Werke, der Städte und der dicht be- 
völkerten Ortschaften erheblich verschlimmert, sodaß 
das Wasser zu landwirtschaftlichen Zwecken nicht 
mehr zu benutzen war. Dadurch entstanden Streiug- 



'orschläge für die Begradigung desselben zu machen keiten zwischen den Grund- und Zechenbesitzern, die 
hatte; trotz des ihr von den Anliegern entgegengebrach- eine derartige Höhe erreichten, daß der Landwirt- 
ten Mißtrauens hat sie jahrelang segensreich gewirkt. schafts-Ministcr sich im Jahre 1882 veranlaßt sah, den 



2. März 1904. 



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zuständigen Melioratiorisbauinsp., Brt Michaelis in 
Münster, mit der Aufstellung eines Entwurfes zur Re- 
gulierung der Vorflutverhähnissc im Emschertale von 
Herne bis Oberhausen zu betrauen. Dieser für die 
damaligen Verhältnisse mit großer Umsicht und Sach- 
kenntnis aufgestellte Entwurf ist nicht zur Ausfahrung 
gekommen, da der vom Staat geforderte Zuschuß in 
Hohe von 2,5 Mill. M. mit Rücksicht auf die ungünstige 
Finanzlage nicht bewilligt werden konnte. Es sind 
jedoch im Laufe der nächsten Jahre verschiedene Be- 
gradigungen nach dem Michaelis'schen Entwürfe an 
der Emscher und den Nebenbachen in Höhe von etwa 
4,3 Mill. M. zur Ausführung gekommen. Ferner sind 
für Polderanlagen 1,7 Mill. M ausgegeben, sodaß die 
Gesamt-Aufwendungen für die hauptsachlichsten Ent- 
wässerungsanlagen in der Zeit von 1886 bis 1000 rd 
6 Mill. M. betragen. Trotzdem sind zufriedenstellende 
Zustande nicht geschaffen worden. Einzelne Kreise 
versuchten zwar, eine durchgreifende Begradigung 
ihrer Wasserläufc vorzunehmen, doch kamen sie bald 
zu der Ueberzeugung , daß ohne einheitlich durchge- 
führte Regelung der ganzen Emscher von der Quelle 
bis zur Mündung den bestehenden Mißständen nicht 
abzuhelfen sei. Besonders trat dies zu tage, als infolge 
der Ruhrepidemie in der Stadt Herne seitens der Be- 
hörde auf eine baldige Durchführung der Kanalisation 
gedrangt wurde. Es zeigte sich hierbei, daß das für 
eine Klärung der Wässer notwendige Gefälle für die- 
ses Gebiet ohne Vertiefung des Hauptvorfluters nicht 
zu erreichen sei. Jede Kläranlage würde bei eintreten- 
den Hochfluten unter Wasser gesetzt und außer Tätig- 
keit treten müssen. Wie in Herne, so liegen die Ver- 
hältnisse in Wanne, Eickel, Gelsenkirchen, L'eckendorf, 
Schalke, Bismarck, Rotthausen, Heßler, Horst, AI len- 
essen, Borbeck, Bottrop und Oberhausen, also in fast 
sämtlichen Städten und größeren Ortschaften des 
Emschcrgebietes. 

Auf die Anregung des Reg.-Präsidenten Wintzcr in 
Arnsberg wurden dann die beteiligten Kreise zu einem 
gemeinschaftlichen Vorgehen veranlaßt und eine Kom- 
mission gebildet, welche aus den Vertretern der Städte 
Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Oberhausen 
und der Landkreise Hörde, Dortmund, Bochum, Gelscn- 
kirchen, Essen, Recklinghausen, Mülheim a. d Ruhr und 
Ruhrort bestand. Diese erklärten sich bereit, die Kosten 
für die Vorarbeiten aufzubringen und beauftragten den 
Verfasser mit der Ausarbeitung eines allgemeinen 
Entwässerungsplancs für das Emschcrgcbiet, bei dem 
nicht nurdieVorflutverhältnisse, sondern auch die Reini- 
gung der Abwässer berücksichtigt werden sollte. Dieser 
Entwurf ist in a Jahren - Juli 1901 bis 1903 aus- 
gearbeitet und im November v. J. durch die drei be- 
teiligten Regierungen in Münster, Arnsberg und Düssel- 
dorf landespolizeilich geprüft worden. Inzwischen 
wurde ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Billi- 
gung des Staatsministeriuins fand und gegenwärtig 
dem Landtage zur Genehmigung vorliegt. Für diesen 
allgemeinen Entwurf wurden außer den landmcs.se- 
rischen Arbeiten eingehende wassertechnische Unter- 
suchungen ausgeführt, die sich auf Pcgelbeobachtun- 
gen, Niederschlags-Verhältnisse, Abflußwerte und das 
VcrhältniszwischenNiedei schlag undAbflußcrstrccktcn. 
Von besonderer Bedeutung ist hierbei das aus dem 
Ruhrgebiet ins Emschcrgcbiet gedrückte Reinwasser, 
das 3,4 cb "'/Sek. beträgt, sowie das aus den Schächten 
hochgepumpte Grubenwasscr mit 2,6 ll "*'Sck.; dadurch 
werden die Abflußverhältnisse so stark beeinflußt, daß 
die Wassermengen der Emscher im Winter 10%, im 
Sommer oo'Y.s im Jahresmittel 25%, größer sind als 
die anderer Flüsse. 

Ferner wurde die Versorgung des Gebietes mit Reiu- 
wasser aus der Ruhr eingehend untersucht, die Abgren- 
zung der Yersorgungsgcbicte der verschiedenen Pump- 
werke, welche großeWasscrniengeii abgeben, sowohl lur 
die einzelnen Sanimelgebietc der Bäche, als auch für 
die Städte, Kreise, Amiter und Gemeinden festgestellt. 
Auch wurde eine Durcharbeitung nach dem Verbrauch 
der gewerblichen Anlagen vorgenommen. Eine eben- 
so eingehende Behandlung fand die Abwassermenge, 



die für die Klärung der Wässer von großer Bedeu- 
tung ist. Um über die Verschmutzung der Emscher 
und der einzelnen Nebenbäche ein genaues Bild zu 
«m, wurden etwa 140 Wasserproben bei gleich- 
" jigem Niedrigwasser entnommen und zwar in den 
.icbcnbächen vor der Mündung in den Hauptvorfluter 
und in der Emscher selbst ober- und unterhalb der 



Einmünt 1 



1; diese wurden nach einheitlichem 



Verfahren chemisch und mikroskopisch untersucht. 
Das dadurch erhaltene Bild von der Verschmutzung 
der Wasscrläufe im Einschergebiet ist ein höchst 
trauriges und zeigt die dringende Notwendigkeit, eine 
gründliche Klärung der Wässer fast sämtlicher Neben- 
bäche vorzunehmen. Neben den Wasser-Untersuchun- 
gen wurden Boden-Untersuchungen längs der ganzen 
Linie sowie die Feststellung der bestehenden Kanali- 
sationen, Beseitigung der Abfallstoffe, der hygieni- 
schen Verhältnisse und besonders der Gesun'dhcits- 
Vei hältnisse im Entwurf eingehend behandelt. Es hat 
sich nämlich gezeigt, daß die Ruhrkrankheit, Typhus 
und Malaria im Ernsclurgt biet stärker verbreitet" sind, 
als sonst im preußischen Staate. 

Zunächst war zu untersuchen, ob es zweckmäßiger 
und billiger sei, von einer Beseitigung der Stauwerke 
Abstand zu nehmen und die Vorflut durch Polder 
und sonstige künstliche Hebungsanlagen aufrecht zu 
erhalten. Will man von einer Beseitigung der Stauwerke 
in der Emseber und damit von einer Vertiefung ab- 
sehen, so wird das Gefälle des Flusses auf den meisten 
Strecken infolge der Bodensenkungen schon in nächster 
Zeit ein sehr mangelhaftes werden. Besonders wird 
die durch die ungenügende Geschwindigkeit vermehrte 
starke Verschlammung und die dadurch eintretende 
Fäulniserscheinung sehr bedeutend sein. Die Hoch- 
fluten werden wegen des mangelhaften Gefälles noch 
schlechter abgeführt werden als bisher. Dasselbe 
würde der Fall sein bei den nicht gepolderten Ge- 
bieten der Nebenbäche, die in normalen Zeiten ge- 
nügenden Abfluß besitzen. 

Bei der Hochhaltung der Emscher wird man 
immer größere Flächen zu beiden Seiten des Fluß- 
laufes einpoldern müssen ; der Zustand wird dann all- 
mählich so werden, wie er sich auf der Strecke 
Karnap — Bottrop ausbildete, wo man den Fluß auf 
beiden Seiten mit hohen Deichen umgeben hat, die 
bei den fortwährenden Bodensenkungen immer wieder 
aufgehöht werden müssen und bei etwa eintretenden 
Tagesbrüchen eine große Gefahr für die Gegend bil- 
den. Bei Hochhaltung der Emscher werden sich nach 
weiteren Senkungen die Poldcrgebiete zu beiden Seiten 
tles Flußlaufes stark vergrößern und allmählich einen 
solchen Umfang annehmen, daß zur Bewältigung des 
Wassers, besonders bei starkem Regen, ganz unge- 
heure Beträge aufgewandt werden müssen Auch der 
Vorschlag, daß man in den Poldern die I lochwasscr- 
mengen in großen Anstaubcckcn ansammelt und dann 
später in die Emscher abführt, hat sehr große Be- 
denken. Diese Becken würden sehr teuer sein, bald 
verschlammen und eine ernste gesundheitliche Gefahr 
für die Anwohner bilden. 

Noch ein anderer Grund spricht gegen die aus- 
gedehnte Poldmvirtschaft im Kmschergebiet. Wenn 
zunächst auch die Zechen wohl in der Lage sind, 
die hohen Kosten zu tragen, so kann im Laufe der 
Jahre nach dem Abbau der Kohle bei schlechter wirt- 
schaftlicher Gesamtlage oder bei ungünstigem Abbau 
einzelner Zechen sehr wohl der Fall eintreten, daß 
für den Poldcrbctricb nicht mehr die ei -forderlichen 
Mittel zur Verfügung gestellt werden : da die Gemein- 
den größtenteils von der Steuerkraft der industriellen 
Werke abhängen, so würden auch sie nicht in der 
Lage sein, den Pumpbetrieb aufrecht zu erhalten. 

|Kui*>.r!.Am£ folgt ) 

Inhalt: lu-r WrnhewetS nir Kilan^inip von Kt.uvOrlrn for den Neu- 
bau »int- Suilitu •« An- Mi>-« »n da- Kotruii«. in Bremm iKuiWftinne). 

— l».-r in tir WYtlbrwevl» im- r i hintun;,* vi-n r'ntw Arfe-n Mr ein neue« 
rimii-iUVK-Oi.H.iil. 1.1 Je.-u .S. Uiitly - tlirYrrbrsM-runi; der Voifl.it und 
du- Krinicung der Arwa.hcr im r.n»ehcTrrWrt. — 

Redaktion 
Berti». 



Vr:l»t >1er lleutvrhrn Haiirritun-:. 0 m, Iv H„ Berlin. Kdr die R 
vriailH«o,tl AHieil 1 1 o I m » □ n , Berlin. Pnlrk von Wllh. Ureve 



Ni«. 18. 

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Deutsche Bauxeltnhg, xxxtih. Jahrgang 1904, Nr.19. 




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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° ig. BERLIN, DEN 5. MÄRZ 1904 



Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. 

Von Middeldorf, Konigl Wasscrbauinspektor. <Fori~ttiins.) Hkm rine rianbciiice. 




ei Inangriffnahme der Arbeiten wurde ferner 
versucht, die in dem Miehaelis'schcn Ent- 
wurf aufgestellten Grundsätze fürdie Ausge- 
staltung des neuen Entwurfes beizubehalten. 
Aber so scharf 
durchdacht die Michaclis'- 
sche Arbeit auch ist, es 
mußte wegen der verän- 
derten Verhältnisse dicVor- 
flutverbcsscrung auf einer 
ganz anderen Grundlage 
aufgebaut werden. Die dem 
Brt. Michaelis gestellte Auf- 
gabe war wesentlich enger 
gefallt, als die vorliegende. 
Sie sollte nur eine Ver- 
besserung der Vorflutvcr- 
hältnisse auf der Einscher- 
strecke von Herne bis Über- 
hausen herbeiführen, wäh- 
rend jetzt das ganze Em- 
schergebiet einschließlich 
aller Nebenbäche als ein 
Ganzes behandelt ist. Es 
hat sich herausgestellt, daü 
es von gröütcm wirtschaft- 
lichen Nachteil ist, wenn 
einzelne Gebiete herausge- 
griffen werden. So sind 
z. B. damals die Gebiete 
der Emscher unterhalb von 
Oberhausen bis Neumühl 
nicht in den Entwurf auf- 
genommen worden und 
doch bedarf gerade das 
Gelände an der Mündung 
der Emscher der größten 
Fürsorge in Hinsicht auf 
die dort zu erwartenden 
Bodensenkungen. Ebenso 
ist das Quellgebiet nicht in 
dem Entwurf berücksich- 
tigt worden, obschon be- 
sonders die Sammclgebiete des Rüpings- und Roß- 
baches, sowie die Emscherstreckc von Dorstfeld bis 
Mengede einer eingehenden Regelung bedürfen. Für 
die Abwässer- Reinigung wan n Rieselfelder in Aus- 
sicht genommen, während heute mit Rücksicht auf den 




ProfcMor Fricdrii h Wilhelm Bosing f 



hohen Bodenwert und den starken Salzgehalt des 
Wassers für das Emschergebiet diese Art der Reini- 
gung kaum noch infragc kommen kann. Bei den un- 
gleichmäßigen Senkungen im ganzen Gebiete ist es 

überhaupt zweifellos, daß 
eine Ricsclanlagc schon 
nach wenigen Jahren um- 
gebaut werden müßte; auch 
würde die Unterhaltung der 
Felder und die Wasscr-Zu- 
und Ableitung hoheKosten 
verursacht haben. Die von 
Michaelis vorgesehene Ab- 
leitung der Wässer in den 
Nebentälern durch parallel 
zur Emscher geführte Sci- 
tengräben scheint bei den 
stets auftretenden Boden- 
senkungen unzweckmäßig. 
Die Entwässerungs-Gräben 
laufen oft zu 4 und 5 neben- 
einander her, unterdükern 
einander und die Emscher 
und geben schließlich ihr 
Wasser nach sehr langem 
Lauf unter den schwäch- 
sten Gefäll - Verhältnissen 
1 1 : 4000! an die Emscher 
ab. Die Kosten für Grund- 
erwerb und Erdaushub 
werden unverhältnismäßig 
hohe. Besonders aber ist 
das schwache Gefälle in 
diesem Gebiete mit seinen 
starken Boden-Senkungen 
ein sehr wunder Funkt des 
Michaelis'schen Entwurfes 
Bei der Verschmutzung der 
Bäche und der äußerst 
geringen Wasserzuführung 
diesci KepIantenTiefgrftben 

bilden derartige Strecken 
die reinen Schlammfängc 
und Faulbecken. Alle dien Gräben hätten ein schwäche- 
res Gefälle als die Emscher selbst haben müssen, da 
es nur dadurch möglich ist, die Abwässer nach einem 
unterhalb gelegenen Punkte abzuleiten. Bei weiteren 
Senkungen hätte die Ausmündung dieser Bäche immer 



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weiter an der Kin- 
seher hinunterge- 
schoben und das 
Gefälle schwacher 
genommen werden 
müssen. Es ist ohne 
weiteres klar, dab 
die Abführung der 
Abwässer aus den 
immer größere Ge- 
biete umfassenden 

Kanalisationen 
nicht ausreichend 
gewesen wäre Auch 
hat sich herausge- 
stellt, dati der nach : 
demMirhadis'schen 
Grundsatz ausge- 
führtcTieftalgraben 
vom Bahnhof Gcl- 
senkitchen nach 
Eick winkcl schon 
jetzt seinen Zweck 
nicht mehr erfüllt 
und daher in näch- 
ster Zeit wieder ver- 
tieft weiden muli 

Aus allem diesem 
geht hervor, dal) 
der Miehaelis'sche 
Grundsatz aufzuge- 
hen und aufgrund 
der völlig veränder- 
ten Verhältnisse ein 
bis in seine Grund- 
lagen anders gestal- 
teter Entwurf aufge- 
stellt werden mulite. 
Bevor jedoch die- 
ser erörtert wird, 
muli nochdk'furdas 




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ganze Industriegebiet licsondcrs wichtige Frage erörtert 
werden, ob es nicht möglich ist, die Schmulzwasscr- 
Abfuhrung mit dein geplanten Schiffahrtskanal von 
Herne nach «lern klicin zu verbinden, Es liegen drei 
Möglichkeiten vor: 

l. Die Emscher wird als Schiffahrtskanal aus- 
gebaut und die verschiedenen Haltungen werden so 



tief gelegt, daU diese die Abwässer des ganzen Ge- 
bietes aufnehmen können. 

2 Die Kmschcr wird kanalisiert und sndlieh da- 
von ein Sehimitzwasseikanal angelegt, der die Mittel- 
und Niedrigwasser abzuführen hat, wahrend das Hoch- 
wasser durch l'ebei läufe nach dein Schiffahrtskanal 
abgeleitet wird 



Friedrich Wilhelm Büsing f. 

go^Swar an der Grenze des menschlichen Lebens siebend 
- sollte er doch in wenigen Wochen das Fest seines 
— ' 70. Geburtstages feiern - aber aus vollster ange- 
strengtester beruflicher und dem Gemeinwohl dienender 
Tätigkeit heraus ist Professor Friedrieh Wilhelm Büsing 
am 25. Februar d. J. in Friedenau bei Herlin einer tücki- 
schen Krankheil nach kurzem Leiden erlegen, die an 
seiner zähen, scheinbar unverwüstlichen Natur offenbar 
unerkannt schon seit Längerem zehrte. Mit ihm ist ein 
Mann von hoher Begabung, umfassendem Wissen und aus- 
dauernder Arbeitslreudigkcit und Arbeitskraft dahinge- 
gangen, der nicht nur auf den von ihm erwählten Sonder- 
gebieten des Ingenieurfaches Hervorragendes leistete, son- 
dern auch einen klaren Blick für allgemeine Fragen des 
Lebens besafi und an deren Lösung, wenn auch in engeren 
Grenzen, mit gleichem Kifer und j'.rfolgc mitarbeitete. 

Der I.ebensgang Büsing's ist kein alltäglicher gewesen, 
so dali es sich wohl verlohnt, näher auf denselben einzu- 
gehen Der Verstorbene hat nicht den stetigen Kntwick- 
lungsgang nehmen können, den sorgende Kitern ihren 
Söhnen zu sichern wissen, er hat nicht auf dem geebneten 
Wege einer geregelten Karriere zu Amt und Würden 
emporsteigen können. Durch eine haric Jugend, durch 
schwere Verhältnisse hat er sich durchringen müssen, um 
dann aus eigener Kraft eigene Wege zu geben. 

Büsing wurde am 9, März 1834 in dem Flecken Wirde n- 
sahl (Kr. Stolzenau a. W.) im Hannoverschen als Sohn 
des dortigen Steuereinnehmers in engen Verhältnissen :;e. 

5 Mar/ igoj 



boren. Seme Schulbildung genoss er auf der gehobenen 
Bürgerschule in Ottenstein im Braunschweigischen und 
in Wrisbergholzen. Daneben trieb er, mit der ihm 
eigenen F.ncrgie, frühzeitig fremdsprachliche Studien. Kaum 
14 Jahre alt, verlor er gleichzeitig beide Kitern an der 
Cholera, sodali nun ihm, als dem ältesten Sohne, die Steile 
des Familienoberhauptes und damit die Aufgabe zufiel, 
nicht nur haldigst für seinen eigenen Lebensunterhalt zu 
sorgen, sondern auch noch hilfreich bei seinen jüngeren 
Geschwistern einzutreten, l'eber die nächsten jo Jahre 
seines Lebens haben wir auch von seiner eigenen Familie 
nichts Genaues in Krfahrung bringen können. \Vir berichten 
darüber, was uns aus gelegentlichen AeuUerungen Büsing's 
hervorzugehen scheint. Danach wurde es ihm möglich ge- 
macht, sich noch soweit fortzubilden, daß er sich dem Berufe 
eines Feldmesser* widmen konnte. eine Tätigkeit, die er dann 
jahrelang ausüble, dabei mit zäher Knergie an seiner Fort- 
bildung arbeitend und sich zum technischen Studium vor- 
bereitend. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir 
dieser Vorbildung Büsing's einen wesentlichen Anteil an 
seiner Fähigkeit zuschreiben, die Besonderheiten ort lieber 
Verhältnisse rasch zu erfassen und in ihren Kigenheiten 
scharf zu erkennen, eine Fähigkeit, die ihm in seinen 
spateren, dem Städtebau gewidmeten Aufgaben von wesent- 
lichem Nutzen ge wesen ist. Im Jahre 18^8 finden wir ihn 
als Klcven in der Biiinns|M-ktion Bremervörde bei g rotie- 
ren Chaussee- und Brückcnhautrn, dann wieder 2' Jahre 
vorwiegend mit (eldine— crisi hen Arbeiten für Chaussee- 
bauten beschäftigt im Verwaltungsgebiet der Lunddrostri 
Stade. V.r< iBöj konnte er die ;>ot\ technische Schule 1:1 

"«5 

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3. Die Emseber wird reguliert und als Vorfluter 
für die gesamten Abwässer beibehalten, während der 
Sehiffahrtskanal südlich oder nördlich von der Emscher 
ausgebaut wird. 

Der erste Vorschlag, die Emscher zu kanalisieren 
und die verschiedenen Haltungen so tief anzuordnen, 
daO eine vollkommene Entwässerung des ganzen Ge- 
bietes möglich ist, hat zunächst etwas sehr Bestechen- 
des und würde auch vom wirtschaftlichen Standpunkte 
sehr zu begrüßen sein. Durch die Vereinigung beider 
Interessen wäre die Möglichkeit gegeben, die jähr- 
lichen Betriebs- und Unterhaltungskosten, sowie auch 
eine geringe Verzinsung des Anlagekapital aus den 
Schiffahrtsabgaben zu decken. 

Es sprechen jedoch folgende Gründe dagegen: 
Obwohl die Emscher jetzt in hohem Grade verun- 
reinigt ist, so macht sich dieser Uchclstand doch ;ui den 
Stellen, wo genügender Abfluß vorhanden ist, nicht 
so sehr bemerkbar als dort, wo das Wasser zur Ruhe 
kommt. Hier sieht man im Sommer große Fladen 
brodelnder Massen auf der Oberfläche schwimmen, 
die in Fäulnis übergehen und einen widerlichen 
Geruch verbreiten. Wenn man später die ganze 
Emscher in wagrechte 1 laltungen legen würde, 
dann würde sich der Uebelstand, der sich jetzt an 
den Stauwerken zeigt, auf der ganzen Strecke ein- 



stellen. Selbst wenn man dir Abwässer mit großen 
Kosten reinigte, so würde man doch kein reines bak- 
terienfreies Wasser dem Schiffahrtskanal zuführen 
können; die Bakterien würden sich in dem stehenden 
Wasser schnell vermehren, die organischen Substanzen 
zersetzen und unter Schlammbildung in stinkende 
Fäulnis übergehen. Selbst aber, wenn man durch eine 
kostspielige Reinigungsmethode ein für Schiffahtts- 
zwecke hinreichend klares Wasser schaffen würde, so 
könnte dieses doch nur bei Niedrig- oder Mittelwasser 
geschehen, während clie 1 loch- 
flutcn ungeklärt in den Kanal 
gelangen würden. Aber ge- 
rade die Hochwässer, welche 
nach einer längeren Trocken- 
»eriode eintreten, führen eine 
rlengc keimfähiger Stoffe mit 
sich, die sich nach Ablauf des 
Hochwassers auf der Sohle 



TT II 



Der Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für den Neubau 
eines Stadthauses Im Anschluß 
an das Rathaus In Bremen. 

K.ntwurt des Hrn. liustav Jftilicke 
in Schöneberg- Berlin. 

iFin IV*»« von ywo il » 




Hannover beziehen, die er 1866 verließ, um nachträglich 
an der dortigen Realschule I. Ordnung die für den Ein- 
tritt in den Staatsdienst erforderliche Abiturientenprüfung 
abzulegen. Im Herbst desselben Jahres trat er als l.ehrer 
in die Baugcwerkschule in Nienburg a. W. ein. Sein 
I.chrauftrag umfaßte — bezeichnend für die Verhältnisse 
der damaligen Zeit - Formenlehre, Arehitcklurzcichncn 
und niedere Mathematik. Doch nur i Jahr lang übte er 
diese seinen Fähigkeiten offenbar nicht entsprechende 
Tätigkeit aus. Im Herbst 1867 ging er als Assistent an 
die polytechnische Schule in Hannover zurück für die 
Fächer: Praktische Geometrie verbunden mit Instrumentcn- 
lehre, sowie darstellende Geometrie, eine Aufgab«, für die 
ihn seine Vorbildung jedenfalls besonders geeignet machte, 
und bereitete sich gleichzeitig für die Bauführerprüfung vor, 
mit welcher Ende t868 der inzwischen 34 Jahre alt ge- 
wordene Mann seine Studien und damit den ersten Ab- 
schnitt seines Lehen» abschließen konnte. 

Nach einer nur wenige Monate dauernden Beschäfti- 
gung bei der Hannoverschen Staat»bahn im Bezirk der 
Bauinspektion Northeim, trat er im Mai 1869 in den 
Dienst der preußischen Marinchau Verwaltung und zwar 
bei Ausbau des Kriegshafen* an der Jade in Wilhelms- 
haven Uber. WO er bis zum Jahre 1873 vornehmlich mit 
Arbeiten des \Y;i»»erbaucs. — Baueines Trockendocks, Ver- 
messung der AuUenjade usw. -- beschäftigt war. Durch 
»eine Tüchtigkeit zog er bald die Aufmerksamkeit seiner 
Vorgesetzten auf Kien und es wäre ihm wohl eine gute 
Karriere in dem gewählten Berufe sieher gewesen, wenn 
-ich ihm nicht eine Aussieht eröffnet hätte, die »einem viel- 



seitigen Streben und »einem unabhängigen Sinne he»»cr 
zusagte und ihm zudem durch die Uebersiedelung nach 
Berlin ein weitere» Feld der Betätigung eröffnete. 

Wilhelm Beckmann , der damals in Gemeinschaft 
mit Ende in Wilhelmshaven eine Reihe größerer Bauten 
in Gencralunterncl mutig ausführte, wurde auf ihn auf- 
merksam und gewann von ihm einen so günstigen Ein- 
druck, daß er ihn 1873 als zweiten Redakteur der .Deut- 
schen Bauzcitung", zu deren Besitzern Böckmann ge- 
hörte, empfahl, als es sich darum handelte, für K E. O. 
Frilsch, der bis dahin das Unternehmen allein geleitet 
hatte, eine Hilfe zu gewinnen. Denn die Entwicklung dieses 
Fachblattes, das nicht nur der Architektur, sondern auch 
dem Ingenieurwe»en gerecht zu werden suchte, hatte 
schon damals einen Umfang angenommen, der die Kraft 
eines Einzelnen überstieg. Bttsing folgte diesem Kufe 
gern und trat am 1. Juli 1873 in die Redaktion ein, der 
er bis zum Juli 1891, also 18 Jahre lang angehörte; 1874 
wurde er in die Gesellschaft , Deutsche Bauzeitung* auf- 
genommen Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, ein 
Urteil über seine Tätigkeit als Redakteur fallen zu wollen, 
denn es wäre zugleich ein Urteil in eigener Sache, da 
wir den Einfluß der Leitung de» Fachblattes nicht ohne 
gleichzeitige Kritik der Entwicklung des letzteren selbst 
untersuchen können. Wir müssen das Fernerstehenden 
überlassen, die mit unbefangenen Augen diesem Entwick- 
lungsgange in »einen verschiedenen Phasen gefolgt sind. 
Im übrigen ist mit Büsing'i Ausscheiden aus der Re- 
daktion »eine Tätigkeit für die „Deutsche Bauzeitung" 

(Kortsrtzunj; auf Srile 11B.) 



I 10 



No. 19. 



festsetzen und spater in Gährung übergehen. Ein 
fernerer Nachteil der Verbindung beider Anlagen 
würde der sein, daß bei Hochwasser die Schiffahrt 
eingestellt werden müßte, da die Fahrzeuge gegen 
das mit 2 m Geschwindigkeit abfließende Wasser 
nicht fortbewegt werden könnten. Man würde eine 
große Zahl von Schiffsliegeplätzen, Sicherheitshafen, 
Ankerpfählcn usw. schaffen müssen, wodurch die An- 



Schleusen zur Abführung des Hochwassers anzulegen; 
ebenso müßten die^Sohle und die Böschungen stark 
befestigt werden. Während der Bauzeit wird eine 
teilweise Verlegung des Flußlaufes unter Schaffung 
eines Hochwasserprofiles nötig, die ebenfalls sehr hohe 
Kosten verursachen würde. An eine Trockenlegung 
der einzelnen Kanalhaltungen, wie sie bei jeder künst- 
lichen Wasserstraße nötig ist, würde nicht zu denken 




Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses im AnschluQ an das Rathaus In Bremen. 



Knlwurl der Ilm. 
Bor » stein Jk Kopp 
in Friedenau. 




läge sehr verteuert 
wurde Die Stau- 
werke müßten auch 
hier stattlich ange- 
kauft und beseitigt 
werden. Die I laltungen müßten sehr tief Kcl< k< werden, 
sodaß die Kosten für Erdarbeiten unverhältnismäßig 
hohe würden. Auch wären Schülzenwehre neben den 

5 .\Urz 1904 



sein, da das Bett zur Abführung der Scliniutzwässer 
stets frei gehalten werden muß. Der Kanal würde 
zunächst der Schiffahrt dienen müssen, die Aufrecht- 
crhaltung der Vorflut jedoch erst in zweiter Linie 
Berücksichtigung finden können. 

Nach dem zweiten Vorschlage sollen die Niedrig- 
UOd Mittelwasscrmengen durch einen südlich von der 
Einscher herzustellenden Schmutzwassergraben abge- 
führt werden, während die Hochfluten 
nach dem Schiffahrtskanal zu leiten sind. 
Gegen diese Anordnung sprechen größ- 
tenteils die schon vorhin angeführten 
Gründe. Zur Abführung des Sommer- 
mittelwassers genügt auf der ganzen 
Strecke von Herne biszum Rhein ein ver- 
hältnismäßig kleines Profil von etwa 
oa'K" Soll aber der Abwassrrkanal die 
seitlichenNebenflüsse, vor allem aber die 
Abwässer der Kläranlagen aufnehmen, 
dann müßte die Sohle des EntWltSC- 
rungs-Grabens durchweg 5— 6"» unter 
Gelände liegen. Es würde dann selbst 
bei i'/jfachcr Böschungsanlagc ein 
Querschnitt von etwa 50'''" geschaffen 
werden, der auch zur Abführung des 
Hochwassers, besonders auf deroberen 
Strecke, genügen würde. Das Gefälle 
des Schinutzwas-er-Kanaks würde der 
Geländeverhältnisse wegen sehr gering 
sein und für die Abführung der Schmutz- 
wlsser bei niedrigen Wasserständen nicht 
genügen. Die Kosten wären auch hier sehr bedeutend; sie 
bestehen aus den schon angeführten und denen für An- 
lage eines tief eingeschnittenen Entwässerungsgrabens. 

"7 

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Am gangbarsten erscheint daher der dritte Vor- 
schlag, die Pinscher lediglich im Voi flutinlercss. zu 
regulieren, sodali sie wie hislicr zur Abführung der 
gesamten Abwässer aus dem stetig sich vergrößern- 
den Industriegebiet dienen kann; der Schiffahrtskanal 
dagegen soll unberührt von der Kmseher südlich oder 
nordlich angelegt werden. Man kann bei dieser An- 
ordnung eine vollständige Entwässerung und bei weite- 
ren Bodensenkungen durch Vertiefung der Sohle aufs 
Neue Vorflut schaffen. Mit Rücksicht auf die Dring- 
lichkeit der Vorflutrrgulierung hat man daher von 
einer Vcrc|iiickung dieser Krage mit der des Schiffahrts- 
kanales abgesehen 



Als erstes Mittel zur Verbesserung der Vorflut 
ist die Begradigung des stark gewundenen Flußlauies 
in Aussicht genommen. (Vergl. hier/u die Planbeilage 
und die Hfthenpläne Abbildg. 2a c.) Wenn auch hier- 
durch für einzelne Strecken hinreichend gutes Gefälle 
erreicht wircl, so würden doch weite Gebiete oberhalb 
der Stauwerke sehr schlechten Abfluß erhalten. Es ist 
daher in zweiter Linie eine Beseitigung der Stauwerke 
in Aussicht genommen; gerade diese geben mit |ihrcn 
stehenden Gewässern AnlaU zu großen gesundheit- 
lichen Gefahren. Das Prinzip der Staubeseitigung ist 
auch schon auf mehreren Strecken zur Anwendung 
ekommen, um die höchst ungünstigen Abfluß veihält- 



Es ist klar, daß für das Emschcrgebiet mit seinen nisse zu verbessern; so sind die Mühlen in Vondern 
starken und gefahrlichen Bodensenkungen die ein- und Kränge, sowie mehrere in den Nebenbachen von 
fachsten und am sichersten wirkenden Grundsätze den Bergwerksbesitzern angekauft worden 
zur Anwendung kommen müssen. Es soll daher nur 
ein einziger, nicht tiefer als unbedingt erforderlich 
eingeschnittener Hauptvorfluter angelegt werden, dem 
alles Abwasser auf kürzestem Wege zugeführt wird. 
Von jeder künstlichen Ilochhaltung der Wasserläufe 
oder Unterführung der Bachläufe untereinander, von 
jeder künstlichen Hebung der Wässer, von joder Ver- 
bindung mit dem ganz anderen Zwecken dienenden 
Schiffahrtskanal ist Abstand genommen. 

So wie die Emsrhcr sollen auch die Nebenbäche 
behandelt werden. Sie sollen unter Ausbildung eines 
möglichst guten Gefälles auf kürzestem Wege zur 
Emschcr geführt weiden. Bei den für die Wasser- 
führung so gefährlichen Bodensenkungen muU mit 
den einfachsten, leicht zu übersehenden, leicht zu 
ändernden Anlagen vorgegangen werden. 



Die Beseitigung der Stauwerke und die Begradi- 
gung der Flußläufe ist nun zwar hinreichend, um für 
die Emscherwässer genügenden Abfluß zu schaffen, 
sie reicht jedoch nicht aus, um auch die Hochwässer 
bordvoll abführen zu können. Es ist daher eine Ver- 
tiefung der Sohle um durchweg 3 m in Aussicht ge- 
nommen, wodurch gleichzeitig für die Gebiete der 
Nebenbäche hinreichend Vorflut geschaffen wird. Eine 
fernere Notwendigkeit für die Tieferlegung war durch 
die Anlage der Klärvorrichtungen gegeben, die ohne 
eine Vertiefung des I lauptvorfluters hochwasserfrei 
nicht angelegt Werden können. Die letzte Forderung 
bei Festsetzung der neuen Emschersohle war die Be- 
seitigung der Polder. Es ist beabsichtigt, nahezu alle 
künstlichen Entwässerungen im Gebiete zu beseitigen 
und diesem wieder natürliche Vorflut zu geben. — 

(Scblull (»Igt) 



Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses 

im Anschluß an das Rathaus in Bremen. .-■ ltlutt.) Iliei7!i die Abbildungen S. nb u. n;. uiwir in Xo. jr,. 

as Protokoll des Preisgerichtes erklärt, daß zwar neben den bereits S. 96 genannten durch Preise 

bei einer ersten Sichtung der Entwürfe 32 oder durch Ankauf ausgezeichneten Entwürfen die 

Arbeiten ausgeschieden wurden, die ent- Arbeiten mit den Kenn/eichen oder Kennworten: 

weder den Bestimmungen des Programme« Zwei Raben im roten Felde, Drei Kreuze, „Marco- 

nicht entsprachen oder so bedeutende Mängel brunner", „Bremisch", „Multatuli", „Videant Consules" 

aufwiesen, daß aus allgemeinen praktischen oder künst- und Dreieck im einfachen Kreis 

krischen Gesichtspunkten ihre Verwendbarkeit nicht Der Entwurf mit dem Kennzeichen des Dreiecks 

weiter infragc kommen konnte. Einer zweiten Sichtung im einfachen Kreis schafft als Gegensatz zum alten 

unter Anwendung höherer künstlerischer Anforderun- Rathause ein schweres, aber sehr schönes Barock, 




gen, sowie unter Prüfung der praktischen und kon- 
struktiven Verhältnisse lielcn weitere 52 Entwürfe zum 
Opfer, während eine dritte Sichtung die Ausscheidung 
von noch weiteren 6 Entwürfen zurfolge hatte, sodaß 
15 Entwürfe auf der engsten Wahl verblieben, und 



welches in prächtiger Zeichnung vorgetragen ist. hin 
mächtiger Turm erhebt sich an der Seite gegen den 
Domshof. Der Verfasser ist der Meinung, daß die 
Anlage des alten Rathauses für eine Fortsetzung nicht 
gedacht sei und infolge dessen auch keine Fortsetzung 



keineswegs abgeschlossen gewesen. Sowohl durch eigene 
Arbeilen, wie namentlich durch sachverständigen Hat in 
den Kragen seines Sondcrgehictes hat er uns bis zu sei- 
nem Hinscheiden unterstützt und sein klares Urteil ist in 
vielen 1- ragen von entscheidendem Gewicht gewesen Ihm 
hierfür unseren wärmsten Dank auch an dieser Stelle aus- 
zusprechen, möchten wir uns nicht versagen. 

Zu seiner Tätigkeit al* Redakteur und diese schließ- 
lich zurückdrängend, sodaß er sich im Jahre 1891 ent- 
scheiden mußte, welcher seiner Aufgaben er seine volle 
Kraft widmen wollte, trat bald nach seiner l'chersirdelung 
nach Berlin die Tätigkeit als Lehrer, als Gutachter und 
schließlich als Verfasser umfangreicher, auf verschiedenen 
Fachgebieten liegender Werke. Schon frühzeitig hatte 
Büshig die großen Aufgaben erkannt, die dm wirtschaft- 
lich erstarkenden und sich rasch ausdehnenden Stadtgc- 
nieinden aus dem Zwange erwachsen mußten, ftlr die dicht 
zusammengedrängte Bevölkerung gesunde Lebensbedin- 
gungen zu schaffen Die hygienische. Seile des Städte- 
baues, vor allem nach der kichlurig einer reichlichen, ge- 
ordneten Versorgung mit reinem Trinkwasser und der 
geregelten, raschen Abführung der verbrauchten Stoffe, 
ist das Spezialgebiet geworden, auf dem der Schwerpunkt 
seiner Tätigkeit gelegen hat und auf welchem ihm wohl 
auch die bedeutendsten Krfolge erwuchsen 

AN James llöhrccht im Jahre 1B76 seine Vorlesun- 
gen an der damaligen Bauakademie in Berlin über die 
vorgenannten Aufgaben einstellen mutitc. um seine volle 
Persönlichkeit für die Durchführung des großen Werkes 
der Berliner Kanalisation einzusetzen, da empfahl er Irnsing 
zu seinem Nachfolger, dem denn auch im Oktober i8;6 

110 



als Dozent der l.rhrauftrag erteilt wurde ober: „Bauten 
aus dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege, 
speziell Wasserversorgung und Städtercinigung", Im Jahre 
188g wurde ihm dann das Prädikat „Professor" verliehen. 
Bis zu seinem Tode ist Büsing dieser Aufgabe treu geblichen, 
die nicht immer eine dankbare gew esen sein mag War 
es doch fast naturgemäß, daß die jungen Studierenden des 
Bauingcniciirfaches, die nach dem ganzen Lehqilan der 
Bauakademie und auch später noch der Technischen Hoch- 
schule vorwiegend für die zukünftige Tätigkeit im Staats- 
dienst ausgebildet w urden, diesem als Nebensache behan- 
delten Lehrgcbict oft nur geringes Verständnis entgegen- 
brachten und bei der Kalle der an sie gestellten Anforde- 
rungen beim besten Willen auch nur geringe Zeit da- 
rauf verwenden konnten. So sind es denn, namentlich 
in früheren Jahren, wohl vorwiegend gcreiftcre, bereits in 
der Praxis tatig gewesene Ingenieure gewesen, die aus 
Büsing's Vortrügen das nachholten, was ihnen früher Über- 
haupi nicht geboten worden war. Auch an maßgebender 
Stelle i^t die hohe Wichiigkritderinrede stehenden Aufgaben 
ollenbar erst spät erkannt worden, denn sonst wäre es 
kaum möglieh gewesen, daß es einer fHst dreißigjährigen 
Umwicklung bedurft hat. ehe an der größten technischen 
Hochschule Deutschlands wenigstens lür die hygienische 
Seite des Städtebaues die Errichtung eines eigenen Lehr- 
stuhles, einer vollen Professur, vorgesehen wurde. Ks ist 
ein tragisches Geschick, daß der Mann, der wahrend dieser 
ganzen Zeit unermüdlich an der Vertiefung und Verbrei- 
tung der Kenntnisse auf diesem Gebiete gearbeitet hat, 
sich zu derselben Zeit zur letzten Kuhe niederlegte 

|s.l,l„o Ms.) 



No. ig 

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haben dürfe, da < s (ür sich als völlig abgeschlossene 

und abgerundete Architektur wirke. Die Möglichkeit 
zudem, im Sinne der alten Backstein - Architektur 
Bremens weiter zu bauen, erschien dem Verfasser 
schon deshalb zweifelhaft, weil zu einein Architektur- 
Charakter, wie ihn das alte Kathaus zeigt, „ein aus- 
führendes Handwerk 
notig ist, wie wir es zur- 
zeit sicher nicht be- 
sitzen". Daher gewähre 




eine freie Zusammen- 
stellung nach mehr male- 
rischem Gesichtspunkte 
und weniger nachgebil- 
det, als für den heuti- 
gen Zweck geeignet ge- 
macht, die Möglichkeit eines reizvollen Wechsels. 

Diesen hat in einer sehr interessanten Weise der 
Entwurf »In alter Hansapracht" der I Irn Börnstein 
& Kopp in Friedenau bei Berlin erstrebt, ein sehr 
bedeutender Entwurf, der namentlich wegen des glück- 
lichen Anschlusses des Stadthauses an das alte Rat- 

5 März 1904 



haus inbttracht kommt Leider sind die Rostocker 
Giebel gegen den Domshof etwas zu groß geraten. 
Der Entwurf, den wir S. 117 wiedergeben, hätte wohl 
ein besseres Schicksal verdient, als ihm zuteil wurde. 

Eine interessante Lösung zeigt die Arbeil mit dem 
Kennzeichen der Drei Kreuze des Hrn. Herrn. Max 
Fritsche in Bremen. Das neue Stadthaus zeigt gegen 
den Domshof einen offenen und durch Einstellungen 
wieder in malerischer Weise geschlossenen Hof; durch 
Bogenhallen ist in geschickter Weise ein weiteres 
unaufdringliches malerisches Element in die Anlage 
gebracht 

Der Entwurf mit dem Kennzeichen der beiden 
Raben im roten Felde ist ein stilistisch sehr tüchtiger 
Barockentwurf mit mächtigem Turm, aber wohl von zu 
großem Aufwand an architektonischen 
Ausdiutksmitteln. Der Festsaal ist 
ohne unmittelbare Verbindung mit 
defll alten Raihaussaal. „Marcobrunnet " 
ist ein stilistisch höchst bedeutender 
Entwurf mit köstlichen, leider zu reichen 
Motiven. Der Verfasser verzieht« t auf 
einen Turm, ordnet dagegen einen 
Dachreiter an einer Stelle an, wo er 
mit dem Turm der Liebfrauenkirche 
zusammenfallen würde Der Grundriß 
erreicht nicht ganz die künstlerische 
Höhe des Aufbaues. 

Von den übrigen, nicht in die engste 
Wahl oder zu tatsächlicher Auszeich- 
nung gelangten Entwürfen erscheinen 
uns bemerkenswert „Rotes Kreuz" 
durch weise Beschränkung; ein be- 
scheidener Turm dient als Trennung 
des alten und des neuen Hauses. „Stil- 
frage - ist ein sehr schön gezeichneter 
Entwurf, der angeführt sein mag, weil 
er als der einzige des Wettbewerbes 
den Versuch macht, mit schüchtern an- 
gewandten modernen Elementen einen 
Gegensatz zum allen Rathause zu schaf- 
fen, leider ohne Mali, was die hohen 
Giebel anbelangt. „Dreizack" ist ein 
Entwurf von hohem und reifem künst- 
lerischem Gehalt, verzichtet auf einen 
Turm, entwickelt jedoch zu großen 
Reichtum in Giebeln und zweigeschossi- 
gen Bogenhallen gegen den Domshof. 
Der Grundriß enthalt zwang volle Lö- 
sungen. „München 1903" ist ein Ent- 
wurf mit bemerkenswerter Grundriß- 
lösung, im Aufbau mit Anklängen an die 
Tiroler Gotik von Innsbruck. Der Ent- 
wurf mildemschwarz und weiß geteilten 
Kreis sucht dem alten Rathause große 
Flächenw irkungen entgegen zu setzen. 
„Gegensätze" ist eine maßvolle, flä- 
chige Arbeit mit einer gegen den Doms- 
hof entwickelten schweren, dreigiebli- 
gen, aber interessanten Barockfassade. 
Schade, daß ein Turm beide Gebäude 
trennt Auch „Ilansa" versucht mit 
Glück, in die nächste Nachbarschaft 
des alten Rathauses nur ruhige Flächen 
zu bringen. „Maris Stella" zeigt ein 
interi'ssanles Barock, verzichtet auf den 
Turm und entwickelt die Hauptfassade 
gegen den Domshof. Durch die Stil- 
auffassung bemerkenswert ist auch der 
in No. 20 folgende Entwurf „Archi- 
tectura artium mater" des Hrn Reg - 
Bmstr a D Franz Wendt in Stettin. 
Die preisgekrönten Entwürfe wur- 
den lediglich in der Reihe ihres Einlaufe* aufgeführt. 
Von dem Entwurf des Hrn. Gust. Jänickc iS. 1 16 und 
nebenstehend» sagt das Preisgericht, die Gesamtanord- 
nung sei sowohl hinsichtlich des Grundrisses als auch 
des äußeren Aufbaues vortrelflich. Als Vorzug der 
Lage der I laupttreppc wird ihre unmittelbare Zugäuir- 

119 



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lichkeit von der unteren Hallo tles alten Baues hervor- 
gehoben. Der äußere Aufbau sei geschickt, doch etwas 
anspruchsvoll gegenüber dem alten Rathause Der Ent- 
wurf des Hrn. Karl Roth in Kassel (S. 105 u. 107t wird 
als eine „ausgezeichnete Arbeit" bezeichnet, dagegen 
werden verschiedene Anordnungen des Grundrisses 
bemängelt. Es sei dem Verfasser aber gelungen, den 
Neubau dem alten Rathausc unterzuordnen und doch 
ein entsprechendes Ganze zu schaffen und zwar, 
ohne Stilformen zu wählen, welche dem alten Bau 
ferner liegen. Von der Arbeit der Hrn. Conrad 
Heidenreich und Paul Michel in Charlottcnburg 
sagt das Gutachten, sie orderte sich mehr als die 
meisten Entwürfe dem alten Rathauso unter; Fassa- 
den und Dachbildungen seien absichtlich schlicht ge- 
halten. Der Grundriß sei klar und einfach; ein be- 
sonderer Vorzug sei die Lage der Haupttreppe, welche 
gestatte, bei Festen den Zugang durch die untere Rat- 
haushallc zu nehmen. „Kapitol" des Hrn. Ernst Rang 
in Schöneberg sei ein interessanter, inhaltsreicher Ent- 
wurf mit bemerkenswerter Grundriß- Anordnung und 
manchen großen Vorzügen in der äußeren Erscheinung, 
denen aber viel Unmögliches gegenüberstehe. Die 
schone und übersichtliche Grundrißanlage, sowie die 
einfache Entwicklung des Aufbaues des Entwurfes der 
Hrn. Emmingmann & Becker in Berlin (S. 106U.109) 
fanden beim Preisgericht großen Beifall. In den Ent- 



würfen der Hrn. Roger Slawski in Berlin und Karl 
und Paul ßonatz, sowie Gust Britsch in Stuttgart 
|S. 107 u. 109) wird neben dem künstlerischen Gehalt 
der Umstand gerühmt, daß der Zugang zum Stadt- 
hause durch die untere Halle des Althauscs erfolge; 
der Entwurf des Hrn. F. Berger in Steglitz habe 
einen „klaren, aber nüchternen" Grundriß, der äußere 
Aufbau zeige neben geschickter Behandlung Neigung 
zu etwas gesuchten Motiven. 

Soweit der Wettbewerb, der nach dem Ergebnis 
lediglich als ein Ideenwettbewerb zur Klärung der 
Lage aufgefaßt werden kann, die aber in der erwünsch- 
ten Weise herbeigeführt worden ist. In Bremen ist 
man entschlossen, die weitere Verfolgung der Ange- 
legenheit mit aller der Sorgfalt durchzuführen, welche 
die bisherigen künstlerischen Maßnahmen auszeichnet, 
soweit sie von fachlicher Seite eingeleitet und nicht 
durch Beschlüsse der Bürgerschaft gekreuzt wurden. 
Vielleicht wählt man zur Erlangung eines endgültigen 
Entwurfes für das neue Stadthaus nochmals den Weg 
des allgemeinen Wettbewerbes, bereichert durch 
die Zusicherung der Ausführung, vielleicht ent- 
schließt man sich zu einem engeren Wettbewerb. In 
beiden Fällen aber erscheint es uns in hohem Grade 
erwünscht, daß die Platzgestaltungen um Rathaus und 
Stadthaus mit in den Entwurf einbezogen werden. 
Denn es steht viel auf dem Spiel. — — H. — 



Preisbewerbungen. 
Ein Preisausschreiben, wie es nicht sein soll, erläßt der 
Magistrat von Husum. Es handelt sich uiu die Entwürfe 
für ein neues Schulgcbaudc in Husum, das erweiterungs- 
fähig zu planen ist Der Bewerber kann unter 2 Bau- 
plätzen den ihm geeignet erscheinenden wählen. Nähere 
Angaben über Gröüe der genannten Grundstücke und der 
Klassenzimmer müssen erst bei den Rektoren eingeholt 
werden. Per Einlicfcrungstermin ist schon auf den 1 April 
d. .1. festgesetzt. Die Entscheidung darüber, welche „Ein- 
lieferungcn" die beiden ausgesetzten Preise von 500 und 
apo M. „verdienen", erfolgt durch eine von den städtischen 
Kollegien zu Husum gewählte Kommission. „Die Stadl 
Husum erwirbt durch die Verleihung der Preise das Eigen- 
tumsrecht der betreffenden Pläne und Kostenanschläge. Sie 
hat das Recht, die übrigen zum Preise von 400 M. anzu- 
kaufen. Ein Anspruch auf Leitung der Bauausführung steht 
den Einsendern nicht zu." Hat denn Husum keinen im Kon- 
kurren/wesen einigermaßen erfahrenen Stadtbaumeister '.' 

In einem Wettbewerb des Bayerischen Techniker -Ver- 
bandes unter seinen Mitgliedern betr Pläne für einen Gast- 
hofneubau in Schrobenhaiisen sind 71. Entwürfe einge- 
laufen. Den I. Preis erhielt Baufhr j Riehl meier in 
Immenstadt, den II Preis Bautechn ) Scherer in Kcgcns- 
burg. den III. Preis Aren. K. Opitz in München. Der 
IV. Preis wurde der Arbeit mit dem Motto „Grad aus 
dem \\ irtshaus" zuerkannt. Lobende Erwähnungen wur- 
den den Entwürfen der Hm. L. Gröner in München und 
K. Krembs in Wftrzburg erteilt Das Preisriclileramt 
hatten übernommen die Hrn.: k. Brt. Inama v. Sternegg, 
»lädt. Brt. H Grassel. Arch. K. Baicrlc, sämtlich in 
München, Mauremistr. K, Gci/ in Nürnberg und Bahnmstr. 
E. Edelmann in München. 

Wettbewerb Volksschule Waldenburg i. Schi. Statt der 
in der Ausschreibung angekündigten zwei Preise beschloß 
das Preisgericht, entsprechend der ihm im Ausschreiben 
erteilten Vollmacht, die ausgesetzte Summe von ^000 M 
in Gestalt dreier Preise von 1250, 1000 und 750 M den 
folgenden Verfassern zuzuerkennen: I. Preis: Architekten 
Heger und John in Breslau; 11 Pr.: Architekten Kohler 
und Kranz in Charlollenburg; III Pr.: Architekt Gräfe, 
ebendaselbst. Als Grundlage für die Ausführung wurde 
der Heger und John'sche Entwurf empfohlen 

Leider sehcinl das Preisgericht von dem ihm ver- 
liehenen Rechte des Ankaufes nicht preisgekrönter Kut- 
wurfc für je 500 M. keinen Gebrauch gemacht zu haben. 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Dem Reg -Rai Speer beim Kai* Patcnt- 
aiut ist der Char als Oh. Reg -R.it verliehen 

Bayern. Der Reg Rat R <> l) < in l<r^«-n*<)nlri; ist Z. Eiseitb - 
Betr. Dir. und Vorst, der Eiscnb.-Betr -Dir. <J-<^ und .Icr Dil -Rat 
Dercum m Bamberg zum Rcg.-Ral bcin.-ili.-rt 

Versetzt sind: Die Ob Bauinsp Stumpf in Fpcr nls Dir.- 
Rat zur Kiscnb -IJclr -Dir. Rcgcnsbur^ um) R i c <l c n n u e r in 
Schweinfurt nl« Staatsbank!»»; nni h Kitziugeri; die Ihr -A*-s Kapp 



in Würzbnrg »I« StaaUbahning. nm li Rrgeinburg, Hager in Ingol- 
stadt zur Gen Dir, , Wfthrl in Landau zur Eiaeub. -Betr -Dir. 
Rrgen9burg und Kappel in Weiden als St&atsbahning nach Eger. 

Hamburg. Der Rauinsp. Wulff ist gestorben. 

Preußen. Dem In« Smtekcr in Mannhe im ist der Rote 
Adler-Orden IV Kl. verliehen 

Den Ree - u Brtn. S c h n I e r in Königsberg i Pr , S c h e 1 1 e n • 
b e r g in Erfurt , Dilhniann in Berlin , A I b e r t in Magdeburg, 
Rlumentha] in Stettin, Schmede« in Breslau, Matthe« in 
Magdeburg, I' e I e r « in Hannover, Ii e r g e r in Köln, S u a d i c a n i 
in Berlin, Dorner in Emen, Buie in Hannover, Siegel und 
l'hlenhuth in Erfurt, Beil in Berlin. Lueder in Munster, 
Ehreuberg in Kiel und Kieken in Görlitz, den Ei*enb.-Dir. 
M e r t * in Trier und G Möller io Witten ist der Cliar. a>> Geh. 
Hrt. verliehen. 

Der Ob-Ing Mathesiu« in Horde i«t z. etatin. Prot, ander 
Terhn. Hochschule in Berlin ernannt. 

Die Reg.Bihr. Ad. Sietn au* Berlin, Felix Dechant au* 
Krefeld, Max Lang au» FQmtenwa'de u Bruno H i r s c h b e r g e r 
au« Thom (lloi hbf. li ). Herrn. Hand in a 11 n aus Bergtcld < Wasser- 
u. Slralknbfi.il >, Aug. Laders aus Satzwcdel (Masch -Bich.) »ind 
zu Reg -Bni-ti n, ernannt. 

D,c Reg-Umstr. Er. Goiller und Ad. Stern «ind der Kgl. 
Reg. in Dan/ig bezw. Marienwerder zur 



Brief- und Fragekasten. 



1 1 W o I t u II g C II 



aus dem Leserkreise. 

Wai hwitzmctall. Die .Erste 



Fragebe 
Zur Anfraß 

Deutsche Kunstdruck-Papierfabrik Carl Scbeufelen" in Oberlenningen 
verwendet seit einigen Jahren zu ihren Fahrikncubautcn Wachwllz- 
mctall in grOUcrcm L'nifang und hat damit bis Jetzt gu'e Eilahrun- 
gtn gemacht Verwendet wurde meistenteils Marke KSK O.6. Neben 
der Eigenschaft, dall n »ich im Aussehen von reinem Kupfer nicht unter- 
scheidet, bat es den Vorzug der Billigkeit, IlBt sich zu Bauzwecken 
gut verarbeiten, von getriebenen Arbeiten abgesehen, und legt sich 
infolge der Stahlb'ecluwischcnUge glatt ohne .Wellen', was bei 
reinen» Kupfer weniger der Fall ist, Inbezug auf Haltbarkeit dürfte 
es dem reinen Kupier weng nachstehen. — 

Wilh. Siegler, Baumstr. in Oberlenningen. 
Da« Wachwitzmetall k'upferplatlierte Flutlstahlbleche habe 
i< h infolge dt s Artikel« in der Dtschn. Bzlg Jbrg. 100t zur F.indeckuog 
eine- Turmes meine« Neubaue« Bcrnhardstr. u in Wilmer»dorf-Bril>n 
verwendet. Die Lieferung seilen« des Werke« erfolgte sehr un- 
pünktlich Die Ausfflhiuug besorgte eine bestrenommierte, erste 
Firma. Lei ter hat sich »hei die Kupfeolecke *o wenig gehatten, 
riall schon jetzt . nach kaum .( Wintei nmnalcn , da« FluO-tahlblech 
frciüegt un<l stark Rnst absetzt, zumteil »cigar schon nach ganz 
kurzer Zeit. Ich bin nun, ur.i nicht bald ein undichte« Dach zu 
bekommen, gezwungen, das Waihwiizroetall i;anz zu entfernen und 
wetdr nun reines Kupferblech verwenden, welches bei gleichem 
Aibeitsprcise immer da» billigste bleibt. - 

Carl Hilgenfeldt, Architekt. 

Inhalt: Du- Wil.i-.x i um iln Vurflut »mit '1m- Keinlgung dn Abwasser 
im FmscWigrbiet i Fol i >< u iiii;m. -- l'n.lr»« Friedrich WUhetM Bnsing t. 
Du UVtlben-erb zur Ki aniri cc von FntwCHen Uli dm XeuWau eine« 
m, Au^hiub an Kuba,.-, in Hremen (Srlibilll - PreUbe- 
Unrf imit I- kjislcn. 



Ilieivit eine Planbeila^e: l'ebersiflits|ilan vom Wasser- 
sammcl-Gehiet der Emschcr. 



Wiln^ ilcr lieuL^lifii Jljii.'citiiiij;, I". m. ti M , IU-ili:i 1- Ur die Kcdaklian 
vrt.nt«,,n| .\\\,n; Htilminn, Hc-ihn l>ci>rk vun Wilh. Creve, Berlin. 



No 19. 

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I DEUTSCHE BAUZEITUNG 




XXXVIII. JAHRG. N9: 20. BERLIN, DEN 9. MÄRZ 



1904 




Friedrich Wilhelm Büsing f. 



| uf drm Gebiete der hygienischen Aufgaben des Städte- 
baues hat auch, von "einer bedeutenden Ausnahme ab- 
gesehen, vorwiegend dir sc hrifts tel I e risch c Tälig- 
keil Büsing's gelegen. Zahlreiche wertvolle kleinere Bei- 
trägr sind von ihm in den verschiedenen Fachzeitschriften, 
so in der „DeutschcnVic rtel Jahresschrift für öf f r nt- 
liche Gesundheitspflege", im „Gcsundhcits-Inge- 
nicur", in dessen Redaktion Büsing außerdem noch in 
seinen letzten Lebensjahren eingetreten ist, usw. veröffent- 
licht worden. In dem von Dr. Th. Wcyl herausgegebenen 
„Handbuch der Hygiene" hat er verschiedene Ab- 
schnitte bearbeitet, so in dem Bande „.Städtereinigung" 
den umfangreichen Abschnitt über „Kanalisation". 

In dem vom Verlage der „Deutschen Bauzeitung" 
herausgegebenen „Deutschen Ba u ha n d buch " hat 
Büsing in der „ Baukunde des Architekten" im I. Bd. 
I. T. „Aufbau der Gebäude" den Abschnitt „Baumate- 
rialien und Baukonstruktionen, insbesondere nach 
ihren gesundheitlichen Eigenschaften* behandelt 
und damit dem Inhalte des Werkes eine wertvolle Be- 
reicherung hinzugefügt; einen ähnlichen Abschnitt schrieb 
er im 2. Teile desselben Bandes „Ausbau der Gebäude". 
Aber alle diese Schriften treten zurück gegenüber seiner 
Hauptarbeit auf hygienischem Gebiete, dem umfangreichen 
Werke Ober „Die Städte reinigung", das als III Band 
des im Bergstrasser'schen Verlage erscheinenden grollen 
.Sammelwerkes „Der städtische Tiefbau" vor einigen 
Jahren erschienen ist. Mit diesem Werke, das bisher 
wohl als das umfassendste und gründlichste auf diesem 
Gebiete bezeichnet werden darf, hat sich Büsing unter 
den Fachschriftstellern einen bleibenden, ehrenvollen Platz 
errungen Wir haben bei Vollendung des Werkes diesem 
eine eingehende Besprechung in unserer Zeitung gewid- 
met I, auf die wir hier verweisen müssen. Wir glauben, 
daß diese Arbeit allgemeine Anerkennung gefunden hat, 
insbesondere der erste Teil derselben, der die wissen- 
schaftlichen Grundlagen der Städtcreinigung behan- 
delt. Der zweite Teil, der den technischen Einrich- 
tungen der Städtercinigung gewidmet ist, mag von Männern 
der Praxis in einigen Punkten bemängelt worden sein. F.s 
ist das fast naturgemäß, da der Fachschriftsteller fast aus- 
nahmslos darauf verzichten muß, gleichzeitig eine ausge- 
dehnte Praxis auszuüben, .«»daß auch die Behandlung der 
rein praktischen Fragen stets einen leichten akademischen 
Anflug erhalten wird Wir glauben aber nicht, daß dem 
Werte" der Arbeit damit nennenswerter Abbruch getan wird. 

Auf einem ganz anderen Gebiete liegt eine Arbeit, 
die wir mit vollem Recht als epochemachend glauben be- 
zeichnen zu dürfen, es ist: das im Auftrage des „Vereins 
Deutscher Port I and - Ce m ent - Fabrikanten " von 
Büsing und Dr Schumann bearbeitete und herausge- 
gebene Werk „Der Portlandzcment und seine An- 
wendung im Bauwesen". Schon frühzeitig hat Büsing 
der deutschen Zcmentindustric sein Interesse entgegen- 
gebracht und namentlich dem Betonbau, der im Auslande 
schon seit langem zu hoher Blüte gelangt, sich in Deutsch- 
land und insbesondere im nördlichen Deutschland trotz 
seiner Vorzüge nur allmählich und schrittweise Eingang 
verschaffen konnte. Hier hat das Werk, in welchem Dr. 
Schumann die chemischen und physikalischen 
Eigenschaften des Zementes behandelt, während der 
weit umfangreichere Teil des Buches über den Beton 
und seine Verwendung von Büsing verfaßt worden 
ist, »eit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahre 1892 in 
hohem Maße aufklärend und fördernd gewirkt. Neben 
dem vor mchf' als 25 Jahren erfolgten Zusammenschluß 
der deutschen Portland-Zementfabrikanten zu einem ge- 
schlossenen Verein, der sich die Aufgabe «teilte, das deut- 
sche Produkt zu höchster Vollkommenheit zu bringen und 
seinen Mitgliedern die Pflicht auferlegte, nur solche Er- 



') v., g i. 



1901 s j- p 



Zeugnisse auf den Markt zu bringen, die einer festen 
„Norm " entsprechen, hat wohl kaum ein anderes Moment 
auf die hohe Entwicklung dieser Industrie so eingewirkt, 
wie das Erscheinen dieses Werkes, das sich wohl allge- 
meinster, ungeteilter Anerkennung erfreut. Im Jahre 1899 
erschien die zweite, wesentlich umgestaltete Auflage des 
Buches, und eine 3. Auflage des im Buchhandel gänzlich 
%'crgriffencn Werkes war bereits in den ersten Druck- 
bogen fertig gestellt, als die Arbeit durch die Erkrankung 
Büsing's und seinen raschen Tod jäh unterbrochen wurde. 

Neben diesen umfangreichen schriftstellerischen Arbei- 
ten übte Büsing mit erstaunlicher Arbeitskraft noch eine 
ausgedehnte Tätigkeit al* Gutachter aus. E« kann hier 
nicht unsere Aufgabe sein, aufzählen zu wollen, von wie 
vielen Gemeinden er herangezogen worden ist, um seinen 
gewichtigen Rat in die Wagschale zu legen, bei der Ent- 
scheidung, In welcher Weise die Wasserversorgung oder 
die Entwässerung der betreffenden Stadt zu sichern sei. 
Wir wollen nur auf ein Beispiel näher eingehen, das uns 
zugleich auf das letzte Arbeitsgebiet Büsing's, das der 
kommunalen Tätigkeit überleitet, der er in dem letzten 
lahrzehnt seines Ijebens wohl seine beste Kraft, unter 
Vcrziclitleislung auf eigenen Vorteil, lediglich im Interesse 
de« Gemeinwohles, gewidmet hat. Es ist das sein Wirken 
für die Entwässerung der Stadt Schön eberg und der Ge- 
meinden Wilmersdorf und Friedenau bei Berlin. Man 
darf, ohne Anderen zu nahe zu treten, mit vollem Recht 
aussprechen, daß Büsing bei der Lösung der Entwässerungs- 
frage der 3 genannten Gemeinden, d. h. bei einer Aufgabe, 
die in solcher Bedeutung nicht allzu häufig gestellt wird, 
das Hauptverdienst zukommt. Unermüdlich ist er für ein 
gemeinsames Vorgehen der 3 Gemeinden in dieser Frage 
tätig gewesen. Als dann ein gemeinschaftlicher Ausschuß 
hierfür eingesetzt wurde, hat er als deren Vorsitzender 
alle auf tec hnischem Gebiete erforderlichen Vorverhand- 
lungen geleitet Die in diesem Ausschüsse festgestellten 
maßgebenden Grundsätze und Vorbedingungen, sowie die 
technischen Grundlagen für den nachher vom Stadtbi t. a. D. 
Brix ausgearbeiteten Entwurf beruhen vorwiegend auf 
den Vorarbeiten und Vorschlagen Büsing's. Ebenso hat 
er sich besondere Verdienste bei der Frage der Reinigung 
der Abwässer der 3 Gemeinden sowie bei Auswahl und An- 
kauf der Rieselfelder erworben, deren Anlage unter den 
gegebenen örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen 
als die zweckdienlichste I A«ung der Frage erschien. Schließ- 
lich ist es auch vorwiegend Büsing's Verdienst, daß zwi- 
schen Schöneberg und Friedenau ein Vertrag zustande 
kam, nach welchem die erstcre Gemeinde die Abwässer 
Friedenau 's mit abführt und so ohne eigenen Nachleil 
dem wirtschaftlich schwächeren und kleineren Nachbar 
eine Lösung ermöglicht, die technisch günstig ist und 
deren Lasten erträglich sind.*) 

Daß diese und andere Verdienste, die wir hier nicht 
näher aufzählen können, die sich Büsing um die Gemeinde 
Friedenau erworben hat, in welcher er sich sein Heim 
gründete, in deren Verwaltung er lange Jahre als unbe- 
soldeter Schöffe bezw. als Gemeindevcrordneter saß, an 
dessen Entwicklung nach den verschiedensten Richtungen 
ihm ein bedeutendes Verdienst angerechnet werden darf, 
von der Gemeinde in vollem Maße anerkannt worden sind, 
das bewies die allgemeine Teilnahme der Bevölkerung, 
als man ihn zur letzten Ruhe hinaustrug. Eine Straße in 
der Gemeinde soll seinen Namen tragen, um so diesen 
auch den Nachkommen lebendig zu erhalten. 

l'm das C harakterbild des Dahingegangenen zu ver- 
vollständigen, erübrigt es noch, auf seine Persönlichkeit 
einzugehen. Unser Bild (in No. 19) zeigt sein Aeußrres, wir 



*> Die Orundtflje des enn/rn Vnir nichiwn«, dir Vn tari'Huuc*"» und 
die u-hllrBUrhen AuMtahiuucfc-i.rundUi;™ Mnd von H'JMnc •«ll'sl ninlere*. 
legi in tlrr .Drillichen Vicitcljjhrr».. holt IOi Mfenllu lir 1 .rmill lM lI MfUfV 
Uhr* i»« l>n Auluti IM »Ufh im Snn.Irr.l.Mrk hn Virw-rg « Sohn in 
Hrsimw-hw-rvt "vhit-wn 

tat 



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es noch im vorigen Jahre erschien. Wer Büsing nur ober- 
flächlich, nur aus amtlichen oder beruflichen Beziehungen 
kannte, der mochte ihn für eine schroffe oder abweisende 
Natur halten. Er war allerdings kein Mann, mit dem sich 
im landläufigen Sinne bequem leben ließ, vor allem keine 
Natur der Unterordnung. Wo er mit zugriff, da wollte 
er nicht nur Mitarbeiter, sondern Führer sein. Nach harter, 
entbchrungs- und arbeitsreicher Jugend durch eisernen 
Fleiß zu geachteter Stellung sich durchringend, hatte er 
nicht die Zeit gehabt, sich die verbindlichen Formen an- 
zueignen, die selbst einer scharfen Kritik den Stachel 
nehmen. Eine knorrige, aufrichtige Natur, ohne Rücksicht 

fegen sich selbst und die höchsten Ansprüche an seine eigenen 
.eistungen stellend, maß er auch andere mit gleichem Maße. 
Aber falsch wäre es, aus dieser äußeren Schroffheit 
auf eine innere Herbheit des Charakters schließen zu 
wollen. Wer ihn im Kreise seiner Familie in seinem 
schlichten, behaglichen Heim kennen lernte, wer ihn im 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u, Ing.-Vereln zu Hamburg. Vers, am 27. Nov. 1003. 
Vors. Ilr. Classen. Anwes. 75 Fers. Aufgen. als Mit- 
glied Hr. Städler. 

Die Versammlung galt dem Andenken zweier verstor- 
benen Vcrcinsmitgliedcr. Zunächst hielt Hr. Bubendcy 
einen Vortrag zum Gedächtnis des kürzlich verstorbenen 
hamburgischen Wasserbauinspcktors Ii. H. I.entz. Ge- 
boren am ag. Nov. 1828 in Hamburg, besuchte Lentz bis zu 
seinem 15. Jahre daselbst das Johanneum. Nach 4jä)iriger 
Praxis teils in Hamburg teils in Ncuniünstcr studierte er 
von 1847—«» an der damaligen polytechnischen Schule in 
München, von 1850 — 53 war Lentz dann in Lübeck und 
Lauenburg beim Eiscnbahnbau und bei Brücken-Entwurfs* 
arbeiten beschäftigt und trat 1853 in den Dienst der da- 
maligen Schiffahrt- und Hafen - Deputation in Hamburg. 
In deren Auftrag führte er im Winter 1854/55 ein Präzisions- 
Nivcllcmcnt von Hamburg nach Cuxhaven aus, welches 
3 Jahrzehnte hindurch als Crundlacc für I lohenangaben 
ain linken Ufer der Unterelbe gedient hat. Er erlebte 
dabei am 1. 2. |an. 1855 die große Sturmflut und bestimmte 
nachher die Höhe zahlreicher Hochwassermarken. Hier- 
durch und durch die 1854 vorgenommenen gleichzeitigen 
Wasserstands. Beobachtungen an der unteren Elbe wurde 
sein Interesse für die Flut- und Ebbe-Erscheinungen und 
für Stromkorrektionen ausgelost. Ende der 50er Jahre 
übte Lentz einen wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung 
der Entwürfe für die Grasbrookhäfen aus, wurde 1861 zum 
Wasserbauinspektor ernannt und 1864 auf eigenen Wunsch 
nach Cuxhaven versetzt Schon 1866 lieferte er einen 
Bericht Ober den notwendigen Umbau der Cuxhavener 
L'ferwcrke. Dieser Bericht hat auch allgemeine Bedeutung 
für die bei der Verteidigung der Außendeiche maßgeben- 
den Grundsätze. Er betonte in klarer Weise die dreifache 
Verteidigungslinie drr l'ferwcrke, der Werke zum Schulz 
gegen eine Erniedrigung des Strandes und der Werke, 
die der Annäherung großer Stromüefen entgegentreten 
sollen. 1865 baute Lentz in Cuxhaven die ersten Hafcn- 
mauern auf viereckigen Senkbrunnen, welche vorbildlich 
geworden sind für die Gründung der Mauern am Kaiser-, 
Dalman- und Hübencr-Kai in Hamburg. 1875 und 76 baute 
er für die Ueichstelcgraphcn- Verwaltung die Zcitballturmc 
in Cuxhaven und Bremerhaven und lieferte den Ent- 
wurf für den Zeilballturm in Swinemünde. 1886 wurden 
von Hamburg für den Ausbau der Uferschutzwerke vor 
Altenbruch, Groden und Cuxhaven 3,75 Mill. M., 1890 
7,7 Mill. M. für den Not- und Eishafen in Cuxhaven für 
tiefgehende Schiffe bewilligt. Den Eingang dieses Hafen 
begrenzen die bekannten in großen eisernen Senkkasten 
erbauten Hafenkopfe. Lentz war neben seinen praktischen 
Aufgaben auch verschiedentlich mit Erfolg schriftstellerisch 
tütig. Lentz war ein feuriger Patriot und halle ein warmes 
Gefühl für seine Vaterstadt Hamburg, war außcrordcntlirh 
streng gegen sich selbst, verlangte aber auch viel von 
Anderen. Seine zumteil epochemachenden Werke werden 
ihm ein dauerndes Andenken erhalten. — 

Hierauf widmete Hr. Faulwasser dem verstorbenen 
Kollegen und Jugendfreunde Skjold N eck el mann einen 
Nachruf Von den von warmer Freundschaft und Iloch- 
schätzung für den Verstorbenen zeugenden Ausführungen 
des Redners könnten wir an dieser Stelle nur einen kurzen 
Auszug wiedergeben, der sich im we-entlichen mit dem 
Nachruf decken würde, der bereits im Vorjahre auf S. 266 
der „Deutschen Bauzlg " gebracht wurde, auf welchen wir 
daher verweisen tiiüs>en. Nach herzlichen hankesworten 
des Hrn Vorsitzenden für die beiden Nachrufe erhoben 
sich die Anwesenden zu Ehren der Verstorbenen von 
den Sitzen. St. 

121 



Umgang mit der Natur beobachten konnte, wie er seine 
Kosen liebevoll pflegte, eine bunte Vogelschaar dicht neben 
seinem Schreibtisch versammelte, deren fröhliche»., oft aber 
auch aufdringliches Gezwitscher ihn selbst bei der em- 
sigsten Arbeit nicht störte, der gewann bald von ihm ein 
anderes Bild, dessen freundliche Züge noch vertieft werden, 
wenn man seine opferwillige Tätigkeit im Dienste der 
Gemeinde hinzunimml, in deren Mitte er seinen Wohn- 
sitz genommen hatte. 

Er ist nicht den vorgczcichnctcn Weg einer aner- 
kannten Karriere gegangen und es sind ihm nicht die 
äußeren Ehren zuteil geworden, die damit verbunden zu 
sein pflegen. Er hat seine Befriedigung in der Arbeit 
gesucht, der er treu geblieben ist bis wenige Wochen vor 
seinem Tode, als seine bis dahin unermüdliche Kraft ver- 
sagte. In dem Erfolge dieser Arbeit hat er sich ein blei- 
bendes Andenken geschaffen. — • p j t p, se | cn 



Vers, am 4. Dez. 1903. Vors. Hr. Classen, anwes 
57 Pcrs., aufgen. als Mitgl. die Hrn. Arch. Robert Piglheim 
und Max Gerhardt. 

Zunächst erhält das Wort Hr. Schwanz zu einigen 
Mitteilungen über die von ihm erbauten „Empfangsge- 
bäude der Bahnhöfe Hamburg Sternschanze und 
Dammtor". Beide Bahnhöfe sind einfache Zwischcn- 
Stationen mit hochliegenden Bahnsteighallen, welche mit 
den auf Straßenhöhe liegenden Eingangshallen durch 
Treppenaufgänge verbunden sind. Bei dem Bahnhof 
Sternschanze sind die Betriebs-, Gepäckabfertigungs- 
und Warteräume in einem besonderen Baukörper unter- 
gebracht, an den sich die Bahnsteighalle, welche zum 
größten Teil nicht unterkellert ist, anschließt. Eine für 
den Bahnhof Datnmlor ursprünglich geplante ähnliche 
Anlage wurde später abgeändert, als sich die Notwendig- 
keit ergab, hier die Empfangsräume für fürstliche Personen 
unterzubringen. Das Bauwerk hat infolge dessen durch 
Anfügung massiver Mittel- und Eckbaulen den einheitlichen 
Charakter eines Gebäudes von monumentaler Fassung er- 
halten. Der Unterbau besteht aus 3 Viadukten von je 
14 Achsenlängen, welche die 4 Gleise tragen und um- 
sehließt einen Baukörper von 35.10 m Breite und 112 m 
Länge. Die Bahnsteige sind je 8,7 • breit, sie liegen 6,2? m 
über dem Fußboden des Erdgeschosses. Die Mitte des 
Erdgeschosses nimmt die über 6 Achswcilen sich er- 
streckende Eingangshalle von 1 100 T" Grundfläche ein 
An diese Eingangshalle schließen sich nach Westen die 
Räume für die Gepäckabfertigung, nach Osten die Fahr- 
kartenausgaben und die Wartesäle, die Räume für den 
Bahnhofswirt sowie die Räume für fürstliche Reisende an. 
Der Verkehr zwischen der Mittelhalle und den Bahn- 
steigen, von welchen der nördliche für den Stadlbahn- 
verkehr, der südliche für den Fernverkehr dient, wird 
durch je zwei Trcppenanlagen vermittelt, welche symme- 
trisch an der Querachse des Gebäudes angelegt sind. Die 
beiden Ostlichen Treppen dienen den abreisenden, die 
westlichen den ankommenden Fahrgästen. Für die Be- 
förderung des Gepäckes zwischen dem Erdgeschoß und 
dem oben genannten Fernbahnsteig dienen Hebewerke, 
jedoch ist diese maschinelle Anlage, um die Bewegung 
der Gepäckkarren auf dem Bahnsicige nach Möglichkeit 
einzuschränken, durch die Anlage eines unter der Sohle 
des Erdgeschosses entlang geführten Gepäcktunnels von 
3.5 m lichter Weite und rd. 112™ Länge ergänzt; derselbe 
verbindet ein in der Gepäckabfertigung befindliches zwei- 
stöckiges Hebewerk mit einem zweiten, am östlichen Ende 
des Bahnsteiges aufgestellten ebensolchen Hebewerk. Je 
nachdem es nun die Stellung des Gepäckwagens im Zuge 
erfordert, können die Gepäckkarren vom Erdgeschoß aus 
durch den erstgenannten Aufzug entweder unmittelbar 
nach oben befördert oder erst auf Tunnelsohlc gesenkt 
werden, um alsdann durch den Tunnel nach dem ent- 
gegengesetzten Ende geschafft und dort bis zum Bahnsteig 
gehoben zu werden. Von den Eingingen zu der Mittcl- 
halle des Gebäudes dient der nach Norden gekehrte für 
die Abreisenden, der nach Süden gekehrte für die An- 
kommenden; dementsprechend befinden sich die Fahr- 
kartenausgaben sowie die Gepäckannahme an der Nord- 
seile, die Gepäckausgabe dagegen an der Südseite des 
Gebäudes. Die Decken unter den Gleisen sind in Ge- 
wölbeform, diejenigen unter den Bahnsteigen als Koencn'- 
schc Voutenplatlen hergestellt. Um eine möglichst aus- 
giebige Beleuchtung des Untergeschosses zu erzielen, sind 
die Lichtöffnungen in den I lauplfronlen so groß angelegt, 
wie es die Konstruktion der Wände nur irgend zuließ. 
Pie den Huuptfronien parallel verlaufenden Innenwände 
sind entweder als Glaswände ausgebildet oder wenigstens 
mit hcichliegcndcn Fenstern versehen. Außerdem aber 



No. ao. 

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wurden Oberlichte in größerer Zahl im Scheitel der Gc- sprechender Länge, der in einen Zerstäuber endet. Durch 

wölbe «wischen den mittleren Gleisen angebracht und die Pumpen wird zunächst im Windkessel die nötige Spannung 

wichtigsten Teile der Eingangshalle mit io>" langen Decken- erzeugt, die dann durch Nachpumpen in gewissen Zwi- 

ausschnitten versehen, welche unverglast gelassen und schenräunien leicht erhallen werden kann. Der Luftdruck 

auf den Bahnsteigen mit Geländern umgeben worden sind, schleudert den Farbstoff aus dem Zerstäuber und trägt 

Die Bahnsteighalle hat eine lichte Weite von 34,36 m ihn bei entsprechender Führung des Schlauches in gleich- 

erhebt sich im Scheitel bis zur Höhe mäßiger Weise auf Die Arbeitsleistung ist w 



und 

von 1 7.50 m über Schiencnoberkante. Die 
Binder sind als Iv>ppelbinder mit Querver- 
bänden in der oberen und unteren Flache 
konstruiert Sie bilden Zwcigclenkhögcn, 
deren unten- Gurtung nach einem Korb- 
bogen gekrümmt ist, während, die obere 
Gurtung bis etwa 10 m Höhe der senkrech- 
ten Fensterwand folgt, um dann mittels ge- 
krümmter Aufsattelungen in einen mitt 
ren Kreisbogen überzugehen. In der Mitte 
der Bahnsteighalle ist durch, Wcglassung 
eines Binders ein großes Feld angeordnet, 
welthesdurch eine quer verlaufende Stich- 



i 



höher, als die eines Menschen — etwa 51« in t 

dazu kommt eine Ersparnis an Farben und auch noch 
an lx>hn des die Maschine bedienenden einen Manne», der 
kein gelernter Handwerker zu sein braucht. Ein Vorzug ist 
weiter der, daß man mil «lein Zerstäuber leicht auch an 
solche Stellen die Farbe hinbringen kann, die für den Pinsel 
schwer zugänglich sind. Die kleineren Apparate sind leicht 
und handlich, die größeren können auch auf Bädern mon- 
tiert werdrn, sodaß sie bequem zu transportieren ~ind. 




mmmm 



kappe überdeckt ist, die sich dein Bogcn- 
motiv der .Steinarchitektur in den Fassa- 
den anschließt. 

Zu der üußercn Architektur, welche, in 
durchweg einfachen -Siillurmen gehalten, 
in der Hauptsache durch die Verhältnisse 
der Bauteile und den Wechsel des Mate- 
riales zu wirken sucht, ist nur echtes 
Steinmaterial verwendet worden. Der 
Sockel des Gebäudes hestcht aus Basalt- 
lava aus den Brüchen von Plaidt. Zu der 
(Juadcrung der Mittel- und Eckbauten im 
Erdgeschoß sowie zu den Gesimsen und 
Gliederungen der Oberwand ist Sauertal- 
Sandstein verwendet worden, während 
die glatten Flächen aus Tuffstein herge- 
stellt sind. 

Das Gebäude ist mit Niederdruck- 
Dampfheizung versehen; die große Bahn- 
steighalle wird mit Bremerlicht beleuch- 
tet, während in den Bäumen des Erdge- 
schosse* Bogenlicht und Gluhlichl ver- 
wendet sind. Die Bauausführung hat in 
der sehr kurzen Zeit von wenig mehr als 
einem Jahr bewirkt werden müssen; die 
auf t Mill. M fcstgesetztcAnschlagssumme 
ist, namentlich inlolgc der beschleunigten 
Bauausführung, nicht unerheblich über- 
schritten worden. - n m [lu4u . ,j 

Vermischtes. 

Preßluft-Anstrichmaschinen. Die stetig wachsende Lohn- 
höhe für gute Arbeitskräfte zwingt auch in Deutschland 
mehr und mehr dazu, die Handarbeit wenn irgend an- 
gängig durch Maschinenarbeit zu ersetzen. Auch im Bau- 
gewerbe macht sich eine Bewegung in dieser Bichtung 
geltend. Ein erster Schritt auf diesem Wege ist die An- 
wendung von Preßluftmasehinen für die verschiedensten 
Anstricharbeiten mit Farben aller Art oder Kalk für Holz- 
und Eisenkonstruktionen, Putzflächen usw. Die Maschinen 
bestehen aus einer Handluftpumpe nebst Windkessel, 
einem Saugschlauch, der die Anstrichmasse aus dem Auf- 
bewahrungsgefäß entnimmt und einem Schlauch von ent- 

9. März 190+ 



Der Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für den Neubau eines 
Stadthauses Im Anschluß an das Rat 
haus In Bremen. 

F.ütwutl ilf« Hrn. Krg.-Bm*tr. a. I). 

Frans Weodl in Stettin. 



•SEI 



Et- 



Die Apparate lassen sich auch zum Abwaschen von Ge- 
bäuden, zur Desinfektion, zur Berieselung in Gruben usw. 
mit Erfolg verwenden Das Prinzip dieser Apparate, deren 
Anschaffungskosten im Vergleich zu ihrer vielseitigen An- 
wendbarkeit keine hohen sind tu» 300 M l, ist bei den 
Fabrikaten verschiedener Firmen ein ähnliches Wir 
nennen A. Stephan s Nachf. in Schatte]) O. - S. und 
W. Dänisch * Cie. in Berlin. — 

«»3 



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Preisbewerbungen. 

Die Schlnkelprcise des Architekten -Vereins zu Berlin 
für »904 wurden zuerkannt: Im Hochbau unter 47 Be- 
werbern den Reg.-lifhrn. Willy Hoffmann in Halcnscc 
und Paul Emmerich in Grunewald Geldpreis und Denk- 
münze; die Schinkel - T>cnkmünzc allein den Heg. -Ufhrn 
Kritz Brauning in Grunewald, Joh. Fleck, lleinr. Mahl- 
berg und Georg Müller in Berlin; im Wasserbau unter 
21 Bewerbern Reg -Bfhr. Ernst I.indc in Kiel Staatspreis 
und Denkmünze, letztere allein den Reg. - Hfhrii. Rieh. 
Weiü in Harburg, Com. Kutschke in Berlin und Clcm, 
Delkeskamp in Krankfurt a. M.; im Eisenbahnbati 
unter 9 Bewerbern Reg. - Bfhr. Karl Mcntzcl in Berlin 
Slaat.spreis und l>enkmunze: letztere allein den Rcj;.-Bfhrn. 
H. Lucas in Berlin, O. Krafft in Diez a. 1. "und Ci 
Kuhnkc in Marienburg. — 

Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Bank- und 
Wohnhau« der Mahrisch-Oatrauer Handels- und Gewerbe- 
bank liefen 71 Arbeiten ein, Den I. Breis errang Brt. 
Prof. Jul. Deininger, den II. Preis die Architekten Hub. 
und Franz Gessner, den III. Preis Rud Krauli, sämt- 
lich in Wien. - 

Bücher. 

Ansiedlungsbauten in den Provinzen Posen und Westpreußen. 

Im Auftrage derkgl. Ansiedlungskominission in Posen 
herausgegeben von Paul Fischer, Regierungs- und 
Baurat. 75 Tafeln mit Text in 4 Lieferungen zum 
Subskriptionspreise von je 10 M. Preis der Lieferung 
außerhalb der -Subskription 12,50 M Verlag von 
Ludw. Hofstettcr in Halle a. S. 
Indem wir uns vorbehalten, auf das vorstehende Werk 
nach seinem vollständigen Erscheinen nochmals zurück- 
zukommen, kundigen wir heute seine erste Lieferung an, 
die von dem bemerkenswerten Bestreben Zeugnis ablegt, 
auch den ländlic hen Ansierlhmg^baiiten eine gefällige Fonn 
zu verleihen, soweii es die bescheidenen Mittel irgend 
gestalten Die schnelle Entwicklung des staatlichen An- 
siedlungsvverkes in den Provinzen Posen und Westpreuficn 
kommt darin zu einem sprechenden Aufdruck, dall jähr- 
lich 1000 1500 Bauernhöfe neu begründet und aufgebaut 
werden. Es kommt unbedingt der Sache zugul, daß für 
diese umfangreiche Bautätigkeit nicht eine Zentralstelle 
geschaffen wurde, sondern daß die Ansiedlungskornmission 
zu Posen den Aufbau der Gehöfte den Ansiedlern selbst 
überlaßt und sich darauf beschränkt, durch Beschaffung 
der Materialien und Prüfung der Entwürfe nur eine Art 
fürsorgender und überwachender Tätigkeit auszuüben. 
I-iiuft dabei auch manches unter, was nicht den Wünschen 
entspricht, die man an eine zunehmende Besserung in der 
Gestalt der ländlichen Bauten stellen mochte, so wird da- 
für doch der größere Gewinn des mannigfaltigeren Bildes 
eingetauscht Zweckmäßigkeit und Billigkeil sind für den 
im hallen Existenzkampfe stehenden Bauein die ersten 
Anforderungen, die er an srin Gehöft stellt. Wenn es 
trotz der bescheidensten Mittel gelungen ist, neben dem 
Volkswirt auch den Architekten zur Geltung kommen zu 
lassen, s„ darf das als ein rühmliches Zeichen der Be- 
strebungen anerkannt werden Das Ziel der vorliegenden 
Veröffentlichung wird in der Vorführung recht vieler ver- 
schiedener Formen der Bauernhofe erblickt. Das An- 
siedliingssverk ist noch zu jung, um bereits feste Typen 
gezeitigt zu haben. Mit Recht sa«t Fischer im Vorwort, ein 
solcher Typus könne nicht das Werk der Einzelerfindung 
sein, sondern müsse „auf dem Boden des Volksempfindens 
von einer Gesamtheit allmählich hervorgebracht werden 
und das Erzeugnis echter deutscher Volkskunst sein". - 

Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: 
Mayr'a künstle clmisrhc l.t h rbOt her. No. 1 : Dm For- 
men und Modellieren, a. erweiterte Aufl. München 190» 
Kunstmateriaticn- und l.u*u»papicr Zeitung. Pr. 1 M. 
Müller, \Vilh , Ing, Hydrometrie. Praktische Anleitung zur 
Wassermessung Neuere Messverfahren, Apparate und Ver- 
suche. Mit Bi Abb , 15 L'eberxirhten und 3 Tai. Hannover 
1903. Gebr. .Unecke. Pr. 7,10 M. 
Mdsslgbrodt, P., Kgl. I.andbauinsp. Anlage und Einrich- 
tung von Opei iliOD.jJlen mit 3 Abb- und 3 1.1, 
Beilin 1003 Ernst tt Sohn. Pr. -i M 



NeumeUter, A , Reg -Bmstr. 11. Prof. Deut «che Konkurren- 
zen. XV. Band, Hell la, No. 180: Ev. Kirche (ür Munster 
am Stein; XVI Bd , Helt 3. No. 183: Kreishau* für Meckling- 
hausen, Heft 4, No. 184: Kathaus für Ober-SchCi.irvvcide; 
Heft s. So. 185: Töchterschule für Emden; Hc(l 6, No. 186: 
Realgvmnasium für Koblenz; Urft 7, Nn. ifl7: Rathaus für 
Dresden, II. Wettbewerb, 1 Heft; Heft 8. No. 188: desgl. 9. Heft; 
Heft o. No 189: Tochterschule für Eislingen. Leipiig 1903. 



& Cr, 



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für den Baad (13 
Beibli i.s M. Einzelne Hefte 1,80 M. 
tn, G , Kartograph. Der Pantograph 1603-1903 
(-'■Storchschnabel zur modernen Zeichenmaschine. Sonder- 
druck aus der deutschen Mechaniker- Zeitung. Berlin 1903 
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Rehbein, Ernst, Ing. Grundgesetze der Mechanik und 
ihre Anwendung in der Maschinen • Technik. Leipzig 1903 
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St »he I in . Arch. in Stuttgart und K ieaer A Deeg, Arch. in 
Mönchen. Ravensburg 1903 Llrg 11 u. 13 (Schlufll. Otto 
Maier. Pr. der l.lrg. 3 M. 
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geeignet mit Beispielen und zahlreichen Zeichnungen im Text 
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Geld". Frankfurt a. M. Selbstverlag Pr. 1,50 geb. 3 M. 



Brief- und Fragekasten. 

Hrn.Elsenb.-Betr.-Ing. J. A4. In Mainz. Der Fragesteller sieht 
dir Ursache der Schwämmet krankung darin, d.iU der tci Ilgen Balken- 
lage vom Dache her, dessen Emdcckung sich verzögert halle, und 
von den offenen Kenstern her Fruchtigkeil zugeführt worden ist- 
Ob dies aber die Ursache bezw. die alleinige Ursache gewesen ist, 
bleibt noch zweifelhaft. Wenn beispielsweise auch dir 111 den Mauern 
steckenden Knden der Balken erkrankt sind, so ist jene Äußere 
Annatsung nicht als Hauptuisachc anzusehen, vielmehr muti dann 
angenommen weiden, dal) ungeeignetes Balkenholz zur Veiwtorlurig 
gekommen ist, also entsveder Holz, welches noch nicht genügend 
ausgetrocknet war oder vielleicht gar Sommerholz bezw \V rnd- 
biuchholz. Derartige» ungeeignete* I lolz rouB mit besonderer Vor- 
sicht verwendet werden, sowohl hinsichtlich der trockenen Um- 
maucrung der Balkenkopfe als auch der langsamen Ausfohrung 
des ganzen Haue*. Gut durchgetrocknetes Balkenholz nimmt Schlag- 
regen usw. nicht erheblich an uud trocknet bei gutem Wetter bald 
wierler aus. Der Schaden kaun aber auch durch die Art der Aus- 
füllung der Zwiscbcniaume der Balken, also der Zwischendecken 
entstanden »ein, oder auch durch unverständige künstliche Aus- 
trocknuug des Neubaues, also Heizung o^inc zureichende Lüftung. 
Bei solchen Kragen kommen vielerlei Ncbrnumstandc inbetrnclit 
Der Baulcitcnde wird nur dann haftbar gemacht werden können, 
wenn ihm ein vertretbaie« Verschulden hinsichtlich der Art der 
Bauleitung nachzuweisen ist, wobei auch noch inbetrnclit zu ziehen 
ist, ob er auch die Spezialluiuleitung übernommen hat, oder ob 
hierfür eine andere Kluft angenommen war. Um dica beurteilen 
zu können, ist Einsicht der Bauverträge und genauere Kenntnis der 
Sachlage notwendig. — E. Dietrich. 

Hrn. Arch. H. M. in Wilmersdorf. Gegen die Hellborig- 
keit der massiven Decken selbst sind die wirksamsten Mittel r ge- 
nügende Uebctschattung Ober der Decke und Herstellung einer 
leichten L'merdecke mit dazwischen hegender Luftschicht, Cm den 
duich die Winde fortgepflanzten Schall abzufangen, hat man Ver- 
suche gemacht mit Autlegung der Deckenträger auf Filz oder Kork- 
Steine- Besseren Erfolg verspricht rlie llciatellung des ganzen 
lteckenauflsgcrs in letzterem Material. — 

Anfragen an den Leserkreis. 
Welche Mnschinenfabiik feitigl Formen für Kanalisation«- 
Fassrinstücke tu Zcmentrohreii nach den bestellenden Normalien ? — 

F. B in Insterburg. 

Inhalt: l'r Krie.isrch Wilhelm KO».l.g ■ iSrUn»j_ Mittrilnrv 

^•cn nu» V, ri'int .1 - [>er W<-uIh*» ri U r.ru KrLan^'unc vun KnlwCilten für 
den Seuban nur« Swrltlisir--» im Anuhlnll so rtis Kalllau« in Bremen. 
V. inii^ Iitrs V-., ■»l.r«.nt.,m ; .,.. — Hilrl.fr. 
V.,li,i-.<1 i|. i:|>. lin Ar, in:, kt.-n- und Ingrni. ur-Wn-ine. 



Verlag de« Deutschen Bauzeitunr. C, m. b H„ 
• Albert llolmaun. HtrliD. Druck 




von Wüh. Greve, 



Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

Der unterzeichnete Vorstand bringt hierdurch zur Kenntnis, «JaLl das Königlich Sächsische Finanz- 
minislcrium beschlossen hat, die vntn Verbände aufgestellten und in der Dresdcnci - Abgeordneten -Versamm- 
lung iqoi angenomtneii.-ti „N.rrmalien für llausetnw.issi-rungslcitiingi ii" im Betciihc der Eisenbahn-, 
Hochbau- und StraWen- uml Wasser-Hauvtrwaltun« einzuführen. 



Frankfurt a M. -Berlin, den 5. Mai/ 1904 

Der Verbands-Vorstand: NYhcr, \'orsit/eiuler 



I is- 1er.. ('..M-häftsfülircr. 



No. 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N°- 3L BERLIN, DEN 12. MÄRZ 1904 

Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. 

Von Middeldorf, Königl. Wasserbauinspektor. (SdiluB.) 




ei der Festlegung der neuen Sohle 
kam es zunächst darauf an, zu wissen, 
in welcher Weise dir Bodensenkungen 
in den nächsten Jahren eintreten wer- 
den. Die von dem kgl. Ob.-Üergamt 
gemachten Angaben zeigen, daß die 
Senkungen im ganzen Gebiet ziemlich 
unregelmäßig eintreten. Es geht je- 
doch gleichzeitig daraus hervor, daß sie auf der unteren 
Strecke in weit größerem Maße auftreten werden, als 
in dem oberen Gebiet, wodurch die Möglichkeit der 
Vorfhitbeschaffung auch bei weiteren Senkungen ge- 
geben ist. Ks ist darauf Kucksicht genommen, daß 
an den Stellen, wo besonders starke Senkungen ein- 
treten werden, die Emschersohle nicht unnötig tief 
gelegt wird, da diese dort von selbst heruntergeht. 
Hei der festgesetzten Höhenlage der Sohle läßt sich 
die Vorflut aufrecht erhalten, selbst wenn die Senkungen 
in dem vom Ob -Bergami angegebenen Maße eintreten. 
Man kann jedoch annehmen, daß die Senkungen, welche 
in einigen Gebieten eine Tiefe von 9 m erreichen 
sollen, doch in etwas geringerem Maße vor sich geben 
werden. Nach den Höhenplänen des Brt Michaelis 
v - J- '883i in die auch die jetzige Lage der Emscher- 
sohle eingetragen ist, ergibt sich, daß die Senkungen 
in den letzten 20 Jahren nur wenig über 2 m betragen 
haben. Im allgemeinen sind die Maße auf der unteren 
Strecke etwas geringer, als auf der oberen, doch 
kommt dies daher, daß der Bergbau auf der unteren 
Strecke später begonnen hat, als Im Oberlauf. Auch 
aus den Querprofilen, die Michaelis s. Zt. aufgenommen 
hat, und aus den jetzigen Aufnahmen ergibt sich nur 
ein Höhenunterschied von höchstens 2 m . Man kann 
daher als sicher annehmen, daß die Möglichkeit zur 
Aufrechterhaltung der Vorflut im Emschergebiet für 
längere Zeit gegeben ist. 

Der neue Emscherlauf ist im allgemeinen an der 
Stelle belassen, wo er bisher lag; durch die vorge- 
sehene Begradigung des Flußlaufes ist eine Verkürzung 
um 26 km (72 statt o8 l ' m ) auf der Strecke von Hörde 
bis zum Rhein herbeigeführt. Auf der Strecke von 
Hörde bis zum Landwehrbach wird die neue Länge 
nur 80% der bisherigen betragen. Auf der mittleren 
Strecke vom Landwehrbach bis Karnap wird die neue 
Linie um 25 % kürzer. Die weitere Strecke von Horst 



bis Oberhausen ist bereits begradigt und weist keine 
besonderen Krümmungen mehr auf. Dagegen bringt 
die Verlegung der Strecke von Oberhausen bis zum 
Rhein eine Verkürzung um tj 0 ,o hervor. In der neuen 
Linienführung sind zwei bedeutende Verlegungen vor- 
genommen; die eine zweigt bei der Kreuzung der Bahn 
Winterswyk nach links ab und verfolgt nach kurzem 
Durchstich den Lauf der sogenannten kleinen Knischer 
bis zur Chausscebrückc Essen-Horst. Durch diese 
Begradigung fallen die vielen Wasserläufe in Horst, 
einem berüchtigten Typhusherde fort Sie sollen alle 
mit Aushubmassen ausgefüllt und statt der jetzt be- 
stehenden sechs parallel laufenden Bäche und Fluß- 
arme die Wasser in einem einzigen Arme durch das Ge- 
biet geführt werden. Die zweite bedeutende Verlegung 
ist diejenige von Osterfeld in nördlicher Richtung nach 
Walsum unter völliger Aufgabe der bisherigen Strecke 
Neumühl — Beeck - Alsum. Der alte Lauf ist von der 
Gutehoffnungshütte abwärts sehr gewunden und unter- 
liegt starken Senkungen durch den Bergbau der Zechen 
Neumühl und Deutscher Kaiser. Diese sollen in den 
nächsten 15 Jahren 4^5 m betragen. Da dasGclände jetzt 
schon in HöhedesRheinmittclwassers liegt, so würde eine 
Eindeichung der ganzen Strecke bis Neumühl er- 
forderlich werden. Vorläufig würden diese Deiche, 
welche eine Höhe von 3 ■ erfordern, wohl noch ge- 
nügend stark herzustellen sein, nicht aber nach Ein- 
tritt der Bodensenkungen bis 5 m Das ganze Gelände 
kommt dann unter Mittelwasser des Rheines zu liegen 
und würde cinzupoldcrn sein Da der l'ntergrund 
aus grobem Kies besteht, so würde bei dem hohen 
Wasserdruck ein Durchströmen des Wassers nach 
dem niedrig gelegenen Gelände hin eintreten und 
selbst eine mit grossen Kosten einzubauende Dichtungs- 
schicht würde diese Gefahr von dem Gebiet kaum 
fern halten können. Die ganze Strecke von Ober- 
hausen bis zum Rhein würde bei Hochwasser einen 
Schlammfang für die mitgeführten Sinkstoffe bilden 
und nach Ablauf des Wassers die schlimmsten ge- 
sundheitlichen Gefahren für die Anwohner herbeiführen. 
Es soll daher der tief gelegene alte Lauf aufgegeben 
und der Höhenrücken über Neumühl und Altcnradc 
nach Walsum tür die Abführung des Einscherwassers 
in den Rhein benutzt werden. Das Gelände liegt 
dort durchweg um 8 m höher und würde für die 

«»5 



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nächste Zeit keine Kindeichung erfordern. Selbst 
aber, wenn das Gelände um 5 m herunterginge, würden 
die dann herzustellenden Deiche eine Höhe von nur 
2 — 3 m erhalten. Die Sohle wird so lief eingeschnitten, 
daß das höchste Hochwasser bordvoll abgeführt wird 
und die höchsten Hochwässer des Rheines einen Rück- 
stau in der Emscher nicht hervorrufen können. Dei 
alte Arm soll als Vorfluter für das angrenzende Ge- 
lände von Oberhausen abwärts ausgebaut werden, 
um die Metcorwässer und die Wässer der angrenzenden 
Fabriken aufnehmen zu können. Es genügt hierfür 
ein Graben von 2','« bis 3'/» m Sohlenbreite, der selbst- 
verständlich in begradigtem Laufe durchgeführt wird. 
Um die Hochwasser von dem unteren Gebiete fern 
zu halten, soll an der Mündung ein Sperrtor herge- 
stellt und auf dem rechten Ufer der Emscher ein 
hochwasserfreier Deich von dem Tor bis zum An- 
schluß an den geplanten Rheindeich bei Laar ausge- 
führt werden. Bei steigendem Rheinwasscr wird das 
Tor geschlossen und die in der alten Emscher sich 
ansammelnden Wassermengen werden durch ein F'ump- 
werk leicht in den Rhein gebracht. 

Für die Bestimmung des Querschnittes (vgl. hierzu 
die Abbildungen 3 und 4), kamen nur 2 Wasserstände 
in Betracht und zwar der für das Sommer wasser und 
der für das höchste Hochwasser. Alle anderen Wasser- 
stände spielen hier eine nur untergeordnete Rolle. Die 
Werte für die höchsten Hochwässer sind so groß ge- 
nommen, daß ein Ausufern des Hochwassers an keiner 
Stelle eintreten kann. Nach den bisherigen Unter- 
suchungen des Brts Michaelis ist dcrhöchstcWert der 
Wasserabfohrung zu i58Lit./Sck.i'i k *" aufgrund 1 5 jalit i- 
ger Beobachtungen festgestellt,nach den Aufzeichnungen 
des Meliorationsbauamtes in Münster zu 190 Lit /Sekj'i km 
ermittelt worden. Es sind nun für die untere Strecke 
225 Lit^Sek./'i»" 1 als größter Abflußwert zugrunde gelegt 
und dieser ist dann nach oben hin bis zum Quellgcbiet 
auf 700 Lit./Sck./'* 1 "" gesttigert worden. 

Das mittlere Sommerhochwasser ist auf Grund 
8 jähriger Beobachtungen zu 35 LiuSck ^ km ermittelt 
worden. Dem Quei schnitt sind 4oI.it-,'Sck.'i k « zugrunde 
gelegt, da der Abfluß wegen der Vermehrung des 
Schmutzwassers und der stärker werdenden Bebauung 
jedenfalls grösser wird. Die Niedrig- und Mittclwasscr- 
mengen sollen möglichst geschlossen und mit guter 
Geschwindigkeit abgeführt werden, damit den verun- 
reinigten Wässern keine Gelegenheit geboten wird, 
in Käulnis überzugehen und Schlamm abzulagern. Das 
Profil soll muldenförmig gestaltet und die Böschungen 
sollen mit Steinpackimg, SchotterodcrZemcntplatten be- 
festigt werden. Bei einer Steigung 1 : 2 ist 25"" statke 
Beschotterung vorgesehen, bei 1 : 1,5 ein 25"" starkes 
Steinpflaster auf 10 cm Kiesschicht bezw. eine Ab- 
deckung mit 8 ,m starken Zeinentplattcn, die sieh 
gegen einen Schotterfuß stützen. Eine Abpflaste- 
rung der Sohle ist mit Rücksicht auf die später 
notwendig werdende Vertiefung nicht zweckmäßig 
Das Profil ist auch aus dem Grunde wie beschrieben 
gewählt, um eine spätere Vertiefung des Bettes um 
je 2 m durch Beseiügung des links- oder rechtsseitigen 
Banketts ohne weiteren Grunderwerb zu ermöglichen. 
Bei der Wahl des Querschnittes ist gleichzeitig da- 
rauf Rücksicht genommen, daß die Geschwindigkeiten 
trotz des Wechsels der Wassermengen möglichst gleich 
blcit>cn. So schwankt die Geschwindigkeit für das 
Sommer-Hochwasser nur zwischen den Werten 0,95 
und 1,2 m Sek., die Geschwindigkeit für das höchste 
Hochwasser für den mittleren Teil zwischen 1,74 und 
2,37, für die Seitenteile zwischen 1 und i.so" 1 , Sek 

In Abbildg. 4 sind in übersichtlicher Weise die 
Niederschlagsmengen, Abflußwerte und Wassermen- 
gen ; die QuerschnittsflAchen, Wassertiefen, Gefälle und 
Geschwindigkeiten; die Abmessungen des Alnvasscr- 
kanales zusammengestellt. 

Dir zweite Hauptaufgabe des Entwurfes besteht 
darin, Vorschläge für eine gründliche Reinigung der 
zur Emscher geführten Abwässer zu machen. Durch 
das Einströmen großer Arl>ritcrma-~scn in den Inditstric- 
l.e/iik sind nicht nur die v orhandenen Städtc_ und 

(26 



Dörfer außerordentlich angewachsen, sondern auch 
eine Menge Ortschaften neu entstanden Die größe- 
ren Städte wie Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, 
Essen haben in der Zeit von 1875 bis 1900 um das 
2 3fache an Einwohnerzahl zugenommen, während 
andeie Orte, wie Recklinghausen, Herne, Wanne, 
Eickel um das 4- 5 fache, Hamborn, Bismarck und 
Herten um das 8 iofache gestiegen sind. Das ganze 
Emschcrgcbiet hatte im Jahre 1875 45°°°° Einwohner 
und jetzt 1,34 Millionen. Daß bei einem so starken 
Anwachsen der Bevölkerung die Beseitigung der Ab- 
fallstoffe nicht immer einwandfrei erfolgt ist, kann 
nicht weiter wunder nehmen. Die Abfuhr geschieht 
meistens durch Tonnenwagen auf den Acker, während 
Schutt und Müll auf besondere Lagerplätze gebracht 
werden und dort wegen des schlechten Geruches und 
der Staubentwicklung zu berechtigten Klagen der An- 
wohner Anlaß geben. Nur die Städte Dortmund und 
Essen führen nach dem Schwemmsystem die Fäkalien 
mit ab und klären sie auf den Rieselfeldern im Lippe- 
gebict oder wie Essen nach dem Rothe Röckner'- 
sehen Verfahren in 5 Kläi türmen. Die übrigen Ge- 
meinden haben meistens keine geschlossene Kanali- 
sationen, doch sind diese im Bau begriffen oder geplant. 
Soweit eine Klärung vorgesehen, erfolgt sie in Ab- 
satzbecken. 

Es ist nun für das ganze Gebiet die Lage der 
Kläranlagen festgesetzt, vergl. den Lageplan Abbildg. 5. 
Am zweckmäßigsten ist es, die Klärung dort vorzu- 
nehmen, wo eine große Verunreinigung des Baches 
stattfindet, die Wässer also nahe am Entstchungsorte 
der Verschmutzung zu reinigen. Wenn es gelingt, 
alle Schmutz wässcr so lange in vollständig geschlosse- 
nen Kanälen zu führen, bis sie gereinigt aus der Klär- 
anlage heraustreten und nun gesundheitlich und ästhe- 
tisch einwandfrei die stark bebauten Gebiete als Bäche 
durchfließen, dann ist der Idealzustand erreicht. Be- 
ständen im ganzen Gebiete geschlossene Ortschaften 
und allein liegende größere gewerbliche Anlagen und 
Zechen, so würde eine derartige Lösung das einfachste 
und zweckmäßigste sein Die sämtlichen Betriebe 
müßten eine einwandfreie Klärvorrichtung anlegen, 
die Städte müßten sämtlich kanalisieit werden und 
am Endpunkte ihres Hauptsammlers eine Kläranlage 
vorsehen. Es gibt besonders auf dem rechten Ufer 
der Emscher Gegenden, in denen diese Art der Klärung 
eingeführt werden kann, denn die Städte und Ort- 
schaften von einiger Bedeutung besitzen entweder 
Kanalisationen oder haben eine solche in Aussicht 
genommen. Größere gewerbliche Anlagen finden sich 
nur in dem unteren rechtsseitigen Gebiet von Sterk- 
rade, Hamborn und Beeck. Sie liegen alle dicht an 
der Emscher, sodaß ihre Abwässer nicht erst durch 
einen Nebenbach einen weiten Weg zum Hauptvor- 
fluter zurückzulegen brauchen. In diesen rechtsseiti- 
gen Gebietsteilen sollen daher auch die Kläranlagen 
nahe an die Ortschaften herangeschoben werden. Die 
linksseitigen Samrnelgr biete der Kmscher dagegen 
bieten nur in ganz geringer Anzahl die für die eben 
besprochene Art der Klärung nötigen Vorbedingungen. 
Es sind dies nur die Gebiete der Schondcllc, des 
Nette- und I.andwehrbaches und weiterhin nach der 
Mündung zu noch der unbedeutende Fausmühlenbach. 
Kläranlagen für Ortschaften kommen nur für den Land- 
wehrharli Stadt Kastrop inbciiacht, während in 
den übrigen Gebieten des Rüpingsbaches, des Roß- 
baches, Strünkederbaches, HüllcrbaelR ■>, des Schwarz- 
baches, der Berne und des Borbecke!' Mühleiibaches 
sich eine gründliche Reinigung im Entstchungsorte 
nicht wohl vorschreiben läßt Wenn man Iiier einer 
im oberen Bachgchtet liegenden Stadt eine gründliche 
Klärung der Abwässer auferlegte, so würde das ge- 
reinigte Bachwasser doch sofort wieder von neuem 
durch nicht geklärtes aus den weiträumig bebauten 
Industriebezi] ken, Arbeiterkolonien und größeren Ort- 
schaften verschmutzt werden Man ist also hier ge- 
zwungen, von dem im allgemeinen hoten Grundsatze 
abzulochen und die gründliche Klärung cr-.t dort vor- 
zunehmen, wo alles Abwas-cr des betreffenden Sammel- 

No. 21. 

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Gebietes im Bache vereinigt ist und nicht weiter ver- Vorfluter zu schicken, so soll alles Wasser möglichst 
schmutzt wird. Dies trifft in den meisten Fallen erst nahe am Orte der Verschmutzung vorgeklärt werden, 
an der Mündung des Baches in die Lmscher zu. Die Diese Vorklärung soll so weitgehend sein, daß sich 
hier zu erbauenden Abwasser - Reinigungsanstalten die gröberen Sink- und Schwebestoffe ablagern; bei 
müssen einen gro- 
ßen Umfang erhal- 
ten; sie weisen den 
sonst zu errichten- 
den vielen kleinen 
Anlagen gegenüber 
ganz bedeutend« 
Vorteile auf: Der 
Betrieb ist leicht zu 
übersehen und zu 
überwachen; der 
( irad «1er Reinijmng 
wird bei der großen 

Anlage größer sein AbbiMg 3 . guer>e1>nilt der regulierten Kmscher. 

1 i f ■ i i t i » t r**'* *■< 





und die Anlage imganzen billiger werden, als die vielen einer Veilangsamung der Wasscrgc^chwiiidigkcit aul 

kleinen, soijaü das wirtschaftliche Ergebnis ein viel a - 3 rm dürfte dies zu erreichen m in Su!< hr \'<«r- 

günstigeres sein wird. Da es nicht angängig ist, die kläranlagen sollen lür alle Städte, alle enger bebauten 

Abwässer der StAdte und Ottschaften ungeklärt in den Gemeinden, Zechen und größeren geweiblichen An- 

1a März 1904. 137 



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lagen errichtet werden; ihre Zahl wird man bei zuneh- 
mender Bebauung entsprechend vermehren müssen. 
Die Ausbildung dieser Kläranlagen soll einfach ge- 
halten werden, damit den einzelnen Gemeinden nicht zu 
große Kosten erwachsen. Es würde überdies auch 
kaum möglich sein, in der Nahe größerer Städte das 
Gelände für Kläranlagen zu beschaffen. Jedenfalls 
würde es so teuer sein, daß ganz bedeutende Summen 
aufgewendet werden müßten, abgesehen von den zu 
erwartenden Klagen der Anwohner. 

Die Klarung ist nun so gedacht, daß das Wasser 
zunächst Klarbecken von 40 m 
Lange und 5'" Breite mit einer 
Geschwindigkeit von 4 bis 6 
durchfließt und dann weiter 
mittels Verteilungsrinncn und 
Spreng -Vorrichtungen auf die 



haltene Schlamm soll von den Klarbecken zu den 
Schlammlagerbecken gepumpt werden und dort einige 
Tage stehen bleiben, um das sich ansammelnde Wasser 
von seiner Oberfläche ablaufen zu lassen. Der noch 
etwa 60 "„ Wasser enthaltende Schlamm wird dann 
mit Kohle und Müll vermischt und entweder in Gene- 
ratoren gebracht oder unter Kesseln verfeuert 

Es soll nun nicht gesagt sein, daß die Kläranlagen 
im Emst hergebiet alle nach demselben Muster ausge- 
bildet werden sollen. Die ^Zusammensetzung der Ah- 
"wässcr und ihre Menge erfordern je nach den Um- 




Oxydation -betten gebracht wird; 
deren (Iröße wird bei ungefähr 
i,2 m Höhe so bemessen, daß 
3 Ab Abwasser auf 1 'i m der 
Oxydatiousbetten gebracht wer- 
den. Diese Betten werden bei 
Regenwetter mit der 1,5 fachen Menge vorübergehend 
beschickt; steigt die zufließende Wassermcnjje Ober das 
Vierfache desTrockenwetter-Zuflusses, so fließtdasMehr 
an Wasser in die Hochwasserbecken, die durch Erd- 
aushub hergestellt sind. Sie sollen eine solche Große 
erhalten, daß beim Weiterarbeiten der Absatzbecken 
das überschießende Hochwasser von 1 2 Stunden 
angesammelt werden kann. Auf diese Weise werden 
die ersten besonders stark mit Sinkstoffen beladcncn 
Wässer abgefangen. Der aus den Absatzbecken er- 

133 



ständen eine andere Anlage. Man wird die kleineren, 
rechts von der Emschcr belegenen Kläreinrichtungen 
in etwas anderer Weise herstellen und dort auf ein 
möglichst selbständiges Arbeiten sehen. Die Ab- 
wässerklärung machte in den letzten Jahren so große 
Fortschritte, daß es übereilt wäre, wollte man jetzt 
schon . sich endgültig für alle Anlagen sowohl mit 
ihrem flau als auch mit ihrer Einrichtung festlegen. 
Dies ist auch jetzt noch nicht möglich, da die meisten 
Gemeinden und selbst größere Städte noch nicht in 

No, ai. 

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AS NEUE SCHWEIZERISCHE BUNDES- 
HAUS IN BERN * ARCHITEKT: PROF 
HANS AUER IN BERN * * * * * 
AUFGANG DER HAUPTTREPPE IN DER 
KUPPEL-HALLE UND ANSICHT VON 
SÜDWESTEN ******** 
■ DEUTSCHE BAUZTG. XXXVIII. JAHRG 1904 N° 21 = 




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Kommistiont-Sitiungs««»!. 




der Lage sind, den Endpunkt ihres Hauptsam nilers 
zu bestimmen. Man wird daher diese Anlagen je nach 
der YVeitcrführung der Kanalisation anlegen müssen. 
Der an sich günstige Rieselbctrieb kommt für das 
Emschcrgebict nicht infragc, da der Grund und Boden 
viel zu teuer ist und Flächen außerhalb des Sammel- 
gebictes nur schwer zu haben sind. In dem durch 
Bergbau unterwühlten Emschcrgebiet würde außerdem 
die Rohrleitung bei den fortwährenden Senkungen 
der Erdoberfläche sehr gefährdet sein, sodaß man von 
derartigen Schmutzrohrleitungen 
absehen muß, 

Die Ge-samtkosten für die 
Regulierung der Einscher von 
Walsum bis 1 lörde betragen 27 
Mill. M ; hierzu kommen noch 
die Aufwendungen für die alte 



Einschergebietes getragen werden, da sie alle an der 
Aufrechlcrhaltung der Vorflut in der Emscher großes 
Interesse haben. Bei den Nebenbäehen sollen die 
Kosten von den Bewohnern des betreffenden Sammel- 
gebietes aufgebracht werden, da nur sie an der Erzeu- 
gung und Abführung der Schmutzwässer beteiligt sind. 

Wird der Gesetzentwurf von dem jetzt tagenden 
Landtage der preußischen Monarchie angenommen, 
so sollen nach erfolgter Allerhöchster Genehmigung 
die Vorarbeiten derart gefordert werden, daß der Bau 




Emseherstrccke v>>n Oberhänden 
bis Alsum, sodaü imganzen :>8 
Mill. M. erforderlich werden. Für 
die Regelung der Nebenbäche 
und die Herstellung der Kläi an- 
lagen sind 5.5 + 4,4 = 9,9 Mill. 
M. vorgesehen. Die Verteilung 
der Kosten ist so gedacht, daß die Aufwendungen im Frühjahr 1905 begonnen und voraussichtlich in 
für die Einscher von sämtlichen Interessenten des 5 Jahren zu Ende geführt werden kann. — 

Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. 

Architekt: Prof. Hans Auer in Bern, if^im-vhih ou« s». ■ nimu rinr rK.|>|..)-hiUii^M»^i-. .1.1 ,v>M.iiit.rni s -..h „ lJK y 

j Or die Anlage des Gebäudes war der von durch den tiefen Absturz des Geländes nach dem Aare- 

allen Seiten eng begrenzte Bauplatz von tal. Die nordliche schräge Baulinie, bestimmt durch 

maßgebendem Einfluß. Seitlich wird er bc- die beiden ungleich weit vorspringenden Eckflflgel der 

grenzt durch die beiden bestehenden Vor- Verwaltungsgebäude, zwang zur Anlage eines vor- 

waltungsgebäude, nach Norden durch den springenden Mittelbaues mit zwei seitlich zurücktreten- 

Verlauf der einzuhaltenden Baulinie, und nach Süden den Flügeln, um so das Bundeshaus möglichst unge- 




»30 



No. at 



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zwungen /wischen die beiden Verwaltungsgebäude 
einzureihen. Ocstlich und wesilich waren, begrenzt 
durch die beiderseitigen doppelten Verbindungsgalericn, 
zwischen Bundeshaus und Verwaltungsgebäude Höfe 
anzuordnen, breit genug zur ausreichenden Beleuch- 
tung der anstoßenden Räume, jedoch aber auch wieder- 
um nicht zu breit, um den Zusammenhang der drei 
Gebäude zu lösen und nutzbaren Flächenraum unbe- 
nutzt liegen zu lassen. Ut l>er dem südlichen Absturz 
war eine Verbindung zwischen den den beiden Ver- 
waltungsgebäuden vorgelagerten Bundesterrassen zu 
schaffen und es gab der große Höhenunterschied des 
Geländes an dieser Stelle Anlaß zur Herstellung einer 
hohen Stützmauer als Sockel der drei zu einer ein- 
heitlichen Anlage verbundenen Gebäude, hinter welcher 
in dem Untergeschoß des Mittelbaues die Heiz- und 
die Ventilationsanlage eingerichtet werden konnten Da 
das Gebäude zur Befriedigung des RaumbedQrfnisses 
weit Ober die südliche Flucht der beiden Verwaltungs- 
Gcbäude vorgeschoben werden mußte, so wurde eine 
Vermittlung erstrebt und erreicht durch Ausbauchung 
der südlichen Fassade, die in dieser Form zugleich die 
innere Raumgestaltung wiedergibt. Durch den Höhen- 
unterschied des vor dem Gebäude nördlich sich hin- 
ziehenden Baren- oder Bundesplatzcs und der südlichen 
Bundcstcrrassc von 3,5 » konnte in der Südfront ein 
Untergeschoß eingeschoben werden, das als offener, 
unter der geschwungenen Südfassade sich hinziehen- 
der Laubengang ausgebildet wurde. Dadurch, daß 
auf diese Weise ein Teil der Terrasse unter das Ge- 
bäude verlegt wurde, wurde es möglich, den Vor- 
sprung der Terrasse vor dem Gebäude auf rd. 3 zu 
beschränken. 

In diesen engen Grenzen nun ist das Gebäude ge- 
plant, in seinen Grundrissen ein Meisterwerk straffer 
Konzentration, deren Anlage noch erschwert wurde 
durch eine ungewöhnliche Bedingung: durch die For- 
derung eines durchgehenden Verbindungsganges, der 
durch das Miitelgebäude hindurch die beiden Ver- 
waltungsgebäude verbinden sollte. Die Schwierigkeit, 
welche diese Bedingung mit sich brachte, bestand da- 
rin, auf jeder der beiden Hälften der durch den Ver- 
bindungsgang hervorgerufenen Teilung genügend 
Räume für die beiden Körperschaften, den Nationalrat 
einerseits, den Ständerat anderseits, zu schaffen. Es 
lag in der Natur der Anlage, den Ständerat, das 
große Treppenhaus und alle Nebentreppen auf der 
nördlichen, größeren Hälfte, den Nationalrat dagegen 
auf der südlichen, kleineren Hälfte unterzubringen; 
dies wurde erreicht durch möglichst weites Vorschieben 
der beiden Ecktürme nach Süden, sodaß Raum für 
Präsiilentenzimmcr, Garderoben, Vorsalc.Toilctten usw. 
innerhalb des durch den Verbindungsgang abgeschlosse- 
nen Teiles geschaffen werden konnte und so die Mög- 
lichkeit gegeben war, die Räume der beiden Körper- 
schaften unter sich in angemessener und geschlosse- 
ner Weise zu vereinigen. 

Den Mittelpunkt der gesamten Anlage bildet die 
Kuppelhalle, nach Anlage und Ausstattung die „cour 
d honneur" des Gebäudes. Die stattliche Haupttreppe, 



welche fast die gesamte Grundfläche der Mitlelhalle 
einnimmt, aber nur vom Erd- zum ersten Obergeschoß 
führt, ist lediglich für die Mitglieder der beiden Räte 
bestimmt. In der Achse des ersten Treppenarmes er- 
hebt sich vor einer Bogenarehitektur die Rüiligruppe. 
Im Untergeschoß liegen auf der südlichen Seite, 
noch erhöht über dem Gelände der Bundcstcrrassc, 
vier Zimmer für die Inspektoren und Maschinisten der 
Hcizungs-, elektrischen Bclcuchtungs- und Ventilations- 
Anlage, ferner große, lichte Kellerräume und in noch 
weiterer Tiefe, hinter der großen Stützmauer, die YYn- 
tilationsräumc und das Kesselhaus mit dem Kohlen- 
keller. Ins hohcErdgcschoß (S 128) wurden sämtliche 
Konimissionszimmer gelegt, 7 Säle von 45 lao'i"' 
Fläche, ferner ein großer Arbeitssaal mit! landbibliothtk, 
Zimmer für Stenographen, Uebersetzer, Rcpoiter und 
für den Hausdienst. Alle Säle sind von den nötigen 
Kleiderräumen und Aborten begleitet. Im ersten Ober- 
oder Hauptgeschoß liegen auf der südlichen Hälfte 
der 430 <i m messende Sitzungssaal des Nationalrates, 
2 Vorsäle von je 185 Präsidenten/immer, Zimmer 
für den Bundesrat, die Wandelhalle, 2 Kleiderräume, 
Toiletten; alle Räume unter sich in unmittelbarer Ver- 
bindung, ohne vermittelnde Korridore (S. 101). Die nörd- 
liche I lälfte dieses Geschosses enthält den 205 t m messen- 
den Sitzungssaal des Ständerates, 2 Vorsäle von je 
150 'i m , Präsidentenzimmer, Kommissionszimmer, Klei- 
derräume und Toiletten. Rechts und links der zen- 
tralen Kuppelhalle haben Lesezimmer und ein Raum 
für Drucksachen ihre Unterkunft gefunden. In dem 
mittleren 'Teil der Anlage liegen auch sämtliche 
Treppen : die große I laupltreppc, die beiden Wendel- 
treppen zum zweiten Obergeschoß, sowie zwei Neben- 
treppen, die zu den Tribünen führen und zugleich 
auch vom Keller bis zum Dachboden aufsteigen. Im 
zweiten Obergeschoß liegen, soweit sein Raum 
nicht durch die Kuppelhalle und die durchgehenden 
Sitzungssäle in Anspruch genommen wird, die Tri- 
bünen des Nationalratssaales, den Saal mit 181 Sitz- 
plätzen an 3 Seiten umziehend, die Tribünen des 
Ständeratssaales, an den beiden Ktirzseiten desselben 
mit 66 Sitzplätzen angelegt, das eidgenössische sta- 
tistische Amt mit einer Anzahl größerer und kleinerer 
Räume, sowie 3 verschieden große Säle für parla- 
mentarische oder Verwaltungszwecke. Auch das Dach - 
geschoß, soweit sein Raum nicht durch Kuppelhalle 
und durchgehende Sitzungssäle beansprucht wird, ist 
noch vorwiegend für das statistische Amt eingerichtet. 
Für die Volkszählungen dient ein großer Saal mit 2 
Vorzimmern, von a^oi* 1 Fläche; 6 Räume mit 6oo*i ,n 
Fläche sind für Bibliothek und Archive bestimmt. 
6 Magazinräume von zus. 450 t» Fläche harren noch 
ihrer Bestimmung. 

Die überbaute Fläche des ganzen Gebäudes be- 
trägt, im Mauergrund des hohen Erdgeschosses ge- 
messen, 3742 v a . Davon kommen auf reine Nut/räume 
rSäle, Zimmer. Kleiderräume, Abortc) 1887-1«, auf Neben- 
treppen und Gänge 504 1», auf die Mittelhalle mit Haupt- 
treppe 306 m">, auf Mauern, Kanäle, Pfeiler 1045 'i m . — 



Zum Wettbewerb , 

I. 

LiYäJn dem -Schlußsätze des Aufsatzes in .N'o. 15 d. |. betr 
KlS den Wettbewerb für den Kntwurf zu einem Waiseti- 
hause ffir Dessau heißt es: .Es darf nach diesem 
nicht erfreulichen Ergebnis nicht verwundern, wenn sich 
das Preisgericht nicht vcranlaiit gesehen hat, dem Magi- 
strat von Dessau noch den Ankauf von 4 weiteren Ent- 
würfen vorzuschlagen". 

Ich, der Unterzeichnete, habe mich an diesem Wett- 
bewerbe nicht beteiligt, bin aber immer und namentlich 
auch während der Zeit, als ich Vorstand des Dresdener 
Architekten -Vereins war, lebhaft fOr Verbesserungen im 
Wettbcwerbswesen und vor allen Dingen auch für die Fest- 
setzung einer genau einzuhaltenden Richtschnur für 
die Preisrichter eingetreten. Wenn nun im vorliegen- 
den Fülle auf Antrag des Preisgerichtes der Ankauf von 4 
weiteren Entwürfen in Aussicht stand, so war dies in. K. 
mit ein Ansporn für Viele, sich an dem Wettbewerb 

12. März 1904. 



Waisenhaus Dessau. 

überhaupt zu beteiligen, Es waren daher auch 195 l {c " 
arbeitungen der Aufgabe eingegangen und gestatte ich 
mir denn doch Bedenken darüber auszusprechen, daü 
unter dieser großen Zahl von Arbriten außer den 3 mit Prei- 
sen gekrönten nicht noch 4 Arbeiten gewesen sein killten, 
die eines Ankaufes für würdig zu erachten waten. I > 
ist in der Regel immer als ziemlich zutreffend hinzustellen, 
daß unter 100 eingehenden Arbeiten mindestens 10 be- 
achtenswerte Leistungen sind, im vorliegenden Falle 
mOUtcn es also 20 gute Arbeiten scwr-fll sein; 3 haben 
Preise erhallen, es waren also sicher 17 Arbeiten von 
Seiten der Fächle ute des Preisgerichtes als immerhin gute 
und nicht so ohne Weiteres nur für den Papier- 
korb geeignete A rbr iten zu bez ciehne 11 uew esc 11, 
Und von diesen 17 Arbeiten fanden die Fachleute nicht 
einmal noch 4 heraus, welche sie der ausschreibenden 
Stelle als zum Ankauf geeignet empfehlen konnten'.'' Ich 
meine, die llrn Fachleute mußten denn doch etwas mehr 

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den Standpunkt der Kollegen wahrnehmen, zumal im Aus- 
schreiben, wie schon gesagt, Ankaufe in Aussicht gestellt 
waren; sie mußten darauf bestehen, daß bei der immer- 
hin niedrigen Gesamtsumme für Preise ( 2000 M.) wenig- 
stens noch die für Ankäufe in Aussicht gestellten 1000 M. 
(als eine doch nur kleine Entschädigung für gehabte Mühe 
und Auslagen I zur Verteilung kamen! - • 

Dresden, im Febr. 1904. O. Haenel, Aren. 
II. 

Mit den Bemerkungen zu dem Wettbewerb Waisen-' 
haus Dessau in No. 15 d Bl. werden wohl nur wenige 
Leser, namentlich aber nur wenige Architekten, die sich 
mit Wctibcwcrbsarbeitcn befassen, einverstanden sein! Der 
Hr, Verfasser meint, das Ergebnis des Wettbewerbes sei 
kein Erfreuliches. Wir stimmen dem zu — aber aus an- 
deren Gründen. Als Motive für seine Auffassung führt der 
Verfasser folgende Punkte an: 1. die große Anzahl der 
eingelaufenen Entwürfe; 3. die große Anzahl der stümper- 
haften Bearbeitungen unter denselben ; 3. die „keineswegs 
vollkommen einwandfreien" preisgekrönten Entwürfe. 

Zu 1. Die Beschickung des Wettbewerbes mit •«Ent- 
würfen ist an und für sich eine sehr starke — als .Zeichen 
der Zeit*, also inbezugauf die Beteiligung an den Wettbewer- 
ben der letzten Jahre überhaupt aber durchaus nicht 
auffallend. Bei dem Wettbewerb Realgymnasial-Gebaudc 
Koblenz 1003 liefen nicht weniger als 286 Entwürfe ein. 
Eine Prüfung der Vermutungen des Hrn. Verfassers über 
die Ursachen der regen Beteiligung an diesem Wettbe- 
werb würde also auf eine Untersuchung derselben bei den 
Wettbewerben der letzten Jahre überhaupt hinauslaufen 
uttd kann hier übergangen werden. 

Zu 2. Daß bei diesem Wettbewerb das Verhältnis 
der unzulänglichen Entwürfe zu den brauchbaren ein 
anderes ist, als bei anderen Wettbewerben, erklart sich 
ohne weiteres durch die Einfachheit der Aufgabe. 
Der angehende Architekt versucht sich eben an ein- 
fachen Aufgaben, Daß er sich versucht, ist doch nicht 
zu tadeln. Es gibt kein besseres Mittel für den Archi- 
tekten, sich zu erziehen, als das Einschlagen dieses 
Weges. Der Mißerfolg läutert, der Erfolg feuert zu neuen 
Taten an. Daß er sich an einfachen Aufgaben versucht, 
ist für ihn sowohl als auch für die Erlasser des Wettbe- 
werbes ebenfalls in Ordnung! Sollten sich aber an diesem 
Wettbewerb Schüler von Baugcwcrkschulcn und zwar 
planmäßig unter der Schulleitung versucht haben, so wäre 
dies entschieden zu verurteilen und es hätten die Landes- 
Rcgicrungen dagegen energisch einzuschreiten. 

Z u 3. Sind bei einem Wettbewerb jemals die preis- 
gekrönten Entwürfe .vollkommen einwandfrei" gewesen? 
Ferner: konnte jemals bei einem Wettbewerb der mit 
dem I. Preise ausgezeichnete Entwurf der Ausführung 
ohne mehr oder minder große Umarbeitung bezw. 
Ergänzung zugrunde gelegt werden? Also auch hier 
durchaus tecine auffallende Erscheinung, zumal es sich ja 
nur um einen Ideen Wettbewerb handelte. 

Der Verfasser glaubt nun, die Ursachen des in seinen 
Augen gerechtfertigt erscheinenden Nichtankaufes 



von 4 weiteren Entwürfen in den erwähnten Umständen 
suchen zu müssen. Wozu dies? Das Preisgericht proto- 
kolliert doch einfach: „Von dem Ankauf weiterer Entwürfe 
glaubt das Preisgericht nach einstimmigem Beschluß ab- 
raten zu sollen, da keiner der sonstigen Entwürfe noch 
nennenswerte Anregungen für die Ausführung zu bieten 
imstande war." Hat das allgemeine Befremden über die- 
ses Urteil bei den Teilnehmern des Wettbewerbes den 
Verfasser jenes Artikels veranlaßt, das Preisgericht in 
Schutz zu nehmen? In der Tat! Befremdlieh Ist seine 
Begründung des Nichtankaufes der 4 Entwürfe! 

Sollte unter den 18 zur engeren Wahl gelangten 
Entwürfen wirklich kein einziger gewesen sein, der des 
Ankaufes für 350 M, wert war, auch nicht als relativ 
brauchbare Idee? Die Aufgabe war doch sehr einfach, 
sowohl bezüglich der Grundrißlösung, als auch nach der 
künstlerischen Seite hin Die verlangte Arbeitsleistung 
sowie die ausgesetzten Preise und die in Aussicht ge- 
stellten Ankäufe als Entschädigung waren als normal zu 
bezeichnen. War die Entwurf • Bearbeitung dem Sieger 
auch nicht verheißen, so war doch anzunehmen, daß die 
Ausführung unter Leitung des Stadtbauamtes in Verbin- 
dung mit dem I. Preisträger vor sich grhen würde. 

In Anbetracht all' dieser Umstände sowie im Hinblick 
auf die Erfahrungen bei den Wettbewerben der letzten 
Jahre ist doch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich 
mindestens 30 Architekten (einschl. der Architekten von 
Dessau und dessen nächster Umgebung) an diesem Wett- 
bewerb beteiligt haben. Wir meinen Architekten in selbst- 
ständiger Stellung mit praktischer und künstlerischer Reife, 
soweit solche hier in frage kommt Und trotzdem außer 
den prämiierten Entwürfen keine einzige nennens- 
werte anregende Idee, die des Ankaufes würdig 
war? (resetzt aber den Fall, es ist so. Hatte dann aber 
der Magistrat von Dessau nicht die Pflicht, einige Ent- 
würfe anzukaufen, weil er durch den in Aussicht gestellten 
Ankauf von 4 Entwürfen zur regen Beteiligung an dem 
Wettbewerb geradezu herausgefordert und den unermeß- 
lichen Aufwand von Arbeit und Zeit ganz bedeutend ver- 
mehrt hat? 

Als im vorigen Jahre der Magistrat von Koblenz mit 
Wettbewerbs-Enlwürfen für sein Realgymnasial-Gebäudc 
förmlich überschüttet wurde (286 Entwürfe!), wurden die 
ausgesetzten Preise auf die Anregung des Bürgermeisters 
hin um 4000 M. erhöht.*) Und zwar, wohl verstanden, 
bevor die Entwürfe beurteilt waren, also bevor man 
wußte, ob gut oder böse — ob Anfänger oder vollendete 
Meister die große Zahl hervorgerufen hatten. Also 
lediglich als Anerkennung für das Interesse, das 
die Teilnehmer des Wettbewerbes der Aufgabe 
des Magistrates entgegengebracht hatten. 

Bei diesem Wettbewerb wurde ein I. Preis Oberhaupt 
nicht erteilt - ein ausführungsfähiger Entwurf war also 
in gewissem Sinne gar nicht eingelaufen. Dies hielt 
aber weder den Magistrat noch das Preisgericht davon ab, 
die ausgeworfene Summe für die 3 Preise, die 2 Ankäufe 
und sogar die naehbcwilligtcn 4000 M. zur Verteilung zu 
bringen. — — n. 



Engerer Wettbewerb Synagoge In Posen. Einen enge- 
ren Wettbewerb für Erlangung von Plänen zur Erbauung 
eines neuen Gotteshauses schreibt die Posener Synagogen- 
Gemeinde mit Frist zum 1 Mai d J. aus. Es handelt sich 
um einen Monumentalbau, der 700 Männer- und 600 Frauen- 
Hätzc, sowie eine Wochentags - Synagoge enthalten soll. 
Sonst ist das Programm das bei derartigen Wettbewerben 
übliche Der äußerst glücklich gewählte Bauplatz ist von 
allen Seiten durch StraÜenzüge begrenzt Zum Wettbe- 
werb wurden die Hrn. C reiner & Wulf fenstein, Honiger 
Ar Sedclmcyer in Berlin, Brt. Prof. L. Lew in Karls- 
ruhe, kgl. Oberlehrer Grotte und Arch. Hoffniann in 
Posen, sowie Arch. K er wie n in Potsdam und Frieden- 
thal in Berlin eingeladen. Als Preisrichter wurden u, a. 
berufen die Hrn. Geh Re« -Räte Ende und Otzen, ferner 
der Prof der Tcehn Hochschule Karl König in Wien, 
sowie Stadthrt Grüder in Posen. — 

Wettbewerb Stadthaus Bremen. AI* Verfasser bekennen 
sich: für den Entwurf „Galopp" Hr. Prof. Hugo Behr in 
Görlitz; für „Immer fest und grad aus!" die Ilm. Paul 
Burghardt und Alfr. Mcunier in Leipzig; „2 Kabcn im 
toten Felde" llr. Keg.-Bmstr. W. Waener unter Mitarbeit 
von Arch. C Dinkler, beide in Naumburg a S.; fnr 
.Bremisch" Hr. Arth. Heinrich Milk in Schoneberg bei 
Berlin; für den Entwurf „mit dem schwarz und weiß ge- 
teilten Kreis- Hr Arch. Arthur Müller in Stuttgart. - 



133 



Brief- und Fragekasten. 

Fragcbeanlwortungen an» dem Leserkreise. 
Zu Frage 3 in No i». Petroleum habe ith bei beginnendem 
Häuslich warum mit Erfolg verwendet; «urh mit Kochaalt ver- 
mischt bat es sich gut bewahrt. Mit Karbolineuro habe auch ich 
schon »ehr schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Verwendung 
feuchten Holze» oder feuchter Ausfüllung ist wohl jede* bekannte 
Mittel nichts wert. Daher — Holl und Füllmasse trocken — da» 
ist die beste Garantie. — 

Eiuilian Herbig, Stadtbrostr. in Gabion* a. N. 

•) Anmerkung der Redaktion Pas de/ St;i<|tveewaUung In 
Koblenz, vom VetfaH-rtt £c«t,.ei.itet»- l.or» beruht U ider z. T. auf irriger An- 
nähme. In Koblenz w ,ir eine <rcsimt-l > rei..iimrpr rix» iy*i .VI fi-a!£C«rut 
und <l« 1 Ankauf v..n we.leteri Fntw ilrlm zu jr y*> M vorbehalten fvrrgl 
Mite tarrtt S. jol. Auf Vor.tellmir <N t v.mi Vrtbat.de dentsrh. Arrft . u. 
hiC.-Vi'tt im , in^i <ri7it ii \Velt*i» w. 1 A jjKfhtwws wurden dann duich die 
Sudtverwaltntu; anerkenne ««weitet Weise wertete i**> M. rar VerfOpnu; 
trittellt, muhet tle;il freien Ermessen der l'-e.-t ii htCT atierl»««en blieb, ob 

sie d.i. til die I'iiki c.-hAt»' In die«e summe tu Acklnlen verwenden 

ncti.t, IW['. Jahi , : . igoj s Sie ha»» n testete, [eUll und j Em- 

würfe i ;:<k i,iii, c . .ttul .Ii*., ittieaiuen t.itf Oooo M. zur Vcivwinlung ge- 
kommen lwi-1. Jal.i^ 1003 -v ayjt — 



Inhalt: Die Verliesserunf det Vorflut und die Keimrvinrf der Abwasser 
im Emaebetjrehiet iS.-hlnlS». I»as nein- .. !,«.-./.« i.. he »«.ndesbau* in Bens 
iKott.eUniijl Zum Wettbewerb Waisenhaus tie<«uL l'ret-Wwerburigrn. 
ltriel- und Fni^-i kanten. 

Hierzu eine I>oppel- Bildbeilage: Das neue schweizerische 
Bundeshaus in Bern. 



.'rrl.g der D 
veranlwurtl 



. r, m. b H . Berlin Kor die Redaktion 
■ Itn, Betlm |l:t..k vv:i W.lh. fireve, 



No. 31. 

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5 DEUTSCHE BAUZEITUNG § 

jgXXXVIII. JAHRG. N9. -.22. BERLIN, DEN 16. MARZ 1904 

■ - 1 




Noidfiaiade am Bundesplstj. 



Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. <s,hiun.> 




n der Gestaltung des Acußcrcn des Gebäudes 
kam in anderer Weise, wie bei seiner Grund- 
rißbildung, seine eigentümliche Lage wesent- 
lich inbetracht und zwar hauptsachlich seine 
Entwicklung nach zwei Fronten: einmal der 
Aufbau nach Norden, gegen einen mäßig großen städti- 
schen [Matz gerichtet, welcher eine Betrachtung des 
Gebäudes nur aus der Nahe zuläßt und von welchem 
aus das Gebäude nur für sich allein zur Geltung kommt, 
und der Aufbau nach Soden, gegen das offene weite 
Land, aus welcher Richtung das Bauwerk nur von 
weither betrachtet werden kann und als Mittel- und 
beherrschender Teil einer großen, langgestreckten Ge- 
häudegruppc inbetracht kommt. Diese beiden un- 
gleichen Ümständc mußten zu einer im Stil wohl ver- 
wandten, grundsätzlich aber verschiedenen Ausbildung 
der beiden Fronten führen. Die Nordfront zeigt die 
Kopfabbildung dieser Nummer; die Südfront ist auf 
der Beilage in No. 21 dargestellt. Während die nörd- 
liche Front mit ihrer Dreiteilung eine feinere Gliede- 
rung gestattete, für die eine Achsenweite von 5,5 « 
und ein reicheres Grundmotiv für die Fenstcrbildun- 
gen gewählt werden konnte, und auch eine Abstufung 
in der I lohe der 1 lauptgesimslinien zuließ, mußte da- 



gegen an der geschwungenen Südfront eine einheit- 
liche Architek'ur mit großen Achsenweiten von 8 m und 
mit einfachen, ungeteilten großen Fenstern im Hauptgc- 
schoß zur Anwendung kommen An beiden Fassaden 
sind Balkone angeordnet; sie dienen an der Nordscitc 
zum Austritt bei festlichen Anlässen des politischen 
Lebens, an der Südseite zum unbeschränkten Genuß der 
herrlichen Alpenwelt, die sich nach Süden dem Be- 
schauer darbietet. In künstlerischer Hinsicht krönen 
sie an der Nordseitc die 3 Portale und verstärken an 
der Südseite in wirkungsvoller Weise das Relief der 
Fassade. Die beiden Fcktürme und der Kuppelaufhau 
verleihen neben dem starken Unterbau dem Bundes- 
haus die Herrschaft über die gesamte Baugruppe. 
Erzielung eines einheitlichen Eindruckes aller drei 
Gebäude blieb dabei die oberste Forderung. In stilisti- 
scher Beziehung wurde ihr genügt durch die Wahl 
einer mit modernen Einflüssen versetzten und durch 
palladianische Elemente etwas ihrer starren Strenge 
beraubten Florentiner Renaissance 

Der Sockel des Gebäudes besteht aus Hartstein, 
mit welcher Bezeichnung in Bern alle Alpen- und 
Jurakalkc im Gegensatz zu den weichen Molasse-Sand- 
steinen belegt weiden. Die Steine stammen auf der 

«33 



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Nordscilc aus den Brüchen des schwarzen St. Tiiphon 
im Kanton Waadt, auf der Südseite, in den Höfen 
und an den Galerien aus dem hellen Sololhurner 
Marmor. Für das Quadermauerwerk oberhalb des 
Sockels wurde auf der Nordseite der graue Harnisch- 
huter Sandstein, in den Höfen und an den Galerien 
der gelbere Stockernstein verwendet. An der Süd- 
seite ist das untere Geschoß mit den Laubcnbögcn 
und den Mezzaninfenstern aus grauem Ostermundiger 
Sandstein erstellt, wahrend vom Balkon aufwärts bis 
unter den Architrav des Hauptgcsimses wieder der gelbe 
Stockernstein verwendet wurde. Diesen Stein zeigt 
auch die Kuppel, wahrend Türme und 
Hauptgesims grauen Stein besitzen. 

Im Inneren, welches mit all dem 
stolzen Reichtum durchgeführt ist, der 
dem Rcpräsentations - Gebäude eines 
blühenden Staatswesens zukommt, ist 
die Kuppelhalle, gleichwie sie der 
räumliche Mittelpunkt der Anlagt- ist, 
auch der künstlerische derselben. Ein 



stein aus St. Margarethen und Walzeuhausen. Aus dem 
Kolorit der bläulich-grauen Architektur der Halle treten 
die Umrahmung und das Postament der den dekorativen 
Mittelpunkt der Halle bildenden Rütligruppe durch 
hellere Farben hervor. In der architektonischen Um- 
rahmung der Gruppe, in den Bodenbelagen vor ihr, 
sowie in den die Halle umgürtenden Korridoren sind 
eine Reihe schöner einheimischer Marmorarten ver- 
wendet, die in allen Farben schillern. 

Die nächst bedeutenden Räume~sind die beiden 
Sitzungssäle und die Wandelhalle. Der Silzungssaal 
des Nationalrates weicht im Grundriß von den bis- 
her ausgeführten -Sitzungssälen in ver- 
wandten Bauwerken ab. Wahrend 
in den Parlamentsbauten von Berlin, 
Straüburg, I Iamburg usw. die Abge- 
ordneten in rechteckigen, dem Qua- 
drate sich nähernden Sälen tagen, 
sind in Paris, Rom, Brüssel, Wien und 
Budapest wenig Oberhöhte, halbkreis- 
förmige Säle, den antiken Theatern 




Bild dieses majestätischen Raumes gewähren die bei- 
stehenden Durchschnitte sowie das Schaubild nach 
der Natur auf der Doppelbeilage zu voriger Nummer. 
Die architektonische Gliederung dieses großen Rau- 
mes entspricht vollkommen seinem konstruktiven Or- 
ganismus; sie geht von den schwereren Formen der 
unteren Teile zu den leichteren der oberen über, um 
schließlich in die schön geschwungenen Gewölbe aus- 
zuklagen. In der Ausstattung braust der architek- 
tonische Formenreichtum als volles Orchester dem 
Beschauer entgegen. Dieser Eindruck wird durch die 
Wahl der Materialien noch gesteigert. Der Sockel 
der Eingangshalle besteht aus dem Hartgestein 
St. Triphon, die architektonischen Gliederungen sind 
aus grau und weiß geädertem gris de Roche, der 
bei VilUneuvc gebrochen wird; die Bodenplatten des 
Vestibüls bestehen aus Solothurner Marmor. Aus ver- 
schiedenartigen Granilcn sind die Treppen erstellt. 
Das Geländer der Haupttreppe ist aus Marmor aus 
den nicht mehr im Betrieb befindlichen Brüchen von 
Merligen am Thunersec gefertigt Der untere Teil des 
architektonischen Aufbaues der Kuppelhalle ist aus 
blauem Ostermundiger Sandstein, der obere Teil, 
einseht des dorischen Triglyphengesimses, von Sand- 
el 



nachgebildet, geschaffen worden. Der Saal des Berner 
Bundeshauses dagegen hat mit der ersteren Saalform 
drei Seiten gemein, während die vierte Saalseite ein 
Teil der halbkreisförmigen Beratung>säle ist. Die Vor- 
teile dieser hier zum ersten Male angewendeten Grund- 
form liegen gegenüber dem Rechteck in der günstige- 
ren Anschmiegung der kreisförmigen Stuhlreihen an 
die Peripherie des Saales, also in einer besseren Aus- 
nutzung des Raumes; gegenüber dem Halbkreis in 
einer größeren Annäherung der äußersten Sitze rechts 
und links, einer größeren Tiefe des -Saales auf Kosten 
der Breite, wodurch der Saal für das Präsidium über- 
sichtlicher und auch hörsamer wird; vor allem aber 
in der leichteren Angliederung dieser Grundform an 
die anstoßenden Säle, sodaß man, ohne einen Korridor 
überschreiten zu müssen, unmittelbar von den Vor- 
sälen und der Wandelhalle in den Sitzungssaal ge- 
langen kann, was auf die geschlossene Gestaltung der 
ganzen Anlage von großem Einfluß ist. Die Tribünen 
für das Publikum ziehen sich an den beiden Kurzseiten 
und an der Bogcnwand des Saales hin; über dem Prä- 
sidentensitz sind sie unterdrückt (s. S. 101 und 1301. 
Sie treten hinter die Saalwände zurück, nur eine Sitz- 
reihe springt balkonartig in den Saal vor. Mit dieser 

No. 22. 



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Anordnung ist der Verlust des freien Ausblickes für 
einige Sitze verbunden, ein Nachteil, der aber reich- 
lich durch Vorzüge der Hörsamkcit aufgewogen wird. 
Der Saal ist durch Oberlicht beleuchtet. Die archi- 
tektonische Ausschmückung zeigt vornehmen Reich- 
tum. Alpcnmarmorc, Stuck und entsprechende Be- 
malung sind die Hauptmittel für die künstlerische Aus- 
stattung. An den Hauptsaal stoßen die Nebensäle 
mit Türumrahmungen aus grauem, weiUgeflccktcm 
Marmor von Vättis, zwischen ihnen Eichentäfelung, 
sowie die KJeiderräumc mit Tafelungen aus Eichen- 
und Ahornholz. Die 43 «> lange und 6,6 ■ breite ge- 
schwungene Wandelhalle mit 
gewölbter und mit Stuckorna- 
ment geschmückter Decke wird 
von Süden durch 5 große Fen- 
ster beleuchtet. Die I ürgewandc 
sind aus Grindel walder Marmor, 
dieDoppclsaulcn mit Postamen- 
ten aus Arzomarmor aus dem 
Tessin. Die Heizkörper sind mit 
( ipolin aus dem Kanton Wallis 
umkleidet. DiePilaster bestehen 
aus Stuckmarmor, die Wand- 
flachen aus Stuccolustro. Die 
16 Felder des Gewf>lbcs zeigen 
von liarzaghi in Lugano ge- 
malte Darstellungen aus dem 



weg, die Wände ganz oder zum größeren Teil ihrer 
Höhe in Holz ausgeführt, wobei der Stil der alten 
Schweizer Täfelungen des XVI. — XVIII. Jahrhunderts 
vorbildlich gewesen ist. 

Die Sitzungszimmer der Kommissionen, von deren 
Ausstattung unsere Abbildg. S. 129 ein Bild gewährt, 
sind gleich den Haupträumen mit der Würde und 
dem stolzen Bewußtsein der Kraft eines reichen, in 
seiner Volkswirtschaft gut begründeten Staatswesens, 
wie die Schweiz es ist, bedacht. Eine entsprechend 
abgestufte Haltung zeigen die übrigen Räume. 

Als Heizung dienen 3 Systeme, eine Niederdruck- 
Dampfheizung, vorwiegend für die unteren Räu- 
me, eine Niederdruckdampf -Warmwasserhei- 
zung für die Bureaus, Kommissions- und Vorsäle, 
Schreibsaal undWandelhalle, sowie eine Nieder- 
druckdampf-Luftheizung für die groben Säle und 
eine Reihe von Nebenräumen zweiten Ranges. 
Die Ventilations • Anlage erfordert bei vollem 
Betrieb eine stündlicheLuftmenge von 56000 c,,m . 
Die Beleuchtung ist elektrisch mitStromenlnahme 
aus dem Elektrizitäts-Wcrke der Stadt Bern. 




l-ftngtsi'hmlt. 



Volksleben der Schweiz. Verwandt in dem Grade der 
Ausstattung sind diu Zimmer des Präsidenten und des 
Bundesrates. 

Die dem Ständerat bestimmten Räume zeigen einen 
durchaus verschiedenen Charakter gegenüber den Räu- 
men de.s Nationalstes. Anstelle der leichten, hellge- 
tönten Stuckdekoration der letzteren ist hier Holz- 
täfelung mit vorwiegend dunklen Tönen der Marmore 
und Tapeten getreten. Die Decken der fünf an der 
Nord-Fassade nebeneinander liegenden Säle sind durch- 



Die reinen Baukosten betrugen 5795000 Fr.; hier- 
zu treten für innere Ausstattung und Mobiliar 245000 
Fr., sodaß sich eine Gesamtsumme von 6040900 Fr. 
ergibt. Zu den Arbeiten wurden, soweit es angängig 
war, sämtliche Kantone herangezogen, sodaß das Par- 
laments -Gebäude in Bern eine reiche, wenn auch nicht 
ganz vollständige Ausstellung des sehr entwickelten 
schweizerischen Baugewerbes darstellt. — 



Vermischtes. 
Die Schantungbahn Ist am 23. Februar d. J. In ganzer 
Lange dem Betrieb eröffnet worden. Als l'ntcrzcichncter die 
Hahn im Januar d. J. von ihrem Anfangspunkte Tsingtau 
bis an ihren I lauptpunkt Tsinanfu, der Provinzialliauplstadt 
von Schantung, bereiste, war die Strecke bis zum Orte 
Tschoutsun, 303 km von Tsingtau, in regelrechtem Be- 
trieb; von hier aus verkehrten Bauzüge, welche seitens ein- 



zelner Reisender auf ihre eicene < ielahr hin benutzt werden 
durften, bis Lunchau, 367 kl " von Tsingtau ab; es verblieb 
ein Kest von 30^", auf welchem einige Brucken noch nicht 
fertig und dasCleis noch nicht uMitzlich verlegt war. Es fehlte 
damals nämlich noch an Obcrbaumaterial. namentlich aber 
an KU-incisenzeug, da solches wahrend des Baues in un- 
erhört grüßen Mengen seitens der Chinesen gestohlen 
worden war.. Kür nicht weniger als 30 fehlte das Klein- 
eisenzeug und mufite nochmals aus IK-ulschland hesehafft 



16. März 1904. 



135 



werden. Der Beirieb auf der fertigen Strecke vollzieht 
sich in musterhafter Weise, trotzdem das Zugpersonal aus- 
schließlich aus Chinesen besteht; die Stationsvorsteher 
sind nur auf den sieben größeren Stationen Europäer, 

selbstverständlich Deutsche: die Streckenaufsicht erfolgt in , ler sirenbrunneng«« aufgestellt" we..l 
in der Weise, daß etwa alle 30*10 C in deutscher Bahn- ,iurch die Vindobona gekiont und mit a ! 
meister seinen Wohnsitz hat, dem etwa 10 Kolonnen chi- von welchen da» eine das B.ldnii Lueger's, 
nesuscher Stopfarbeiter zu je 7 Mann (1 Vorarbeiter und 
6 Tagelöhner) unterstehen. Es sind damit gute Erfahrungen 
gemacht worden; das Gleis liegt durchweg ausgezeichnet 
und ermöglicht einen überraschend ruhigen Gang der 
Fahrzeuge. Betriebsunfälle größeren l Anfanges 4ind bis- 
her nicht vorgekommen; dagegen hat sich infolge von 
Ucberschwemmungen der l'mbau mehrerer Teilstrecken 
und Brücken als notwendig herausgestellt, was z. Zt. noch 
imgange ist, so daß an mehreren Stellen noch Umfahrungen 
der eigentlichen Strecke nötig sind, ohne daß jedoch 
der regelrechte Betrieb darunter gelitten hat. Zur Heizung 
der Maschinen wird ausschließlich die Schantungkohle 
benutzt, welche bei Jangtse durch die Schantung- Berg- 
bau-Gesellschaft, 170»«» von Tsingtau ab, gefördert wird. 



Diese Kohle entsprach anfangs nicht ganz den Erforder- 
nissen einer guten Maschinenkohle und es mangelte deshalb 
auch nicht an gelegentlichen Zugverspätungen. In letzter 
Zeit jedoch, seit das Sortierwerk des Kohlenbergwerkes 
sich im Betriebe befindet, hat die Qualität der Kohle ge- 
wonnen; Betriebsstörungen sind nicht wieder eingetreten. 
Die Linienführung der Bahn ist recht geschickt dem Ge- 
lände angepaßt; der Unterbau, das Gleis und die Hoch- 
bauten sind durchaus solide ausgeführt; als Baustein wurde 
fast ausschließlich Kalkstein verwendet, der zumeist dicht 
bei der Bahn gebrochen worden ist. Da» Schienenprofil 
(12,3"" hoch, 30 *k Gewicht! erscheint etwas sparsam aus- 
gewählt zu sein. Auffallend ist die große Zahl eiserner 
Brücken, nämlich 7246 ■" gesamte Spannweite bei .|oa>"" 
Betriebslänge. Diese Brücken sind ausschließlich in Eisen 
konstruiert. Bauten, die vom baulechnisclien Gesichts- 
punkte aus besonders bemerkenswert wären, finden sich 
nicht vor, dagegen verdient es alle Anerkennung, daß der 
Bau so weit ab von der Heimat, im fremden z T. feind- 
seligen Lande, rascher als vorgesehen war und zu den ver- 
anschlagten Kosten (54 Mill. M ) ausgeführt worden ist. — 
Shanghai, im Febr. 1934. Franz Woas. 

Die Architektur auf der GroDen Beritner Kunstaus- 
stellung 1904 wird auch in diesem Jahre wieder von einem 
Ausschuß der „Vereinigung Berliner Architekten* ange- 
ordnet, dem die Hrn. Balckc, Bangert, Reinhardt, 
Schmitz und Werle angehören Der für dieses Jahr zur 
Verfügung stehende Raum ist bedeutend größer, als in ver- 
gangenen Jahren; er erhält durch Hrn. Arch. Schweitzer 
die künstlerische Gestallung. Das kgl. preuß. Ministerium 
der ftffentl. Arbeiten wird mit einer in sich geschlossenen 
Ausstellung von Arbeiten der Staats-Bauverwaltung vertre- 
ten sein. An die Architektur-Abteilung schließt sich auch 
dieses Jahr wieder eine Gruppe künstlerisch durchgebilde- 
ter Innenräumc. Hier werden voraussichtlich die Namen 
■Salzmann, Ortlieb, A It he r r, Grenandc r, Schmarje, 
Honold, Hiddi ng, Siedle, Goerke, Sc haudt usw. ver- 
treten sein. Man darf bei der umsichtigen Arbeit, die unter 
der Leitung des Hrn. Bangert vor sich geht, die Hoffnung 
hegen, daß auch die diesjährige Architektur-Abteilung ein 
anziehender Teil der Berliner Kunstausstellung wird. — 

Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Schulgebäude Husum. Die Frist zur Ein- 
lieferung der Entwürfe ist bis zum 15. April verlängert. 
Mit Bezug auf den Schlußsatz unserer auf diesen \\ ett- 
bewerb bez. Notiz in No. 19 erhalten wir die Mitteilung, 
daß Husum wohl einen Stadtbaumeister besitzt, daß er 
aber wahrscheinlich diese Art des Preisausschreibens 
nicht befürwortet haben würde, wenn er Gelegenheit ge- 
habt hätte, sich zu der Angelegenheit überhaupt zu äußern. 
Das seheint nicht der Fall gewesen zu sein, es macht viel- 
mehr den Eindruck, als ob, was hier und da in kleineren und 
mittleren Städten wiederzukehren pflegt, eine I,aien-Kom- 
mission unter l'ebergehung des Stadtbaumeisters als des 
berufenen Beraters für städtische Bauangelegenheiten die 
Angelegenheit in dieser nicht dem Herkommen im deut- 
schen Wettbewerbswesen entsprechenden Weise behandelt 
habe. Im übrigen scheint die Aufgabe in keiner Weise 
eine solche zu sein, daß der Anruf eines größeren Kreises 
vnn Fachgenossen geboten gewesen wäre. — 

Chronik. 

Ein Kaiserin - Friedrich - Haus für das ärztliche Fort- 
bltdungswesen erlaubt nach dem Entwürfe de« Hrn <ieh. Ob- 



Die Erweiterung der Hafenanlagen in Düsseldorf ist in 

Aussicht genommen. Die 1910 zu vollendenden Arbeiten wOiden 
einen Kostenaufwand von 6,5 MiH M. beanspruchen — 

Ein Luegrr - Monumental • Brunnen in Wien soll sui 
»4 Okt d J »ur Feier des 60 Geburtstage* de» Bürgermeisters Lucger 

-den. Der Brunnen wird 
Medaillons geschmückt, 
das andere die 7 Zieh- 
brunnen darstellt, nach welchen die Gasse benannt ist. — 

Die Erbauung eine* Arbeiterhotels fdr 5— 600 Personen 

in Wien ist durrh die Kaiser Franz- Jo»el»-JubilAums»tiflung be- 
absichtigt. Die Plane «ollen auf dem Wege de» Wettbewerbes 
beschafft werden. — 

Eine evangelische Kirche In Grünau bei Berlin gelangt 
nach dem Kntwurfc v. Tiedeinann'« in Potsdam im Stile der 
märkischen Backsteingotik zur Errichtung. Die Augustinuskirrhe 
wird 600 Platze fa*»cn, toRoco M kosten und 1005 vollendet »ein — 
Ein neuer Justlipalast in Czernowltz gelangt mit einem 
Kustenaulwande von 10 Mill. Kr. (ohne Platz, welcher von der 
Gemeinde geschenkt wurde) zur Ausführung und soll bereits im 
Fiuhjahr d. J. begonnen werden. — 

Ein neues Theater In Kissingen gelangt nach dem Ent- 
würfe von Heitmann * l.ittmann in München zur Errichtung 
und wird am 1. Juni 1005 eröffnet werden. — 

Personal-Nachrichten. 

Württemberg. Verliehen i»l: Dem Hofbaudir. v Bern er 
uilgart da« Kommandeurkreuz II. Kl des Friedrichsordens. — 



Dem Ob.-Brt Prof. Autcnrieth an der Techn Hochschule 1 
dem Ob. -Kit Frhrn v Seeger im Kriegsmini»!, das Ehrenkreuz 
des Otdens der Württemberg Kione; dem Straßenbauinsp. Brt. 
Erhard! in lleilhronn das Ritlerkreuz de«selben Ofdens — Den 
Brtn. L a i s t n e r bei der Gen. -Dir. der Staalscisenb , B e h n c k c 
bei der Reg. de» Jagstkreisrs, Berner, Gewerbeinip. in Stuttgart, 
Landauer, Bez.-Uauinsp in Esslingen, dem Eisenb -Baiiinsp Dulk 
in Ravensburg und dem Int.- u. Brt. Marklin bei der Korps-Intend. 
das Ritterkreuz L Kl. de* Fricdrichsniden«, dem Stadtbmstr. Irion 
in Stuttgart das Kitterkreuz II Kl. des»elben Otdens — Den Ober- 
amlsbmstrn. Gutekunst in Reutlingen und Schirmer in Ravens- 
burg, dem Stadibmslr. Haug in Rottweil dtc Verdienstmedaille 
des Kronenordens. 

Tit. und Rang ist verliehen: Dem Baudir. v. Euting Vorst, 
der Minist -Abt. für den Straßen- und Was»crbau derj eines Pitsid. 



mit dem Range auf der IV. Stufe der Rangordnung. — Dem Brt. 
Zügel bei der Gen.Dir, dem Dir. Walter an der Baugewerk- 
mle, den Brtn. Raible bei der Forsldir. und Gscll u.Beyer 



bei der Domänendir. derj. eines Ob -Brts, — Dem Enenb -ßauinsp. 
Ackermann in Mahlacker, dem F.iSciib Masch. -tnsp. Strasser in 
Eßlingen, dem l'rof Gunrenhauscr an der Kaugcwetkschule, 
dem Ucz -Hai.insp. Barciü in Ludwig«bnrg. den Garn - Bauinsp 
Ho Ich in l.udwigsburg und Glockei in Ulm derj eine« Brt». 
— Den Abt.-Ing. Mesmer und Vetter bei der Gen. -liir. der] 
eines Eisenb -Bauinsp — Dem Masch -Ing. Ackermann beider 
Gen -Dir, dcij. eines Eisenb -Masch -Intp — 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. Z. In Berlin. In Ergänzung unserer Mitteilung 
Ober Firmen, die sich mit dem Heben und Verschieben von 
Baulichkeiten bi fassen, nennrn wir Ihnen noch das Baugcsch*ft 
Willy Sassenbausen in Remscheid, das auf diesem Gebiete nach 
seiner Angabe giößore Eifabiung besitzt — 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 
Zur Anfrage a in So la teile ich mit, dafl ich seit vielen 
Jahren Steinkohlenschlacke al» Follmaterial zwischen Holz- 
balken benutze. Diese ist nur dann gut, wenn sie vollkommen 
rein von anderen Bestandteilen und ganz trocken ist Feucht oder 
gemischt mit Kehricht oder Abfa.IUtn.lcn, wie e» Wider oft vor- 
kommt, ist sie eines der schlechtesten Materialien für diesen Zweck. 
Vorzüglich bewahrt hat sich mir reiner trockener Kicsschutl, wie 
er bei uns massenhaft vorhanden ist. Allerdings ist er bedeutend 
schwerer, doch wo die Mehrbelastung keine Rolle »pielt, ziehe ich 
ihn stets der Kohlenschlarkc vor Ich habe in »ehr alten Häusern, in 
welchen der Fußboden infolge der Abnutzung entfernt und erneuert 
werden mußte. Öfter» schwarze Humuserde unter dem Fußboden 
gefunden, in ebenerdigen Häusern ohne Unterkellerung, and der 
Holzfußboden, der vielleicht 10 oder noch mehr Jahre lag, war noch 
ganz gesund Allerdings war diese Humuserde vollkommen trocken.— 
Emilian Herbig, Stadtbm»tr. in Gablonz a. N. 
Steinkohlenschlacke ist porös und zieht deshalb aus den 
ern eines neue« Hauses Feuchtigkeit an; hierdurch und durch 
ihren Gehalt an Alkalien begünstigt sie das Wuchern von Haus- 
schwamm. Ich habe selbst Hiuissi hwarom an den eichenen Unter- 
lagen! eine« schnell grhauten Hauses gefunden, welche auf dem 
Kellergew rtlbc und in Steinkohlen»« hlackc eingebettet waren Der 
Schwamm war alleiding» vertrocknet, al» die Untersuchung (mehrere 
Jahic nac h der Et bauung des Hauses) bei Gelegenheit de* Durch- 
bruches eines neuen Kellerfcnstcri Mjrgcnommcii wuide, dmn das 
F.ichrnhnlz war widerstandsfähig gewesen und die Mauern und 
Gewölbe waren inzwischen ausgetrocknet- — 

G. Jungfer in Hirschberg. 
Steinkohlenschlacke ti erzeugen infolge ihrer I.uftzwischcn- 
sehr leicht die sogen Trockenfäule de« Holze». — 
Otto Wanckcl, Geh. Ob Bit. a. D in ~ 



Hofbrt. Ihne am Luisenplatz in Berlin zur Ausführung. Der Voll- 
endung wird ftlr das Frühjahr 1906 entgegen ge.ehen. - 



Inhalt: Um neue schweizerische Humlcihaus in Hern (Schluß). - 
Vermiwhir-s. — f'rrisbmctbunrrn- — Chronik. — Personal-Nachrichten. — 
Brief* und Krarekasten. 

Verlag der Isr-utselnu Bauzrliunr, G. n. b H„ Berlin. For die Redaktion 
V Albert llofmson.TterUn. Druck »on ~ ' 



■3° 



Gravi, BtrUn. 

No. 22. 



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ERLINER NEUBAUTEN * * 
NO Iii DAS NEUE HERREN- 
HAUS DES PREUSSISCHEN 
LANDTAGES * * * * * 
ARCHITEKT: GEH. BAURAT 
FRIEDRICH SCHULZE IN 
Bi BERLIN * SITZUNGSSAAL * 
SCHE BAUZEITUNG Bfl 
JAHRGANG 1901 * * N<> 23 * 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2. 23. BERLIN, DEN ig. MÄRZ 1904 



Berliner Neubauten. 

Nn. 111 Das neue Herrenhaus des preußischen Landtages 
Architekt: Geh. Bit. Friedrich Schulze in Berlin. 

I Fortsetzung und Schill!) au* Xo. 7 und Sa. 9) Hierzu eiac BiidbeiUre and dir Abbilduagra auf Seitr 130, 140 und 141.) 




ie äußere Gesamterscheinung des Gebäudes 
und seine Stilfassung waren in Ueberein- 
Stimmung zu bringen mit der Kunsriurm 
des bereits erstandenen Abgeordnetenhauses 
an der Prinz Albrecht • Straße. Die freie 
Auffassung der nachschinkrlschf n Schule, da* Ver- 
setzen der hellenistischen Elemente mit solchen der 
italienischen Hochrenaissance waren auch für das 
neue Herrenhaus gegebene Umstände. In noch höhe- 
rem Maße wie beim Abgcordnetcnhausc entstand hier 
die Schwierigkeit, die monumentale Bedeutung des 
Gebäudes mehr zum Ausdruck zu bringen, als den 
Charakter des parlamentarischen Geschäftshauses. Das 
wurde in großen Zogen erreicht durch die Zusammen- 
fassung je zweier Geschosse und durch die Hcraus- 
zielumg des Mittelbaues. Sockel- und hohes Erdge- 
schoß wurden zu einem kraftvollen Rustikageschoß 
zusammengefaßt, erstes und zweites Obcrceschoß zu 
einer korinthischen Pilasterarchitektur. Der Mittel- 
bau wurde in Form eines sechssäuligen Vorbaues mit 
Giebelfeld und dahinter liegender Attika vorgezogen 
und dem Ganzen dadurch der künstlerische Mittel- 
punkt gegeben. Das Beibehalten der in gleicher Höhe 
verlaufenden Horizontalen trägt viel dazu bei, dem 
Gebäude die würdige Ruhe und die stolze Monumen- 
talität zu bewahren. Eine mit Einzelfigurcn geschmückte 
Balustrade krönt die FlQgelbauten und die verbinden- 
den Teile und steigert sich in der Hauptachse zu der 
bereits berührten höher geführten und mit Figuren- 
gruppen bereicherten Balustrade. Die Ocffnungcn sind 
in den beiden unteren Geschossen geradlinig, im I laupt- 
geschoß bogenförmig, im obersten Geschoß bei kleinerer 
Teilung wieder geradlinig überdeckt. Ein reich ge- 
schmücktes Gitter zwischen schön entworfenen Stein- 
pfeilern schließt den Ehrenhof gegen die Straße ab. Eine 
Balustradenarchitcktur bcrcicheit die Auffahrtsrampe. 

Das Material des Sockels ist bayerischer Granit; 
das des Sockel- und des hohen Erdgeschosses Wün- 
schelburger Sandstein. Für die Pilastcr und Säulen 
wurde Kudowacr Sandstein, für die Flächen, das 
Hauptgesims und die Attika Alt-Warthauer Stein ge- 
wählt. Bildnerischer Schmuck ist mit Zurückhaltung 



verwendet; ein Wappenfries zieht über den Bogen- 
fenstern des I lauptgc»chosscs den ganzen Bau entlang 
und enthalt die Wappen der Landesteile der preußi- 
schen Herrschaft Das Tympanon des Mittelbaues 
zeigt nach Modellen von Otto Lessing die Borussia 
mit den allegorischen Figuren der verschiedenen Zweige 
der Staatsverwaltung. Die dreifigurigen Eckgruppen 
der Attika von dem gleichen Künstler zeigen Nuhi stand 
und Wchrstand, die Einzclligurcn der Balustraden Dar- 
stellungen aus Kunst, Wissenschaft und Volkswirtschaft. 

Die beiden Einfahrten der Flügelbauten und die 
I lauptcingangshalle sind durchweg mit Kottaer Sand- 
stein bekleidet; die Architektur dieser Räume ist 
S. 53 in No. 9 und S. 140 dargestellt. Auf dem ersten 
Treppenpodest der Eingangshalle stehen in Nischen 
der Rückwand die beiden Bronzefiguren: Königstieue 
und Vaterlandsliebe von Starck. 

Mit besonderer Sorgfalt ist die Wandelhalle ge- 
schmückt (S. 53); sie liegt hinter der Haupttreppe und 
öffnet sich gegen dieselbe. Drei Kuppelgewölbe über- 
spannen und teilen den Raum und gewähren ihm durch 
Zenithöffnungcn eine Obcrlichtbeleuchtung. Die Klini- 
schen sind besonders ausgezeichnet durch eine jonische 
Säulenstellung mit Figuren der Gerechtigkeit und Weis- 
heit von Prof. Widcmann, und der Wahrheit und 
Mäßigung von Reichel (S. 140). Die von Widemann 
modellierten schönen Friesfüllungen, die sich unter 
dem Kämpfergesims hinziehen und von welchen wir 
in der Kopfleiste sowie S. 141 Beispiele geben, ver- 
körpern gleich den Deckengemälden von Hans K ober- 
stem Nähr-, Wehr- und Lcbrstand. Die Wandflächen 
bestehen aus Stuckmarmor. 

Den großen Sitzungssaal zeigt unsere heutige 
Beilage: er schließt sich in Auffassung und Ausstattung 
dem gleichen Saale des Abgeordnetenhauses an. Er 
enthält 266 Plätze; seine Abmessungen sind der Hör- 
samkeit wegen auf da* äußerste Maß beschränkt und 
namentlich sind die Tribünen nicht frei in den Saal hin- 
etngebaut, sondern hinter die Saalwände gelegt. Die 
Biüstung der Tribünen springt balkonartig etwa ia" 
in den Saal vor. Der Saal ist durchaus mit Eichen- 
holz für die Wände und mit Kienholz für die Decke 

»37 



Go< 



getäfelt, soweit die Deckenfläehe nicht durch das 
Oberlicht beansprucht wurde. Ueber dem Präsidenten- 
sitz sind die Tribünen (ortgefallen ; die hier gewonnenen 
Wandflachen werden mit Gemälden geschmückt. Der 
Fußboden des Saales besteht aus Drahtgipsputz und 
ist mit weichem Teppich belegt. Die Oelfnungen für 
die Heizung liegen unter den einzelnen Sitzen. Eine 
behagliche und würdevolle Ausstattung haben auch 
Lesesaal und Erfrischungsraum, (S. 141) erhalten. Das 
Bild, welches namentlich der letztere in Nalur gewahrt, 
ist ein ungleich günstigeres, als unsere Abbildung ver- 
muten Klüt, Dem Räume kommt sehr die schiffartige 
Teilung zustatten Seinen Hauptschmuck bilden die 
Eichenholzvertäfelung der Wände und der oberhalb 
derselben hinziehende Fries aus getriebenem und be- 
maltem und vergoldetem Leder. Entsprechend der 
Bedeutung des Hauses sind auch die Ministerräume, 
die Präsidenten/immer, sowie die Beratungssäle und 
Fraktionszimmer ausgestattet. Sie gehen aber über 
die Haltung eines vornehmen parlamentarischen Ge- 
schäftshauses nicht hinaus. 

Ein etwas lebhafterer Akkord ist in den beiden 
Präsidenten -Wohnungen angeschlagen, obwohl auch 
hier der Grad der Ausstattung keineswegs zur Pracht 
neigt, wenn er auch der gesellschaftlichen Stellung 
zu entsprechen sucht, welche die Präsidenten im 
Öffentlichen Leben Berlins einnehmen. An der Vorder- 
front des Mittelbaues liegen die beiden Festsäle der 
Präsidenten-Wohnungen sowie ein gemeinsam zu be- 
nutzender Festsaal. Letzteren überspannt ein aus 
Drahtputz hergestelltes Tonnengewölbe mit Stuck- 



ornameuten. Die Wände sind durch Pilaster geglie- 
dert, die Flächen bestehen aus Stuckmarmor. Die 
beiden Festsäle der Wohnungen sind mit gerader 
kasseuiertcr Decke überdeckt. Die Wände sind durch 
korinthische Pilaster gegliedert. Die beiden Säle sind 
sich ähnlich ; ihre farbige Haltung ist die einer lichten 
Farbengebung bei ins Empire .spielenden Formen. Der 
Empirecharakter kehrt auch bei den Damenzimmern 
der beiden Wohnungen wieder, während die Speise- 
säle wieder deutschen Charakter zeigen. Sie sind in 
Wänden und Decken in Holzarchitektur durchgeführt. 
Unterhalb der Decke ziehen farbige Friese in Oel 
durch Max Koch, sowie in Gobelin durch W. Ziesch 
& Komp. hin. 

Die Heizung ist im allgemeinen eine Warmwasser- 
heizung, zu der in den besuchten Räumen eine Luft- 
heizungtritt. DcrgroüeSitzungssaalhatnurLuftheizung. 

Die Baukosten des Herrenhauses nebst den beiden 
Präsidenten - Wohngebäuden betragen 4266000 M 
Hierzu treten für innere Einrichtung und für Neben- 
anlagen weitere 1 787 000 M., sodaß sich eine Gesamt- 
summe von 6053000 M. ergibt. Der Aufwand für 
die gesamte Gruppe der Gebäude des preußischen 
Landtages beträgt rd. 13 Mill. M. 

Dem leitenden Architekten standen als selbst- 
ständigere Mitarbeiter sowohl bei den Entwurfsarbeiten 
wie bei der Ausführung zur Seite die Hrn. kgl. Brt. 
W. Körber und Landbauinsp Alb. Fischer. Während 
der Ausführung waren beim Bau weiterhin beschäftigt 
die Hrn. Döpner, Fiebelkorn, Geisler, Krause, 
Oehlmann, Schade und Schlüter. 



Ueber die Plane für Stadt- und Vorortbahnen in Hamburg. 



| ie Leser der .Deutschen Bauztg." sind bereit* durch 
den ausführlichen Aufsatz im Jahrgang 1003, S. 379 ff. 
über diese Pläne unterrichtet. Es standen sich hier 
gegenüber Her vom Senat empfohlene -St and bahn - (Hoch- 
und Untergrundhahn- 1 Entwurf und der auf Veranlassung 
des Ausschusses der Bürgerschaft vonderKontinentalenGes. 
für rlcktr. Unternehmungen eingereichte Schwebebahn- 
Entwurf. Am 30. Jan. 1904 wurde eine vorläufige Ent- 
scheidung dadurch getroffen, dat) im Plenum der Bürger- 
schaft nach langen erregten Beratungen der Antrag der 
Mehrheit des Ausschusses auf BcrucksicntigungdcrSchwebe- 
bahn abgelehnt wurde. Ueber die Entwicklung der An- 
gelegenheit bis zu diesem Beschlüsse soll im folgenden 
berichtet werden. 

I )ic Vorschläge, die der zur Beratung der Vorortbahn- 
Vorlage von der Bürgerschaft eingesetzte Ausschuß oder 
vielmehr dessen aus 9 Mitgliedern gebildete Mehrheit ge- 
macht hatte, sind auf S. 379 v. Jahrg. wiedergegeben wor- 
den. Ergänzend sei bemerkt, daß danrben die aus 6 
Mitgliedern bestehende Minderheit des Ausschusses, von 
dem ihr zustehenden Rechte eigener Berichterstattung 
Gebrauch machend, ihrerseits beantragt hatte, den Ent- 
wurf einer Schwebebahn als für Hamburg ungeeignet 
und die mit der Erbauung einer Stadt- und Vorortbahn 
zu verfolgenden Zwecke nicht erfüllend außer Betracht 
zu lassen. Begründet wurde dieser Beschluß unter an- 
derem durch einen Hinweis darauf, daß die gesamte bis- 
herige Stadterweiterungs- und Verkehrspol ilik des Senates, 
der sich dabei dauernd der Zustimmung der Bürgerschaft 
zu erfreuen gehabt habe, von der Erbauung einer Vorort- 
Ringbahn aut eigenem Bahnkörper ausgegangen sei, so- 
wie daß der vorliegende Entwurf einer Schwebebahn eine 
finanzielle Unterstützung des Staates nicht verdiene, da 
er keine neuen Verkehrsgebiete erschließe, sondern sich 
darauf beschränke, der Straßenbahn-Gesellschaft auf ihren 
llauptlinicn Konkurrenz zu machen. (Dies bezieht sich 
hauptsachlich auf den Wegfall des Ringstückes zwischen 
Bermbeck und Eppendorf, durch welches das dort be- 
legene, für Arbeiterwohnuiigen in erster Linie bestimmte 
Gelände aufgeschlossen und mit den St Pauli-Landungs- 
Brücken in bequeme Verbindung gebracht werden sollte, 
und den Wegfall der Linie nach Ohlsdorf) 

Von Bedeutung für die Entwicklung der Angelegen- 
heit waren die Ausführungen d"s Ilm Ing (Heim über 
die Schwebebahn - Entwürfe im Areh - und Ing -Verein, 
die auf S. 526 v Jahrg. im Auszuge mitgeteilt sind, und 
die sich dahin zusammenfassen lassen, daß einmal die 
Schwebebahn gegenüber der Standbahn für den besonde- 
ren Zweck als Stadtbahn durchaus minderwertig sei und 
daß ferner das Hamburger Projekt im einzelnen erheb- 
liche Mangel zeige Hieran knüpft sich, gewissermaßen 

■J8 



als eine Erwiderung auf die Ausfuhrungen des Hrn. Gleim, 
ein Gutachten dreier Professoren der Techn. Hochschule 
zu Hannover, der Hrn. Barkhausen, Dolezalck und 
Hotopp, das auf Veranlassung der Schwebebahn-Gesell- 
schaft entstanden ist, Dieses Gutachten kommt aufgrund 
allgemeiner Erwägungen zu dem Schluß, daß das Sv* tein 
der Schwebebahn für die Anlage einer städtischen ScWff- 
bahn ganz hervorragend geeignet und der Stamlbahn 
durchaus vorzuziehen sei, und daß das Hamburger Projekt 
im besonderen zweckmäßig und richtig entworfen sei; daß 
daher nur empfohlen werden könne, von der Anlage einer 
Hoch- und Untergrundbahn abzusehen und eine Schwebe- 
bahn zur Ausführung zu bringen. 

Unmittelbar vor Beginn der Beratungen im Plenum 
der Bürgerschaft nahm der Senat zu der Frage insofern 
Stellung, als er der Bürgerschaft ein Gutachten der Staats- 
techniker Ob.-Ing. Vermehren und Bauinsp. Schnauder 
überreichte und dazu bemerkte: „Der Senat stimmt mit 
dem Gutachten darin übercin, daß auf das Projekt der 
Kontinentalen Ges. fux clektr, Unternehmungen in Nürn- 
berg aus den verschiedensten Gründen nicht eingegangen 
werden kann, und daß es geboten ist, für die zu erbauen- 
den Stadt- und Vorortbahnen an dem System der Hoch- 
und Untergrundbahn festzuhalten". 

Das Gutachten der Hamburger . Staatstechniker zerfallt 
in a Teile Im ersten Teil wird der Entwurf der Kon- 
tinentalen Ges besprochen, während auf das System der 
Schwebebahn an sich nur wenig eingegangen ist. 

Das Gutachten weist darauf hin, daß durch die ge- 
planten Schwcbebahnlinien eine erhebliche Abkürzung 
der Reifezeit zwischen dem berührten Wohngebiet und 
den Arbeitsstellen in der Innenstadt nicht erzielt werde. 
Neue Wohngebiete würden durch die Schwebebahn nicht 
erschlossen. Die Führung der Schwebebahn durch viele 
enge Wohnstraßen sei ein großer Nachteil, die Benutzung 
der Fleete und Kanäle müsse als ausgeschlossen bezeichnet 
werden. Die geplante Anordnung der Hauptstalionen 
Deichtor, Landungsbrücken und Schlankrevc sei mit Rück- 
sicht auf die örtlichen Verhältnisse unaiisluhrhar. da der- 
artige Gclämleflächen, wie sie insbesondere durch die 
Anlage der Wendeschleifen notwendig würden, dort nicht 
zugebote ständen I >ie I lohenunterschiede zwischen Straßen- 
damm und Bahnsteig seien bei dem Schwebebahn-Entwurf 
im Durchschnitt wesentlich großer als bei dem Standbahn- 
Projekt ) Die Linienführung der Schwebebahn sei un- 
gflnstiger; durch die Schiebeweichen werde die Zugfolge 
auf der Schwebebahn beeinträchtigt, so daß ihre Leistungs- 
fähigkeit gegen die Standbahn zurückbleibe 



•I AniBnknnK et»« \ 
iluuh dir AlHMtlmi-'it; dirn 



■liatter*. Wranlatlt i«1 dirsr r.. T. 
Ls*U»!»U l^r t.rl .Irr Sil»! l'lhn. 



No. 33. 



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19. März 1904. 



Den ZVreitCD Teil de* Gutachten* der Staatsleclinikei' 
bildet eine Erwiderung auf das Gutachten der Hannover- 
schen Professoren. Hierzu wird bemerkt, daß die betr. 
Herren von dem ausführlichen Entwurf des .Standhahn- 
Projektes keine Kenntnis gehabt und die örtliche Besichti- 
gung ohne Wissen und Beteiligung der Hamburger Be- 
hörden vorgenommen hätten, eine hinreichende Kenntnis 
der örtlichen Verhältnisse und VerkchrsbedürfnLsse daher 
nicht hätten erlangen können. Im einzelnen wird aus- 
geführt, daß die allgemeinen Gründe, die gegen den Bau 
einer Standbahu geltend gemacht würden, auf das Stand- 
bahnprojckl von 1901 größtenteils nicht zuträfen; daß im 
übrigen die Führung einer städtischen Hochbahn in den 
-Straßen nicht grundsätzlich bevorzugt, sondern nur da zu- 
gelassen werden sollte, wo eine andere Lösung unmöglich 
sei. Das Längenproftl des Schwebebahn- Entwurfes sei 
wesentlich ungünstiger, als das des I loch- und L'ntcrgrund- 
bahn -Entwurfes. Die Summe der Steigungen betrage z. B 
auf der Strecke Wintcrhude-Barmbccfc bei der Schwebe- 
bahn 6o"", bei der Standbahn nur 33 Hieraus folgten 
wesentlich höhere Betriebskosten der Schwebebahn. Was 
die Erweiterungsplänc beträfe, so könne man die Ver- 
kehrsentwicklung auf lange Zeit nicht vorhersehen, deshalb 
sei es unmöglich, jetzt alle künftigen Linien festzulegen. 

Auf dieses Gutachten folgen wenige Tage spater Er- 
widerungen sowohl seitens des Hrn. Ob.-lng. Petersen, 
wie auch von seiten der Hannoverschen Professoren.. 

Hr. Petersen bemängelt u. a, daß auf die Frage der 
Notwendigkeit einer zweiten Stammlinie durch die innere 
Stadt nicht ernstlich eingegangen werde Für die Wahl 
des Bahnsysieme* seien die Schwierigkeiten der Durch- 
führung durch die innere Stadt von ausschlaggebender 
Bedeutung und nicht die Verhältnisse in den zum größten 
Teil noch unbebauten Vororten. Eine zweite Stammlinie 
sei Voraussetzung für die richtige Gestaltung der künftigen 
Erweiterungen des Bahnnetzes; sie sei als Schwebebahn 
bei der gegenwärtigen Bebauung möglich, als Standbahn 
technisch und finanziell nahezu unmöglich. 

Hr. Petersen erhebt ferner den Vorwurf, daß das 
Gutachten der Hrn. Staatstechniker an wesentlichen Punkten 
unrichtige Zahlenangaben enthalte, welche geeignet seien, 
ein falsches Bild von den wirklichen Verhältnissen zu geben. 

Die Hrn. Barkhausen, Dolczalek und Hotopp 
sagen, daß sie in den Darlegungen der Hrn. Vermehren 
und Schnauder das Eingehen auf die wesentlichen Grund- 
gedanken ihres Gutachtens vermissen; die von ihnen nach- 
gewiesenen Vorzüge der Schwebebahn vor der Standbahn 
Hl baulicher, Verkehrs- und betriebstechnischer Beziehung 
seien nicht besprochen, sondern überall verhältnismäßig 
unwichtige Einzelheiten herausgegriffen. Auf die Weiter- 
entwicklung der Angelegenheit haben diese beiden Erwide- 
rungen einen Einfluß nicht mehr ausgeübt. 

Das Vorgehen des Senates erregte lebhaftes Aufsehen. 
Die Mehrheit des Bürgerschafts- Ausschusses nahm dazu 
insofern Stellung, als sie ihren Antrag, dem Senat zu 
überlassen, ob er eine Standbahn oder Schwebebahn vor- 
legen wolle, nunmehr abänderte und dafür beantragte: 
„Die Bürgerschaft behält sich die Entscheidung über das 
System der Bahn vor, bis ihr vom Senat bindende Kosten- 
anschläge vorgelegt sind für das Standbahn- wie für das 
Schwebebahn-Svstem, berechnet für eine gleichwertige 
Linienführung des nächsten Ausbaues. Dabei ist zu be- 
rücksichtigen, daß voraussichtlich in absehbarer Zeit die 
Durchführung einer zweiten Stammlinie durch die innere 
Stadt notwendig werden wird. Für beide Systeme sind 
daher für diesen Fall Vorschläge mit Schätzung der durch 
deren Ausführung entstehenden Kosten herbeizuführen." 

Im Verlauf der Verhandlungen in den folgenden drei 
Sitzungen der Bürgerschaft, in denen Hr. Bürgerm»tr. 
Dr. Mönckeberg als Senatskommissar den Standpunkt 
des Senates lebhaft verteidigte, zeigte sich, daß eine Mehr- 
heit für das Schwebebahn-System nicht zu erlangen war; 
inwieweit die Meinung von ursprünglich Schwebebahn* 
freundlich gesinnten Mitgliedern der Bürgerschaft durch 
die entschiedene Stellungnahme des Senates beeintlußt 
war, entzieht sirh der Beurteilung des den Verhandlungen 
ferner Stehenden. Tatsächlich wurden, nachdem der An- 
trag des Senates auf Gutheiüung der vorgelegten Statut- 
bahn-Verträge unter Zustimmung des Scnatskommissars 
einstimmig abgelehnt war, in der Sy*temlrage die Anträge 
der Mehrheit auf Berücksichtigung" der Schwebebahn (Cr 
die neu aufzustellenden Entwarf« mit 00 gegen 41 Stimmen 
abgelehnt, die entsprechenden Anträge der Minderheit des 
Ausschusses dagegen angenommen. 

Die Verfechter des Schwcbcbahnentwurfcs hatten in- 
sofern eine gewisse Genugtuung, als unmittelbar nach Ab- 
lehnung der Schwebebahn ein Antrag angenommen wurde, 
die von den Hannoverschen Gutachtern aufgestellten 
Grundsätze für die Linienführung seien zu prüfen und 

«39 



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geeignetenfalU bei der Ncuaufstcllung tlcs Stadt- und Vor- Gedankens darauf, daß man nach Vorlage de* neu aufzu- 
ortbahnprojektes zu berücksichtigen, stellenden Standbahn-Entwurfes aus wirtschaftlichen Kock- 

Durch die Beschlasse der Bürgerschaft scheidet die sichten auf eine Schwebebahn zurückkommen würde, ver- 




Schwebebahn für die weitere Behandlung der I'länc für wirklichen werden, mag dahingestellt bleiben. Hoffen wir, 

eine Hamburger Stadt- und Vorortbahn zunächst vollständig daß die Weiterentwicklung der Angelegenheit nun endlich 

aus; ob sich die Hoffnung der Vertreter de» Schwebebahn- in einer etwas rascheren Gangan erfolgt. — Schimpf f. 

140 Nn. «3. 



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Mitteilungen aus Vereinen. 

Verein für EUenbahnkundc in Berlin. Ueber die bau- 
liche Entwicklung der Berliner Eisenbahnen im 
letzten Jahrzehnt sprach Hr. Eisenbahnbauinsp. Kum- 
bicr in der letzten, unter Vors. des Min.-Dir. Schroeder 
abgehaltenen Sitzung. Nach Abschluß der Verstaatlichung 
der Berliner Fernbahnen um die Mitte der 8oer Jahre sei 
die Staatseisenbahn- Verwaltung alsbald an den Ausbau 
der einzelnen in Berlin einmündenden Linien herange- 
treten , an deren Leistungsfähigkeit das schnelle und ge- 
waltige Anwachsen des Berliner Vorortverkehres von Jahr 
zu Jahr höhere Anforderungen stellte. Bei dem vier- 
gleisigcn Ausbau der Vorortstrecken sei im Interesse ein- 
heitlicher Betriebsführung der Grundsatz völliger Trennung 
des Fern- und Vorortverkehres durchgeführt worden. Auf 
der Potsdamer Bahn habe sich das Bedürfnis zum mehr- 
gleisigen Ausbau zuerst fühlbar gemacht; die am i, Okt. 
1891 eröffnete Wannseebahn sei die erste selbständige Vor- 
ortbahn Berlins, in ihren Bau- und Betriebseinrichtungen 
sei sie für die späteren Vorortbahnen, vorbildlich gewesen. 
Auf der Stctiiner und Nordbahn habe sich der Ausbau zu- 
nächst nur bis kurz hinter Bahnhof Gesundbrunnen er- 
streckt, auf der Nordbahn werde neuerdings der vier- 
glcisigc Ausbau bis Reinickendorf— Rosenthal und auf der 
anschließenden Neben bahnst recke nach Kremmen der 
zweigleisige Ausbau bis Tegel fortgesetzt, auf der Stettiner 
Bahn sei der vierglcisigc Ausbau 'bis Blankenburg in Vor- 
bereitung. l>e Görlitzer Bahn werde zurzeit bis Adlers- 
hof—Altglienicke vicrgleisig ausgebaut, für den späteren 
Ausbau bis Grünau sei jedoch mit dem Grunderwerb be- 
reits vorgegangen. Auf der Berliner Ringbahn wäre der 
viergleisige Ausbau des Vollringes bis auf die Strecke 
Halensee— Westend vollständig durchgeführt. 

Bei der Besprechung der Umgestaltung der Bahnan- 
lagen der Schlcsischen- und Ostb^hn ging der Redner 
näher auf die Gründe ein, die eine Einlührung der Vor- 
ortgleise der Schlcsisch.cn Bahn in die Siadtgleisc der 
Stadtbahn auf dem Schlesischen Bahnhofe geboten er- 
scheinen hellen und die Umgestaltung der Bahnsteigan- 
lagcn sowie die Aenderung der Betriebsmittel der Stadt- 
und Ringbahn bedingten. Die Ucbcrlcitung der Vorort- 
züge von Erkner auf die Stadtgleise der Stadtbahn solle 
zum 1. Mai d. J. erfolgen. Kür den Ausbau der Berliner 
Eisenbahnen seien in den Jahren 1891 — 1903 rd. 88 Mill. M. 
bereitgestellt worden. 

Dann machte der Vortragende noch einige Angaben 
über die Zunahme des Stadt-, Ringbahn- und Vorortver- 
kehres seit dem 1, Okt. 1890 bis zum 31. März 1903. Inner- 
halb dieses Zeitraumes von la 1 '« Jahren sei der Verkehr 
der Stadt- und Ringbahn von etwa 43 Mill auf rd. 92 Mill.. 



der Vorortverkehr von »3 Mill auf rd 68 Mill Fahrten 
angewachsen. In den letzten Jahren seien an jedem der 
Pfingstfcicrtage auf der Stadl- und Ringbahn 450— 500 c»» 
Stück Fahrkarten verkauft worden, auf der Wannsee- und 
Potsdamer Bahn 100-150000, auf der Görlitzcr Strecke 
70-100000 und auf der Schlesischen Balm und Nordbahn 
je etwa 30—60000. Zurzeit der Berliner Gewerbe -Aus- 
stellung im Jahre 1896 habe man als Höchstleistung für 
die Stadtelcisc der Stadtbahn mit einer Aufnahmefähigkeil 
von 18 Zügen in der Stunde nach jeder Richtung hin, 
also etwa mit dem Drei - Minutenverkehr gerechnet, jetzt 
werde die Höchstleistung in einer Belastung mit 24 Zügen 
in der Stunde, also in dem Zweieinhalb- Minulcnvcrkchr 
angenommen. Ob bei etwaiger späterer Einführung des 
elektrischen Betriebes durch schnelleres An- und Abfahren 
der Züge eine weitere Mehrbelastung der Gleise etwa bis 
zu 30 Zügen in der Stunde sich ermöglichen lassen werde, 
müsse die Zukunft lehren. 

Der Redner schloß mit dem Bemerken, eine Entwick- 
lung, wie sie die Berliner Eisenbahnen im letzten Jahr- 
zehnt genommen, sei nur möglich geworden unter ein- 
heitlicher Leitung. Die Verstaatlichung der Eisenbahnen 
habe sich für die Reichshauptstadt besonders segensreich 
erwiesen. Man werde der Staats - Eisenbahnvcrwaltung 
die Anerkennung nicht versagen können. daß sie dauernd 
bemüht gewesen sei, den gesteigerten Anforderungen im 
Verkehrsleben Groß-Berlins gerecht zu werden. 

Im Anschluß hieran machte Hr, Prof. Cauer einige 
Mitteilungen aus dem Inhalte seines kürzlich erschienenen 
Buches „Personen - und Güter verkehr der vereinig- 
ten Preußischen und Hessischen Staatsbahnen". 
Abgesehen von einer gedrängten Gesamtübersicht des In- 
haltes erörterte er an der Hand ausgehängter Skizzen die 
Frage, welche der verschiedenen Formen der Güter- 
schuppen und l^adebühnen für den Versand und den Em- 
pfang der Güter, für Eilgut und für Gütcruniladune ge- 
eignet seien, und schilderte dann die jetzise Handhabung 
der Stückgut- Beförderung auf den preußisch - hessischen 
Siaatsbahncn. - 

Vermischtes. 
Htagen - Dauerbrand - Zentralofen von Grimme, Natalis 
& Co. in Braunschweig. In Miclhäu-ern macht sich oft der 
Wunsch geltend, das einzelne Geschoß unabhängig von einer 
das ganze Haus heizenden Zentralheizung zu erwärmen, 
aber doch auch wiederum die Nachteile dcr Ofenheizung für 
einzelne Räume zu umgehen. Das versucht die genannte 
Firma durch ihren Etagen -Warmwasser- Heizungsofen zu 
erreichen. Er ist zur Wärmeentwicklung für ein ganzes 
Geschoß gebaut; seine Ausstattung kann dem Raum, in 



i Schinkelfest des Architekten-Vereins zu Berlin. 

JTTSI ach altem Brauche feierte der Architekten-Verein zu 
!KvE Berlin auch dieses Jahr am 13. März, als dem Geburts- 
tage Schinkersseinjahrcsfest, an welchem den Siegern 
im Schinkelwetibcwcrbc in festlicher Sitzung die Schinkel- 
Medaille, die höchste Auszeichnung, die der verein seinen 
jungen, aufstrebenden Mitgliedern verleihen kann, überreicht 
wird, und welches den Höhepunkt des Vereinslebens in 
jedem Jahre bilden soll. Von dem diesjährigen Feste darf 
man mit Fug und Recht sagen, daß es tatsächlich dieser 
Höhepunkt gewesen ist. Trotz Vcrzichilcistung auf äußeres 
Geprange, trotz der im Verhältnis zu der großen Mit- 
gliedcrzahl schwachen Beteiligung, zeichneu: sich die dies- 
jährige Festsitzung vor vielen ihrer Vorgänger durch die 
Würde ihrer ganzen Haltung, das anschließende Festmahl 
durch Stimmung aus, die leider früher öfter gefehlt haben. 
Die Ursache für diesen harmonischen Verlauf des Festes 
ist in dem glücklichen Zusammenwirken einer Reihe ver- 
schiedener Momente zu suchen. Mit Stolz konnte zu- 
nächst der Verein auf den Ausfall des diesjährigen Wett- 
bewerbes auf allen 3 Fachgebieten blicken, die er in sich 
vereint, sowohl was das Streben seiner jüngeren Mitglieder 
anbetrifft, das schon in der überraschend großen Zahl der 
eingelaufenen Arbeiten zum Ausdruck kommt, wie was 
den Wert der Arbeiten, den erzielten Erfolg angeht 

Ehrenvoll fürdenVerein wardie Anwesenheit des preuß. 
Hrn. Ministers der öffenll Arbeiten Exzellenz Budde, der 
nicht nur an der Festsitzung teilnahm, sondern fast bis zum 
Schlüsse des ganzen Festes blieb, den Siegern im Wett- 
bewerb mit einigen kernigen Worten die Medaillen über- 
reichte und später namens der Gäste für die Einladung zum 
Feste dankte, wobei er auf die hohe Bedeutung und die 
schönen Aufgaben des Baufaches hinwies und dem Verein 
eine weitere glückliche Entwicklung wünschte, 

Geschickt umging der Vereinsvorsitzende, l lr Minist - 
Dir. Hinekeldeyn, die Klippe des alljährlich zu erstatten- 

1 I- 



den Geschäftsberichtes, indem er an die Stelle einer 
trockenen Zahlcnzusammcnstelhing ein lebendiges Bild 
von dem Entwicklungsgang des nunmehr fast 80 jährigen 
Vereins setzte. Eindrucksvoll war der Inhalt seines Kaiscr- 
toastes, mit welchem er die kurze Reihe der olfiziellen 
Tischreden eröffnete. Durch den gehaltvollen Inhalt seines 
Festvortrages, durch die geistreiche Entwicklung seines 
Themas „Der Gedanke des evangelischen Kirchen- 
baues" wußte Hr. Baurat March die Versammlung bis 
zum Schlüsse seiner Ausführungen zu fesseln. Wir ent- 
nehmen diesen den nachfolgenden Gedankengang: 

Wir beobachten auf allen tiebieten, daß ein allge- 
meineres Kunstinteresse nicht in erster Linie durch An- 
schauung und unmittelbare Wirkung erregt wird, sondern 
erst durch Art und Umlang der literarischen Erörterung. 
Das muß die Hoffnungen aller derer herabstimmen, die 
mit einer rein aesthetischen Kultur alle Sehnsucht aus 
dem Unvollkommenen in das Vollkommene glauben stillen 
zu können. Richard Wagner würde nimmermehr den 
siegreichen Flug seiner schöpferischen Kunslgedanken er- 
lebt haben, wäre er nicht stets mit gc*chliftenem Schwert 
neben dem von ihm geträtimten Kunstwerk der Zukunft 
auf dem Plan gewesen. Gottfried Sem;>crs Einfluß auf 
die deutsche Baukunst ist ebenfalls zum größten 'Teil auf 
seine gcisivolle schriftstellerische Tätigkeit zurückzuführen. 
Wir linden in ihnen Schinkels Art, alle künstlerischen 
Aufgaben mit einem höheren Inhalt zu erfüllen und bei 
allen Kunstfragen in eine gesteigerte Gedankenwelt über- 
zugreifen. Auf seinen Einllufl ist das merkwürdige Buch 
zurückzufuhren, das den Versuch einer philosophischen 
Analyse hellenischen Kunstschaffens machte mit dem 
scharfsinnigen und spitzfindigen Unterfangen, die Gebilde 
schöpferischer Phantasie «1s das Ergebnis abgezogener Re- 
flexionen darzustellen, Es war eine nachdenkliche, ver- 
.standesmäßige Richtung, auf die wir aber ebensowenig ver- 
zichten wollen, wie auf unsere mehr grüblerische Art über- 
haupt als Gegengewicht zu uneingeschränkter Formenfreude. 

N« 23. 



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welchem er zufällig sieht (Korridor, Küche, wenig be- 
nutztes Zimmer) angepaßt werden. Die Bedienung Ist 
gleich der eines gewöhnlichen Dauerbrand - Ofens, also 
so leicht, dafl sie durch Jedermann erfolgen kann. Der 
für ganze Mauser notwendige Heuer wird entbehrlich, 
der Bewohner eines Geschosse* erhalt mehr Verfügung 
über die Heizung, als bei einer Zentralheizung. Ks ist 
also hier eine Dezentralisierung der Heizung angestrebt 
In den einzelnen Räumen werden die üblichen Radiatoren 
aufgestellt und mit dein Zentralofen verbunden. Der 
Ofen kann auch für ganze Villen, Säle, Restaurant- usw. 
ausgeführt werden. 

Die Beteiligung deutscher Fachgenossen am VI. inter- 
nationalen Architekten-Kongreß in Madrid wird eine rege 
»ein, Zu der vom Verbände deutscher Arch- und Ing- 
Vereine von Köln aus in Aussicht genommenen gemein- 
samen Reise haben sich etwa 50 Personen angemeldet. 
Ks wird eine kleinere Fahrt unternommen, die am 2. April 
in Köln beginnt und am 17. Auril dort wieder endet Auf 
der Hinfahrt werden Paris und Biarritz, auf der Rückreise 
Burgos, Bayonnc, Paris berührt. Der Aufenthalt in Ma- 
drid dauert vom 5 —13. April. Seiten« der Kongreßleitung 
werden in dieser Zeit Ausflüge nach Toledo, Guadalajara, 
Kscorial veranstaltet Eine längere Reise, die bis zum 
25. April dauert, entspricht bis zum 13. der ersteren und 
ebenso bezüglich des Rückweges. Vom 14. bis einschl. 
21. April wird aber eine wieder in Madrid endigende 
Rundtour durch Südspanien angeschlossen, die Granada, 
Malaga, Sevilla, Cordova berührt Die Reise-Anordnungen 
hat der Arch - u. Ing.- Verein in Köln a. Rh. übernommen. 

Die Verhandlungen des Kongresses sollen bekanntlich 
sich auf 9 Fragen erstrecken: 1. Moderne Kunst in der 
Architektur; 2. Erhaltung und Wiederherstellung von Bau- 
denkmälern; 3. Art und Bedeutung des wissenschaftlichen 
Studiums bei der allg. Erziehung der Architekten; 4. Ein- 
fluß der modernen Konstruktionen auf die Kunstformen ; 
5. Urheberrecht an den Werken der Baukunst; 6. Aus- 
bildung der Bauarbeiter: 7. Einfluß der Baupolizei -Vor- 
schriften auf den zeitgenössischen Privatbau; 8. Enteignung 
kunstgeschichtlicher Bauwerke; 9. Soll der Architekt als 
Schiedsrichter für die Arbeits-Bedingungen und bei Streit- 
fällen zwischen Bauarbeitern und Baunerren dienen? Zu den 
beiden ersten Fragen liegen deutsche Acußcmngen vor und 
zwarzu i.von Hrn. Dr. -Ing.. Reg. u.Gcwcrbc-Schulrat M ut hc- 
sius, zu von Hrn. Baurat C Ludwig, beide in Bertin. — 

AU Privatdozent für da* Entwerfen und Darstellen 
farbiger Dekorationen an der Technischen Hochschule zu 
Charlottenburg hat sich Hr. kgl. Baurat Paul Gracf in 
Steglitz habilitiert Hr. Graef war von 1887—1004, also 
durch die lange Zeit von 32 Semestern, Assistent bei Ed. 



Jacobsthal an der gleichen Hochschule und hat letzteren 
während seiner Krankheit und nach seinem Tode mehrere 
Semester lang selbständig vertreten. In seinem Sinne ge- 
denkt Hr. Gracf, den das Vertrauen seiner Schüler be- 
gleitet, den Unterricht weiter zu führen. — 



Preisbewerbungen. 

Zwei Wettbewerbe zur Erlangung von Entwürfen für 
Logierhäuser für Männer, in den Stadtteilen Favoriten und 
Brigittcnau in Wien zu errichten, werden vom Kuratorium 
der „Kaiser Franz Josefs- Jubiläums-Stjftung für Volks- 
wohnungen und Wohlfahrt* - Einrichtungen" zum » Mai 
für österreichische Architekten ausgeschrieben. Die Hauser 
sollen aus 6 Geschossen bestehen; in das Sockel- und in 
das hohe Erdgeschoß sind die Räume gemeinsamen Aufent- 
haltes: Werkstätten, Wirtschaf tsräumc, Speisesaal, Lese- 
saal, Zimmer für Nichtraucher zu legen, während in den 
oberen 4 Geschossen je 125 — 150 Schlafabteile anzuordnen 
sind. Für jeden der beiden Wettbewerbe sind 3 Preise 
von 1400, 1000 und 700 Kr. ausgesetzt Das Preisgericht 
besteht u. a. aus den Hrn. Min, -Rat v Forsfer, Vizcbau- 
Dir. Hclmreich, ObBrt. Höde, Ob. Brt Ulrich, Stadt- 
bmstr. Zifferer. Man hofft, eines der Logierhäuser be- 
reits 1905 der Benutzung übergeben zu können. — 

Der große Staatspreis der kgl. preuß. Akademie der 
Kilnste im Betrage von 3300 M. wurde dem Architekten 
Alexander Höhrath zu Witten .1 d K. verliehen, einem 
begabten Künstler, der noch einmal von sich hören 
machen wird. — 

Wettbewerb Stadthaus Bremen. Als Verfasser des 
Entwurfes „Rotes Kreuz" bekennen sich die Hrn. ( arl 
Poppe und Arth. Hartmann in Frankfurt a. M. — 



Brief- und Fragekasten. 

Hm. Stadtbmstr. Sch. in A. Nach deutschem Staats- und 
Verwaltuogsrechte gilt der Beamte als zu denjenigen Verrichtungen 
verpflichtet, welche dem Amte übertragen und oder zugeteilt wer- 
den, mit des*en Verwaltung er betraut ist. Es hat also kein Be- 
amter das Recht, sich einer Erledigung derjenigen Geschalte zu 
entziehen, welche erst nach seiner Anstellung dem von ihm ver- 
walteten Amte zugeteilt weiden, selbst wenn dadurch für ihn eine 
Mehrarbeit entsteht. 1>* in Hessen abweichende RerhU|rrundsit*e 
nicht beatehen, wird der .Gemeindc-Raubeanite" sich nicht weigern 
riflrfen. die Wobnungsiiispektion zu übernehmen, welche nach dem 
hessischen Gesetz vom 7 Aug. 190a einem erfahrenen Techniker 
oder kommunalen Uauhcamtcn ubertragen werden soll, also dem 
Gcmeindehanamlc zugeschlagen weriten tlaif. Ob eine Vergütung 
für die Mehrleistung beansprucht werden darf, kann erst nach 
Kenntnis der „Berufung zum Amte" und der Besoldungtabreile zu- 
verlässig beurteilt werden tiemeinüblich pflegt jedoch in der- 
artigen Killen auf sachgemäße Begründung zu richtiger Zeit eine 
Entschädigung gewahrt zu werden. -■ K. H-c. 



Alle Kunst, zumal die höchste, bedarf neben der 
schöpferischen Phantasie der Urteilskraft Wir werden 
unsere Aussöhnung mit dem Leben nicht durch ideale 
Steigerung der Materie erreichen, sondern durch eine Be- 
freiung der Geister aus der mühseligen Lebenstechnik. 
Den Gcistcsstromungcn des XVlll. Jahrh. mit ihrem Ab- 
schluß einer philosophisch-literarischen Entwicklung steht 
unsere Zeit der Technik und der Naturwissenschaften mit 
ihren gleichzeitig wicdcrcrwachcnden metaphysischen 
Bedürfnissen gegenüber. Der Anfang des XIX. fahrh., 
der ganz vom Geiste Weimars beherrscht wurde, konnte 
einer innerlichen evangelischen Kcligionsauffassung nicht 
günstig sein. Goethe war sicherlich eine tief religiöse 
Natur; allein schon sein Ausspruch, daß kein tüchtiger 
Mensch seiner Brust den Glauben an Unsterblichkeit rauben 
lasse, setzt ihn in Gegensatz zu moderner materialistischer 
Lebensauffassung. Er hegte auch eine hohe Verehrung 
für da» Christentum, wenn auch nicht in der Form, in 
der es ihm die Theologen boten. Die Pflege der Religion 
in ihren Händen war rationalistisch und nüchtern mora- 
lisch, das Volk nahm die Einrichtungen der Kirche als 
etwas Schickliches hin und begleitete die bauliche Tätig- 
keil ohne innere Beteiligung. 

Schinkel erblickte das Charakteristische eines evange- 
lischen Gotteshauses in seiner Gestaltung zu einer Predigt- 
stätte, in der die zuhörende Gemeinde den Ausgangspunkt 
der Bauschöpfung bildet. Fr stellte daher den Redner 
und die Kanzel vor die Milte der Zuhörerschaft, die er 
in natürlicher Weise um sie herum, zumteil auf ansteigen- 
den Sitzreihen anordnete. Hei der späteren Verlegung 
der Kanzel aus der achsialcn in die seitliche Stellung 
unterlag er dem lutherischen Einfluß, nach dessen Auf- 
fassung der Chorraum mit dem Altar eine besondere 
Würde zu beanspruchen hat, die hier die Unterbringung 
der Kanzel oder gar der Orgel nicht gestattet In Preußen 
und in Berlin war die Anordnung des Kanzclaltars die 
durchaus übliche, bi-cinc mehr katltolisicrcndc Empfindung 

ij, Marz 1904. 



der Kanzel die Scilcnslellung gab. Vielleicht erhält die 
Kanzel wieder die ihr ursprünglich zugewiesene Stellung 
in der Milte. Ein Wandel der Anschauungen über die 
sakrale Würde des Allares ist nichl unmöglich. Wir haben 
es hier mit einer architektonischen Ueberlieferung zu tun; 
es dürfte aber schwer fallen, die besondere Heiligkeit des 
Altares, dessen Ausgangspunkt doch der Sarkophag mit 
den Gebeinen des Heiligen ist, und den von ihm beding- 
ten Chor als Höhepunkt der kirchlichen Anlage aus dem 
evangelischen Dogma zu begründen. 

Die Reformierten haben sich gegen solche romanti- 
schen Baugesinnungen stets ablehnend verhalten. Sie 
waren bestrebt — häufig in ausgesprochen gegensätzlich 
nüchterner Weise — für ihre liturgischen Zwecke einen 
selbständigen baulichen Ausdruck zu finden. Als aber 
unter Friedrich Wilhelm IV. ein Bruch mit den reformier- 
ten Ueberlieferungen erfolgte und die Teilnahme für das 
Mittelalter in allen Formen zum Ausfluß einer die geistigen 
Interessen beherrschenden literarischen Bewegung wurde, 
da ergab sich für die evangelische Kirchenbaukunst der 
Erfolg, daß der Kirchenbau sich grundsätzlich von dem 
verstandesmäßigen Programm der reformierten Bauauf- 
fassung abwandte. Die Flignung des Kirchcngcbäudes für 
die besonderen Zwecke des Gottesdienste- wurde neben- 
sächlich und schablonenhaft behandelt und die Unter- 
schiede zwischen evangelischem und katholischem Gotic»- 
haus in Anlage und Erscheinung mehr und mehr verwischt. 

Diese Gesinnung führte im Jahre 1861 zu dem Li-c- 
nacher Regulativ, da-- die Betonung der heilig erachteten 
Allarnische vorschrieb, die Kanzel auf die Seite schob und 
der Orgel den Platz gegenüber dem Altar im Kücken der 
Gemeinde anwies. Später wurde dann noch die freie 
Stellung des Kirchcngchuudc* empfohlen und seine Ver- 
bindung mit anderen Gomcindcbaulcn widerraten. L- 
sollte mit diesen Nonnen kein Zwanj; ausgeübt werden; 
wer aber die straffe Behandlungswoisr unserer kirchlichen 
Angelegenheiten kennt, wird -ich leicht vorstellen können, 

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daß das von etwaigen Zweifeln geplagte Gewissen unserer 
in Kunstfragen zumeist ratlosen evangelischen Geistlichen 
durch einen Blick in die ihm von seiner Oberbeborde 
überwiesenen Ratschlage im Sinne guter Disziplin schnell 
beruhigt wird. 

Deshalb war die Gceen-Kundgcbung des Wiesbadener 
Programmes, welches die Bauwünsche der reformierten 
Kirche in knapper Form zusammenfaßte und 1891 er- 
schien, zu begrüßen. Darin finden sich die bekannten 
Forderungen der Predigtlurche wieder, samtliche Statten 
der evangelischen Kultusaußeningen, Kanzel. Altar und 
Orgel, zu einer Gruppe angesichts der Gemeinde zu ver- 
einigen, die davor geschlossen in möglichst radialer An- 
ordnung der Sitzreihen unterzubringen ist 

Nebenher nun geht eine Auffassung, daß Kirchen des 
evangelischen und des katholischen Bekenntnisses sich 
nicht wesentlich von einander zu unterscheiden brauchten. 
Indessen laßt doch die Absicht einer derartigen Anbahnung 
eines erträumten Religionsfriedens auf baulichem Gebiet 
ein tieferes Eingehen auf das völlig verschiedene Wesen 
beider Bekenntnisse vermissen. Das kirchliche Ideal der 
Reformation ist bis in die Wurzel ein anderes, als das 
der katholischen Kirche; daher muß auch der bauliche 
Ausdruck ein verschiedener sein, zumal die heutige deutsche 
Baukunst auf das Charakteristische gerichtet ist. Als der 
wahrhaft große protestantische Gewinn erscheint die wie- 
dergewonnene Freiheit im Denken und Mandeln gegen- 
über dem zur Pflicht gemachten Glaubenszwang der ka- 
tholischen Kirche. In der Freiheit der Forschung liegen 
für die Kirche der Reformation Entwicklungs-Möglich- 
keiten, durch welche sie sich befähigt glaubt, die Wurzeln 
ihrer Kraft bei den geistig Mündigsten unseres Volkes zu 
finden, die heute noch teilnahmslos am Wege stehen. 
Eine solche Verschiedenheit der Grundgesinnung zwingt 
auch zu einer Verschiedenheit der baulichen Auffassung. 
Die großartige kaiholischc Einheit von Glaubenslehre und 
Regiment für sich anzustreben, kann nicht das Ziel der 
evangelischen Kirche sein. Kann sie ihre Aufgabe nicht 
darin erblicken, in ihrer Organisation das Mittelalter nach- 
zuahmen, so soll sie auch baulich nicht die Sprache der 
triumphierenden Kirche zu der ihrigen machen; Sie sollte 
in ihren Bauten nicht den Anschein erwecken, eine orga- 
nisierte Macht zu besitzen, die in der Gesamtheit der Ge- 
müter nicht zu entdecken ist. Die alten Dome wieder- 
erstehen zu lassen, ist eine poetische, aber dem Wesen 
des Protestantismus unangemessene Traumerei. Welche 
Fruchtbarkeit trotzdem in den Bauproblemcn des Protestan- 
tismus steckt, lehren bereit» zahlreiche lebendige Schöpf un- 
gen seiner uns blutsverwandten Glaubensgenossen jenseits 
des Kanales und des Ozeans. 

Und wie mit dem Aeußercn, so verhalt es sich auch 
mit dem Inneren. Wie es nicht der Ehrgeiz der Kirche 
der Reformation sein konnte, im Aeußeren mit den Kolossal- 
bauten des Mittelalters zu wettelfern, das zur Erhaltung des 
Unterwürfigkeitsgefühles die baulichen Verkörpc rangen 
des festgefügten kirchlichen Organismus nicht übermensch- 
lich genug gestalten konnte, so muß der evangelische 
Kirchenbau auch für seine lnnenrftume die ihm ange- 
messene Sprache finden, die sich von der Ekstase katho- 
lischer Dome fern halt. Ihre hohen Hallen, in deren 
Schatten sich der Blick ins Endlose verliert, sind gedan- 
kenlöscnd wie die Laubwölbungen des Waldes, nicht ge- 
dankenbindend. Der Protestantismus erstrebt keine Phan- 
tasiestimmungen, sondern Willenserregungen. Die zur 
Würde gesteigerten Bauformen scinerPredigträume müssen 
zeigen, daß der Protestantismus keine Veranlassung hat, 
sich mißachtend von der Welt und dem Leben abzuwen- 
den. In den erhabenen Räumen monumentaler katholi- 
scher Kirchen sprechen die Menschen vorwiegend als 
Maßstab für die gesteigerten Abmessungen mit; der leere 
Raum erweckt Tür sich die Stimmung einer Loslösung 
von der Welt der Wirklichkeit. In den evangelischen 
Vcrsammlungsstätten dagegen wird die vereinigte Ge- 
meinde selbst zum ästhetischen Moment, ohne daß die 
künstlerische Wirkung unvollständig bleibt Hiermit muß 
der Baukünstler rechnen. So liegt z. B. eine eigene Span- 
nung und Geistesbereitschaft in den stillen wartenden Ge- 
meinde-Versammlungen der Herrnhuter Brüder, die sich 
auch dem fremd Hinzutretenden sofort mitteilt. 

Zu dem Gemeinsamkeitsgefühl zwischen Gemeinde 
und Lilurgus schon durch die Raumanordnung zu zwin- 
gen, ist die erste Aufgabe des evangelischen Kirchen- 
Baumeisters. Die Gemeindegruppe ist raumschöpferisch 
*u umbauen mit Grundrißformen, die von der Ueber- 
dachung abhangig sind. Eine radiale Anordnung der 
Sitzreihen unterstützt das Gemeindrtjcfühl. Im neueren 
Kirchenbau der nordischen Lander wird man Oberall die 
Gemeindesitze in geschwungener oder gebrochener Linie 
u-n die PrcdigtsuUtc angeordnet finden Die Aufstellung 

'44 



der Bänke in gleicher Richtung, welche die protestantische 
Kirche von der gotischen Schiffkirche übernommen hat 
und vielfach noch Übt, ist ein überführendes Zeugnis da- 
für, daß man der Predigtkirche immer noch ein fremdes, 
für andere Kultuszwecke erfundenes Bauideal zumutet 

Gegen die Anordnung der Orgelbühne angesichts der 
Gemeinde werden zwei Gründe angeführt: die Beunruhi- 
gung der Gemeinde durch die sichtbare Tätigkeit der 
Musizierenden und die Benachteiligung der Cemeinde- 
glicder auf einer hoch über dem Redner gelegenen Orgel- 
empore am Gottesdienst. Letzterem wird durch Senken 
der Empore begegnet, sodaß die erste Reihe der anstei- 
genden Sitze nur wenig höher als der Prcdigtsluhl oder 
die Altarstatte beginnt Eine solche Anordnung birgt eine 
Reihe von gesteigerten, echt evangelischen Wirkungen. 
Der Prediger steht inmitten der Gemeinde, nur wenig 
über diese erhöht. Sein Wort wirkt eindringlicher, als 
das Wort von hoher Kanzel. Bei der gesenkten Orgel- 
bühne befindet sich der Sängerchor nahe hinter dem 
Liturgus. Für das Hören der Predigt werden diese 
Platze hinter dem Redner durch die größere Nahe ent- 
schädigt. Das Persönliche des Geistlichen verbindet sich 
durch diese Anordnung mit dem Persönlichen des vier- 
stimmigen liturgischen Gesanges zu einer Einheit gegen- 
über der Gemeinde und dem einstimmigen Choral, sodaß 
die Gegenseitigkeit des Wcchselgesanges rein in die Em- 
pfindung tritt. Der große Fortschritt auf dem Gebiete 
der Kirchenmusik, der in den letzten Jahrzehnten zu ver- 
zeichnen ist, erwuchs aus dem Schöße der evangelischen 
Kirche selbst. 

Für die Gestaltung des Inneren eines Kirchengebäudes 
war es möglich gewesen, aus dem evangelischen Empfin- 
den einzelne bestimmte Ziele als baukünstlerische Auf- 
gaben zu bezeichnen. Für das Aeußere ist dies bei der 
gährenden Entwicklung der Baukunst und der Kirche nicht 
wohl möglich. Eine Kirche, die es nach ihrer inneren 
Veranlagung vermag, die Geister auf dem Grunde der 
drei Kant'schen religiösen Voraussetzungen : Gott, Freiheit 
des Willens und Unsterblichkeit zu einen, muß es zu er- 
habenem Ausdruck in der Baukunst bringen. Die er- 
weiterten Organisationen gegenseitiger Hilfsbereitschaft 
ferner, die sich aus dem Zusammenlaufen der religiösen 
und der sozialen Fragen ergeben, fordern ihre bauliche 
Verkörperung. Man tiat damit den Anfang gemacht, die 
Wohnungen der Geistlichen, die Konfirmandensa/c, die 
Schwestern für die Krankenpflege in Hausern unterzu- 
bringen, die sich mit der Kirche zu einer Gruppe ver- 
binden. Die Möglichkeiten, diesen Organismus durch Ein- 
richtungen materieller Hilfe und geistiger Anregung zu 
erweitern, sind zahlreich. Der Ausblick, sie in dem lauten 
Treiben einer rastlos arbeitenden Stadt zu einer Hoch- 
burg des Friedens und der Menschenliebe zu vereinigen, 
ist so verlockend, daß man die lebhafte, in der evangeli- 
schen Kirche erwachte Sehnsucht begreift, solchen Hoffnun- 
gen baukünstlerische Gestalt zu geben Dabei wird das 
Kirchcngcbaudc selbst vielleicht an Bedeutung einbüßen, 
es wird einfacher, dafür aber menschlicher werden. Die 
bescheidenen Gruppenbauten, die Berlin in dieser Art 
aus froheren Jahren besitzt, die St. Jacobus - Kirche, die 
St. Johannis- Kirche in Moabit, können sich in ihrer An- 
mut sehr wohl neben den neuen Schöpfungen der evan- 
gelischen Baukunst sehen lassen. In dieser Richtung liegt 
auch die besondere künstlerische Befähigung des deut- 
schen Volkes. Seine Freude an der Harmonie im be- 
wegten Rhythmus führte in der Baukunst mit Vorliebe 
zur Gruppe. 

Es ist an die Verwirklichung dieser weitgehenden 
evangelisch-sozialen Traume die Vermutung geknüpft wor- 
den, daß wir damit nur wieder zu klösterlichen Anlagen 
gelangen würden. Doch es kann Niemand an der Mög- 
lichkeit, solche poetischen Gebilde architektonisch wieder 
erstehen zu sehen, aus dem Grunde Anstoß nehmen, daß 
das Mittelalter gleichanige Aufgaben ahnlich verkörpert 
hat. Schon der eine Umstand wird beide unterscheiden, 
daß die Lebenskraft, die diese neuen Schöpfungen des 
evangelischen Kirchenbaucs durchströmen müßte, der Geist 
der Familie ist. auf deren unerschöpfliche Lebensfülle die 
Schöpfer mittelalterlicher Klosteranlagen glaubten freiwillig 
verziehten zu müssen. — 



Inhalt : Berliner Neubauten No III Ha* nru» llrrrriihaus d» prruO. 
tandtare* (Fortaeuunt; und SrbluBl. . l'eljei die l'line der Suiil- imd Vor- 
orthahiken in Hamburg;. — MittriluucrB au« Vereinen. — I*a* SchinkcUeM 
de» Architekten . Wrnns tu tieruo. — Vcrnmvhtr« — Pieiabewerbon|fea. 
- Brief, und Fraeekaau-u. 



Hierzu eine Bildbeilage: Sitzungssaal im neuen Herren- 
hause des preußischen Landtages. 



\>,l. r <le, D f .wh« fWe.tun,. C. m K H . He-;,r, FfU die Redaktion 
ntioiwmL Albert Holmtnn, Bertiru Druck von Wilh. Cmt, Berlin. 

No. 83. 

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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

^ XXXVIII. JAHRG. m 24. BERLIN, DEN 23. MÄRZ 1904 




Abbild); 6. Franz Josef- (Zollamts) Brücke. Oes -Entwurf: Donaubrucken -Abt. de* kgl. ungar I landrUminitteriom» (unt. Hcnulz. vun 
Wetlbewerba-Entw,). Entwurf der Eiscnkonstruktion im Einzelnen u. Ausführung derselben: l'ngar. SUaU-Masrhineafabr. in Budapest. 

Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. (FfeftMtMim aus No. 17.) 




Die Kranz J o sc f - B r ü r k c i 

ie Brücke, deren Gesamterscheinung aus 
unserem Kopfbilde. Abbildg. 6, hervorgeht, 
und deren System in Abbildg. 5, S. 99 be- 
reits wiedergegeben wurde, hat ■}( Mfnungcn 
erhalten, deren mittlere von Mitte zu Mitte 
Pfeiler 1 75 m Stützweite besitzt, während die Seiten- 
Öffnungen je 79,3 m aufweisen. Das System der in 
i2,9 m Entfernung liegenden Hauptträger ist das eines 
Kragträgcrs mit eingehängtem Mittelteil und mit nach 
der Kettenlinie gekrümmtem Obergurt und bogenförmig 
ausgebildetem Untergurt. In dem eleganten Linien- 
zuge der I lauptträger liegt die I lauptschönheit der 
Brücke. Die Trager erheben sich über den Strom- 
pfeilern zu 22™ Höhe, während der 46,9"' weit ge- 
spannte eingehängte Mittelteil nur 3,025» mittlere theo- 
retische Höhe besitzt. Am Ende der 64,05 m weit vor- 
springenden Kragarme beträgt diese I Iöhe 4,16'", an den 
landseiligen Endigungen schließlich 4,"}n m . Die Keld- 
teilung ist im Mittclträger 4,69 m , im übrigen 5,95; 7.25 
und 8,5 "'. Die nutzbare Breite des Fahrdammes zwi- 
srhen den I lauptträgern beträgt ils™. die Breite der 
Hauptträger selbst je M m , die nutzbare Breite der 
auf Konsolen ausgekragten Büt gersteige je 2,9 m (vergl. 
die Abbildungen 7 u. 8, S. 147) Die Gcsamtbreite 
zwischen den Geländern stellt sich also auf :jo, 1 m . 

Die Brückenbahn besitzt ein Gefälle von 1 : 40 
und erhebt sieh in Strommitte bis + 17,20, während 
die I ntet kante der Konstruktion dort auf + 15,375 
über Nullwasser liegt, oder |,jo n über Hochwasser. 
Ueber die Brücke ist eine 2glcisige elektrische Straßen- 
bahn mit l'nterh itung geführt, deren normalspurige 
Gleise längs der Bordkanten liegen, Die Brin ke ist 
gleichzeitig dazu ausgenutzt, um 4 Wasserrohre von 

*i Vcrgl. die ausführlichen Mitteilungen vun J. Sccfchlner in 
der Zeitschrift für Aren.- u tag -Wesen 1808 und ferner die Zeit- 
-.i hrift des OcsterteK'li. tag - u Areh.- Vereint 1897. 



je 0,65 m Durehm und ein Gasrohr von 0,3 m Durchm. 
Oberzuführen. Die ersteren sind unter dem Fahrdamm 
angeordnet. Die genieteten Kasten längs der Bord- 
kante nehmen Kabel der Post usw. auf. 

Pfeiler und Widerlager sind mit Luftdruck ge- 
gründet und zwar mußte der rechte Strompfeiler bis 
9 m , der linke 13,2 m unter ±0 abgesenkt werden, 
während die Widerlager an den tiefsten Stellen nur 
bis — 3,5 m hinabreichen. Die Pfeiler sind imganzen 
abgesenkt und haben 7,5 zu 28™ Grundfläche. Diese 
Stärke behalten sie bis dicht unter Nullwa»*« r bei, 
setzen dort auf 6 m ab und verjüngen sich bis auf 
4.2 m unter dem Deckgesims. Sie schließen auf + 9,25 
ab. Sie sind im wesentlichen aus Bruchstein herge. 
stellt, Ober Wasser aber mit Werkstein und zwar z. T. 
mit Granit verkleidet. Die Landwiderlager sind in je 
2 Kaissons von je 6,2 m Breite bei 8"' Länge geteilt, 
die in rd. 3,5 lichtem Abstand von einander abge- 
senkt und durch ein Gewölbe mit einander verbunden 

sind, Auch hier ist der Körper aus Bruchstein, die 
Verblendung aus Werkstein hergestellt. 

Den architektonischen Schmuck der Brücke bilden 
die 4 an den Enden aufgestellten massiven Torhäus- 
chen, sowie die Pfeileraufbauten über den Strompfeilern 
Die Portale daselbst sind mit Blechen verkleidet und 
werden bekrönt von Adlern; sie erscheinen imganzen 
gegenüber der weitgespannten Eisenkonstmkiinn etwa* 
schwächlich. Im übrigen ist bei diesem, z. Zt. an der 
äußeren Grenze der Stadt liegenden Bauwerke mit Rück- 
sicht auf die Kosten auf reicheren Schmuck verzichtet. 

Die Gründung*- und Mauerarbeiten der Pfeiler 
und Widerlager wurden von der Bauunternehmung 
Gärtner & Zsigmomlv in Budapest, die auch alle 
sonstigen Nebenarbeiten! Uainpenseliüttung.l 'ferausbau, 
Bau der Torhäuschcni ausgeführt hat, übernommen. 
Der Kubikinhalt der Pfeiler und Widerlager stellt sieh 
imganzen auf 9536 * bm . Die Arbeiten für den Unterbau 
wurden im Sept. 1894 begonnen und am 7. Dez. 1895 



HS 



fertig gestellt ; sie wurden dabei durch ungunstige Hoch- 
wasser- und Eisverhältnisse sehr erschwert 

Die gesamte Eisenkonstruktion einschl. der deko- 
rativen Ausbildung derselben wurde der ungarischen 
Staats-Maschinenfabrik in Budapest übertragen, 
die auch den Ausführungs-Knlwurf unter I-citung des 
damaligen stcllvertretr. techn.Dir. J.Seefehlner bis auf 
einige Einzelheiten selbständig aufstellte.*) Mit Aus- 
nahme der aus Martinstahl hergestellten Auflagerteile 
und der in Gußeisen bestehenden Gegenlast am hinte- 
ren Ende der Kragträger ist die gesamte Konstruktion 
in Martinflußeisen erstellt, für welches folgende Be- 



über welche dann in der Längsrichtung Zorcscisen ge- 
legt sind. Diese sind mit Asphaltbeton ausgefüllt, der 
noch 5 cm über die Oberkante der Eisen hinwegreicht. 
Der Schotter dieses Betons bestellt an den BrQckcn- 
enden aus Trachytkleinschlag, im mittleren Teile be- 
hufs Entlastung aus Trachyttuff. Auf dieser mit Guß- 
asphalt abgeglichenen Unterlage ist eine doppelte 5 r|B 
starke Kicfernbohlenlage aufgebracht, darauf das 13™ 
hohe Buchcnholzpflastcr. Die Fußwege sind ebenfalls 
mit Zorcseiscn abgedeckt Sie haben einen 2 c,n starken 
Gußasphaltbclag auf Zementbeton. 

Das Gesamtgewicht der Konstruktion stellt sich 



lgungen gestellt waren: Zerreißfestigkeit 3500 bis auf 6076«, davon entfallen 74' auf Ziertci 



450o k *yi" n , a8—22°/ 0 Dehnung 
(quer zur Walzrichtung 32 bis 
26%). Als Beanspruchung wur- 
den zugelassen i2oo k *,'i tnl für 
die 1 lauptträgcr und Windstre- 
ben, 8oo k «/'i'-» für die Quer- und 
Längstrager, -j^o^h"» f ur die 
in einer Richtung, 650 *k m<»- für 
die in mehrfacher Richtung be- 
anspruchten Niete. Für den 
Martinstahl waren 5700 *c/ i i"u 
Zerreißfestigkeit bei ia*/o Deh- 
nung verlangt und ebenfalls 
nur 1200 l «/f» Belastung zu- 
gelassen. 

Wir geben von der Eisen- 
konstruktion außer einem sche- 
matischen Querschnitt inStrom- 
pfeilerachse, Abbildg. 7, und 
einem Querschnitt in Brücken- 
mitte, Abbildg. 8, nur die Auf- 
hangung des Mittelträgcrs, Ab- 
bildg. 9 wieder, die keiner nähe- 
reu Erörterung bedarf. Die Auf- 
lager der l'ortalstützcn und an 
deiiBrückciienden bieten nichts 
besonderes. Ersterc sind ein- 
fache Kipplager - die konvexe 
Oberschale liegt unmittelbar in 
der konkaven Unterschale, — 
letztere Rollenlager. Die Quer- 
schnitte der Gurte der Haupt- 
träger sind FT förmig, vergl. 
Abbildg. 8 Ihre nutzbarcQuer- 
M'hnitts - Fläche schwankt im 
Obergurt zwischen 347 und 
1894 r i r "\ im Untergurt zwischen 3 
Die Fahrbahntafel wird hergestc 




Abbilt 



:.isen 

und Bronze, 1306 1 in derHaupt- 
sache auf die Gegengewichte, 
137' auf die Auflagerschuhe, 
4560 ' auf die eigentliche Kon- 
struktion. An letzterem Gewicht 
nebinen die Hauptträger mit 
62, 18"/«, die Fahrbahnkonstruk- 
tion mit 21,94 ° 0 , «1»« Fußweg- 
konstruktion mit 7,14 °/o, Wind- 
streben, Geländer usw. mit8,74 0, 0 
teil. Es stellt sich danach das 
Gewicht für 1 m Spannweite auf 
13,48 ' (mit Gi'gengewichten auf 
17,30'), für 1 * m Fahrbahn auf 
0,78' (mit Gegengewicht 1 ')• 
Die Uebertragung der Arbeit 
an die Maschinen -r abrik fand 
im November 1894 statt. Die 
Arbeiten wurden so gefördert, 
daß im September 1896 die 
Probe -Belastungen vorgenom- 
men werden konnten Bei der 
Aufstellung war die Freihaltung 
einer mittleren Durchfahrt von 
ioo™ für die Schiffahrt verlangt. 
Die Seilenöffnungen wurden auf 
fester Rüstung montiert, die 
Kragarme z. T. auf schwimmen- 
den Rüstungen. Die Mittclftü- 
nung mußte wieder eine feste 
Rüstung erhalten, vor deren 
Einbringung die Seitenteile voll- 
ständig frei gemacht waren. 

Die Kosten des Bauwerkes 
stellen sieb insgesamt auf 
4 260 000 M. Davon entfallen 
987348 M auf den Unterbau, 2653875 M. auf die 
Eisenkonstruktion einschl. Ausschmückung, 618 777 M. 



Schcmattschcr Querschnitt in Porl»l»th»e 

(Strompfcilcr.) 

8 und 1818 i f " 



Hl durch 5 Läng^- 

trager, die zwischen die Querträger gespannt sind, auf die Brücken-Fahrbahn, Beleuchtung, dicZollhäuscr, 

(FuitM-ttung <oI*1 > 



zwischen denen wiederum sekundäre Querträger liegen, Bauleitung usw. 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Mittelrheinischer Arch.- u. Ing.-Vereln. Von der zweiten 
Hälfte de» Vereinsjahre* uo? ist Folgendes zu berichten: 
Hie (38.1 Hauptversammlung t Wandervers, t fand am 4. Juli 
1903 in Worms statt. Die zahlreich erschienenen Teilneh- 
mer versammelten sieh im Fcsthausc, in dessen unterem 
Saal eine Aufteilung der Plane von bemerkenswerten 
Wormser Bauten eingerichtet war. Diese Plane wurden 
durch die bei deren Ausführung beteiligten Kachgeriosscn 
erläutert, so hinsichtlich der neuen Wonnscr Bahnhof-An- 
lage durch Hrn. Hermann, hinsichtlich der Stadt. Hauten 
und der neuerdings dort errichteten Staatsgebäudc durch die 
Hrn. I i o f 111 a 11 ii und .Metzler, -Seitens des Hrn. Limpert 
war eine Auswahl von selbstgcfertigten uholographischen 
Aufnahmen alterer Hau werke des Kreises Worms ausgestellt. 

Die Verhandlungen wurden durch den Vorsitzenden, 
Uro 1 111 rot h, eröffnet F.s erfolgte die Wahl von 4 Aus- 
schußmitgliedern, sodann die Verhandlung Ober Verbands- 
fragen. Als Ort der Hauptversammlung des Vereins im 
Sommer 1904 wurde Wiesbaden gewählt. 

besondere Anregung brachte eine hierauf unter Lei- 
tung des Hrn. lUlraann aufgeführte Besichtigung der 
Wie derlierstclhings-Arbeiten am Wormser Dom, 
an welcher auf Kinladung des Vorstandes auch Mitglieder 
des historischen Vereins für das Grolihcr/oglum teilnahmen. 
Die Besichtigung wurde durch einen trefflichen Vortrag de- 

Yc>k1. I.iei/u au,' Ii <1ic .\u>ffiluun S cn »uf S. iu> in No. 17. 



Hrn. I lofmnnn eingeleitet. Ausgehend von der Entstehung, 
und den Schicksalen des Bauwerkes, welche kurz ange- 
führt wurden, ging Redner auf die verschiedenen Wieder- 
herstellungs-Arbeiten über, denen der Dom unterworfen 
war. berührte die Verhandlungen des Kunstrates und die 
von ihm auf (irund genauesten Studiums des Bauwerkes 
gewonnene Ansicht, wonach der einzig mögliche Weg, 
das Bauwerk in seiner ursprünglichen Gestalt der Nach- 
welt zu überliefern, in de-sen teilweiser Niederlegung und 
dann dem Wiederaufbau gefunden werden konnte In 
welcher Weise Hofmann hierbei vorging, wie er bei 
Meister Beyer in 1'lm sieh für die Dom-Wiederherstellung 
vorbereitere, wie er dann die Ursache der Bauschäden 
am Dom in der mangelhaften Gründung und der ange- 
wandten Verankerung der Bauteile durch inzwischen zu 
Staub zerfallene Kichenholzanker feststellte und sich end- 
lich seine eigene Bauhütte mit einem gesehulten Werk- 
meister und tüchtigen Gesellen schuf und darin die Tech- 
nik der alten Steinbearbeitung am Dom unter Wiederauf- 
deckung und Inbetriebnahme des in alten Zeiten dem 
Bauwerk die Sieine liefernden Steinbruches im Leininger 
Tal aufnahm, das alles wurde in lebendiger, anschaulicher 
Weise vor Augen gefohlt. Nachdem die l'nterfangung 
der allen Fundamente und ihre Tieferführung bis auf den 
festgelagerten Kies gelungen war, hatte der Baumeister 
auch die Gewahr für das Gelingen des Wiederaufbaues 
der abgetragenen Teile, der Vic ruilgskuppct und des Wesl- 
c.iurcs. und die gemde \.,:: ..gelle Zlis.inmienfÜgung der 

No. 24. 



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großen Kose, deren frühere, scheinbar beabsichtigte ellip- 
tische Form sich lediglich aus dem Auseinanderweichen 
dc> Steinverbandes erklärt, Hell es dem Beschauer glaub- 
haft erscheinen, dali nun auch diejenigen Kunstrats-Mit- 
gliedcr, welche früher einer abweichenden Anschauung 
Ausdruck gaben, sich mit der Wiederherstellung vollstän- 
dig befreundet haben. Tatsächlich ist diese der alten Tech- 
nik so angepaßt, daß es schwer hält, die neuen Steine 
v<m den alten zu unterscheiden. 

Nach einem Kundgang durch die Stadt nach der 
Straßenbrücke und nach Besichtigung des Paulus-Museums 
vereinigten sich die Teilnehmer mit den Damen zu einem 
gemeinsamen Festessen. 

Am 10. Okt, v, J. fand ein Ausflug des Vereins nach 
Hanau statt, um eine Besichtigung des von Hrn. Pötzer 
erbauten neuen Kreishauses mit Landratswohnung 
unter Führung des Architekten vorzunehmen. Auf dem 
Wege vom Ostbahnhof zu dem davon entfernt liegenden 
Neubau war Gelegenheit geboten, bei einem Gang durch 
die innere Stadt einen Einblick in das architektonische 
Gepräge der Stadtanlage und ihrer Bauten zu gewinnen. 



eine ausgiebigere Anwendung von Farbe stattgefunden, als 
seither in solchen Gebäuden üblich war, insbesondere ist 
in ansprechender Weise eine Belebung des im Haupt- 
treppenhause verwendeten hellroten Sandsteines durch 
Aufmalungeines Ornamentschmuckes an Kapitellen, Basen 
und Gliederungen durch Gold, Blau usw. versucht worden. 
Im übrigen zeichnen sich naturgemäß der Sitzungssaal, 
in seiner baulichen und Mobiliar-Ausstattung mit beson- 
derer Liebe behandelt, sowie die in vornehmer Weise 
ausgestatteten Räume der I.andratswohnung aus, wobei 
die sorgfältige Behandlung des Holzes hervorzuheben ist. — 

(Sdilufl Mp.l 

Vermischtes. 

Baubeamier und Privatarchitekt. In der Stadtverord- 
neten-Versammlung in Köln a. Rh vom 7. |an d. I hat 
Hr. Obcrbürgermstr. Becker bei Beratung des Neubaues 
der Handelshochschule Folgendes nach dem Protokoll der 
Versammlung des Arch - u. Ing -Vereins für Niederrhein 
und Westfalen vom 25. Jan 1904 geäußert: 

„Ich wünsche wirklich ernstlich, daß keine l'cber- 



IJuartOimtt ■« Bmckenmitu. 




Abbild*. H 
Halber Queifchoilt 
tti UrOckenmiitc. 



An*icM ilesainjehangten Traars 



?uersch-i et a b 



Die 




über die Donau in Budapest. Fran» lotet -Brocke: Abbildg. 9. 
des Mittellrägers an den Kragarmen. 



Die sich durch große Abmessungen auszeichnenden Platz- 
, darunter der Marktplatz mit seinen 4 Brunnen, 



die Anlage der Neustadt, wefchc den Einfluß der nieder- 
ländisch-wallonischen Einwanderer zu Ende des XVI. Jahrh. 
erkennen läßt, sodann von Gebäuden die verschiedenen 
Kirchen, das Rathaus, das Portal des Gymnasiums, das 
Schloß mit Parkanlage, endlich eine Anzahl bemerkens- 
werter Privathäu.scr in Fachwerkbau, legen deutliches 
Zeugnis ab von der einstigen Bedeutung Hanaus und ver- 
sprechen der wissenschaftlichen Ausbeute reichen Gewinn. 
Der sodann besichtigte Neubau des KrcLshauses führte den 
Teilnehmern wieder eine vornehme Schöpfung moderner 
Architektur vor. Das umfangreiche ( iebäude, dessen Kosten 
sich auf rd. 300000 M. belaufen, enthält in dem größeren 
Flügel das Landratsamt, die Räume für die Krcisverwaltung. 
für Polizeizwecke und für die Sparkasse; in dem anderen 
Flügel die Wohnung des l,andratcs. In der äußeren Ge- 
staltung des Baues ist Wert auf ein malerisches Gesamt- 
bild, auf die Kenntlichmachung des großen Sitzungssaales, 
auf Auszeichnung des I lauptcingangcs und entsprechende 
Ausbildung des Wohnungsflügels gelegt. Im Inneren hat 

23. März 1904. 



schreitungen mehr vorkommen, die haben wir nunmehr 
doch bis zum L'eberdruß gehabt. Aus diesem Grunde 
habe ich auch darauf gehalten, daß dir Bauausführung 
einem königl. Regierungs-Baumeistcr übertragen wird, da- 
mit wir die möglichst Gewähr haben, daß die Kosten 
sich innerhalb des Anschlages halten u-w." 

Der Verein -prach über diese Actillerung au- dem 
Grunde sein Bedauern aus, weil sie leicht zu dern|Miß- 
verständnis Veranlassung gibt, als ob der Redner einen 
Unterschied zwischen Regierungs-Baumeistern einerseits 
und den nicht staatlich geprüften Architekten anderseits 
in dem Sinne habe behaupten wollen, duli den letzteren 
inbezug auf sparsame Ausführung von Bauten ein ge- 
ringeres Vertrauen gebühre, als den eruieren. - - 

Zum ordentlichen Mitglicde der kgl. preuü. Akademie 
der Künste wurde der Architekt Prof. Alfred Messel in 
Berlin berufen, zum Senator der Architekt (ich. Brt. 
Heinrich Ka\ser in Berlin. — 

Die Bebauung der Kohlenlnsel In München. Die Mün- 
chener Gemeinde- Bevollmächtigten haben am 17. März 

M7 



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einen die Bebauung der Kohleninsel betr. wichtigen Be- 
schluß gefaßt, indem sie dem Magistrats -Besehlasse bei- 
traten, nach welchem der südliche Teil der Kohleninsel 
für einen Monumentalbau für das Museum für 
Meisterwerke der Naturwissenschaften und der 
Technik im Erbbaurechtc überlassen wird. Die Ent- 
würfe für den Neubau sollen der Genehmigung der beiden 
städtischen Körperschaften unterliegen — 

Oer zwischen Ehrhardt- und Ludwigsbrückc gelegene 
Teil der Kohleninsel soll einem öffentlichen städtischen 
Gebäude vorbehalten bleiben. Es ist wohl in erster Linie 
an ein Stadthaus gedacht. Die vom Magistrat beantragte 
sofortige Ausarbeitung der Plane soll noch ausgesetzt wer- 
den, bis die Entwürfe für das Museum festgestellt sind. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese beiden 
Beschlüsse einen sehr wichtigen Schritt in der künst- 
lerischen Weiterentwicklung der bayerischen Hauptstadt 
bedeuten. Wir werden zu gelegener Zeit auf die Sache 
ausführlicher zurückkommen, die bezüglich des Museums 
eine allgemeine deutsche Angelegenheit ist — 

Preisbewerbungen. 

Zu einem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für den 
Bau einer Handelshochschule In Berlin wurden die Archi- 
tekten Kavser & von Groszhcim, die jedoch die Teil- 
nahme abfehnten, Erdmann Ar Spindler. Crcmcr Ac 
Wolffenstcin, Fürstenau, Keimer <V Körte sowie 
Hönigcr ic Scdcltneyer, sämtlich in Berlin, eingela- 
den. Der Neubau soll auf einem von der Neuen Fried- 
rich-Straße, der Spandauer-Straße und der Hciligcngeist- 
gassc begrenzten Gelände errichtet werden. Verlangt 
werden u a. eine Aula für 500 Sitzplatze, 5 Hörsäle für 
40 -250 Personen, Seminarräume für Sprachen, Volks- 
wirtschaft, Geographie. Kaumgruppen für ein physikali- 
sches und ein chemisches Laboratorium, Räume für Ver- 
waltung, Wohnräume usw. Die Zeichnungen sind 1:200 
verlangt; für 1 cbm unibauten Raumes ist ein Einheitspreis 
von 25 M. festgesetzt Die zum 1. Mai d. J. einzuliefern- 
den Entwürfe beurteilt ein Preisgericht, welchem als Archi- 
tekten angehören die Hrn. Geh. Ob.-Brt. II. Eggert, Min.- 
Dir. K. Hinckeldeyn, Siadtbrt I- Hoffmann und Prof. 
A Messel, sämtlich in Berlin. Jeder Teilnehmer des 
Wettbewerbes erhält ein Honorar von 3500 M. Es i>i 
beabsichtigt, dem Bewerber, dessen Entwurf als 
der beste oefunden wird, die Ausführung des 
Baues zu übertragen. — 

Wettbewerb für die Erweiterung des Hafens von Gothen- 
burg In Schweden. Bei Besprechung dieses im Nov. v. J. 
ausgeschriebenen Wettbewerbes hatten wir bereits darauf 
hingewiesen, daß das Programm eine Reihe von Fragen 
offen gelassen hatte (vergl. S. 32). Wir erhalten jetzt eine 
Ergänzung des Programmes, die eine Keihe der fehlenden 
Angaben nachträgt. Sic gibt Mitteilungen über die jetzigen 
Verhältnisse der Binnen-, Küsten- und Seeschiffahrt, über 
den geplanten Freihafen, den Petrolcumhafcn, ferner über 
Was.s<;rtiefcn, über Ebbe und Flut, Ober das Vorkommen 
de* Bohrwurmes, über Strömung und KisvcrhMtni-s.sc. Es 
werden ferner Angaben über die vorhandenen I .ade- und 
Lösch- Einrichtungen, über die Schiffs-Abmessungen der 
Binnenschiffahrt, über die Gleisanlagen und Güterzunahme 
gemacht. Bezüglich des statistischen Materiales über die 
jetzigen Verkehrs- Verhältnisse und die zu stellenden An- 
sprüche an die Entwicklung derselben, worüber Angaben 
bisher ganz fehlten, wird auf die Jahrgänge I III des 
durch die Buchhandlungen zu beziehenden statistischen 
Jahrbuches der Stadl Gothenburg verwiesen. 

Wettbewerb betr. die Gartenstadtbewegung. Die engl. 
„Garden City Association" verunstaltete im Herbst v J. 
einen Wettbewerb für die Pläne der zu bauenden „garden 
citv" zwischen Ililchins und Bcldock. Aus diesem Wett- 
bewerb Mild ilie Entwürfe der Architekten Barry Parker 
und Kawnond Citvvin iBuxton-Dcrbyshire't siegreich her- 
vorgegangen. Sic sollen in jeder Beziehung mustcrgillig 
sein und dürften in weiteren Kreisen die Forderung der 
„Gartenstadt-Idee" bewirken D;is Gelände der „Garden 
Citv Association" wird nun von den Ilrn Parker und 
l'invin zur Ansiedelung vorbereitet - 

In einem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für ein Stadttheater in Gablonz in Nordböhmen liefen 
24 Arbeiten ein. Den I Preis errang der Entwurf des 
Architekten Rtnl Kraus/ m Wien. 

Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Gebäude 
des Verkehrsministeriums und Zentral -Briefpostamtes in 
München liefen #i Arbeiten ein. Der Wettbeweib war 
auf bayerische KütiMler beschränkt 

Wettbewerb Festhalle Landau. F.» liefen iin^iui/eii 172 
Entwürfe ein. D.i- Preisgericht trat am 24. Mär-' zusammen. 

.48 



Chronik. 

Der Ausbau de« rechtsrheinischen Industriehafen* In Köln, 

der aul rd 5 Mi II M veranschlagt ist, ist durch die einstimmige Be- 
willigung der ersten Rate von 3505800 M. durch die Stadtverordnete» 
beschlossen worden Die Anlage wird eine Flache von 35 ha umfassen 

Der Neubau de* physikalischen Institute* In Frankfurt 
t. M. i»t an der Viktoria-Allee geplant. Die Plane sind von Hrn. 
Fr. v. Hoven entworfen und beanspruchen tu ihrer Verwirklichung 
eine Summe von rd. 1 Mill M — 

Ein Kunstvereinshaus In Augsburg Boll an der HalUtrabe 
auf einem von der Stadt Augsburg kostenlos überwiesenen flaue 
errichtet werden. — 

Ein neues Wasserwerk der Stadt Worms, welches mit 
einem Aufwände von laoooco M. geplant ist, aoll die Rheinwasaer- 
Vcrsorgong durch eine Grundwasser- Versorgung ersetzen. — 

Saaltalsperre. Eine Saaltalsperre wird oberhalb des preußi- 
sche» Städtchens Ziegenrück geplant Du ZufluBgebiet soll 1600 qkm 
betragen, 30 Mill. ebm jährlicher Zufluu, 60 Mill. cbm Fassanganuim 
des Beckens, 30 m Mauerhöhe des SchuUdammes, Baoo P. S. Be- 
triebskraft. Die Kosten wurden 1 800000 M betragen. Der Haupt- 
zweck der Anlage geht dahin, die Industrie der V'mgebung (Saal- 
feld, Pöüneck, Rudolstadt, Schleiz, Zeulenroda, Greiz usw.) mit 
billiger Betriebskraft zu versehen. Die umliegende» Ortschaften 
sollen elektrische Beleuchtung erhalten. — 

Die Errichtung eines Stadttheaters In Kiel ist durch die 
Stadtverordneten nunmehr beschlossen worden. Fflr das nach den 
Entworfen de» Rauratc* Heinrich Seeling in Berlin zu errichtende 
Haus wurden 1.5 Mill M. bewilligt — 

Der Ausbau des Palais Borsig In Berlin, eines der feinsten 
Werke von I-ucae, wird nunmehr, nachdem das Palais io der Wtlheltn- 
slrafle Jahrzehnte lang unausgebaut dastand, in Angriff genommen. 
Das Haus ist dnreh die preußische Pfandbriefbank uro 13 Mill. M. 
erworben worden und wii d derselben als Geschäfts -Gebäude dienen. — 

Ein Denkmalbrunnen für Peter Henleln, den Erlinder der 
Taschenuhren, soll auf Veranlassung des Deutschen fhrroacber- 
Verbandes errichtet werden. In die mit 33000 M. veranschlagten 
Kosten leileo sich die Stadtgemeinde Nürnberg um) der genannte 
Verband zu gleichen Teilen. — 

Die Errichtung eines neuen kgl. Schauspielhauses in 
Dresden ist durch König Georg bewilligt worden. Das 1906 zu 
eröffnende Haus soll seine Stelle in der Ostra - Allee, /wischen 
Loge, Zwiiigcranlagcu und Orangeric erhalten. Zur Gewinnung der 
Plane wird der Weg des öffentlichen Wettbewerbes beschritten. 

Die Erbauung eines Stadttheaters in Kattowltz ist nach 
dem Entwurf des Ilm. Reg -Bmslr. K. Moritz in Köln a. Rh. und 
unter Annahme einer Bausumme von 630000 M durch die Stadt- 
verordneten einstimmig unter der Voraussetzung beschlossen wor- 
den, dal) der Staat einen Zuschul) zu den Baukosten 10 Hohe von 
mindestens 300000 M bewilligt- — 

Eine allgemeine Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906 

ist durch den Dresdner Kunstge werbe- Verein beschlossen worden. — 



Personal-Nachrichten. 

Baden. Versetzt sind: Die Rcg-Bmstr. Urach in Konstanz 
zur Wasser- u. StraBenbaoinsp, Freiburg, W i e 1 a n d t iu Freiburg 
zur W.- u. Str.-Bauinsp. Heidelberg, Kitiratschky in Mannheim 
zur Kulturinsp. Heidelberg und Kern in Olfenburg zur Rheinbau- 
insp. Mannheim; der Bauing. Sticrlin in Heidelberg zur W.- u 
Str..Bauinsp. Ottenburg. 

PreuOen. Dem M.r.-Schilfbmstr I) i x und dem herz, braun- 
schweig. Krcisbauinsp. Mi Mendorf in Helmstedt ist der Rote 
Adler-Orden IV. Kl verlieben. 

Dero Geh. Brt. Rocker in Erfurt ist die Erlaubnis zur Anleg. 
des ihm verheh. (ur Ml. s, hwarzburg. Ebrenkreuzes II. Kl. erteilt. 

Versetzt •.iud: Der Kisenb.-Hau- n. Betr.-Insp. Schräder in 
Ncukirchcii nach Treysa als Vorst, der dahin verlegten EiBenb.- 
Baoabt; die Rcg-Brostr. Dr. pl.il. Schmitz in Brrslan zur Kgl. 
Eisenb.-Dir. in Hannover, K o e s t c r iu Berlin zur Kgl. Eisenb.-Dir. 
in Frankfurt a_ M. und Pommcrehnc in Hannover zur Dir. in 
Breslau; Rautcnbeig in Pr F.vlnu nach Königsberg i. Pr. 

I>cr Eiscnb -Baum*p Diedni h in Essen a. d. Ruhr ist der 
Kais, deutschen Botschaft iu Washington zugeteilt. 

Dero Duz. der Techn. Hochschule zu Berlin, l.andesbrl Theod 
Goec k c ist das Prädikat Prot verliehen — DieWabl des Sudtbmalr. 
Kröger in Merseburg als besoldeter Stadlrat (Stadtbrt.) ist bestätigt. 

Die Reg -Hlhr. Beruh. Hunger aus Neucnfcldc, ,lohs. Werdcl- 
inutin uus Detmold u Ottoruar Martini au» Hagen i.W. (Hochbfch (, 
— Felix Schulz aus Greiz Ulli Max. v. A 1 1 w ö'r de n aus Hambarg 
I Wasser- u. Suaßcnblrh .), — Ewald Mecs aus Elberfeld f Masch. - 
BMi.| sind zu Rcg.-Bmstrn ernannt. 

Zur Beschäftigung überwiesen siml die Reg -Bmstr. : Dcchant 
dem Techn. Bur der Hochbauabi. des Minist. d< r ötlentl. Arb. ui-d 
Stechel der Kjrl. Reg. in Kassel. 

Brief- und Fragekasten. 

Wettbewerbswesen. Aul eine ganze Reihe von Auslassungen 
und Beschwerden Uber die Ditrrhfnhrung der Wettbewerbe, die 
uns zugingen, bcnieikcn wir, daU. obwohl wir die Berechtigung zu 
Besehwerden leider in den tneirten Killen anerkennen müssen, es 
uns doch zu unserem Ichhnflcn Bedauern ganz unmöglich ist, alle 
Falle redaktionell zu behandeln, da dazu .lei Raum unserer Zeitui>g 
auch nicht eiitfcint ausreicht. Wichtigeren Fragen aber werden 
wir stets die gcbiilirende Aufmerksamkeit schenken -- 

Inhalt: i'i. ;«».-.• « -,,.,i>, ..,|„ ,, 1.,.., ,| , Ii,,,,,,; j„ Hu.bprsi 

ir.'Tt-r-,. :: M tu , I -, n.i, \ ...... \Yiir-i>f]|-.<-i. IVeisbe 

ss r 1 1- .1 1 — ( IVi .oikaUN», it-M iiini. — Ht.cf- und Ki*erk*si«M. 

Verlur der lleucsrhen iWmlniiz:. <i m b 11., Berlin. Kar die Redatm.ii 
vrrantwortt Albert II u I m 1 11 u, lieiliiL tiru.L Vua Willi. CrtTC, Berlin. 

No. J4. 



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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 25. BERLIN, DEN 26. MÄRZ 1904 

Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. 

<Foi-l«rt/utifc > \Urttu einr IttUlbc-itagr. 

mit Spannungen von 42,2"' von Mitte Pfeiler bis Vorder- 
kante Widerlager überbrückt (vcrgl. die Ucbersichts- 
zeichnung Ahbitdg. 4, S. 99). Die in einer lotrechten 
Ebene liegenden Ketten und Versteifungsträger haben 
einen Abstand von 20 ■ v. M. z. M. und fassen sowohl 
die 1 1 "' breite Fahrbahn wie die Rürgersleige zwischen 
sich. Letztere besitzen. in der Stromöffnung je 3,5, in 
den beiden Seitenöffnungcn je 3,7* Breite. Durch die 
Portale über den Zwischenpfeilcrn werden sie auf 2,8 m 
eingeengt. Sie haben ein Qucrgefällc zur Fahrbahn von 
1 : 70, während letztere mit 1 : 40 nach den Bordkanten 
fällt Ivergl. den Querschnitt Abbildg. 141. Das I.ängs- 
profil der Brücke ist im mittleren ioo m breiten Teile 
nach einer Parabel geformt, deren Oberkante in Fahr- 



III. Die Elisabeth-(5chwurplatz-)Brückc. 

|ür die Elisabeth - Brücke ist wieder das 
System einer versteiften Kettenbrücke ge- 




wählt, teils aus ästhetischen Rücksichten, 
teils weil es im Interesse der Schiffahrt und 
der ungehinderten I lochwasser- und Kis-Ab- 
führung wünschenswert erschien, den Donaustrom 
an dieser Stelle in einer ungeteilten Spannung zu über- 
schreiten. Die Brücke hat demzufolge eine einzige 
Stromöffnung von 290'" Spw. von Mitte zu Mitte der 
an den Ufern stehenden Zwischenpfeilcr erhalten und 
ist damit wohl die weitestgespannte Brücke des Kun- 
tinentes. DicbciderseitsanschlicÜcndcnlfcrstraUensind 




Abbildg. 10. Die Elisabcth-BrQcke im Bau. (Die MonUgcrCittuog Ml Im auf die Ijmia.Uuig der PurUilc eutlcrot J 

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hahnmitte bei unbelastetem Zustande der Brücke und einer 
Temperatur von -i 

Wasserspiegel liegt. Dann fällt die Bruckenbahn beiderseits 
nach den ufern mit i : 37 und erreicht Ober den Zwischen- 
pfeilern 4- 15,335 m , an den Brückenenden eine Höhe von 
+ 14,16™. Der Untergurt des Versteifungsträgers liegt im 
mittleren Brückenteil 3,5 m unter Fahrbahn-Oberkante, also in 
Bruckenmilte auf + 15,075 m über Nullwasscr; an den Zwi- 
schenpfeilern ist er bis auf + 9,60 m hinabgezogen. 

Leber die Brücke ist längs der Bordkanten je 1 Gleis 
einer elektrischen, normalspurigen Straßenbahn mit Unter- 
leitung ausgeführt. Unter der Fahrbahn sind längs der Bord- 
kante wiederum Kabclkasten, unter den Bürgersteigen Gas- 
und Telephonkabel -Rohren durchgeführt. Die Fahrbahn i*t 
mit 12 c » hohem Holzpflaster auf doppelter Bohlenunterlage (je 



08 9i-- - f?j - 




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2,5 cm ) hergestellt, die auf dem die Zoreseisen aus- 
lullenden und überdeckenden Aspballbeton ruht Die 
Bürgersteigc haben Gußasphaltbelag auf Betonunter- 
bettung, die von Wellblech getragen wird 

Die Ausbildung der Strompfeiler und Widerlager 
geht aus den Abbildgn. 1 1 13 hervor. Die im Unter- 
bau 40™ langen und 9,3"' breiten Pfeiler sind mit Luft- 
druck bis — 8,5 "' unter Nullwasser abgesenkt und zwar 
bestehen die Fundamente aus 2 getrennten Kaissons. 
Die Oberkante liegt auf + 8.75 Die Widerlager 
waren ebenfalls als für jede Kette getrennte Maucr- 
werkskörper geplant und ausgeführt. Sie sind in 
offener Baugrube zwischen eisernen Spundwänden 
hergestellt worden und ruhen auf einer bis — 4 m 
hinabreichenden Betonschicht, die in ihrem dem Strom 
zugekehrten vorderen Teile mit t : 10 ansteigt. L'cber 
der Ik-tonschicht ist eine Asphaltschicht aufgebracht, 
die von den wasserdicht herzustellenden Ankerkammern 
das aufquellende Wasser abhalten soll. Auch die 
Seitenwande der Widerlagsklötzc wurden in dieser 
Weise abgedichtet. Diese Anordnung erwies sich als 
nicht günstig und als zu schwach für die Aufnahme 
des Zuges der in den Widerlagern verankerten Rück- 
haltketten. Das Widerlager an der Ofener Seite zeigte 
im Frühjahr 1002, nachdem die Eisenkonstruktion zu 
etwa " , montiert und die Kette in der Slromöffnung 
ausgerüstet war, eine Bewegung des über der Asphalt- 




- s: PU 

AbbiMg. n Milüciei BtOi-Wcn-yocrtclihiu. 

schicht, die wie eine Kutschfläche wirkte, ruhenden 
Mauerteiles. Ms erwies sich daher eine wesentliche 
Verstärkung der Widerlager als erforderlich, die nach 
tcilweiscmWiedcrabbaudcrEiscnkonstruktion und einei 
Beseitigung der Rüstungen an den Rückhallketten und 
Portalen bis anfangs 1903 durchgeführt wurde Diese 
Verstärkung besieht zunächst darin, daß der Zwischen- 
raum zwischen den beiden Widerlagsklötzcn ausge- 
füllt wurde und daß man durch letztere in Hohe der 
Asphaltabdcckung wagreihte Stollen durchtrieb, die 
dann mit Granitmauerwerk gefüllt eine Art Verzahnung 
herstellten Vor den Widerlagsstirnen wurde außer- 
dem durch tiefere Absenkung von Kaissons noch ein 
kräftiger Vorfuß geschaffen und schließlich wurden, um 
Kippbewegungen zu verhindern, im Anschluß an dje 
leichten Torhfluschcn schwirre massive Aufbauten über 
den Ankerkammern aufgebaut und in letztere selbst 
noch Eisenbärten zur Belastung eingebracht. In dieser 
Form haben die Widerlager der im Herbst 1903 aufge- 
führten Probebelastung ladcllos widerstanden. Acußcr- 
lich hat die Brücke durch die schweren EnJaufbautcti 
jedenfalls nur gewonnen. 

Die Ausführung aller Gründungs-, Mauer und- 
Steinmctzarbcitcn, sowie die sonstigen nicht zur Eisen- 
konstruktion gehörigen Nebenarbeiten waren der Firma 
E. Groß, Tärsa und Heinrich Fischer in Wien- 
Budapest übertragen. 

a6. Marz 1904. 



Die Gesamtanordnung der Eisenkonstruktion geht 
aus den Abbildgn, 11—14 und aus der schon erwähnten 
Uebersichts- Zeichnung in No. 17 hervor. Jede Trag- 
wand besteht aus 2 senkrecht übereinander liegenden 
Ketten, die mit den auf den Kipplagcrn ruhenden 
Portalständern gelenkig verbunden und durch gerad- 
linige Rückhaltketten mit den Widerlagern verankert 
sind. Soweit die Ketten sichtbar sind, sind sie in 
ganzer Lange in einem lotrechten Abstand von 1,52™ 
parallel zu einander geführt. Bei -I- 10 "C. und in un- 
belastetem Zustande der Brücke liegt der theoretische 
obere Aufhängepunkt der oberen Kette auf + 51,56 D1 , 
während der tiefste Punkt in Brflckcnmittc sich dann 
auf + 22,56 m über Nullwasser befindet. Die Stütz- 
weite der Mittelöffnung ist dann genau 290"", die wag- 
rechte Entfernung vom Aufhängepunkt bis zum unter- 
sten Kettenbolzen der oberen Rückhaltkctte 69,244 m . 

Die Kettenglieder sind mit zylindrischen Bolzen 
mit einander verbunden, an welche auch die regulier- 
baren Hangestangen angreifen, welche die (Querträger 
der Fahrbahnkon^truktion umfassen. Auf die Aus- 
bildung der Verankerung und der oberen Verbindung 
der Kellen mit den Portalständern, die mit Doppcl- 
Kippbolzen erfolgt, kommen wir im Einzelnen zurück. 

Die Porialständcr bestehen aus zwei von Mitte zu 
Milte 2205 «"•■ entfernten Eisenkasten, die teils aus 
vollen Blechen, teils als Fachwerk hergestellt sind. 

Sie stehen auf Stahlkipp-Lagern, die 
auf gußeisernen Platten ruhen. In 
ihrem oberen Teile vereinigen sie sich 
zu einem Doppelkaslen. in welchem die 
Aufhangebolzen der Ketten gelagert 
sind. Durch Querversteifungen über 
den Auflagern und am oberen Ende 
sind die beiden Portalständer zu einem 
festen Portale zusammengefaßt Die 
Portale haben eine architektonische 
Umkleidung mit einem dünnen Blcch- 
mantel erhalten, sind aber in allen 
Teilen zugänglich. 

Die Versteifungsträger, welche den 
lotrechten Deformationen und Schwin- 
gungen der Ketten entgegenzuwirken 
haben, sind im Obergurt parallel zur 
Fahrbahn, also i,25 m Über Fahrbahn- 
achse liegend, geführt. Der Untergurt 
ist parabolisch gekrümmt; er liegt in 
Brücken mitte 3,5» unter Fahrbahn, 
über den Stroinpfeilern auf + 9,60 und 
steigt bis zu den Endauflagern wieder 
bis +11,4'" über Nullwasscr an. Die 
Trägerhöhe schwankt zwischen 3,58 
und 6,99'». Die Feldteilung ist in der Mittelöffnung 
6 m , im regelmäßigen Teil der Seitenöffnungen 4™. 
Die Querträger der Mittclöffnung sind, wie schon be- 
merkt, an den Keltenbolzen aufgehängt und zwar ab- 
wechselnd an der oberen und der unteren Kette. Nur 
in Brückcnmitte ist eine steife Aufhängung hergestellt, 
um die wagrechten Schwingungen der Kette durch 
den Winddruck auf die Versteifungsträger und den 
Wind verband zu übertragen. Die Versteifungsträger 
schieben sich über den Strompfeilern zwischen die 
beiden Portalwande ein und sind an deren Lagcrbolzen 
pendelnd derart aufgehängt, daß sie zwar den Tempe- 
ratur-Ausdehnungen folgen, aber sich nicht in lot- 
rechter Richtung bewegen können Die Verankerung 
der Trägerenden an den Widcrlagei n beschrankt deren 
Bewegungsfreiheit in gleicher Weise. Die Einzelheiten 
sollen noch später zur Darstellung kommen. 

Die allgemeine Anordnung des Windverbandes 
geht aus Abbildg. 12 hervor, Er ist mit dem Unter- 
gurt des Versteifungsträgers verbunden und als ein 
durchlaufender Träger auf 4 Stützen aus bildet, dessen 
Mittelteil 290 m Stützweite be-itzt, wahrend den Enden 
J c 45.7 m zufallen Die Endstreben sind zu einer Spitze 
zusammengezogen und gegen seitliche Vei .-ehiebung 
gesichert gelagert. l.Yher den Stroinpfeilern ist das 
W